Mein Handmixer ist kaputt. Nach vielen Jahren ist plötzlich beim Kneten von Hefeteig das Plastikgehäuse gebrochen. Einfach so.
Ich liebe gutes Essen und um sicherzustellen, dass ich auch solches bekomme, koche ich viel und gern. Daher war es trotz allen Bestrebungen, den eigenen Konsum zu minimieren, keine Frage, ob ich den kaputten Handmixer ersetzen werde. So ein Gerät brauche ich einfach. Kann ja nicht so schwer sein, ein zuverlässiges, hochwertiges neues Modell zu finden... dachte ich zumindest.
Schon oft hab ich von meinen Großeltern gehört, dass es früher in der DDR keine Auswahl in den Geschäften gab. Wenn man einen Toaster wollte, hat man eben den Toaster gekauft. Entweder man nimmt das eine Modell, das es gab oder gar keinen. Und das auch nur, wenn es eben verfügbar war. Diese Geräte müssen sehr solide gewesen sein, denn nur das kann erklären, warum meine Großeltern noch heute pastellblaue Kaffemühlen, beige Handrührgeräte und laute, stinkende aber vor allem historisch wertvolle Föne haben, die seit Jahrzehnten im Einsatz sind. Über Energieeffizienz in dem Kontext reden wir an der Stelle mal lieber nicht.
Da die Auswahl heute aber riesig ist, kommt schnell ein Gefühl der Überforderung auf. Klar weiß ich, was ich will: ein hochwertiges Gerät mit ordentlich Kraft auch für zähe Brotteige, das lange hält. Wenn möglich Metall an den wichtigen sich bewegenden Teilen. Das darf in der Anschaffung dann auch gern ein wenig mehr kosten.
Doch leider ist der Preis kein zuverlässiges Merkmal für gute Verarbeitung mehr und das nervt mich absolut. Wie kann es denn sein, dass man stylischen Schrott dem gutgläubigen Kunden teuer verkauft? Haben die Hersteller denn kein Gewissen?!
Ich erinnere mich, dass ich mich nach meinem Auszug in einer handrührgerätlose WG Küche und in dem gleichen Dilemma befand. Am liebsten hätte ich den Mixer für die Ewigkeit gekauft, damit man sich nie wieder sorgen müsste, dass man für den Sonntagskuchen plötzlich den Teig nicht fluffig aufschlagen kann.
Nach der Recherche bei einem großen Onlinewarenhaus und auf verschiedenen Vergleichsportalen, war ich aber noch ratloser. Irgendeine Macke schien jedes Gerät zu haben. Und statt den wichtigen Dingen (Einsteckbuchse für Rührstäbe aus Metall oder nicht) wurden irgendwelche komischen Kategorien entwickelt und verglichen. Für Menschen, die unbedingt ein 5 Dezibel leiseres Gerät brauchen. Am Ende gab es nichts, was mich überzeugen konnte.
Es kam damals nie zum Kauf eines Handrührgeräts, stattdessen bekam ich das alte meiner Mutter, die schon ein neues besseres (im Angebot!) gekauft hatte, aber noch darauf wartete, dass dessen Vorgängermodell den Geist aufgibt.
Jetzt weiß ich, dass sie darauf noch drei weitere Jahre hätte warten müssen. Insgesamt hat der Mixer damit keine zehn Jahre überlebt und auch wenn er wöchentlich ran musste, finde ich das echt wenig.
Es hat mich jetzt drei Jahre später wieder nachdenklich werden lassen, dass scheinbar laut Bewertungen alle Geräte ein Problem haben: Der Motor ist zu schwach, läuft so unrund, dass man ihn mit einem Massagegerät verwechseln könnte oder glüht nach drei Minuten Dauerkneten fast. Die Rührbesen bestehen aus schnell brechendem Plastikstielen, Kabel wären zu kurz, tolles Design in 4 Farben aber mit unfassbar (höhö) unhandlichem Griff, zu kurze Knethaken, zu dünne Knethaken, die gleich verbiegen... die Liste der Beschwerden ist gefühlt endlos.
