Es ist Glamour Shopping Week und die lockenden Rabatte reichen als Anstoß, sich mal wieder aufzuraffen, um shoppen zu gehen. Dass das Lieblingsshirt ausgeleiert aussieht und meine schwarze Hose nach Jahren des Tragens eher ausgewaschen-grünlich als schwarz wirkt, weiß ich schon lange, doch freiwillig gehe ich doch nicht shoppen. Denn ich hasse Shoppen - und zwar abgrundtief!
Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich es nicht mag, schöne neue Dinge zu haben und dieses Gefühl zu genießen, sich mit dem neuen Stück einmal im Jahr stylisch gekleidet zu fühlen. Da geht es mir wie wahrscheinlich fast jedem anderen, dass ich dieses Gefühl mag. Doch um an diesen Punkt zu kommen, muss man erst mal den grausamen Prozess des Einkaufens erfolgreich hinter sich bringen.
Jedes mal fühle ich mich neben top durchgestylten, modisch frisierten und gelegentlich überschminkten Verkäuferinnen wie der letzte Dorftrottel. Ich in meinem bequemen Shirt, das ich vor Jahren gekauft habe und so ganz ohne Accessories. Im Alltag stört mich das nicht im geringsten, doch im direkten Vergleich mit den modischen Verkäufern und vielen anderen Kunden fühle ich mich unwohl. Als würde ich so gar nicht an den Ort namens Shoppingcenter gehören. Resultat: ich möchte möglichst schnell wieder raus dort.
Mir ist es regelrecht peinlich, zwischen den Auslagen umher zu laufen ohne mich vorher ein bisschen hübsch gemacht zu haben. Das ist eigentlich unglaublich oberflächlich und albern - das ist mir sehr bewusst - doch dieses Unwohlsein wegen meines Aussehens lässt sich während des Einkaufs schwer verdrängen.
Als ob sich irgendwer darum kümmern würde, wie die Kunden aussehen. Wahrscheinlich ist ihnen das total egal, solange man bloß was kauft und freundlich ist, aber es wäre zu vernünftig, diese Einsicht in seinem Verhalten umzusetzen und sich zu entspannen.
Zu dem Fremdkörpergefühl in der Welt des Shoppings kommt so eine überwältigende Überforderung. Mode-Center, eine Etage voller Kleidung, Schuhe, Unterwäsche und weiß der Geier was. Und ich dachte vorher noch, so viel Auswahl zu haben, wäre gut.
Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll mit dem Suchen. Was suche ich überhaupt? Eine schwarze Hose - warum gibt es nur zerrissene, bestickte und mit Nieten zugepflasterte schwarze Hosen? Das kann doch nicht so schwer sein. Oh - welche Größe brauche ich hier eigentlich, wenn ich nicht einfach eine 42 und die Langgröße kaufen kann?
Die unglaublich freundliche Verkäuferin hilft, sucht neutral gestaltete schwarze Hosen. Keine passt. Alle zu kurz, einige zu eng, Stoff zu dünn und legginsartig. Ich weiß schon, warum ich sonst immer die gleichen Hosenmodelle in verschiedenen Farben kaufe.
Am Ende gehe ich wie immer mit der gleichen Art Einkauf nach Hause insofern ich etwas finde. Bequeme, unauffällige und bezahlbare Mode ist es, was ich kaufe. Und dann bin ich ein wenig frustriert, weil ich nicht einmal etwas ausgefalleneres für besondere Anlässe mitgenommen habe.
Ich mag es, Socken und Unterhosen zu kaufen. Die passen wenigstens immer und sind modisch eher unwichtig, was heißt, dass man wenig falsch machen kann. Sie müssen nur bequem sein.
Beim Shoppen muss ich daran denken, wie sehr ich Krankenhauskleidung liebe. Man muss sich absolut keine Gedanken machen, was man am nächsten Tag auf Arbeit trägt, denn das ist vorgeschrieben. Noch dazu sind Hose, Kasack und Kittel super weich und bequem mit vielen praktischen Taschen. Als würde man heimlich seine Wochenend-Wohlfühlkleidung auf Arbeit tragen, nur mit dem Unterschied, dass es tatsächlich offiziell vorgeschrieben ist. Traumhafte Zustände.
Manchmal wünsche ich mir auch, dass es so ein Outfit für den Alltag gäbe, so ein festgelegtes. Vielleicht nicht unbedingt in fleckenanfälligem Weiß. Man muss ja die Bevölkerung nicht dazu verpflichten, es zu tragen, doch es würde einige Dinge einfacher machen. Zum Beispiel den Fakt, dass ich von Mode keine Ahnung habe.
Eigentlich soll so ein Einkauf einem ein gutes Gefühl vermitteln, damit man brav mehr kauft, doch bei mir löst es nur ein Gefühl der Hilflosigkeit aus. Zu viel Angebot, keine Ahnung, was ich nun kaufen soll. Noch dazu dieser Eindruck, dass man auffällt, weil man sich so wenig gekonnt kleidet und deshalb vielleicht sogar nicht ernst genommen wird. Kleidungskauf ist bei mir mit negativen Empfindungen assoziiert, es zeigt mir die ganze Zeit, was ich nicht gut kann.
Wäre ich Protagonist eines Horrorfilms, würde man mich in ein gigantisches Einkaufscentrum locken, aus dem nicht heraus komme, in einer Endlosschleife Kleidung anprobieren müsste und von anderen verspottet werde.
Online Shopping hilft da ein wenig, doch am Ende bin ich auch von der Auswahl überwältigt und ahnungslos, welche Größe ich bestellen sollte, wenn ich das Stück denn nicht direkt anprobieren kann.
Am Ende des Einkaufs stand ich mit einer schwarzen Hose in dem Geschäft, wo ich immer meine Hosen kaufe, an der Kasse und mental kurz vorm Nervenzusammenbruch. Na ja, fast.
Und ich weiß auch, dass ich bald wieder vorm Kleiderschrank stehen werde und denke, dass ich nichts zum Anziehen habe. Doch immerhin bin ich raus aus dem Einkaufscenter und werde auch nicht so bald wieder freiwillig da rein gehen.
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Mittwoch, 7. Oktober 2015
Warum Shopping Horror ist
Montag, 12. August 2013
Ich möchte bloggen und nicht meine Seele verkaufen
Warum bloggt ihr eigentlich?
Für Ruhm, Ehre, Leserzahlen und Testprodukte? Ist es vielleicht ein innerer Drag, der euch an die Tastaturen treibt? Oder ist es der maskierte Typ mit der Peitsche hinter euch?
Als mein inzwischen schon vorletzter (verdammt bin ich ein fleißiges Blogger Bienchen ... nicht) Post ganz plötzlich über 300 Seitenaufrufe hatte, war ich extrem überrascht. Vor allem, da es nicht nur irgendwelche Bots waren, die mir ihre Links in Kommentaren posten - denn die lassen keine ausführlichen durchdachten Kommentare zum Thema da.
Ich war, nun ja - geflasht. Doofes neumodisches Denglisch, doch das Wort trifft es. Mein kleiner Blog auf dem ich alle hundertdrei Jahre mal den Gedankenmüll aus meinem Hirn kippe hatte plötzlich regen Besuch. Sahnehäubchen: der Artikel wurde sogar auf Twitter empfohlen! Wow. Danke Caro. Und die Kirsche auf dem Sahnehäubchen war es, von Karmesin in ihrem Wochenrückblick erwähnt und verlinkt zu werden.
Hallo - sie hat mehr als tausend Leser!!! Aka: ich glaube, das gibt ordentlich Klicks. Die Leserzahl ist gleich mitgewachsen.
Das zu sehen erfüllt das Bloggerherz definitiv mit Freude und auch Stolz, tatsächlich etwas fabriziert zu haben, das offensichtlich den Nerv der Leserschaft trifft.
Und direkt nach der Freude kommt die Überlegung, wie man dafür sorgen kann, dass es kein einmaliges Hochgefühl war. Einmal von der Salmiak Lakritze gekostet und man will es immer wieder. Ihr wisst schon, was ich meine.
An der Stelle setzt der Druck ein - was, wenn ich es nicht mehr schaffe, ein Thema zu finden, das irgendwen interessiert? Beziehungsweise mehr als nur die üblichen treuen Leserseelen.
Das wäre die Stelle, an der ich mich fragte, wofür ich denn blogge. Für gigantische Leserzahlen, Kommentare ohne Ende und am besten obendrauf Testprodukte? Natürlich dürft ihr mir Lakritze, Tee und Yogamatten zum Testen zuschicken aber wenn der Preis dafür wäre, dass ich über jedes Produkt schreiben muss, tausende möglichst perfekte Bilder machen muss, ist es das nicht wert. Ich möchte bloggen und nicht meine Seele verkaufen.
Mit großer Macht kommt auch große Verantwortung. Habe ich erst mal einen gewissen Status als Blogger und meine 1000 Leser zusammen, muss ich zusehen, dass ich den Status erhalte. Regelmäßige Posts werden erwartet. Dabei sollte es auch ja nicht langweilig werden! Klar, feste Strukturen wie ein einheitliches Layout und jeden Sonntag ein Wochenrückblick sind erwünscht aber bitte bloß nicht dauernd über ähnliches posten sondern überraschen und unterhalten.
Wenn man schon dabei ist, Ansprüche zu stellen: für Massenunterhaltung braucht man Bildmaterial. Ist ja schön, dass du lange Texte schreiben kannst, die mit viel Glück einen Sinn ergeben, doch schon mal von TL;DR gehört? Ergo sind viele Bilder angesagt, um die Leserschaft bei Laune zu halten. Mit einer Digitalkamera oder gar einer Handykamera ist es natürlich nicht getan - Spiegelreflexkamera mit diversen Filtern, Linsen und natürlich Stativ sind das Minimalprogramm. Der Leser von heute hat Ansprüche.
Für die Kontinuität gibt es auch keine Ausnahmen. Prüfungszeit, Urlaub, Krankheit? Pustekuchen, es wird schön brav regelmäßig weiter gebloggt. Da kann man auch locker mal sein Wochenende damit verbringen, Posts für die kommende Woche vorzuschreiben, um unter der Woche nicht jeden Abend den Druck zu haben und mal mehr als fünf Stunden Schlaf zu bekommen.
Wenn der Blog nun täglich mit einem aufwendig geschriebenen, gut bebilderten Post versorgt ist, reicht das aber nicht. Da gibt es mehr Kanäle, auf denen man vertreten sein muss. Twitter, Instagram, YouTube, Facebook, Google Plus wollen auch täglich mit Informationen gefüttert werden, damit man die werten Follower auf allen Wegen ausreichend bespaßt.
Networking ist ebenso unerlässlich. Schön jedem etwas Honig ums Mündchen schmieren. Was denkt ihr denn, warum ich die beiden oben zum Dank für das Verbreiten eines Links zu meinem Post selbst verlinkt habe? Das ist Teil der Expansionspolitik. Das ist ganz klar eine Motivation für sie und andere, mich wieder zu verlinken, damit ich bekannter werde, mehr Menschen beeinflussen und die Weltherrschaft an mich reißen kann. Oder so in etwa.
Der Lohn sind Testprodukte ohne Ende, Einladungen zu exquisiten Blogger Veranstaltungen und Dinge, von denen Normalsterbliche wie ich nicht einmal ahnen, dass es sie gibt.
Und spätestens wenn man an diesem Punkt angelangt ist, hat das Bloggen den Status des Hobbys längst verloren und ist zur Vollzeitbeschäftigung geworden.
Sorry Mutti, ich kann jetzt nicht mit dir reden und essen sowieso nicht. Ich muss den Teller aus fünf Perspektiven mit drei verschiedenen Linsen fotografieren, um ein ultimativ speichelförderndes Essensbild für meinen Wochenrückblick zu haben.
Ich möchte mein Leben nicht nach dem Blog ausrichten. Es ist toll, diese Plattform für Gedanken zu haben, eine Möglichkeit, Ideen und Überlegungen zu teilen wenn man möchte und Zeit dafür hat. Aber wenn man mal keine Lust und Zeit dafür hat, ist es eben auch in Ordnung. Das ist etwas, was ich extrem an einem kleinen Blog schätze: es gibt keine Erwartungshaltung, dass regelmäßig gepostet wird. Ganz frei kann ich schreiben wenn ich möchte und das auch worüber ich möchte und bekomme im Optimalfall noch Feedback dazu.
Dass Bloggen keine Verpflichtung ist, war mir auch nicht von Beginn an klar. Vor dem Urlaub saugte ich mir Themen aus den Fingern und wurstelte mehr schlecht als recht Beiträge zusammen. Sie bekamen kaum Klicks und Kommentare, denn sie waren auch einfach nicht gut. Man merkte ihnen an, dass ich sie schrieb um sie zu schreiben und keine Begeisterung oder der Wunsch, etwas bestimmtes mitzuteilen dahinter steckte.
Daher habe ich für mich beschlossen, nur zu schreiben, wenn mir das Thema regelrecht unter den Nägeln brennt und ich auch wirklich Motivation und Lust dazu habe. Anders kommt nur Murks heraus.
Wobei das jetzt auch keine Garantie ist, dass ich hier etwas anderes als wirren Gedankenquark fabriziere. Also mal ganz ruhig mit den Erwartungen.
Ich werde mit meinem Blog nicht reich und berühmt. Doch dafür kann ich ohne Erwartungsdruck der Leser, der Sponsoren und wem auch immer normal leben ohne Anfälle zu bekommen, weil ich meinen Post für heute nicht geschafft habe, sondern einfach glücklich sein. Und das ist mir sehr viel mehr wert als tausend Leser.
Apfelkern
Für Ruhm, Ehre, Leserzahlen und Testprodukte? Ist es vielleicht ein innerer Drag, der euch an die Tastaturen treibt? Oder ist es der maskierte Typ mit der Peitsche hinter euch?
Als mein inzwischen schon vorletzter (verdammt bin ich ein fleißiges Blogger Bienchen ... nicht) Post ganz plötzlich über 300 Seitenaufrufe hatte, war ich extrem überrascht. Vor allem, da es nicht nur irgendwelche Bots waren, die mir ihre Links in Kommentaren posten - denn die lassen keine ausführlichen durchdachten Kommentare zum Thema da.
Ich war, nun ja - geflasht. Doofes neumodisches Denglisch, doch das Wort trifft es. Mein kleiner Blog auf dem ich alle hundertdrei Jahre mal den Gedankenmüll aus meinem Hirn kippe hatte plötzlich regen Besuch. Sahnehäubchen: der Artikel wurde sogar auf Twitter empfohlen! Wow. Danke Caro. Und die Kirsche auf dem Sahnehäubchen war es, von Karmesin in ihrem Wochenrückblick erwähnt und verlinkt zu werden.
Hallo - sie hat mehr als tausend Leser!!! Aka: ich glaube, das gibt ordentlich Klicks. Die Leserzahl ist gleich mitgewachsen.
Das zu sehen erfüllt das Bloggerherz definitiv mit Freude und auch Stolz, tatsächlich etwas fabriziert zu haben, das offensichtlich den Nerv der Leserschaft trifft.
Und direkt nach der Freude kommt die Überlegung, wie man dafür sorgen kann, dass es kein einmaliges Hochgefühl war. Einmal von der Salmiak Lakritze gekostet und man will es immer wieder. Ihr wisst schon, was ich meine.
An der Stelle setzt der Druck ein - was, wenn ich es nicht mehr schaffe, ein Thema zu finden, das irgendwen interessiert? Beziehungsweise mehr als nur die üblichen treuen Leserseelen.
Das wäre die Stelle, an der ich mich fragte, wofür ich denn blogge. Für gigantische Leserzahlen, Kommentare ohne Ende und am besten obendrauf Testprodukte? Natürlich dürft ihr mir Lakritze, Tee und Yogamatten zum Testen zuschicken aber wenn der Preis dafür wäre, dass ich über jedes Produkt schreiben muss, tausende möglichst perfekte Bilder machen muss, ist es das nicht wert. Ich möchte bloggen und nicht meine Seele verkaufen.
Mit großer Macht kommt auch große Verantwortung. Habe ich erst mal einen gewissen Status als Blogger und meine 1000 Leser zusammen, muss ich zusehen, dass ich den Status erhalte. Regelmäßige Posts werden erwartet. Dabei sollte es auch ja nicht langweilig werden! Klar, feste Strukturen wie ein einheitliches Layout und jeden Sonntag ein Wochenrückblick sind erwünscht aber bitte bloß nicht dauernd über ähnliches posten sondern überraschen und unterhalten.
Wenn man schon dabei ist, Ansprüche zu stellen: für Massenunterhaltung braucht man Bildmaterial. Ist ja schön, dass du lange Texte schreiben kannst, die mit viel Glück einen Sinn ergeben, doch schon mal von TL;DR gehört? Ergo sind viele Bilder angesagt, um die Leserschaft bei Laune zu halten. Mit einer Digitalkamera oder gar einer Handykamera ist es natürlich nicht getan - Spiegelreflexkamera mit diversen Filtern, Linsen und natürlich Stativ sind das Minimalprogramm. Der Leser von heute hat Ansprüche.
