Ernährung ist manchmal ein ganz heikles Thema. Nur keinem auf die Füße treten. Deshalb bringe ich schon immer vegetarische oder vegane Speisen mit, wenn ich beipielsweise für Gruppen von Menschen koche. Aber nicht allen Omnivoren geht es so wie mir. Da gibt es nämlich noch die Tofuphobiker.
Ihr wisst schon: die "Ich brauche mein Fleisch!"-Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass eine Mahlzeit ohne Fleisch als richtige Mahlzeit zählen könnte.
Mit einer Gruppe von Menschen war ich in einem vegetarischen Restaurant brunchen. Es gab geniale Speisekreationen, die toll gewürzt waren. Aber eben fleischlos.
Linsensalat mit Senfdressing, der einem Eiersalat etwas ähnelte und super würzig war. Büffelmozarella und marinierte Paprikastreifen auf Brot, Nudeln an Kürbis-Walnuss Sauce mit lecker angemachtem Salat. Alles kein richtiges Essen, nichts, wovon man satt werden könnte. Und dann auch noch Räuchertofu, den man sich aufs Brot legen sollte? Barbarisch! Wo ist denn hier die Wurst?!
Ich kann verstehen, dass Tofu pur nicht das aufregendste Geschmackserlebnis ist. Wenn man keine Ahnung hat, wie man den schmackhaft zubereitet, ist der einfach fad. Ist er aber schon mundfertig zubereitet und das in wirklich leckerer Weise und wird aber aus Prinzip verschmäht, weil es eben Tofu ist, regt mich das einfach nur auf. Es ist so ignorant!
So auf einem unbekannte Speisen zu reagieren ist völlig übertrieben. Vielleicht ein Zeichen der Angst vor neuen Dingen? Ist es dann eine Angst, die sich bei diesen Menschen nicht nur auf Essen sondern auch alle anderen Bereiche des Lebens anwenden lässt?
Und was ist das überhaupt für ein Leben, in dem man ja nichts tut, was man nicht kennt und nur nichts in seinen Mund steckt, was die eigenen Großeltern nicht schon gegessen haben? Viel erleben wird man in einem solchen Dasein nicht. Tradition kann etwas unheimlich schönes sein. Sich kategorisch vor allem Unbekannten zu verschließen ist jedoch einfach nur dumm. Und dumme Menschen können furchtbare Zeitgenossen sein, weil sie an allem rum mäkeln, was sie nicht begreifen können oder sogar nicht einmal begreifen wollen.
Es heißt, Liebe ginge durch den Magen und das glaube ich gern. Ich denke, am Essen, das jemand kocht, wird sichtbar, was für ein Mensch derjenige ist. Gewohnheitstier oder kreativer Kopf, traditioneller Geist oder innovativ.
Die super faden Nudelsalate in meinem Leben aus Nudeln, Dosenerbsen, Fleischwurst und einem Glas Mayo als einzigen Zutaten kamen auch nicht unbedingt von den glücklichsten Menschen und das konnte man aus diesen traurigen Salaten auch heraus schmecken. Du bist wie du kochst… und wie du isst.
Deshalb bin ich spontan auch wenig begeistert, wenn erwachsene Menschen bestimmtes Essen ohne es probiert zu haben direkt ablehnen ohne ihm je eine Chance gegeben zu haben, weil es nicht ihren Vorstellungen entspricht. Damit tun sie weder sich noch dem Koch oder den übrigen Anwesenden einen Gefallen. Mit knurrendem aber zum Glück tofufreiem Magen steigt die Laune nicht, der Koch fragt sich, was er falsch gemacht hat und der Rest der Runde, der die von anderen verschmähte Kost zu schätzen weiß, fühlt sich unwohl, beim Essen beobachtet zu werden bis hin zu schuldig, dass einem das jetzt auch noch schmeckt während andere da sitzen und angewidert drein schauen.
Engstirnigkeit beim Essen bedeutet nicht, dass jemand mit Haselnussallergie nun wirklich definitiv keinen Nougat probieren will. Es heißt, dass man sinnlos und aus Prinzip für unbekannte Dinge nur Ablehnung, Vorurteile und Angst übrig hat. Ich glaube, dass diese Menschen technischen Neuerungen, fremden Kulturen und generell Neuerungen gegenüber auch wahrscheinlich weniger aufgeschlossen sind. Denn wenn Tofu einem schon Existenzängste bereitet, was macht man dann erst, wenn man auf Menschen mit anderen Gedanken als den eigenen trifft?!
Manchmal reicht es eben schon, mit Menschen eine Mahlzeit gemeinsam einzunehmen, um einschätzen zu können, was für Menschen sie sind.
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Dienstag, 5. Dezember 2017
To fu or not to fu
Freitag, 12. Mai 2017
Wenn Freunde zu Bekannten werden
Je länger man lebt, desto mehr Menschen begegnet man. Manchen flüchtig, anderen intensiver. Manchmal ist es so, dass man im ersten Moment weiß, ob jemand einem völlig zuwider oder man komplett auf der gleichen Wellenlänge ist. Und je mehr Menschen man schon getroffen hat, desto besser kann man einschätzen, ob man mehr Zeit mit ihnen verbringen wollen würde oder lieber nicht.
Was ist aber mit den Menschen, die man als Bekannte und Freunde aus einer Zeit mitgenommen hat, in der man weniger gut beurteilen konnte, welche Art von Menschen man in seinem Leben haben möchte? Oder was ist mit den Freunden, die sich seitdem man sich vor fünfzehn Jahren kennen gelernt hat, in eine sehr andere Richtung entwickelt haben als man selbst?
Die Frage treibt mich schon eine Weile um. Eine gute Freundschaft machen für mich Vertrauen, Offenheit und die Fähigkeit, zusammen ganz man selbst; verrückt und mutig sein zu können aus. Freundschaft bedeutet, dem anderen nur Gutes zu wünschen und ihn dabei zu unterstützen, seine Ziele zu erreichen selbst wenn man nicht immer der größte Fan derer ist. Letztlich ist es für mich auch ein klares Zeichen ehrlicher Freundschaft, wenn ich nicht darauf neidisch bin, wenn meine Freunde große Ziele erreichen, sondern ich mich einfach nur für sie aufrichtig freuen kann,
Der Großteil meiner Freunde fällt in genau diese Kategorie.
