Mittwoch, 8. Juni 2016

Vom Bildschirm in den Alltag: wenn man plötzlich Prominente trifft

Es gibt so viele Momente im Leben, die man mental schon durchgespielt aber tatsächlich nie erlebt hat. Dazu zählt auch das Treffen von mehr oder weniger prominenten Menschen. Auch wenn ich schon oft aus Jux fiktive Dialoge mit ihnen geführt habe, wüsste ich nicht, was ich tun sollte, wenn J.K. Rowling, Hayley Williams oder Simon und Martina jetzt plötzlich im Supermarkt vor mir in der Warteschlange an der Kasse stehen würden.
Aber man rechnet ja ehrlich gesagt auch nicht wirklich damit, mal in so eine Situation zu kommen.

Letzten Sonntag war ich mal wieder auf dem Flohmarkt am Mauerpark und danach in einem veganen Café - was man in Berlin eben so macht als Student. Als ich auf meinen mit frischen Sprossen und Hummus gefüllten Wrap wartete, sah ich mich ein bisschen im Lokal um - und musste mich direkt einmal am Stuhl festhalten, weil ich einen meiner liebsten Youtuber fünf Meter von mir entfernt erblickte. Mein Blick verharrte - man könnte es auch als Starren bezeichnen - und wurde von einem eher genervten Blick erwidert. Upsi, erwischt!

Jetzt gab es nur zwei Varianten: entweder, ich gebe meiner Neugier nach, gehe rüber, sage hallo und versuche, all die verrückten Dialoge, die ich mental beim Sehen seiner Videos schon mit ihm geführt hatte, nicht zu sehr das Gespräch beeinflussen zu lassen oder ich bleibe weiter der creepy Fan und starre völlig entgeistert zum Nachbartisch. Hatte er nicht schon mehrfach in Videos gesagt, dass er Leute hasst, die ihn offensichtlich erkennen aber dann nur anstarren statt ihn einfach kurz zu grüßen?
Offen gesagt brachte ich in der Situation einfach nicht den Mut auf, ihn direkt anzusprechen aber weiter durch unhöfliche Blicke belästigen war auch keine Option für mich. Daher entschied ich mich, ganz fixiert auf mein Essen zu sein und bloß nicht den Blick zum Nachbartisch wandern zu lassen. Scheuklappentaktik. Momente, in denen es besonders frustrierend ist, introvertiert zu sein.

Während ich an meinem leckeren veganen super healthy Wrap knabberte, dachte ich fieberhaft darüber nach, ob ich nicht doch die Chance nutzen sollte, ihn anzusprechen.
Aber passierte ihm das nicht dauernd? Selbst Youtuber und prominentere Prominente sind Privatpersonen mit einem gewissen Recht, nicht immer nur ihre Mitmenschen zu unterhalten. Schließlich sind sie kein Gemälde in einer Galerie, das man jederzeit ungeniert von allen Seiten anstarren darf. Ich hätte auch keine Lust, dass alle fünf Meter jemand auf mich zu kommt und dringend Selfies mit mir machen möchte. Besonders schlimm wird es wahrscheinlich, wenn die Fans dann deren typische Gesten sehen und Sprüche von ihnen hören wollen, für die sie ja schließlich bekannt sind. Wie ein Tanzbär, der immer und immer wieder seinen beliebtesten Trick vorführen muss. Ich hatte Mitleid. Selbst die Berühmtheiten des Internets haben ab und an ein Privatleben.

Und so saß ich da, sprach ihn weder an noch machte ich heimlich Fotos (denn das ist noch eine Stufe merkwürdiger als nur auffällig unauffällig rüber zu starren) bis er nach Konsum eines hippen veganen Snacks ging.
So ein bisschen ärgerte ich mich schon, nicht gegrüßt zu haben, doch ich weiß genau, dass ich es niemals anders gemacht hätte. Zudem kannte ihn meine mich begleitende Freundin gar nicht (Offliner…*seufz*) und so wäre ich mir noch einmal verrückter vorgekommen, zum Nachbartisch zu laufen und ihn anzusprechen.

Was lernen wir daraus? Wenn man nicht weiß, wie man sich als insgeheimer Fan verhält, sollte man trendige vegane Restaurants in Berlin meiden.
Im Ernst: ich war einfach nicht darauf vorbereitet, es war zu spontan. Als ich vor einigen Wochen einen Yogakurs bei einer Yogalehrerin mit Youtubekanal gemacht habe, den ich auch schon lange verfolge und daher völlig inadäquat aufgeregt war, sie live zu treffen, ahnte ich vorher schon, dass ich einen ordentlichen Fangirl-Moment haben würde. Ich wusste aber auch, dass ich damit nicht allein sein würde. Mit diesem Wissen gewappnet, konnte ich mich brav in die Schlange für eine Audienz einreihen, mich überschwänglich für ihre Videos bedanken und mehr oder weniger tiefgründige Fragen stellen.
Zudem ist es auch alles anders, wenn man der einzige verrückte Fan im Raum ist.

Es muss auch sehr merkwürdig bis extrem unangenehm sein, von fremden Personen angesprochen zu werden, die viele Dinge über dich wissen aber man selbst gleichzeitig null Informationen über sie hat. Absolut gruselig. Damit muss man wohl rechnen, wenn man im Internet Dinge über sich postet und es durch Bilder von sich den Zuschauern und Lesern einfach macht, einen auch offline zu identifizieren.
Je bekannter die Person, desto unangenehmer wäre es auch für mich, sie anzusprechen. Das heißt, einen mittelmäßig bekannten Blogger würde ich grüßen wollen (zumindest denke ich das jetzt allein vor dem Schreibtisch sitzend), da er sich bestimmt auch darüber freuen würde aber einen international gefeierten Johnny Depp würde ich mich nicht zu grüßen trauen. Seine Bodyguards würden das wohl auch nicht zulassen. Plus er wäre eh schon von zwanzig anderen Fans umringt, bevor ich auch nur in seine Nähe käme.

Habt ihr schon mal Internetprominenz oder andere bekannte Menschen live gesehen und was mich noch viel mehr interessiert: wie seid ihr damit umgegangen?

Dienstag, 31. Mai 2016

Es kann nur einen geben: Gedanken über DEN besten Freund

Wisst ihr noch damals, als man jeden seiner Mitschüler darum gebeten hat, sich in seinem Freundschaftsalbum zu verewigen? Je mehr Sticker und Fotos, desto besser. Wer im Album stand, war ein Freund. Zumindest war das zu Grundschulzeiten meine naive Überzeugung.