Für die Kontinuität gibt es auch keine Ausnahmen. Prüfungszeit, Urlaub, Krankheit? Pustekuchen, es wird schön brav regelmäßig weiter gebloggt. Da kann man auch locker mal sein Wochenende damit verbringen, Posts für die kommende Woche vorzuschreiben, um unter der Woche nicht jeden Abend den Druck zu haben und mal mehr als fünf Stunden Schlaf zu bekommen.
Wenn der Blog nun täglich mit einem aufwendig geschriebenen, gut bebilderten Post versorgt ist, reicht das aber nicht. Da gibt es mehr Kanäle, auf denen man vertreten sein muss. Twitter, Instagram, YouTube, Facebook, Google Plus wollen auch täglich mit Informationen gefüttert werden, damit man die werten Follower auf allen Wegen ausreichend bespaßt.
Networking ist ebenso unerlässlich. Schön jedem etwas Honig ums Mündchen schmieren. Was denkt ihr denn, warum ich die beiden oben zum Dank für das Verbreiten eines Links zu meinem Post selbst verlinkt habe? Das ist Teil der Expansionspolitik. Das ist ganz klar eine Motivation für sie und andere, mich wieder zu verlinken, damit ich bekannter werde, mehr Menschen beeinflussen und die Weltherrschaft an mich reißen kann. Oder so in etwa.
Der Lohn sind Testprodukte ohne Ende, Einladungen zu exquisiten Blogger Veranstaltungen und Dinge, von denen Normalsterbliche wie ich nicht einmal ahnen, dass es sie gibt.
Und spätestens wenn man an diesem Punkt angelangt ist, hat das Bloggen den Status des Hobbys längst verloren und ist zur Vollzeitbeschäftigung geworden.
Sorry Mutti, ich kann jetzt nicht mit dir reden und essen sowieso nicht. Ich muss den Teller aus fünf Perspektiven mit drei verschiedenen Linsen fotografieren, um ein ultimativ speichelförderndes Essensbild für meinen Wochenrückblick zu haben.
Ich möchte mein Leben nicht nach dem Blog ausrichten. Es ist toll, diese Plattform für Gedanken zu haben, eine Möglichkeit, Ideen und Überlegungen zu teilen wenn man möchte und Zeit dafür hat. Aber wenn man mal keine Lust und Zeit dafür hat, ist es eben auch in Ordnung. Das ist etwas, was ich extrem an einem kleinen Blog schätze: es gibt keine Erwartungshaltung, dass regelmäßig gepostet wird. Ganz frei kann ich schreiben wenn ich möchte und das auch worüber ich möchte und bekomme im Optimalfall noch Feedback dazu.
Dass Bloggen keine Verpflichtung ist, war mir auch nicht von Beginn an klar. Vor dem Urlaub saugte ich mir Themen aus den Fingern und wurstelte mehr schlecht als recht Beiträge zusammen. Sie bekamen kaum Klicks und Kommentare, denn sie waren auch einfach nicht gut. Man merkte ihnen an, dass ich sie schrieb um sie zu schreiben und keine Begeisterung oder der Wunsch, etwas bestimmtes mitzuteilen dahinter steckte.
Daher habe ich für mich beschlossen, nur zu schreiben, wenn mir das Thema regelrecht unter den Nägeln brennt und ich auch wirklich Motivation und Lust dazu habe. Anders kommt nur Murks heraus.
Wobei das jetzt auch keine Garantie ist, dass ich hier etwas anderes als wirren Gedankenquark fabriziere. Also mal ganz ruhig mit den Erwartungen.
Ich werde mit meinem Blog nicht reich und berühmt. Doch dafür kann ich ohne Erwartungsdruck der Leser, der Sponsoren und wem auch immer normal leben ohne Anfälle zu bekommen, weil ich meinen Post für heute nicht geschafft habe, sondern einfach glücklich sein. Und das ist mir sehr viel mehr wert als tausend Leser.
Apfelkern
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Freitag, 22. März 2013
Lebt der noch oder stirbt der schon?
Während eines Pflegepraktikums denkt man über einiges nach, das einem sonst nicht in den Sinn kommt. Oder zumindest selten und weniger präsent.
Eins ist mir klar: ich habe kein Problem damit, selbst Patient zu sein. Ich möchte aber kein Dauerpatient, kein Pflegefall werden. Ich möchte nicht unbeweglich sein und mich monatelang; vielleicht sogar jahrelang mit Inkontinenzmaterialien versorgen aka windeln lassen, gefüttert oder via Sonde oder PEG ernährt werden müssen und all das auch nur gerade so ertragen können, weil ich mit rezeptpflichtigen Betäubungsmitteln zugedröhnt bin.
Es ist nicht Krankheit selbst, was mir Angst macht. Der schreckliche Gedanke ist, nicht die Aussicht haben, wieder gesund zu werden. Und noch schrecklicher ist der Gedanke, das ganze nicht nur selbst zu erleben, sondern dabei zusehen zu müssen, wie der Partner genau das durchlebt, langsam vor sich hin stirbt und man dabei hilflos zusehen muss.
Vielleicht kann man ja weitere unnötige weil eh nicht mehr wirksame Behandlungen ablehnen und lebensverlängernde Maßnahmen ablehnen, aktive Sterbehilfe leisten ist aber verboten.
Davon abgesehen: ich möchte nicht erleben, wie ein Partner, mit dem ich über ein halbes Jahrhundert zusammen bin, sich mir entfremdet, mich nicht mehr erkennt, abmagert, körperlich langsam verfällt und ich das weder aufhalten noch beenden kann. Das Leben kann grausamer sein als der Tod.
Es ist niemals leicht, Menschen, die man liebt los zu lassen. Trotzdem muss es wahrscheinlich sein. Ich hoffe für alle mir nahestehenden Personen, dass sie sterben ohne lange zu leiden.
Mich betrifft das aktuell nicht selbst - zum Glück. Es ist schlimm genug, das bei Fremden mitzuerleben.
Eine Grenze zu ziehen, wann ein Leben noch lebenswert ist, ist unendlich schwer. Wer sollte das tun? Anhand welcher Kriterien? Es ist doch eh alles subjektiv. Das hilft allerdings auch nicht weiter, wenn der Betroffene selbst sich nicht mehr dazu äußern kann.
Unser medizinisches System ist großartig, hilft so vielen und kann so viel. Eines kann es aber nicht immer: zwischen zu behandelndem Patient und Sterbendem unterscheiden.
Apfelkern
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Mittwoch, 17. Oktober 2012
Soziale Zwänge 2 .0
Oft habe ich das Gefühl, dass wenige öffentliche Einrichtungen wirklich im Internet aktiv sind, aber wenn sie genau das irgendwann doch einmal versuchen, dann meistens über genau einen Weg: Facebook.
Schließlich sind ja eh alle, die man über das Internet für sich gewinnen könnte da angemeldet.
Also klatscht man einfach mal willkürlich auf jede Werbung unten das Logo hin, das einem verrät, dass dein Optiker bei Facebook erreichbar ist und du sofort Fan der Facebookseite deines Supermarktes werden solltest.
Es klingt übertrieben, doch das ist es nicht. Seht euch einmal bei den großen Werbeplakaten um, betrachtet Einblendungen in Fernsehsendungen - es sind immer wieder Verweise auf die Facebookpräsenz. Auch deine Krabbelgruppe ist jetzt auf Facebook zu finden!
Mich nervt das einfach nur. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass ich keinen Account bei besagtem Netzwerk habe. Als alle begannen, sich dort anzumelden, tat ich genau das nicht, weil ich ein allgemeines Misstrauen gegen dieses Internet hegte. Das habe ich inzwischen längst hinter mir gelassen und trotzdem empfinde ich Facebook noch immer als dubios.
Warum noch mal sollte ich mich da anmelden, wo vorher für denkende Wesen gehaltene Mitmenschen ihre Partybilder vom Wochenende veröffentlichen, die Selbstdarstellung ausgiebig zelebrieren und auch keine Scheu haben, Videos zu verlinken, die sie bei der Weihnachtsfeier mit Wichtelmütze betrunken halb den Boden wischend, halb über den Wischmopp stolpernd zeigen?
Ja, ich habe einen gewissen Hang zum Stalking und sobald man im Freundeskreis Personen mit eigenem Account bei Facebook hat, kann man sich auch schon einmal ansehen, wie sich denn die Mitschüler im Netz präsentieren. Nachher wünscht man sich dann nur noch, nicht so neugierig gewesen zu sein, denn das Fremdschämen kann genau so schmerzhaft sein wie diese reflexartigen Schläge mit der flachen Hand gegen die Stirn.
Während des Abiturs wurde viel via Facebook koordiniert. Termine geteilt, Facebookgruppen hielten die Schüler auf dem aktuellen Informationsstand zum Ablauf des letzten Schultages und auch Bilder ließen sich darüber prima verteilen. Insofern man denn einen Account hat.
Was ziere ich mich denn auch so, mich da anzumelden? Was über eine Milliarde Menschen vor mir bereits getan haben kann doch nicht falsch sein!
Trotzdem bin ich sehr skeptisch. Ich habe keine Lust auf ein Netzwerk, das meine Daten ewig speichert, das immer wieder hübsche Dinge mit den Nutzerdaten anstellt, die dann in den Medien als Skandal betitelt werden.
Ich brauche diese Selbstpräsentation auch nicht für mein Ego (das wird ja Dank Blog, Twitter und Podcast ausreichend gehätschelt) und ich muss mir genauso wenig das Posieren anderer ansehen.
Klar, ich kann ja mein Profil nur Freunden zugänglich machen, muss keine Bilder von mir posten und kann meinen Datenfluss sowieso kontrollieren, aber - NEIN!
Hab' ich nicht, will ich nicht, mach' ich nicht. Punkt.
In den ersten Tagen an der Uni hat sich auch schon herauskristallisiert, dass bevorzugt über Facebook geplant wird.
"Wie halten wir innerhalb der Lerngruppe Kontakt?" - Facebook
"Wie erreiche ich die studentischen Mentoren?" - Facebook
"Wie komme ich an Karten für die Semesterauftaktsparty?" - Facebook
Diese Liste lässt sich endlos fortsetzen. Ich habe das Gefühl, dass in dieser Gesellschaft nahezu von "jungen Menschen" erwartet wird, dass sie Facebooknutzer sind oder wenigstens bereit sind, sofort einer zu werden.
Anders kann ich mir nicht erklären, warum so viel darüber organisiert wird. Dabei wäre es leicht möglich, das auch über Mails oder zumindest anderen allen zugänglichen Plattformen abzuwickeln.
Ja, die Masse meiner Gleichaltrigen ist bei diesem unsäglichen Facebook registriert aber das heißt für mich nicht, dass ich es ebenso muss. Mich stört einfach, dass sich aus der Ablehnung der Facebooknutzung inzwischen sogar eine Art Isolation ergeben kann.
Ich muss atmen, Mehrwertsteuer zahlen und die StVO einhalten aber es ist lange noch keine Pflicht, sich bei Facebook anzumelden. Offiziell zumindest.
Interessant finde ich, dass selbst diejenigen, die sich generell wenig für das Internet interessieren, bei Facebook dennoch sehr häufig aktiv sind. Social Media allgemein nein aber Facebook geht dann doch wieder. Dinge, die man nicht verstehen muss.
Ähnlich verhält es sich mit WhatsApp - nahezu jeder mit Smartphone nutzt den Dienst, um kostengünstig Nachrichten zu wechseln. Soweit so gut, doch mich schreckt doch ab, dass man mich häufiger als nur mehrfach vor der Unsicherheit des Dienstes warnte. Sicher kann es wirklich nicht sein, wenn laut einem Post die Telefonnummer der Nutzername und IMEI beziehungsweise WiFi-MAC als Identifikation reichen. Daher ist die Anleitung, wie man einen WhatsApp Account kapert zu meinem Erstaunen sogar für mich als Durchschnittsuser verständlich. Das spricht wirklich nicht unbedingt für die Sicherheit des Ganzen.
Dennoch überlege ich ernsthaft, mir zumindest dort einen Account zuzulegen, um mit Kommilitonen kommunizieren zu können und nicht jedes Mal kostenpflichtige SMS senden zu müssen.
Anscheinend muss man manchmal die Entscheidungen der Masse mitmachen obwohl man stark bezweifelt, dass das die richtigen Entscheidungen sind, um sich nicht zu sehr zu isolieren. Soziale Zwänge 2.0 eben.
Apfelkern
Schließlich sind ja eh alle, die man über das Internet für sich gewinnen könnte da angemeldet.
Also klatscht man einfach mal willkürlich auf jede Werbung unten das Logo hin, das einem verrät, dass dein Optiker bei Facebook erreichbar ist und du sofort Fan der Facebookseite deines Supermarktes werden solltest.
Es klingt übertrieben, doch das ist es nicht. Seht euch einmal bei den großen Werbeplakaten um, betrachtet Einblendungen in Fernsehsendungen - es sind immer wieder Verweise auf die Facebookpräsenz. Auch deine Krabbelgruppe ist jetzt auf Facebook zu finden!
Mich nervt das einfach nur. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass ich keinen Account bei besagtem Netzwerk habe. Als alle begannen, sich dort anzumelden, tat ich genau das nicht, weil ich ein allgemeines Misstrauen gegen dieses Internet hegte. Das habe ich inzwischen längst hinter mir gelassen und trotzdem empfinde ich Facebook noch immer als dubios.
Warum noch mal sollte ich mich da anmelden, wo vorher für denkende Wesen gehaltene Mitmenschen ihre Partybilder vom Wochenende veröffentlichen, die Selbstdarstellung ausgiebig zelebrieren und auch keine Scheu haben, Videos zu verlinken, die sie bei der Weihnachtsfeier mit Wichtelmütze betrunken halb den Boden wischend, halb über den Wischmopp stolpernd zeigen?
Ja, ich habe einen gewissen Hang zum Stalking und sobald man im Freundeskreis Personen mit eigenem Account bei Facebook hat, kann man sich auch schon einmal ansehen, wie sich denn die Mitschüler im Netz präsentieren. Nachher wünscht man sich dann nur noch, nicht so neugierig gewesen zu sein, denn das Fremdschämen kann genau so schmerzhaft sein wie diese reflexartigen Schläge mit der flachen Hand gegen die Stirn.
Während des Abiturs wurde viel via Facebook koordiniert. Termine geteilt, Facebookgruppen hielten die Schüler auf dem aktuellen Informationsstand zum Ablauf des letzten Schultages und auch Bilder ließen sich darüber prima verteilen. Insofern man denn einen Account hat.
Was ziere ich mich denn auch so, mich da anzumelden? Was über eine Milliarde Menschen vor mir bereits getan haben kann doch nicht falsch sein!
Trotzdem bin ich sehr skeptisch. Ich habe keine Lust auf ein Netzwerk, das meine Daten ewig speichert, das immer wieder hübsche Dinge mit den Nutzerdaten anstellt, die dann in den Medien als Skandal betitelt werden.
Ich brauche diese Selbstpräsentation auch nicht für mein Ego (das wird ja Dank Blog, Twitter und Podcast ausreichend gehätschelt) und ich muss mir genauso wenig das Posieren anderer ansehen.
Klar, ich kann ja mein Profil nur Freunden zugänglich machen, muss keine Bilder von mir posten und kann meinen Datenfluss sowieso kontrollieren, aber - NEIN!
Hab' ich nicht, will ich nicht, mach' ich nicht. Punkt.
In den ersten Tagen an der Uni hat sich auch schon herauskristallisiert, dass bevorzugt über Facebook geplant wird.
"Wie halten wir innerhalb der Lerngruppe Kontakt?" - Facebook
"Wie erreiche ich die studentischen Mentoren?" - Facebook
"Wie komme ich an Karten für die Semesterauftaktsparty?" - Facebook
Diese Liste lässt sich endlos fortsetzen. Ich habe das Gefühl, dass in dieser Gesellschaft nahezu von "jungen Menschen" erwartet wird, dass sie Facebooknutzer sind oder wenigstens bereit sind, sofort einer zu werden.
Anders kann ich mir nicht erklären, warum so viel darüber organisiert wird. Dabei wäre es leicht möglich, das auch über Mails oder zumindest anderen allen zugänglichen Plattformen abzuwickeln.
Ja, die Masse meiner Gleichaltrigen ist bei diesem unsäglichen Facebook registriert aber das heißt für mich nicht, dass ich es ebenso muss. Mich stört einfach, dass sich aus der Ablehnung der Facebooknutzung inzwischen sogar eine Art Isolation ergeben kann.