Aber dann gibt es noch so ein paar, die quasi nur aus Gewohnheit da sind. Diejenigen, mit denen man sich nur ungern verabredet, weil man schon vorher weiß, dass wieder eine beklemmende Stille aufkommen wird, wenn der seichte heit-teiti Smalltalk abgearbeitet ist. Diejenigen, bei denen beide Seiten wissen, dass man sich nichts mehr gibt, sich nicht mehr ergänzt oder entspannt ohne vorgegebenes Programm zusammen sich beschäftigen oder gar Spaß haben kann. Zumindest glaube ich immer, dass es beiden Seiten wissen.
Nun aber zu dem, was mich wirklich quält: was mache ich mit diesen Menschen?
Offen ansprechen?
"Es tut mir leid, aber seit ein paar Jahren merke ich schon, wie wir uns nur noch selten verabreden, gezwungen lächeln weil man mit Freunden Spaß haben muss aber uns eigentlich gar nichts mehr zu sagen haben. Überhaupt hast du dich verändert; ich mich ja auch. Das passt alles nicht mehr zusammen. Meinst du nicht, es wäre besser, wenn wir nicht weiter so tun, als wären wir ernsthaft befreundet?"
Oder einfach ignorieren? Nach dem Motto, wenn man nur lange genug keinen Kontakt hat und Zeit vergehen lässt, werden sie einen schon vergessen und man muss sich nicht mehr schuldig dafür fühlen, dass man sich nicht mehr aufrichtig freut, Zeit mit dem anderen zu verbringen?
Letzte Variante wäre, weiter zu machen wie bisher und so zu tun als hätte sich nichts verändert. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich genau das momentan tue und mich dabei einfach nur furchtbar fühle.
Ist es nicht verlogen, sich mit Menschen in seiner freien Zeit zu verabreden, wenn man tief in seinem Inneren gar keine Lust auf diese Personen hat? Ist es nicht eigentlich furchtbar dumm, seine so kurze Lebenszeit mit "Freunden" zu verschwenden, die einem einfach nur ein doofes Bauchgefühl bereiten und man sich mit ihnen die ganze Zeit anstrengen und eine Kulisse aufrecht erhalten muss?
Ich würde ja gern sagen, dass ich so konsequent wäre, diesen paar Menschen einfach ganz ehrlich zu sagen, dass es alles nicht mehr so ist wie es mal war und ich meine Zeit lieber anders verbringen würde als mit ihnen, aber am Ende bringe ich es nicht übers Herz. Da verbiege ich mich lieber weiter und lege angestrengt die "ich hab Spaß mit dir" -Performance hin und fühle mich im Anschluss elend.
Richtig schön blöd.
Wie sagt man Menschen am besten, dass man sich auseinander entwickelt hat, wenn sie es scheinbar noch nicht mitbekommen haben?
Was ist aber mit den Menschen, die man als Bekannte und Freunde aus einer Zeit mitgenommen hat, in der man weniger gut beurteilen konnte, welche Art von Menschen man in seinem Leben haben möchte? Oder was ist mit den Freunden, die sich seitdem man sich vor fünfzehn Jahren kennen gelernt hat, in eine sehr andere Richtung entwickelt haben als man selbst?
Die Frage treibt mich schon eine Weile um. Eine gute Freundschaft machen für mich Vertrauen, Offenheit und die Fähigkeit, zusammen ganz man selbst; verrückt und mutig sein zu können aus. Freundschaft bedeutet, dem anderen nur Gutes zu wünschen und ihn dabei zu unterstützen, seine Ziele zu erreichen selbst wenn man nicht immer der größte Fan derer ist. Letztlich ist es für mich auch ein klares Zeichen ehrlicher Freundschaft, wenn ich nicht darauf neidisch bin, wenn meine Freunde große Ziele erreichen, sondern ich mich einfach nur für sie aufrichtig freuen kann,
Der Großteil meiner Freunde fällt in genau diese Kategorie.
Aber dann gibt es noch so ein paar, die quasi nur aus Gewohnheit da sind. Diejenigen, mit denen man sich nur ungern verabredet, weil man schon vorher weiß, dass wieder eine beklemmende Stille aufkommen wird, wenn der seichte heit-teiti Smalltalk abgearbeitet ist. Diejenigen, bei denen beide Seiten wissen, dass man sich nichts mehr gibt, sich nicht mehr ergänzt oder entspannt ohne vorgegebenes Programm zusammen sich beschäftigen oder gar Spaß haben kann. Zumindest glaube ich immer, dass es beiden Seiten wissen.
Nun aber zu dem, was mich wirklich quält: was mache ich mit diesen Menschen?
Offen ansprechen?
"Es tut mir leid, aber seit ein paar Jahren merke ich schon, wie wir uns nur noch selten verabreden, gezwungen lächeln weil man mit Freunden Spaß haben muss aber uns eigentlich gar nichts mehr zu sagen haben. Überhaupt hast du dich verändert; ich mich ja auch. Das passt alles nicht mehr zusammen. Meinst du nicht, es wäre besser, wenn wir nicht weiter so tun, als wären wir ernsthaft befreundet?"
Oder einfach ignorieren? Nach dem Motto, wenn man nur lange genug keinen Kontakt hat und Zeit vergehen lässt, werden sie einen schon vergessen und man muss sich nicht mehr schuldig dafür fühlen, dass man sich nicht mehr aufrichtig freut, Zeit mit dem anderen zu verbringen?
Letzte Variante wäre, weiter zu machen wie bisher und so zu tun als hätte sich nichts verändert. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich genau das momentan tue und mich dabei einfach nur furchtbar fühle.
