Donnerstag, 30. April 2015

Petrichor

Der Sommer ist eigentlich nicht unbedingt meine liebste Jahreszeit. Brennend heiße Sonne, man schwitzt im Alltag während man in Kleidung, die öffentlichkeitstauglich und ausreichend bedeckend sein muss, viel zu viel Zeug umher schleppt. Um als Mensch beeindruckend heller Haut nicht gleich in den gerösteten und verbrannten Zustand überzugehen, muss man sich den ganzen Sommer lang an allen exponierten Stellen mit Sonnencreme einreiben. Und während man so in seiner eigenen Cremeschicht mariniert wird und an sich selbst kleben bleibt, schwitzt man noch bei jeder Bewegung vor sich hin und ist jeglicher Belastung abgeneigt.
All das assoziiere ich mit Sommer, wenn man mich danach fragt.

Heute bin ich mit dem Rad unterwegs gewesen. Auf dem Radweg entlang des Rapsfeldes durch die schon lauwarme Luft zu fahren war wunderbar. Der Duft des Rapsfeldes lag schwer und süß in der Luft, das Gelb leuchtete schon fast zu kitschig um angenehm zu sein. Es fühlte sich fast an wie ein warmer Sommerabend - die Zeit, die ich am Sommer am meisten mag.
Denn Abends hat sich die Sonne und damit die sengende Hitze verzogen und es bleibt nur die angenehme Wärme, die Boden und Asphalt noch ausstrahlen. Es ist so ein Wetter, bei dem man nachts gerne einfach mit dem Rad so schnell fährt, wie man kann, nur um sich den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen und all die Gerüche des Sommers aufzunehmen. Und dabei schreit man in unbeobachteten Momenten seine Lebensfreude heraus, während man den Sommer fühlt. Das sind sehr glückliche und unbeschwerte Momente, die ich mit solchem Wetter verbinde.

Im Sommer ist sogar der Regen schön. Eigentlich ist es ja bloß lästig, nass zu werden und besonders als Brillenträger ist es ein zusätzliches Grauen, vor lauter Wassertropfen auf der Sehhilfe halb blind durch die Gegend irren zu müssen. Dennoch ist im Sommer Regen schön. Manchmal zumindest.
Ich mag es, wie sich der Regen ankündigt. Der Himmel wird grau und düster während doch alles so grün und frisch aussieht. In der sommerlichen Wärme wirkt das Gewitterszenario nicht so bedrohlich. Im Sommer ist ein Regenguss fast etwas erleichterndes. Da kann man auch mal die Brille absetzen und sich in den Regen stellen, um die Erfrischung zu genießen.

Ein Genuss ist auch der Geruch des Regens. Es ist ein wundervoller Geruch, der Sommer, Glück und irgendwie auch Freiheit für mich bedeutet. Er hat sogar einen Namen, der so magisch klingt wie er riecht: Petrichor. Ein Wort, das ich mit diesem ganzen Zauber des Sommerregens verbinde, den ich so sehr liebe.

Und als ich da auf dem Weg zum Einkaufen am Radweg entlang fuhr, deutete sich am Horizont über dem leuchtend gelben Feld eine graue Wolkenfront an. Es war warm.
Als ich aus dem Laden kam, hatte es begonnen, ganz leicht zu nieseln. Es war ein tolles Gefühl, ein Moment, den man am liebsten teilen würde, weil er so schön ist. Ich habe ihn dankbar allein genossen und mich daran erinnert, dass Sommer doch nicht nur grässliche Hitze, Vorbereitung auf die Prüfungen während man gegen das eigene Schmelzen kämpft und Sonnenbrand bedeutet. Ich fürchte, ich freue mich sogar schon auf den Sommer. Und auf Petrichor.

Apfelkern

Donnerstag, 23. April 2015

Nicht mehr ganz knusper?!

Heute morgen beim Frühstücken habe ich mir das Video der Youtuber Simon and und Martina über ihre Pet Peeves angesehen und war sehr begeistert und vor allem sehr amüsiert. Pet Peeves sind Kleinigkeiten, über die man sich immer wieder aufregt obwohl sie objektiv betrachtet nicht weiter schlimm sind. Lieblingsärgernisse sozusagen.


