Dienstag, 29. März 2016

Warum ich Facebook hasse

Social Media ist eine Sache, die in den konventionellen Medien so langsam angekommen ist. Einer der am meisten in Zeitungen, Radio und wahrscheinlich auch Fernsehen zitierten Vertreter davon ist Facebook. Diese riesige Seite, auf der die jungen Menschen sich gern ihre Zeit vertreiben, mit ehemaligen Mitschülern in Kontakt bleiben, über die sie zu ihren Feiern einladen und über den aktuellen Stand ihrer Candy Crush Sucht berichten. Scheinbar lieben sie alle Facebook.

Im Gegensatz dazu kann ich ganz klar sagen, dass ich persönlich Facebook aufrichtig hasse. Nicht einmal unbedingt, weil sie all meine Daten für immer speichern und mich jeder Arsch, mit dem ich nicht unbedingt etwas zu tun haben möchte, dort finden kann, weil es ja leider angesagt ist, seinen Klarnamen als Nutzernamen zu verwenden. Wenn ich nichts poste, kann niemand etwas finden ganz egal ob es dort nun einen leeren Account mit meinem Namen gibt oder nicht.
Ich hasse Facebook dafür, dass es mir ein unglaublich schlechtes Gefühl gibt, sobald ich es auch nur öffne. Offen gesagt zögere ich es so lange es geht heraus, die Seite überhaupt nur aufzurufen.

Das Unwohlsein fängt bei mir schon beim Design der Seite an: Facebook ist ein wildes Wimmebild. Es blinken die Einladungen, Benachrichtigungen über Geburtstage, Posts in Gruppen und dann verschiebt sich auch noch dauernd in der Chatleiste die Anzeige der sich aktuell online befindenden Freunde. Links fordern irgendwelche Apps, Pokes und sonstiger Kleinkram Aufmerksamkeit. Aber wenn man wirklich einmal etwas sucht, findet man es natürlich nicht.

Ignoriert man das störende Gedöns an den Seitenleisten sowie der Kopfzeile und versucht, die Posts seiner mehr oder weniger befreundeten Freunde zu lesen, muss man sich erst einmal durch die ganzen unwichtigen Informationen wühlen. Soundso hat jetzt ein neues Profilbild, irgendwer liked some random shit, hat neue Freunde, verlobt sich, hat Kinder, lässt einen Pups. Ich verstehe auf einer Seite, dass Facebook diese Informationen teilen möchte für den Fall, dass es bestimmte Nutzer interessiert, aber mich nervt das eigentlich nur. Weil es mich absolut nicht interessiert (Profilbild, Likes) oder auch weil es mir sofort ein ungutes Gefühl gibt (Verlobung, Freundschaften) würde ich diese Informationen gern abschalten können. 

Dass allein das Besuchen von Facebook in mir so ein ungutes Gefühl auslöst, hat auch damit zu tun, dass dort jeder nur seine beste Seite und seine Erfolge zeigt. Wenn ich - am besten in der bequemen Haushose - vor dem PC sitze und lese, dass irgendwer sich gerade während seines unglaublich wilden Wanderurlaubs im Himalaya verlobt hat oder ein Stipendium bekommen hat, zweifle ich jedes mal an mir. Es ist keine Missgunst, kein Neid - ich fühle mich einfach nur schlecht und das lächerlicher Weise ohne wirklich einen Grund dafür zu haben. Man fühlt sich wie ein Versager im Vergleich zu all dem Glanz, den die sogenannten Freunde auf Facebook über sich verbreiten.
Auf Blogs, Twitter oder Instagram findet zumindest in meinen Kreisen bei weitem nicht so viel Selbstbeweihräucherung statt wie auf Facebook. Social Media heißt für mich eigentlich ein Teilen von spannenden, bildenden oder auch einfach nur witzigen Informationen mit oder auch ohne Mehrwert. Im Vergleich dazu ist Facebook gefühlt ein Portfolio der besten Momente im Leben einer Person. Nix Gammellook oder Nachrichten darüber, dass man nachdem man bis halb zwölf geschlafen hat nun Pizza bestellt. 