Ja meine Güte, ich möchte doch nur einen Handrührgerät kaufen!!! Und das ganze hat mich schon so sehr in den entnervten Wahnsinn getrieben, dass ich nun am Ende drüber blogge, um nicht mit einem Handrührgerät (extra langes Kabel, extra viel Watt und scharfe Rührhaken) Amok zu laufen. Grrrr!
Der Überfluss lähmt mich. Manchmal wäre es für mich einfacher, eine Wahl zu treffen, wenn man weniger Möglichkeiten hätte. Es würde wirklich helfen, schlicht keine minderwertige Billigware zu produzieren sondern nur vernünftige Produkte. Dann hat man auch langfristig etwas von denen. Aber nein, immer wieder kurzlebigen Plunder verticken bringt wahrscheinlich mehr Gewinne. Die Welt ist manchmal ein absurder Ort.
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Sonntag, 5. Mai 2019
Warum einfach, wenn es auch anders geht
Mittwoch, 3. Oktober 2018
Die Leiden der digital Dauerbespaßten
Das Internet ist eine großartige Erfindung. Ständig alle Informationen verfügbar, ständig alle Leute kontaktierbar oder zumindest die Möglichkeit, ihnen eine Nachricht zu hinterlassen. Langeweile gibt es damit nicht mehr, da es auch mobil verfügbar ist. Man könnte eigentlich immer produktiv und kreativ sein, Texte verfassen, Bilder machen, bearbeiten, veröffentlichen, Musik kreieren, Menschen an seinen Fähigkeiten teilhaben lassen… die Optionen erscheinen endlos. Und doch fühle ich mich von all dem Angebot oft mehr erschlagen als befreit.
Wenn man eine gewisse Zahl an Abonnements in den Sozialen Netzwerken hat, hängt man mit einer täglich durch das ganz normale Leben eingeschränkten Konsumzeit neuer Texte und Videos gefühlt immer hinterher. Das stresst mich offen gesagt mehr, als es mich inspiriert oder mir etwas beibringt. Irgendwann habe ich angefangen, nebenbei beim Kochen, Aufräumen, Putzen, Geschenke einpacken und zu welchen Gelegenheiten es sich sonst noch anbietet, Youtube Videos laufen zu lassen. Anders kommt man bei all den spannenden Kanälen einfach nicht hinterher. Dadurch, dass immer etwas im Hintergrund dudelt, bin ich subjektiv langsamer bei dem, was ich mit meinen Händen eigentlich tue. Durch die geteilte Aufmerksamkeit bekomme ich von beiden Aktivitäten nur die Hälfte mit und fühle mich unzufriedener und gestresst. Rein akustische Unterhaltung wie Radio oder Podcasts geben mir dieses Gefühl nicht.
Und obwohl ich all das weiß, scheine ich es zu ignorieren. Zu groß ist die Angst, etwas zu verpassen aber auch, einfach Zeit ungenutzt zu lassen. Bloß kein Moment der Langeweile in diesem so kurzen Leben!
Das war doch nicht immer so. Ist die Zeit der Leere nicht auch eine gute Gelegenheit gewesen, die Gedanken schweifen zu lassen, zu planen, Ideen zu entwickeln und zu träumen? Darauf möchte ich nicht verzichten.
Jedes mal, wenn ich etwas schaffe - seien es Texte auf dem Blog, ein beendetes Strickprojekt, eine versendete Bewerbung, eine aussortierte Schublade oder zehn Gläser eingekochte Birnen - erfüllt mich das mit großer Zufriedenheit. Es fühlt sich verdammt gut an, produktiv zu sein. Immer nur die Gedanken und Werke anderer zu konsumieren, hört irgendwann auf, inspirierend zu sein und laugt mich nur noch aus.
Wir sollten uns nicht der Versuchung hingeben, das Gehirn ganz bequem auszuschalten und die Aufmerksamkeitsspanne kürzer als die eines Goldfisches werden zu lassen und stupide Informationen auf uns einprasseln zu lassen, um davon locker die Hälfte direkt zu vergessen. Zwar wird uns das von allen Seiten offeriert, doch es tut uns in der Menge nicht gut.
