Donnerstag, 24. Dezember 2015

Ich muss euch sagen es wichtelt sehr!

In diesem Jahr habe ich nun schon zum dritten mal beim von Sumi veranstalteten Chaoswichteln mitgemacht. Inzwischen hat es sich damit für mich offiziell zu einer schönen Tradition entwickelt. Mir macht es viel Freude, für jemanden kleine hübsche und/oder nützliche Überraschungen zu suchen und zu verschicken.

Irgendwie wurden in diesem Jahr gefühlt alle Pakete früher verschickt als zuvor oder ich täusche mich und war sonst immer nur spät dran. Auch das Wichtelpaket für mich kam in diesem Jahr sehr früh an. Da ich beschlossen hatte, es erst am 24.12. zu öffnen, lag es zwei Wochen auf meiner Kommode und lächelte mich in seinem schicken Geschenkpapier an. Vorfreude kam auf, die tolle beiliegende Karte verstärkte das nur.

OK - laber nicht und pack es aus!

Was also war nun drin?

Na gut, weg mit dem Papier. Ich habe die Verpackung lang genug angesehen!


Anhand der Form konnte ich ohne weiteres Abtasten des Pakets, das ich mir ganz diszipliniert verkniffen habe, nicht seinen Inhalt erraten. Ein bisschen unförmig sah es aber schon aus.

Ich habe mich unglaublich über die wirklich riesige Tasse gefreut! Tee ist mein absolutes Lieblingsgetränk und die Tassen dafür können nicht zu groß sein. Passend dazu habe ich losen Earl Grey bekommen.
Liebe Netti - hast du heimlich in den Küchenschrank geschmult oder woher wusstest du, dass ich Earl Grey liebe und in rauen Mengen trinke? Ich habe nur geschrieben, dass ich schwarzen Tee mag und du hast einen Volltreffer gelandet. Vielen Dank dafür und auch für die liebe Karte. 
Der Spruch auf der Tasse wird im Internet sehr inflationär verwendet aber ich mag ihn, da die Aussage in meinen Augen schlicht und einfach wahr ist. 

Für den 24. Dezember gibt es da nur ein Problem: nach dem erzgebirgischen Traditionen, die meine Mutter mit in die Familie gebracht hat, darf man Weihnachten keine Handarbeiten machen. Würde ich also machen, was mich glücklich macht und stricken, würde ich nach diesem alten (Aber-) Glauben mein Leichentuch stricken. Dabei werden es eigentlich momentan Socken…
Wie sieht es bei mit den Traditionen aus?

So ein Chaoswichteln ist immer wieder spannend. Man weiß nie, ob es ein Schrottwichteln wird oder der Wichtel einen Volltreffer landet. Und genau das macht es so reizvoll. 
Ob man selbst ein gutes Geschenk macht, ist auch nicht immer so sicher. Anhand von Helenes Blogpost gehe ich aber davon aus, dass ich ihr das Wichtelpaket von mir gefällt. Phew!

Na dann kann Weihnachten ja entspannt weiter gehen! Frohes Fest euch allen!

Montag, 14. Dezember 2015

Weihnachtlicher Gewinnspielwahn: weil mehr mehr ist?

Weihnachten ist ein Fest der Liebe, der Lichter und auch des Schenkens. Vor allem der letzte Aspekt ist in der Welt der Blogs gerade sehr präsent.

An der jährlichen Aktion des Chaoswichtelns, bei dem Blogger sich gegenseitig beschenken, habe ich auch dieses Jahr wieder teilgenommen. Es bereitet einfach Freude, anderen etwas kleines zu schenken, was man selbst mag und sie so zu überraschen. Ich selbst hatte in meinen zwei bisherigen Runden nicht immer eine perfekte Wichtelüberraschung, konnte aber jedes mal etwas mit dem Geschenk anfangen. Das wunderschön verpackte diesjährige Wichtelpaket liegt jetzt auf meiner Kommode und wartet darauf, am 24. Dezember ausgepackt zu werden. Jedes mal, wenn ich daran vorbei gehe, entlockt es mir ein Lächeln und lässt mich grübeln, was wohl darin ist. Allein für diese Vorfreude lohnt sich das Chaoswichteln.

