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Donnerstag, 9. August 2018

Altmännerromantik

Seitdem die ganze Debatte zum Thema #MeToo aufkam, ist ja schon einige Zeit vergangen. Als das Thema ganz heiß in den Medien war, war ich immer erstaunt, was andere Frauen alles schon erleben mussten. In meinem zivilen Alltag habe ich selbst sonst offen gesagt wenig sexistische Belästigung erfahren. Doch im Krankenhaus sieht es komplett anders aus.

Ich studiere Medizin und nähere mich inzwischen dem Ende des Studiums. Aktuell befinde ich mich im praktischen Jahr, in dem man durchgängig im Krankenhaus in verschiedenen Abteilungen arbeitet. Und nach zehn Monaten Krankenhaus kann ich sicher sagen: sobald man sich als Frau die weiße (blaue, grüne…) Uniform anzieht, ist man scheinbar für anzügliche Bemerkungen freigegeben.

Es sind hauptsächlich ältere Herren, die unangenehm werden. Häufig sind es auch die geistig nicht mehr ganz fitten. Sobald da ein bisschen Demenz ins Spiel kommt oder das Frontalhirn aus anderen Gründen die Willenskontrolle nicht mehr auf die Reihe bekommt, brechen die unangemessenen Gedanken aus den Köpfen aus und verstören weibliches Personal.

Beispiel.

Ein 80-jähriger Herr kommt mit Anämie ins Krankenhaus. Der Mangel an roten Blutkörperchen hat ihn ziemlich geschwächt. Ich darf ihn betreuen. Mit Rücksprache mit den anderen Ärzten, doch erst mal bin ich verantwortlich.
Ich befrage den Patienten nach seinen Symptomen, seiner Vorgeschichte, untersuche ihn, nehme Blut ab, bereite schon mal das Kreuzblut für die Transfusionen vor. Um auch noch rechtzeitig die Anmeldung für die Magenspiegelung am nächsten Tag zu machen (man muss ja nach einer möglichen Blutungsquelle als Ursache der Anämie suchen und der obere Verdauungstrakt ist eine sehr häufige) und sicher zu stellen, dass die Bluttransfusionen auch noch am selben Tag laufen, bleibe ich extra länger.  Die anderen Ärzte hatten viel zu tun an dem Nachmittag, sodass der ältere Herr auf der Strecke geblieben wäre, weil es schwerer Kranke gab. Also leiste ich meinem Pflichtbewusstsein Folge und sorge dafür, dass die Transfusionen erledigt werden. Bezahlt wird mir da nix.
Nächster Tag. Es geht dem Patienten sehr viel besser. Keine Luftnot mehr beim Laufen, kein Herzrasen mehr, nur weil er vom Bett ins Bad will. Ich wünsche ihm einen guten Morgen und erkläre, dass ich noch einmal Blut abnehmen möchte, um zu kontrollieren, wie nach der Transfusion die Werte sind.
Er streckt mir die Arme entgegen. "Bedienen Sie sich ruhig an mir!". Okay, soweit so gut.
Ich lege den Stauschlauch an, ziehe ihn fest.
"Oh, packen Sie ruhig ordentlich zu. Am liebsten nicht nur am Arm; Sie wissen ja wie das geht." Er zwinkert mir zu.

...

Das sind Momente, in denen ich mich dann echt selbst dafür verfluche, meine freie Zeit dafür aufgewendet zu haben, um Leuten zu helfen, die dann am Ende nicht mal nett zu einem sind. Obwohl - vielleicht denkt er ja, es wäre ein Kompliment. Ich hätte mir gewünscht, dass er die nun vorhandene Luft genutzt hätte, um was sinnvolleres und vor allem weniger anzügliches zu sagen.

Solche Situationen sind nicht selten. Kleine Kommentare unter der Gürtellinie. Als würden senile Männer ernsthaft denken, es würde weibliches Personal erfreuen, wenn sie ihnen sagen, dass sie gut aussehen, wenn sie sich bücken, einen anderen Patienten im Bett mobilisieren oder sich einfach nur zur Untersuchung ihnen entgegen beugen. Es ist total verstörend, wenn völlig fremde Menschen versuchen, einem ins Gesicht zu greifen, nur weil man in der Nähe ist. Da macht man sich trotz höchstmöglicher Bettenposition den Rücken krumm, weil adipöse alte Leute furchtbare Venenverhältnisse haben, vor Luftnot nicht liegen können und man versucht, noch eine Infusionsnadel in sie rein zu basteln und alles, was denen einfällt, sind widerliche Bemerkungen. Danke schön!

Mit Frauen ist mir so etwas noch nie passiert. Die komplimentieren nur Ohrringe und fassen im schlimmsten Fall mal Haare an und murmeln, welche Frisuren sie früher mal hatten. Das unangenehmste Erlebnis war, bei einer Blutentnahme während der die Patientin weiter frühstückte, mir unerwartet ein angebissenes Wurstbrötchen ins Gesicht gehalten wurde. Ich müsse ja auch mal was essen und könne hier nicht nur arbeiten.

Dass Frauen im Krankenhaus von Personen über 60 Jahren generell nur mit "Schwester!" angesprochen werden - ganz egal, ob sie Kittel und Doktortitel tragen sowie seltsamer Weise nie den Patienten waschen und aufs Klo bringen - ist ja eine Sache, die ich inzwischen tolerieren kann, doch diese anzüglichen Kommentare kotzen mich echt an.
War damals Respekt vor Frauen kein Teil der Erziehung? Also wenn das der damalige Standard des romantischen Annäherungsversuches ist, dann wundert es mich wirklich, dass die Bevölkerung hierzulande nicht längst ausgestorben ist.

Freitag, 23. März 2018

Die inneren Werte

Wir haben nur einen Körper. Dementsprechend sorgsam sollte man mit dem umgehen, den man hat. Wie genau das sich gestalten soll, wird einem regelmäßiger in den Medien, der Werbung oder auch medizinischem Fachpersonal erzählt, ohne dass man es so ganz bewusst mitbekommen. Irgendwann schaltet man auch ab, wenn man zum tausendsten Mal hört, dass man sich ausgewogen ernähren, sich bewegen und vor Sonnenstrahlung schützen soll. Bla bla bla.

Aktuell befinde ich mich im praktischen Jahr des Medizinstudiums. Das letzte Studienjahr wird durchgehend in Krankenhäusern verbracht, dafür genutzt, praktische Erfahrungen zu sammeln und verschiedene Fachbereiche im Alltagsgeschäft kennen zu lernen. Momentan bin ich auf einer chirurgischen Station. Nicht unbedingt mein Wunschfachgebiet für die Zukunft, doch zugleich unheimlich faszinierend.

Der menschliche Körper ist wunderschön. Filigrane, sorgsam angeordnete Strukturen, die einen Zweck erfüllen müssen. Es ist jedes Mal wieder ein kleines Wunder, nach dem Schnitt durch die Haut zu sehen, wie sich darunter Fettgewebe, Faszien, große Gefäße, Muskulatur und dann die inneren Organe anordnen. Es ist sehr ästhetisch, wie der Körper sich auf den verschiedenen Ebenen gestaltet. Sich über einen Bauchschnitt durch die Muskulatur zu präparieren und das Bauchfell, welches die Bauchorgane beinhaltet, nicht verletzend nach retroperitoneal zu bewegen, um an der Aorta anzukommen, flößt Ehrfurcht ein. Denn anders als im Präparierkurs ist die Aorta nicht leer und in Formalin konserviert, sondern voller Blut, pulsierend und lebendig. Schon verrückt. Und gleichzeitig total deprimierend. 

Denn man schneidet ja nicht in den Körpern gesunder Menschen umher, sondern das Handwerk dient der Reparatur der defekten Hardware. Es ist so traurig, was man da zu sehen bekommt. Verkalkte Gefäße, die kein Blut mehr durchlassen, sodass eine Zehe nach der anderen schwarz wird und letztlich amputiert werden muss. Die verkalkte Innenschicht der Gefäße knackt richtig, wenn man mit dem Skalpell durch sie hindurch schneidet. Die eingetrockneten schwarzen Zehen fallen bei Berührung schon fast von allein ab, man muss nur die Wundränder ein bisschen säubern.
Unfassbar, durch welche Fettschichten man sich teilweise wühlen muss, um erst mal an die eigentliche Bauchhöhle zu gelangen. Da drin sieht es dann aber nicht weniger fettig aus, wenn außen schon die ganze Unterhaut voller schmieriger gelber Fettknötchen war. Dann darf der Student die schwere Bauchfalte festhalten, damit der Operateur auch ordentlich arbeiten kann.

Das alles gibt mir einen ganz anderen Blick auf die gut gemeinten Gesundheitsratschläge. Warum sollte man rauchen, wenn man wüsste, wie krank und hässlich einen das innerlich macht? Warum sollte man sich mit übermäßig vielen Kalorien schaden und nicht bewegen, wenn einem klar wäre, was für furchtbare Auswirkungen das hat?
So einfach ist das alles nicht. Es gibt psychische Erkrankungen, die einen hindern, es gibt körperliche Ursachen, ans Bett gefesselt zu sein und sich nicht zu bewegen. Oder es fehlt schlicht der Antrieb. Aber Rauchen müsste man noch immer nicht.