Ist es nicht verlogen, sich mit Menschen in seiner freien Zeit zu verabreden, wenn man tief in seinem Inneren gar keine Lust auf diese Personen hat? Ist es nicht eigentlich furchtbar dumm, seine so kurze Lebenszeit mit "Freunden" zu verschwenden, die einem einfach nur ein doofes Bauchgefühl bereiten und man sich mit ihnen die ganze Zeit anstrengen und eine Kulisse aufrecht erhalten muss?
Ich würde ja gern sagen, dass ich so konsequent wäre, diesen paar Menschen einfach ganz ehrlich zu sagen, dass es alles nicht mehr so ist wie es mal war und ich meine Zeit lieber anders verbringen würde als mit ihnen, aber am Ende bringe ich es nicht übers Herz. Da verbiege ich mich lieber weiter und lege angestrengt die "ich hab Spaß mit dir" -Performance hin und fühle mich im Anschluss elend.
Richtig schön blöd.
Wie sagt man Menschen am besten, dass man sich auseinander entwickelt hat, wenn sie es scheinbar noch nicht mitbekommen haben?
Samstag, 17. September 2016
True colours
Wir müssen reden. Und zwar über das Thema Vertrauen.
An sich bin ich ein Mensch, der relativ schnell Vertrauen fasst. Das hat sich über Jahre bei mir bewährt und ich könnte kein wirkliches Beispiel benennen, wo es mir im Nachhinein tatsächlich mal auf die Füße gefallen ist, jemandem zu vertrauen. Bis jetzt.
Mir ist klar, dass Menschen nicht immer die Wahrheit sagen. Mal aus Bequemlichkeit, mal aus sozialem Druck. Wer will oberflächlichen Bekannten auf die Frage, wie es einem ginge, auch schon all seine Sorgen und Hoffnungen eröffnen? Es ist in dem Moment sehr viel einfacher zu sagen, es ginge einem gut. Das ist eine der gesellschaftlich akzeptiertesten Lügen überhaupt. So sehr, dass ich mich oft frage, warum Menschen diese Frage überhaupt noch stellen, ohne eine wirkliche Antwort zu wollen. Aber darum geht es nicht.
Viel mehr geht es darum, Menschen eine klare Frage mit den Antwortmöglichkeiten ja oder nein zu stellen und auch wenn ja der Realität entspräche, antworten sie mit nein. Daraufhin verhält man sich, als wäre Antwort ja die Realität und am Ende steht man da und wundert sich, wieso die andere Person sich nicht auch langfristig passend dazu verhält, wie sie geantwortet hat.
Tl;dr: ich wurde ganz bewusst angelogen, sodass der andere Vorteile daraus ziehen konnte.
Für mich hat sich daraus kein wirklicher Schaden ergeben bis auf die Verunsicherung, ob ich anderen eigentlich überhaupt noch vertrauen sollte. Offen gesagt habe ich bei privaten Personen, die mir nicht gerade etwas verkaufen wollten, um Geld bettelten oder mir davon erzählten, wie Jehova uns alle vorm Armageddon retten würde, wenn ich sofort beitreten würde, nahezu immer vertraut. Nicht unbedingt so sehr, dass ich sie sofort mit meiner Geldbörse los geschickt hätte, um uns ein Eis zu holen, aber doch so, dass ich annahm, sie würden mir nicht bewusst über relevante Dingen ins Gesicht lügen.
Diese Erfahrung hat eine ganze Kette von Überlegungen angestoßen. Ich bin gedanklich verschiedene Punkte abgegangen, in denen ich Menschen einfach immer geglaubt habe, was sie mir erzählten.
Antworten auf die Frage, wo sie waren. Antworten auf die Frage, ob sie daran gedacht haben, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Antworten auf meine Frage, nach ihrer Meinung zu einem gewissen Thema. Es ließe sich unendlich fortsetzen.
Was mir klar wurde ist, dass Vertrauen die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens ist. All die Angelegenheiten, in denen wir unserem Gegenüber nicht vertrauen, werden vertraglich geregelt, um quasi Vertrauen zu erzwingen, indem man ein juristisch gültiges Abkommen schließt, das mit Konsequenzen droht, wenn das Übereinkommen nicht eingehalten wird. Das ist für finanzielle Dinge vielleicht hilfreich, doch im privaten Bereich möchte ich mir Vertrauen nicht mit solchen Mitteln erkaufen müssen. Es hinterlässt einfach einen bitteren Beigeschmack zu wissen, dass jemand vielleicht auch nur wegen einer bindenden Abmachung sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält.
Weil Vertrauen so basal ist, weiß ich, dass ich in Zukunft nicht darauf verzichten können werde und es auch nicht will. Trotzdem ist es bitter zu realisieren, dass man auf Grundlage einer Lüge, die man nicht hinterfragt hat, für eine gewisse Zeit ein Vertrauen aufgebaut hat.
Man lernt nie aus im Leben. Man muss nur aufpassen, dass man dabei nicht zu verbittert wird.
Ich hoffe, dass ich so etwas nicht so bald wieder erleben muss. Es verunsichert einen nur und und schadet so viel mehr als der Urheber sich im Moment seiner unwahren Äußerung hätte vorstellen können. Also überlegt, was ihr anderen erzählt und wem ihr vertraut.
An sich bin ich ein Mensch, der relativ schnell Vertrauen fasst. Das hat sich über Jahre bei mir bewährt und ich könnte kein wirkliches Beispiel benennen, wo es mir im Nachhinein tatsächlich mal auf die Füße gefallen ist, jemandem zu vertrauen. Bis jetzt.
Mir ist klar, dass Menschen nicht immer die Wahrheit sagen. Mal aus Bequemlichkeit, mal aus sozialem Druck. Wer will oberflächlichen Bekannten auf die Frage, wie es einem ginge, auch schon all seine Sorgen und Hoffnungen eröffnen? Es ist in dem Moment sehr viel einfacher zu sagen, es ginge einem gut. Das ist eine der gesellschaftlich akzeptiertesten Lügen überhaupt. So sehr, dass ich mich oft frage, warum Menschen diese Frage überhaupt noch stellen, ohne eine wirkliche Antwort zu wollen. Aber darum geht es nicht.