Also hören wir besser öfter auf die Weisheit, die meiner Generation eigentlich schon in der Kindheit im Fernsehen vermittelt wurde: Abschalten.
Wenn man eine gewisse Zahl an Abonnements in den Sozialen Netzwerken hat, hängt man mit einer täglich durch das ganz normale Leben eingeschränkten Konsumzeit neuer Texte und Videos gefühlt immer hinterher. Das stresst mich offen gesagt mehr, als es mich inspiriert oder mir etwas beibringt. Irgendwann habe ich angefangen, nebenbei beim Kochen, Aufräumen, Putzen, Geschenke einpacken und zu welchen Gelegenheiten es sich sonst noch anbietet, Youtube Videos laufen zu lassen. Anders kommt man bei all den spannenden Kanälen einfach nicht hinterher. Dadurch, dass immer etwas im Hintergrund dudelt, bin ich subjektiv langsamer bei dem, was ich mit meinen Händen eigentlich tue. Durch die geteilte Aufmerksamkeit bekomme ich von beiden Aktivitäten nur die Hälfte mit und fühle mich unzufriedener und gestresst. Rein akustische Unterhaltung wie Radio oder Podcasts geben mir dieses Gefühl nicht.
Und obwohl ich all das weiß, scheine ich es zu ignorieren. Zu groß ist die Angst, etwas zu verpassen aber auch, einfach Zeit ungenutzt zu lassen. Bloß kein Moment der Langeweile in diesem so kurzen Leben!
Das war doch nicht immer so. Ist die Zeit der Leere nicht auch eine gute Gelegenheit gewesen, die Gedanken schweifen zu lassen, zu planen, Ideen zu entwickeln und zu träumen? Darauf möchte ich nicht verzichten.
Jedes mal, wenn ich etwas schaffe - seien es Texte auf dem Blog, ein beendetes Strickprojekt, eine versendete Bewerbung, eine aussortierte Schublade oder zehn Gläser eingekochte Birnen - erfüllt mich das mit großer Zufriedenheit. Es fühlt sich verdammt gut an, produktiv zu sein. Immer nur die Gedanken und Werke anderer zu konsumieren, hört irgendwann auf, inspirierend zu sein und laugt mich nur noch aus.
Wir sollten uns nicht der Versuchung hingeben, das Gehirn ganz bequem auszuschalten und die Aufmerksamkeitsspanne kürzer als die eines Goldfisches werden zu lassen und stupide Informationen auf uns einprasseln zu lassen, um davon locker die Hälfte direkt zu vergessen. Zwar wird uns das von allen Seiten offeriert, doch es tut uns in der Menge nicht gut.
Also hören wir besser öfter auf die Weisheit, die meiner Generation eigentlich schon in der Kindheit im Fernsehen vermittelt wurde: Abschalten.
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Sonntag, 31. Januar 2016
Aufbrauchen für Anfänger
Ende des Monats - Zeit für einen Post über meine aufgebrauchten Produkte!
Keine Sorge, ich werde euch nun nichts über meine liebste Handcreme und mein Duschbad schreiben, sondern mir geht es viel mehr um den Prozess des Aufbrauchens selbst.
Gibt man bei YouTube "Aufgebraucht" in die Suchleiste ein, findet man zahlreiche Videos, in der meist junge Damen voller Stolz präsentieren, welche Produkte sie geleert haben. Besonders oft geht es dabei spezifisch um Körperpflege und Kosmetik.
Schon verrückt, dass man so glücklich sein kann über etwas, das man nicht mehr besitzt. Das ist eindeutig ein Phänomen in einer Gesellschaft mit Überfluss und vielleicht auch speziell in unserer Generation - ich könnte mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass mein Opa freudig triumphieren würde, wenn er den letzten Rest aus dem Duschbad gequetscht hat. Er kommt aus einer Zeit des Mangels und der Sparsamkeit.