Der Mensch ist ein komplexes Geschöpf, das alles andere als rational ist. Man kann niemanden zwingen, gesund zu leben. Es ist einfacher, die anstrengende und schmerzhafte Krankengymnastik abzulehnen und das Bein steif werden zu lassen, als dafür zu kämpfen, wieder laufen zu können. Man kann sich ganz bequem mental positiv zu seinem übergewichtigen Körper einstellen statt die Ernährung umzustellen und Sport zu machen. Äußerlich können übergewichtige Körper gut aussehen - aber innerlich nicht. 

Diese Erfahrungen sorgen bei mir dafür, mir noch mehr zu überlegen, ob ich wirklich das Stück Kuchen in meinen Stoffwechsel werfen will. Regelmäßiger Sport war für mich nie etwas, das in Frage stand, sondern Dank meiner Eltern immer Teil des normalen Lebens. Ernährung ist ein anderes Thema. Ständig so viel Versuchung um einen herum. Ungesundes Essen ist sozial genauso akzeptiert wie Alkohol. 

Alkohol. Als Dankeschön bekommt man eine Flasche Champagner geschenkt, zu Feierlichkeiten stößt man an. Es wird einfach davon ausgegangen, dass man Alkohol gut findet. Hallo?! Würde man eine Zigarre verschenken, gäbe es sicher mehr Protest. Das zeigt wieder einmal, wie sehr Traditionen wie Alkoholproduktion und Alkoholkonsum in der Kultur verankert sind und als normal akzeptiert werden, obwohl allgemein bekannt ist, dass Alkohol ungesund und nebenbei auch noch kaloriendicht ist. 

Rauchen ist in meinen Augen eine furchtbare Sache und ich denke mir, dass es nur fair wäre, wenn diese Gruppe der Bevölkerung mehr Krankenkassenbeiträge zahlt. Aber der Wille ist frei und man darf niemanden diskriminieren. Also Nichtraucher belohnen statt Raucher bestrafen? 
Bei weitem nicht alle haben es selbst verschuldet, dass sie krank sind. Es kann immer was unvorhergesehenes passieren, ganz gleich wie gesund man lebt. Stichwort Sportunfall. Aber das ist am Ende auch kein Grund, gleichgültig mit seinem Körper umzugehen. Denn wenn man nicht beim Extremsport stirbt, holen einen Herzkreislauferkrankungen und Diabetes doch ein, ganz gleich, wie oft man sich über gesunde Lebensweisen lustig gemacht hat.

Stattdessen gilt man leicht als Spaßbremse, wenn man gesund lebt. Damit habe ich mich inzwischen abgefunden, mache trotzdem weiter regelmäßig Sport und esse mein Gemüse. Ich rede nur nicht gern darüber, wenn ich merke, dass mein Gegenüber das alles spießig findet. Man möchte niemanden angreifen oder beleidigen. Sollte man dem Patienten oder auch einem Freund wiederholt sagen, dass er seinen Zustand selbst verschuldet hat oder gut dabei ist, sich mit seiner Lebensweise ins Krankenhaus zu bringen? Man kann nicht alle retten, bevor sie in den Brunnen fallen. Und deshalb hat man als Arzt dann das Vergnügen, durch Fettschwarten zu schneiden und knusprigen Kalk aus den Gefäßen zu popeln, damit nach der Amputation wenigstens der Beinstumpf noch irgendwie abheilt.

Sonntag, 25. Februar 2018

Aber bitte keine Berufsanfänger

Ende diesen Jahres werde ich mein Studium abschließen. Wenn ich diese Worte tippe, klingt das alles noch so fern und unwirklich. Nach fünf Jahren Studium hat man sich an den Studentenstatus sehr gewöhnt und die Vorstellung, in einem Jahr Arzt zu sein, klingt jetzt gerade total verrückt. An Tagen, an denen ich aber im Rahmen des Praktischen Jahres über die Station renne, um fast genau das zu tun, was die Ärzte auch tun nur unbezahlt und ohne die finalen Unterschriften setzen zu dürfen, dann fühlt es sich gar nicht mehr so unwirklich an.

Nach dem schriftlichen Staatsexamen - liebevoll Hammerexamen genannt - sieht die Studienordnung vor, dass man ein Jahr lang Praktika macht. Drei mal vier Monate in der Inneren Medizin, Chirurgie und einem Wahlfach. Man bekommt Routine, man findet heraus, was man alles im Studium nicht gelernt hat und stellt im besten Falle auch noch fest, welche Fachrichtung man später einschlagen will. Die vier Monate im Bereich meines Wahlfaches liegen inzwischen hinter mir und ich fand es so gut, dass ich am letzten Tag der Chefin eine Bewerbung da lassen wollte. Gesagt getan. Aber der Weg dahin war zäh.

Zwei Wochen, bevor ich die Bewerbung abzugeben plante, fing ich an, meinen Lebenslauf zu überarbeiten und ein Motivationsschreiben zu verfassen.
Lebenslauf war ja noch einfach: alte Schulpraktika und Schülerwettbewerbe raus, Pflichtpraktika des Studium nur kurz auflisten, zu Studentenjobs mehr schreiben. Doch wie zur Hölle schreibt man ein angemessenes Motivationsschreiben?!

Egal was ich tippte: ich wurde das Gefühl nicht los, dass dem Leser eh sofort klar würde, dass das nicht meine dreihundertste professionelle Bewerbung war, sondern dass ich eine unsichere Studentin bin, die keine wirkliche Erfahrung mit dem Kram hat und sich selbst fragt, warum jemand sie einstellen sollte, weil wahrscheinlich alle anderen mehr auf dem Kasten haben. Selbstzweifel konnte ich schon immer.

Auch wenn ich weiß, dass ich sehr belastbar bin und eine ausgeglichene Persönlichkeit habe - wenn ich genau das in die Bewerbung schreibe, liest es sich wie was auch immer Sie mir für Berge an Aufgaben geben: ich bin der perfekte Fußabtreter, den Sie mit Arbeit für zweieinhalb Personen belasten können ohne dass er zusammenbricht. 
Darf man schreiben, dass man während der Zeit in der Klinik durch die fachliche Kompetenz des Chefarzts viel gelernt hat oder klingt das bloß nach Heuchlerei ganz gleich, dass es die Wahrheit ist? Darf man schreiben, dass man bestimmte Aspekte des Fachgebiet liebt oder wirkt das nur wie verzweifeltes Anbiedern? Die Alternative wäre, ganz unbeeindruckt von der eigenen Kompetenz und Größe zu sprechen und auch das ist mir unwohl. Ich weiß, dass ich fleißig, gewissenhaft und freundlich bin, doch das so auszuformulieren kommt mir wie Selbstbeweihräucherung und damit einfach nur furchtbar vor. Bewerbungen schreiben muss etwas für selbstverliebte Menschen sein.

Nach Stunden von Selbstzweifel, Textumbau und Starren auf ein Textdokument wurde das Werk schließlich gedruckt: mit dem heimischen Drucker aber da mit nicht perfekter Qualität, mit dem Bürodrucker des geduldigsten Freundes überhaupt, mit dem Drucker der Eltern aber da leider nur auf Ökopapier in zartem Dunkelbeige. Also noch mal zu Hause drucken in anderer Einstellung. Mappe fertig zusammen bauen, nachdem man gegoogelt hat, in welcher Reihe man Anschreiben, Lebenslauf und Zertifikate sortiert und am nächsten Tag keine Zeit (und den Mut) finden, alles tatsächlich zu überreichen. Ist ja schön der Plan, alles vor dem letztmöglichen Termin zu organisieren, doch wenn es nicht klappt, muss man alles mit dem neuen Datum des Übergabetages nochmal drucken. In der bestmöglichen Qualität - noch ein Blatt Papier mehr verschwendet.

Je öfter man versucht, perfekte Drucke und Kopien mit einem mittelmäßigen Tintenstrahldrucker zu erzeugen, desto frustrierender wird es. Können wir die Umwelt jetzt nicht mal schonen und das mit dem Drucken lassen? Am Inhalt ändert das doch eh nichts sondern nur am ersten Eindruck.
Wenn man das ganze Bewerbungszeug einfach online einschicken würde, müsste man sich auch nicht den Kopf über perfekte Drucke zerbrechen und könnte drei Bäume mehr retten. Als ob man mich mal wegen eines gestochen scharf gedruckten Dokumentes einstellen würde - aber gleichzeitig möchte ich auch nicht der Kandidat sein, der wegen schlampiger Drucke aussortiert wird.

Nachdem ich mich also tagelang gestresst hatte, Lebenslauf und Anschreiben jeweils mindestens zehn mal gedruckt hatte, kam der Tag, an dem ich der Chefärztin meine Bewerbungsmappe überreichte. Und was tat sie? Nicht rein schauen, das Ding zur Seite legen und mir in die Augen blickend sagen, dass sie Berufsanfänger sowieso nicht gern nähme und ich es mal versuchen sollte, nachdem ich schon woanders gearbeitet hätte. Na schönen Dank. Ist immer gut, wenn sich Arbeit und Aufregung auch lohnen.

Mittwoch, 16. August 2017

Studentenleben: Das war's schon?!

Fast fünf Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal auf dem Campus der medizinischen Fakultät stand und ganz aufgeregt nach dem richtigen Büro für die Immatrikulation suchte. Nicht viel später war ich wieder total aufgeregt am selben Ort auf der Suche nach dem Hörsaal für meine erste Vorlesung des Studiums. Und dann verging die Zeit wie im Flug.