Viel mehr geht es darum, Menschen eine klare Frage mit den Antwortmöglichkeiten ja oder nein zu stellen und auch wenn ja der Realität entspräche, antworten sie mit nein. Daraufhin verhält man sich, als wäre Antwort ja die Realität und am Ende steht man da und wundert sich, wieso die andere Person sich nicht auch langfristig passend dazu verhält, wie sie geantwortet hat.
Tl;dr: ich wurde ganz bewusst angelogen, sodass der andere Vorteile daraus ziehen konnte.
Für mich hat sich daraus kein wirklicher Schaden ergeben bis auf die Verunsicherung, ob ich anderen eigentlich überhaupt noch vertrauen sollte. Offen gesagt habe ich bei privaten Personen, die mir nicht gerade etwas verkaufen wollten, um Geld bettelten oder mir davon erzählten, wie Jehova uns alle vorm Armageddon retten würde, wenn ich sofort beitreten würde, nahezu immer vertraut. Nicht unbedingt so sehr, dass ich sie sofort mit meiner Geldbörse los geschickt hätte, um uns ein Eis zu holen, aber doch so, dass ich annahm, sie würden mir nicht bewusst über relevante Dingen ins Gesicht lügen.
Diese Erfahrung hat eine ganze Kette von Überlegungen angestoßen. Ich bin gedanklich verschiedene Punkte abgegangen, in denen ich Menschen einfach immer geglaubt habe, was sie mir erzählten.
Antworten auf die Frage, wo sie waren. Antworten auf die Frage, ob sie daran gedacht haben, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Antworten auf meine Frage, nach ihrer Meinung zu einem gewissen Thema. Es ließe sich unendlich fortsetzen.
Was mir klar wurde ist, dass Vertrauen die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens ist. All die Angelegenheiten, in denen wir unserem Gegenüber nicht vertrauen, werden vertraglich geregelt, um quasi Vertrauen zu erzwingen, indem man ein juristisch gültiges Abkommen schließt, das mit Konsequenzen droht, wenn das Übereinkommen nicht eingehalten wird. Das ist für finanzielle Dinge vielleicht hilfreich, doch im privaten Bereich möchte ich mir Vertrauen nicht mit solchen Mitteln erkaufen müssen. Es hinterlässt einfach einen bitteren Beigeschmack zu wissen, dass jemand vielleicht auch nur wegen einer bindenden Abmachung sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält.
Weil Vertrauen so basal ist, weiß ich, dass ich in Zukunft nicht darauf verzichten können werde und es auch nicht will. Trotzdem ist es bitter zu realisieren, dass man auf Grundlage einer Lüge, die man nicht hinterfragt hat, für eine gewisse Zeit ein Vertrauen aufgebaut hat.
Man lernt nie aus im Leben. Man muss nur aufpassen, dass man dabei nicht zu verbittert wird.
Ich hoffe, dass ich so etwas nicht so bald wieder erleben muss. Es verunsichert einen nur und und schadet so viel mehr als der Urheber sich im Moment seiner unwahren Äußerung hätte vorstellen können. Also überlegt, was ihr anderen erzählt und wem ihr vertraut.
Mittwoch, 8. Juni 2016
Vom Bildschirm in den Alltag: wenn man plötzlich Prominente trifft
Es gibt so viele Momente im Leben, die man mental schon durchgespielt aber tatsächlich nie erlebt hat. Dazu zählt auch das Treffen von mehr oder weniger prominenten Menschen. Auch wenn ich schon oft aus Jux fiktive Dialoge mit ihnen geführt habe, wüsste ich nicht, was ich tun sollte, wenn J.K. Rowling, Hayley Williams oder Simon und Martina jetzt plötzlich im Supermarkt vor mir in der Warteschlange an der Kasse stehen würden.
Aber man rechnet ja ehrlich gesagt auch nicht wirklich damit, mal in so eine Situation zu kommen.
Letzten Sonntag war ich mal wieder auf dem Flohmarkt am Mauerpark und danach in einem veganen Café - was man in Berlin eben so macht als Student. Als ich auf meinen mit frischen Sprossen und Hummus gefüllten Wrap wartete, sah ich mich ein bisschen im Lokal um - und musste mich direkt einmal am Stuhl festhalten, weil ich einen meiner liebsten Youtuber fünf Meter von mir entfernt erblickte. Mein Blick verharrte - man könnte es auch als Starren bezeichnen - und wurde von einem eher genervten Blick erwidert. Upsi, erwischt!
Jetzt gab es nur zwei Varianten: entweder, ich gebe meiner Neugier nach, gehe rüber, sage hallo und versuche, all die verrückten Dialoge, die ich mental beim Sehen seiner Videos schon mit ihm geführt hatte, nicht zu sehr das Gespräch beeinflussen zu lassen oder ich bleibe weiter der creepy Fan und starre völlig entgeistert zum Nachbartisch. Hatte er nicht schon mehrfach in Videos gesagt, dass er Leute hasst, die ihn offensichtlich erkennen aber dann nur anstarren statt ihn einfach kurz zu grüßen?
Offen gesagt brachte ich in der Situation einfach nicht den Mut auf, ihn direkt anzusprechen aber weiter durch unhöfliche Blicke belästigen war auch keine Option für mich. Daher entschied ich mich, ganz fixiert auf mein Essen zu sein und bloß nicht den Blick zum Nachbartisch wandern zu lassen. Scheuklappentaktik. Momente, in denen es besonders frustrierend ist, introvertiert zu sein.
Während ich an meinem leckeren veganen super healthy Wrap knabberte, dachte ich fieberhaft darüber nach, ob ich nicht doch die Chance nutzen sollte, ihn anzusprechen.