Nachdem ich gerade auch noch bei Karo ihre Liste von Pet Peeves gelesen habe, bin ich nun ganz inspiriert, meine eigenen Haustierärgernisse zu notieren.


Kugelschreiber auf der Haut
Ich hasse es, mich versehentlich mit dem Kugelschreiber (oder jedem anderen Stift) anzumalen aber noch weniger kann ich es leiden, wenn mich jemand absichtlich anmalt. Nicht, dass es weh tut aber es macht mich wahnsinnig, das zu sehen und ich kann erst wieder ruhig sitzen, wenn ich die Kritzeleien restlos abgerieben habe.
Warum mich das so sehr verrückt macht, kann ich ehrlich gesagt nicht mal beantworten. Ich weiß nur, dass ich dann wie ein Irrer anfange die Tinte auf der Haut weg zu reiben.
Weshalb Menschen sich freiwillig wichtige Dinge auf den Händen und Armen notieren, kann ich beim besten Willen nicht verstehen.


Heraus fallende Zähne
Für den einen sind es Clowns oder Zombies, die sie dazu bringen, kreischend weg zu rennen, für mich sind es wackelnde und heraus fallende Zähne. 
Ich kann mich noch gut erinnern, als Kind im Kindergartenalter ganz ängstlich jeden Abend an den Zähnen vorsichtig gewackelt zu haben, in der Hoffnung, dass sie nicht lose sind. Denn in einem (definitiv nicht für mein damaliges Alter geeignetem) Film hatte ich gesehen, wie jemandem alle Zähne auf einmal raus gefallen und nicht wieder nachgewachsen sind. 
Aber irgendwann kam der Zahnwechsel und ich hatte totale Angst vor dem Moment, dass der Zahn extrem lose ist, nur noch an ein paar Zahnfleischresten hängt und wartet, dass ich ihn heraus zog. Wenn ich schon darüber nachdenke, bekomme ich jetzt Gänsehaut.*schauder*
Bei jedem verlorenen Milchzahn hatte ich Angst, dass keiner nachwächst. War zum Glück nicht so. Und die Weisheitszähne durfte ich auch alle behalten - dreifaches Halleluja!
Dass Zahnmedizin für mich nichts ist, brauche ich jetzt wahrscheinlich nicht mehr zu erwähnen. Zahnarztbesuche waren immer von großer Angst geprägt, was jetzt zum Glück langsam nachgelassen hat. Sobald ich mal eigene Kinder habe, die den Zahnwechsel durchmachen, werde ich aber definitiv nicht im finalen Moment des herausfallenden Zahns dabei sein.


Angeatmet werden
Wenn man eng zusammengedrängt in den öffentlichen Verkehrsmitteln steht, passiert es öfter einmal, dass man plötzlich einen Hauch warmer feuchter Luft ins Gesicht geatmet bekommt. Oder wenn man sich zum Patienten runter beugt, um ihn zu untersuchen oder Blut abzunehmen. Am liebsten würde ich dann ein Timeout einlegen, mein Gesicht schrubben und den Mund spülen.
Am schönsten ist es ja, wenn man nicht nur angeatmet sondern auch noch angehustet wird. Tuberkulose, Influenza oder Ebola - es gibt eine Menge Dinge, die man nicht haben will und die man super via Tröpcheninfektion übertragen kann. Impfungen sind in dem Fall sowas von mein Freund. Was trotzdem nicht heißt, dass ich Masernimpfung hin oder her vor Ekel nicht halb sterbe, wenn mich jemand deutlich anatmet und anhustet.


Knackende Gelenke
Wenn Menschen sich neben mir recken und strecken kommt immer gleich die Befürchtung auf, dass sie gleich ihre Fingergelenke knacken lassen. Oder noch schlimmer: die Halswirbelsäule…igittipfui!
Da rollen sich mir gleich die Fußnägel hoch vor Ekel…obwohl, lieber nicht - das klingt nämlich auch widerlich.
Ab und an knackt mein linkes Sprunggelenk und ich erschrecke mich jedes mal. Klingt ekelhaft und fühlt sich mindestens drei mal so schlimm an.. Überhaupt nicht in Ordnung von meinem Körper, mich so fertig zu machen. 