Irgendwann brauchte ich den Lageplan für die Veranstaltungsorte auf den verschiedenen Campi nicht mehr, konnte den pro Schale statt nach Gewicht abgerechneten Salat in der Mensa sehr hoch stapeln und wusste immer, wo das nächstgelegene Klo auf dem Campus war. Angekommen in diesem Studentenleben habe ich mich schnell an den Rhythmus von Semester - Prüfungsstress - Semesterferien/Pflichtpraktika gewöhnt und mein Leben gut damit arrangiert. Und auf einmal fällt dieses über fünf Jahre Medizinstudium wohl gepflegte Schema auseinander - denn ich bin im finalen Universitätssemester angekommen. Die letzte Pflichtveranstaltung liegt schon knapp zwei Monate zurück, die letzte Repetitoriumsveranstaltung nur drei Wochen. Dennoch kann ich es kaum fassen, dass ich den universitären Teil meines Studiums mit den ganzen furchtbar anstrengenden aber lehrreichen und oft faszinierenden Physiologie-, Anatomie- oder Biochemievorlesungen, Seminaren, Gruppenarbeiten und Untersuchungskursen durchlaufen und bestanden habe. Unendlich viel Detailwissen in mein Gehirn gestopft und locker die Hälfte davon wieder vergessen. Mal ehrlich, wozu soll ich später als Arzt mal den exakten Aufbau von Mikrotubuli kennen? Falls ich mal bei Wer wird Millionär teilnehme vielleicht. Und für jeden unwichtigen Fakt, den ich gelernt habe, gibt es vielleicht etwas wichtiges, von dem ich noch keine Ahnung habe.

Klar bin ich jetzt nach den gefühlt unendlichen Kursen und Rollenspielen super spitze in einfühlsamer Patientenkommunikation - aber nichtsdestotrotz habe ich ein wenig Angst, demnächst auf die Menschheit aka Patienten losgelassen zu werden. Theoretisch weiß ich so viel - aber wer garantiert mir, dass ich vor Aufregung nicht die Hälfte vergesse, wenn der Ernstfall kommt? Das Gute ist, dass man als Anfänger erst mal nie allein ist. Und dass nach dem Staatsexamen noch ein ganzes Jahr Pflichtpraktika für das Trainieren aller praktischen Skills und den täglichen Bürokratismus, über den man im Studium weniger viel lernt,  auf mich wartet.

Wie auch immer: unglaublich, dass fünf Jahre theoretisches Medizinstudium hinter mir liegen. Ich habe so viele fachbezogene Dinge gelernt aber auch herausgefunden, was für ein Mensch ich bin und was ich nicht will. Was man will, ist dann doch immer ein wenig schwieriger zu beantworten.
Da macht es mir jetzt nur Sorgen, dass ich noch nie durch eine Prüfung gefallen bin - denn meine Mutter sagt, mindestens einmal im Studium falle jeder durch. Im Staatsexamen würde ich aber ehrlich gesagt trotzdem am liebsten direkt bestehen und nicht ihre Prophezeiung erfüllen. Fände sie sicher auch cooler.

Deshalb hocke ich jetzt jeden Tag sehr asozial am Schreibtisch und arbeite den Lernplan ab. Nach über zwei Monaten habe ich bereits keine Lust mehr, weitere zwei Monate noch einmal nach dem Lernplan zu leben und sieben Tage die Woche nicht so viel anderes zu tun aber ich fürchte, dass es einfach so läuft, wenn man die passend als Hammerexamen betitelte Prüfung schaffen will.

Und selbst das Staatsexamen wird schneller vorbei sein als ich es mir momentan vorstellen kann. Wenn mir schon fünf Jahre Studium so kurz vorkommen, dann dauert das Staatsexamen ja wirklich nur einen Lidschlag lang. Hoffen wir mal, dass das alles klappt. Und jetzt bitte nicht mehr wundern, warum hier nicht so viel passiert: Ich bin sehr beschäftigt, jede Menge Fakten in mein Gedächtnis zu prügeln und im Anschluss hysterisch lachend Panikattacken beim Blick auf den Kalender zu bekommen.

Freitag, 17. Februar 2017

Aus dem Nähkästchen: über das "lustige" Studentenleben

Im Leben gibt es viele Prüfungen, davon sind die wenigsten offiziell so benannt sondern einfach die täglichen Herausforderungen. Manchmal gibt es aber doch diese offiziellen Prüfungen, für die man sich vorbereiten und dann unter großer Aufregung sein Wissen unter Beweis stellen muss. Besonders als Student erlebt man diese Situation regelmäßig.

Vorgestern habe ich meine letzten vier Klausuren für dieses Semester geschrieben und danach direkt gespürt, was für eine Last von mir gefallen ist. Es ist immer wieder schwer zu glauben, wie sehr einen dieser Leistungsdruck belasten kann.
Anfang des Semesters bin ich noch recht entspannt. Ich bereite mich zwar immer brav auf die Veranstaltungen vor und weiß immer, worum es grob gehen wird und bringe im Anschluss meine Notizen davon in eine Form, mit der ich später lernen kann, habe aber noch immer Freizeit. Je näher die Prüfungen kommen, desto weniger wird diese Freizeit.
Man geht morgens in die Uni, kommt am Nachmittag zurück nach Hause und sortiert noch schön seine Aufzeichnungen. Dann hat man sein Tagespensum an aktuellem Stoff geschafft - was aber leider auch nur bedeutet, dass man sich nun ans Lernen machen kann. Und zwar eigentlich open end bis man ins Bett geht, da man ja keine Kinder hat, um die man sich kümmern muss oder irgendetwas, das rechtfertigt, das Lernen zu unterbrechen.

Na klar wird Essen gekocht oder eine halbstündige Sporteinheit eingeschoben, weil das wichtig für Körper und Gesundheit ist, doch am Ende drängt das schlechte Gewissen immer zurück an den Schreibtisch. Und wenn man sich mal erlaubt, eine Folge einer Serie zu schauen, dann piekst das schuldige Pflichtbewusstsein einem immer wieder in den Bauch. 

"Ey du, du bist doch Vollzeitstudent! Nimm mal dein Studium ernst und setz dich an den Schreibtisch. Alles andere ist gerade viel weniger relevant und das weißt du auch. Also hör endlich auf Spaß zu haben und sei nützlich!"

Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen überzogen, aber unterm Strich fühlt es sich genau so an.
Sagten nicht alle immer, die Studienzeit wäre die beste Zeit unseres Lebens, weil wir so energiegeladen, jung und ungebunden wären?
All das stimmt auch, nur irgendwie wurde mir immer verheimlicht, dass so ein Studium verdammt anstrengend ist. Manchmal fühlt es sich so an, als hätte ich zwei Vollzeitjobs: den, bei dem ich in der Uni präsent und aktiv sein muss und dann noch in den Stunden danach am Schreibtisch. 
Kein Wunder, dass die Semesterferien so lang sind: irgendwie muss man ja die gefühlte Belastung von zwei Vollzeitjobs während des Semesters kompensieren. Zum Glück gibt es die ganzen unbezahlten Pflichtpraktika, damit man ja nie vergisst, es wertzuschätzen, wenn man wirklich mal frei hat.

Natürlich hat es auch viele gute Seiten, Student zu sein. Unschlagbare Vergünstigungen (für zehn Euro in die Philharmonie und auf wirklich guten Plätzen Dirigenten von Weltruhm beobachten), preiswerte Unisportkurse mit riesigem Angebot, recht frei einteilbare Zeit, keine Verpflichtungen konkreter Arbeitsstunden pro Woche wie in einem regulären Job. Der große Haken ist, dass man selbst für sich und seinen Erfolg verantwortlich ist. Niemand sagt dir, dass du lernen musst, am Ende des Tages erwarten aber alle, dass du es getan hast. Und wenn nicht hast du ein Problem.

Wenn es darum geht, vernünftig zu sein und sich selbst zu disziplinieren, bin ich ganz vorn mit dabei. Nach neun Semestern Medizinstudium bin ich es aber inzwischen sehr müde, nur in den Semesterferien ein wenig Freizeit ohne schlechtes Gewissen zu haben.
Wie machen das die anderen? Sind die einfach klüger, sodass sie das alles mit links schaffen? Ist es ihnen egal, mit welcher Note sie durch die Prüfungen rutschen und sie spielen vier gewinnt? Wahrscheinlich verschweigen sie auch einfach, welch einen Stress einem das Studium aufbürdet und leiden genauso wie ich.

Das schriftliche Staatsexamen steht bei mir in nicht zu ferner Zukunft an und mir graut bei dem Gedanken daran vor den Stunden des Lernens, der Isolation am Schreibtisch mit einem Berg von Büchern und all den Erlebnissen und Unternehmungen, die ich mir aus Vernunft verkneifen müssen werde.
Das sind so Momente, in denen ich mir wünsche, einfach irgendeine Ausbildung gemacht zu haben. Dann wäre ich längst fertig und hätte mehr Leben vom Leben. Ich würde abends nach Hause kommen und hätte einfach mal frei. Verrückte Vorstellung!
Andererseits muss ich sagen, dass mir die ärztlichen Tätigkeiten unglaublich viel Spaß machen. Mit Patienten zu kommunizieren, Körper zu untersuchen und nach der richtigen Diagnose zu fanden macht einfach Bock. Jemandem helfen zu können ist dazu eins der besten Gefühle, die ich mir vorstellen kann. Kurz: ich bereue es nicht, mich für ein Medizinstudium entschieden zu haben. Ich wünsche mir nur manchmal, dass es schon abgeschlossen wäre und der ganzen Stress hinter mir läge. Denn auch wenn das Berufsleben sicher anstrengend ist: nach Hause zu kommen und wirklich frei zu haben und ohne schlechtes Gewissen selbst seine Freizeit einzuteilen, muss unfassbar gut sein.