Sparsamkeit. Eigentlich ist es gut, ein zu verbrauchendes Produkt komplett verwendet zu haben, denn dann wurde es nicht grundlos gekauft. Aber wie sich zeigte, sind die wenigsten präsentierten Behälter in den aufgebraucht Videos wirklich leer. Da klebt fast immer noch etwas Creme am Rand und ein Ring Puder ist im Pfännchen. Als ginge es nicht darum, das Produkt völlig zu verwenden sondern nur rechtzeitig zum Bericht über die aufgebrauchten Dinge präsentierfähig für die Kamera zu bekommen. Daher noch mal ein kurzes Quiz, um die Definition aufgebraucht zu klären: welche der Kosmetika in dem folgenden Bild ist aufgebraucht und damit bereit zum Entsorgen?
Lösung: keins! Sowohl den Rest des Abdeckzeugs, das Puder als auch den Lippenstift habe ich noch einige Male verwenden können. Man muss nur ein bisschen auskratzen.
Und damit auch zurück zum Minimalismus. Der ist nämlich mehr als nur das Wegwerfen von Objekten, um den eigenen Besitz in der Gesamtanzahl zu reduzieren und am Ende eine stylisch leere Wohnung wie aus dem Katalog zu haben. Es geht auch um einen bewussten Umgang mit den Ressourcen. Das ist es dann wahrscheinlich auch, was Aufbrauchen unter Beauty Gurus und Leuten, die nach weniger Besitz streben unterscheidet. Neben der Tatsache, dass die Beauty Gurus im nächsten Haul das ganze Zeug plus X noch mal kaufen.
Als Kompromiss dazwischen habe ich angefangen, einfach mal all die kleinen Probesachets von Cremes zu verwenden, damit sie nicht weiter im Badezimmer einstauben während ich mir einrede, ich würde sie für Reisen brauchen, da sie ja handlicher sind als die Packungen normaler Größe.
Auch für den Bereich Lebensmittel ist das Aufbrauchen eine gute Methode, um den Besitz zu reduzieren. Ich habe mir den Inhalt des Tiefkühlfachs angesehen und dann von diesen Lebensmitteln ausgehend die Mahlzeiten geplant. Schließlich ist es auch unnötig, je zwei Packungen Tiefkühlhimbeeren und Prinzessbohnen auf Lager zu haben, da sie nur Platz einnehmen. Natürlich ist das etwas anderes als ein ungeliebter Pullover, der hinten im Schrank sein Dasein fristet, denn die Himbeeren werden mit Freude gegessen und verwendet. Dennoch ist es unpraktisch und auch stressig, wenn einem aus dem übervollen Schrank Packungen von Spaghetti entgegen fallen nur weil man eben sicherheitshalber - man könnte ja verhungern - schon ein paar mehr davon gekauft hatte.
Insgesamt finde ich es angenehmer, die Anzahl von verbrauchbaren Dingen wie Lebensmitteln, Putzmittel oder Körperpflege zu reduzieren als Kleidung oder Bücher auszusortieren. Denn da ich sie tatsächlich verbrauche und so ihrem Verwendungszweck zuführe, fällt es mir leicht, die Schränke im Laufe der Zeit zu leeren. Es macht mir sogar ein bisschen Spaß zu sehen, wie die Vorräte sich lichten. Dabei habe ich auch definitiv den Ehrgeiz, jede Packung bis auf den letzten Rest auszukratzen - denn alles andere wäre ja Verschwendung.
Das Ziel ist für mich, nur noch das zu haben, was ich gerne und regelmäßig verbrauche. Der Weg dahin hat noch ein wenig Strecke aber es gilt für mich, dabei nichts zu verschwenden. Wenn etwas mir so gar nicht zusagt, versuche ich es zu verschenken. Grundsätzlich gilt aber: Aufbrauchen heißt komplett verwenden und nicht einfach nur weg werfen.
Keine Sorge, ich werde euch nun nichts über meine liebste Handcreme und mein Duschbad schreiben, sondern mir geht es viel mehr um den Prozess des Aufbrauchens selbst.
Gibt man bei YouTube "Aufgebraucht" in die Suchleiste ein, findet man zahlreiche Videos, in der meist junge Damen voller Stolz präsentieren, welche Produkte sie geleert haben. Besonders oft geht es dabei spezifisch um Körperpflege und Kosmetik.