Ich muss atmen, Mehrwertsteuer zahlen und die StVO einhalten aber es ist lange noch keine Pflicht, sich bei Facebook anzumelden. Offiziell zumindest.
Interessant finde ich, dass selbst diejenigen, die sich generell wenig für das Internet interessieren, bei Facebook dennoch sehr häufig aktiv sind. Social Media allgemein nein aber Facebook geht dann doch wieder. Dinge, die man nicht verstehen muss.
Ähnlich verhält es sich mit WhatsApp - nahezu jeder mit Smartphone nutzt den Dienst, um kostengünstig Nachrichten zu wechseln. Soweit so gut, doch mich schreckt doch ab, dass man mich häufiger als nur mehrfach vor der Unsicherheit des Dienstes warnte. Sicher kann es wirklich nicht sein, wenn laut einem Post die Telefonnummer der Nutzername und IMEI beziehungsweise WiFi-MAC als Identifikation reichen. Daher ist die Anleitung, wie man einen WhatsApp Account kapert zu meinem Erstaunen sogar für mich als Durchschnittsuser verständlich. Das spricht wirklich nicht unbedingt für die Sicherheit des Ganzen.
Dennoch überlege ich ernsthaft, mir zumindest dort einen Account zuzulegen, um mit Kommilitonen kommunizieren zu können und nicht jedes Mal kostenpflichtige SMS senden zu müssen.
Anscheinend muss man manchmal die Entscheidungen der Masse mitmachen obwohl man stark bezweifelt, dass das die richtigen Entscheidungen sind, um sich nicht zu sehr zu isolieren. Soziale Zwänge 2.0 eben.
Apfelkern
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Dienstag, 25. September 2012
Nein, ich bin kein Hater. Nur genervt
Sicher habt ihr es in der letzten Woche, genau genommen am Freitag mitbekommen: das neue iPhone ist da.
Wieder las man in den Zeitungen und in Blogs von Menschen, die sich in Horden vor den Apple Stores Stunden - Quatsch, es waren ja Tage - vor der Öffnung am 21.09. sammelten, um einer der ersten zu sein, der das neue zu Tode gehypte Mobilfunkgerät besitzt.
Für mich ist es ein unverständliches Phänomen. Warum sollte ich gemeinsam mit Dutzenden weiterer Fanboys vor einem Geschäft campieren, um etwas zu kaufen, das ich zu gleichem Preis wenig später deutlich schneller und vor allem stressfrei erwerben könnte? Es ist doch nichts, was man verpassen kann. Es ist eben nicht die liebste Lieblingsband, zu deren Konzert man unbedingt weit vorn stehen will. Und selbst dann würde man nur drei Stunden vor Einlassbeginn kommen und nicht schon Tage zuvor dort stehen.
Ob man nun iPhones gut findet oder nicht, spielt für mich dabei gar keine Rolle. Mir geht es einfach nur um den übertriebenen Hype zum Verkaufsstart.
Und wer zeltete vor irgendwelchen Läden, als beispielsweise das Samsung SIII gelauncht wurde? Ich weiß von nichts. Und selbst wenn es das vereinzelt gegeben haben sollte: es war vereinzelt und kein Massenphänomen. Die Medien füllte es jedenfalls nicht in dem Ausmaß, wie es das iPhone gerade tat.
Es fängt wahrscheinlich schon beim Laden selbst an: denn Apple Stores sind ja mehr als Läden. Es sind futuristisch und klar gestaltet Tempel der Coolness, die heiligen Hallen der hippen User.
Aus einem reinen Verkaufsstart wird ein Event gemacht. Schließlich ist das iPhone ja auch mehr als ein bloßes Telefon, mehr als bloß ein Smartphone: es ist eine Lebenseinstellung. Und vor allem ist es massentauglich. Mit Verlaub, aber: jeder Arsch hat ein iPhone!
Es ist einfach nichts besonderes (mehr) - es ist der Mainstream des Mainstreams.
Allgemein habe ich nichts gegen die Produkte von Apple - im Gegenteil: ich selbst nutze regelmäßig sowohl einen iPod als auch ein MacBook und bin mit beidem sehr zufrieden. Ich mag die benutzerfreundliche Oberfläche mit der sogar ich - oho - zurecht komme, die Optik der MacBooks ist meiner Meinung nach deutlich schöner als die diverser anderer Laptops und gleichzeitig auch noch funktional aber vor allem: es funktioniert einfach.
Eigentlich spielt das ja auch keine Rolle, denn Leute, die Geräte von Apple nutzen, wollen ja eh nur damit angeben. Alles oberflächliche Hipster. Jeder, der ein MacBook besitzt und mehr als 1000 Titel in seiner iTunes Bibliothek hat, ist damit ja auch automatisch ein DJ. Und wenn es dazu nicht reicht, dann eben ein Designer oder Grafiker. Auf jeden Fall krass modern und fortschrittlich. Oder?
Ich muss mir die alte Diskussion Windows vs. Apple vs. Linux nicht anhören geschweige denn mitmischen. Das erledigen andere schon. Ich glaube, es gibt kein Betriebssystem, welches ultimativ und den anderen überlegen ist. Es ist einfach eine Sache, die jeder für sich persönlich entscheiden muss. Weil es eben keine universelle Antwort gibt.
Und so denke ich auch im Bereich der Smartphones: es sollte jeder für sich selbst entscheiden, worauf er Wert legt und welches Gerät seine Ansprüche am besten erfüllt. Und doch habe ich das Gefühl, dass in diesem Bereich das iPhone einfach als Statussymbol gekauft wird statt zu überlegen, ob es denn überhaupt das passende Gerät für einen wäre.
Man braucht es, um sich eine der coolen Hüllen dafür kaufen zu können. Man braucht es, um sich in dem silbernen Apfel auf der Rückseite spiegeln zu können und für Beautyblogger ist es anscheinend sowieso Standardausrüstung: ein Outfit des Tages ist nur komplett, wenn in der abfotografierten Spiegelfläche sichtbar das iPhone platziert ist. Man braucht es sowieso, denn wenn man kein iPhone hat, hat man kein iPhone.
Um seine eigene Coolness und den kosmopolitischen Lebensstil zu illustrieren, besorgt man sich am besten ein weißes iPhone. Weil es cooler ist.
Und damit auch wieder zurück zum neuen iPhone 5: man kauft es ohne großartig irgendwelche Testberichte dazu lesen zu können einfach nur wegen seines Namens. Klingt unvorstellbar, für ab 679 Euro die Katze im Sack zu kaufen, aber über 5 Millionen Menschen haben genau das seit dem 21.09. getan. Mir fällt spontan kein so teures Produkt ein, das in diesen Mengen ohne Beurteilungen des selbigen zu kennen, gekauft wird. Aber das iPhone ist ja sowieso mehr als ein Telefon.
Über 5 Millionen verkaufte Geräte in vier Tagen. Das aber auch nur, weil nicht immer genug Geräte vorrätig waren. Sonst wären sicher noch andere Verkaufszahlen zu vermelden gewesen.
Bisherige Rückmeldungen sind sowohl positiv als auch negativ.
Angekratzte Oberflächen bei gerade ausgepackten Geräten (Stichwort: Scuffgate), Apps sind nicht an das neue Format des Displays angepasst und dadurch hat man einen schönen schwarzen Rand an der zusätzlichen Displayfläche des neuen Modells. Einige Nutzer beschreiben durchschimmerndes Disyplaylicht am oberen Bildschirmrand (Stichwort: Lightgate).
Schlechte Verarbeitung bei Apple? Eigentlich ist das etwas, das man dem Ruf der Firma zufolge nicht mit selbiger verbinden würde. Doch offensichtlich ist nicht einmal Apple allmächtig und perfekt. Ach nee - welch eine Überraschung.
Dabei habe ich das, worüber gerade gefühlt das komplette Internet spottet - Apple Maps nämlich - noch nicht einmal erwähnt.
Jedoch sollte man auch nicht vergessen, dass bei einem so prominenten Gerät natürlich ausgiebig nach Fehlern gesucht wird und wenn nun gefühlt 10 von den inzwischen sicher schon mehr als fünf Millionen Käufern einen Haken finden, reicht das anscheinend schon, um daraus eine große Sache werden zu lassen. Das Internet macht es möglich.
Genauso nervt die Geheimniskrämerei, ob denn irgendwann ein neues iPhone oder sonstiges Apple Produkt heraus kommt. Entweder die Firma veröffentlicht Informationen dazu oder nicht, doch das ewige Gerätsel und die Spekulationen, ob denn der verpixelte schwarz-silberne Pixel auf dem verschwommenen Bild ein vor Verkaufsbeginn aufgenommenes Bild des neuen iDings ist muss meiner Meinung nach nicht sein.
Klar, es gibt ein gewisses Schweigen über neue Technologien, die gerade entwickelt werden, das durchaus sinnvoll ist, damit die Konkurrenz eben nicht selbiges direkt nachbauen kann und doch kommt es mir so vor, als würde bei Apple ein viel größeres Tamtam darum gemacht als bei anderen Firmen.
Ich bin gespannt, wie lange sich der Hype zu jedem Verkaufsstart der Apple Geräte halten kann.
Ewig sicherlich nicht, denn irgendwann wird man zur Einsicht kommen, dass das völlig albern ist. Das iPhone ist auch nur ein zu einem Telefon zusammengebastelter Haufen Metall, Silizium, Plastik und ein paar anderer Sachen. Eigentlich auch nur ein Telefon. Aber eins mit Apfel.
Apfelkern
Wieder las man in den Zeitungen und in Blogs von Menschen, die sich in Horden vor den Apple Stores Stunden - Quatsch, es waren ja Tage - vor der Öffnung am 21.09. sammelten, um einer der ersten zu sein, der das neue zu Tode gehypte Mobilfunkgerät besitzt.
Für mich ist es ein unverständliches Phänomen. Warum sollte ich gemeinsam mit Dutzenden weiterer Fanboys vor einem Geschäft campieren, um etwas zu kaufen, das ich zu gleichem Preis wenig später deutlich schneller und vor allem stressfrei erwerben könnte? Es ist doch nichts, was man verpassen kann. Es ist eben nicht die liebste Lieblingsband, zu deren Konzert man unbedingt weit vorn stehen will. Und selbst dann würde man nur drei Stunden vor Einlassbeginn kommen und nicht schon Tage zuvor dort stehen.
Ob man nun iPhones gut findet oder nicht, spielt für mich dabei gar keine Rolle. Mir geht es einfach nur um den übertriebenen Hype zum Verkaufsstart.
Und wer zeltete vor irgendwelchen Läden, als beispielsweise das Samsung SIII gelauncht wurde? Ich weiß von nichts. Und selbst wenn es das vereinzelt gegeben haben sollte: es war vereinzelt und kein Massenphänomen. Die Medien füllte es jedenfalls nicht in dem Ausmaß, wie es das iPhone gerade tat.
Es fängt wahrscheinlich schon beim Laden selbst an: denn Apple Stores sind ja mehr als Läden. Es sind futuristisch und klar gestaltet Tempel der Coolness, die heiligen Hallen der hippen User.
Aus einem reinen Verkaufsstart wird ein Event gemacht. Schließlich ist das iPhone ja auch mehr als ein bloßes Telefon, mehr als bloß ein Smartphone: es ist eine Lebenseinstellung. Und vor allem ist es massentauglich. Mit Verlaub, aber: jeder Arsch hat ein iPhone!
Es ist einfach nichts besonderes (mehr) - es ist der Mainstream des Mainstreams.
Allgemein habe ich nichts gegen die Produkte von Apple - im Gegenteil: ich selbst nutze regelmäßig sowohl einen iPod als auch ein MacBook und bin mit beidem sehr zufrieden. Ich mag die benutzerfreundliche Oberfläche mit der sogar ich - oho - zurecht komme, die Optik der MacBooks ist meiner Meinung nach deutlich schöner als die diverser anderer Laptops und gleichzeitig auch noch funktional aber vor allem: es funktioniert einfach.
Eigentlich spielt das ja auch keine Rolle, denn Leute, die Geräte von Apple nutzen, wollen ja eh nur damit angeben. Alles oberflächliche Hipster. Jeder, der ein MacBook besitzt und mehr als 1000 Titel in seiner iTunes Bibliothek hat, ist damit ja auch automatisch ein DJ. Und wenn es dazu nicht reicht, dann eben ein Designer oder Grafiker. Auf jeden Fall krass modern und fortschrittlich. Oder?
Ich muss mir die alte Diskussion Windows vs. Apple vs. Linux nicht anhören geschweige denn mitmischen. Das erledigen andere schon. Ich glaube, es gibt kein Betriebssystem, welches ultimativ und den anderen überlegen ist. Es ist einfach eine Sache, die jeder für sich persönlich entscheiden muss. Weil es eben keine universelle Antwort gibt.
Und so denke ich auch im Bereich der Smartphones: es sollte jeder für sich selbst entscheiden, worauf er Wert legt und welches Gerät seine Ansprüche am besten erfüllt. Und doch habe ich das Gefühl, dass in diesem Bereich das iPhone einfach als Statussymbol gekauft wird statt zu überlegen, ob es denn überhaupt das passende Gerät für einen wäre.
Man braucht es, um sich eine der coolen Hüllen dafür kaufen zu können. Man braucht es, um sich in dem silbernen Apfel auf der Rückseite spiegeln zu können und für Beautyblogger ist es anscheinend sowieso Standardausrüstung: ein Outfit des Tages ist nur komplett, wenn in der abfotografierten Spiegelfläche sichtbar das iPhone platziert ist. Man braucht es sowieso, denn wenn man kein iPhone hat, hat man kein iPhone.
Um seine eigene Coolness und den kosmopolitischen Lebensstil zu illustrieren, besorgt man sich am besten ein weißes iPhone. Weil es cooler ist.
Und damit auch wieder zurück zum neuen iPhone 5: man kauft es ohne großartig irgendwelche Testberichte dazu lesen zu können einfach nur wegen seines Namens. Klingt unvorstellbar, für ab 679 Euro die Katze im Sack zu kaufen, aber über 5 Millionen Menschen haben genau das seit dem 21.09. getan. Mir fällt spontan kein so teures Produkt ein, das in diesen Mengen ohne Beurteilungen des selbigen zu kennen, gekauft wird. Aber das iPhone ist ja sowieso mehr als ein Telefon.
Über 5 Millionen verkaufte Geräte in vier Tagen. Das aber auch nur, weil nicht immer genug Geräte vorrätig waren. Sonst wären sicher noch andere Verkaufszahlen zu vermelden gewesen.
Bisherige Rückmeldungen sind sowohl positiv als auch negativ.
Angekratzte Oberflächen bei gerade ausgepackten Geräten (Stichwort: Scuffgate), Apps sind nicht an das neue Format des Displays angepasst und dadurch hat man einen schönen schwarzen Rand an der zusätzlichen Displayfläche des neuen Modells. Einige Nutzer beschreiben durchschimmerndes Disyplaylicht am oberen Bildschirmrand (Stichwort: Lightgate).
Schlechte Verarbeitung bei Apple? Eigentlich ist das etwas, das man dem Ruf der Firma zufolge nicht mit selbiger verbinden würde. Doch offensichtlich ist nicht einmal Apple allmächtig und perfekt. Ach nee - welch eine Überraschung.
Dabei habe ich das, worüber gerade gefühlt das komplette Internet spottet - Apple Maps nämlich - noch nicht einmal erwähnt.
Jedoch sollte man auch nicht vergessen, dass bei einem so prominenten Gerät natürlich ausgiebig nach Fehlern gesucht wird und wenn nun gefühlt 10 von den inzwischen sicher schon mehr als fünf Millionen Käufern einen Haken finden, reicht das anscheinend schon, um daraus eine große Sache werden zu lassen. Das Internet macht es möglich.
Genauso nervt die Geheimniskrämerei, ob denn irgendwann ein neues iPhone oder sonstiges Apple Produkt heraus kommt. Entweder die Firma veröffentlicht Informationen dazu oder nicht, doch das ewige Gerätsel und die Spekulationen, ob denn der verpixelte schwarz-silberne Pixel auf dem verschwommenen Bild ein vor Verkaufsbeginn aufgenommenes Bild des neuen iDings ist muss meiner Meinung nach nicht sein.
Klar, es gibt ein gewisses Schweigen über neue Technologien, die gerade entwickelt werden, das durchaus sinnvoll ist, damit die Konkurrenz eben nicht selbiges direkt nachbauen kann und doch kommt es mir so vor, als würde bei Apple ein viel größeres Tamtam darum gemacht als bei anderen Firmen.
Ich bin gespannt, wie lange sich der Hype zu jedem Verkaufsstart der Apple Geräte halten kann.