Wie geht es den Studenten unter euch: fühlt ihr euch auch so sehr unter Druck gesetzt?

Mittwoch, 6. Juli 2016

(Frei-) Zeit (-verschwendung)?

Lest ihr gerne? Dann kennt ihr sicher diese Tage, an denen man ein fesselndes Buch hat und nichts anderes tun kann, als es zu lesen. Und irgendwann kommt der Moment, an dem man sich fragt, wieso nur noch zwanzig von tausend Seiten übrig sind und wo eigentlich die letzten acht Stunden geblieben sind. Es ist ein großartiges Gefühl, sich so in ein Buch zu vertiefen aber in den letzten Jahren kann ich es nicht mehr unbeschwert genießen.

Das hat definitiv nichts damit zu tun, dass ich keine Freude mehr an der Literatur selbst habe oder keinen Lesestoff finde, sondern viel mehr damit, dass oft ein schlechtes Gewissen da ist, wenn ich sehr viel Zeit nur mit dem Lesen verbringe. Immerhin gibt es da so viel mehr und so viel wichtigere Dinge zu tun, die vom schnöden Aufräumen der Wohnung über Sport, soziale Kontakte und als oberste Priorität das Studium reichen.
Ich denke, dass der Großteil des schlechten Gewissens beim Schmökern bedingt durch mein Studium ist. Auch wenn ich mich von Lachkrämpfen geschüttelt durch mein Buch wälze, kommt da der Gedanke im Hinterkopf auf, dass ich vielleicht lieber noch mal die Wirkspektren der verschiedenen Antibiotika wiederholen sollte statt mich sinnlos mit "unwichtiger" Lektüre zu amüsieren. Oder ein paar Kapitel im EKG Buch lesen. Vielleicht aber auch die Anatomie des Fußes wiederholen - in die habe ich doch nie ausreichend viel Zeit rein gesteckt.

Mein Gewissen hat einfach das alles schlagende Argument: wenn ich mir hier eine schöne Zeit mit Belletristik mache, werde ich später nach der Uni als Assistenzarzt alle Patienten umbringen. Ich möchte den Angehörigen ja nicht erklären müssen, dass ich nicht genug Sachliteratur gelesen habe, um den Verstorbenen korrekt behandeln, aber mich dafür exzellent mit den Werken von Jules Vernes auskenne.

Gleichzeitig ist mir klar, dass meine Fantasie mir an diesem Punkt Streiche spielt. Natürlich trägt man im Assistenzarztleben später Verantwortung aber es ist nicht so, als wäre man sofort der einzige Arzt im Krankenhaus. Nicht umsonst gibt es die Struktur, dass weitere, hoffentlich erfahrenere Assistenzärzte, Oberärzte und vielleicht auch mal der Chefarzt da sind, um einem bei komplexen Fällen zur Seite zu stehen. Definitiv werden auch einmal die eigenen Patienten versterben (und es wird ein schrecklicher Moment, über den ich jetzt nur bedingt nachdenken möchte) aber die meisten hoffentlich, weil für sie die Zeit einfach gekommen ist und der Mensch nun einmal auch irgendwann sterben muss.

Trotz aller guten Erklärungen bleibt so ein dumpfes Schuldgefühl, wenn ich exzessiv viel nicht medizinische Literatur lese oder auch nur irgendwas ohne medizinischen Bezug in meiner Freizeit ausgiebig betreibe. Serienorgien, Filmen, stundenlanges Stricken oder sonstigen Freizeitaktivitäten - ich kann mich doch nicht für immer schlecht fühlen, wenn ich nichts für die Uni beziehungsweise meine Zukunft tue. Geht das irgendwann weg? Mein Gewissen kann mich ja wohl nicht bis zur Rente terrorisieren! Hoffentlich.

Eigentlich sagt das Wort Freizeit selbst schon, dass man sich während ihr seine Zeit frei einteilen kann, aber mit so einem gewissen latenten Pflichtgefühl fällt das nicht immer einfach. Und das, obwohl ich genau weiß, dass jeder Mensch Freizeit und Erholung braucht. Niemand kann immer zu produktiv sein.

Das waren noch Zeiten, als man Schüler war und in der Freizeit sich selbst auch wirklich freie Zeit gönnte!

Kennt ihr diese Problematik und die endlosen stillen Diskussionen mit eurem Gewissen? Falls ja: wie geht ihr damit um?

Dienstag, 29. März 2016

Warum ich Facebook hasse

Social Media ist eine Sache, die in den konventionellen Medien so langsam angekommen ist. Einer der am meisten in Zeitungen, Radio und wahrscheinlich auch Fernsehen zitierten Vertreter davon ist Facebook. Diese riesige Seite, auf der die jungen Menschen sich gern ihre Zeit vertreiben, mit ehemaligen Mitschülern in Kontakt bleiben, über die sie zu ihren Feiern einladen und über den aktuellen Stand ihrer Candy Crush Sucht berichten. Scheinbar lieben sie alle Facebook.

Im Gegensatz dazu kann ich ganz klar sagen, dass ich persönlich Facebook aufrichtig hasse. Nicht einmal unbedingt, weil sie all meine Daten für immer speichern und mich jeder Arsch, mit dem ich nicht unbedingt etwas zu tun haben möchte, dort finden kann, weil es ja leider angesagt ist, seinen Klarnamen als Nutzernamen zu verwenden. Wenn ich nichts poste, kann niemand etwas finden ganz egal ob es dort nun einen leeren Account mit meinem Namen gibt oder nicht.
Ich hasse Facebook dafür, dass es mir ein unglaublich schlechtes Gefühl gibt, sobald ich es auch nur öffne. Offen gesagt zögere ich es so lange es geht heraus, die Seite überhaupt nur aufzurufen.

Das Unwohlsein fängt bei mir schon beim Design der Seite an: Facebook ist ein wildes Wimmebild. Es blinken die Einladungen, Benachrichtigungen über Geburtstage, Posts in Gruppen und dann verschiebt sich auch noch dauernd in der Chatleiste die Anzeige der sich aktuell online befindenden Freunde. Links fordern irgendwelche Apps, Pokes und sonstiger Kleinkram Aufmerksamkeit. Aber wenn man wirklich einmal etwas sucht, findet man es natürlich nicht.

Ignoriert man das störende Gedöns an den Seitenleisten sowie der Kopfzeile und versucht, die Posts seiner mehr oder weniger befreundeten Freunde zu lesen, muss man sich erst einmal durch die ganzen unwichtigen Informationen wühlen. Soundso hat jetzt ein neues Profilbild, irgendwer liked some random shit, hat neue Freunde, verlobt sich, hat Kinder, lässt einen Pups. Ich verstehe auf einer Seite, dass Facebook diese Informationen teilen möchte für den Fall, dass es bestimmte Nutzer interessiert, aber mich nervt das eigentlich nur. Weil es mich absolut nicht interessiert (Profilbild, Likes) oder auch weil es mir sofort ein ungutes Gefühl gibt (Verlobung, Freundschaften) würde ich diese Informationen gern abschalten können. 

Dass allein das Besuchen von Facebook in mir so ein ungutes Gefühl auslöst, hat auch damit zu tun, dass dort jeder nur seine beste Seite und seine Erfolge zeigt. Wenn ich - am besten in der bequemen Haushose - vor dem PC sitze und lese, dass irgendwer sich gerade während seines unglaublich wilden Wanderurlaubs im Himalaya verlobt hat oder ein Stipendium bekommen hat, zweifle ich jedes mal an mir. Es ist keine Missgunst, kein Neid - ich fühle mich einfach nur schlecht und das lächerlicher Weise ohne wirklich einen Grund dafür zu haben. Man fühlt sich wie ein Versager im Vergleich zu all dem Glanz, den die sogenannten Freunde auf Facebook über sich verbreiten.
Auf Blogs, Twitter oder Instagram findet zumindest in meinen Kreisen bei weitem nicht so viel Selbstbeweihräucherung statt wie auf Facebook. Social Media heißt für mich eigentlich ein Teilen von spannenden, bildenden oder auch einfach nur witzigen Informationen mit oder auch ohne Mehrwert. Im Vergleich dazu ist Facebook gefühlt ein Portfolio der besten Momente im Leben einer Person. Nix Gammellook oder Nachrichten darüber, dass man nachdem man bis halb zwölf geschlafen hat nun Pizza bestellt. 

Dazu kommt noch, dass ich mir meine Kreise auf Facebook komplett anders als auf anderen Social Media Seiten zusammengestellt habe. Wenn ich jemandem auf Twitter, Instagram oder seinem Blog folge, dann weil derjenige mir sympathisch ist, mich inspiriert oder in irgendeiner Form einen Mehrwert bietet. Auf Facebook "befreundet" man sich teilweise aus Gruppenzwang mit Kommilitonen, alten Schulfreunden oder wird im schlimmsten und bei mir häufigsten Fall durch andere als Freund angefragt. Und zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich diese Anfragen immer akzeptiere, wenn ich im realen Leben die entsprechende Person wirklich kenne. Eine Ablehnung der Anfrage käme mir vor wie eine unterschwellig aggressive Geste, weshalb ich das auch nie mache. So viel zum Thema Nein sagen können. 
Und so komme ich dazu, auf Facebook hauptsächlich von Leuten umgeben zu sein, mit den ich weder ernsthaft befreundet bin noch gerne Zeit mit ihnen verbringen würde. Dementsprechend sehr interessiert mich dann auch ihr neues Profilbild.