Was mich nicht mit Vorfreude oder Weihnachtsstimmung erfüllt, sind diese ganzen Gewinnspiele oder sogar Gewinnspieladventskalender. Prinzipiell mag ich Gewinnspiele, habe ich doch dieses Jahr tatsächlich sogar selbst eins hier veranstaltet.
Mich stört aber diese geballte Flut von Gewinnspielen. Da wird von Technik über Unterwäsche bis hin zu Nagellacksets alles verlost, was das Sponsoring so her gibt. Es gibt auch einige, die selbst ein paar Dinge kaufen oder sogar selbst machen, um sie zu verschicken und das finde ich toll. Aber die wohl bedacht zusammengestellten Sets sind die Ausnahme. Viel häufiger sieht man Gewinnpakete nach dem Motto "das ist alles, was Firma X dieses Jahr so rausrückt".
Als ich erst mal gezielt nach Gewinnspielen suchte, war ich überrascht und ein bisschen schockiert, wie viele gerade auf privaten Blogs laufen. Gibt es denn keine anderen Themen, über die man zu dieser Jahreszeit schreiben könnte?

Es fühlt sich fast so an, als würde man als Blogger zur Weihnachtszeit mindestens ein Gewinnspiel veranstalten müssen, um mithalten zu können. Als würde man in der Weihnachtszeit sonst keine Geschenke bekommen. Auf eine gewisse Weise sind diese Verlosungen auch recht sinnlos. Da kommt ein famous Blogger daher, lässt sich einen riesigen Gewinn sponsern, macht all seine Leser heiß darauf und verlost am Ende unter 800 Kommentaren an genau EINE Person den Preis. Die anderen 799 sind ihm und seinem Haustier und/oder Zweitaccount dann einfach mal so auf Facebook, Instagram, Twitter, Snapchat und Bloglovin gefolgt sowie haben zwei ihrer Freunde verlinkt und den Newsletter des Sponsors für das Gewinnspiel abonniert. Nur mal so: beim Chaoswichteln bekommt jeder ein kleines Päckchen und das, ohne sein Erstgeborenes zu versprechen.

Ernsthaft: wenn die Gewinnspielbedingungen fordern, dass man darüber direkt schreibt, sei es als Blogpost oder auch nur in einem Tweet oder Regram auf Instagram, nehme ich prinzipiell nicht an den Verlosungen teil und wenn es das schönste Sockenwollset überhaupt ist.
Schließlich möchte ich von Accounts, denen ich folge, auch nicht drei mal täglich eine Information bekommen, an welchen Gewinnspielen sie teilnehmen. Das fällt für mich schon unter Belästigung, wenn plötzlich alle irgendwas posten, um alle am gleichen Gewinnspiel teilzunehmen. Das ist offen gesagt auch ein Grund, einem Account nicht weiter zu folgen, falls das öfter passiert. Denn Social Media ist in meinen Augen primär für Interaktionen mit anderen Menschen sowie gegenseitiges Inspirieren gedacht und nicht als Dauerwerbesendung.

Nur weil jemand einen besonders wertvollen oder tollen Preis verlost, heißt das lange noch nicht, dass ich all seine Dinge like und abonniere und ihm damit dafür meine Seele und meine Glaubwürdigkeit verkaufe.
Per se sind Gewinnspiele nicht schlecht. Ich habe auch aktuell bei der Verlosung von einem Gutschein für Unterwäsche teilgenommen, da gut sitzende BHs nun mal auch teuer sind oder auch bei einem Gewinnspiel um einen Fön, da der alte kaputt ist. Würde ich diese Preise erhalten, wäre das für mich hilfreich und sinnvoll.
Aber im Gegenteil dazu muss ich nicht jedes Körperpflegepaket und eine zweite elektrische Zahnbürste gewinnen, wenn ich etwas ähnliches sowieso schon besitze. Nur weil man die Möglichkeit hat, etwas zu gewinnen, muss man es nicht tun. Dann lieber nicht teilnehmen und hoffen, dass es jemand erhält, der etwas damit anfangen kann.

