Montag, 29. Februar 2016

Einem geschenkten Floh…

Es gibt viele Möglichkeiten, seine aussortierten Sachen los zu werden.
Verkaufen, spenden, etwas neues daraus machen, in den Müll werfen, verschenken. Meistens verschenkt man dabei nur an sein näheres Umfeld sprich Freunde, Familie, Kollegen. Bisher war es auch bei mir so - bis ich das Konzept des Schenkflohmarkts entdeckt habe.

Der Name sagt dabei schon alles: es ist ein normal aufgebauter Flohmarkt mit Privatpersonen, die an Ständen ihre aussortierten Besitztümer präsentieren. Der Unterschied zu den üblichen Flohmärkten besteht darin, dass man nichts kaufen muss sondern direkt mitnehmen kann, was einem gefällt. Einfach so.
Jeden letzten Sonntag im Monat findet in Berlin der Schenkflohmarkt statt, genaueres dazu findet ihr hier.

Mir gefällt diese Idee und so habe ich gestern Gegenstände, die für mich keinen Zweck mehr erfüllen, gemeinsam mit einer Freundin dort angeboten.
Zuerst einmal war ich überrascht, dass so ein kleiner Flohmarkt so unglaublich stark besucht ist. Gleich als wir anfingen, die einzelnen Teile auf unserem Tisch aufzustellen, fielen die Besucher wie Heuschrecken über uns her und versuchten hemmungslos die besten Stücke zu ergattern. Das war doch sehr beängstigend, ich fühlte mich unangenehm bedrängt.
Nur weil alles kostenlos ist, muss man sich doch nicht jeder Zurückhaltung entledigen und sich gierig auf die Auslagen stürzen!

Der Vorteil war definitiv, dass die Sachen schneller verschwanden als wir überhaupt alles auspacken konnten. Und ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dass all mein Zeug gar nicht auf den Tisch passen würde. Völlig unbegründete Sorgen.

Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Besucher des Flohmarkts sich verhielten.
Einige waren zurückhaltender, sahen sich die Sachen erst genau an, stellten Fragen, bevor sie etwas mitnahmen und bedankten sich dafür. Bei anderen war es eher ein ich kam, sah und riss es an mich. Teilweise habe ich gar nicht mitbekommen, wie ein Teil meiner angebotenen Gegenstände einen neuen Besitzer fanden, weil selbiger so schnell wieder verschwunden ist wie er aufgetaucht war. Darüber ärgerte ich mich allerdings nicht wirklich.
Die einzige negative Erfahrung war eine Frau, die bei einem Feindüsenaufsatz für Window Colour Farben kritisierte, dass das Set ja gar nicht vollständig sei. Auf der Packung seien immerhin fünf Punkte aufgelistet aber nur drei Einzelteile darin.
Ich wies sie so freundlich es ging darauf hin, dass die fünf Punkte die mit dem Aufsatz kompatiblen Window Colour Hersteller aufzählte. Schließlich stopfte sie wortlos das Set in ihre Tasche und stapfte davon.
Offen gesagt fand ich es ziemlich dreist und unfreundlich, sich bei einem geschenkten Set durch eigenes fehlerhaftes Lesen zu echauffieren, dass es nicht vollständig wäre. Sich darüber aufzuregen wäre aber verschwendete Energie und so war ich froh, dieses doch spezielle Teil vermittelt zu haben.

Positiv ist mir aufgefallen, dass sich viele Leute sehr gefreut haben über meine Sachen. Es waren anscheinend Dinge, die sie wirklich brauchen konnten.
Eine Erkenntnis des Nachmittags war, dass man auf dem Schenkflohmarkt wirklich alles los wird. Wenn es umsonst ist, zögern die Menschen kaum, es einfach mitzunehmen. Von Teestövchen über Cheerleader Pompoms bis hin zur Einhand-Käsereibe konnte ich alles unters Volk bringen.

Hingetragen - Weggetragen

So ein wenig frage ich mich, ob der Schenkflohmarkt die Besucher nicht doch zu sehr dazu verleitet, sich Dinge mitzunehmen, die sie eigentlich nicht brauchen. Zu geschenkten Dingen sagen nur wenige Menschen nein.
Ich zweifle etwas daran, dass die Dame, welche sich etwa die Hälfte meiner ungeliebten Modeschmuckohrringe eingepackt hat, alle davon leidenschaftlich tragen wird. Mir kann das prinzipiell egal sein, wie voll sie sich die Wohnung stellt und dennoch… so ein bisschen schuldig fühle ich mich nun doch, meinen Kram an sie abgegeben zu haben. Wobei das natürlich Quatsch ist, da sie sich selbst dafür entschieden hat.
Ich frage mich auch, welcher einhändige Käseliebhaber sich nun an der Einhand-Käsereibe erfreut. Bestimmt lese ich irgendwann im Internet von ihm eine begeisterte Rezension über die Reibe. Bestimmt.