Ja und wenn ich den Laden so sehr hasse, warum habe ich dann noch immer einen Account?
Die Frage ist absolut berechtigt.
Facebook ist leider die Hauptinformationsquelle für alles, was das Studium betrifft. Prüfungsfragen aus den letzten Semestern werden gepostet, an Termine erinnert, Veranstaltungen bekannt gegeben. Komplett ohne Facebook ist man schlicht und einfach raus und wäre abhängig davon, dass andere einem verraten, wo die Semesterauftaktsparty stattfindet und ab wann man sich zum Sonographiekurs einschreiben kann. Ich finde es sehr schade, dass ich mich deshalb weiter damit herum ärgern muss.

Mein eigener Facebookaccount ist absolut inaktiv, keine Posts, keine Bilder, ich like fast nichts. Einerseits, um andere nicht damit zu belästigen, dass mein Kram in ihrer Timeline erscheint, andererseits, weil ich nicht möchte, dass jeder weiß, was ich like. Meine Favs auf Twitter werden schließlich auch nicht gleich allen mitgeteilt und das finde ich gut so. 
Spoiler: dieser Blog wird von mir nie eine Facebook Fanpage bekommen.

Ich könnte nun alle, mit denen ich befreundet bin ohne dass sie mir tatsächlich besonders nahe ständen einfach entfreunden und dann meine Ruhe genießen während ich in den Semestergruppen noch die nötigen Informationen erhalte. So angenehm dieses Szenario mir aber erscheint: ich werde es wahrscheinlich nicht tun. Schließlich möchte ich niemand offen verärgern und ertrage daher nervige Posts oder vermeide Facebook so lange es geht in der Hoffnung, dass mir dort keiner eine dringende Nachricht schickt. Ich versuche nur neue Facebookfreundschaften mit Menschen, die ich im echten Leben nicht ohne Magenschmerzen als Freunde bezeichnen kann, zu vermeiden.

Für mich persönlich ist Facebook purer Stress und gleichzeitig leider eine notwendige Informationsquelle. Es kann auch interessant bis nützlich sein, dort über ehemalige Mitschüler und neue Bekanntschaften mehr Informationen zu bekommen, doch das war es dann auch mit meinen positiven Assoziationen zu Facebook. Es hat sicher Vorteile für Zwecke der Öffentlichkeitsarbeit und Werbung, doch ich persönlich kann nicht verstehen, weshalb jemand privat Facebook wirklich gerne nutzen würde. 

Nutzt ihr Facebook und falls ja: tut ihr das mit Freude?


Ach und…  bekommt man eigentlich eine Nachricht, wenn einem jemand die Facebook Freundschaft kündigt?

Donnerstag, 11. Februar 2016

Aus dem Leben eines (Ex-) Prüfungspanikers

Das war's - die Prüfungen liegen hinter mir,  Semester sieben ist geschafft.
In den Tagen vor den Klausuren war ich fleißig am Erfüllen des Lernplans, die während des Semesters ausgearbeiteten Notizen waren wie immer hilfreich und doch war es komplett anders als sonst: ich war überhaupt nicht aufgeregt.

Vor allem in den ersten Semestern dachte ich vor jeder schriftlichen und vor allem den praktischen Prüfungen, dass ich jetzt entweder vor Aufregung sterben oder falls nicht wegen Dummheit und schlechter Leistungen exmatrikuliert würde. Spoiler: nichts davon ist geschehen.
Auch nachdem ich mehrfach erlebt hatte, dass man die Prüfungen während des Medizinstudiums über- und bestehen kann, war ich immer extrem aufgeregt davor.

Doch in dieses mal war da einfach nix. Keine Panik, kein Herzrasen, kein trockener Mund und auch keine Schlaflosigkeit. Hallo vegetatives Nervensystem, bist du noch da oder in den Ruhestand gegangen? Warum machst du plötzlich keinen Terror und dauerhaft erhöhte Adrenalinspiegel mehr?
Das einzige, was mich wirklich nervös gemacht hat, war die Tatsache, dass ich gar nicht nervös war.

Ich wusste, dass ich die meisten Veranstaltungen besucht und mich vernünftig vorbereitet hatte. Mit dem Ablauf der schriftlichen Klausuren bin ich vertraut und den Anfängerfehler, keinen Bleistift mitzunehmen, würde ich auch nicht noch mal machen. Es gab realistisch gesehen keinen Grund zur Panik.

Trotzdem fühlte ich mich unwohl, weil ich mich nicht durch das zusätzliche Adrenalin wach gehalten bis spät in die Nacht mit der vierten Wiederholung zu Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis beschäftigte sondern stattdessen schlief. Ich fühlte mich schlecht, weil ich nicht aufgeregt war. Als würde man die Prüfungen nicht ernst nehmen, wenn man in den Tagen davor ruhig schlafen kann.

Nachdem ich mir insgeheim ein paar Tage lang Vorwürfe gemacht habe, dass ich so locker an die Klausuren heran gehe, bin ich zum Schluss gekommen, dass es eine normale Entwicklung ist. Der Mensch gewöhnt sich an alles und dann ist die Semesterabschlussprüfung es eben nicht mehr so aufregend, dass einem vor lauter Nervosität schlecht wird. Es ist zwar schwierig, die Grenze zwischen zu viel Gelassenheit und dadurch fehlender Vorbereitung und zu viel Anspannung zu ziehen aber ich bin froh, in der letzten Woche vor den Prüfungen geschlafen zu haben.

In den Semestern zuvor hat mich diese Prüfungsangst sehr zum Lernen angetrieben, jetzt musste ich das selbst tun. Und zu meiner Überraschung hat das sogar funktioniert. Denn obwohl ich um zehn die Unterlagen zur Seite gelegt habe, hatte ich keinen Zeitdruck, weil ich dank Lernplan einfach früh genug (sprich: Wochen vorher) angefangen habe.
Da die Prüfungen nach subjektivem Empfinden gut gelaufen sind, bin ich gespannt, ob das Ergebnis dann anders ist als sonst aber bis jetzt mache ich mir da noch keine Sorgen.

Als jemand, der sich definitiv nicht als Prüfungsmensch bezeichnen würde, habe ich schon immer die Menschen bewundert, die ganz gelassen an die Klausuren am Ende des Semesters oder auch schon die Abiturprüfungen heran gegangen sind. Es gibt sogar Personen, die sich angeblich regelrecht auf die Prüfungen freuen, weil sie darin endlich zeigen können, was sie gelernt haben. Verrückt, oder? Also ich glaube ihnen ja kein Wort.

Mir ist diese Einstellung leider nicht gegeben. Vor den Prüfungen litt ich mindestens die zwei Tage direkt davor an Herzrasen und Schlaflosigkeit, sobald ich aber mit der Klausur vor mir am Schreibplatz sitze oder vor den Prüfern stehe, bin ich ganz ruhig. Ich bin da eher der Typ Sturm vor der Ruhe. Immerhin.
Dass ich in diesem Semester jetzt aber auch noch an den zwei Tagen davor unbeeinträchtigt war, machte mich sehr glücklich. Es gibt anscheinend doch Hoffnung für uns Klausurangsthasen. Wir brauchen einfach nur eine längere Gewöhnungsphase. Zwar bedeutet das nicht, dass man sich je auf Prüfungen freuen wird, aber es bedeutet, dass man sie schaffen kann. Und zwar ohne vorher oder währenddessen vor Aufregung hyperventilierend zu kollabieren.

Wie schön zu sehen, dass man mit seinen Aufgaben wächst!

Dienstag, 3. März 2015

Kopf aus dem Sand

Immer wenn man vor neuen Herausforderungen steht, fragt man sich, ob man sie bewältigen kann. Klar, man hat im Leben doch schon so viele Hindernisse überwunden! Und obwohl man sich das immer wieder versichert, bleibt doch bei mir der Gedanke zurück, ob man selbst nicht doch weniger gut ist als die anderen.

Wie kommen die durchs Medizinstudium wenn sie sich jedes Wochenende ein schönes Leben ohne Unizeug machen während ich die ganze Zeit kontinuierliche lerne, um alles zu schaffen? Bin ich so dumm oder sind die so begabt? Was mache ich da falsch?

Heute war der erste Tag meiner Famulatur im Krankenhaus. Neue Situation, unbekanntes Krankenhaus, neue Menschen. Angst, den ersten Eindruck direkt zu ruinieren.
Was, wenn die Ärzte merken, dass ich nicht alles weiß - solche dämlichen Gedanken schießen mir durch den Kopf. Man weiß nie alles, auch nach Abschluss des Studiums nicht. Trotzdem: was, wenn sie denken, dass ich für jemanden nach 5 Semestern Medizinstudium nicht besonders viel Ahnung habe? Der Gedanke hat mich so lange fertig gemacht, bis ich mir abends noch einmal die Gefäßverläufe des Abdomens zu Gemüte geführt habe.