Schon verrückt, dass man so glücklich sein kann über etwas, das man nicht mehr besitzt. Das ist eindeutig ein Phänomen in einer Gesellschaft mit Überfluss und vielleicht auch speziell in unserer Generation - ich könnte mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass mein Opa freudig triumphieren würde, wenn er den letzten Rest aus dem Duschbad gequetscht hat. Er kommt aus einer Zeit des Mangels und der Sparsamkeit.
Sparsamkeit. Eigentlich ist es gut, ein zu verbrauchendes Produkt komplett verwendet zu haben, denn dann wurde es nicht grundlos gekauft. Aber wie sich zeigte, sind die wenigsten präsentierten Behälter in den aufgebraucht Videos wirklich leer. Da klebt fast immer noch etwas Creme am Rand und ein Ring Puder ist im Pfännchen. Als ginge es nicht darum, das Produkt völlig zu verwenden sondern nur rechtzeitig zum Bericht über die aufgebrauchten Dinge präsentierfähig für die Kamera zu bekommen. Daher noch mal ein kurzes Quiz, um die Definition aufgebraucht zu klären: welche der Kosmetika in dem folgenden Bild ist aufgebraucht und damit bereit zum Entsorgen?
Lösung: keins! Sowohl den Rest des Abdeckzeugs, das Puder als auch den Lippenstift habe ich noch einige Male verwenden können. Man muss nur ein bisschen auskratzen.
Und damit auch zurück zum Minimalismus. Der ist nämlich mehr als nur das Wegwerfen von Objekten, um den eigenen Besitz in der Gesamtanzahl zu reduzieren und am Ende eine stylisch leere Wohnung wie aus dem Katalog zu haben. Es geht auch um einen bewussten Umgang mit den Ressourcen. Das ist es dann wahrscheinlich auch, was Aufbrauchen unter Beauty Gurus und Leuten, die nach weniger Besitz streben unterscheidet. Neben der Tatsache, dass die Beauty Gurus im nächsten Haul das ganze Zeug plus X noch mal kaufen.
Als Kompromiss dazwischen habe ich angefangen, einfach mal all die kleinen Probesachets von Cremes zu verwenden, damit sie nicht weiter im Badezimmer einstauben während ich mir einrede, ich würde sie für Reisen brauchen, da sie ja handlicher sind als die Packungen normaler Größe.
Auch für den Bereich Lebensmittel ist das Aufbrauchen eine gute Methode, um den Besitz zu reduzieren. Ich habe mir den Inhalt des Tiefkühlfachs angesehen und dann von diesen Lebensmitteln ausgehend die Mahlzeiten geplant. Schließlich ist es auch unnötig, je zwei Packungen Tiefkühlhimbeeren und Prinzessbohnen auf Lager zu haben, da sie nur Platz einnehmen. Natürlich ist das etwas anderes als ein ungeliebter Pullover, der hinten im Schrank sein Dasein fristet, denn die Himbeeren werden mit Freude gegessen und verwendet. Dennoch ist es unpraktisch und auch stressig, wenn einem aus dem übervollen Schrank Packungen von Spaghetti entgegen fallen nur weil man eben sicherheitshalber - man könnte ja verhungern - schon ein paar mehr davon gekauft hatte.
Insgesamt finde ich es angenehmer, die Anzahl von verbrauchbaren Dingen wie Lebensmitteln, Putzmittel oder Körperpflege zu reduzieren als Kleidung oder Bücher auszusortieren. Denn da ich sie tatsächlich verbrauche und so ihrem Verwendungszweck zuführe, fällt es mir leicht, die Schränke im Laufe der Zeit zu leeren. Es macht mir sogar ein bisschen Spaß zu sehen, wie die Vorräte sich lichten. Dabei habe ich auch definitiv den Ehrgeiz, jede Packung bis auf den letzten Rest auszukratzen - denn alles andere wäre ja Verschwendung.