Fazit: es war ein sehr interessanter Nachmittag, der mich im Aussortieren voran gebracht und in gewisser Weise auch glücklich gemacht hat, da ich anderen eine Freude bereiten konnte. Es war spannend zu sehen, wer sich welche Dinge auswählt.
Am Ende bin ich aber selbst entgegen meiner Erwartung auch nicht mit leeren Händen nach Hause gegangen, da ich drei nützliche Dinge entdeckt habe: eine dünne Wetterjacke für meine davon völlig überraschte und begeisterte Mutti, ein Sachet Rosencreme ebenso für sie sowie ein Set von je vier kleinen und großen Tellern für mich.

Der vorher-nachher Vergleich meiner Besitztümer lässt sich sehen und macht mich glücklich. Bis zum nächsten Schenkflohmarkt in einem Monat werde ich sicher wieder genug aussortiert haben, um wieder daran teilzunehmen. Und ich freue mich darauf!

Montag, 22. Februar 2016

I like to party and by party I mean knit

Samstag Abend - da ist man auf Achse, die jungen Leute sowieso. Party, Party, Party und bitte nicht zu knapp Alkohol.
Das scheint in etwa das zu sein, was man sich klischeehaft als Programm für Samstage vorstellt. Zu Hause zu sitzen ist etwas für die älteren Herrschaften oder Leute ohne Freunde. So kommt es mir zumindest vor.

Immer wieder werde ich zu WG Partys eingeladen und jedes Mal überlege ich, ob ich so wirklich meinen Samstag Abend verbringen möchte.
Denn: ich könnte stattdessen mindestens drei Folgen meiner aktuellen Serie anschauen und dabei eine halbe Socke stricken. Oder ein Stündchen die Yogamatte ausrollen und mich im Anschluss in der Küche austoben und einen Kuchen backen, um das Kaloriendefizit wieder auszugleichen. Aber nein, man muss dem Anspruch auf Sozialisierung gerecht werden und den Abend mit einem Haufen Menschen verbringen. Meistens Menschen, die einfach nur auch zufällig zur gleichen Feier eingeladen werden. Menschen, die man nicht immer besonders mag und mit denen man nicht immer unbedingt seinen wertvollen Samstag Abend verbringen will.

Man möchte ja nicht so pessimistisch sein und denken, dass der Abend verschwendet sein wird. Positiv denken oder auch von vornherein nicht zu viel darüber nachdenken (mir wurde immerhin schon mehrfach gesagt, ich wäre verkopft) und einfach offen sein; hin gehen.
Wie soll man denn auch neue Freunde oder gar einen Partner finden, wenn man WG Partys meidet? Die Stimme in meinem Kopf flüstert, dass ich das auch in der Uni, über Hobbys oder im Internet tun könnte. Personen, die ähnlich gestrickt sind wie ich hängen schließlich genauso wenig gerne wie ich auf Stundentenfeiern herum.

Am Ende gehe ich oft tatsächlich hin, bevorzugt früh. Zumindest früh im Sinne von pünktlich zur angegebenen Zeit, die meistens eh in meinen Augen viel zu spät angesetzt wird. Haben die Gastgeber denn am nächsten Tag gar nichts zu erledigen?
Zu Beginn sind die Gäste dann noch halbwegs nüchtern, die Musik noch eher im Hintergrund und man kann sich in Ruhe unterhalten. Dabei lernt man durchaus interessante Leute kennen und hat Spaß.
Irgendwann erreichen diese Partys dann einen kritischen Punkt, an dem der Fokus von Gesprächen zu Alkohol, Trinkspielen, Rauchen, über die Musik hinweg brüllen und wenn es gut läuft Tanzen wechselt. Beziehungsweise die Gespräche finden von Anfang an einfach nicht statt, weil ich keinen Gesprächspartner finde und auch nicht so extrovertiert bin, dass ich ohne Zwang fünf fremde Menschen an einem Abend nacheinander anspreche.