Langsam laufende Menschen
Es gibt Menschen, die aufgrund des Alters, Krankheit oder anderen körperlichen Ursachen nicht schnell laufen können und das ist völlig nachvollziehbar und okay. Wenn aber nicht laufbeeinträchtigte Menschen mit mir zusammen unterwegs sind und vor sich hin trotten als hätte ihr Tag 48 Stunden, bekomme ich auf Dauer einen kleinen Nervenzusammenbruch. Nur weil ich nicht zum nächsten Termin hetzen muss, heißt es nicht, dass ich mir jetzt unendlich viel Zeit lasse!
Möchte man sich etwas genauer ansehen, nachlesen oder weiß der Geier was einen noch beim Laufen aufhalten kann, bleibt man einfach stehen. Möchte man weiter gehen, dann tut man das auch - aber eben in einem ordentlichen Tempo. Und wenn man keine Möglichkeit hat, dem langsam vor sich hin trottenden Pulk auszuweichen wie auf Messen und Weihnachtsmärkten, zerrt das sehr an meinen Nerven, weil ich mich so ausgebremst fühle. Am liebsten würde ich mal laut schreien, um durch gelassen zu werden - aber am Ende fände ich das dann auch zu peinlich um es zu tun.


Zigarettenrauch
Wenn ich hinter langsam gehenden Rauchern her laufe, halte ich beim Überholen immer die Luft an, denn ihren Zigarettenrauch will ich auf gar keinen Fall einatmen. Dieser abstoßende Geruch und das Wissen, was es alles anrichten kann, reichen, um unendlich angewidert zu sein. Raucht an der Haltestelle jemand neben mir, ergreife ich schleunigst die Flucht und gehe auf Distanz. Besonders schrecklich sind Raucherabteile in Restaurants oder Autos, in denen geraucht wird: man ist eingesperrt mit diesem höllischen Rauch und ist ihm dank fehlender Fluchtmöglichkeit völlig ausgeliefert. Ein Albtraum.
Vielleicht ist das ein völlig überzogenes Verhalten aber bei dem Geruch von Zigaretten geht es einfach mit mir durch und ich habe ein absolutes Bedürfnis zu fliehen. Wenn ihr rauchen wollt, dann tut es - aber bitte nicht neben mir!


Und, denkt ihr nun, dass ich in der Birne auch nicht mehr ganz knusper bin oder könnt ihr einige der Punkte nachvollziehen? Welche alltäglichen Kleinigkeiten treiben euch auf die Palme?

Montag, 20. April 2015

#PMDD18

Am Picture My Day Day geht es darum, einen Tag in seinem Leben zu dokumentieren. Es ist nicht erforderlich, dafür etwas besonderes zu unternehmen oder große Abenteuer zu erleben - was für ein Glück für mich, denn diesen Anforderungen entspricht mein erlebter Tag nicht. Trotzdem werde ich wie immer mein Bestes geben, die Quote der gezeigten Katzen und Füße hoch zu halten.

Dieses Mal wird der Picture My Day Day übrigens von Leeri veranstaltet.

Vor dem Wecker am Wochenende früh aufwachen kann ich.


Erst mal ein bisschen im Bett stricken. #grannyatheart


Mich in meinen leuchtend grünen Socken aus dem Bett schwingen. Die tolle Farbe macht mir immer gute Laune. Ich kleide mich eigentlich nie besonders farbenfroh aber wenn ich Socken stricke, tobe ich mich gern mit Farben aus.


Der herzallerliebste Kater muss morgens erst mal ordentlich durchgeflauscht werden. Ich liebe das Geräusch einer schnurrenden Katze!


Schwarzer Tee und Käsebrot. What I call a Frühstück.


Neues Semester bedeutet neue Lernmaterialien, die ich mir aus den Vorlesungen der Woche zusammen bastle.


Meine Rundstricknadel ist da!!! Und nein, ich habe kein gestörtes Verhältnis zum Stricken.