So viel mehr Vernunft als Gier sollte der Mensch schon haben - denkt man. Und dann sieht man, dass das Set mit den 30 Nagellacken mehr als 500 Gewinnspielteilnehmer hat. Wollen die etwa alle ihren Gartenzaun damit lackieren, weil andere Farbe zu teuer ist oder glauben sie ernsthaft, dass sie all das Zeug wirklich brauchen oder sogar angemessen verwenden können?
Manchmal ist weniger eben doch mehr und mehr ein Follower weniger.

Wie nehmt ihr den vorweihnachtlichen Gewinnspielwahn wahr?

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Der Mann in der Werbung

Eigentlich wollte ich darüber schreiben, wie sehr mich der ganze Rabattwahn wegen des Black Friday nervt. Dass es schrecklich ist, wie jeder Online Shop einen nach einem Kauf dort einen treuen Kunden schimpft und deshalb 30% Rabatt anbietet während sie das Postfach mit Werbemails füllen. Und was soll das überhaupt für ein Anlass zum großen Rabattieren hierzulande sein? Aber hey - der ganze Wahn scheint überstanden und es haben nicht nur Leute sinnlos Geld rausgeschmissen, sondern einige konnten sicher auch Dinge günstiger kaufen, die sie wirklich brauchen.
Also zum eigentlichen Thema des Posts: Der Mann in der Werbung.

Ab und an kommt Opa spontan zum Abendessen vorbei. Man fühlt sich dann in seiner gestressten Abendroutine mit Univorbereitung, im Internet Zeit verschwenden, lesen, Sport und all den Dingen, die man noch tun möchte, immer ein bisschen gestört. Trotzdem wird dann extra für Opa gekocht, mit ihm gesprochen, alle essen zusammen. Schon eine schöne Sache.
Natürlich wurde Opa auch gefragt, wie es ihm geht. Seine Antwort:"Wie dem Mann in der Werbung."
"Aha, welche Werbung denn?"
"Na - die von dem Supermarkt mit den 20% Wurstrabatt am Dienstag. "
Sparsame Rentner wissen Bescheid.

Als er dann gegangen war, suchte ich im Internet nach dem Mann in der Werbung und wurde sehr schnell fündig. Opa bezog sich auf ein aktuelles Werbevideo von EDEKA. Ich sah es mir an und nach dem anderthalbminütigen Clip saß ich da, hatte feuchte Augen und nasse Wangen. Schon peinlich, wenn einen die Werbung zum Weinen bringt aber genau das ist mir passiert.


Worum geht es in dem Werbefilmchen? Es geht darum, dass man zu Weihnachten versucht, die ganze Familie zusammen zu bringen. In diesem Clip hat die Familie aber nicht mal dazu Zeit. Also täuscht der Großvater seinen eigenen Tod vor, um die Familie anlässlich der Trauerfeier zusammen zu bringen. Dieser Streich gelingt ihm und so kommt die trauernde schwarz gekleidete Familie bei ihm an und kann kaum fassen, dass Opa lebt.
Es klingt so lächerlich und doch hat es mich sehr berührt. Zeit mit älteren Menschen und seien es die eigenen Großeltern zu verbringen, kann sehr anstrengend sein. Man nimmt sich dafür keine Zeit, jeder hetzt seinen eigenen Problemen und Aufgaben hinterher. Karriere, Familie, Erlebnisse, Weltherrschaft - jeder verfolgt andere Ziele aber ganz egal, welches es nun ist: viel Zeit für die Familie bleibt im Normalfall nicht. So muss auch ich gestehen, dass ich meine Großeltern seltener besuche als ich könnte. Einfach, weil man viel zu tun hat. Wenn es einmal nicht so ist, trifft man Freunde oder erfreut sich am Internet sowie Serien und Filmen. Und die Großeltern sehen nix von ihrer Familie.