Unter all den immer wieder aufkommenden Selbstzweifeln weiß ich eigentlich, dass ich damit nicht allein bin. Jeder hat Momente, in denen er an sich selbst zweifelt, denkt, dass alle anderen es einfach mehr drauf haben. Es zeigt nur fast keiner. Dieses Wissen hilft nur leider nicht, die Selbstzweifel zu verhindern.
Mir ist klar, dass ich mir damit in gewisser Weise selbst das Leben schwer mache. Der Wunsch, so gut wie möglich zu sein ist aber stärker.

Ich bewundere die Menschen, die voller Überzeugung sich selbst anpreisen. In Bewerbungsgesprächen kommt das bestimmt besser an. Ich selbst denke immer, dass ich mich doch gut genug kenne, um auch meine Schwächen zu kennen und mich wegen dieser auch nicht so anpreisen kann.
Genauso wenig muss ich mich in den Mittelpunkt der Gesprächsrunde stellen und alle Aufmerksamkeit beanspruchen - denn ich bin mir sehr sicher, dass es interessantere Personen gibt als mich. Und abgesehen davon will ich eh lieber meine Ruhe als von allen beobachtet zu werden.

Obwohl ich weiß, dass ich mir selbst Steine in den Weg lege, indem ich an mir zweifle und Menschen mit größerem Selbstbewusstsein und/oder Mundwerk den Vortritt lasse, ändere ich nichts daran. Gleichzeitig hasse ich es, wenn ich bemerke, dass jemand nicht durch Können sondern durch Dreistigkeit und Selbstdarstellung etwas erreicht. Ich empfinde es als unfair. Man selbst arbeitet all die vorgeschriebenen Stunden an bestimmten Pflichtveranstaltungen ab und andere fälschen einfach die Unterschrift oder reden sich mit charmanten Worten heraus. Am Ende kommen in dem Fall sogar alle zum gleichen Ergebnis, nur dass die einen gearbeitet haben während die anderen ihre Freizeit auskosten. Ein bisschen Neid schwingt da definitiv mit.
Manchmal wünschte ich mir, dass ich auch so eloquent und schlagfertig wäre, mich in einigen Situationen allein durch Worte statt Leistungen durchschlagen zu können. Aber so bin ich einfach nicht. Und wahrscheinlich würde da ein schlechtes Gewissen bei mir zuschlagen. Ich zweifle viel lieber an mir selbst und treibe mich dazu an, mehr zu tun, um diese Zweifel zu überwinden. Und wenn ich mir Mühe gebe, taucht sogar der Gedanke, dass ich guten Grund habe, selbstbewusst und stolz zu sein auf schon erreichte Ziele wieder auf.
Vielleicht ist der Sebstzweifel doch nicht nur schlecht, wenn er mich auch an solche Dinge denken lässt.

Apfelkern

Sonntag, 1. Februar 2015

*busy busy busy*

Prüfungszeit bedeutet  bei mir reguläre Kurse an der Uni, diese nachzubereiten und parallel dazu zu lernen. Zu keinem Zeitpunkt des Jahres ist bei mir die Zeit knapper und genau in diesen Phasen habe ich immer die wildesten Ideen und bin für alles zu begeistern.

Alle Beschäftigungen, die geistig nicht hochanstrengend sind, begrüße ich nach stundenlangen Lernsitzungen am Schreibtisch voller Euphorie. In den letzten Wochen habe ich so mehr Kuchen als im gesamten restlichen Semester gebacken, weil es einfach so entspannend ist. Außerdem gibt es wenn man den Kuchen - um beim ständigen Backen nicht zu fett zu werden - an Freunde und Familie weiter reicht, positives Feedback. Das führt dazu, dass man noch mehr tolle Rezepte ausprobieren möchte, da es ja entspannend und mit glücklich mampfenden Gesichtern von Mitmenschen verbunden ist.

Ich mache fast aktuell täglich Sport, denn es ist wie Yoga für den Geist und unendlich beruhigend. Egal wie stressig der Tag war und wie müde und entnervt ich danach bin: nach einer halben Stunden Sport ist das Leben wieder in Ordnung. So gut durchblutet und wach lernt es sich danach auch gleich wieder besser.

Meine To-Do Listen werden gerade abgearbeitet wie nix, ich bin in dem Stress richtig drin und es gibt Momente, an denen ich es gut finde. Einfach mal nichts zu tun fällt mir gerade schwer, denn ich weiß, dass der Lernplan eng ist.
Meine einzige wirkliche Form der Prokrastination ist es, literweise Tee zu trinken und deshalb ständig von der vollen Blase ins Bad gescheucht zu werden. Wenn ich dann mal eine Hand frei habe, wird gestrickt. Meine aktuelle Geschwindigkeit im Socken stricken liegt bei zwei Paar pro Monat und ich bin selbst fasziniert, wann ich das eigentlich schaffe.

Aktuell frage ich mich wirklich, was ich sonst immer den ganzen Tag lang mache, um weniger zu schaffen als jetzt. Die Antwort ist klar: schlafen. Selten bin ich abends so erledigt wie jetzt und selten schlafe ich so wenig. Durch den Stress läuft es am nächsten Tag trotzdem weiter.
Blogposts lese ich auch kaum, wenn ich mir den Luxus von Erholung und Freizeit gönne, soll er produktiv sein.

Das klingt ja fast, als würde ich den Stress und den Zeitdruck genießen. Das ist nicht ganz falsch. Aber viel länger als noch ein paar Wochen möchte ich das auch nicht erleben.
Es wird Zeit, dass ich mich wieder mal entspannt mit einem Buch hinsetzen und ohne Blick auf den Kalender und die Uhr mal einfach einen Tag nichts tun kann. Und es wird auch Zeit, dass ich all die Ideen für Ausflüge, Treffen mit Freunden, Bastelkram und was einem sonst noch so zu solch unpassenden Zeiten durch den Kopf schießt, in die Tat umsetzen kann statt nur davon zu träumen weil die Zeit knapp ist.  Der positive Eustress ist auch nur so lange gut, solange sein Ende abzusehen ist.

Wie geht ihr mit Stress um?

Na dann mache ich mich mal zurück an die Skripte.

Apfelkern

Samstag, 25. Oktober 2014

Warum ich kein guter Patient wäre

Es ist schon ziemlich genau zwei Jahre her, dass ich das letzte Mal so richtig krank war. Richtig krank meint nicht nur ein bisschen Schnupfen im Winter sondern Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und einfach ein Schwächegefühl, dass man eigentlich nur im Bett liegen kann.
Was ich jetzt schon sagen kann, ist, dass ich es definitiv nicht vermisst habe. 

Wenn man lange nicht mehr mit einer Infektion krank im Bett lag, verdrängt man leicht, wie nervig das eigentlich ist. Alles, was man tun kann ist schlafen, schlafen, schlafen, versuchen ab und zu was zu essen, schlafen, schlafen, seine Medikamente nehmen und die ganzen Liter Tee, die man als braver Patient so in sich hinein kippt wieder ins Bad zu bringen. Je nach Art der Infektion hat man dann noch Spaß mit Schleim und der Atmung durch die Nase, Schluckbeschwerden, Hautveränderungen oder was es sonst noch so schönes gibt.

Nachdem ich jetzt zwei Tage nahezu komplett im Bett lag, habe ich davon wirklich die Nase voll. Man verpasst seine Veranstaltungen an der Uni, schafft nichts von seiner To-Do Liste, kann sich nicht mit Freunden treffen und zum Lesen oder Filme sehen reicht die Konzentration nicht und schmerzende Augen und Kopfschmerz machen einem da eh einen Strich durch die Rechnung.
Und dann liege ich im Bett und ärgere mich, wie nutzlos ich gerade bin und Zeit, die ich sinnvoll nutzen könnte verschwende. Klar weiß ich, dass ich mich auch nicht wirklich konzentrieren kann, weil ich mich einfach so krank fühle aber das hält mich nicht davon ab, mich die ganze Zeit zu ärgern, wie wenig nützlich ich bin.
Wenig besser macht es die Ungewissheit, wann man wieder gesund und voll einsatzfähig sein wird. Werde ich vielleicht in drei Tagen wieder auf den Beinen sein oder erst nächste Woche? Das macht für die weitere Planung definitiv einen Unterschied und es graut mir schon davor, Termine verschieben oder nachholen zu müssen.

In dem Sinne bin ich wirklich kein guter Patient. Strenge Bettruhe ist mir zuwider, viel lieber möchte ich raus und vielleicht doch noch das Script zum Seminar durcharbeiten oder am Geburtstagsgeschenk für meinen Freund arbeiten. So richtig einzusehen, dass ich eine Auszeit einlegen muss, fällt mir schwer.

Wenn es darum geht, die Medikamente pünktlich zu nehmen, Obst zu essen, eine Nasenspülung oder Halswickel zu machen, bin ich ganz vorne mit dabei, denn alles, was mir hilft schneller gesund zu werden, ist mehr als herzlich willkommen. Deshalb würge ich auch die monströs großen Antibiotika Tabletten meinen von der Angina malträtierten Rachen runter - Hauptsache es hilft. Mir macht krank sein keinen Spaß und ich will es so schnell wie möglich hinter mich bringen. 
Abgesehen davon gibt es auch noch die Anwesenheitspflicht der Uni, die es zu erfüllen gibt. Falls ich meine 15% erlaubte Fehlzeit überschreite, muss ich die Veranstaltungen nachholen, um das Semester am Ende als bestanden angerechnet zu bekommen. 