Was damals auch wichtig war, ist die Antwort auf die Frage, wer eigentlich der beste Freund ist. Ehrlich gesagt, hatte ich zu Grundschulzeiten keine Person, die ich damals klar als meinen besten Freund bezeichnet hätte und auch jetzt fällt es mir schwer, diese Frage zu beantworten. Denn was ist schon ein "Bester" Freund und was muss jemand erfüllen, um diesen Posten besetzen zu können?

Gefühlt wird einem überall vermittelt, dass es wichtig und normal ist, einen besten Freund zu haben. Es gibt so viele entsprechende Duos in den Medien: von Bibi und Tina über Don Quijote und Sancho Panza hin zu Sherlock und Watson oder Frodo und Sam - jeder scheint einen besten Freund zu haben, der ihn zu einer sehr viel besseren und insgesamt stärkeren Person macht.

Punkt Nummer eins: Was ist überhaupt Freundschaft? Freundschaft bedeutet für mich Sympathie, Vertrauen und einen gewissen Grad Selbstlosigkeit. Gegenseitige Unterstützung, die nicht immer von beiden Seiten zu gleichen Maßen ausgeht aber dennoch nicht (dauerhaft) zu Unmut führt. Trotzdem sind zwischenmenschliche Zweckgemeinschaften nicht unbedingt wirkliche Freunde, auch wenn man diese Menschen mag und ihnen vertraut - es fehlt die Komponente der Selbstlosigkeit.

Zurück zur Frage, ab wann ein Freund zum besten Freund wird. Ist es die besonders lange Dauer der Freundschaft? Vielleicht ist auch die Qualität der Freundschaft der entscheidende Punkt? Sind es gemeinsame Erfahrungen, die einen zusammen schweißen und zu besten Freunden werden lassen?Oder kann man mit keiner gemeinsamen Erfahrung der Welt jemanden zu seinem besten Freund werden lassen, wenn man nicht von Anfang an seelenverwandt war?

Das waren meine spontanen ersten Gedanken zu dem, was einen sehr engen und eventuell besten Freund ausmacht. Am Ende ist es für mich eine Mischung all der genannten Faktoren.
Die Dauer einer Freundschaft sagt in meinen Augen gar nichts über deren Qualität aus. Eine gute Zweckgemeinschaft, die man sich selbst beschönigend als Freundschaft verkauft, kann auch Jahrzehnte halten, insofern sie nützlich ist.
Es gibt Menschen, da merkt man sofort, dass die Chemie stimmt, dass man auf einer Welle schwimmt und sich endlos unterhalten kann. Wie genau das funktioniert, kann ich nicht erklären. Das ist der gewisse Funke gemeinsamer Wahnsinn und Lebensfreude, der bei einigen Menschen da ist und bei anderen eben nicht. Wenn er da ist und beide das bemerken, kann man endlos von einer Aktivität in die nächste kommen ohne sich je zu langweilen. Dabei hilft es, gemeinsame Interessen und Ansichten zu haben, muss aber nicht immer so sein.
Das sind diese Menschen, mit denen man sich bis zum Sonnenuntergang unterhalten kann oder nach Monaten ohne ein Treffen nach Sekunden das Gefühl hat, nie getrennt gewesen zu sein. Mir fällt es sehr viel leichter, mich anderen gegenüber zu öffnen, wenn ich bemerke, dass es diese Art intuitive Verbindung gibt. Das bedeutet nicht, dass ich ihnen sofort all meine Geheimnisse anvertrauen würde aber es heißt, dass ich mich nicht unwohl in Gesellschaft anderer fühle und zurückhaltender verhalte als ich eigentlich bin.
Schon oft habe ich gesagt bekommen, dass ich auf andere langweilig oder sogar arrogant wirke, weil ich mich im Hintergrund halte und bei geselligen Runden eher passiv bin solange andere automatisch das Wort ergreifen. Das liegt daran, dass ich introvertiert und tendenziell Fremden gegenüber schüchtern bin. Zu merken, dass es da eine spontane Dynamik mit neuen Bekannten gibt, hilft sehr, diese eher aus Unsicherheit entstehende Distanziertheit zu überwinden.

Gleichzeitig gibt es auch Menschen, die man schon Jahre bis Jahrzehnte kennt und sich jedes Mal aktiv bemühen muss, die gemeinsame Zeit zu füllen. Wenn es keinen konkreten Plan für ein Unterhaltungsprogramm - sei es das zu streichende Zimmer oder ein zu besichtigendes Museum - gibt, kann dann auch schon mal in ein unangenehmes Schweigen resultieren. Die emotionale Bewertung des Schweigens ist in meinen Augen ein ganz klassisches Merkmal einer zwischenmenschlichen Beziehung. Es gibt Menschen, mit denen ist Schweigen nicht ansatzweise unangenehm und möglichst schnell zu überbrücken, sondern entspannt und friedlich. So sollte es mit einem besten Freund in meiner Vorstellung sein. Wenn man zusammen schweigen kann, ohne sich dabei unwohl zu fühlen, fühlt man sich in einem Raum nicht länger als Gast oder Gastgeber, der für das Wohlbefinden des anderen verantwortlich ist, sondern auf gleicher Ebene und zwar als Freunde.

Gemeinsame Erlebnisse und Zeit verstärken das Gefühl der Vertrautheit innerhalb einer Freundschaft meiner Erfahrung nach definitiv, aber gleichzeitig ist auch die Anzahl der gemeinsamen Ausflüge nicht der Maßstab der Güte einer Freundschaft.
Kurzum: man kann Freundschaft schwer erklären, man kann sie vor allem erleben. Dafür gibt es einfach keine Einheit, die verschiedene Freundschaften vergleichbar macht.

Nun aber noch einmal zurück zum Thema bester Freund.
Den Begriff selbst mag ich offen gesagt nicht einmal besonders. Wenn ich jemanden darüber sprechen höre, dass er sich noch mit seinem besten Freund trifft oder die beste Freundin gleich vorbei kommt, wirkt es auf mich immer wie eine subtile Botschaft, dass derjenige schon vergeben ist. Als könnte man nur einen besten Freund haben und der Rest der Menschheit kann sich jetzt gleich die Mühe sparen, etwas mit demjenigen zu unternehmen.