Dabei ist weder bei Großeltern, Eltern noch Freunden sicher, dass sie einem immer erhalten bleiben. Man könnte sie jeden Moment verlieren.
Gerade gestern erst haben wir uns gewundert, dass wir von Oma schon mehrere Tage nichts gehört hatten und sie telefonisch den ganzen Tag auch nicht erreichen konnten. Mit dem Bild vor Augen, wie sie bewusstlos auf dem Boden liegt, waren wir kurz davor, ins Auto zu steigen und zu ihr zu fahren, als sie zurück rief und sagte, dass sie einen Busausflug mit Weihnachtsmenü am Ende des Tages mit einer Rentnergruppe gemacht hätte und uns nur nichts davon erzählt hat, weil wir doch eh nicht anrufen würden. Autsch.

Nur angesichts dieses Wissens, dass jedes Leben jeden Moment enden könnte, kann man natürlich nicht jede Minute zwanghaft mit anderen Menschen verbringen, um ja nichts zu verpassen. Aber wir könnten uns aktiv bemühen, unsere Familie kennen zu lernen und auch von ihr zu lernen so lange es noch geht.

Wie macht ihr das so mit der Familie?

Montag, 23. November 2015

Schnee

Sobald gegen Ende des Jahres draußen die ersten weißen Flocken fallen, kann ich gar nicht aufhören, aus dem Fenster zu starren. Die Aufregung, dass die Weihnachtszeit naht, die so viel Geborgenheit und Gemütlichkeit verspricht, wächst. Lichter, die typischen Gerüche und Lebensmittel, diese Vorfreude auf eine Zeit mit der Familie und Freunden. In mir kommt jedes Jahr aufs neue eine rational nicht erklärbare Begeisterung auf, die allem Stress zu trotz mich in Hochstimmung bringt. Ich habe das Gefühl, dass der erste Schnee mich immer wieder ein bisschen in meine Kindheit zurück versetzt.

Es kommt mir schon ein bisschen albern vor, dass ich nur weil nun Schnee liegt, am liebsten sofort Weihnachten feiern oder zumindest schon den ersten Advent erreicht haben würde. Es ist auch nur eine Wettererscheinung und dieses christliche Fest ist assoziiert mit einem Glauben, nach dem ich nicht lebe. Weihnachten ist für mich ein Phänomen, das ich als Zeit der Familie betrachte. Man hat eine Auszeit am Ende des Jahres, in der man ein paar Tage durchlebt, die sich wie ein kleines Zeitloch anfühlen. Nach dem 24. Dezember herrscht plötzlich Ruhe. Keine Suche nach Geschenken mehr, aufgeräumt und dekoriert hat man längst und nun bleibt für ein paar Tage gefühlt die Zeit stehen und man kann all das tun, wofür man sonst keine Ruhe findet.

Wahrscheinlich verbinde ich diese Momente so sehr mit Weihnachten und Schnee, dass mich die ersten Flocken so heftig in Aufregung versetzen und mich debil grinsen lassen. Ich freue mich auf ruhige Tage voller Glück und der Schnee kündigt genau das an.
Ich weiß auch, dass nicht für jeden Weihnachten so eine glückliche und unbeschwerte Zeit ist. Damit meine ich nicht einmal, dass die Bahn jedes Jahr aus Neue davon überrascht wird, dass es einen Winter gibt und dementsprechend erst einmal nichts mehr nach Plan fährt. Mehr denke ich daran, dass nicht alle das Glück haben, sich innerhalb ihrer Familie nahe zu stehen und harmonisch miteinander feiern aber andere haben noch viel größere als diese "Luxusprobleme". Auch daran denken wir während wir unser eigenes Glück genießen schuldbewusst. Zumindest erkläre ich mir so die zur Weihnachtszeit steigende Spendenbereitschaft gegenüber Obdachlosen, Katastrophenopfern oder Entwicklungshilfen.