Was ich von dieser Erfahrung aber mitnehme, ist mehr Verständnis für akut erkrankte Patienten, die nicht ewig krank geschrieben und untersucht werden wollen, sondern einfach nur die Medikamente haben wollen, die am besten helfen, sie schnell wieder gesund werden zu lassen.
Und ich habe auch mehr Verständnis für diejenigen, die trotz verordneter Bettruhe dann eben nicht an den Schreibtisch gehen aber sich den Laptop zum Arbeiten ins Bett holen und sich damit auch nicht wie vorgesehen schonen und einfach schlafen. Schließlich würde ich es genauso tun.

So, etwas gelernt aus dem ganzen Mist habe ich ja immerhin. Kann es jetzt bitte wieder vorbei sein?
Krank ist schließlich niemand gerne.

Apfelkern

Dienstag, 16. September 2014

Das Spitze muss ins Rote

Also eins steht schon mal fest: die Eloquenz eines Fußballtrainers habe ich nicht und deshalb bitte ich schon mal um Verständnis für meinen heutigen Titel.
Was ich zum Glück besser kann als mir innovative Überschriften für meine Posts auszudenken, ist Blut abnehmen. Da ich das aktuell während der Famulatur täglich mache, hatte ich Anlass, ein wenig darüber nachzudenken.

Wahrscheinlich allen Menschen wird im Laufe ihres Lebens einmal Blut abgenommen und jeder erlebt es anders. Manche sind da ganz schmerzbefreit und entspannt, andere bekommen schon Panik, wenn man nur erwähnt, dass man gerne ein Blutbild machen würde.
Ich denke, die Angst vorm Blutabnehmen kommt einerseits oft daher, dass man es so gut wie noch nie erlebt hat und sich aber in der Zeit die Horrorgeschichten anderer angehört hat und seiner Fantasie freien Lauf gegeben hat, Angst davor zu entwickeln. Andererseits haben einige wirklich schlechte Erfahrungen gemacht, die vom blauen Fleck über mehrfaches Anstechen und herum stochern auf der Suche nach der Vene bis hin zu "spritzendem" Blut bei nicht entfernter Stauung gehen. Dann ist natürlich die Angst da, dass es wieder passiert.

Das macht es einem nicht leichter, wenn der Patient eh schon halb hysterisch wird angesichts der bevorstehenden Blutentnahme. Ich bin immer recht froh, dass sie dazu eh sitzen oder liegen und mir deshalb nicht einfach umkippen oder wegrennen können.
Wenn der Patient ruhig ist, bin ich selber immer auch viel entspannter weil ich weiß, dass ich falls ich im ersten Anlauf tatsächlich mal nicht die Vene treffen sollte, es einfach noch mal versuchen kann. Letztlich macht die große Aufregung es dem Angezapften und dem Anstechenden das Leben schwer.

Ich kann mich noch ziemlich gut an mein erstes Mal Blut abnehmen erinnern. Es war ein Praktikum im zweiten Semester, bei dem wir gegenseitig aneinander unser Glück versuchen konnten. Mein Partner war ein sportlicher Kommilitone mit Venen, die einem schon ohne Stauung quasi entgegen sprangen. Ein Träumchen. Entsprechend einfach traf ich auch das Gefäß sofort und war unendlich erleichtert. Er dagegen verzweifelte an meinen eher weniger gut sichtbaren aber durchaus tastbaren Venen in der Armbeuge. Obwohl er mehrfach die Kanüle in meinen Arm stach, fand er kein Blut.
Ihm war das sehr unangenehm aber ich war noch wie berauscht von meinem Erfolg auf der Suche nach Blut und fand es daher auch nicht so schlimm, dass er ein paar mehr Versuche an mir brauchte. Letztlich war er auch erfolgreich und alle erleichtert.

Es ist alles eine Frage der Übung und die Tipps der Schwestern, die schon seit Jahrzehnten Venen punktieren, sind Gold wert. Der Indianername von Schwester Inge ist nicht umsonst die, die bei jedem eine Vene trifft.
Eine große Erleichterung sind auch die im Gegensatz zu den Systemen mit starren Nadeln so gut zu führenden Butterfly Kanülen.

Selbst habe ich keine traumatischen Erlebnisse gehabt, als mir Blut entnommen wurde. Allein die großen Kanülen beim Blutspenden empfinde ich als recht unangenehm. Im Gegensatz zu den Kanülen für die Standardblutabnahmen haben die beim Blutspenden einen größeren Durchmesser und hinterlassen bei mir sogar winzig kleine Narben an denen die Haut quasi ausgestanzt wurde. Damit Blut abzunehmen ist wahrscheinlich auch noch mal ein bisschen anders.

Eine Sache, bei der mir immer ein bisschen anders wird, ist wenn jemand Blut entnimmt und dabei keine Handschuhe trägt. Warum sollte man auf diesen Selbstschutz verzichten und sich dem möglicherweise infektiösem Blut aussetzen?!
Das Argument, dass man mit Handschuhen nicht so gut tasten kann, ist in meinen Augen Schwachsinn insofern man denn passende Handschuhe hat. Im Normalfall kommt man nicht mit Blut in Kontakt aber was ist, wenn der Patient Blutverdünner nimmt, ewig nachblutet oder sonst irgendwas passiert? Dann muss ich mir deren Blut wirklich nicht in bei mir eventuell vorhandene kleine Hautwunden schmieren lassen und mich einem unnötigen Risiko aussetzen.
Auch wenn ich beim Blutspenden oder auch beim Hausarzt oft erlebt habe, dass mir von einer Person ohne Handschuhe Blut entnommen wird, trage ich immer welche, wenn ich selbst Venen ansteche. Wie heißt es so schön: No glove, no love!

Und was habt ihr schon so für schöne Sachen bei der Blutentnahme erlebt?

Apfelkern

Sonntag, 14. September 2014

Scheiß Weiß

Aktuell mache ich eine Famulatur in einer Hausarztpraxis. Die Famulatur ist ein Praktikum im Rahmen des Medizinstudiums, bei dem man wortwörtlich der Famulus (heißt Gehilfe - Lateinkenntnisse FTW!) des Arztes ist. Mit dem Praktikum bin ich sehr zufrieden, Arzt klasse, Praxis gut und modern ausgestattet, Schwestern nett, Anteil der Patienten, die mehr als ein bisschen gaga sind ist verträglich. Es gibt nur eine Sache, die mir wirklich auf den Senkel geht: diese helle Kleidung!

Bei der Arbeit im Krankenhaus bekam ich bisher immer Kleidung gestellt, die ich täglich nach dem Tragen einfach in den Wäschebeutel legen konnte und gut. Das ist in der Praxis anders. Ich muss meine eigene Kleidung mitbringen: weiße Hose, helles Oberteil lautet der Dresscode.
Das Problem ist nur, dass ich kaum helle Kleidung habe, weil es mir einfach nicht besonders gut steht (Kellerkind Teint + helle Kleidung = Leiche auf Rädern Look) und so habe ich mir schon bei meiner Mutter ein paar helle Sachen ausgeliehen, um nicht immer die gleichen fünf Shirts im Wechsel tragen zu müssen.
So viel zu den optischen Problemen.

Was aber ich aber als noch viel nerviger empfinde, ist die ständige Paranoia, Flecken auf die weiße Hose zu bekommen. Ich fahre mit dem Rad zur Praxis. Um jede Pfütze wird der größtmögliche Bogen gemacht, das Fahrrad versuche ich abgesehen von Sattel und Lenker auch nicht zu berühren. Überhaupt manövriere ich um alle Gegenstände, die mir Flecken auf der weißen Hose bescheren könnten, mit so viel Abstand wie möglich herum. Aber auch wenn ich es tatsächlich schaffe, mir keine prominenten Flecken einzufangen, hat die Hose spätestens nach zwei Tagen unten am Saum einen Grauschleier und muss in die Wäsche.

Da frage ich mich wirklich, warum Menschen in Situationen, in denen sie frei Kleiderwahl haben, freiwillig weiße Kleidung tragen - das ist doch unendlich unpraktisch! Oder es stellt sich einfach nicht jeder so an wie ich und sammelt Flecken, wo er nur kann.

Egal ob ich weiße Kleidung jetzt praktisch oder für mich optisch schmeichelnd finde: ich werde mich damit anfreunden oder zumindest damit leben müssen, denn für den Großteil der Berufe im medizinischen Bereich ist die weiße Kleidung inklusive. Aber über das olle Weiß meckern darf ich ja immerhin trotzdem.

Apfelkern

Sonntag, 10. August 2014

Plötzlich Semesterferien

Die Prüfungen sind vorbei, ich habe Sommerferien! Ein bisschen unwirklich ist der Gedanke schon, jetzt einfach bis Anfang Oktober abgesehen von vier Wochen Famulatur ausschlafen und den Tag nach eigenem Belieben gestalten zu können nachdem ich die letzten Wochen nur noch gelernt, geschlafen und ab und zu zur Entspannung ein bisschen Sport gemacht habe. Alle sonstigen Freizeitaktivitäten haben mir bloß schlechtes Gewissen bereitet, dass ich Zeit verschwende, die ich zum Lernen nutzen könnte.