Aus diesem Grund spreche ich selbst von den Menschen, die ich für mich als meine besten Freunde betrachte, bewusst anderen gegenüber nicht mehr als beste Freunde. Es ist in gewisser Weise auch verletzend, anderen Freunden vor die Nase zu hauen, dass man jetzt seinen besten Freund anruft, der sie ja damit dann offiziell nicht sind.
Es ist ein so exklusiver Status, dass es schon wieder abschreckend sein kann.

Meine Antwort auf die Frage, ob man nur einen besten Freund haben kann, lautet definitiv nein. Es ist kein exquisiter Status sondern ein Zustand, ein besonderes Level einer Freundschaft zu einem Menschen, dem gegenüber man so sein kann, wie man ist und durch die Anwesenheit des anderen noch besser wird.
Man kann diesen Status vielleicht nur mit einigen wenigen Menschen erreichen aber mehr als einer kann es definitiv sein. Dass es den besten Freund gibt, ist meiner Meinung nach ein Mythos.

Donnerstag, 5. Mai 2016

Dinner for one

Ich esse gerne. Das ist kein Geheimnis. Ich esse auch gerne, wenn ich alleine bin und deshalb koche ich auch für mich allein. Oft höre ich von anderen Menschen, dass es sich nicht lohnen würde, für eine Person zu kochen und sie deshalb auf Fertiggerichte und Lieferdienste zurückgreifen. Das kann ich absolut nicht nachvollziehen und melde damit offiziell Redebedarf zu dem Thema an.

Der Mensch muss sich ernähren und die meisten von uns genießen diesen Part auch. Ernährung kann Pflichtprogramm sein oder richtig Spaß machen. Da man das aber jeden Tag tut, nimmt es auf Dauer viel Zeit in Anspruch, besonders, wenn man sich seine Mahlzeiten selbst zubereitet. Heutzutage ist es kein Problem, das zu umgehen, indem man auswärts isst, sich Pizza liefern lässt oder unterwegs den Fertigsalat aus der Kühltheke inhaliert. Allerdings ist das im Schnitt sehr viel teurer, als selbst zu kochen und man kann viel weniger frei entscheiden, was man gern essen würde, da man nur zwischen den existierenden Angeboten wählen kann statt nach eigenem Wunsch Zutaten zu kombinieren.

Selbst zu kochen bietet neben dem Vorteil, über den finalen Geschmack und Gargrad des Gerichts entscheiden zu können noch sehr viel mehr. Man weiß exakt, was man in das Essen getan hat, muss keine Kompromisse eingehen und Farbstoffe, Konservierungsstoffe oder sonstiges unnötiges Zeug in sich hinein mampfen, das die Lebensmittelindustrie für die Lebensmitteloptimierung als hilfreich erachtet. Sehr praktisch für Menschen mit Allergien und nicht omnivorer Ernährungsweise. Mir macht es übrigens sogar Spaß zu planen, was ich kochen werde und es dann schließlich umzusetzen. Verrückt, ich weiß.

Nun aber zum Faktor Zeit- und Energieaufwand.
Das ist einer der Hauptpunkte, weshalb Menschen behaupten, für eine Person zu kochen wäre absolut ineffizient. Wenn man sich allein jedes Mal Kartoffelgratin mit Hummer an Weißweinschaumsauce mit frittierten Salbeiblättern kredenzen würde, ist es natürlich ineffizient. Das wäre etwas, das ich wenn überhaupt nur für feierliche Anlässe beziehungsweise mindestens zwei Personen kochen würde. Man möchte ab einem gewissen Aufwand vielleicht nicht nur den eigenen Hunger stillen, sondern auch andere beeindrucken, indem man ihnen zeigt, dass sie einem den Aufwand wert sind.
So ein Gemüsecurry, Pastagerichte, Aufläufe, Suppen oder Ofengemüse sind relativ schnell (und damit meine ich Zeiträume bis zu einer halben Stunde aktiver Zubereitungszeit) gekocht, machen satt und lohnen sich auch wenn ich allein bin.

Denn ich bin mir selbst den Aufwand wert.

Warum sollte ich mir selbst eine leckere, gesunde und sättigende Mahlzeit vorenthalten, nur weil ich sie in diesem Moment nicht mit einer weiteren Person teilen kann?
Im Leben machen wir so viele Dinge nur für uns selbst: uns weiterbilden, Zeit mit Dingen verbringen, die uns ein gutes Gefühl geben und Spaß machen, Erlebnisse sammeln, uns selbst unterhalten, uns Auszeiten gönnen und uns um unseren Körper kümmern. Weshalb sollten wir, nachdem wir so viel Zeit, Geld und Arbeit in uns selbst gesteckt haben nun anfangen, regelmäßig Fertigpizza, Dosensuppen und Döner zu essen, um Zeit zu sparen? Damit spart man langfristig doch eher Zeit des Wohlbefindens und Lebenszeit.
Es mag alles ein wenig egozentrisch klingen, doch letztlich verbringt man den Rest seines Lebens garantiert mit sich selbst und sollte daher meiner Ansicht nach auch sich so gut wie möglich um sein geistiges und körperliches Wohlbefinden kümmern. Dazu zählt ausgewogene Ernährung und damit auch die Bereitschaft, fünfzehn Minuten zum Kochen zu opfern, um am Ende ein Gemüsecurry mit gerösteten Nüssen statt eines traurigen Salates aus dem Kühlregal essen zu können oder gar Mahlzeiten mit irgendwelchen ominösen Fitnessshakes zu ersetzen.

Dafür muss man nicht mal alles selbst anbauen, sondern kann natürlich auf Hilfsmittel und Tricks zurückgreifen. Tiefkühlgemüse erleichtert den Prozess des Kochens sehr. Wenn ich meine Tiefkühlerbsen einfach mit ins Essen werfen kann statt sie vorher blanchieren und pulen zu müssen spare ich schon Zeit ohne am Ende auf den Genuss und den Nährwert verzichten zu müssen.
Planung des Essens hilft auch dabei, durch organisierten Einkauf die nötigen Zutaten im Haus zu haben. Die ganze Woche lang notiere ich auf einer Liste das, was im Haushalt fehlt und was ich in der nächsten Woche zum Kochen kaufen möchte, damit ich beim Wocheneinkauf stressfrei alles gleich in einer Tour mitbringen kann.
Wenn ich für mich allein koche, bereite ich fast immer mehrere Portionen zu, sodass ich gleich mehrere Mahlzeiten mit einem mal zubereite und durch die jahrelange Übung bin ich so routiniert, dass die einzelnen Abläufe sehr viel schneller funktionieren als am Anfang.
Natürlich muss man nicht immer Kochen. Wenn es wirklich mal Zeitdruck gibt, dann reicht auch das Käsebrot mit einer Möhre dazu. Und dessen "Zubereitung" dauert garantiert nicht länger, als sich im FastFood Restaurant für Pommes und Burger anzustellen.