Ewig sicherlich nicht, denn irgendwann wird man zur Einsicht kommen, dass das völlig albern ist. Das iPhone ist auch nur ein zu einem Telefon zusammengebastelter Haufen Metall, Silizium, Plastik und ein paar anderer Sachen. Eigentlich auch nur ein Telefon. Aber eins mit Apfel.
Apfelkern
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Samstag, 15. September 2012
Die liebe Kriegsbemalung
Für viele Frauen gehört es zum Alltag, sich morgens oder vor dem Verlassen des Hauses allgemein zu schminken. Hautprobleme kaschieren, Akzente setzen, Vorteilhaftes betonen. Oder auch: ein wenig Abdeckzeugs, Puder, Mascara sowie Rouge und schon sieht man nicht mehr aus wie ein Zombie.
Nicht mehr wie ein Zombie aussehen…das setzt ja voraus, dass man ungeschminkt tatsächlich wie ein Zombie aussieht. Aber mal ehrlich: auch wenn sich da gern mal ein Pickel oder weniger bloßstellend und dafür fast euphemisierend "Unreinheit" genannt zeigt, die Augenringe fröhlich grüßen und der Teint ein wenig fahl ist sieht man noch lange nicht wie ein Zombie aus. Viel mehr wie ein Mensch. Alles ganz normal also.
Männer haben auch Augenringe, Pickel und ähnlichen Spaß aus dem gleichen Schubfach und trotzdem verbringen sie keine Zeit damit, das mit geschicktem Auftrag von Make-up zu verbergen. Einfach, weil Make-up für Männer in der Gesellschaft nicht vorgesehen ist. Natürlich werden Schauspieler, männliche Models, Moderatoren und sonstige Darsteller für das Rampenlicht hergerichtet, aber im Alltag hat es sich trotzdem meinen täglichen Beobachtungen zufolge für diese Wesen mit Y-Chromosom nicht durchgesetzt, sich anzupinseln.
Mir geht es gar nicht darum, ein Statement abzugeben, wie ungerecht oder schrecklich ich es doch finde, dass Männer sich anders als Frauen nicht schminken müssen. Vor allem, weil müssen die komplett falsche Bezeichnung ist. Wir müssen atmen, Steuern zahlen und sterben, doch zum Auftragen von dekorativer Kosmetik zwingt uns niemand. Und so schminkt sich auch nicht jede Frau.
Vielleicht, weil sie nicht weiß, wie sie es anstellen soll, weil sie keinen Sinn darin sieht oder weil sie weil sie es einfach nicht schön findet.
Aber mal weg von den Gedanken ans eigene Geschlecht und dessen Einstellung zu Kosmetik: wie sehen eigentlich Männer die Selbstbemalung der Frauen? Schließlich macht man das ja angeblich nur um seine Attraktivität also die Anziehungskraft auf das andere Geschlecht zu erhöhen.
Ich habe erlebt, dass viele Männer sagen, sie mögen es gar nicht, wenn Frauen sich schminken. Auch Nagellack ist denjenigen oft ein Graus. Künstlich, übertrieben, unecht, unattraktiv.
Dann gibt es wiederum auch diejenigen, die dezentes Make-up mögen. Die Sache mit dem Problemstellen kaschieren und Vorzüge unterstreichen.
Ich glaube, dass letztgenannte Gruppe sehr realistisch denkt. Denn meiner Ansicht nach ist das Ziel dekorativer Kosmetik nicht, sich eine neue Fassade aufzuspachteln um in diesem Aufzug inkognito unter Menschen gehen zu können, sondern sich vorteilhafter zu präsentieren und den Eindruck auf andere zu optimieren. Das - so sehe ich das - ist umso wirksamer, umso dezenter die Hilfsmittel eingesetzt werden und umso natürlicher dann das Endergebnis wirkt. Wie ungeschminkt nur besser. Ganz klar ist in diesem Fall bei genauem Hinsehen auch erkennbar, dass Make-up benutzt wurde, aber eben nur bei wirklich genauem Hinsehen.
Und da es eben nicht sofort erkennbar ist, dass diejenige nicht ungeschminkt ist, kommt es so vielleicht auch zu der Meinung der Männer, die meinen, dass ungeschminkte Gesichter das Nonplusultra wären. Vielleicht sind sie es ja für denjenigen auch. Immerhin will ich nicht behaupten, mit Kosmetik dekorierte Antlitze wären die Krone der Schöpfung.
Abgelehnt wird wohl die Variante von Make-up, bei der gleich auf den ersten Blick sich der Fakt, dass die Augenbrauen aufgemalt und die glitzrig bestäubten Wangen nicht natürlichen Ursprungs sind ins Bewusstsein drängt. Ich selbst weiß nicht, was Frauen außerhalb der Karnevalszeit oder ähnlichen Anlässen zu so auffälligen Schminkexperimenten veranlasst, aber was Geschmackssache ist, muss ja nicht jeder schön finden. Ich bin lediglich der Ansicht, dass die meisten zu auffällige, das heißt sichtbar nicht natürliche Farbtupfer im Gesicht und die am liebsten gleich in großer Anzahl, nicht unbedingt schön findet.
Ganz abgesehen vom optischen Aspekt: ich kann mir auch gut vorstellen, dass vielen Männern der Gedanke, dass nach dem Küssen sich rote Spuren durch ihr Gesicht ziehen und nach dem Berühren der Wange der Putz aus Foundation, Puder und Rouge in Brocken herabbröselt, missfällt. Kann ich verstehen.
Daher würde ich mich bei einem Date oder ähnlichen Anlässen zwar mit dem Schminken zurückhalten, doch auch nicht ganz darauf verzichten, wenn ich denn selbst Gefallen daran finde. Außerdem sollte man so akzeptiert werden, wie man ist. Wenn der Mann null Toleranz für Make-up zeigt und erwartet, dass man es für ihn komplett sein lässt, zeugt das für mich auch von mangelnder Kompromissbereitschaft und gäbe einen Negativpunkt auf der imaginären Traummannliste, wenn er erwartet, dass ich mich für ihn verstelle.
Moment mal - ist es denn nicht eigentlich schon eine Form des Verstellens; der Täuschung, Make-up zu benutzen und damit den anderen eine im besten Fall optimierte Variante seines Äußeren zu zeigen?
Wir tricksen so viel im Alltag - von das Bäuchlein versteckender Kleidung bis hin zu Notlügen - dass es in meinen Augen auf einen Aspekt mehr auch nicht ankommt. Im Ernst: würde man für jeden das Innere nach außen krempeln, würde man sich extrem verletzlich zeigen und das würde auf Dauer auch nicht gut gehen. Menschen sind leider nun einmal nicht immer nur liebenswert und freundlich zueinander.
Generell ist es sowieso Geschmackssache, ob man dekorative Kosmetik gern sieht oder verwendet. Notwendig ist sie nicht, doch ich benutze sie regelmäßig und das sogar mit gewissem Vergnügen. Es ist schön, ohne großen Aufwand seine vorteilhaften Züge betonen zu können. Es kann das Selbstbewusstsein stärken, wenn man weiß, dass die "Rötung" auf dem Kinn, die eigentlich Pickel heißt, nicht das ist, was anderen zuerst ins Auge springt, wenn sie einem begegnen, sondern sie eher die betonten Augen bemerken. Was ich sagen will: ich schminke mich nicht nur für andere, sondern auch für mich selbst.
Es ist eine Art Schutz, den man aufbaut; im psychischen Sinne. Eine vernünftiges Äußeres sorgt oft für einen guten ersten Eindruck. Für mich sollte das Make-up nicht so stark sein, dass es sich in den Vordergrund drängt, doch es sollte schon eine sichtbare Verbesserung der Erscheinung sein.
Und selbst wenn die Verbesserung nur eingebildet beziehungsweise für Außenstehende nahezu nicht bemerkbar ist, hilft sie schon, sich sicherer zu fühlen und auch so zu agieren.
Es gibt Frauen, die sich weigern, anderen ihr ungeschminktes Gesicht zu zeigen. Das erlebte ich sogar schon während einer Klassenfahrt, bei der dann nach dem Abschminken das Licht im Mädchenzimmer unbedingt aus sein musste, da ja sonst jemand bei dem schockierenden Anblick des quasi nackten Gesichtes einer 16-Jährigen zu Schaden kommen könnte.
Dies ist ein Verhalten, das ich nicht nachvollziehen kann. Es ist albern. Ich gehe ungeschminkt aus dem Haus, sterbe selbst nicht daran und auch andere sind meines Wissens nach noch nicht ohnmächtig geworden, nachdem sie ein blasses Gesicht und blond bewimperte Nacktmullaugen gesehen haben. Warum auch.
Es ist ein Spiel mit der Optik, mehr nicht. Man kann sich Mühe geben, die ungeschminkte Wahrheit zu verbergen, doch spätestens auf der Bettkante ist man eh nackt und ungeschminkt.
Apfelkern
Nicht mehr wie ein Zombie aussehen…das setzt ja voraus, dass man ungeschminkt tatsächlich wie ein Zombie aussieht. Aber mal ehrlich: auch wenn sich da gern mal ein Pickel oder weniger bloßstellend und dafür fast euphemisierend "Unreinheit" genannt zeigt, die Augenringe fröhlich grüßen und der Teint ein wenig fahl ist sieht man noch lange nicht wie ein Zombie aus. Viel mehr wie ein Mensch. Alles ganz normal also.
Männer haben auch Augenringe, Pickel und ähnlichen Spaß aus dem gleichen Schubfach und trotzdem verbringen sie keine Zeit damit, das mit geschicktem Auftrag von Make-up zu verbergen. Einfach, weil Make-up für Männer in der Gesellschaft nicht vorgesehen ist. Natürlich werden Schauspieler, männliche Models, Moderatoren und sonstige Darsteller für das Rampenlicht hergerichtet, aber im Alltag hat es sich trotzdem meinen täglichen Beobachtungen zufolge für diese Wesen mit Y-Chromosom nicht durchgesetzt, sich anzupinseln.
Mir geht es gar nicht darum, ein Statement abzugeben, wie ungerecht oder schrecklich ich es doch finde, dass Männer sich anders als Frauen nicht schminken müssen. Vor allem, weil müssen die komplett falsche Bezeichnung ist. Wir müssen atmen, Steuern zahlen und sterben, doch zum Auftragen von dekorativer Kosmetik zwingt uns niemand. Und so schminkt sich auch nicht jede Frau.
Vielleicht, weil sie nicht weiß, wie sie es anstellen soll, weil sie keinen Sinn darin sieht oder weil sie weil sie es einfach nicht schön findet.
Aber mal weg von den Gedanken ans eigene Geschlecht und dessen Einstellung zu Kosmetik: wie sehen eigentlich Männer die Selbstbemalung der Frauen? Schließlich macht man das ja angeblich nur um seine Attraktivität also die Anziehungskraft auf das andere Geschlecht zu erhöhen.
Ich habe erlebt, dass viele Männer sagen, sie mögen es gar nicht, wenn Frauen sich schminken. Auch Nagellack ist denjenigen oft ein Graus. Künstlich, übertrieben, unecht, unattraktiv.
Dann gibt es wiederum auch diejenigen, die dezentes Make-up mögen. Die Sache mit dem Problemstellen kaschieren und Vorzüge unterstreichen.
Ich glaube, dass letztgenannte Gruppe sehr realistisch denkt. Denn meiner Ansicht nach ist das Ziel dekorativer Kosmetik nicht, sich eine neue Fassade aufzuspachteln um in diesem Aufzug inkognito unter Menschen gehen zu können, sondern sich vorteilhafter zu präsentieren und den Eindruck auf andere zu optimieren. Das - so sehe ich das - ist umso wirksamer, umso dezenter die Hilfsmittel eingesetzt werden und umso natürlicher dann das Endergebnis wirkt. Wie ungeschminkt nur besser. Ganz klar ist in diesem Fall bei genauem Hinsehen auch erkennbar, dass Make-up benutzt wurde, aber eben nur bei wirklich genauem Hinsehen.
Und da es eben nicht sofort erkennbar ist, dass diejenige nicht ungeschminkt ist, kommt es so vielleicht auch zu der Meinung der Männer, die meinen, dass ungeschminkte Gesichter das Nonplusultra wären. Vielleicht sind sie es ja für denjenigen auch. Immerhin will ich nicht behaupten, mit Kosmetik dekorierte Antlitze wären die Krone der Schöpfung.
Abgelehnt wird wohl die Variante von Make-up, bei der gleich auf den ersten Blick sich der Fakt, dass die Augenbrauen aufgemalt und die glitzrig bestäubten Wangen nicht natürlichen Ursprungs sind ins Bewusstsein drängt. Ich selbst weiß nicht, was Frauen außerhalb der Karnevalszeit oder ähnlichen Anlässen zu so auffälligen Schminkexperimenten veranlasst, aber was Geschmackssache ist, muss ja nicht jeder schön finden. Ich bin lediglich der Ansicht, dass die meisten zu auffällige, das heißt sichtbar nicht natürliche Farbtupfer im Gesicht und die am liebsten gleich in großer Anzahl, nicht unbedingt schön findet.
Ganz abgesehen vom optischen Aspekt: ich kann mir auch gut vorstellen, dass vielen Männern der Gedanke, dass nach dem Küssen sich rote Spuren durch ihr Gesicht ziehen und nach dem Berühren der Wange der Putz aus Foundation, Puder und Rouge in Brocken herabbröselt, missfällt. Kann ich verstehen.
Daher würde ich mich bei einem Date oder ähnlichen Anlässen zwar mit dem Schminken zurückhalten, doch auch nicht ganz darauf verzichten, wenn ich denn selbst Gefallen daran finde. Außerdem sollte man so akzeptiert werden, wie man ist. Wenn der Mann null Toleranz für Make-up zeigt und erwartet, dass man es für ihn komplett sein lässt, zeugt das für mich auch von mangelnder Kompromissbereitschaft und gäbe einen Negativpunkt auf der imaginären Traummannliste, wenn er erwartet, dass ich mich für ihn verstelle.
Moment mal - ist es denn nicht eigentlich schon eine Form des Verstellens; der Täuschung, Make-up zu benutzen und damit den anderen eine im besten Fall optimierte Variante seines Äußeren zu zeigen?
Wir tricksen so viel im Alltag - von das Bäuchlein versteckender Kleidung bis hin zu Notlügen - dass es in meinen Augen auf einen Aspekt mehr auch nicht ankommt. Im Ernst: würde man für jeden das Innere nach außen krempeln, würde man sich extrem verletzlich zeigen und das würde auf Dauer auch nicht gut gehen. Menschen sind leider nun einmal nicht immer nur liebenswert und freundlich zueinander.
Generell ist es sowieso Geschmackssache, ob man dekorative Kosmetik gern sieht oder verwendet. Notwendig ist sie nicht, doch ich benutze sie regelmäßig und das sogar mit gewissem Vergnügen. Es ist schön, ohne großen Aufwand seine vorteilhaften Züge betonen zu können. Es kann das Selbstbewusstsein stärken, wenn man weiß, dass die "Rötung" auf dem Kinn, die eigentlich Pickel heißt, nicht das ist, was anderen zuerst ins Auge springt, wenn sie einem begegnen, sondern sie eher die betonten Augen bemerken. Was ich sagen will: ich schminke mich nicht nur für andere, sondern auch für mich selbst.
Es ist eine Art Schutz, den man aufbaut; im psychischen Sinne. Eine vernünftiges Äußeres sorgt oft für einen guten ersten Eindruck. Für mich sollte das Make-up nicht so stark sein, dass es sich in den Vordergrund drängt, doch es sollte schon eine sichtbare Verbesserung der Erscheinung sein.
Und selbst wenn die Verbesserung nur eingebildet beziehungsweise für Außenstehende nahezu nicht bemerkbar ist, hilft sie schon, sich sicherer zu fühlen und auch so zu agieren.
Es gibt Frauen, die sich weigern, anderen ihr ungeschminktes Gesicht zu zeigen. Das erlebte ich sogar schon während einer Klassenfahrt, bei der dann nach dem Abschminken das Licht im Mädchenzimmer unbedingt aus sein musste, da ja sonst jemand bei dem schockierenden Anblick des quasi nackten Gesichtes einer 16-Jährigen zu Schaden kommen könnte.
Dies ist ein Verhalten, das ich nicht nachvollziehen kann. Es ist albern. Ich gehe ungeschminkt aus dem Haus, sterbe selbst nicht daran und auch andere sind meines Wissens nach noch nicht ohnmächtig geworden, nachdem sie ein blasses Gesicht und blond bewimperte Nacktmullaugen gesehen haben. Warum auch.
Es ist ein Spiel mit der Optik, mehr nicht. Man kann sich Mühe geben, die ungeschminkte Wahrheit zu verbergen, doch spätestens auf der Bettkante ist man eh nackt und ungeschminkt.