Dazu kommt noch, dass ich mir meine Kreise auf Facebook komplett anders als auf anderen Social Media Seiten zusammengestellt habe. Wenn ich jemandem auf Twitter, Instagram oder seinem Blog folge, dann weil derjenige mir sympathisch ist, mich inspiriert oder in irgendeiner Form einen Mehrwert bietet. Auf Facebook "befreundet" man sich teilweise aus Gruppenzwang mit Kommilitonen, alten Schulfreunden oder wird im schlimmsten und bei mir häufigsten Fall durch andere als Freund angefragt. Und zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich diese Anfragen immer akzeptiere, wenn ich im realen Leben die entsprechende Person wirklich kenne. Eine Ablehnung der Anfrage käme mir vor wie eine unterschwellig aggressive Geste, weshalb ich das auch nie mache. So viel zum Thema Nein sagen können. 
Und so komme ich dazu, auf Facebook hauptsächlich von Leuten umgeben zu sein, mit den ich weder ernsthaft befreundet bin noch gerne Zeit mit ihnen verbringen würde. Dementsprechend sehr interessiert mich dann auch ihr neues Profilbild.

Ja und wenn ich den Laden so sehr hasse, warum habe ich dann noch immer einen Account?
Die Frage ist absolut berechtigt.
Facebook ist leider die Hauptinformationsquelle für alles, was das Studium betrifft. Prüfungsfragen aus den letzten Semestern werden gepostet, an Termine erinnert, Veranstaltungen bekannt gegeben. Komplett ohne Facebook ist man schlicht und einfach raus und wäre abhängig davon, dass andere einem verraten, wo die Semesterauftaktsparty stattfindet und ab wann man sich zum Sonographiekurs einschreiben kann. Ich finde es sehr schade, dass ich mich deshalb weiter damit herum ärgern muss.

Mein eigener Facebookaccount ist absolut inaktiv, keine Posts, keine Bilder, ich like fast nichts. Einerseits, um andere nicht damit zu belästigen, dass mein Kram in ihrer Timeline erscheint, andererseits, weil ich nicht möchte, dass jeder weiß, was ich like. Meine Favs auf Twitter werden schließlich auch nicht gleich allen mitgeteilt und das finde ich gut so. 
Spoiler: dieser Blog wird von mir nie eine Facebook Fanpage bekommen.

Ich könnte nun alle, mit denen ich befreundet bin ohne dass sie mir tatsächlich besonders nahe ständen einfach entfreunden und dann meine Ruhe genießen während ich in den Semestergruppen noch die nötigen Informationen erhalte. So angenehm dieses Szenario mir aber erscheint: ich werde es wahrscheinlich nicht tun. Schließlich möchte ich niemand offen verärgern und ertrage daher nervige Posts oder vermeide Facebook so lange es geht in der Hoffnung, dass mir dort keiner eine dringende Nachricht schickt. Ich versuche nur neue Facebookfreundschaften mit Menschen, die ich im echten Leben nicht ohne Magenschmerzen als Freunde bezeichnen kann, zu vermeiden.

Für mich persönlich ist Facebook purer Stress und gleichzeitig leider eine notwendige Informationsquelle. Es kann auch interessant bis nützlich sein, dort über ehemalige Mitschüler und neue Bekanntschaften mehr Informationen zu bekommen, doch das war es dann auch mit meinen positiven Assoziationen zu Facebook. Es hat sicher Vorteile für Zwecke der Öffentlichkeitsarbeit und Werbung, doch ich persönlich kann nicht verstehen, weshalb jemand privat Facebook wirklich gerne nutzen würde. 

Nutzt ihr Facebook und falls ja: tut ihr das mit Freude?


Ach und…  bekommt man eigentlich eine Nachricht, wenn einem jemand die Facebook Freundschaft kündigt?

Freitag, 25. März 2016

#PMDD20

Here we go again…
Schon zum zwanzigsten Mal seit seiner Erfindung im Jahr 2010 findet heute der Picture my Day Day statt. Und ich war wieder mit dabei. Dieses Jahr wird er übrigens von Owley veranstaltet. Damit weiter zu den versprochenen Pictures.


Aufwachen in selbstgestrickten Socken.