Was ich sagen will: für sich allein zu kochen ist kein großer Aufwand, wenn man dafür einfache Rezepte nutzt, um mehrere Mahlzeiten zuzubereiten. Allein dadurch, dass ich mich mit selbstgekochten Gerichten gesünder ernähre, ist es mir den Zeitaufwand wert. Denn was sollte ich auf Dauer stärker priorisieren als meine eigene Gesundheit?

Wie seht ihr das? Kocht ihr für euch allein?

Sonntag, 1. Mai 2016

Familienleben vs Nesthocker: Über das Ausziehen.

Es gibt so Sachen, über die spricht man nicht. Das Themenspektrum dieser Sachen ist breit und für jeden ein kleines bisschen anders. Für mich ist ein Teil des Themenspektrums, dass ich bis vor ein paar Wochen noch bei meinen Eltern gewohnt habe.

Und, schon jemand erschrocken vom Stuhl gefallen?

An sich erscheint es nicht weiter schlimm zu sein, doch um ehrlich zu sein war das schon länger ein Fakt, für den ich mich insgeheim geschämt habe. Vor allem gegenüber meinen Kommilitonen.
Ich habe das Gefühl, dass von mir als inzwischen 23 jähriger Studentin erwartet wird, selbstständig zu sein, bei den Eltern ausgezogen zu sein. Es gibt typische Wörter und Ausdrücke, die diesen negativen Aspekt des Zusammenlebens mit der Familie beschreiben: Nesthocker. Hotel Mama.

Je länger man über diese Begriffe nachdenkt, desto mehr assoziiert man ein Wohnen bei den Eltern nach dem Schulabschluss als Zeichen einer fehlenden Selbstständigkeit, als Ausdruck einer gescheiterten Existenz. Zumindest erging es mir so.
Der finale Entschluss zum Auszug fiel bei mir auch unter anderem deshalb.

Zu meiner Familie habe ich ein gutes Verhältnis, durch die Nähe zur Universität war das Pendeln gut möglich und sparte gleichzeitig die Mietkosten für die Studentenbude. Auch die Arbeitsteilung innerhalb der Familie ist eine großartige Sache. Der Haushalt funktioniert einfach effizienter, wenn man die täglichen Aufgaben auf mehrere Personen verteilen kann. Nicht umsonst ist es nicht lange her, dass Großfamilien unter einem Dach lebten, um alle Aufgaben von Ackerbau über Lebensmittelverarbeitung bis hin zu gegenseitiger Hilfeleistung untereinander aufzuteilen. Nun braucht man aber keinen Ackerbau mehr, da es Supermärkte gibt und statt zu Oma kommt der Nachwuchs in die Kita. Und schwupps, das war es dann mit den zusammen lebenden Großfamilien.

Während andere Studenten in der Prüfungszeit mit knurrendem Magen über den Büchern hingen, profitierte ich davon, dass Mutti den Wocheneinkauf machte und ich daher nicht vor dem leeren Kühlschrank stand. Auch wenn das Familienleben viele Vorteile bietet, hat es offen gesagt doch auch seine Nachteile. Selbstbestimmung darüber, was man wann essen möchte, ist nicht immer gegeben. Zwar habe ich das indem ich meist diejenige war, die für alle gekocht hat, ganz gut an meine eigenen Vorstellungen ausgewogener und schmackhafter Ernährung anpassen können, jedoch lässt sich dadurch nicht verhindern, dass Opa spontan mit fürsorglich geschmierten Mettbrötchen (weiße Brötchen, 1cm dicke Butterscheibe, rohes Hack) vorbei kam oder die Mehrheit beschloss, Grießbrei zu einer Hauptmahlzeit zu erklären (obwohl das eh nicht langfristig satt macht und süße Gerichte meiner Meinung nach per se nur als Dessert geeignet sind).
Auch der eigene allgemeine Tagesrhythmus muss in einer Hausgemeinschaft an den der anderen angepasst werden, was häufig sehr unpraktisch war.
Das größte Manko ist jedoch, beim Verabreden mit Freunden und viel mehr noch den Bekannten zugeben zu müssen, dass man noch bei der Familie wohnt. Man wird einfach schief angesehen. Und man muss vor jedem Besuch aus gegenseitiger Rücksicht seine Eltern darüber informieren, was nun auch nicht meine liebste Tätigkeit war. Es fühlte sich albern und einschränkend an - immerhin bin ich doch alt genug, selbst zu entscheiden, ob und wann ich ich mit jemandem verabrede!

Insgesamt war ich zufrieden mit dem Leben gemeinsam mit der Familie auch wenn es so gewisse Nachteile hat. Es war aber nie wirklich schlimm, sodass ich nie an dem Punkt war, dass ich die Tage zählte, bis ich endlich nicht mehr bei ihnen wohnen müsste.
Trotzdem habe ich mich für einen Auszug entschieden. Einen großen Teil der Entscheidung hat der soziale Druck ausgemacht, dieses Unwohlsein beim Gedanken, in die Verlegenheit zu kommen, jemanden zu sich einladen zu wollen - selbst wenn das Zimmer hübsch, die Familie liebenswert und das Haus im Grünen war. Genauso war aber auch eine gewisse Neugier auf das Leben in einer eigenen Wohnung da, auf die neuen Möglichkeiten, freier zu entscheiden.

Inzwischen lebe ich nun schon seit über einem Monat in meiner WG und bin sehr glücklich, hier angekommen zu sein. Die Fahrtwege zur Uni haben sich extrem verkürzt, spontane Besuche bei Freunden sind einfach möglich und statt Mettbrötchen kochen wir zusammen, was das Gemüseangebot so hergibt. Es ist eine neue Herausforderung, sich an das Leben mit einer Mitbewohnerin heran zu tasten, Grenzen abzustecken, Aufgaben zu verteilen. Man unternimmt spontan großartige Dinge vom gemeinsamen Kochen über Joggingausflüge in den Park oder Yoga am Abend. Allein dafür hätte der Auszug sich schon gelohnt.
Die für mich wahrscheinlich einschneidendste Veränderung? Der Weg zur Uni, meinen Sportkursen und Freunden hat sich extrem verkürzt. Dazu ist es sehr erleichternd, sich gegenüber Mitstudenten nicht mehr für den eigenen Wohnort zu schämen beziehungsweise den Fakt, dass man nicht wie gefühlt alle anderen allein wohnt.