Das ist einfach nicht das, was ich unter Spaß verstehe. Ich habe keine Lust mich zu betrinken - für den Körper ist Alkohol Mist und obwohl mir selbstgemachte Fruchtliköre, Cider, guter Whisky oder Cocktails gut schmecken, habe ich einen großen Widerwillen dagegen, in Gesellschaft eventuell die Kontrolle zu verlieren. Wenn das je passieren sollte, dann bevorzugt im engen Freundeskreis und an einem sicheren Ort, an dem ich dann auch übernachten kann. Plus: auf den klassischen Studentenpartys gibt es meist Bier, Wein, Sekt, Vodka und Cola-Rum. Finde ich geschmacklich alles ekelhaft und trauere gleichzeitig um den schönen Rum, der in der Cola endete.
Meistens greife ich dann auf Leitungswasser zurück und fühle mich wie der größte Getränkenörgler und Langweiler ever. Bin ich wohl auch. In diesen Momenten möchte ich dann auch eigentlich nur nach Hause, mir einen schönen Tee kochen und noch einen entspannten Abend haben. Aber nein - ich wollte mich ja unter Menschen begeben.
Die einzige Möglichkeit, den Abend zu retten, sind dann noch wirklich gute Gespräche oder eine florierende Tanzfläche. Denn ich liebe es zu tanzen, gern auch wild - ganz unabhängig vom Alkoholpegel.

Ich fasse zusammen: Ich verbringe freie Zeit, die ich nicht im Überfluss habe mit Menschen, die ich nicht kenne und eventuell nicht mag um auf einer Party herum zu hängen, was definitiv eine Tätigkeit ist, der ich wenig abgewinnen kann. Zeit verschwenden, jedes mal Wein und Bier ablehnen und hoffen, dass ich bald nach Hause kann.

Das klingt jetzt alles so, als wäre ich ein ziemlicher Einzelgänger mit Sozialphobie. Entspricht jedoch nicht ganz der Realität. Neue Menschen kennen lernen ist anstrengend und nichts, was ich als Freizeitbeschäftigung an einem oder gar jedem Wochenende machen möchte. Wenn ich mich verabrede, dann bevorzugt mit Personen, die ich bereits kenne und schätze; Personen, mit denen sich die Zeit lohnt. Sei es allein durch eine gute Unterhaltung, gemeinsamen Sport, gegenseitige Hilfe, Verständnis oder sonstiges.
Ich merke jedes Mal selbst, dass das klassische Konzept der Studentenparty nichts für mich ist. Ein Filmabend mit Freuden und Stricken auf der Couch ist mir so unendlich viel lieber. Was ist eigentlich aus Singen am Lagerfeuer oder Spieleabenden als Partykonzept geworden? Muss ich erst vierzig werden, damit das als Abendgestaltung akzeptabel wird?

Manchmal ärgere ich mich, dass ich nicht so sein kann wie scheinbar die meisten anderen Partygäste und tatsächlich den ganzen Abend sorglos Alkohol in mich hinein kippen und Shisha rauchen kann ohne mich davor unglaublich zu ekeln. Inhalative Drogen sind für mich etwas, das ich absolut abstoßend finde. Ich kann mich nicht überwinden, irgendwelche Rauchwolken freiwillig einzuatmen. Sollte ich mal kiffen wollen, dann wird die Methode der Wahl definitiv der klassische Haschkeks.

Man kann nicht aus seiner Haut und so weiß ich, dass ich diese Homepartys nie mögen werde. Aber das ist okay. Nur leider weiß ich ebenso, dass ich sie weiter besuchen werde. Weil ich sonst ein schlechtes Gewissen habe, dass ich mich zu sehr isoliere. Schon albern.

Das, was ich an diesen Samstagabenden auf Feiern am meisten hasse, ist es, mich dort wie ein Fremdkörper zu fühlen. Dieses Gefühl, so unendlich langweilig zu sein habe ich sonst nie. Und wenn einem diese Abende ein schlechtes Gefühl vermitteln, wird man sich dort auch nie wohl fühlen.

Wie verbringt ihr eure freien Abende?

Donnerstag, 11. Februar 2016

Aus dem Leben eines (Ex-) Prüfungspanikers

Das war's - die Prüfungen liegen hinter mir,  Semester sieben ist geschafft.
In den Tagen vor den Klausuren war ich fleißig am Erfüllen des Lernplans, die während des Semesters ausgearbeiteten Notizen waren wie immer hilfreich und doch war es komplett anders als sonst: ich war überhaupt nicht aufgeregt.