Erst mal noch im Bett die Spitze für die Socke der aktuellen Runde des Sock Madness Strickwettbewerbs fertig stellen. Es gibt eben crazy cat Ladys und crazy sock Ladys…


Frühstück!


Die fertigen Socken fotografieren und die Mail absenden, dass man die Runde der Sock Madness vollendet hat. Ein bisschen ärgerlich, dass der Farbverlauf an beiden Socken sich so verschieden entwickelt hat.


Saugstauben.


Alle 100 Jahre wieder: vorbloggen. Mache ich sonst eigentlich nie. Aber ich hatte spontanen Schreibdrang.


Mittagessen! Hirsepfanne mit Spinat, Champignons, Pilzen, Möhren und Käse. 



Das Kindle mit Lektüre für die anstehende Reise füttern.


Packen. Es geht nach Großbritannien also warme Dinge einpacken. Und es fehlt noch ein Regenschirm! *steht auf und holt einen Regenschirm*


Beim Einpacken über mein Ticket für ein Placebo Konzert im November stolpern und mich riesig darauf freuen. #goodtimes


Schnell ein Käsebrot und einen Apfel essen, ausgiebig Panik schieben wegen des frühen Fluges und unter die Dusche huschen. Gute Nacht! Oder besser gesagt: kurze Nacht. Der Wecker klingelt um drei. Was macht man nicht alles für günstige Flüge…

Wie war euer Tag so?

Sonntag, 13. März 2016

Take a walk in high shoes

Während ich kürzlich meine Schuhe sortiert habe, fiel mir auf, dass ich gar keine High Heels besitze. Es ist nicht so, dass ich sie je vermisst hätte aber heißt es nicht immer, jede Frau bräuchte ein paar hohe Schuhe?

Schließlich sind die Dinger ja angeblich unglaublich sexy. Vom attraktiven Laufstegmodel über das schlagkräftige Bond Girl bis hin zu Dr. Houses erfolgreicher und intelligenter Kollegin Dr. Cuddy tragen gefühlt alle einflussreichen Frauen in Machtspositionen in der Presse oder den Medien hohe Schuhe. Wer es schafft, auf solchen Mörderteilen zu laufen, muss sein Leben ja offenbar im Griff haben.

Aber diese Wunderwaffen mit dem 10 Zentimeter Absatz, die richtig eingesetzt sicher zu wirklichen Waffen werden können, verleihen nicht nur eine Aura von Selbstsicherheit und Kontrolle, sondern bringen - wie wir dank der Boulevardmagazine im Wartezimmer ja alle wissen -  auch den Po vorteilhaft zur Geltung. Dem ist Frau sicher nicht abgeneigt - besonders mit dem Wissen über ihre daraus resultierende Wirkung auf Männer.

Klingt ja alles ganz nett aber ehrlich: je länger ich über wirklich hohe Absatzschuhe nachdenke, desto bescheuerter kommt es mir vor, überhaupt welche tragen zu wollen.
Denn wer kann darin schon wirklich gut laufen? Im Alltag behindern sie die eigene Beweglichkeit genauso wie zu besonderen Anlässen. Ich hätte keine Lust, morgens früher aufzustehen, weil ich mit den High Heels für jeden Weg länger brauche.
Dabei denke ich noch nicht mal daran, wie es wohl sein muss, den ganzen Tag darin zu verbringen und immer mehr zu fühlen, wie unnatürlich das Körpergewicht plötzlich fast allein auf dem Vorfuß lastet statt sich gleichmäßig zu verteilen. Nach einer Stunde darin muss es sich schon unerträglich anfühlen, nachdem man sich durchgängig mehrere Stunden darin bewegt hat, gleicht es wahrscheinlich Folter. Es gibt immer diese Frauen, die jedem erzählen, wie unglaublich bequem ihre Plateauschuhe mit 14cm Absatz wären aber unter uns: glaubt ihnen das wirklich jemand? Vor allem, dass sie mit den Schuhen vorwiegend sitzende Tätigkeiten ausüben und im Club die Tanzfläche meiden, macht es unglaubwürdig. In mir sträubt sich einfach alles, wenn man mir weis machen will, dass so ein Schuh, der den Fuß in einer absolut unnatürlichen Fehlhaltung fixiert, bequem sein soll.