Dass #PMDD ist und es deshalb nur roh-vegane Gerichte geben kann, galt nicht in der gemeinschaftlichen Abstimmung über das Mittagessen. Trotz der Gefahr, 20% meiner Leser durch das Bild der Grützwurst zu verlieren und ein Opfer des Wurstshamings zu werden, verschweige ich diesen Teil des Tages nicht.


Selbstgemachten Schlehenlikör abgefüllt. 
*Nein, ich habe nicht die Hälfte schon getrunken. *hicks*


Samstagskuchen backen.


Backen macht hungrig. Himbeerjoghurt mit Kakao Stückchen hilft.


Während der Kuchen im Ofen bäckt, erhitze ich mich mit Sport. Anstrengend!


Der Kuchen sieht nach seiner Hitzeeinwirkung im Ofen schon attraktiver aus als ich nach dem Sport. 


Ab in die Bahn und auf in die große Stadt. Wie schön es doch ist, wenn die Bahnen fahren!


Ich mag exotische Supermärkte unheimlich gerne, um darin nach ungewohnten, aufregenden Lebensmitteln zu stöbern. Dieses mal war ich im türkischen Supermarkt zwischen den Regalen unterwegs.


Meine Ausbeute. Verzehrfertige Snack-Esskastanien sind nach aktuellem Stand übrigens nicht mein Fall.


Abendessen mit meinem Freund. Wild gewürzte Beute aus dem türkischen Supermarkt mit Fladenbrot. Man beachte die unterschiedliche Dosierung von frischen Kräutern auf männlichen und weiblichen Speiseplänen.


Während wir den Abend mit zwei Folgen Game of Thrones ausklingen ließen, habe ich fleißig an den Geburtstagssocken für eine Freundin weiter gestrickt.
Und dann sind wir ins Bett gefallen und ich habe spontan vergessen, noch ein Bild der Uhrzeit zu machen. Man kann halt nicht alles haben. Aber zumindest hatte ich einen schönen Tag und viel Spaß dabei, meinen Mitmenschen zu irritieren, indem ich vor deren Augen willkürlich meine Umgebung fotografiert habe.


Apfelkern

Donnerstag, 9. April 2015

Abends an der Supermarktkasse

Schnell noch ein paar Lebensmittel einkaufen vor dem entspannten Weiberabend. Nicht so entspannt ist die Situation am Freitag Abend im Supermarkt.
In der Schlange vor der Kasse angekommen spähe ich zum Zeitvertreib in die Einkaufswagen der Menschen um mich herum. Großeinkauf mit Klopapier, ein Wagen voller Gemüse und Vollkornprodukten zeugen neben mir von Ambition in Sachen gesunder Ernährung und hinter mir quengeln Kinder, weil die Mutter ihnen nicht noch ein Ü-Ei spendieren will.

Im Wagen des Mannes vor mir an der Kasse klirrt es. Nur Bierflaschen sowie eine Flasche Korn finden sich darin. Das sieht mir nicht unbedingt nach Bier für den Grillabend mit Freuden aus. Das Bild spricht eher für Einsamkeit und Trostlosigkeit.

Der Mann riecht nach kaltem Rauch, Schweiß und ein wenig nach Alkohol. Nichts, was man gerne genauer olfaktorisch differenzieren will.
Das ganze Bild berührt mich. Der erste Gedanke ist es, ihm einfach den Alkohol weg zu nehmen. Ihn davor zu bewahren, überhaupt damit anzufangen kann man jetzt auch nicht mehr. Ob er überhaupt ein Alkoholproblem hat? Am Hinterkopf ablesen kann man es ihm schlecht. Jogginghose, speckige Lederjacke, herausgewachsene Kurzhaarfrisur - ein gepflegtes Äußeres ist es nicht.

Freiheit und Selbstbestimmung sind großartig und eröffnen so viele Möglichkeiten. Leider sind einige davon auch Sucht und Einsamkeit.
Selbst wenn es offensichtlich ist, dass dieser Mann wahrscheinlich ein gestörtes Verhältnis zu Alkohol hat, kann man ihn nicht zwingen, die Flaschen im Laden zu lassen solange er sie bezahlen kann. Und wenn die Verkäufer in diesem Supermarkt die Ware nicht verkaufen würden, dann kauft er sich halt an der Tankstelle das Zeug. Alles im Leben hat seine Vor- und Nachteile.