Aber passierte ihm das nicht dauernd? Selbst Youtuber und prominentere Prominente sind Privatpersonen mit einem gewissen Recht, nicht immer nur ihre Mitmenschen zu unterhalten. Schließlich sind sie kein Gemälde in einer Galerie, das man jederzeit ungeniert von allen Seiten anstarren darf. Ich hätte auch keine Lust, dass alle fünf Meter jemand auf mich zu kommt und dringend Selfies mit mir machen möchte. Besonders schlimm wird es wahrscheinlich, wenn die Fans dann deren typische Gesten sehen und Sprüche von ihnen hören wollen, für die sie ja schließlich bekannt sind. Wie ein Tanzbär, der immer und immer wieder seinen beliebtesten Trick vorführen muss. Ich hatte Mitleid. Selbst die Berühmtheiten des Internets haben ab und an ein Privatleben.
Und so saß ich da, sprach ihn weder an noch machte ich heimlich Fotos (denn das ist noch eine Stufe merkwürdiger als nur auffällig unauffällig rüber zu starren) bis er nach Konsum eines hippen veganen Snacks ging.
So ein bisschen ärgerte ich mich schon, nicht gegrüßt zu haben, doch ich weiß genau, dass ich es niemals anders gemacht hätte. Zudem kannte ihn meine mich begleitende Freundin gar nicht (Offliner…*seufz*) und so wäre ich mir noch einmal verrückter vorgekommen, zum Nachbartisch zu laufen und ihn anzusprechen.
Was lernen wir daraus? Wenn man nicht weiß, wie man sich als insgeheimer Fan verhält, sollte man trendige vegane Restaurants in Berlin meiden.
Im Ernst: ich war einfach nicht darauf vorbereitet, es war zu spontan. Als ich vor einigen Wochen einen Yogakurs bei einer Yogalehrerin mit Youtubekanal gemacht habe, den ich auch schon lange verfolge und daher völlig inadäquat aufgeregt war, sie live zu treffen, ahnte ich vorher schon, dass ich einen ordentlichen Fangirl-Moment haben würde. Ich wusste aber auch, dass ich damit nicht allein sein würde. Mit diesem Wissen gewappnet, konnte ich mich brav in die Schlange für eine Audienz einreihen, mich überschwänglich für ihre Videos bedanken und mehr oder weniger tiefgründige Fragen stellen.
Zudem ist es auch alles anders, wenn man der einzige verrückte Fan im Raum ist.
Es muss auch sehr merkwürdig bis extrem unangenehm sein, von fremden Personen angesprochen zu werden, die viele Dinge über dich wissen aber man selbst gleichzeitig null Informationen über sie hat. Absolut gruselig. Damit muss man wohl rechnen, wenn man im Internet Dinge über sich postet und es durch Bilder von sich den Zuschauern und Lesern einfach macht, einen auch offline zu identifizieren.
Je bekannter die Person, desto unangenehmer wäre es auch für mich, sie anzusprechen. Das heißt, einen mittelmäßig bekannten Blogger würde ich grüßen wollen (zumindest denke ich das jetzt allein vor dem Schreibtisch sitzend), da er sich bestimmt auch darüber freuen würde aber einen international gefeierten Johnny Depp würde ich mich nicht zu grüßen trauen. Seine Bodyguards würden das wohl auch nicht zulassen. Plus er wäre eh schon von zwanzig anderen Fans umringt, bevor ich auch nur in seine Nähe käme.
Habt ihr schon mal Internetprominenz oder andere bekannte Menschen live gesehen und was mich noch viel mehr interessiert: wie seid ihr damit umgegangen?
Aber man rechnet ja ehrlich gesagt auch nicht wirklich damit, mal in so eine Situation zu kommen.
Letzten Sonntag war ich mal wieder auf dem Flohmarkt am Mauerpark und danach in einem veganen Café - was man in Berlin eben so macht als Student. Als ich auf meinen mit frischen Sprossen und Hummus gefüllten Wrap wartete, sah ich mich ein bisschen im Lokal um - und musste mich direkt einmal am Stuhl festhalten, weil ich einen meiner liebsten Youtuber fünf Meter von mir entfernt erblickte. Mein Blick verharrte - man könnte es auch als Starren bezeichnen - und wurde von einem eher genervten Blick erwidert. Upsi, erwischt!
Jetzt gab es nur zwei Varianten: entweder, ich gebe meiner Neugier nach, gehe rüber, sage hallo und versuche, all die verrückten Dialoge, die ich mental beim Sehen seiner Videos schon mit ihm geführt hatte, nicht zu sehr das Gespräch beeinflussen zu lassen oder ich bleibe weiter der creepy Fan und starre völlig entgeistert zum Nachbartisch. Hatte er nicht schon mehrfach in Videos gesagt, dass er Leute hasst, die ihn offensichtlich erkennen aber dann nur anstarren statt ihn einfach kurz zu grüßen?
Offen gesagt brachte ich in der Situation einfach nicht den Mut auf, ihn direkt anzusprechen aber weiter durch unhöfliche Blicke belästigen war auch keine Option für mich. Daher entschied ich mich, ganz fixiert auf mein Essen zu sein und bloß nicht den Blick zum Nachbartisch wandern zu lassen. Scheuklappentaktik. Momente, in denen es besonders frustrierend ist, introvertiert zu sein.
Während ich an meinem leckeren veganen super healthy Wrap knabberte, dachte ich fieberhaft darüber nach, ob ich nicht doch die Chance nutzen sollte, ihn anzusprechen.
Aber passierte ihm das nicht dauernd? Selbst Youtuber und prominentere Prominente sind Privatpersonen mit einem gewissen Recht, nicht immer nur ihre Mitmenschen zu unterhalten. Schließlich sind sie kein Gemälde in einer Galerie, das man jederzeit ungeniert von allen Seiten anstarren darf. Ich hätte auch keine Lust, dass alle fünf Meter jemand auf mich zu kommt und dringend Selfies mit mir machen möchte. Besonders schlimm wird es wahrscheinlich, wenn die Fans dann deren typische Gesten sehen und Sprüche von ihnen hören wollen, für die sie ja schließlich bekannt sind. Wie ein Tanzbär, der immer und immer wieder seinen beliebtesten Trick vorführen muss. Ich hatte Mitleid. Selbst die Berühmtheiten des Internets haben ab und an ein Privatleben.