Vor allem in den ersten Semestern dachte ich vor jeder schriftlichen und vor allem den praktischen Prüfungen, dass ich jetzt entweder vor Aufregung sterben oder falls nicht wegen Dummheit und schlechter Leistungen exmatrikuliert würde. Spoiler: nichts davon ist geschehen.
Auch nachdem ich mehrfach erlebt hatte, dass man die Prüfungen während des Medizinstudiums über- und bestehen kann, war ich immer extrem aufgeregt davor.

Doch in dieses mal war da einfach nix. Keine Panik, kein Herzrasen, kein trockener Mund und auch keine Schlaflosigkeit. Hallo vegetatives Nervensystem, bist du noch da oder in den Ruhestand gegangen? Warum machst du plötzlich keinen Terror und dauerhaft erhöhte Adrenalinspiegel mehr?
Das einzige, was mich wirklich nervös gemacht hat, war die Tatsache, dass ich gar nicht nervös war.

Ich wusste, dass ich die meisten Veranstaltungen besucht und mich vernünftig vorbereitet hatte. Mit dem Ablauf der schriftlichen Klausuren bin ich vertraut und den Anfängerfehler, keinen Bleistift mitzunehmen, würde ich auch nicht noch mal machen. Es gab realistisch gesehen keinen Grund zur Panik.

Trotzdem fühlte ich mich unwohl, weil ich mich nicht durch das zusätzliche Adrenalin wach gehalten bis spät in die Nacht mit der vierten Wiederholung zu Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis beschäftigte sondern stattdessen schlief. Ich fühlte mich schlecht, weil ich nicht aufgeregt war. Als würde man die Prüfungen nicht ernst nehmen, wenn man in den Tagen davor ruhig schlafen kann.

Nachdem ich mir insgeheim ein paar Tage lang Vorwürfe gemacht habe, dass ich so locker an die Klausuren heran gehe, bin ich zum Schluss gekommen, dass es eine normale Entwicklung ist. Der Mensch gewöhnt sich an alles und dann ist die Semesterabschlussprüfung es eben nicht mehr so aufregend, dass einem vor lauter Nervosität schlecht wird. Es ist zwar schwierig, die Grenze zwischen zu viel Gelassenheit und dadurch fehlender Vorbereitung und zu viel Anspannung zu ziehen aber ich bin froh, in der letzten Woche vor den Prüfungen geschlafen zu haben.

In den Semestern zuvor hat mich diese Prüfungsangst sehr zum Lernen angetrieben, jetzt musste ich das selbst tun. Und zu meiner Überraschung hat das sogar funktioniert. Denn obwohl ich um zehn die Unterlagen zur Seite gelegt habe, hatte ich keinen Zeitdruck, weil ich dank Lernplan einfach früh genug (sprich: Wochen vorher) angefangen habe.
Da die Prüfungen nach subjektivem Empfinden gut gelaufen sind, bin ich gespannt, ob das Ergebnis dann anders ist als sonst aber bis jetzt mache ich mir da noch keine Sorgen.

Als jemand, der sich definitiv nicht als Prüfungsmensch bezeichnen würde, habe ich schon immer die Menschen bewundert, die ganz gelassen an die Klausuren am Ende des Semesters oder auch schon die Abiturprüfungen heran gegangen sind. Es gibt sogar Personen, die sich angeblich regelrecht auf die Prüfungen freuen, weil sie darin endlich zeigen können, was sie gelernt haben. Verrückt, oder? Also ich glaube ihnen ja kein Wort.

Mir ist diese Einstellung leider nicht gegeben. Vor den Prüfungen litt ich mindestens die zwei Tage direkt davor an Herzrasen und Schlaflosigkeit, sobald ich aber mit der Klausur vor mir am Schreibplatz sitze oder vor den Prüfern stehe, bin ich ganz ruhig. Ich bin da eher der Typ Sturm vor der Ruhe. Immerhin.
Dass ich in diesem Semester jetzt aber auch noch an den zwei Tagen davor unbeeinträchtigt war, machte mich sehr glücklich. Es gibt anscheinend doch Hoffnung für uns Klausurangsthasen. Wir brauchen einfach nur eine längere Gewöhnungsphase. Zwar bedeutet das nicht, dass man sich je auf Prüfungen freuen wird, aber es bedeutet, dass man sie schaffen kann. Und zwar ohne vorher oder währenddessen vor Aufregung hyperventilierend zu kollabieren.