Der Verkäuferin scheint auch nicht ganz wohl dabei zu sein, ihm die ganzen Bierflaschen und den Korn zu verkaufen. Zumindest sagt das ihr Gesichtsausdruck. Sie tut es dennoch.

Hätte ich den Mann jetzt ansprechen sollen? Ihn aufhalten sollen? Aber warum soll ich gerade verantwortlich sein für eine fremde Person? Wer sagt denn, dass er sich hätte helfen lassen?
Jeden Tag sieht man irgendeine Form von Elend, in die man eingreifen könnte. Doch ich denke mir immer wieder, dass man nicht alle retten kann. Wir tragen doch selbst die Verantwortung für uns und doch funktioniert das eben doch nicht immer reibungslos. Dabei komme ich mir nicht wirklich hartherzig vor, viele andere Menschen denken doch auch so. Aber dieser Mann mit seinen ganzen Flaschen hat mich irgendwie besonders berührt.

Vielleicht, weil er so bemüht war, sich normal zu verhalten und die ganzen Flaschen auf das Band gelegt hat als würden wir alle ein Dutzend Flaschen Bier und Korn allein für den Wocheneinkauf einpacken.
Und ich will gar nicht wissen, was er nun mit dem ganzen Alkohol gemacht hat. Vielleicht war es ja doch nur eine Gartenparty. Unwissenheit kann so schön sein.

Kennt ihr diese Situationen? Wie kann man mit ihnen geschickter umgehen ohne danach noch tagelang daran denken zu müssen?

Apfelkern

Sonntag, 29. März 2015

The Grand Budapest Trip

Ja, ich lebe noch. Es sind Semesterferien, ich bin gerade wieder jeden Tag im Krankenhaus und mache eine Famulatur. Früh aufstehen, spät nachmittags zurück - es bleibt nicht viel vom Tag und auch nicht viel Motivation zu bloggen. Dabei habe ich doch gleich zum Anfang der Semesterferien eine erlebnisreiche Reise nach Budapest gemacht, über die ich hier berichten möchte.

Die Anreise erfolgte mit dem Flugzeug, da es so sowohl schneller als auch günstiger war als mit der Bahn zu fahren. Bei einer Entscheidung zwischen zwölf Stunden Zugfahrt und anderthalb Stunden Flug für drei Fünftel des Preises war die Wahl schnell getroffen.
Was die Übernachtungen angeht, ist Budapest wie so viele osteuropäische Städte sehr günstig. Der Wechselkurs von Euro in ungarische Forint war zusätzlich auch günstig.
Da ein Euro momentan ungefähr 303 ungarischen Forint entspricht, wird durch die ungewohnt hohen Zahlen die Handhabung des Gelds am Anfang ein bisschen verwirrend. Mein Tipp dafür: vor der Reise eine Umrechnungstabelle im Internet suchen und drucken, damit man sie unterwegs immer zur Hand hat und zumindest ungefähr abschätzen kann, wie viele Euro diese scheinbaren Unsummen von Forint denn nun eigentlich sind. Ich wünschte, mir hätte jemand den Tipp vorher gegeben und mir damit viel Verwirrung und das unnötig lange Blockieren des Geldautomaten erspart.

Und nun kommen wir zu meinen eigentlichen Tipps in Sachen Reisen nach Budapest.

1. Zeit zum Erkunden nehmen
Das ist ein genereller Tipp von mir, was Reisen angeht: einfach mal am Anfang des Urlaubs sich Zeit nehmen, ohne ein konkretes Zeil umher zu laufen, sich treiben zu lassen und zu entdecken. Man sieht Ecken, an die man sonst nicht gekommen wäre und bekommt die Atmosphäre der Stadt zu spüren statt nur zu sehen, was der Reiseführer empfiehlt.
Budapest ist durch die Donau zweigeteilt in Buda und Pest. Von der hügligeren Buda Seite hat man einen schönen Überblick über die Donau mit all den abends schön beleuchteten Brücken und die Straßenzüge der Pest Seite. Genau wie Prag merkt man auch Budapest diesen typischen osteuropäische Charme an. Prächtige Bauten aus vergangenen Zeiten, die langsam verfallen und geschichtsträchtig sind, was den Touristen erfreut. Synagogen, große Kirchen, ein bisschen klapprige alte sowie neuere Straßenbahnen aber auch kleine Gassen und weniger herausgeputzte Ecken, an denen man sich nicht immer sofort wohl fühlt. Es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit mit Prag: möchte man mit der U-Bahn fahren, muss man erst die steilen Rolltreppen des Todes herunter, die verglichen mit dem, was wir aus Deutschland kennen, wirklich unglaublich steil und beängstigend sind.