Und so saß ich da, sprach ihn weder an noch machte ich heimlich Fotos (denn das ist noch eine Stufe merkwürdiger als nur auffällig unauffällig rüber zu starren) bis er nach Konsum eines hippen veganen Snacks ging.
So ein bisschen ärgerte ich mich schon, nicht gegrüßt zu haben, doch ich weiß genau, dass ich es niemals anders gemacht hätte. Zudem kannte ihn meine mich begleitende Freundin gar nicht (Offliner…*seufz*) und so wäre ich mir noch einmal verrückter vorgekommen, zum Nachbartisch zu laufen und ihn anzusprechen.
Was lernen wir daraus? Wenn man nicht weiß, wie man sich als insgeheimer Fan verhält, sollte man trendige vegane Restaurants in Berlin meiden.
Im Ernst: ich war einfach nicht darauf vorbereitet, es war zu spontan. Als ich vor einigen Wochen einen Yogakurs bei einer Yogalehrerin mit Youtubekanal gemacht habe, den ich auch schon lange verfolge und daher völlig inadäquat aufgeregt war, sie live zu treffen, ahnte ich vorher schon, dass ich einen ordentlichen Fangirl-Moment haben würde. Ich wusste aber auch, dass ich damit nicht allein sein würde. Mit diesem Wissen gewappnet, konnte ich mich brav in die Schlange für eine Audienz einreihen, mich überschwänglich für ihre Videos bedanken und mehr oder weniger tiefgründige Fragen stellen.
Zudem ist es auch alles anders, wenn man der einzige verrückte Fan im Raum ist.
Es muss auch sehr merkwürdig bis extrem unangenehm sein, von fremden Personen angesprochen zu werden, die viele Dinge über dich wissen aber man selbst gleichzeitig null Informationen über sie hat. Absolut gruselig. Damit muss man wohl rechnen, wenn man im Internet Dinge über sich postet und es durch Bilder von sich den Zuschauern und Lesern einfach macht, einen auch offline zu identifizieren.
Je bekannter die Person, desto unangenehmer wäre es auch für mich, sie anzusprechen. Das heißt, einen mittelmäßig bekannten Blogger würde ich grüßen wollen (zumindest denke ich das jetzt allein vor dem Schreibtisch sitzend), da er sich bestimmt auch darüber freuen würde aber einen international gefeierten Johnny Depp würde ich mich nicht zu grüßen trauen. Seine Bodyguards würden das wohl auch nicht zulassen. Plus er wäre eh schon von zwanzig anderen Fans umringt, bevor ich auch nur in seine Nähe käme.
Habt ihr schon mal Internetprominenz oder andere bekannte Menschen live gesehen und was mich noch viel mehr interessiert: wie seid ihr damit umgegangen?
Dienstag, 31. Mai 2016
Es kann nur einen geben: Gedanken über DEN besten Freund
Wisst ihr noch damals, als man jeden seiner Mitschüler darum gebeten hat, sich in seinem Freundschaftsalbum zu verewigen? Je mehr Sticker und Fotos, desto besser. Wer im Album stand, war ein Freund. Zumindest war das zu Grundschulzeiten meine naive Überzeugung.
Was damals auch wichtig war, ist die Antwort auf die Frage, wer eigentlich der beste Freund ist. Ehrlich gesagt, hatte ich zu Grundschulzeiten keine Person, die ich damals klar als meinen besten Freund bezeichnet hätte und auch jetzt fällt es mir schwer, diese Frage zu beantworten. Denn was ist schon ein "Bester" Freund und was muss jemand erfüllen, um diesen Posten besetzen zu können?
Gefühlt wird einem überall vermittelt, dass es wichtig und normal ist, einen besten Freund zu haben. Es gibt so viele entsprechende Duos in den Medien: von Bibi und Tina über Don Quijote und Sancho Panza hin zu Sherlock und Watson oder Frodo und Sam - jeder scheint einen besten Freund zu haben, der ihn zu einer sehr viel besseren und insgesamt stärkeren Person macht.
Punkt Nummer eins: Was ist überhaupt Freundschaft? Freundschaft bedeutet für mich Sympathie, Vertrauen und einen gewissen Grad Selbstlosigkeit. Gegenseitige Unterstützung, die nicht immer von beiden Seiten zu gleichen Maßen ausgeht aber dennoch nicht (dauerhaft) zu Unmut führt. Trotzdem sind zwischenmenschliche Zweckgemeinschaften nicht unbedingt wirkliche Freunde, auch wenn man diese Menschen mag und ihnen vertraut - es fehlt die Komponente der Selbstlosigkeit.
Zurück zur Frage, ab wann ein Freund zum besten Freund wird. Ist es die besonders lange Dauer der Freundschaft? Vielleicht ist auch die Qualität der Freundschaft der entscheidende Punkt? Sind es gemeinsame Erfahrungen, die einen zusammen schweißen und zu besten Freunden werden lassen?Oder kann man mit keiner gemeinsamen Erfahrung der Welt jemanden zu seinem besten Freund werden lassen, wenn man nicht von Anfang an seelenverwandt war?
Das waren meine spontanen ersten Gedanken zu dem, was einen sehr engen und eventuell besten Freund ausmacht. Am Ende ist es für mich eine Mischung all der genannten Faktoren.
Die Dauer einer Freundschaft sagt in meinen Augen gar nichts über deren Qualität aus. Eine gute Zweckgemeinschaft, die man sich selbst beschönigend als Freundschaft verkauft, kann auch Jahrzehnte halten, insofern sie nützlich ist.