Wie schön zu sehen, dass man mit seinen Aufgaben wächst!

Sonntag, 31. Januar 2016

Aufbrauchen für Anfänger

Ende des Monats - Zeit für einen Post über meine aufgebrauchten Produkte!

Keine Sorge, ich werde euch nun nichts über meine liebste Handcreme und mein Duschbad schreiben, sondern mir geht es viel mehr um den Prozess des Aufbrauchens selbst.
Gibt man bei YouTube "Aufgebraucht" in die Suchleiste ein, findet man zahlreiche Videos, in der meist junge Damen voller Stolz präsentieren, welche Produkte sie geleert haben. Besonders oft geht es dabei spezifisch um Körperpflege und Kosmetik.

Schon verrückt, dass man so glücklich sein kann über etwas, das man nicht mehr besitzt. Das ist eindeutig ein Phänomen in einer Gesellschaft mit Überfluss und vielleicht auch speziell in unserer Generation - ich könnte mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass mein Opa freudig triumphieren würde, wenn er den letzten Rest aus dem Duschbad gequetscht hat. Er kommt aus einer Zeit des Mangels und der Sparsamkeit.

Sparsamkeit. Eigentlich ist es gut, ein zu verbrauchendes Produkt komplett verwendet zu haben, denn dann wurde es nicht grundlos gekauft. Aber wie sich zeigte, sind die wenigsten präsentierten Behälter in den aufgebraucht Videos wirklich leer. Da klebt fast immer noch etwas Creme am Rand und ein Ring Puder ist im Pfännchen. Als ginge es nicht darum, das Produkt völlig zu verwenden sondern nur rechtzeitig zum Bericht über die aufgebrauchten Dinge präsentierfähig für die Kamera zu bekommen. Daher noch mal ein kurzes Quiz, um die Definition aufgebraucht zu klären: welche der Kosmetika in dem folgenden Bild ist aufgebraucht und damit bereit zum Entsorgen?


Lösung: keins! Sowohl den Rest des Abdeckzeugs, das Puder als auch den Lippenstift habe ich noch einige Male verwenden können. Man muss nur ein bisschen auskratzen.

Und damit auch zurück zum Minimalismus. Der ist nämlich mehr als nur das Wegwerfen von Objekten, um den eigenen Besitz in der Gesamtanzahl zu reduzieren und am Ende eine stylisch leere Wohnung wie aus dem Katalog zu haben. Es geht auch um einen bewussten Umgang mit den Ressourcen. Das ist es dann wahrscheinlich auch, was Aufbrauchen unter Beauty Gurus und Leuten, die nach weniger Besitz streben unterscheidet. Neben der Tatsache, dass die Beauty Gurus im nächsten Haul das ganze Zeug plus X noch mal kaufen.

Als Kompromiss dazwischen habe ich angefangen, einfach mal all die kleinen Probesachets von Cremes zu verwenden, damit sie nicht weiter im Badezimmer einstauben während ich mir einrede, ich würde sie für Reisen brauchen, da sie ja handlicher sind als die Packungen normaler Größe.
Auch für den Bereich Lebensmittel ist das Aufbrauchen eine gute Methode, um den Besitz zu reduzieren. Ich habe mir den Inhalt des Tiefkühlfachs angesehen und dann von diesen Lebensmitteln ausgehend die Mahlzeiten geplant. Schließlich ist es auch unnötig, je zwei Packungen Tiefkühlhimbeeren und Prinzessbohnen auf Lager zu haben, da sie nur Platz einnehmen. Natürlich ist das etwas anderes als ein ungeliebter Pullover, der hinten im Schrank sein Dasein fristet, denn die Himbeeren werden mit Freude gegessen und verwendet. Dennoch ist es unpraktisch und auch stressig, wenn einem aus dem übervollen Schrank Packungen von Spaghetti entgegen fallen nur weil man eben sicherheitshalber - man könnte ja verhungern - schon ein paar mehr davon gekauft hatte.