Bei der Wahl von Bekleidung und Schuhen ist mir wichtig, dass sie bequem, funktional und langfristig pflegeleicht sind. Natürlich möchte ich dann in meiner Kleidung nicht so verwahrlost aussehen wie Robinson Crusoe nach fünf Jahren Insel, halte es aber dabei trotzdem eher schlicht und praktisch. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich keinen wirklichen Gefallen an Mode finde und nicht einsehe, meinen Comfort und die Beweglichkeit zwecks des Aussehens einzuschränken. Damit bin ich einfach kein Kandidat für High Heels geschweige denn würde ich etwas anziehen, was dazu nicht lächerlich aussähe. Jeans, Shirt, Strickjacke, Wetterjacke, Rucksack und hohe Schuhe sind einfach keine gute Kombination. Das ist selbst mir als absoluter Fashiontrottel klar.

Abgesehen davon würde ich auch nicht riskieren wollen, langfristig meine Füße zu schädigen nur weil ich sie in solche Schuhe zwänge. Schließlich möchte ich noch mein ganzes Leben auf ihnen herum laufen und das am liebsten, ohne dabei extreme Schmerzen zu haben. Von Gelenken über Wadenmuskulatur bis hin zur Wirbelsäule wird auch alles, was noch an den Füßen hängt, dankbar sein, nicht auf extremen Absätzen laufen zu müssen. Davon profitiere ich in meinen Augen viel mehr als durch die eventuelle Wirkung der High Heels auf andere.
Mein persönliches Fazit lautet, dass sehr hohe Absatzschuhe völlig unnötig sind. Natürlich können sie gut aussehen, kleine Frauen deutlich größer wirken lassen und unsere Mitmenschen beeindrucken, gleichzeitig sind sie aber einfach eine Art Einschränkung, die man sich selbst freiwillig zufügt, eine Unfallgefahr und auf die Dauer einfach schädlich für die Gesundheit der eigenen Füße. Nebenbei sind sie auch noch hochgefährlich für die Füße anderer, sollte man mit den Stelzen diese versehentlich durchbohren.

Als relativ große Frau kann ich leicht sagen, dass ich keine High Heels brauche. Ich habe in meinem Alltag eh keine Situation, in der ich sie tragen könnte, ohne mir albern vorzukommen. Vom Abiball habe ich noch ein Paar Sandaletten mit 4 cm Absatz und auch wenn das keine wirklichen High Heels sind (dazu müssten sie nämlich mehr als 8,9 cm Absatzhöhe haben) reicht das mir für all die Hochzeiten und besonderen Feiern, zu denen ich eingeladen werde. Sollten sie aber irgendwann abgenutzt und kaputt sein, möchte ich sie nicht durch andere hohe Schuhe ersetzen, da flache Schuhe beziehungsweise welche mit winzigem Absatz so unendlich viel bequemer sind.
Denn sein wir ehrlich: das Beste am Tragen von Absatzschuhen ist es, sie endlich wieder ausziehen zu können.

Montag, 29. Februar 2016

Einem geschenkten Floh…

Es gibt viele Möglichkeiten, seine aussortierten Sachen los zu werden.
Verkaufen, spenden, etwas neues daraus machen, in den Müll werfen, verschenken. Meistens verschenkt man dabei nur an sein näheres Umfeld sprich Freunde, Familie, Kollegen. Bisher war es auch bei mir so - bis ich das Konzept des Schenkflohmarkts entdeckt habe.

Der Name sagt dabei schon alles: es ist ein normal aufgebauter Flohmarkt mit Privatpersonen, die an Ständen ihre aussortierten Besitztümer präsentieren. Der Unterschied zu den üblichen Flohmärkten besteht darin, dass man nichts kaufen muss sondern direkt mitnehmen kann, was einem gefällt. Einfach so.
Jeden letzten Sonntag im Monat findet in Berlin der Schenkflohmarkt statt, genaueres dazu findet ihr hier.