Ein Blick auf die Donau, das Kunstschloss im Millenium Park, verfallende Pracht

Beleuchtete Brücken bei Nacht, der Heldenplatz, das Budapester Schloss und eine random Fassade
Und noch ein Tipp: wenn man einen Laden mit besonders schönen gebrauchten Büchern, Postkarten, Vasen oder was auch immer sieht sollte man das Objekt der Begierde direkt kaufen, wenn man es unbedingt haben will. Andernfalls ist nämlich nicht sicher, dass man mit so einem eingeschränkten Orientierungssinn wie zum Beispiel meinem und ohne mobiles Internet (und damit auch ohne Google Maps) je wieder den Laden findet.

2. Das Essen
Auch wenn man aus sprachlichen Gründen nicht immer gleich versteht, was genau dieses Gericht sein soll, kann man (als Omnivore ohne Allergien) einfach mal probieren, was es so an landestypischen Speisen gibt. Langos, gefüllte Paprika, Dobos Torte, Apfelstrudel oder traditionelle jüdische Kuchen mit Schichten aus Marzipan, Pflaumenmus und Biskuit - nicht immer wusste ich, was genau ich da bestellt habe und trotzdem wurde ich nicht enttäuscht. Obwohl: ich war überrascht, dass alles viel weniger scharf gewürzt war, als ich erwartet hätte. Ich probiere auf Reisen sehr gerne einfach landestypische Gerichte aus, denn über die traditionelle Küche lernt man auch sehr viel über die Kultur eines Landes.

Dobos Torte, Apfelstrudel, Ziegenkäse in Zucchinihülle…

Langos, gefüllte Paprika und gebackener Käse…*speichel*

3. Aquincum
Ich muss ja zugeben, dass ich sehr auf römische Ruinen stehe. Der Lateinunterricht hat einfach seine Spuren bei mir hinterlassen. 
Aquincum ist eine alte römische Stadt im Nordwesten Budapests, die einst ein militärischer Stützpunkt der Römer war, der die dort entlang der Donau verlaufende Grenze des Römischen Reiches nach Osten sichern sollte. Es gibt zwei Amphitheater zu besichtigen sowie eine Ruinenstadt in deren Nähe sich das dazugehörige Museum befindet.
Im Museum selbst gibt es viele schön aufbereitete Kleinigkeiten aus dem römischen Alltag zu sehen: Mosaike, Keramikgefäße, Waffen, Öllampen, sogar eine hydraulische Orgel, die man so rekonstruiert hatte, dass man den Ton nachempfinden konnte. Leider wurde das nicht als Tonaufzeichnung für die Besucher zugänglich gemacht. 
Bei gutem Wetter kann man sich ab April auch die Reste der römischen Gebäude im Freien ansehen, doch wir waren zu früh im Jahr und das auch noch bei Regen dort, um diese Möglichkeit wahrnehmen zu können. 
Für Studenten lag der Eintrittspreis bei 500 Forint, was nicht mal 2 Euro entspricht. Der volle Preis liegt mit 1600 Forint knapp über 5 Euro, was auch zu verkraften ist. Falls ihr euch für die römische Antike interessiert ist es ein sehr interessantes Ausflugsziel. 
Das Hauptgebäude, die römischen Gebäudereste und die rekonstruierte hydraulische Orgel