Insgesamt finde ich es angenehmer, die Anzahl von verbrauchbaren Dingen wie Lebensmitteln, Putzmittel oder Körperpflege zu reduzieren als Kleidung oder Bücher auszusortieren. Denn da ich sie tatsächlich verbrauche und so ihrem Verwendungszweck zuführe, fällt es mir leicht, die Schränke im Laufe der Zeit zu leeren. Es macht mir sogar ein bisschen Spaß zu sehen, wie die Vorräte sich lichten. Dabei habe ich auch definitiv den Ehrgeiz, jede Packung bis auf den letzten Rest auszukratzen - denn alles andere wäre ja Verschwendung.

Das Ziel ist für mich, nur noch das zu haben, was ich gerne und regelmäßig verbrauche. Der Weg dahin hat noch ein wenig Strecke aber es gilt für mich, dabei nichts zu verschwenden. Wenn etwas mir so gar nicht zusagt, versuche ich es zu verschenken. Grundsätzlich gilt aber: Aufbrauchen heißt komplett verwenden und nicht einfach nur weg werfen.

Sonntag, 24. Januar 2016

Was bedeutet Minimalismus eigentlich (für mich)?

In meinem Post zu meinen Vorsätzen für dieses Jahr habe ich geschrieben, dass ich minimalistischer leben möchte - doch was heißt das nun eigentlich konkret? Was ist denn dieser Minimalismus? Diese Frage beschäftigt mich auch und die Gedanken dazu möchte ich mit euch teilen.

Wenn man versucht, etwas zu definieren, kann es helfen, Wikipedia zu fragen. Die wissen doch schließlich eine Menge.
Minimalismus bezieht sich dort nicht immer auf das gleiche Subjekt. Es gibt ihn in der Architektur, der Musik, der Kunst, der Linguistik - aber mich interessiert vor allem der Minimalismus im Sinn eines einfachen Lebens, wie es so schön in der freien Enzeklopädie heißt.

Das bedeutet für einige, nur eine bestimme Anzahl von Gegenständen zu besitzen und für andere, nur das zu haben, was man wirklich braucht ohne sich dabei auf Zahlen festzulegen. Überhaupt gibt es nicht den Minimalismus sondern es ist eine flexible Bezeichnung für eine Lebensweise, die versucht sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das Wesentliche ist für jeden etwas anderes.

Kein überflüssiger Konsum, dadurch weniger Ausgaben für Dinge, die man eigentlich nicht wirklich braucht und die einem langfristig nur die Wohnung füllen statt glücklich zu machen. Das klingt jetzt so als würde es dem gesunden Menschenverstand entsprechen, sich so zu verhalten aber wenn ich ehrlich bin, habe ich es trotzdem nicht immer so umgesetzt.
Man kauft doch Dinge, weil sie im Angebot sind oder durchstöbert ohne die tatsächliche Absicht, etwas zu kaufen live aber vor allem auch online Geschäfte. Diese Zeit kann man sich wirklich sparen.

Zeit ist auch ein wichtiger Punkt im minimalistischen Leben. Es geht darum, seine Zeit bewusst wahrzunehmen und auch zu genießen. Wenn man weniger besitzt, muss man weniger Zeit für dessen Organisation und Erhalt aufwenden. Besitz verpflichtet halt doch. Da fällt es schwer, einfach mal nichts zu tun und sich zu entspannen oder den Hobbys nachzugehen, wenn man das Chaos in seinen Schränken zähmen muss.
Ohne die einen umgebende Unordnung fühlt man sich auch innerlich ruhiger, entspannter weil man nicht von sich stapelnden Dingen auf dem Schreibtisch bedrängt wird.

Klingt alles theoretisch prima soweit. Wie läuft es mit meiner Umsetzung?
Ich habe angefangen, Dinge auszusortieren, die ich lange nicht benutzt habe. Schmuck aussortiert und verschenkt und Kleidung zur Kleiderspende gebracht.
Einige Male habe ich bewusst Dinge nicht gekauft, da ich bemerkt habe, dass sie mich nur angesprochen haben, da sie reduziert waren. Aber macht mich ein The Body Shop Duschgel nun ernsthaft zu einem glücklicheren Menschen besonders, wenn es nun zwei Euro weniger kostet? Mein Fazit war, dass fünf Euro für ein Duschbad noch immer völlig übertrieben und an anderer Stelle sehr viel besser investiert sind.
Ähnlicher Fall: braucht man eine zweite Schutzhülle für sein Handy nur weil sie ein unglaublich schönes Mandala Design hat? Ich habe sie bestellt - und wieder zurück geschickt. Sie hat absolut nicht an das Telefon gepasst obwohl ich definitiv für exakt mein Modell bestellt habe. Es sollte nicht sein. Und ehrlich gesagt kann man immer nur eine Hülle auf einmal benutzen.
Das Geld, das man dadurch spart kann man langfristig auch für Dinge einsetzen, die das eigene Leben wirklich bereichern. Urlaube, Konzerte, qualitativ hochwertigere Produkte.