Mir gefällt diese Idee und so habe ich gestern Gegenstände, die für mich keinen Zweck mehr erfüllen, gemeinsam mit einer Freundin dort angeboten.
Zuerst einmal war ich überrascht, dass so ein kleiner Flohmarkt so unglaublich stark besucht ist. Gleich als wir anfingen, die einzelnen Teile auf unserem Tisch aufzustellen, fielen die Besucher wie Heuschrecken über uns her und versuchten hemmungslos die besten Stücke zu ergattern. Das war doch sehr beängstigend, ich fühlte mich unangenehm bedrängt.
Nur weil alles kostenlos ist, muss man sich doch nicht jeder Zurückhaltung entledigen und sich gierig auf die Auslagen stürzen!

Der Vorteil war definitiv, dass die Sachen schneller verschwanden als wir überhaupt alles auspacken konnten. Und ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dass all mein Zeug gar nicht auf den Tisch passen würde. Völlig unbegründete Sorgen.

Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Besucher des Flohmarkts sich verhielten.
Einige waren zurückhaltender, sahen sich die Sachen erst genau an, stellten Fragen, bevor sie etwas mitnahmen und bedankten sich dafür. Bei anderen war es eher ein ich kam, sah und riss es an mich. Teilweise habe ich gar nicht mitbekommen, wie ein Teil meiner angebotenen Gegenstände einen neuen Besitzer fanden, weil selbiger so schnell wieder verschwunden ist wie er aufgetaucht war. Darüber ärgerte ich mich allerdings nicht wirklich.
Die einzige negative Erfahrung war eine Frau, die bei einem Feindüsenaufsatz für Window Colour Farben kritisierte, dass das Set ja gar nicht vollständig sei. Auf der Packung seien immerhin fünf Punkte aufgelistet aber nur drei Einzelteile darin.
Ich wies sie so freundlich es ging darauf hin, dass die fünf Punkte die mit dem Aufsatz kompatiblen Window Colour Hersteller aufzählte. Schließlich stopfte sie wortlos das Set in ihre Tasche und stapfte davon.
Offen gesagt fand ich es ziemlich dreist und unfreundlich, sich bei einem geschenkten Set durch eigenes fehlerhaftes Lesen zu echauffieren, dass es nicht vollständig wäre. Sich darüber aufzuregen wäre aber verschwendete Energie und so war ich froh, dieses doch spezielle Teil vermittelt zu haben.

Positiv ist mir aufgefallen, dass sich viele Leute sehr gefreut haben über meine Sachen. Es waren anscheinend Dinge, die sie wirklich brauchen konnten.
Eine Erkenntnis des Nachmittags war, dass man auf dem Schenkflohmarkt wirklich alles los wird. Wenn es umsonst ist, zögern die Menschen kaum, es einfach mitzunehmen. Von Teestövchen über Cheerleader Pompoms bis hin zur Einhand-Käsereibe konnte ich alles unters Volk bringen.

Hingetragen - Weggetragen

So ein wenig frage ich mich, ob der Schenkflohmarkt die Besucher nicht doch zu sehr dazu verleitet, sich Dinge mitzunehmen, die sie eigentlich nicht brauchen. Zu geschenkten Dingen sagen nur wenige Menschen nein.
Ich zweifle etwas daran, dass die Dame, welche sich etwa die Hälfte meiner ungeliebten Modeschmuckohrringe eingepackt hat, alle davon leidenschaftlich tragen wird. Mir kann das prinzipiell egal sein, wie voll sie sich die Wohnung stellt und dennoch… so ein bisschen schuldig fühle ich mich nun doch, meinen Kram an sie abgegeben zu haben. Wobei das natürlich Quatsch ist, da sie sich selbst dafür entschieden hat.
Ich frage mich auch, welcher einhändige Käseliebhaber sich nun an der Einhand-Käsereibe erfreut. Bestimmt lese ich irgendwann im Internet von ihm eine begeisterte Rezension über die Reibe. Bestimmt.

Fazit: es war ein sehr interessanter Nachmittag, der mich im Aussortieren voran gebracht und in gewisser Weise auch glücklich gemacht hat, da ich anderen eine Freude bereiten konnte. Es war spannend zu sehen, wer sich welche Dinge auswählt.
Am Ende bin ich aber selbst entgegen meiner Erwartung auch nicht mit leeren Händen nach Hause gegangen, da ich drei nützliche Dinge entdeckt habe: eine dünne Wetterjacke für meine davon völlig überraschte und begeisterte Mutti, ein Sachet Rosencreme ebenso für sie sowie ein Set von je vier kleinen und großen Tellern für mich.