Dennoch kann ich nicht anders, als einfach aus dem Fenster zu sehen, fasziniert den Schnee anzusehen und mich auf diese Zeit zu freuen ganz egal was für ein Stress mich im Alltag gerade belastet und wie schrecklich die Welt doch sein kann. Der Schnee legt sich über all den Dreck und die hässlichen Ecken werden durch die weiße Decke geebnet und erscheinen zauberhaft schön. Zumindest für einen Moment.

Dienstag, 17. November 2015

Much too much

Jeder Mensch hat seine eigene Strategie, was das Aufräumen und das Bewahren einer Ordnung angeht. Bei mir funktioniert es so, dass ich gut sortierte Fächer für Dinge, die ich täglich brauche, habe und der Rest gemeinsam durcheinander in Schubläden schlummert. Kleidung, Unterlagen für die Uni oder auch mein Strickzeug werden ständig benutzt, ich weiß genau, wo welches Objekt liegt und ich bin recht zufrieden damit. Und dann gibt es noch diese Fächer und Schubladen, wo sich alle Gegenstände einer Kategorie einfach sammeln.

Ab und an ereilt mich eine Sortierwut und genau das war jetzt der Fall. Ich habe einfach mal den großen Schub unterm Bett hervor gezogen und war ein wenig schockiert angesichts der Unmengen von Bastelzubehör, das ich seit Jahren nicht mehr angefasst habe.
Scoubidou Knüpfschnüre aus Grundschulzeiten. Buntpapiersets, die ich vor Jahren mal im Kunstunterricht brauchte. Materialien zum Herstellen von Perlentieren.
In der Kommode sind ordentlich gestapelt Hefter aus Schulzeiten. Die für mich ganz abwegigen und wenig gemochten Fächer sind schon lange in den Papiermüll gewandert, aber der Biologieordner wartet noch immer darauf, dass ich ihn wie gedacht im Studium noch mal brauche. Ich fürchte, dass er da endlos warten wird.
In einem separaten Fach sind all die kleinen gebastelten Geschenke, die ich von meiner Schwester bekommen habe. Da liegt ein pailettenbedecktes Styroporei in grässlichen Farben, dass ich nutzlos und hässlich finde und doch noch nicht weg geworfen habe, weil es für mich gemacht wurde.

Warum hebe ich all das eigentlich noch auf, wenn ich es gar nicht benutze und es nur Platz einnimmt?
Es hängen Erinnerungen daran. Man sagt sich, dass man die guten alten Zeiten bestimmt noch einmal aufleben lassen wird und die Plastikschnüre unter dem Bett hervor holt, um daraus Anhänger zu machen. Man redet sich ein, dass man dafür Geld ausgegeben hat und deshalb jetzt quasi verpflichtet ist, es auch zu nutzen, um das Geld nicht am Ende verschwendet zu haben.
Trotzdem weiß ich in meinem Unterbewusstsein, dass ich die Schnüre nicht mehr mag. Sie riechen nach Weichmachern, böse Zungen würden sagen, sie riechen nach China. Wolle ist ein viel schöneres Material, das ich nicht gegen Plastikschnüre tauschen möchte. Also will ich das Plastikzeug loswerden. Aber einfach wegschmeißen käme mir wie Verschwendung vor. Nur an wen soll man Scoubidou Schnüre verschenken? Die waren 2005 mal modern und es fragte seitdem niemand mehr danach.

Wenn man so seine Sachen durchgeht, stellt man fest, wie viele Dinge man eigentlich hat. Diese ganzen Aktionen auf Blogs über Minimalismus, jeden Tag einen Gegenstand auszusortieren, habe ich bisher immer belächelt. Es kam mit vor wie ein zwanghaftes Aussortieren von Dingen, die man eigentlich noch benutzen würde aber wegen der Aktion weg werfen oder verschenken muss.
Nun ist mir klar geworden, wie viele Dinge ich habe, die lange schon kein Teil meines Lebens mehr sind und mich dennoch weiterhin umgeben. Ein bisschen davon bedrückt fühle ich mich auch. Es ist wie eine Art schlechtes Gewissen, Dinge zu haben, die man nicht braucht.