Was ich bisher am meisten vermisse, sind definitiv der tolle Garten, die Tageszeitung und meine Familie selbst. Und die Möglichkeit, jede Woche ein neues Kuchenrezept von einem der ganzen tollen Kochblogs auszuprobieren. Zu zweit kann man einfach nicht so viel Kuchen verdrücken wie vier Personen. Nun ja, zumindest nicht ohne auf Dauer an Gewicht zuzulegen.
Am Wochenende bei der Familie vorbei zu schauen, ihnen einen Kuchen zu backen, den Garten zu bepflanzen, den Kater zu kraulen und sich über die Woche auszutauschen funktioniert gut als Ausgleich für die Dinge, die ich momentan vermisse.
Opa ist jedes Mal erleichtert zu sehen, dass ich wieder ein paar Wochen mehr allein überlebt habe. In seiner Weltanschauung zieht man nämlich vor seiner Hochzeit und der damit zusammenhängenden eigenen Familiengründung nicht einfach aus. Deshalb war seine erste Frage zum Auszug auch, ob ich jetzt mit jemandem durchbrenne oder meine Eltern mich raus geschmissen hätten.

Insgesamt bin ich sehr glücklich mit der Situation. Trotzdem ärgere ich mich noch immer, dass einem das Gefühl vermittelt wird, dass es schrecklich abnormal wäre, mit seiner Familie zusammen zu wohnen. Wenn man sich untereinander versteht, sehe ich da kein Problem. Andere vielleicht auch nicht - erst letzte Woche habe ich von zwei Kommilitonen gehört, wie sie sich über die Vorteile, mit ihrer Familie zusammen zu wohnen unterhalten haben.  Im ersten Moment war ich völlig überrascht, dass ich scheinbar nicht der letzte Mensch war, der noch nicht ausgezogen war. Dann wurde mir auch klar weshalb: alle anderen scheinen sich genauso sehr dafür zu schämen wie ich und das Thema tot zu schweigen.

Wie denkt ihr darüber?

Samstag, 16. April 2016

Britain, Britain, Britain! Ein Reisebericht



Seit meinem letzten Post über das Reisen mit Handgepäck wisst ihr zwar, was ich eingepackt habe, doch was ich während meiner Reise nach Großbritannien erlebt habe, möchte ich euch jetzt berichten. Nebenbei ist das auch die perfekte Gelegenheit, euch die in meinen Augen besten Tipps für tolle Orte und Attraktionen in den jeweiligen Städten zu geben.

Bath
In London gelandet ging es am nächsten Tag direkt weiter nach Bath. Hach ja, Bath! Ein Traum von einer Stadt: wunderschön aufeinander abgestimmte Architektur aus dem goldgelben Sandstein, der in der Umgebung der Stadt abgebaut wird, immer wieder grüne Parks oder prächtige Plätze umgeben von wohlkonstruierten fast kitschigen Bauten, dazwischen schlängelt sich der Fluss Avon und rings um die Stadt sind prächtige Villen in die sanften grünen Hügel gebettet.
Kein Wunder, dass die Stadt zum Weltkulturerbe ernannt wurde!

Einfach die Stadt genießen
Bath selbst ist ein Kunstwerk. Nehmt euch Zeit, die wunderschönen Plätze zu entdecken, die Straßen lang zu schlendern und das zu schätzen, was die Architekten John Wood und Sohn, Robert Adam und viele weitere gezaubert haben.





Die berühmte Pulteney Bridge über dem River Avon

An Säulen haben sie in Bath nicht gespart

Such das Grün!
Die römischen Bäder
Bath heißt nicht grundlos so: in diesem Ort gibt es die einzigen natürlichen heißen Quellen Großbritanniens, was die Römer vor fast zweitausend Jahren zum Anlass nahmen, eine großzügige Bade- und Tempelanlage hier anzulegen. Diese wurden wundervoll rekonstruiert. Davon abgesehen, dass dieser ganze antike Gebäudekomplex mit Bädern, Saunen und Statuen sehr beeindruckend und ästhetisch ist, fand ich es absolut verrückt, dass die römischen Bäder direkt neben der Abbey liegen. Da haben sie ja Glück gehabt, die Abbey nicht auf die damals noch verschütteten Bäder gebaut zu haben!

Einfach wow 
Immer noch wow
Das Wasser aus den heißen Quellen von Bath gilt übrigens als Heilwasser und kann direkt vor Ort kostenlos getrunken werden. Es war…nun ja…ein Erlebnis. Für alle, die den Geschmack von ausgekochten Eisennägeln mögen, sehr zu empfehlen!

Hier zapft man das Heilwasser
Das Ticket kostet 15 Pfund für Erwachsene beziehungsweise 21 Pfund als Sparticket kombiniert mit dem Eintritt für das Fashion Museum und die Victoria Art Gallery. Studenten sparen noch ein paar Pfund.
Das Kombiticket lohnt sich nicht nur finanziell, da das Fashion Museum eine großartige Sammlung von Kleidung aus dem Zeitraum des 17. Jahrhunderts bis heute zeigt und damit grandios veranschaulicht, wie sich die Mode entwickelt. Nur die für die heutige Zeit stellvertretenden Modelle waren ein bisschen seltsam ausgewählt. Oder wickelt ihr euch täglich in Plastiktüten ohne dass ich etwas davon weiß?
Diese Verwirrung über die heutige Mode wird aber komplett dadurch ausgeglichen, dass man die Möglichkeit bekommt, Replikationen damenhafter Kleider aus vergangenen Jahrhunderten anzuprobieren. Ein Besuch lohnt sich.

Prior Park Landscape Gardens
Etwas außerhalb der Stadt Bath liegt ein Park, der konzipiert wurde, um von dort aus, die prächtige Stadt Bath zu bewundert. Der Plan ist absolut aufgegangen!

Weitläufige grüne Wiesen, Hügel, kleine Bäche, ein wohlduftendes Meer aus Bärlauch und eine atemberaubende Aussicht empfingen uns im Park. Besonders stolz ist man auf die palladinische Brücke, eine der letzten vier, die weltweit noch erhalten sind. Zauberhaft schön!




Einziger Negativpunkt: der Spaß kostet Eintritt. Ansonsten: Besucht den Prior Park Landscape Garden! 