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Dienstag, 4. September 2012
Alles nur blaue Luft
Es klingt für mich völlig absurd, wenn es heißt, Rauchen wäre früher ganz normal gewesen; ja, hätte sogar zum guten Ton gehört. Ein Zigarillo zum Nachmittagskaffe, eine Pfeife am Kamin und beim Herrenabend eine Zigarre zum Whisky. So nett und gemütlich sich das alles anhören mag - für mich ruiniert allein schon die Vorstellung des Geruchs von Zigarettenrauch jegliche Idylle.
In einer Nichtraucherfamilie aufgewachsen empfand ich das Rauchen schon seit jeher als merkwürdig. Nein, ersetzen wir merkwürdig durch ein treffenderes Wort: ekelhaft. Der Geruch war für mich als Kind immer ein Grund, mir die Nase zu zu halten und das Gesicht zu verziehen. Laut meinen Eltern hat das schon viele irritierte bis verärgerte Blicke der jeweiligen Raucher gebracht.
Heute halte ich mir aus Höflichkeit zwar nicht sofort die Nase zu, doch den Ekel vor Zigaretten empfinde ich noch immer.
Aus dem, was früher einfach nur eine intuitive Ablehnung von Tabakprodukten war, wurde im Laufe der Zeit mit wachsendem Wissen darüber zu einer einzigen Frage: Warum zum Teufel raucht heutzutage eigentlich noch irgendwer?
Es gibt in meinen Augen einfach keinen Grund dazu - im Gegenteil.
Der Tabakverkauf bringt - insofern man seine Kippen nicht in Polen, Tschechien oder in ähnlichen Gebieten besorgt - ordentlich Steuern (im ersten Quartal 2012 über 3,5 Milliarden Euro) ein und ist damit ein Beitrag zum Wohl des Staates, wenn man es denn so sehen will. Aber dem Raucher selbst ist damit wenig geholfen. Obwohl, ist Rauchen denn nicht verbindend und kommunikationsfördernd?
Sicher wird sich eine Art Gruppengefühl ergeben, wenn man gemeinsam den Abend im Restaurant immer wieder unterbrechen und sich in den Sturm vor der Tür stellen muss, um nikotinhaltigen Rauch zu inhalieren. Gemeinsam leiden schweißt zusammen - und trennt einen von den Nichtrauchern, die im Lokal bleiben können.
Ich bin über das seit 01.09. 2007 in ganz Deutschland geltende Rauchverbot in Bundesbehörden (na von mir aus…) und vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln sehr dankbar. Die Vorstellung, im Bus zu stehen und Tabakrauch ins Gesicht geblasen zu bekommen könnte für mich eine Szene aus einem Horrorfilm sein. Umgeben vom Rauch und keine Chance zu entkommen, ohne dabei das ursprüngliche Vorhaben - nämlich die Bewegung mit dem Verkehrsmittel von A nach B- abbrechen zu müssen.
Dass auch in den meisten Lokalen das Rauchen je nach Bundesland leicht variierend nicht mehr erlaubt ist, empfinde ich auch als sehr angenehm. Die Erinnerung an den Griechen im Dorf, über dessen Theke sich stets der beißende blaue Dunst gesammelt hatte, ist noch sehr lebendig. Bin ich froh, dass ich das nicht mehr ertragen muss, um gutes griechisches Essen zu bekommen.
Dass es noch Raucherlokale, Nebenräume und ähnliches gibt, in denen der Tabakkonsum erlaubt ist, sehe ich als ein vertretbarer Kompromiss dafür, dass es rauchfreie Zonen gibt.
Selbst wenn der Ekel mich nicht sofort beim Wahrnehmen des Zigarettengeruchs überfallen würde, ergäbe es einfach keinen Sinn, Raucher zu werden.
Es wirkt abstoßend auf Nichtraucher, sie fühlen sich dadurch gestört. Bei der Partnerwahl wäre es für mich auch ein Ausschlusskriterium, wenn der andere raucht. Man soll zwar niemals nie sagen, doch würde ich jemanden küssen wollen, der nach Aschenbecher schmeckt und an dem der Tabakgeruch klebt an einem wie Kaugummi auf den Gehweg und überall ein dezentes Kneipenaroma verbreitet? Eher nicht.
Es fängt schon bei den Kosten an. Wie viele Zigaretten sind in so einer kleinen Packung, für die man gern mal fünf Euro auf den Tisch packen muss? Zwanzig? Verbraucht man davon auch nur eine Packung täglich, sind das auf 365 Tage gerechnet schon 1825 Euro. Autsch - das macht für die Haushaltskasse der meisten Menschen ganz klar einen Unterschied, ob man das Geld in die Luft bläst oder zur Verfügung hat. Die Sucht findet Wege, die Kosten zu reduzieren und so werden die Glimmstängel eben im Ausland oder beim Vietnamesen um die Ecke besorgt.
Ja ja, so eine Nikotinabhängigkeit ist schon anstrengend. Und wenn man sie nicht befriedigt drohen eben Entzugserscheinungen. Süchte gehören auch nicht zu den Dingen, die ich in meinem Leben ausprobieren muss,
Es kostet unglaublich viel Zeit, regelmäßig seine Gier nach Nikotin zu befriedigen. Man unterbricht je nach Stärke der Sucht in regelmäßigen Abständen die Arbeit, katapultiert sich damit aus dem Arbeitsfluss heraus und nimmt sich vor allem mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Pausen als nicht rauchende Kollegen. Um das auszugleichen gibt es zwar bei einigen Arbeitgebern "Nichtrauchertage", das heißt freie Tage für Nichtraucher, als Sammlung der Zeit in welcher sie während der Pausen der Raucher weiter gearbeitet haben, doch die gibt es auch nicht für jeden Nichtraucher und vor allem auch nicht in dem Umfang, dass die Rauchpausenzeit wirklich ausgeglichen wird.
Also Raucher werden, um mehr freie Zeit zu gewinnen? Definitiv nicht, würde ich sagen, denn man mag sich zusätzliche kurze Pausen dadurch einrichten können, doch dafür verliert man an Lebenszeit. Damit will ich nicht unbedingt sagen, dass die mit Rauchen verbrachte Zeit verschwendete Zeit ist (obwohl…), sondern viel mehr, dass man dadurch langfristig seine Gesundheit so sehr schädigt, dass die Lebenserwartung sinkt. Natürlich gibt es Ausnahmen, die mit 13 ihre erste Zigarette pafften und mit 89 selig und bis auf übliche Altersgebrechen gesund einschlummerten und nicht mehr aufwachten ohne ihren Spaß mit Raucherbein, Asthma, Impotenz, Zungenrandkarzinom, Kehlkopf-oder Speiseröhrenkrebs, Tumoren in den Bronchien, Zahnfleischentzündungen, schlechterer Wundheilung oder einer all der anderen Krankheiten, an denen zu erkranken das Risiko durch das Rauchen deutlich steigt, gehabt zu haben. Vielleicht hatte man ja nur gelbe Nikotinfinger und zeigte vorzeitige Hautalterung. Ich hätte trotzdem keine Lust, mir auch nur das anzutun.
Nun habe ich wenig freundliche Dinge über das Rauchen behauptet - war ja klar, dass ich das als Nichtraucher genau so machen würde. Die armen Raucher: leiden an einer Sucht und dann wird auch noch über sie schlecht geredet.
Ja, es ist eindeutig eine Sucht und es gibt definitiv eine Gruppe der Raucher, die diese gern wieder loswerden würden, doch wirkliches Mitgefühl bringe ich ihnen dennoch nicht entgegen. Schließlich haben sie freiwillig damit begonnen und wurden nicht dazu gezwungen.
Was wurde eigentlich aus den gelben Quadrate auf den Bahnhöfen, in denen sich die Raucher sammeln mussten, wenn sie auf dem Bahnsteig ihre Sucht befriedigen wollten? Sie wurden nach ihrer Einführung anfangs beachtet, bald ignoriert und sind inzwischen nicht selten fast vollständig verblasst.
Welch eine konsequente Umsetzung.
Ich habe schon gehört, dass sich Raucher von der Ablehnung ihrer Sucht durch Nichtraucher diskriminiert fühlen.
Ganz ehrlich: das Passivnichtrauchen ist absolut ungefährlich - Passivrauchen dagegen ist es definitiv nicht. Daher gibt es auch keine Kampagnen gegen Raucherdiskriminierung sondern Projekte zum Schutz der Nichtraucher.
Natürlich ist der Gedanke nicht unbeeinflusst davon, dass ich Nichtraucher bin. Natürlich bin ich eben dadurch, dass ich mich von in mein Gesicht wehenden Tabakrauch belästigt fühle was die Diskussion ums Rauchen angeht vorbelastet und kann nicht behaupten, eine neutrale Position einzunehmen, doch das ist in dieser Diskussion eh nicht möglich: entweder man ist Raucher oder nicht. Gelegenheitsraucher gibt es meiner Meinung nach nicht. Für mich zählen sie ebenso zu den Rauchern. Und je nach eigener Gruppenzugehörigkeit hat man auch eine feste Meinung zum Thema außer man würde gern aus der eigenen Gruppe in eine andere zu wechseln. Und so kann man auch clever argumentieren und logische; belegte Aussagen zweifelhaft erscheinen lassen oder zumindest schwächen wie es in einem Interview im Spiegel aus dem Jahr 1964 ein Leiter der wissenschaftlichen Forschung im Auftrag der Zigarettenindustrie tat.
Raucher sind auch nur Menschen - ich verachte sie für ihre Sucht nicht. Ich kann einfach nur nicht verstehen, warum man überhaupt rauchen wollen sollte.
Apfelkern
In einer Nichtraucherfamilie aufgewachsen empfand ich das Rauchen schon seit jeher als merkwürdig. Nein, ersetzen wir merkwürdig durch ein treffenderes Wort: ekelhaft. Der Geruch war für mich als Kind immer ein Grund, mir die Nase zu zu halten und das Gesicht zu verziehen. Laut meinen Eltern hat das schon viele irritierte bis verärgerte Blicke der jeweiligen Raucher gebracht.
Heute halte ich mir aus Höflichkeit zwar nicht sofort die Nase zu, doch den Ekel vor Zigaretten empfinde ich noch immer.
Aus dem, was früher einfach nur eine intuitive Ablehnung von Tabakprodukten war, wurde im Laufe der Zeit mit wachsendem Wissen darüber zu einer einzigen Frage: Warum zum Teufel raucht heutzutage eigentlich noch irgendwer?
Es gibt in meinen Augen einfach keinen Grund dazu - im Gegenteil.
Der Tabakverkauf bringt - insofern man seine Kippen nicht in Polen, Tschechien oder in ähnlichen Gebieten besorgt - ordentlich Steuern (im ersten Quartal 2012 über 3,5 Milliarden Euro) ein und ist damit ein Beitrag zum Wohl des Staates, wenn man es denn so sehen will. Aber dem Raucher selbst ist damit wenig geholfen. Obwohl, ist Rauchen denn nicht verbindend und kommunikationsfördernd?
Sicher wird sich eine Art Gruppengefühl ergeben, wenn man gemeinsam den Abend im Restaurant immer wieder unterbrechen und sich in den Sturm vor der Tür stellen muss, um nikotinhaltigen Rauch zu inhalieren. Gemeinsam leiden schweißt zusammen - und trennt einen von den Nichtrauchern, die im Lokal bleiben können.
Ich bin über das seit 01.09. 2007 in ganz Deutschland geltende Rauchverbot in Bundesbehörden (na von mir aus…) und vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln sehr dankbar. Die Vorstellung, im Bus zu stehen und Tabakrauch ins Gesicht geblasen zu bekommen könnte für mich eine Szene aus einem Horrorfilm sein. Umgeben vom Rauch und keine Chance zu entkommen, ohne dabei das ursprüngliche Vorhaben - nämlich die Bewegung mit dem Verkehrsmittel von A nach B- abbrechen zu müssen.
Dass auch in den meisten Lokalen das Rauchen je nach Bundesland leicht variierend nicht mehr erlaubt ist, empfinde ich auch als sehr angenehm. Die Erinnerung an den Griechen im Dorf, über dessen Theke sich stets der beißende blaue Dunst gesammelt hatte, ist noch sehr lebendig. Bin ich froh, dass ich das nicht mehr ertragen muss, um gutes griechisches Essen zu bekommen.
Dass es noch Raucherlokale, Nebenräume und ähnliches gibt, in denen der Tabakkonsum erlaubt ist, sehe ich als ein vertretbarer Kompromiss dafür, dass es rauchfreie Zonen gibt.
Selbst wenn der Ekel mich nicht sofort beim Wahrnehmen des Zigarettengeruchs überfallen würde, ergäbe es einfach keinen Sinn, Raucher zu werden.
Es wirkt abstoßend auf Nichtraucher, sie fühlen sich dadurch gestört. Bei der Partnerwahl wäre es für mich auch ein Ausschlusskriterium, wenn der andere raucht. Man soll zwar niemals nie sagen, doch würde ich jemanden küssen wollen, der nach Aschenbecher schmeckt und an dem der Tabakgeruch klebt an einem wie Kaugummi auf den Gehweg und überall ein dezentes Kneipenaroma verbreitet? Eher nicht.
Es fängt schon bei den Kosten an. Wie viele Zigaretten sind in so einer kleinen Packung, für die man gern mal fünf Euro auf den Tisch packen muss? Zwanzig? Verbraucht man davon auch nur eine Packung täglich, sind das auf 365 Tage gerechnet schon 1825 Euro. Autsch - das macht für die Haushaltskasse der meisten Menschen ganz klar einen Unterschied, ob man das Geld in die Luft bläst oder zur Verfügung hat. Die Sucht findet Wege, die Kosten zu reduzieren und so werden die Glimmstängel eben im Ausland oder beim Vietnamesen um die Ecke besorgt.
Ja ja, so eine Nikotinabhängigkeit ist schon anstrengend. Und wenn man sie nicht befriedigt drohen eben Entzugserscheinungen. Süchte gehören auch nicht zu den Dingen, die ich in meinem Leben ausprobieren muss,
Es kostet unglaublich viel Zeit, regelmäßig seine Gier nach Nikotin zu befriedigen. Man unterbricht je nach Stärke der Sucht in regelmäßigen Abständen die Arbeit, katapultiert sich damit aus dem Arbeitsfluss heraus und nimmt sich vor allem mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Pausen als nicht rauchende Kollegen. Um das auszugleichen gibt es zwar bei einigen Arbeitgebern "Nichtrauchertage", das heißt freie Tage für Nichtraucher, als Sammlung der Zeit in welcher sie während der Pausen der Raucher weiter gearbeitet haben, doch die gibt es auch nicht für jeden Nichtraucher und vor allem auch nicht in dem Umfang, dass die Rauchpausenzeit wirklich ausgeglichen wird.
Also Raucher werden, um mehr freie Zeit zu gewinnen? Definitiv nicht, würde ich sagen, denn man mag sich zusätzliche kurze Pausen dadurch einrichten können, doch dafür verliert man an Lebenszeit. Damit will ich nicht unbedingt sagen, dass die mit Rauchen verbrachte Zeit verschwendete Zeit ist (obwohl…), sondern viel mehr, dass man dadurch langfristig seine Gesundheit so sehr schädigt, dass die Lebenserwartung sinkt. Natürlich gibt es Ausnahmen, die mit 13 ihre erste Zigarette pafften und mit 89 selig und bis auf übliche Altersgebrechen gesund einschlummerten und nicht mehr aufwachten ohne ihren Spaß mit Raucherbein, Asthma, Impotenz, Zungenrandkarzinom, Kehlkopf-oder Speiseröhrenkrebs, Tumoren in den Bronchien, Zahnfleischentzündungen, schlechterer Wundheilung oder einer all der anderen Krankheiten, an denen zu erkranken das Risiko durch das Rauchen deutlich steigt, gehabt zu haben. Vielleicht hatte man ja nur gelbe Nikotinfinger und zeigte vorzeitige Hautalterung. Ich hätte trotzdem keine Lust, mir auch nur das anzutun.
Nun habe ich wenig freundliche Dinge über das Rauchen behauptet - war ja klar, dass ich das als Nichtraucher genau so machen würde. Die armen Raucher: leiden an einer Sucht und dann wird auch noch über sie schlecht geredet.
Ja, es ist eindeutig eine Sucht und es gibt definitiv eine Gruppe der Raucher, die diese gern wieder loswerden würden, doch wirkliches Mitgefühl bringe ich ihnen dennoch nicht entgegen. Schließlich haben sie freiwillig damit begonnen und wurden nicht dazu gezwungen.
Was wurde eigentlich aus den gelben Quadrate auf den Bahnhöfen, in denen sich die Raucher sammeln mussten, wenn sie auf dem Bahnsteig ihre Sucht befriedigen wollten? Sie wurden nach ihrer Einführung anfangs beachtet, bald ignoriert und sind inzwischen nicht selten fast vollständig verblasst.
Welch eine konsequente Umsetzung.