Ich bin absolut kein Prüfungsmensch. In meinen Lehrbüchern zu lesen, Fakten zu erfahren und mich auf Veranstaltungen vorzubereiten und einfach Dinge zu wissen macht mir unheimlich viel Spaß. Tief in meinem Herzen bin ich ein kleiner Streber. Aber ich hasse Prüfungen.
Das Wissen, dass man bestehen muss um im Studium weiter zu kommen, baut Druck auf und nimmt mir in gewisser Weise die Freude am Lernen. Dass es ohne eine Form von Lernkontrolle nicht geht ist mir bewusst doch mögen muss ich sie ja deswegen auch nicht.

Meine ganz besondere Abneigung gilt ja den praktischen Prüfungen. Etwas in den schriftlichen Prüfungen nicht zu wissen ist blöd, aber nie peinlich. Dann muss man eben nachdenken, grübeln und sich in den ollen Multiple Choice Bögen für die wahrscheinlichste Antwort entscheiden. Wobei in vielen Fällen Nachdenken auch nicht hilft, wenn es um starres Faktenwissen geht und man muss eben den Fehler kassieren. Das ist aber nicht ansatzweise peinlich und niemand wird darüber lachen machen außer die Maschine, die unsere Prüfungsbögen auswertet, hat einen schadenfreudigen Humor.

Ganz anders bei den praktischen Prüfungen.
Während einer praktischen Prüfung nicht weiter zu wissen gehört zu einer der am tiefsten in mir verwurzelten Ängsten. Man blamiert sich vor den Prüfern. Man blamiert sich vor den Patienten beziehungsweise Simulationspatienten. Und obendrein blamiert man sich auch noch vor den Kommilitonen, die mit einem in der Prüfung sitzen. In diesem Jahr habe ich vor der praktischen Prüfung drei mal geträumt, dass mir während der praktischen Prüfung weil ich mich so unendlich blöd angestellt habe mein Abitur aberkannt wird. Mir selbst Psychoterror selbst machen kann ich prima.

Auf eine praktische Prüfung bereite ich mich doch immer noch eine Spur penibler vor als auf schriftliche, denn man weiß ja nie, ob nach den kleinsten Details doch noch gefragt wird. Für mich hat es sich bewährt, den Prüfer einmal zu googlen und zu sehen, in welchem Bereich er arbeitet, denn der Notarzt wird ganz andere Fragen stellen als der Dermatologe und der Anatom wird nicht unbedingt nach biochemischen Details fragen sondern eher nach dem Thema, über das er selbst schon in zig wissenschaftlichen Veröffentlichungen geschrieben hat.

Bisher habe ich alle Prüfungen bestanden und auch in diesem Semester hoffe ich, dass es wieder so gut läuft. Dann habe ich schon vier Semester geschafft. Vier Semester - zwei Jahre. Das ist schon eine ziemlich lange Zeit. Mit meinem Medizinstudium bin ich noch immer sehr zufrieden und genieße das vielfältige und unheimlich spannende Studium abgesehen von der Prüfungszeit sehr. Und in besagter Prüfungszeit frage ich mich immer, wie zur Hölle ich auf den bekloppten Gedanken gekommen bin, ein Medizinstudium zu beginnen, wo ich mir doch denken konnte, dass die Prüfungen nicht entspannt und einfach werden.

Mein Abitur liegt jetzt zwei Jahre zurück und ich kann es kaum fassen, dass die Zeit so verdammt schnell vergangen ist. Als Schüler habe ich immer beobachtet wie der aktuelle Abiturjahrgang immer nach den Sommerferien verschwunden war als wäre plötzlich er nicht mehr Teil dieser Welt. Hinten von der Erdscheibe runter gefallen und nie wieder von mir gesehen. Ich habe mich immer gefragt, wo all die Menschen nach dem Abitur hin gehen und was ich dann wohl machen werde. Jetzt weiß ich es. Zumindest für diesen Moment.

Apfelkern

Mittwoch, 19. Februar 2014

Ich bin nicht weg, ich war nur ein paar Prüfungen schreiben

Ich glaube, ich bin ein ziemlich mieser Blogger. Immer, wenn das reale Leben stressiger wird, ist das Bloggen so ziemlich das erste, was ich zu meiner Entlastung erst mal einstelle. Aber anders betrachtet: das reale Leben auf Eis legen, um Bloggen zu können, wäre erst recht schwachsinnig.
Und jetzt, wo die nervenzehrende Prüfungsphase vorbei ist, kann ich auch das Bloggen wieder aufnehmen.

Ach ja, die Prüfungsphase. So sehr ich das Medizinstudium auch mag und genieße all diese faszinierenden Dinge lernen zu dürfen, so sehr hasse ich diese fiese Prüfungsphase.
Bei mir ist das so organisiert, dass das Semester 16 Wochen lang ist und bis zum letzten Tag dieser Wochen die prüfungsrelevanten Vorlesungen. Seminare, Praktika und Untersuchungskurse stattfinden. Die schriftlichen Prüfungen sowie die mündlich-praktische folgen in der Woche darauf.
In diesem Semester war es besonders übel, da ich fünf Prüfungen - vier schriftliche Multiple Choice Klausuren und eine Anatomieprüfung - am Montag hatte und am Dienstag Morgen gleich meine mündliche Prüfung.

Das hat dafür gesorgt, dass ich schon seit Weihnachten mehr oder weniger am Lernen bin und in den zwei Wochen vor den Prüfungen eigentlich abgesehen von Essen, Schlafen, Uni, den Freund ab und zu sehen und zum Stressausgleich Sport machen, nicht viel anderes getan habe.
Nachdem ich die Vorlesungsunterlagen des Tages noch mal zusammengefasst hatte, ging es direkt ans Lernen. Trotzdem muss man aufpassen, dass man sich selbst nicht völlig verausgabt und sich selbst vernachlässigt in dieser Zeit.
Das war eine Phase, in der ich nur noch Ferien haben wollte. Man kann das Studium einfach nicht mehr genießen, wenn es nahezu den kompletten Tag ausfüllt und das mehrere Wochen lang.

Ich glaube, das schlimmste an den Prüfungen sind eh die Wochen davor. Man stopft Unmengen von Wissen in seinen Kopf, wiederholt den Stoff, damit sich ja nicht heimlich die Informationen wieder aus dem Gedächtnis schleichen und ist in ständiger Sorge, zum Prüfungszeitpunkt nicht genug zu wissen und durchzufallen.
Vor allem gegen Ende hatte ich das Gefühl, reines Bulimie-Lernen zu betreiben: Wissen in den Kopf stopfen, nur um es während der Prüfung vor dem Prüfer wieder heraus zu würgen.

Warum das planerisch von Seiten der Uni so gemacht wird, kann ich mir nicht erklären. Wollen sie die Belastbarkeit der Studenten ausreizen indem sie bis kurz vor ultimo neue prüfungsrelevante Dinge vermitteln? Pädagogisch wertvoll oder mit einem besonderen Lerneffekt behaftet kann es jedenfalls nicht sein.

In so einer Zeit hilft mir vor allem Sport als Ausgleich. Selbst wenn ich völlig fertig und die Konzentrationsfähigkeit nicht mehr vorhanden ist: nach 30 Minuten Pilates geht es mir besser und ich habe nicht mehr das Gefühl, gleich durchdrehen zu müssen.

Durchdrehen… generell wird es schlimmer, je näher die Prüfungen kommen. Ich bin absolut kein Prüfungsmensch, mache mich selbst nervöser, als ich sein müsste, kann am Tag vor der Prüfung nicht mehr schlafen.
Zum Glück bin ich aber niemand, der in der Prüfung selbst vor Panik fast kollabiert. Sobald ich in der Prüfungssituation bin, werde ich ganz ruhig und gefasst. Weil in dem Moment aufgeregt zu sein bringt eh nichts und vor allem, hat man den größten Aufwand an den Prüfungen in dem Moment hinter sich: das Lernen. Wissen, dass man sich angeeignet hat zu notieren ist leichter als es erst einmal zu erwerben. Obwohl, da kann auch noch einiges schief laufen.

Übrigens kann ich mündliche Prüfungen so gar nicht leiden, vor allem, wenn es Gruppenprüfungen sind. Es ist einfach der Gedanke, dass man im Falle eines Versagens sich nicht nur vor sich selbst sondern gleich vor einer Gruppe anderer Menschen blamiert.
Blöd nur, dass in meinem Studium zu eigentlich jedem Semesterabschluss auch eine mündlich - praktische Prüfung gehört.

Die Prüfungsphase des Studiums hat mich bis jetzt immer ziemlich erschöpft aber zufrieden hinsichtlich der Ergebnisse zurück gelassen. Direkt nach dem Ende der letzten Prüfung merke ich, wie meine Herzfrequenz wieder sinkt und ich ruhiger, freier atmen kann.

Und jetzt habe ich auch wieder den Kopf frei, zu bloggen. Ich bewundere Blogger, die in den stressigsten Situationen noch nebenbei ihren Blog am Laufen halten. Für mich funktioniert es einfach nicht, da ich einfach nicht den Nerv habe, mich noch hin zu setzen und mir zu überlegen, was ich schreiben könnte. Und bloggen nur um zu bloggen muss nicht sein.

Wie gut, dass ich jetzt wieder den Kopf frei habe, um etwas mehr Leben in den Blog zu bringen. Und nicht nur das: auch in mein Leben kann ich endlich wieder mehr Leben bringen.

Apfelkern