Wool
Für meine strickbegeisterten Leser kann ich noch eine Empfehlung der besonderen Art geben. In Bath haben wir einen wunderbaren Wollladen entdeckt. Wobei ich ja zugeben muss, dass die Suche sehr dadurch erleichtert wurde, dass das Geschäft schon Wool also Wolle heißt.
Das Angebot bietet Garne größerer Firmen bis hin zu Produkten von unabhängigen Färbern und britischer Wolle. Es macht wirklich Spaß, sich durch das Angebot zu wühlen und davon zu träumen, alles zu verstricken und sich dann für ein wolliges Souvenir zu entscheiden.

Das ist übrigens mein unglaublich weiches Mitbringsel aus britischer Wolle geworden:

<3


Lacock
Ganz in der Nähe des zauberhaften Baths liegt ein weniger ländlich das Örtchen Lacock. Erste Lektion: es ist nicht einfach, das ganze korrekt auszusprechen, das Üben ist aber unterhaltsam.
Im Jahre 1232 wurde in Lacock ein katholisches Kloster gegründet, das als eines der wenigen Klöster die Unterdrückung des katholischen Glaubens auf der Insel überstanden hat.
Lacock Abbey war unter anderem Wohnort von William Henry Fox Talbot, der von seinen Zeichenkünsten so frustriert war, dass er einen großen Beitrag zur Entwicklung der Fotografie betrug beziehungsweise parallel mit anderen seiner Zeitgenossen erfand. Heute ist das Kloster im Besitz des National Trust und die meiste Zeit eine Sehenswürdigkeit, gelegentlich aber auch ein Drehort. Bekanntestes Beispiel sind die Harry Potter Filme, für die einige Szenen in der Lacock Abbey aufgenommen wurden.

Lacock Abbey

Um das Kloster mit seinen schönen Gartenanlagen hat sich ein niedliches Dorf entwickelt. Bemerkenswert ist, dass es dort eine Bäckerei gibt. Nicht, dass man dort richtiges Vollkornbrot bekäme, aber im Gegensatz zu Großstädten, in denen einfach jeder die Backwaren im Supermarkt erwirbt, ist es immerhin noch eine wirkliche Bäckerei. Es gibt gemütliche Sitzplätze im Inneren, man kann seinen leckeren Kuchen aber auch wie wir auf der kleinen Bank vor dem Geschäft verzehren.


Übrigens findet man das Haus, in dem Lily und James Potter in den Verfilmungen wohnen, auch in Lacock.

Lacock bietet rustikale Szenerie



Portsmouth
Die nächste Station war Portsmouth.
Noch geblendet vom glorreichen Stadtbildes Baths kann ich dem Stadtbild von Portsmouth ehrlich gesagt nicht so viele bewundernde Worte schenken, doch eine Sache hat Portsmouth Bath voraus: die Lage am Meer!

Historic Dockyard
Die wahrscheinlich größte Attraktion ist der historische Hafen. Hier liegen neben der HMS Warrior auch die berühmte HMS Victory, das Schiff, auf dem Lord Nelson die Schlacht von Trafalgar gewann und auch am selben Tag dort starb.
Mit dem (online sehr viel günstigeren!) Ticket erhält man Eintritt zu zahlreichen Museen zum Thema Schiffsbau, Marinekunst, Royaler Marine und mehr, einer Hafenrundfahrt, kann die HMS Victory und HMS Warrior besichtigen, sich das Submarine Museum anschauen und das auf Land liegende U Boot von innen erleben. Ach ja, ein Explosionsmuseum zum Thema Waffenherstellung gibt es auch nocht. Nach Kauf sind die Tickets ein Jahr lang gültig, was angesichts der schier unendlichen Menge an Attraktionen auch sinnvoll ist.
Ab Sommer diesen Jahres wird auch das Anfang des 16. Jahrhunderts gesunkene Tudor Schiff Mary Rose zu besichtigen sein.
Der nicht historische Hafen ist übrigens noch in Betrieb und auch ein Marinestützpunkt. Wer also moderne Kriegsschiffe sehen möchte, wird hier fündig. Ich hätte viel lieber Charles Darwin auf seinem Schiff gesehen, wie er auf der HMS Beagle zu seinen berühmten Reisen aufbrach. Leider war ich dafür etwas spät dran.

Hübsche Schiffe

mittelmäßig hübscher Hafen

Seaside
Entland des Kiesstrandes führt eine Promenade, die einen vom historischen Hafen aus zum Southsea Castle führt. Das ist eine Festung, von dem Henry VIII 1545 sein Lieblingsschiff die Mary Rose sinken sah. Good times!
Die Festung selbst war nicht besonders aufregend, was aber auch daran liegen könnte, dass wir Pech hatten und alles geschlossen war. Ansonsten heißt es nämlich: freier Eintritt!


Entlang der Küste zum Southsea Castle
Charles Dickens Birthplace 
Mögt ihr die Bücher von Charles Dickens oder wollt ihr einfach viktorianische Inneneinrichtung bestaunen? Dann ist das Charles Dickens Birthplace Haus für euch!
Dort kann man nicht nur die Chaiselounge sehen, auf der er verstorben ist, sondern auch seine Werke sehr günstig erwerben.

Portsmouth Museum
Das städtische Museum ist eine bunte Mischung von Exponaten aus der Stadtgeschichte und Sonderausstellungen. Besonders interessant fand ich dabei die Sherlock Holmes Ausstellung. Vielleicht fragt ihr euch jetzt, wie diese Stadt zu einer Ausstellung über den bekannten Detektiv kommt. Ganz einfach: der Autor hat selbst in Portsmouth gelebt und gearbeitet!
Die Entscheidung zum Besuch des Museums erleichtert der Fakt, dass der Eintritt kostenlos ist, extrem.

London
Während einer Reise durch England lässt es sich kaum vermeiden, auch nach London zu kommen. Daher möchte ich auch meine Highlights der Hauptstadt mit euch teilen.

Hyde Park
Ich kann nicht behaupten, dass es ein Geheimtipp wäre, sich in den Hyde Park zu setzen. Trotzdem ist es eine wunderbare Oase, in der man sich vom Trubel, dem Gedränge und Gestank der großen Stadt ein bisschen erholen kann. Als ich aus dem Stress der U-Bahn in diesen grünen, sonnendurchfluteten Park voller Narzissen kam, war es einfach magisch. So im ganzen fand ich London nämlich eher anstrengend als wunderschön - es ist und bleibt einfach eine Großstadt!