Auf Youtube und Blogs begegnete ich immer öfter dem Modell der Capsule Wardrobe. Es ist ein Ansatz mit einer limitierten Anzahl (je nach Autor meist 33-37 Teile) von Kleidungsstücken (Unterwäsche, Sportbekleidung, Nachtwäsche und noch ein paar ähnliche Dinge ausgeschlossen), sich drei Monate und damit etwa eine Saison lang zu kleiden. So weiß man definitiv, was man hat und wie man es kombiniert um sich darin wohl zu fühlen. Nach den drei Monaten wird neu gemischt mit den restlichen saisonalen Kleidungsstücken, die man hat, um so die Anpassung an Wetterwechsel zu gewähren.
Moment - das sagt ja noch nichts über die Anzahl der Kleidung! Man kann ja trotzdem 200 Kleidungsstücke haben und sie nur durchwechseln. Mein Plan ist erst mal ganz unabhängig von einer Anzahl zu sortieren, was ich wirklich gerne und oft trage und denn Rest gehen zu lassen.

Denn momentan muss ich oft feststellen, dass ich so viel Kleidung habe, dass ich ganz klischeehaft einen Schrank voller nichts zum Anziehen habe. Ich plane nach den Prüfungen meinen kompletten Kleiderschrank auf den Kopf zu stellen und radikal zu entrümpeln. Wenn einem jahrelang die gleichen Größen passen, sammelt sich viel mehr an als man wirklich braucht und momentan macht mich das beim Blick in den Schrank unglücklich.
Trotzdem habe ich es bisher noch einfach nicht geschafft, Dinge, die ich sei es aus nostalgischen Gründen oder allein dem Grundsatz "man weiß ja nie, wofür man das noch braucht" behalten habe, auszusortieren.

Das klingt alles sehr positiv aber auch ein bisschen so als wäre Minimalismus nur ein trendigerer Ausdruck für "mal entrümpeln". So ein bisschen stimmt das im Moment für mich auch, da das Ziel einer minimalistischeren Lebensweise mich zum Entrümpeln motiviert. Aber es hört eben nicht damit auf. Es geht auch um eine nachhaltige, bewusstere Lebensweise darüber hinaus. Was exakt das für mich heißt, wird sich noch herausstellen. Denn eins weiß ich schon: Minimalismus ist eine Reise. Man ist nicht von jetzt auf gleich Minimalist sondern muss sich Schritt für Schritt dazu entwickeln und herausfinden, was das für einen persönlich bedeutet.

Ich bin also noch dran an meinen Vorsätzen. Auf das Aussortieren nach den Prüfungen freue ich mich regelrecht, denn ich kann es kaum erwarten, das loszuwerden, was mich nicht mehr glücklich macht und mir keinen Nutzen mehr bringt.

Apfelkern

Dienstag, 12. Januar 2016

Detox-Detox

Neues Jahr, neues Glück, neues ich. Das liest man gerade gefühlt überall. Ein großer Wunsch bei vielen ist es, gesünder zu leben. Mehr Sport, weniger Alkohol, mehr Gemüse essen. Mal so richtig detoxen.

Detox ist ein Wort, das ich sehr zwiegespalten betrachte.
Detox ist ohne Zweifel momentan Trend. Es gibt Detox Tees, Detox Pulver, Detox Kur Anleitungen, Detox Fußpads, Detox Saftkuren, die regelmäßig Fruchtpürees liefern und noch viel mehr. Sie alle haben es sich auf die Fahne geschrieben, dem Anwender die "Toxine" aus dem Körper zu spülen. So richtig detoxifizieren; entgiften. Genauere wissenschaftliche biochemische Angaben, was für Toxine das sein sollen, habe ich nirgendwo gefunden.