Würde man all die Besitztümer weggeben, die man gar nicht mehr liebt und benutzt, wäre das bestimmt ein gutes Gefühl. Ich erinnere mich noch, dass meine Mutti früher aus dem Kinderzimmer von meiner Schwester und mir immer heimlich einige Sachen für ein paar Monate in eine Mülltüte gepackt und versteckt haben. Alles, wonach wir in der Zeit fragten, gab sie heraus, der Rest des Sackes wanderte geschlossen in den Müll.
Diese Methode ist drastisch aber effektiv. Ob ich genau auf diese Weise aussortieren möchte, weiß ich noch nicht. Und wohin mit den Dingen, die für die Tonne zu gut sind und für die sich im Umkreis kein Abnehmer findet? Entweder verkaufen oder ab damit zum Schenkflohmarkt. Da ich nicht viel Erfahrung mit dem Verkaufen gebrauchter Gegenstände habe, ist die Hemmschwelle, einfach alles gratis beim Schenkflohmarkt weg zu geben, viel geringer.

Ich nehme aber noch ein anderes Fazit aus dem Öffnen der Schublade unter dem Bett mit: so verlockend beim Einkaufen das schöne Kerzenglas und das niedliche Lesezeichen wirken - man braucht diese Dinge einfach nicht. Geld auszugeben und sich den Lebensraum mit Gegenständen voll zu stellen, die man eigentlich nicht benötigt wäre Schwachsinn.
Nur noch Dinge zu kaufen, die man wirklich braucht und benutzt wäre die logische Konsequenz aber so einfach ist das eben doch nicht, wie es sich anhört. Der Mensch ist eben doch ein Sammler und hortet für schlechte Zeiten. Nur dann hilft der von Opa gebaute Miniaturwebrahmen und die Kollektion von Buntstiften auch nicht.

Donnerstag, 5. November 2015

Und was ist mit Teeeee? Oder auch: Kein Herz für Kaffee

Vor einigen Wochen saß ich morgens noch mit leichtem Jet-Lag durch die Zeitumstellung in der Bahn und war auf dem Weg zu einer viel zu frühen Vorlesung. Draußen war es dunkel und mein Instinkt sagte, es wäre der perfekte Moment, noch ein wenig zu dösen. Friedlich nickte ich immer wieder ein wenig weg, sah ab und an auf, um festzustellen, wo die Bahn sich inzwischen befand.
Ein stechender, muffiger Geruch unterbrach diese Verlängerungsrunde meiner Nachtruhe - Kaffee.
Neben mir saß ein junger Mann mit Kaffeebecher, aus dem es heiß dampfte und aufdringlich roch.

Gefühlt bin ich der einzige Mensch, der morgens beim Geruch von Kaffee nicht fröhlich aus dem Bett springt, sondern sich überlegt, ob er unter der Bettdecke warten soll, bis der Mief sich verzogen hat oder mit angehaltenem Atem aus dem Bett hastet um möglichst schnell die Quelle des Geruchs zu eliminieren.

Ich bin in einer Familie von Teetrinkern aufgewachsen. Morgens gab es am Wochenende immer eine 2,5 Liter Kanne schwarzen Tee für vier Personen, die wir problemlos geleert haben. Obwohl in der Küche auch eine Kaffeemaschine steht, wird sie so selten angeworfen, dass man das aufs Jahr gerechnet an einer Hand abzählen kann. Regelmäßig passiert es, dass der Kaffee, der bei meinen Eltern für unerwarteten Besuch im Schrank gelagert wird, sein Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet.
Als Kind bekam man wie selbstverständlich immer sein Tässchen Milch zum Geburtstagskaffeetrinken mit den Verwandten. Proportional zum steigendem Alter kam die Frage, ob man denn auch Kaffee wolle, immer häufiger. Danke nein, ich trinke keinen Kaffee.
Die typische Antwort: Warte nur ab, bis du älter bist - dann wirst du Kaffee lieben! Oder auch die beliebte Variante davon: Wenn du erst einmal studierst, wirst du dir ein Leben ohne Kaffee gar nicht mehr vorstellen können!