Victoria and Albert Museum
Staatliches Museum, große Kunstausstellung, freier Eintritt. Damit lassen sich meine Gedanken über dieses großartige Museum vor meinem Besuch dort summieren.
Es war ein Museumserlebnis vom Feinsten, mehr Museum geht kaum. Schon direkt hinter dem Eingang steht man inmitten von Skulpturen von Auguste Rodin, die man nur von Bildern kennt. Man kann sich völlig in dem gigantischen Museum verlieren: Skulpturen, mittelalterliche Altäre, Gemälde von Cranach bis Raphael ist alles dabei, Kunstausstellungen aus diversen asiatischen Ländern, Textil- und Modeausstellung, eine Ausstellung zum Wandel von Schmuckstücken im Lauf der Jahrtausende, eine Ausstellung von Theaterrequisiten ... einfach nur atemberaubend.
Ich muss die ganze Zeit da gestanden und völlig ungläubig auf den Kunstschatz direkt vor meiner Nase gestarrt haben. Als mir klar wurde, dass sie wirklich eine Nachbildung der Trajanssäule in Originalgröße (zweigeteilt, damit die knapp 30m Säule in die hohen Säle passt) haben, musste ich mich erst mal am Geländer festhalten. VERRÜCKT! Auch von Michelangelos David hatten sie eine Replikation. Königin Victoria wollte ihren Künstlern damals die Möglichkeit geben, ohne je Rom bereist zu haben, klassische Kunstwerke originalgetreu darzustellen.
Ein Besuch in dem 1852 von Königin Victoria und Albert gegründeten Museum lohnt sich für jeden mit einem Funken Begeisterung sehr! Ich bin noch immer ganz beeindruckt, wie nah man durch den etwas ungewöhnlichen Aufbau den Exponaten kommt.




Camden Lock Market
Das beste kommt zum Schluss und damit meine ich in diesem Fall eine Auswahl von unglaublich leckerem Essen. Auf dem Camden Lock Market gibt es neben einer bunten Mischung von Essen aus aller Welt auch Kunst, handgefertigte Dinge und Souvenirs. Aber ehrlich gesagt, mochte ich die Stände mit dem Essen am liebsten. Von indischen Currys über Fish and Chips bis hin zu Poffertjes und Sushi gibt es da alles, was das Herz begehrt. Nicht unbedingt zum Schnäppchenpreis, doch wenn man sich alles teilt, wird es alles ein wenig günstiger und man selbst nur halb so dick.

Poffertjes, Millionaires Shortbread, Pastel de Nata, Falafel ... nomnomnomnomn!
Ich hoffe, ihr hattet gerade in Gedanken eine gute Kurzreise nach Großbritannien und vielleicht fühlt ihr euch inspiriert, ein paar der beschriebenen Orte tatsächlich irgendwann auch einmal selbst zu besuchen. Denn auch wenn Großbritannien sich nicht immer von seiner instagramtauglichen Seite zeigt und dreckig oder schrullig ist, muss man das Königreich auf der Insel einfach lieben!




Donnerstag, 7. April 2016

Warum das Reisen mit Handgepäck ideal ist

Momentan muss ich im Straßenverkehr ganz besonders aufpassen, denn ich bin frisch zurück von meiner Reise nach Großbritannien. Ihr wisst schon, diese europäische Insel, auf der alle auf der falschen Seite fahren.

Während meiner zehntägigen Reise bin ich nur mit Handgepäck unterwegs gewesen. Meine liebste Reisebegleitung Karo fragte mich auch ganz verwundert, wie ich denn da bitte alles nötige für die Reise rein bekäme. Genau ein Jahr zuvor hatten wir schließlich für unseren fünftägigen Urlaub in Budapest zusätzlich zum Handgepäck einen Koffer dazu gebucht, um alles, was wir "brauchen" mitnehmen zu können.

Ich habe dieses Mal einfach sehr viel bewusster gepackt. Nur das wesentliche mitnehmen und den unnötigen Kram zu Hause lassen. Dadurch findet man unterwegs im nicht vollgestopften Rucksack auch alles problemlos und muss weniger umher schleppen.
Dazu kommt, dass der Begriff Handgepäck ein bisschen irreführend ist. Darunter habe ich mir immer vorgestellt, dass man eine kleine Handtasche mit den Ausweisen, Portemonnaie, drei Bonbons und einem Buch mit an Bord nehmen kann. Dann habe ich beim Buchen des Fluges noch einmal genau nachgelesen. Und siehe da: laut Ryanair, mit denen ich geflogen bin, sind pro Passagier

"ein Handgepäckstück mit einem Gewicht von bis zu 10 kg sowie maximalen Abmessungen von 55 x 40 x 20 cm plus eine kleine Tasche mit maximalen Abmessungen von 35 x 20 x 20 cm zulässig". 

Moment mal, das sind ja schon zwei Gepäckstücke! Und dazu kommt, dass diese Maße größer sind, als ich gedacht hätte.



Das waren meine zwei Handgepäckstücke: mein großer 28 l Rucksack plus eine kleine Umhängetasche für Portemonnaie, Ausweise, Handy, Flug- und Bustickets, Kopfhörer, Notizbuch, Stift und Kindle - sprich das, was ich immer direkt griffbereit haben wollte. Am Urlaubsort reicht die Umhängetasche dann auch für die Tagesausflüge und der Rucksack kann in der Unterkunft bleiben.

Und wie packe ich nun, dass dieser Stauraum reicht, um mich für zehn Tage zu versorgen?
Einen kleinen Einblick dazu habt ihr ja schon während meines Packens am Picture My Day Day 
bekommen.
Das große Geheimnis für kälteres Klima ist das Schichten. Drei Tops zum Drunterziehen, vier langärmlige Shirts, ein 3/4 Arm Shirt, eine Fleecejacke und ein Tuch. Schlafanzug, zehn Paar Socken und genauso viele Unterhosen sowie ein Paar wärmere Stricksocken, Handschuhe, Badelatschen und das war es dann auch an Kleidung.
Die Jeans für die Reise sowie die Fleecejacke habe ich bereits zum Flug getragen. Dann fehlt nur noch die Waschtasche, ein großes und ein kleines Handtuch. Plus der für Großbritannien essentielle Regenschirm in der Seitentasche.