Ich habe schon gehört, dass sich Raucher von der Ablehnung ihrer Sucht durch Nichtraucher diskriminiert fühlen.
Ganz ehrlich: das Passivnichtrauchen ist absolut ungefährlich - Passivrauchen dagegen ist es definitiv nicht. Daher gibt es auch keine Kampagnen gegen Raucherdiskriminierung sondern Projekte zum Schutz der Nichtraucher.
Natürlich ist der Gedanke nicht unbeeinflusst davon, dass ich Nichtraucher bin. Natürlich bin ich eben dadurch, dass ich mich von in mein Gesicht wehenden Tabakrauch belästigt fühle was die Diskussion ums Rauchen angeht vorbelastet und kann nicht behaupten, eine neutrale Position einzunehmen, doch das ist in dieser Diskussion eh nicht möglich: entweder man ist Raucher oder nicht. Gelegenheitsraucher gibt es meiner Meinung nach nicht. Für mich zählen sie ebenso zu den Rauchern. Und je nach eigener Gruppenzugehörigkeit hat man auch eine feste Meinung zum Thema außer man würde gern aus der eigenen Gruppe in eine andere zu wechseln. Und so kann man auch clever argumentieren und logische; belegte Aussagen zweifelhaft erscheinen lassen oder zumindest schwächen wie es in einem Interview im Spiegel aus dem Jahr 1964 ein Leiter der wissenschaftlichen Forschung im Auftrag der Zigarettenindustrie tat.
Raucher sind auch nur Menschen - ich verachte sie für ihre Sucht nicht. Ich kann einfach nur nicht verstehen, warum man überhaupt rauchen wollen sollte.
Apfelkern
Dienstag, 21. August 2012
Erdrückende Hilflosigkeit
Der auffälligste Patient, den ich während meines Praktikums in einem Klinikum bisher kennen gelernt habe, ist ein älterer Herr mit einer das Hirn betreffenden Erkrankung. Durch diesen beeinflusst, scheint sich seine Persönlichkeit verändert zu haben. Er hat Stimmungsschwankungen zwischen Lachen und Weinen, rennt ziellos umher, spricht unzusammenhängendes Zeug, kann sich nicht selbst versorgen. Manchmal wird er panisch oder aggressiv und im nächsten Moment schon lacht er glucksend.
Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Seine Reaktionen sind nicht logisch - sie sind unberechenbar. Die meisten Krankenschwestern hören ihm einfach nicht mehr zu, behandeln ihn wie ein kleines Kind, machen alles, was notwendig ist und stellen ihn dann ruhig. Ruhig gestellt wird er mit einer bunten Mischung aus diversen Sedativa und Neuroleptika. Diese haben seinen Allgemeinzustand laut der Schwestern nicht unbedingt verbessert, sondern die Verwirrung noch gesteigert. Er ist ein wenig wie ein Kind. Degeneration.
Mehrfach habe ich ihm bei der Morgenrunde diese angeordneten Medikamente gebracht, von denen ich anzweifle, ob sie ihm alle gut tun. Schmerzmittel und besagte andere haben neben Wirkungen und Nebenwirkungen sicher auch Wechselwirkungen untereinander und so kann das angstauflösende und beruhigende Mittel vielleicht auch einmal den gegenteiligen Effekt erzielen.
Mir macht der Gedanke an den Tod keine Angst - schlimmer ist der Gedanke an das Sterben selbst, denn da kann man nur hoffen, dass es ohne langes Leiden und nicht verfrüht geschieht. Ich hoffe nicht, lange mit einer Krankheit einen hoffnungslosen Kampf führen zu müssen, nur um dann meinem Körper bei der Degeneration zusehen zu können.
Diese Hilflosigkeit, welche ich bei einigen Patienten sehe, die sich weder selbst versorgen noch den Urin halten können, möchte ich nicht erleben. Man bietet ein Bild des Elends, betrübt die Mitmenschen, die einen so ganz anders in Erinnerung haben mit dem Anblick, verliert die Würde und bei Verlust der geistigen Fähigkeiten auch noch die Möglichkeit, über sich selbst zu bestimmen.
Manchmal kam es mir so vor, als hätte der besagte Patient klare Momente. Dann sprach er von seiner Frau, seinem Sohn, erzählte von früher, eine Anekdote zu seinem Gebiss. Noch immer stottrig und leise aber doch zusammenhängend.
Als ich die Pfleger auf diesen Zustand hinwies, entgegneten sie, dass das nicht ernst zu nehmen sei. Nicht ernst zu nehmen.
Ich stellte mir vor, wie es mir ginge, wenn ich meistens geistig umnebelt gelegentlich doch wieder klar denken könnte und mich trotzdem niemand für voll nähme. Man würde gegen eine Wand reden, weiter wie ein Kind behandelt werden und irgendwann einfach verzweifeln.
Dem Mann wurde in diesen Augenblicken auch klar, dass er nicht wirklich eine Chance auf Heilung hat. Noch weniger Gründe für ihn, das tägliche Elend der Schmerzen, der Verwirrung und die fehlende Beachtung zu ertragen.
Nach einem der Weinkrämpfe brachte ich ihn in sein Zimmer, sollte ihn beruhigen. Ich streichelte seine Hand, um ihn irgendwie zu zeigen, dass er nicht ganz allein ist. Und auch einfach, weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte tun können. Er weinte bitterlich und meinte, dass er sich umbringen würde, wenn er könnte, weil er das nicht mehr aushalte. Er fragte mich, ob ich ihm dabei helfen könne.
Sterbehilfe. Ich hielt die Möglichkeit, selbst entscheiden zu können, ob das eigene Leben noch lebenswert oder aussichtslos wie hier im Falle einer durch eine Krankheit extrem niedrige Lebensqualität ohne Aussicht auf Besserung ist, schon immer für sinnvoll. Doch erst in diesem Moment konnte ich verstehen, weshalb Ärzte und Pfleger eben diese Sterbehilfe auch trotz des diese ablehnenden Gesetzes gaben. Weil alles andere in einigen Fällen bedeutet, den Patienten weiter leiden zu lassen und hoffen zu müssen, dass das Leiden kein allzu langes mehr ist. Das Gefühl der Hilflosigkeit ist grässlich. Die Hand desjenigen halten und Trost spenden ist alles, was ich tun konnte.
Der Mann wurde in eine andere Station verlegt, doch auch da können sie nur noch palliativ statt kurativ behandeln. Gefühlt ist der Totenschein schon vorbereitet und man wartet nur noch darauf, das Datum eintragen zu können.
Zwar ist er nun nicht mehr auf der Station, in der ich mein Praktikum absolviere, doch aus den Augen heißt nicht immer aus dem Sinn. Ich erlebe sein Sterben nicht mit, sein Leid erlebte ich aber. Das Problem ist, dass ich eine gewisse emotionale Bindung zum Patienten zuließ. Ich habe Mitgefühl. Patienten sollten einem nicht gleich sein, doch eine gewisse Distanz hilft. Zukünftig werde ich auch besser darauf achten, eben jene zu wahren. Es gibt realistisch betrachtet im Klinikalltag einerseits zu viele Patienten für zu wenig Personal, um sich für jeden Zeit für persönliche Gespräche, die über die Behandlung hinaus gehen, zu nehmen und andererseits ist es viel zu belastend, den Patienten nicht nur als Patienten, sondern auch als Person; als Charakter zu betrachten und dementsprechend sich wohlmöglich mit demjenigen verbunden fühlend mit zu fühlen und zu leiden. Es ist wohl Selbstschutz, eine gewisse distanzierende Schutzmauer aufzubauen.
In der Pathologie war es deutlich weniger bedrückend. Dort leidet niemand mehr.
Apfelkern
Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Seine Reaktionen sind nicht logisch - sie sind unberechenbar. Die meisten Krankenschwestern hören ihm einfach nicht mehr zu, behandeln ihn wie ein kleines Kind, machen alles, was notwendig ist und stellen ihn dann ruhig. Ruhig gestellt wird er mit einer bunten Mischung aus diversen Sedativa und Neuroleptika. Diese haben seinen Allgemeinzustand laut der Schwestern nicht unbedingt verbessert, sondern die Verwirrung noch gesteigert. Er ist ein wenig wie ein Kind. Degeneration.
Mehrfach habe ich ihm bei der Morgenrunde diese angeordneten Medikamente gebracht, von denen ich anzweifle, ob sie ihm alle gut tun. Schmerzmittel und besagte andere haben neben Wirkungen und Nebenwirkungen sicher auch Wechselwirkungen untereinander und so kann das angstauflösende und beruhigende Mittel vielleicht auch einmal den gegenteiligen Effekt erzielen.
Mir macht der Gedanke an den Tod keine Angst - schlimmer ist der Gedanke an das Sterben selbst, denn da kann man nur hoffen, dass es ohne langes Leiden und nicht verfrüht geschieht. Ich hoffe nicht, lange mit einer Krankheit einen hoffnungslosen Kampf führen zu müssen, nur um dann meinem Körper bei der Degeneration zusehen zu können.
Diese Hilflosigkeit, welche ich bei einigen Patienten sehe, die sich weder selbst versorgen noch den Urin halten können, möchte ich nicht erleben. Man bietet ein Bild des Elends, betrübt die Mitmenschen, die einen so ganz anders in Erinnerung haben mit dem Anblick, verliert die Würde und bei Verlust der geistigen Fähigkeiten auch noch die Möglichkeit, über sich selbst zu bestimmen.
Manchmal kam es mir so vor, als hätte der besagte Patient klare Momente. Dann sprach er von seiner Frau, seinem Sohn, erzählte von früher, eine Anekdote zu seinem Gebiss. Noch immer stottrig und leise aber doch zusammenhängend.
Als ich die Pfleger auf diesen Zustand hinwies, entgegneten sie, dass das nicht ernst zu nehmen sei. Nicht ernst zu nehmen.
Ich stellte mir vor, wie es mir ginge, wenn ich meistens geistig umnebelt gelegentlich doch wieder klar denken könnte und mich trotzdem niemand für voll nähme. Man würde gegen eine Wand reden, weiter wie ein Kind behandelt werden und irgendwann einfach verzweifeln.
Dem Mann wurde in diesen Augenblicken auch klar, dass er nicht wirklich eine Chance auf Heilung hat. Noch weniger Gründe für ihn, das tägliche Elend der Schmerzen, der Verwirrung und die fehlende Beachtung zu ertragen.
Nach einem der Weinkrämpfe brachte ich ihn in sein Zimmer, sollte ihn beruhigen. Ich streichelte seine Hand, um ihn irgendwie zu zeigen, dass er nicht ganz allein ist. Und auch einfach, weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte tun können. Er weinte bitterlich und meinte, dass er sich umbringen würde, wenn er könnte, weil er das nicht mehr aushalte. Er fragte mich, ob ich ihm dabei helfen könne.
Sterbehilfe. Ich hielt die Möglichkeit, selbst entscheiden zu können, ob das eigene Leben noch lebenswert oder aussichtslos wie hier im Falle einer durch eine Krankheit extrem niedrige Lebensqualität ohne Aussicht auf Besserung ist, schon immer für sinnvoll. Doch erst in diesem Moment konnte ich verstehen, weshalb Ärzte und Pfleger eben diese Sterbehilfe auch trotz des diese ablehnenden Gesetzes gaben. Weil alles andere in einigen Fällen bedeutet, den Patienten weiter leiden zu lassen und hoffen zu müssen, dass das Leiden kein allzu langes mehr ist. Das Gefühl der Hilflosigkeit ist grässlich. Die Hand desjenigen halten und Trost spenden ist alles, was ich tun konnte.
Der Mann wurde in eine andere Station verlegt, doch auch da können sie nur noch palliativ statt kurativ behandeln. Gefühlt ist der Totenschein schon vorbereitet und man wartet nur noch darauf, das Datum eintragen zu können.
Zwar ist er nun nicht mehr auf der Station, in der ich mein Praktikum absolviere, doch aus den Augen heißt nicht immer aus dem Sinn. Ich erlebe sein Sterben nicht mit, sein Leid erlebte ich aber. Das Problem ist, dass ich eine gewisse emotionale Bindung zum Patienten zuließ. Ich habe Mitgefühl. Patienten sollten einem nicht gleich sein, doch eine gewisse Distanz hilft. Zukünftig werde ich auch besser darauf achten, eben jene zu wahren. Es gibt realistisch betrachtet im Klinikalltag einerseits zu viele Patienten für zu wenig Personal, um sich für jeden Zeit für persönliche Gespräche, die über die Behandlung hinaus gehen, zu nehmen und andererseits ist es viel zu belastend, den Patienten nicht nur als Patienten, sondern auch als Person; als Charakter zu betrachten und dementsprechend sich wohlmöglich mit demjenigen verbunden fühlend mit zu fühlen und zu leiden. Es ist wohl Selbstschutz, eine gewisse distanzierende Schutzmauer aufzubauen.
In der Pathologie war es deutlich weniger bedrückend. Dort leidet niemand mehr.
Apfelkern
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Dienstag, 17. Juli 2012
Ausgetretene Pfade
Kaum aus dem Urlaub zurückgekehrt öffnete ich kürzlich die Liste meiner abonnierten Blogs und wollte beginnen, die erschienenen Artikel zu lesen. Hunderte auf mich wartende Posts. Das Lesen erschien mir in dem Moment viel mehr als ein Abarbeiten.
Ich scrollte durch die Liste, las Titel und den Beginn der Posts und konnte den Gedanken nicht unterdrücken, dass das alles der gleiche Mist ist. Alles nach dem gleichen Schema, nichts neues.
Einer der wenigen Posttitel, der mir ins Auge fiel, war das recht provokante Bloggen ist langweilig! von Konna.
Der Artikel gibt genau das Gefühl wieder, was ich beim Durchsehen der erschienenen Posts der vergangenen drei Wochen hatte:
"Im Prinzip schreiben wir doch alle die ganze Zeit über nur noch dieselbe Scheiße. Vielleicht in anderen Worten und mit anderer Duftnote, aber grundsätzlich wird alles immer und immer wieder durchgekaut."
Alles schon mal gehabt - die 52-er Projekte, Themenreihen, Wochenrückblicke - immer wieder das gleiche Schema mit einem langsam zu Altpapieraroma werdenden Beigeschmack.
Wann hat das Bloggen aufgehört, anregend und erfrischend zu sein?
Als ich begann, Blogs zu lesen war es wie alles neue noch unerforscht und aufregend. Nach der Gründung eines eigenen Blogs fühlte ich mich ganz stolz wie ein Teil einer großen Familie und postete eifrig auch ohne dass viele Notiz davon nahmen. Das war völlig egal; es reichte zu wissen, dass ich meine Gedanken mit neuen Menschen teilen und diskutieren konnte, auch wenn es nicht viele waren.
Mit der Zeit wurde das Bloggen Teil des Alltags, Routine. Erwarten die Leser nicht mindestens zwei Posts pro Woche, um mir erhalten zu bleiben? Also wurden diese Posts geschrieben. Es änderte sich zwar nicht die Art des Artikels und hoffentlich auch nicht deren Qualität, doch allein schon der veränderte Grund zum Bloggen störte mich.
Ich bin ein unbezahlter und freiwilliger Blogger mit einer Leidenschaft für die hier fabrizierten Texte und gleichzeitig schreibe ich doch auch aus Pflichtgefühl. Weil es Teil des Alltags geworden ist und man sich einbildet, andere würden auf die von einem selbst produzierten Texte warten. Natürlich doch.
Wenn man diese Aufgabe des Bloggens nur noch als Teil des abzuarbeitenden Stapels ansieht, können die Artikel nicht besser werden. Krampfhafte Themensuche und Lustlosigkeit zum Schreiben haben mich noch nicht befallen; Lustlosigkeit bezüglich des Lesens in vielen Fällen schon.
Man merkt den Artikeln an, ob sie für die Quote geschrieben wurden oder weil man etwas mitteilen wollte.
Es tritt eine gewisse Sättigung auf. Man will nicht Diskussion xy neu aufrollen, nicht die hundertste Rezension eines Buches, eines Albums oder was auch immer lesen.
Ja - aber was denn dann? Das Rad kann nicht täglich neu erfunden werden. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, sich ein Postthema auszuwählen, über das noch nie jemand seine Gedanken aufgeschrieben hat? Eben.
Ich denke, es liegt einfach an der immer größer werdenden Menge von existierenden Blogs durch die natürlich auch die Zahl der für lesenswert befundenen Seiten darunter steigt, welche man abonniert. Dadurch kommt es zu Unmengen von neu erscheinenden Artikeln, die zu lesen man aber nicht immer schafft und so immer öfter einfach Posts überspringt obgleich sie durchaus interessant und geistig bereichernd sein könnten. So verfolgt man nur noch die wenigsten Blogs durchgehend und verliert so auch die persönliche Bindung zu Autoren und deren Seiten, abgesehen von wenigen Ausnahmen, deren Autoren man vielleicht persönlich oder die Seite auch einfach nur lange kennt, bis alles zu einem anonymen Einheitsbrei wird. Einfach nur noch eine belastenden Textflut. Wie gut, dass man sie ignorieren kann, ohne dass der Autor es merkt.