Der vorher-nachher Vergleich meiner Besitztümer lässt sich sehen und macht mich glücklich. Bis zum nächsten Schenkflohmarkt in einem Monat werde ich sicher wieder genug aussortiert haben, um wieder daran teilzunehmen. Und ich freue mich darauf!

Montag, 22. Februar 2016

I like to party and by party I mean knit

Samstag Abend - da ist man auf Achse, die jungen Leute sowieso. Party, Party, Party und bitte nicht zu knapp Alkohol.
Das scheint in etwa das zu sein, was man sich klischeehaft als Programm für Samstage vorstellt. Zu Hause zu sitzen ist etwas für die älteren Herrschaften oder Leute ohne Freunde. So kommt es mir zumindest vor.

Immer wieder werde ich zu WG Partys eingeladen und jedes Mal überlege ich, ob ich so wirklich meinen Samstag Abend verbringen möchte.
Denn: ich könnte stattdessen mindestens drei Folgen meiner aktuellen Serie anschauen und dabei eine halbe Socke stricken. Oder ein Stündchen die Yogamatte ausrollen und mich im Anschluss in der Küche austoben und einen Kuchen backen, um das Kaloriendefizit wieder auszugleichen. Aber nein, man muss dem Anspruch auf Sozialisierung gerecht werden und den Abend mit einem Haufen Menschen verbringen. Meistens Menschen, die einfach nur auch zufällig zur gleichen Feier eingeladen werden. Menschen, die man nicht immer besonders mag und mit denen man nicht immer unbedingt seinen wertvollen Samstag Abend verbringen will.

Man möchte ja nicht so pessimistisch sein und denken, dass der Abend verschwendet sein wird. Positiv denken oder auch von vornherein nicht zu viel darüber nachdenken (mir wurde immerhin schon mehrfach gesagt, ich wäre verkopft) und einfach offen sein; hin gehen.
Wie soll man denn auch neue Freunde oder gar einen Partner finden, wenn man WG Partys meidet? Die Stimme in meinem Kopf flüstert, dass ich das auch in der Uni, über Hobbys oder im Internet tun könnte. Personen, die ähnlich gestrickt sind wie ich hängen schließlich genauso wenig gerne wie ich auf Stundentenfeiern herum.

Am Ende gehe ich oft tatsächlich hin, bevorzugt früh. Zumindest früh im Sinne von pünktlich zur angegebenen Zeit, die meistens eh in meinen Augen viel zu spät angesetzt wird. Haben die Gastgeber denn am nächsten Tag gar nichts zu erledigen?
Zu Beginn sind die Gäste dann noch halbwegs nüchtern, die Musik noch eher im Hintergrund und man kann sich in Ruhe unterhalten. Dabei lernt man durchaus interessante Leute kennen und hat Spaß.
Irgendwann erreichen diese Partys dann einen kritischen Punkt, an dem der Fokus von Gesprächen zu Alkohol, Trinkspielen, Rauchen, über die Musik hinweg brüllen und wenn es gut läuft Tanzen wechselt. Beziehungsweise die Gespräche finden von Anfang an einfach nicht statt, weil ich keinen Gesprächspartner finde und auch nicht so extrovertiert bin, dass ich ohne Zwang fünf fremde Menschen an einem Abend nacheinander anspreche.