Waschtasche. Das vor allem für uns Frauen ist das ein Teil des Gepäcks, der leicht in seinem Umgang ausarten kann.
Ich habe mich auf eine kleine Abfüllung meiner Gesichtscreme, ein flüssiges Rouge, ein Concealer, eine kleine Mascara, ein Kajalstift, ein Lippenstift, Puder und Wimpernzange (braune Waschtasche) beschränkt. Dazu kamen dann Deo, Lippenpflegestift, Hand- und während des Urlaubs auch Körpercreme und Zahnbürste außerhalb der Tasche.
In die helle Tasche wanderten ein Puderpinsel, Menstruationstasse, Handwaschpaste für die Kleidung, ein Vorhängeschloss, Taschenspiegel, Haargummi, kleine Haarbürste. Zahnpasta, Duschgel und Shampoo teilten wir uns während der Reise.
Das ist generell empfehlenswert für den Fall, dass ihr nicht allein reist: soweit es geht, Gegenstände gemeinsam nutzen. Denn warum sollte man zwei Tuben Zahnpasta tragen, wenn eine völlig ausreicht?
Für ein wärmeres Ziel würde ich die Tasche noch um Sonnencreme und eventuell Insektenspray ergänzen. Mir ist klar, dass die dekorative Kosmetik nicht notwendig ist und auch zu Hause bleiben könnte, doch das ist ein kleiner Luxus, den ich mir auch im Urlaub gönne.


Falls ihr euch jetzt wundert, was der Fuchs auf dem Bild macht: das ist ein ungeheuer praktischer Zahnbürstenschutz. Großartig für die Reise und perfekt, um die Mitreisenden in Aufregung zu versetzten, weil ein Fuchs aus dem Rucksack schaut. Danke dafür, Connü!

In der Zeit der Reise habe ich es extrem genossen, nur mit Handgepäck unterwegs zu sein.
Damit habe ich nicht nur beim Flug Geld gespart, da ich kein großes Gepäckstück dazu buchen musste, sondern auch ohne Kofferabgabe schneller einchecken können. Genauso gut geht es nach der Landung weiter: kein Warten auf den Beginn der Gepäckausgabe, kein Bangen, dass das Gepäck verloren gegangen sein könnte oder beschädigt wird. Man hat immer alles in Reichweite dabei.

Wartest du noch auf dein Gepäck oder reist du schon?
Es war ein gutes Gefühl, so gepackt zu haben, dass man wirklich alles unterwegs tatsächlich brauchte, was man gepackt hat. Nun ja, ehrlich gesagt habe ich die Menstruationstasse und die eingepackte Gesichtsmaske für einen lustigen Mädelsabend unterwegs nicht verwendet. Davon abgesehen kam aber alles während der zehn Tage zum Einsatz und mit dieser Quote bin ich mehr als zufrieden.

Ein Vorteil des kleinen Gepäcks ist auch, dass man weniger versucht ist, große Souvenirs zu kaufen, die eventuell Sachen sein könnten, die man eigentlich nicht braucht. Allein schon, weil man sie eh nicht transportieren könnte. Hier eine Übersicht meiner Mitbringsel.


Eine Dosis meines geliebten  Lady Grey Tees für mich, der im Angebot war und bei uns nicht leicht erhältlich ist und wenn dann nur sehr teuer. Eine Packung Dairy Milk Buttons für meine Schwester, die inspiriert von Youtubern schon lange diese Schokolade probieren möchte. Was natürlich nie fehlen darf: Wolle! 
Diese ist wahrhaftig das perfekte Souvenir, da sie leicht und komprimierbar ist. Aus meinem Knäul plane ich mir ein paar warme Socken zu stricken, die mich immer an diesen tollen Urlaub erinnern werden. Das zweite Knäul gehört Karo und wurde nur von mir transportiert.
Auf dem Bild fehlt noch ein Bild von Minzschokoladentalern, die ich bereits meiner Mutti geschenkt habe. 
Insgesamt bin ich unglaublich zufrieden mit meinen Souvenirs: es ist nichts dabei, was mir sinnlos die Wohnung vollmüllt und ich freue mich schon sehr darauf, meine britischen Socken zu stricken.

Und nun noch einmal ganz kurz zu meinen Must-Haves (was für ein bescheuertes Wort!) für den Rucksacktouristen:

1. Ein gutes Schloss. Sichert in Hostels im Mehrbettzimmer die wertvollen Dinge vor eventuellen Langfingern.

2.  E-Reader. Ein kleines leichtes Gerät eingepackt hat man dutzende Bücher dabei. Und weil Moby Dick schrecklich langatmig war, konnte ich Dank Kindle einfach so zu Sherlock Holmes und Frankenstein wechseln ohne mehrere Bücher mitschleppen zu müssen.

3. Handwaschmittel. Weniger packen, mehr waschen. Meine schlammigen Hosenbeine wurden gewaschen und geföhnt, wodurch keine zusätzliche Jeans nötig war. Für noch längere Reisen mit Handgepäck kann ich mir gut vorstellen, nicht mehr Unterwäsche und Socken mitzunehmen, sondern einfach zu waschen.

4. Menstruationstasse. Das Teil ist schlicht und einfach genial. Ein Gegenstand statt ganze Bündel von Binden und Tampons. Was für eine großartige Erfindung!

5. Akku Pack. Man weiß ja nie, wann der Strom des Smartphones ausgeht und wo der Nachschub her kommt. Damit kann man Offline Karten immer benutzen oder online die lokalen Museen recherchieren.

6. Wasserflasche. Eine leere Wasserflasche kommt problemlos durch die Sicherheitskontrollen und kann dann unterwegs immer mit Leitungswasser aufgefüllt werden. Spart unglaublich viel Geld und vermeidet akute Durstanfälle. Nicht mit auf dem Bild wegen spontaner Demenz.


Mein Fazit ist, dass ich restlos begeistert bin vom Reisen über mittlere Zeiträume nur mit Handgepäck. Dank kleiner Packungen unter 100ml kommen auch die flüssigen Kosmetika durch die Sicherheitskontrolle. Ich hätte es nie für möglich gehalten, mit nur knapp sechs Kilo Gepäck im Rucksack problemlos zehn Tage lang unterwegs zu sein, doch es gab wirklich nie einen Moment, in dem ich irgendetwas vermisst habe.

In Zukunft werde ich es mir gut überlegen, ob ich auf Reisen mehr als nur meinen Rucksack brauche. Denn selbst wenn man nicht mit dem Flugzeug unterwegs ist, muss man nicht mehr packen als nötig. Schließlich möchte ich nicht mein schweres Gepäck durch die Welt tragen, sondern etwas erleben.