Nun, ich bin älter und habe sechs Semester erfolgreich hinter mich gebracht und muss die Verwandtschaft leider enttäuschen: ich finde Kaffee weiterhin widerlich.
Als ich früher weder Oliven noch Pilze oder Naturjoghurt mochte, sagten die weisen Erwachsenen im Überzeugungston der Erfahrung, dass sich mein Geschmack verändern und ich all diese in dem Moment abstoßend erscheinenden Lebensmittel lieben würde. Und sie behielten tatsächlich Recht, was Oliven, Pilze und Naturjoghurt angeht. Doch um Kaffee schlage ich weiterhin einen großen Bogen.

Ob man nun Oliven mag oder nicht interessiert eigentlich niemanden. Aber wenn man keinen Kaffee trinkt, fällt man in der Gesellschaft schon negativ auf. Am Frühstückstisch, wenn das einzige angebotene Getränk Kaffee ist und man notgedrungen zu Leitungswasser greift oder auch wenn einem einfach ein Kaffee mitgebracht oder eingegossen wurde und man dann beichten muss, dass man eigentlich gar keinen Kaffee trinkt. Das mit dem lächelnd versuchen, das Zeug runter zu würgen oder mit ganz viel Milch zu verdünnen habe ich schon versucht. Und bin gescheitert. Ich würde gern auch den hippen Pumpkin Spice Latte mal probieren, aber da er Kaffee enthält, weiß ich, dass ich nach einmal daran nippen eh die Nase voll haben werde.
Es reicht ja schon ein Biss in eine Praline mit Kaffeegeschmack, um das typische muffig-beißende Aroma zu bemerken, den Rest der Süßigkeit liegen zu lassen und sich schnell was zum Nachspülen zu suchen.

Ich kann mich aufgrund des Geschmacks einfach nicht überwinden, Kaffee zu trinken und ich denke, dass es auch nicht nötig ist. Heißgetränke am Morgen sind etwas wundervolles und ich bin sehr dankbar, dass es dafür Tee gibt. Warum also mich mit Kaffee quälen, wenn ich ihn eigentlich nicht mag?
Manchmal wünsche ich mir einfach nur, dass nicht alle es als selbstverständlich ansehen würden, dass man ab einem gewissen Alter Kaffee mag. Wahrscheinlich ist das auch eine Einschränkung für sämtliche soziale Kontakte, wenn man den anderen keinen Kaffee kochen kann. Aber wie soll ich kontrollieren, wie das Produkt am Ende schmeckt, wenn ich es immer ekelhaft finde egal wie das Verhältnis von Wasser zu Kaffee nun ist? Man erwartet von Veganern schließlich auch nicht, dass sie Hackbraten zubereiten - weshalb also sollte ich Kaffee kochen?

Dass andere Kaffee trinken ist für mich völlig in Ordnung. Der Geruch ist nun nicht mein liebster, aber im Gegensatz zu Zigarettenrauch stört er nur olfaktorisch und schädigt mich nicht gesundheitlich.
Trotzdem bin ich noch immer fasziniert, wie gut sich Kaffee verkauft. Fast als wäre er lebensnotwendig. Morgens steht jeder Dritte mit seinem Coffee-to-go Becher am Bahnhof und in der Uni kommt auch die Hälfte des Kurses mit Kaffeebecher in der Hand in die Vorlesung. Ehrlich: spielt das Zeug eine so wichtige Rolle im leben, wenn es einem schmeckt?
Aber Faszination hin oder her: ich bin glücklich als passionierter Teetrinker. Man spart jede Menge Geld, wenn man nicht den Drang hat, sich täglich unterwegs Kaffee kaufen zu müssen. Dennoch bin ich interessiert: Könnt ihr euch ein Leben ohne Kaffee vorstellen?