Es gibt Menschen, da merkt man sofort, dass die Chemie stimmt, dass man auf einer Welle schwimmt und sich endlos unterhalten kann. Wie genau das funktioniert, kann ich nicht erklären. Das ist der gewisse Funke gemeinsamer Wahnsinn und Lebensfreude, der bei einigen Menschen da ist und bei anderen eben nicht. Wenn er da ist und beide das bemerken, kann man endlos von einer Aktivität in die nächste kommen ohne sich je zu langweilen. Dabei hilft es, gemeinsame Interessen und Ansichten zu haben, muss aber nicht immer so sein.
Das sind diese Menschen, mit denen man sich bis zum Sonnenuntergang unterhalten kann oder nach Monaten ohne ein Treffen nach Sekunden das Gefühl hat, nie getrennt gewesen zu sein. Mir fällt es sehr viel leichter, mich anderen gegenüber zu öffnen, wenn ich bemerke, dass es diese Art intuitive Verbindung gibt. Das bedeutet nicht, dass ich ihnen sofort all meine Geheimnisse anvertrauen würde aber es heißt, dass ich mich nicht unwohl in Gesellschaft anderer fühle und zurückhaltender verhalte als ich eigentlich bin.
Schon oft habe ich gesagt bekommen, dass ich auf andere langweilig oder sogar arrogant wirke, weil ich mich im Hintergrund halte und bei geselligen Runden eher passiv bin solange andere automatisch das Wort ergreifen. Das liegt daran, dass ich introvertiert und tendenziell Fremden gegenüber schüchtern bin. Zu merken, dass es da eine spontane Dynamik mit neuen Bekannten gibt, hilft sehr, diese eher aus Unsicherheit entstehende Distanziertheit zu überwinden.
Gleichzeitig gibt es auch Menschen, die man schon Jahre bis Jahrzehnte kennt und sich jedes Mal aktiv bemühen muss, die gemeinsame Zeit zu füllen. Wenn es keinen konkreten Plan für ein Unterhaltungsprogramm - sei es das zu streichende Zimmer oder ein zu besichtigendes Museum - gibt, kann dann auch schon mal in ein unangenehmes Schweigen resultieren. Die emotionale Bewertung des Schweigens ist in meinen Augen ein ganz klassisches Merkmal einer zwischenmenschlichen Beziehung. Es gibt Menschen, mit denen ist Schweigen nicht ansatzweise unangenehm und möglichst schnell zu überbrücken, sondern entspannt und friedlich. So sollte es mit einem besten Freund in meiner Vorstellung sein. Wenn man zusammen schweigen kann, ohne sich dabei unwohl zu fühlen, fühlt man sich in einem Raum nicht länger als Gast oder Gastgeber, der für das Wohlbefinden des anderen verantwortlich ist, sondern auf gleicher Ebene und zwar als Freunde.
Gemeinsame Erlebnisse und Zeit verstärken das Gefühl der Vertrautheit innerhalb einer Freundschaft meiner Erfahrung nach definitiv, aber gleichzeitig ist auch die Anzahl der gemeinsamen Ausflüge nicht der Maßstab der Güte einer Freundschaft.
Kurzum: man kann Freundschaft schwer erklären, man kann sie vor allem erleben. Dafür gibt es einfach keine Einheit, die verschiedene Freundschaften vergleichbar macht.
Nun aber noch einmal zurück zum Thema bester Freund.
Den Begriff selbst mag ich offen gesagt nicht einmal besonders. Wenn ich jemanden darüber sprechen höre, dass er sich noch mit seinem besten Freund trifft oder die beste Freundin gleich vorbei kommt, wirkt es auf mich immer wie eine subtile Botschaft, dass derjenige schon vergeben ist. Als könnte man nur einen besten Freund haben und der Rest der Menschheit kann sich jetzt gleich die Mühe sparen, etwas mit demjenigen zu unternehmen.
Aus diesem Grund spreche ich selbst von den Menschen, die ich für mich als meine besten Freunde betrachte, bewusst anderen gegenüber nicht mehr als beste Freunde. Es ist in gewisser Weise auch verletzend, anderen Freunden vor die Nase zu hauen, dass man jetzt seinen besten Freund anruft, der sie ja damit dann offiziell nicht sind.
Es ist ein so exklusiver Status, dass es schon wieder abschreckend sein kann.
Meine Antwort auf die Frage, ob man nur einen besten Freund haben kann, lautet definitiv nein. Es ist kein exquisiter Status sondern ein Zustand, ein besonderes Level einer Freundschaft zu einem Menschen, dem gegenüber man so sein kann, wie man ist und durch die Anwesenheit des anderen noch besser wird.
Man kann diesen Status vielleicht nur mit einigen wenigen Menschen erreichen aber mehr als einer kann es definitiv sein. Dass es den besten Freund gibt, ist meiner Meinung nach ein Mythos.
Was damals auch wichtig war, ist die Antwort auf die Frage, wer eigentlich der beste Freund ist. Ehrlich gesagt, hatte ich zu Grundschulzeiten keine Person, die ich damals klar als meinen besten Freund bezeichnet hätte und auch jetzt fällt es mir schwer, diese Frage zu beantworten. Denn was ist schon ein "Bester" Freund und was muss jemand erfüllen, um diesen Posten besetzen zu können?
Gefühlt wird einem überall vermittelt, dass es wichtig und normal ist, einen besten Freund zu haben. Es gibt so viele entsprechende Duos in den Medien: von Bibi und Tina über Don Quijote und Sancho Panza hin zu Sherlock und Watson oder Frodo und Sam - jeder scheint einen besten Freund zu haben, der ihn zu einer sehr viel besseren und insgesamt stärkeren Person macht.
Punkt Nummer eins: Was ist überhaupt Freundschaft? Freundschaft bedeutet für mich Sympathie, Vertrauen und einen gewissen Grad Selbstlosigkeit. Gegenseitige Unterstützung, die nicht immer von beiden Seiten zu gleichen Maßen ausgeht aber dennoch nicht (dauerhaft) zu Unmut führt. Trotzdem sind zwischenmenschliche Zweckgemeinschaften nicht unbedingt wirkliche Freunde, auch wenn man diese Menschen mag und ihnen vertraut - es fehlt die Komponente der Selbstlosigkeit.