Das ist einfach nicht das, was ich unter Spaß verstehe. Ich habe keine Lust mich zu betrinken - für den Körper ist Alkohol Mist und obwohl mir selbstgemachte Fruchtliköre, Cider, guter Whisky oder Cocktails gut schmecken, habe ich einen großen Widerwillen dagegen, in Gesellschaft eventuell die Kontrolle zu verlieren. Wenn das je passieren sollte, dann bevorzugt im engen Freundeskreis und an einem sicheren Ort, an dem ich dann auch übernachten kann. Plus: auf den klassischen Studentenpartys gibt es meist Bier, Wein, Sekt, Vodka und Cola-Rum. Finde ich geschmacklich alles ekelhaft und trauere gleichzeitig um den schönen Rum, der in der Cola endete.
Meistens greife ich dann auf Leitungswasser zurück und fühle mich wie der größte Getränkenörgler und Langweiler ever. Bin ich wohl auch. In diesen Momenten möchte ich dann auch eigentlich nur nach Hause, mir einen schönen Tee kochen und noch einen entspannten Abend haben. Aber nein - ich wollte mich ja unter Menschen begeben.
Die einzige Möglichkeit, den Abend zu retten, sind dann noch wirklich gute Gespräche oder eine florierende Tanzfläche. Denn ich liebe es zu tanzen, gern auch wild - ganz unabhängig vom Alkoholpegel.

Ich fasse zusammen: Ich verbringe freie Zeit, die ich nicht im Überfluss habe mit Menschen, die ich nicht kenne und eventuell nicht mag um auf einer Party herum zu hängen, was definitiv eine Tätigkeit ist, der ich wenig abgewinnen kann. Zeit verschwenden, jedes mal Wein und Bier ablehnen und hoffen, dass ich bald nach Hause kann.

Das klingt jetzt alles so, als wäre ich ein ziemlicher Einzelgänger mit Sozialphobie. Entspricht jedoch nicht ganz der Realität. Neue Menschen kennen lernen ist anstrengend und nichts, was ich als Freizeitbeschäftigung an einem oder gar jedem Wochenende machen möchte. Wenn ich mich verabrede, dann bevorzugt mit Personen, die ich bereits kenne und schätze; Personen, mit denen sich die Zeit lohnt. Sei es allein durch eine gute Unterhaltung, gemeinsamen Sport, gegenseitige Hilfe, Verständnis oder sonstiges.
Ich merke jedes Mal selbst, dass das klassische Konzept der Studentenparty nichts für mich ist. Ein Filmabend mit Freuden und Stricken auf der Couch ist mir so unendlich viel lieber. Was ist eigentlich aus Singen am Lagerfeuer oder Spieleabenden als Partykonzept geworden? Muss ich erst vierzig werden, damit das als Abendgestaltung akzeptabel wird?

Manchmal ärgere ich mich, dass ich nicht so sein kann wie scheinbar die meisten anderen Partygäste und tatsächlich den ganzen Abend sorglos Alkohol in mich hinein kippen und Shisha rauchen kann ohne mich davor unglaublich zu ekeln. Inhalative Drogen sind für mich etwas, das ich absolut abstoßend finde. Ich kann mich nicht überwinden, irgendwelche Rauchwolken freiwillig einzuatmen. Sollte ich mal kiffen wollen, dann wird die Methode der Wahl definitiv der klassische Haschkeks.

Man kann nicht aus seiner Haut und so weiß ich, dass ich diese Homepartys nie mögen werde. Aber das ist okay. Nur leider weiß ich ebenso, dass ich sie weiter besuchen werde. Weil ich sonst ein schlechtes Gewissen habe, dass ich mich zu sehr isoliere. Schon albern.

Das, was ich an diesen Samstagabenden auf Feiern am meisten hasse, ist es, mich dort wie ein Fremdkörper zu fühlen. Dieses Gefühl, so unendlich langweilig zu sein habe ich sonst nie. Und wenn einem diese Abende ein schlechtes Gefühl vermitteln, wird man sich dort auch nie wohl fühlen.

Wie verbringt ihr eure freien Abende?

Donnerstag, 11. Februar 2016

Aus dem Leben eines (Ex-) Prüfungspanikers

Das war's - die Prüfungen liegen hinter mir,  Semester sieben ist geschafft.
In den Tagen vor den Klausuren war ich fleißig am Erfüllen des Lernplans, die während des Semesters ausgearbeiteten Notizen waren wie immer hilfreich und doch war es komplett anders als sonst: ich war überhaupt nicht aufgeregt.

Vor allem in den ersten Semestern dachte ich vor jeder schriftlichen und vor allem den praktischen Prüfungen, dass ich jetzt entweder vor Aufregung sterben oder falls nicht wegen Dummheit und schlechter Leistungen exmatrikuliert würde. Spoiler: nichts davon ist geschehen.
Auch nachdem ich mehrfach erlebt hatte, dass man die Prüfungen während des Medizinstudiums über- und bestehen kann, war ich immer extrem aufgeregt davor.