Das Ziel ist für mich, nur noch das zu haben, was ich gerne und regelmäßig verbrauche. Der Weg dahin hat noch ein wenig Strecke aber es gilt für mich, dabei nichts zu verschwenden. Wenn etwas mir so gar nicht zusagt, versuche ich es zu verschenken. Grundsätzlich gilt aber: Aufbrauchen heißt komplett verwenden und nicht einfach nur weg werfen.
Mittwoch, 7. Oktober 2015
Warum Shopping Horror ist
Es ist Glamour Shopping Week und die lockenden Rabatte reichen als Anstoß, sich mal wieder aufzuraffen, um shoppen zu gehen. Dass das Lieblingsshirt ausgeleiert aussieht und meine schwarze Hose nach Jahren des Tragens eher ausgewaschen-grünlich als schwarz wirkt, weiß ich schon lange, doch freiwillig gehe ich doch nicht shoppen. Denn ich hasse Shoppen - und zwar abgrundtief!
Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich es nicht mag, schöne neue Dinge zu haben und dieses Gefühl zu genießen, sich mit dem neuen Stück einmal im Jahr stylisch gekleidet zu fühlen. Da geht es mir wie wahrscheinlich fast jedem anderen, dass ich dieses Gefühl mag. Doch um an diesen Punkt zu kommen, muss man erst mal den grausamen Prozess des Einkaufens erfolgreich hinter sich bringen.
Jedes mal fühle ich mich neben top durchgestylten, modisch frisierten und gelegentlich überschminkten Verkäuferinnen wie der letzte Dorftrottel. Ich in meinem bequemen Shirt, das ich vor Jahren gekauft habe und so ganz ohne Accessories. Im Alltag stört mich das nicht im geringsten, doch im direkten Vergleich mit den modischen Verkäufern und vielen anderen Kunden fühle ich mich unwohl. Als würde ich so gar nicht an den Ort namens Shoppingcenter gehören. Resultat: ich möchte möglichst schnell wieder raus dort.
Mir ist es regelrecht peinlich, zwischen den Auslagen umher zu laufen ohne mich vorher ein bisschen hübsch gemacht zu haben. Das ist eigentlich unglaublich oberflächlich und albern - das ist mir sehr bewusst - doch dieses Unwohlsein wegen meines Aussehens lässt sich während des Einkaufs schwer verdrängen.
Als ob sich irgendwer darum kümmern würde, wie die Kunden aussehen. Wahrscheinlich ist ihnen das total egal, solange man bloß was kauft und freundlich ist, aber es wäre zu vernünftig, diese Einsicht in seinem Verhalten umzusetzen und sich zu entspannen.
Zu dem Fremdkörpergefühl in der Welt des Shoppings kommt so eine überwältigende Überforderung. Mode-Center, eine Etage voller Kleidung, Schuhe, Unterwäsche und weiß der Geier was. Und ich dachte vorher noch, so viel Auswahl zu haben, wäre gut.
Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll mit dem Suchen. Was suche ich überhaupt? Eine schwarze Hose - warum gibt es nur zerrissene, bestickte und mit Nieten zugepflasterte schwarze Hosen? Das kann doch nicht so schwer sein. Oh - welche Größe brauche ich hier eigentlich, wenn ich nicht einfach eine 42 und die Langgröße kaufen kann?
Die unglaublich freundliche Verkäuferin hilft, sucht neutral gestaltete schwarze Hosen. Keine passt. Alle zu kurz, einige zu eng, Stoff zu dünn und legginsartig. Ich weiß schon, warum ich sonst immer die gleichen Hosenmodelle in verschiedenen Farben kaufe.
Am Ende gehe ich wie immer mit der gleichen Art Einkauf nach Hause insofern ich etwas finde. Bequeme, unauffällige und bezahlbare Mode ist es, was ich kaufe. Und dann bin ich ein wenig frustriert, weil ich nicht einmal etwas ausgefalleneres für besondere Anlässe mitgenommen habe.
Ich mag es, Socken und Unterhosen zu kaufen. Die passen wenigstens immer und sind modisch eher unwichtig, was heißt, dass man wenig falsch machen kann. Sie müssen nur bequem sein.