Ein möglicher Grund für den von mir bereits angesprochenen Kommentarmangel.
Es strömt einfach auf zu vielen Kanälen zu viel Information auf einen ein und diesen Umstand hat man sich auch noch selbst zuzuschreiben. Weil man ja am Ball bleiben will; nur nichts verpassen will.
Unter Lawinen fremder Gedanken ersticken manchmal auch die eigenen.
Das Bloggen ist nicht langweilig, die Themen sind nicht in allen Fällen schlechter geworden - wir sind einfach nur abgestumpft.
Ich fürchte, dass uns das nicht nur hinsichtlich der Blogs passieren kann: es kann auch das ganze Leben betreffen. Jedes Jahr wiederholt sich im exakt gleichen Schema, jeder Tag hat den selben Ablauf.
Kann ja sein, dass besagter Ablauf ein bequemer ist, doch will ich für den Rest meines Lebens jeden das den Vortag aufgewärmt noch einmal erleben? Nein.
Denn der Sinn des Lebens - was auch immer er sein mag - beinhaltet meiner Meinung nach, dass man sich verändert und weiter entwickelt, was mit einer Routine in Endlosschleife nicht möglich ist.
So weit so gut. Und was nun? Selbst wenn man Neuerungen macht, wird man sich irgendwann auch an diese gewöhnt haben. Darauf folgt dann mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder eine Welle von Anregungen zur Veränderung und im besten Fall dadurch ausgelöst auch ein tatsächliches Verlassen ausgetretener Pfade.
Und betrachtet man all das mit einiger Distanz ist auch das ein sich ewig wiederholendes Phänomen insofern man es nicht schon ganz aufgegeben hat, sich an der Monotonie zu stören und irgendwas ändern zu wollen. Dennoch ergibt es für mich auch keinen Sinn, sich dem bloßen Dahinleben hinzugeben. Wie eine Aufgabe, die einen schon lange nicht mehr reizt und nur noch aus Gewohnheit erfüllt wird. Seine limitierte Zeit so zu verbringen ist für mich als Konsequenz eine Verschwendung.
Bloggen ist nicht langweilig; wir selbst sind es, die im Gewohnheitstrott fad und farbenblind werden. Wie auch immer die individuelle Veränderung aussieht - uninteressant und zu Ballast gewordenes loswerden, neue Begeisterungen und Herausforderungen zu entdecken oder auch neue Personen kennen zu werden: einfach mal die ausgetretenen Pfade verlassen. Denn nur mit dem Schaffen neuer Pfade kann man auch Spuren hinterlassen.
Apfelkern
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Samstag, 2. Juni 2012
tl;dr
Ist ein Post fertig geschrieben, noch einmal durchgelesen und eventuell verbessert worden, wird er veröffentlicht. Von da an begibt man sich unterbewusst in Habachtstellung: man lauert den Kommentaren auf. Ganz zufällig unterbricht man Videos, Lektüre oder schwenkt während eines Chats kurz zur Übersicht der Kommentare.
Jetzt gibt es drei Szenarien, die eintreten könnten.
a) der Artikel bekommt mehrere Klicks und wird kommentiert, der Blogger ist erfreut.
b) der Artikel bleibt unbeachtet und wird nicht aufgerufen. Solche Dinge geschehen, wenn man um halb drei in der Nacht Posts veröffentlicht. Ein temporäres Problem, das meist in Szenario a oder c übergeht.
c) der Artikel wird laut Statistik angeklickt, bekommt aber keinen Kommenter.
Ach na ja, das sind ja bloß Startschwierigkeiten; da wird sich gleich einer finden, der seine Gedanken dazu aufschreibt. Und so wartet man, sieht der Anzahl der Klicks beim Steigen zu.
Kommentarstatus: Nix.
Langsam steigt auch die Nervosität. Warum kommentiert denn niemand, obwohl der Post angeklickt wird?! Und man schlussfolgert unweigerlich, dass keine Kommentare mit fehlendem Interesse am Post gleichzusetzen sind.
Dabei weiß man genau, dass diese Gleichung nicht aufgeht. Ich selbst lese viele Posts, die ich als sehr interessant empfinde und durch diese zum Nachdenken angeregt werde, jedoch dennoch nicht kommentiere. Und warum nicht?
Chronische Kommentarfaulheit.
Es dauert einige Minuten, einen Artikel zu lesen, besonders, wenn dieser nicht nur aus fünf großen Bildern und vier Zeilen darunter bestand. Gute Artikel regen automatisch zum Nachdenken an, die Gedanken entstehen schnell. Optimal wäre es, sie aufzuschreiben und diese so mit den anderen Lesern und insbesondere auch dem Autor zu teilen, da dieser sich garantiert über eine Rückmeldung zu seinem Text freuen würde.
Und in diesem Moment schlägt die Kommentarfaulheit zu.
Och nee, und jetzt noch die Gedanken in Sätze fassen und niederschreiben?
Ach, ich bin ja nicht der einzige Leser hier; das wird schon noch jemand kommentieren.
Und einen Klick später hat man die Seite verlassen, drei Minuten später ist das schlechte Gewissen, nicht kommentiert zu haben auch verschwunden.
Wenn das jeder so macht, wird das aber nichts mit den Kommentaren. Von genau diesen lebt meiner Ansicht nach das Bloggen aber. Es ist der Austausch, der es zu mehr als einem gedankenschluckenden aber diese nicht reflektierenden Notizbuch macht.
Nun wäre es auch möglich, statt komplexer aussagekräftiger Sätze einfach ein stupides Toll <3, Echt Klasse oder Das wollte ich auch schon immer mal machen! zu schreiben. Dann hätte man ja dem Autor gezeigt, dass man da war und in den meisten Fällen mit dem Kommentar auch gleich noch seinen Blog verlinkt. Super.
Solche Kommentare zeigen tatsächlich, dass jemand den Post angeklickt hat und wer es war, doch mehr sagt diese Art von Kommentar nicht aus. Na gut, derjenige hat zumindest heruntergescrollt.
Warum schreibe ich das? Weil ich mich wundere, dass ein Post 70 Klicks und nur einen Kommentar bekommt. Zumindest eine Reaktion könnte man unter dem Post angeben, denn selbst diese Rückmeldung erfreut und lässt erkennen, wie andere den Post wahrnehmen. Verdammt ja, ich mache mir was aus Rückmeldungen.
Eine weitere Überlegung abseits der Kommentarfaulheit wäre, dass ein Post zwar angeklickt, aber nicht gelesen wird. Mir fällt auch sofort ein möglicher Grund dafür ein: die Textlänge kombiniert mit fehlenden Bildern. Ich weiß, dass es deutlich weniger anstrengend ist, bilderreiche Artikel zu lesen, insbesondere wenn der Text dazu nicht unbedingt tiefgehend ist.
Jedoch habe ich mich bewusst gegen solche hübschen bunten Klatschmagazinartikel entschieden, da es mir eher um den Inhalt geht.
Sollte ich von dieser Enscheidung Abstand nehmen, um gelesen zu werden? Ich hoffte eigentlich, dass ich nicht vor die Entscheidung gestellt würde.
Jemand, der sich dazu entscheidet, meinen Blog zu abonnieren, sollte sich meiner bevorzugten Textlänge bewusst sein und daher auch bereit sein, diese zu lesen und im besten Fall zu kommentieren. Natürlich kann kein Blogger seine Leser dazu zwingen - schließlich sind sie dem Blogautor gegenüber zu nichts verpflichtet, aber die Hoffnung auf Kommentare bleibt.
Ja, ich weiß, dass dieser Post wieder inkompatibel mit lesefaulen Individuen ist und das eher kontraproduktiv hinsichtlich des Themas, das er anspricht, aber nun ist es auch zu spät und der Text geschrieben.
Na, heute schon kommentiert? Ich habe es um ehrlich zu sein noch nicht getan, werde es aber jetzt unverzüglich nachholen, während ich die Kommentare im Auge behalte. Ganz zufällig natürlich.
Apfelkern
Jetzt gibt es drei Szenarien, die eintreten könnten.
a) der Artikel bekommt mehrere Klicks und wird kommentiert, der Blogger ist erfreut.
b) der Artikel bleibt unbeachtet und wird nicht aufgerufen. Solche Dinge geschehen, wenn man um halb drei in der Nacht Posts veröffentlicht. Ein temporäres Problem, das meist in Szenario a oder c übergeht.
c) der Artikel wird laut Statistik angeklickt, bekommt aber keinen Kommenter.
Ach na ja, das sind ja bloß Startschwierigkeiten; da wird sich gleich einer finden, der seine Gedanken dazu aufschreibt. Und so wartet man, sieht der Anzahl der Klicks beim Steigen zu.
Kommentarstatus: Nix.
Langsam steigt auch die Nervosität. Warum kommentiert denn niemand, obwohl der Post angeklickt wird?! Und man schlussfolgert unweigerlich, dass keine Kommentare mit fehlendem Interesse am Post gleichzusetzen sind.
Dabei weiß man genau, dass diese Gleichung nicht aufgeht. Ich selbst lese viele Posts, die ich als sehr interessant empfinde und durch diese zum Nachdenken angeregt werde, jedoch dennoch nicht kommentiere. Und warum nicht?
Chronische Kommentarfaulheit.
Es dauert einige Minuten, einen Artikel zu lesen, besonders, wenn dieser nicht nur aus fünf großen Bildern und vier Zeilen darunter bestand. Gute Artikel regen automatisch zum Nachdenken an, die Gedanken entstehen schnell. Optimal wäre es, sie aufzuschreiben und diese so mit den anderen Lesern und insbesondere auch dem Autor zu teilen, da dieser sich garantiert über eine Rückmeldung zu seinem Text freuen würde.
Und in diesem Moment schlägt die Kommentarfaulheit zu.
Och nee, und jetzt noch die Gedanken in Sätze fassen und niederschreiben?
Ach, ich bin ja nicht der einzige Leser hier; das wird schon noch jemand kommentieren.
Und einen Klick später hat man die Seite verlassen, drei Minuten später ist das schlechte Gewissen, nicht kommentiert zu haben auch verschwunden.
| Jesus sieht auch, ob du kommentierst (Bildquote: Check!) |
Nun wäre es auch möglich, statt komplexer aussagekräftiger Sätze einfach ein stupides Toll <3, Echt Klasse oder Das wollte ich auch schon immer mal machen! zu schreiben. Dann hätte man ja dem Autor gezeigt, dass man da war und in den meisten Fällen mit dem Kommentar auch gleich noch seinen Blog verlinkt. Super.
Solche Kommentare zeigen tatsächlich, dass jemand den Post angeklickt hat und wer es war, doch mehr sagt diese Art von Kommentar nicht aus. Na gut, derjenige hat zumindest heruntergescrollt.
Warum schreibe ich das? Weil ich mich wundere, dass ein Post 70 Klicks und nur einen Kommentar bekommt. Zumindest eine Reaktion könnte man unter dem Post angeben, denn selbst diese Rückmeldung erfreut und lässt erkennen, wie andere den Post wahrnehmen. Verdammt ja, ich mache mir was aus Rückmeldungen.
Eine weitere Überlegung abseits der Kommentarfaulheit wäre, dass ein Post zwar angeklickt, aber nicht gelesen wird. Mir fällt auch sofort ein möglicher Grund dafür ein: die Textlänge kombiniert mit fehlenden Bildern. Ich weiß, dass es deutlich weniger anstrengend ist, bilderreiche Artikel zu lesen, insbesondere wenn der Text dazu nicht unbedingt tiefgehend ist.
| Der famose Harcore-Spliss of death; ein unvergleichliches Einzelstück |
Sollte ich von dieser Enscheidung Abstand nehmen, um gelesen zu werden? Ich hoffte eigentlich, dass ich nicht vor die Entscheidung gestellt würde.
Jemand, der sich dazu entscheidet, meinen Blog zu abonnieren, sollte sich meiner bevorzugten Textlänge bewusst sein und daher auch bereit sein, diese zu lesen und im besten Fall zu kommentieren. Natürlich kann kein Blogger seine Leser dazu zwingen - schließlich sind sie dem Blogautor gegenüber zu nichts verpflichtet, aber die Hoffnung auf Kommentare bleibt.
Ja, ich weiß, dass dieser Post wieder inkompatibel mit lesefaulen Individuen ist und das eher kontraproduktiv hinsichtlich des Themas, das er anspricht, aber nun ist es auch zu spät und der Text geschrieben.
Na, heute schon kommentiert? Ich habe es um ehrlich zu sein noch nicht getan, werde es aber jetzt unverzüglich nachholen, während ich die Kommentare im Auge behalte. Ganz zufällig natürlich.
Apfelkern
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Freitag, 25. Mai 2012
Nimmt lieber den Duden!
Verspürte jemand gerade einen kalten Schauder und Grammatiksinnschmerzen beim Lesen der Überschrift?
Jeden Tag strömen Unmengen von Texten auf uns ein. Zeitung, Mails, Bücher, Werbung, Blogs, soziale Netzwerke und vielleicht auch mal etwas Handgeschriebenes. Manches liest man gern, anderes weniger und ganz unabhängig vom Inhalt gibt es eine Sache, die für mich den ganzen Text ruiniert: Rechtschreibfehler. Ein vergessenes Komma, ein Tippfehler, ein fehlendes Leerzeichen - von mir aus. Hat der Schreiber aber offensichtlich keinen Schimmer von Rechtschreibkenntnis, kann ich das Sprachzentrum meines Hirns weinen hören.
"Were es ein Problem für dich das mein Man ja sagt?", "Mort und Todschlag"", "Das ist so lächerlig!"
Vermurkste Konjunktive, Schwierigkeiten mit dass und das, kleingeschriebene Substantive - all das nervt. Fehler wie aus dem Rechtschreibheft der Grundschule. Selbst in Eile würde ich mir nicht die Blöße geben wollen, derartig viele Fehler zu machen.
Es zeugt meiner Meinung nach weniger von Schludrigkeit als von konkretem Unwissen über Orthografie und Grammatik, denn sonst würde es weh tun, solche Sätze zu schreiben. Und das Sprachgefühl bleibt verkümmert und stumm zurück. Die ganzen Regeln gibt es doch nicht zum Spaß und so kann allein eine Kommaverschiebung eine komplette Bedeutungsveränderung des Satzes bedeuten.
Oft weiß ich nicht, wie ich auf diese Fehler reagieren soll.
Liest man einen Blogpost mit einer auffälligen Häufung von Rechtschreibfehlern, bestünde die Möglichkeit, dessen Autor durch einen Kommentar darauf hinzuweisen. Nutzt man diese Option, könnte der Autor diesen ignorieren und löschen, sich über die konstruktive Kritik freuen und sich um Änderung bemühen oder verärgert sein von solchen Klugscheißern, die glauben alles besser zu wissen.
Mit dem Wissen über all diesen Varianten, die eintreten könnten, gilt es sich zu entscheiden.
Ein Hinweis auf die Rechtschreibproblematik würde wohl kaum etwas ändern, denn Grammatikkenntnisse erlernt man nicht von heute auf morgen. Also könnte man sich den Hinweis sparen und muss sich damit auch nicht unbeliebt machen. Doch wenn man keinen Anstoß gibt, wird nie eine Veränderung eintreten.
Was kümmert mich eigentlich die Rechtschreibung anderer? Wenn sie mich zu sehr stört, muss ich die fehlerreichen Texte nicht lesen, zumindest insofern es sich beispielsweise um Blogposts handelt. Ich kenne fast keinen Blogger dessen Seite ich verfolge persönlich und so könnte es mir auch aus der Hinsicht egal sein. Man kann ja nicht jeden retten.
Aber will ich denn einem Menschen verschweigen, dass seine Formulierungen das Sprachgefühl des Lesers foltert? Lieber würde ich es einer Person mit einem objektiven und hoffentlich konstruktivem Kommentar offenbaren, dass deren Rechtschreibung verbesserungswürdig ist, als dass es jemand macht, der dies weniger höflich angeht und denjenigen dafür vielleicht sogar verlacht. Der Ton macht die Musik und erhöht die Chance, dass jemand ihn ernst nimmt und sich um Verbesserung bemüht.
Apropos Mühe - teilweise habe ich sogar das Gefühl, einigen wäre die Rechtschreibung völlig gleichgültig. Das ist etwas, das ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, denn schließlich sind selbstgeschriebene Texte eine Repräsentation der eigenen Person. Dabei möchte ich definitiv nicht, dass zuerst auffällt, dass ich von Orthografie und Grammatik wenig Ahnung habe und darüber schnell ein Rückschluss auf ein wahrscheinlich niedrigeres Bildungsniveau gezogen wird.