Doch in dieses mal war da einfach nix. Keine Panik, kein Herzrasen, kein trockener Mund und auch keine Schlaflosigkeit. Hallo vegetatives Nervensystem, bist du noch da oder in den Ruhestand gegangen? Warum machst du plötzlich keinen Terror und dauerhaft erhöhte Adrenalinspiegel mehr?
Das einzige, was mich wirklich nervös gemacht hat, war die Tatsache, dass ich gar nicht nervös war.

Ich wusste, dass ich die meisten Veranstaltungen besucht und mich vernünftig vorbereitet hatte. Mit dem Ablauf der schriftlichen Klausuren bin ich vertraut und den Anfängerfehler, keinen Bleistift mitzunehmen, würde ich auch nicht noch mal machen. Es gab realistisch gesehen keinen Grund zur Panik.

Trotzdem fühlte ich mich unwohl, weil ich mich nicht durch das zusätzliche Adrenalin wach gehalten bis spät in die Nacht mit der vierten Wiederholung zu Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis beschäftigte sondern stattdessen schlief. Ich fühlte mich schlecht, weil ich nicht aufgeregt war. Als würde man die Prüfungen nicht ernst nehmen, wenn man in den Tagen davor ruhig schlafen kann.

Nachdem ich mir insgeheim ein paar Tage lang Vorwürfe gemacht habe, dass ich so locker an die Klausuren heran gehe, bin ich zum Schluss gekommen, dass es eine normale Entwicklung ist. Der Mensch gewöhnt sich an alles und dann ist die Semesterabschlussprüfung es eben nicht mehr so aufregend, dass einem vor lauter Nervosität schlecht wird. Es ist zwar schwierig, die Grenze zwischen zu viel Gelassenheit und dadurch fehlender Vorbereitung und zu viel Anspannung zu ziehen aber ich bin froh, in der letzten Woche vor den Prüfungen geschlafen zu haben.

In den Semestern zuvor hat mich diese Prüfungsangst sehr zum Lernen angetrieben, jetzt musste ich das selbst tun. Und zu meiner Überraschung hat das sogar funktioniert. Denn obwohl ich um zehn die Unterlagen zur Seite gelegt habe, hatte ich keinen Zeitdruck, weil ich dank Lernplan einfach früh genug (sprich: Wochen vorher) angefangen habe.
Da die Prüfungen nach subjektivem Empfinden gut gelaufen sind, bin ich gespannt, ob das Ergebnis dann anders ist als sonst aber bis jetzt mache ich mir da noch keine Sorgen.

Als jemand, der sich definitiv nicht als Prüfungsmensch bezeichnen würde, habe ich schon immer die Menschen bewundert, die ganz gelassen an die Klausuren am Ende des Semesters oder auch schon die Abiturprüfungen heran gegangen sind. Es gibt sogar Personen, die sich angeblich regelrecht auf die Prüfungen freuen, weil sie darin endlich zeigen können, was sie gelernt haben. Verrückt, oder? Also ich glaube ihnen ja kein Wort.

Mir ist diese Einstellung leider nicht gegeben. Vor den Prüfungen litt ich mindestens die zwei Tage direkt davor an Herzrasen und Schlaflosigkeit, sobald ich aber mit der Klausur vor mir am Schreibplatz sitze oder vor den Prüfern stehe, bin ich ganz ruhig. Ich bin da eher der Typ Sturm vor der Ruhe. Immerhin.
Dass ich in diesem Semester jetzt aber auch noch an den zwei Tagen davor unbeeinträchtigt war, machte mich sehr glücklich. Es gibt anscheinend doch Hoffnung für uns Klausurangsthasen. Wir brauchen einfach nur eine längere Gewöhnungsphase. Zwar bedeutet das nicht, dass man sich je auf Prüfungen freuen wird, aber es bedeutet, dass man sie schaffen kann. Und zwar ohne vorher oder währenddessen vor Aufregung hyperventilierend zu kollabieren.

Wie schön zu sehen, dass man mit seinen Aufgaben wächst!