Es gibt viele Formen von Entgiftung, die der gesunde Körper täglich von allein vollzieht ohne dass wir dazu viel beitragen müssen. Es werden Stoffwechselendprodukte wie zum Beispiel Harnstoff oder Bilirubin über Urin und Kot ausgeschieden, der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt wird souverän von den Nieren gemanaged und die Lunge kümmert sich darum, dass CO2 abgeatmet wird, während die Leber falls nötig Medikamente und Drogen abbaut.
Wenn das nicht funktioniert, weil die einzelnen Organe beeinträchtigt sind, müssen ihre Funktionen unterstützt werden. Klassisches Beispiel ist die Dialyse als Nierenersatzverfahren oder die Beatmung und Sauerstoffgabe bis hin zur ECMO, wenn die Lunge es aus einem der zahlreichen möglichen Gründe nicht schafft, ihre Funktion zu erfüllen.
Krankenhäuser sind darauf spezialisiert, Patienten mit nicht funktionierenden Organen zu entgiften. Aber machen sie das je mit Fußpads, Grünkohl-Smoothies oder Detox-Badesalzen? Nein. Und das hat nicht nur den Grund, dass Kräutertees mit dem stolzen Preis von 25 Euro pro 100g von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden, sondern dass die einfach nicht entgiften.

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Tees und Kräutertee ist ein großartiges Getränk. Bloß es ist einfach nur ein Getränk und kein Detox-Wundermittel.
Warum berichten nun aber so viele Detoxgläubige unter den Angeboten der Kräutertees für 25 Euro pro 100g so begeistert, dass sie sich jetzt viel fitter fühlen und 1 Kilogramm abgenommen haben seitdem sie den Tee trinken und den Ernährungshinweisen aus der Teepackung folgen? Ganz einfach: Wenn man vorher vor allem süße Cola getrunken und dazu in aller Eile Tiefkühlpizza vorm Fernseher inhaliert hat, macht es schon einen großen kalorischen Unterschied, wenn man nun nur noch Kräutertee säuft und dazwischen seine rohköstlich veganen Salate mit püriertem Grünkohl runter spült. Die Ernährungsumstellung würde aber auch effektiv sein, wenn man dazu den preiswerten Kräutertee seiner Wahl aus dem Supermarkt seines Vertrauens trinken würde.

Aber klar: wenn ich schon so viel Geld für einen schnöden Tee ausgegeben hätte, würde ich mich auch verpflichtet fühlen, dessen Empfehlungen für die gesunde Lebensweise zu befolgen, um die maximalen Erfolge für mein Geld zu bekommen.
Alles, was die Menschen dazu bringt, sich bewusster zu ernähren, sich zu bewegen und Tee statt Zuckerwasser zu trinken ist eine gute Sache. Trotzdem fühlt es sich unglaublich falsch an zu beobachten, wie Firmen unverhältnismäßig viel Geld für normale Lebensmittel verlangen, nur weil sie die Verpackung hübsch gestaltet und "Detox" drauf gedruckt haben. Klar kann ich mir drei Tage lang täglich fünf frische Smoothies für insgesamt 150€ liefern lassen. Oder ich spare mir einen Großteil davon und püriere selbst mein Obst. Großer Nachteil: es fehlt natürlich die wunderhübsche Smoothieflasche für meine Detox-Instagrambilder.

Also: glaubt nicht an diese Detox Versprechen! Der wirkliche Detox wäre es, die "Toxine", deren Konsum wir kontrollieren können, auszulassen. Sprich nicht Rauchen und nicht so viel Alkohol beziehungsweise theoretisch am besten keinen trinken und so weiter. Und wenn man es bereits getan hat, dann hilft der Ablasshandel für Sünden im Umgang mit dem eigenen Körper, den die ganzen Detoxprodukte letztlich darstellen, auch nicht mehr. Oder wie stellt ihr euch das konkret vor, wie Tees, Fußpads und Smoothies Teer aus der Lunge entfernen und Doppelstrangbrüche in der DNA reparieren?
Grundsätzlich versucht die Detox-Bewegung einfach eine gesunde ausgewogene Lebensweise anzupreisen und das ist prinzipiell super. Jedoch benötigt gesunde Ernährung, die falls man so hart ist auch Grünkohlsmoothies enthalten kann, keine zusätzlichen Detoxprodukte. Diese Erkenntnis vermarktet sich nur leider so schlecht und bringt keinen Gewinn.
Regelmäßiger Stuhlgang und Wasser lassen sind mehr Detox als diese Produkte dem Körper je bieten könnten.

So, fertig geschimpft. Mein Geist fühlt sich jetzt sehr detoxed an.