Zurück zur Frage, ab wann ein Freund zum besten Freund wird. Ist es die besonders lange Dauer der Freundschaft? Vielleicht ist auch die Qualität der Freundschaft der entscheidende Punkt? Sind es gemeinsame Erfahrungen, die einen zusammen schweißen und zu besten Freunden werden lassen?Oder kann man mit keiner gemeinsamen Erfahrung der Welt jemanden zu seinem besten Freund werden lassen, wenn man nicht von Anfang an seelenverwandt war?
Das waren meine spontanen ersten Gedanken zu dem, was einen sehr engen und eventuell besten Freund ausmacht. Am Ende ist es für mich eine Mischung all der genannten Faktoren.
Die Dauer einer Freundschaft sagt in meinen Augen gar nichts über deren Qualität aus. Eine gute Zweckgemeinschaft, die man sich selbst beschönigend als Freundschaft verkauft, kann auch Jahrzehnte halten, insofern sie nützlich ist.
Es gibt Menschen, da merkt man sofort, dass die Chemie stimmt, dass man auf einer Welle schwimmt und sich endlos unterhalten kann. Wie genau das funktioniert, kann ich nicht erklären. Das ist der gewisse Funke gemeinsamer Wahnsinn und Lebensfreude, der bei einigen Menschen da ist und bei anderen eben nicht. Wenn er da ist und beide das bemerken, kann man endlos von einer Aktivität in die nächste kommen ohne sich je zu langweilen. Dabei hilft es, gemeinsame Interessen und Ansichten zu haben, muss aber nicht immer so sein.
Das sind diese Menschen, mit denen man sich bis zum Sonnenuntergang unterhalten kann oder nach Monaten ohne ein Treffen nach Sekunden das Gefühl hat, nie getrennt gewesen zu sein. Mir fällt es sehr viel leichter, mich anderen gegenüber zu öffnen, wenn ich bemerke, dass es diese Art intuitive Verbindung gibt. Das bedeutet nicht, dass ich ihnen sofort all meine Geheimnisse anvertrauen würde aber es heißt, dass ich mich nicht unwohl in Gesellschaft anderer fühle und zurückhaltender verhalte als ich eigentlich bin.
Schon oft habe ich gesagt bekommen, dass ich auf andere langweilig oder sogar arrogant wirke, weil ich mich im Hintergrund halte und bei geselligen Runden eher passiv bin solange andere automatisch das Wort ergreifen. Das liegt daran, dass ich introvertiert und tendenziell Fremden gegenüber schüchtern bin. Zu merken, dass es da eine spontane Dynamik mit neuen Bekannten gibt, hilft sehr, diese eher aus Unsicherheit entstehende Distanziertheit zu überwinden.
Gleichzeitig gibt es auch Menschen, die man schon Jahre bis Jahrzehnte kennt und sich jedes Mal aktiv bemühen muss, die gemeinsame Zeit zu füllen. Wenn es keinen konkreten Plan für ein Unterhaltungsprogramm - sei es das zu streichende Zimmer oder ein zu besichtigendes Museum - gibt, kann dann auch schon mal in ein unangenehmes Schweigen resultieren. Die emotionale Bewertung des Schweigens ist in meinen Augen ein ganz klassisches Merkmal einer zwischenmenschlichen Beziehung. Es gibt Menschen, mit denen ist Schweigen nicht ansatzweise unangenehm und möglichst schnell zu überbrücken, sondern entspannt und friedlich. So sollte es mit einem besten Freund in meiner Vorstellung sein. Wenn man zusammen schweigen kann, ohne sich dabei unwohl zu fühlen, fühlt man sich in einem Raum nicht länger als Gast oder Gastgeber, der für das Wohlbefinden des anderen verantwortlich ist, sondern auf gleicher Ebene und zwar als Freunde.
Gemeinsame Erlebnisse und Zeit verstärken das Gefühl der Vertrautheit innerhalb einer Freundschaft meiner Erfahrung nach definitiv, aber gleichzeitig ist auch die Anzahl der gemeinsamen Ausflüge nicht der Maßstab der Güte einer Freundschaft.
Kurzum: man kann Freundschaft schwer erklären, man kann sie vor allem erleben. Dafür gibt es einfach keine Einheit, die verschiedene Freundschaften vergleichbar macht.
Nun aber noch einmal zurück zum Thema bester Freund.
Den Begriff selbst mag ich offen gesagt nicht einmal besonders. Wenn ich jemanden darüber sprechen höre, dass er sich noch mit seinem besten Freund trifft oder die beste Freundin gleich vorbei kommt, wirkt es auf mich immer wie eine subtile Botschaft, dass derjenige schon vergeben ist. Als könnte man nur einen besten Freund haben und der Rest der Menschheit kann sich jetzt gleich die Mühe sparen, etwas mit demjenigen zu unternehmen.
Aus diesem Grund spreche ich selbst von den Menschen, die ich für mich als meine besten Freunde betrachte, bewusst anderen gegenüber nicht mehr als beste Freunde. Es ist in gewisser Weise auch verletzend, anderen Freunden vor die Nase zu hauen, dass man jetzt seinen besten Freund anruft, der sie ja damit dann offiziell nicht sind.
Es ist ein so exklusiver Status, dass es schon wieder abschreckend sein kann.
Meine Antwort auf die Frage, ob man nur einen besten Freund haben kann, lautet definitiv nein. Es ist kein exquisiter Status sondern ein Zustand, ein besonderes Level einer Freundschaft zu einem Menschen, dem gegenüber man so sein kann, wie man ist und durch die Anwesenheit des anderen noch besser wird.
Man kann diesen Status vielleicht nur mit einigen wenigen Menschen erreichen aber mehr als einer kann es definitiv sein. Dass es den besten Freund gibt, ist meiner Meinung nach ein Mythos.
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