4. Sankt Stephans Basilika
Auf Reisen gehe ich gerne in die örtlichen Gotteshäuser. Nicht unbedingt, weil ich gläubig bin, sondern viel mehr, weil ich die kunstvollen Bauwerke und deren Geschichte spannend finde. Außerdem ist der Eintritt meistens auch frei und die Temperatur innen angenehm.
Der Stephans Dom oder auch Szent István-bazilika liegt sehr groß und prächtig am Stephans Platz. 8500 Menschen sollen laut Wikipedia darin Platz finden können und so beeindruckend riesig wirkte dieses katholische Gotteshaus auch auf mich.
Nicht nur die Größe ist prächtig, sondern auch die marmornen Säulen und farbenfrohen
Verzierungen der Decke oder auch der Altar sowie die Statuen Heiliger an den Wänden.

Benannt ist die Kirche nach König Stephan, dessen rechten Hand dort als Reliquie aufbewahrt wird. Stephan I. hat das Königreich Ungarn begründet und war auch dessen erster König. Grund genug, seine Hand in einem prachtvollen Schrein aufzubewahren und eine Basilika drum herum zu bauen.





5. Große Markthalle
Der größte und älteste Bau für einen überdachten Markt in Budapest ist ein beliebtes Ziel für Touristen aber auch für Einheimische zum alltäglichen Einkauf. Auf den zwei Etagen des 1897 fertig gestellten Baus, der auch von außen sehr hübsch anzusehen ist, gibt es unten jede Menge Lebensmittel und oben diverse Souvenirs zu kaufen.
Falls ihr frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Käse, Wurst, Gebäck, Gewürze oder Taschen, bestickte Kleidung und Glaswaren sucht, seid ihr hier richtig. In einem kleinen Teil der oberen Etage gibt es auch ein paar Kleinigkeiten zum essen direkt auf die Hand.
Auch wenn man nichts weiter kauft, ist es ein tolles Erlebnis zwischen den ganzen Ständen entlang zu schlendern und sich umzusehen. Etwas ganz anderes als der wöchentliche Einkauf im Supermarkt. Außerdem ist auch die Halle selbst mit den hohen gewölbten Decken sehenswert. Ein wenig erinnerten mich die hohen Fenster und die längliche Grundform der Halle sogar an eine Kirche.


6. Barka Fonal
Ich gebe zu, dass das hier ein sehr individueller Tipp ist, der definitiv nicht jeden ansprechen wird aber ich persönlich finde ihn genial und wäre gerne früher auf die Idee gekommen. Dass ich leidenschaftlich gerne stricke und ab und an auch häkle, ist ja schon lange kein Geheimnis mehr. Jetzt kam aber der geniale Einfall dazu, dass man sich als Urlaubssouvenir statt des üblichen Touristenkrams doch einfach in dem bereisten Ort ein Knäul Sockenwolle für ein Paar Souvenirsocken kaufen könnte. Denn das ist ein total individuelles Erinnerungsstück, das nicht nur relativ günstig ist, sondern mir auch noch beim Stricken Freude bereitet. 
Vor Ort haben wir einfach nach einem Wollgeschäft in Budapest gegoogelt und wurden mit dem Laden Barka Fonal auch fündig. In dem Geschäft gibt es eine große Auswahl an internationalen aber auch ungarischen Garnen. Fonal bedeutet übrigens auf ungarisch stricken, merkt euch das für die Suche nach Strickmaterial, meine wollbegeisterten Freunde!
Für mich habe ich die türkis-violette Wolle besorgt, die wilde orange-pinke ist ein Mitbringsel für meine Strickfreundin daheim. Ich bin schon gespannt, was für ein Muster ich in meine Budapest-Gedenksocken stricken werde und plane das auch schon voller Vorfreude, jedoch müssen erst noch ein Paar Ostersocken und zwei Paar Geburtstagssocken zum Verschenken gestrickt werden.

So muss das Paradies aussehen! Ich könnte mich den ganzen Tag durch das Regal voller Wolle wühlen

Und das war es auch schon mit meinen Tipps für Budapest. Ein Besuch der Stadt lohnt sich definitiv auch wenn das The Grand Budapest Hotel aus dem gleichnamigen Film leider nicht in Budapest steht.