Beim Shoppen muss ich daran denken, wie sehr ich Krankenhauskleidung liebe. Man muss sich absolut keine Gedanken machen, was man am nächsten Tag auf Arbeit trägt, denn das ist vorgeschrieben. Noch dazu sind Hose, Kasack und Kittel super weich und bequem mit vielen praktischen Taschen. Als würde man heimlich seine Wochenend-Wohlfühlkleidung auf Arbeit tragen, nur mit dem Unterschied, dass es tatsächlich offiziell vorgeschrieben ist. Traumhafte Zustände.
Manchmal wünsche ich mir auch, dass es so ein Outfit für den Alltag gäbe, so ein festgelegtes. Vielleicht nicht unbedingt in fleckenanfälligem Weiß. Man muss ja die Bevölkerung nicht dazu verpflichten, es zu tragen, doch es würde einige Dinge einfacher machen. Zum Beispiel den Fakt, dass ich von Mode keine Ahnung habe.
Eigentlich soll so ein Einkauf einem ein gutes Gefühl vermitteln, damit man brav mehr kauft, doch bei mir löst es nur ein Gefühl der Hilflosigkeit aus. Zu viel Angebot, keine Ahnung, was ich nun kaufen soll. Noch dazu dieser Eindruck, dass man auffällt, weil man sich so wenig gekonnt kleidet und deshalb vielleicht sogar nicht ernst genommen wird. Kleidungskauf ist bei mir mit negativen Empfindungen assoziiert, es zeigt mir die ganze Zeit, was ich nicht gut kann.
Wäre ich Protagonist eines Horrorfilms, würde man mich in ein gigantisches Einkaufscentrum locken, aus dem nicht heraus komme, in einer Endlosschleife Kleidung anprobieren müsste und von anderen verspottet werde.
Online Shopping hilft da ein wenig, doch am Ende bin ich auch von der Auswahl überwältigt und ahnungslos, welche Größe ich bestellen sollte, wenn ich das Stück denn nicht direkt anprobieren kann.
Am Ende des Einkaufs stand ich mit einer schwarzen Hose in dem Geschäft, wo ich immer meine Hosen kaufe, an der Kasse und mental kurz vorm Nervenzusammenbruch. Na ja, fast.
Und ich weiß auch, dass ich bald wieder vorm Kleiderschrank stehen werde und denke, dass ich nichts zum Anziehen habe. Doch immerhin bin ich raus aus dem Einkaufscenter und werde auch nicht so bald wieder freiwillig da rein gehen.
Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich es nicht mag, schöne neue Dinge zu haben und dieses Gefühl zu genießen, sich mit dem neuen Stück einmal im Jahr stylisch gekleidet zu fühlen. Da geht es mir wie wahrscheinlich fast jedem anderen, dass ich dieses Gefühl mag. Doch um an diesen Punkt zu kommen, muss man erst mal den grausamen Prozess des Einkaufens erfolgreich hinter sich bringen.
Jedes mal fühle ich mich neben top durchgestylten, modisch frisierten und gelegentlich überschminkten Verkäuferinnen wie der letzte Dorftrottel. Ich in meinem bequemen Shirt, das ich vor Jahren gekauft habe und so ganz ohne Accessories. Im Alltag stört mich das nicht im geringsten, doch im direkten Vergleich mit den modischen Verkäufern und vielen anderen Kunden fühle ich mich unwohl. Als würde ich so gar nicht an den Ort namens Shoppingcenter gehören. Resultat: ich möchte möglichst schnell wieder raus dort.
Mir ist es regelrecht peinlich, zwischen den Auslagen umher zu laufen ohne mich vorher ein bisschen hübsch gemacht zu haben. Das ist eigentlich unglaublich oberflächlich und albern - das ist mir sehr bewusst - doch dieses Unwohlsein wegen meines Aussehens lässt sich während des Einkaufs schwer verdrängen.
Als ob sich irgendwer darum kümmern würde, wie die Kunden aussehen. Wahrscheinlich ist ihnen das total egal, solange man bloß was kauft und freundlich ist, aber es wäre zu vernünftig, diese Einsicht in seinem Verhalten umzusetzen und sich zu entspannen.