Natürlich kommt es immer auf die Situation an, in welchem Maße man auf seine Rechtschreibung achtet. Beim Schreiben einer Bewerbung, einer Gratulationskarte oder eben einem Blogpost würde ich die Rechtschreibung mehr im Auge behalten als beispielsweise in einem Chat, bei dem es darum geht, rasch seine Aussage niederzuschreiben und dabei auch einmal versehentlich Substantive klein geschrieben und Buchstaben vergessen werden können. Doch auch in einem Chat ist mir jeder Flüchtigkeitsfehler peinlich, da ich immer wieder daran denken muss, dass andere glauben könnten, ich wüsste es nicht besser und würde diesen Fehler permanent machen.
Ich halte es für sehr wichtig, einen hohen Wert auf die Rechtschreibung zu legen, denn Texte mit auffälligen Rechtschreibdefiziten, kann ich bei allen Bemühungen um Objektivität und reinen Fokus auf den Textinhalt nicht so ernst nehmen, wie bis auf Ausnahmen korrekt formulierte Texte. Man kann und will nicht jeden darauf hinweisen, dass er gehäuft Rechtschreibfehler begeht, doch bei Personen, die einem nicht komplett gleich sind, würde ich dies versuchen.
Apfelkern
Jeden Tag strömen Unmengen von Texten auf uns ein. Zeitung, Mails, Bücher, Werbung, Blogs, soziale Netzwerke und vielleicht auch mal etwas Handgeschriebenes. Manches liest man gern, anderes weniger und ganz unabhängig vom Inhalt gibt es eine Sache, die für mich den ganzen Text ruiniert: Rechtschreibfehler. Ein vergessenes Komma, ein Tippfehler, ein fehlendes Leerzeichen - von mir aus. Hat der Schreiber aber offensichtlich keinen Schimmer von Rechtschreibkenntnis, kann ich das Sprachzentrum meines Hirns weinen hören.
"Were es ein Problem für dich das mein Man ja sagt?", "Mort und Todschlag"", "Das ist so lächerlig!"
Vermurkste Konjunktive, Schwierigkeiten mit dass und das, kleingeschriebene Substantive - all das nervt. Fehler wie aus dem Rechtschreibheft der Grundschule. Selbst in Eile würde ich mir nicht die Blöße geben wollen, derartig viele Fehler zu machen.
Es zeugt meiner Meinung nach weniger von Schludrigkeit als von konkretem Unwissen über Orthografie und Grammatik, denn sonst würde es weh tun, solche Sätze zu schreiben. Und das Sprachgefühl bleibt verkümmert und stumm zurück. Die ganzen Regeln gibt es doch nicht zum Spaß und so kann allein eine Kommaverschiebung eine komplette Bedeutungsveränderung des Satzes bedeuten.
Oft weiß ich nicht, wie ich auf diese Fehler reagieren soll.
Liest man einen Blogpost mit einer auffälligen Häufung von Rechtschreibfehlern, bestünde die Möglichkeit, dessen Autor durch einen Kommentar darauf hinzuweisen. Nutzt man diese Option, könnte der Autor diesen ignorieren und löschen, sich über die konstruktive Kritik freuen und sich um Änderung bemühen oder verärgert sein von solchen Klugscheißern, die glauben alles besser zu wissen.
Mit dem Wissen über all diesen Varianten, die eintreten könnten, gilt es sich zu entscheiden.
Ein Hinweis auf die Rechtschreibproblematik würde wohl kaum etwas ändern, denn Grammatikkenntnisse erlernt man nicht von heute auf morgen. Also könnte man sich den Hinweis sparen und muss sich damit auch nicht unbeliebt machen. Doch wenn man keinen Anstoß gibt, wird nie eine Veränderung eintreten.
Was kümmert mich eigentlich die Rechtschreibung anderer? Wenn sie mich zu sehr stört, muss ich die fehlerreichen Texte nicht lesen, zumindest insofern es sich beispielsweise um Blogposts handelt. Ich kenne fast keinen Blogger dessen Seite ich verfolge persönlich und so könnte es mir auch aus der Hinsicht egal sein. Man kann ja nicht jeden retten.
Aber will ich denn einem Menschen verschweigen, dass seine Formulierungen das Sprachgefühl des Lesers foltert? Lieber würde ich es einer Person mit einem objektiven und hoffentlich konstruktivem Kommentar offenbaren, dass deren Rechtschreibung verbesserungswürdig ist, als dass es jemand macht, der dies weniger höflich angeht und denjenigen dafür vielleicht sogar verlacht. Der Ton macht die Musik und erhöht die Chance, dass jemand ihn ernst nimmt und sich um Verbesserung bemüht.
Apropos Mühe - teilweise habe ich sogar das Gefühl, einigen wäre die Rechtschreibung völlig gleichgültig. Das ist etwas, das ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, denn schließlich sind selbstgeschriebene Texte eine Repräsentation der eigenen Person. Dabei möchte ich definitiv nicht, dass zuerst auffällt, dass ich von Orthografie und Grammatik wenig Ahnung habe und darüber schnell ein Rückschluss auf ein wahrscheinlich niedrigeres Bildungsniveau gezogen wird.
Natürlich kommt es immer auf die Situation an, in welchem Maße man auf seine Rechtschreibung achtet. Beim Schreiben einer Bewerbung, einer Gratulationskarte oder eben einem Blogpost würde ich die Rechtschreibung mehr im Auge behalten als beispielsweise in einem Chat, bei dem es darum geht, rasch seine Aussage niederzuschreiben und dabei auch einmal versehentlich Substantive klein geschrieben und Buchstaben vergessen werden können. Doch auch in einem Chat ist mir jeder Flüchtigkeitsfehler peinlich, da ich immer wieder daran denken muss, dass andere glauben könnten, ich wüsste es nicht besser und würde diesen Fehler permanent machen.
Ich halte es für sehr wichtig, einen hohen Wert auf die Rechtschreibung zu legen, denn Texte mit auffälligen Rechtschreibdefiziten, kann ich bei allen Bemühungen um Objektivität und reinen Fokus auf den Textinhalt nicht so ernst nehmen, wie bis auf Ausnahmen korrekt formulierte Texte. Man kann und will nicht jeden darauf hinweisen, dass er gehäuft Rechtschreibfehler begeht, doch bei Personen, die einem nicht komplett gleich sind, würde ich dies versuchen.
Apfelkern
Freitag, 11. Mai 2012
Puderzuckerwolken
Gerade noch kleiner Hosenscheißer, dem man permanent hinterherputzt, dann Dreikäsehoch, niedlicher Fratz, Grundschüler und plötzlich steht die Jugendweihe vor der Tür. Die Zeit vergeht schnell.
Und da waren dann die Einladungen für die Jugendweihe.
Vor einer Woche traf sich die Verwandtschaft an der Festhalle, ausgehfein im Anzug mit Krawatte oder Feinstrumpfhose. Kaum am Zielort angekommen, überfiel mich die Überzeugung am falschen Ort zu sein: Mädchen in quietschbunten Cocktailkleidern, die weder das Knie noch die Hälfte des Oberschenkel bedeckten, Jungs in Anzug mit Krawatte oder Jeans zu Sakko und Goldkettchen, pompöse Frisuren, bei denen von hochgesteckten aufgeplusterten Lockenballen über sich herabringelnde Schweineschwanzlöckchen bis blütenverzierten Pagenköpfen mit glitzrigem Haarreif alles dabei war, ein Make-Up, das sich vom Wort dezent gekonnt zu distanzieren wusste und Schuhe mit einer Absatzhöhe, mit denen man beinahe den Himalaya hätte überragen können.
Hä - und wo ist hier die Jugendweihe?
Ich sah nur aufgebretzelte junge Menschen, die eher so aussahen, als wären sie auf dem Weg in einen Club. Jedenfalls lag es außerhalb meiner Vorstellungskraft, dass Eltern ihre Kinder so durchgestylt und aufgemotzt zu deren Jugendweihe gehen lassen würden.
Spätestens während der Feierstunde als all die sorgfältig gerüschten und geföhnten Jugendlichen auf die Bühne gerufen wurden war es sicher, dass sie nicht nur zufällige Gäste in unpassendem Outfit waren.
Ich dachte an meine eigene Jugendweihe vor mittlerweile fünf Jahren. Damals war die Kleidung mehr als deutlich weniger hochgestochen gewesen, die drei oder vier Mädchen, die so auffällig aufgeputzt waren wie die weiblichen Jugendweiheteilnehmer es in diesem Jahr waren, wurden als eitel und übertrieben gekleidet beäugt, die Mehrheit beschränkte sich auf Rock und Bluse oder einen Hosenanzug, die Jungs machten keine Anstalten, im Anzug zu erscheinen sondern hielten Jeans und Hemd für völlig ausreichend.
Im Gespräch mit befreundeten Familien kristallisierte sich die Ansicht heraus, dass es völlig angemessen wäre, dem 13- oder 14- jährigen Sprössling für diesen Tag Kosmetikbesuch, Maniküre, Pediküre, einen Friseurbesuch, ein pompöses Kleid und professionelles Make-up zu gönnen. Mir kam der Gedanke, das ich anlässlich der Jugendweihe zum ersten Mal beim Friseur die Haare geschnitten bekam statt mich nur auf Muttis eingeschränkte Frisierkünste verlassen zu müssen.
Muss ich diesen Schock als Anzeichen dafür nehmen, dass ich alt werde? Ist das heute völlig normal, sein Kind wie einen kleinen Prinz und eine kleine Prinzessin zu hofieren?
Es waren ja nicht nur die High Heels, in denen wenn ich überhaupt darin stehen können würde ich wohl keine zehn Meter unfallfrei zurücklegen könnte, die mich in Erstaunen versetzten, den gleichen Effekt hatten auch die Ausmaße der Geschenke. Mal einfach so ein iPhone, weil das drei Monate vorher bekommene Smartphone ja nur von Samsung war, zweitausend Euro hier und dreitausend Euro da, ein Moped, falls man irgendwann mal einen Führerschein machen würde....
Ich dachte, ich wäre im falschen Film. Da hatte ich mich über dreihundert Euro, ein paar Bücher und eine Silberkette gefreut, während nun kleine Vermögen verschenkt wurden. Ist das die Inflation oder wie kann ich mir das erklären?
Millionenschwer ist jedenfalls keine der befreundeten Familien, deren Geschenkeflut ich miterleben konnte. Feiern mit weniger als zwanzig Gästen galten als klein und wenig gewinnbringend (Merke: jeder Gast = mindestens 50€), Einnahmen unter tausend Euro als enttäuschend.
Welches Interesse hätte ich als Mutter daran, meinem Kind ein so verschobenes Weltbild zu vermitteln? Ich halte es nicht für sinnvoll und normal, seine Wertschätzung derart zu ruinieren. Es muss ja nicht unbedingt in diesem Alter mit Geldwerten umgehen, die sich besser mit dem Wert von MacBooks als in dem von Alben beschreiben lassen. Lebensfremde verwöhnte Lieblinge, Püppchen, die erwarten, dass ihnen alles geschenkt wird, sind einfach nicht das, was ich für eine Bereicherung der Gesellschaft halte.
Vielleicht bin ich ja nur neidisch. Und doch frage ich mich, ob der aufwendige Putz und die Geschenkeberge den Tag wirklich zu einem besseren machen. Was soll man denn dann erst zu seiner Hochzeit anstellen, wenn jetzt schon von Maniküre bis hin zu Blumenlieferdienst und Catering alle Register gezogen wurden? Ich halte es für übertrieben, maßlos.
Überreagiere ich? Sind das verschrobene Wertvorstellungen, die das letzte Update der Gegenwart verpasst haben?
Vorerst bin ich froh, dass diese amerikanischen Sweet-Sixteen-Partys sich bei uns noch nicht durchgesetzt haben. Man braucht ja nicht noch mehr Anlässe, seinen Kindern bis zum Zuckerschock Puderzucker in den Allerwertesten zu blasen.
Meiner Meinung nach brauchen Kinder Liebe, Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Freunde statt dem dritten Smartphone und Designerkleidung. Die wertvollsten Dinge sind die, welche man weder kaufen noch umtauschen kann.
Apfelkern
Hä - und wo ist hier die Jugendweihe?
Ich sah nur aufgebretzelte junge Menschen, die eher so aussahen, als wären sie auf dem Weg in einen Club. Jedenfalls lag es außerhalb meiner Vorstellungskraft, dass Eltern ihre Kinder so durchgestylt und aufgemotzt zu deren Jugendweihe gehen lassen würden.
Spätestens während der Feierstunde als all die sorgfältig gerüschten und geföhnten Jugendlichen auf die Bühne gerufen wurden war es sicher, dass sie nicht nur zufällige Gäste in unpassendem Outfit waren.
Ich dachte an meine eigene Jugendweihe vor mittlerweile fünf Jahren. Damals war die Kleidung mehr als deutlich weniger hochgestochen gewesen, die drei oder vier Mädchen, die so auffällig aufgeputzt waren wie die weiblichen Jugendweiheteilnehmer es in diesem Jahr waren, wurden als eitel und übertrieben gekleidet beäugt, die Mehrheit beschränkte sich auf Rock und Bluse oder einen Hosenanzug, die Jungs machten keine Anstalten, im Anzug zu erscheinen sondern hielten Jeans und Hemd für völlig ausreichend.
Im Gespräch mit befreundeten Familien kristallisierte sich die Ansicht heraus, dass es völlig angemessen wäre, dem 13- oder 14- jährigen Sprössling für diesen Tag Kosmetikbesuch, Maniküre, Pediküre, einen Friseurbesuch, ein pompöses Kleid und professionelles Make-up zu gönnen. Mir kam der Gedanke, das ich anlässlich der Jugendweihe zum ersten Mal beim Friseur die Haare geschnitten bekam statt mich nur auf Muttis eingeschränkte Frisierkünste verlassen zu müssen.
Muss ich diesen Schock als Anzeichen dafür nehmen, dass ich alt werde? Ist das heute völlig normal, sein Kind wie einen kleinen Prinz und eine kleine Prinzessin zu hofieren?
Es waren ja nicht nur die High Heels, in denen wenn ich überhaupt darin stehen können würde ich wohl keine zehn Meter unfallfrei zurücklegen könnte, die mich in Erstaunen versetzten, den gleichen Effekt hatten auch die Ausmaße der Geschenke. Mal einfach so ein iPhone, weil das drei Monate vorher bekommene Smartphone ja nur von Samsung war, zweitausend Euro hier und dreitausend Euro da, ein Moped, falls man irgendwann mal einen Führerschein machen würde....
Ich dachte, ich wäre im falschen Film. Da hatte ich mich über dreihundert Euro, ein paar Bücher und eine Silberkette gefreut, während nun kleine Vermögen verschenkt wurden. Ist das die Inflation oder wie kann ich mir das erklären?
Millionenschwer ist jedenfalls keine der befreundeten Familien, deren Geschenkeflut ich miterleben konnte. Feiern mit weniger als zwanzig Gästen galten als klein und wenig gewinnbringend (Merke: jeder Gast = mindestens 50€), Einnahmen unter tausend Euro als enttäuschend.
Welches Interesse hätte ich als Mutter daran, meinem Kind ein so verschobenes Weltbild zu vermitteln? Ich halte es nicht für sinnvoll und normal, seine Wertschätzung derart zu ruinieren. Es muss ja nicht unbedingt in diesem Alter mit Geldwerten umgehen, die sich besser mit dem Wert von MacBooks als in dem von Alben beschreiben lassen. Lebensfremde verwöhnte Lieblinge, Püppchen, die erwarten, dass ihnen alles geschenkt wird, sind einfach nicht das, was ich für eine Bereicherung der Gesellschaft halte.
Vielleicht bin ich ja nur neidisch. Und doch frage ich mich, ob der aufwendige Putz und die Geschenkeberge den Tag wirklich zu einem besseren machen. Was soll man denn dann erst zu seiner Hochzeit anstellen, wenn jetzt schon von Maniküre bis hin zu Blumenlieferdienst und Catering alle Register gezogen wurden? Ich halte es für übertrieben, maßlos.
Überreagiere ich? Sind das verschrobene Wertvorstellungen, die das letzte Update der Gegenwart verpasst haben?
Vorerst bin ich froh, dass diese amerikanischen Sweet-Sixteen-Partys sich bei uns noch nicht durchgesetzt haben. Man braucht ja nicht noch mehr Anlässe, seinen Kindern bis zum Zuckerschock Puderzucker in den Allerwertesten zu blasen.
Meiner Meinung nach brauchen Kinder Liebe, Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Freunde statt dem dritten Smartphone und Designerkleidung. Die wertvollsten Dinge sind die, welche man weder kaufen noch umtauschen kann.
Apfelkern
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