Apfelkern

Dienstag, 3. März 2015

Kopf aus dem Sand

Immer wenn man vor neuen Herausforderungen steht, fragt man sich, ob man sie bewältigen kann. Klar, man hat im Leben doch schon so viele Hindernisse überwunden! Und obwohl man sich das immer wieder versichert, bleibt doch bei mir der Gedanke zurück, ob man selbst nicht doch weniger gut ist als die anderen.

Wie kommen die durchs Medizinstudium wenn sie sich jedes Wochenende ein schönes Leben ohne Unizeug machen während ich die ganze Zeit kontinuierliche lerne, um alles zu schaffen? Bin ich so dumm oder sind die so begabt? Was mache ich da falsch?

Heute war der erste Tag meiner Famulatur im Krankenhaus. Neue Situation, unbekanntes Krankenhaus, neue Menschen. Angst, den ersten Eindruck direkt zu ruinieren.
Was, wenn die Ärzte merken, dass ich nicht alles weiß - solche dämlichen Gedanken schießen mir durch den Kopf. Man weiß nie alles, auch nach Abschluss des Studiums nicht. Trotzdem: was, wenn sie denken, dass ich für jemanden nach 5 Semestern Medizinstudium nicht besonders viel Ahnung habe? Der Gedanke hat mich so lange fertig gemacht, bis ich mir abends noch einmal die Gefäßverläufe des Abdomens zu Gemüte geführt habe.

Unter all den immer wieder aufkommenden Selbstzweifeln weiß ich eigentlich, dass ich damit nicht allein bin. Jeder hat Momente, in denen er an sich selbst zweifelt, denkt, dass alle anderen es einfach mehr drauf haben. Es zeigt nur fast keiner. Dieses Wissen hilft nur leider nicht, die Selbstzweifel zu verhindern.
Mir ist klar, dass ich mir damit in gewisser Weise selbst das Leben schwer mache. Der Wunsch, so gut wie möglich zu sein ist aber stärker.

Ich bewundere die Menschen, die voller Überzeugung sich selbst anpreisen. In Bewerbungsgesprächen kommt das bestimmt besser an. Ich selbst denke immer, dass ich mich doch gut genug kenne, um auch meine Schwächen zu kennen und mich wegen dieser auch nicht so anpreisen kann.
Genauso wenig muss ich mich in den Mittelpunkt der Gesprächsrunde stellen und alle Aufmerksamkeit beanspruchen - denn ich bin mir sehr sicher, dass es interessantere Personen gibt als mich. Und abgesehen davon will ich eh lieber meine Ruhe als von allen beobachtet zu werden.

Obwohl ich weiß, dass ich mir selbst Steine in den Weg lege, indem ich an mir zweifle und Menschen mit größerem Selbstbewusstsein und/oder Mundwerk den Vortritt lasse, ändere ich nichts daran. Gleichzeitig hasse ich es, wenn ich bemerke, dass jemand nicht durch Können sondern durch Dreistigkeit und Selbstdarstellung etwas erreicht. Ich empfinde es als unfair. Man selbst arbeitet all die vorgeschriebenen Stunden an bestimmten Pflichtveranstaltungen ab und andere fälschen einfach die Unterschrift oder reden sich mit charmanten Worten heraus. Am Ende kommen in dem Fall sogar alle zum gleichen Ergebnis, nur dass die einen gearbeitet haben während die anderen ihre Freizeit auskosten. Ein bisschen Neid schwingt da definitiv mit.
Manchmal wünschte ich mir, dass ich auch so eloquent und schlagfertig wäre, mich in einigen Situationen allein durch Worte statt Leistungen durchschlagen zu können. Aber so bin ich einfach nicht. Und wahrscheinlich würde da ein schlechtes Gewissen bei mir zuschlagen. Ich zweifle viel lieber an mir selbst und treibe mich dazu an, mehr zu tun, um diese Zweifel zu überwinden. Und wenn ich mir Mühe gebe, taucht sogar der Gedanke, dass ich guten Grund habe, selbstbewusst und stolz zu sein auf schon erreichte Ziele wieder auf.
Vielleicht ist der Sebstzweifel doch nicht nur schlecht, wenn er mich auch an solche Dinge denken lässt.

Apfelkern