Zu dem Fremdkörpergefühl in der Welt des Shoppings kommt so eine überwältigende Überforderung. Mode-Center, eine Etage voller Kleidung, Schuhe, Unterwäsche und weiß der Geier was. Und ich dachte vorher noch, so viel Auswahl zu haben, wäre gut.
Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll mit dem Suchen. Was suche ich überhaupt? Eine schwarze Hose - warum gibt es nur zerrissene, bestickte und mit Nieten zugepflasterte schwarze Hosen? Das kann doch nicht so schwer sein. Oh - welche Größe brauche ich hier eigentlich, wenn ich nicht einfach eine 42 und die Langgröße kaufen kann?
Die unglaublich freundliche Verkäuferin hilft, sucht neutral gestaltete schwarze Hosen. Keine passt. Alle zu kurz, einige zu eng, Stoff zu dünn und legginsartig. Ich weiß schon, warum ich sonst immer die gleichen Hosenmodelle in verschiedenen Farben kaufe.
Am Ende gehe ich wie immer mit der gleichen Art Einkauf nach Hause insofern ich etwas finde. Bequeme, unauffällige und bezahlbare Mode ist es, was ich kaufe. Und dann bin ich ein wenig frustriert, weil ich nicht einmal etwas ausgefalleneres für besondere Anlässe mitgenommen habe.
Ich mag es, Socken und Unterhosen zu kaufen. Die passen wenigstens immer und sind modisch eher unwichtig, was heißt, dass man wenig falsch machen kann. Sie müssen nur bequem sein.
Beim Shoppen muss ich daran denken, wie sehr ich Krankenhauskleidung liebe. Man muss sich absolut keine Gedanken machen, was man am nächsten Tag auf Arbeit trägt, denn das ist vorgeschrieben. Noch dazu sind Hose, Kasack und Kittel super weich und bequem mit vielen praktischen Taschen. Als würde man heimlich seine Wochenend-Wohlfühlkleidung auf Arbeit tragen, nur mit dem Unterschied, dass es tatsächlich offiziell vorgeschrieben ist. Traumhafte Zustände.
Manchmal wünsche ich mir auch, dass es so ein Outfit für den Alltag gäbe, so ein festgelegtes. Vielleicht nicht unbedingt in fleckenanfälligem Weiß. Man muss ja die Bevölkerung nicht dazu verpflichten, es zu tragen, doch es würde einige Dinge einfacher machen. Zum Beispiel den Fakt, dass ich von Mode keine Ahnung habe.
Eigentlich soll so ein Einkauf einem ein gutes Gefühl vermitteln, damit man brav mehr kauft, doch bei mir löst es nur ein Gefühl der Hilflosigkeit aus. Zu viel Angebot, keine Ahnung, was ich nun kaufen soll. Noch dazu dieser Eindruck, dass man auffällt, weil man sich so wenig gekonnt kleidet und deshalb vielleicht sogar nicht ernst genommen wird. Kleidungskauf ist bei mir mit negativen Empfindungen assoziiert, es zeigt mir die ganze Zeit, was ich nicht gut kann.
Wäre ich Protagonist eines Horrorfilms, würde man mich in ein gigantisches Einkaufscentrum locken, aus dem nicht heraus komme, in einer Endlosschleife Kleidung anprobieren müsste und von anderen verspottet werde.
Online Shopping hilft da ein wenig, doch am Ende bin ich auch von der Auswahl überwältigt und ahnungslos, welche Größe ich bestellen sollte, wenn ich das Stück denn nicht direkt anprobieren kann.
Am Ende des Einkaufs stand ich mit einer schwarzen Hose in dem Geschäft, wo ich immer meine Hosen kaufe, an der Kasse und mental kurz vorm Nervenzusammenbruch. Na ja, fast.
Und ich weiß auch, dass ich bald wieder vorm Kleiderschrank stehen werde und denke, dass ich nichts zum Anziehen habe. Doch immerhin bin ich raus aus dem Einkaufscenter und werde auch nicht so bald wieder freiwillig da rein gehen.
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