Donnerstag, 3. Dezember 2015

Der Mann in der Werbung

Eigentlich wollte ich darüber schreiben, wie sehr mich der ganze Rabattwahn wegen des Black Friday nervt. Dass es schrecklich ist, wie jeder Online Shop einen nach einem Kauf dort einen treuen Kunden schimpft und deshalb 30% Rabatt anbietet während sie das Postfach mit Werbemails füllen. Und was soll das überhaupt für ein Anlass zum großen Rabattieren hierzulande sein? Aber hey - der ganze Wahn scheint überstanden und es haben nicht nur Leute sinnlos Geld rausgeschmissen, sondern einige konnten sicher auch Dinge günstiger kaufen, die sie wirklich brauchen.
Also zum eigentlichen Thema des Posts: Der Mann in der Werbung.

Ab und an kommt Opa spontan zum Abendessen vorbei. Man fühlt sich dann in seiner gestressten Abendroutine mit Univorbereitung, im Internet Zeit verschwenden, lesen, Sport und all den Dingen, die man noch tun möchte, immer ein bisschen gestört. Trotzdem wird dann extra für Opa gekocht, mit ihm gesprochen, alle essen zusammen. Schon eine schöne Sache.
Natürlich wurde Opa auch gefragt, wie es ihm geht. Seine Antwort:"Wie dem Mann in der Werbung."
"Aha, welche Werbung denn?"
"Na - die von dem Supermarkt mit den 20% Wurstrabatt am Dienstag. "
Sparsame Rentner wissen Bescheid.

Als er dann gegangen war, suchte ich im Internet nach dem Mann in der Werbung und wurde sehr schnell fündig. Opa bezog sich auf ein aktuelles Werbevideo von EDEKA. Ich sah es mir an und nach dem anderthalbminütigen Clip saß ich da, hatte feuchte Augen und nasse Wangen. Schon peinlich, wenn einen die Werbung zum Weinen bringt aber genau das ist mir passiert.


Worum geht es in dem Werbefilmchen? Es geht darum, dass man zu Weihnachten versucht, die ganze Familie zusammen zu bringen. In diesem Clip hat die Familie aber nicht mal dazu Zeit. Also täuscht der Großvater seinen eigenen Tod vor, um die Familie anlässlich der Trauerfeier zusammen zu bringen. Dieser Streich gelingt ihm und so kommt die trauernde schwarz gekleidete Familie bei ihm an und kann kaum fassen, dass Opa lebt.
Es klingt so lächerlich und doch hat es mich sehr berührt. Zeit mit älteren Menschen und seien es die eigenen Großeltern zu verbringen, kann sehr anstrengend sein. Man nimmt sich dafür keine Zeit, jeder hetzt seinen eigenen Problemen und Aufgaben hinterher. Karriere, Familie, Erlebnisse, Weltherrschaft - jeder verfolgt andere Ziele aber ganz egal, welches es nun ist: viel Zeit für die Familie bleibt im Normalfall nicht. So muss auch ich gestehen, dass ich meine Großeltern seltener besuche als ich könnte. Einfach, weil man viel zu tun hat. Wenn es einmal nicht so ist, trifft man Freunde oder erfreut sich am Internet sowie Serien und Filmen. Und die Großeltern sehen nix von ihrer Familie.

Dabei ist weder bei Großeltern, Eltern noch Freunden sicher, dass sie einem immer erhalten bleiben. Man könnte sie jeden Moment verlieren.
Gerade gestern erst haben wir uns gewundert, dass wir von Oma schon mehrere Tage nichts gehört hatten und sie telefonisch den ganzen Tag auch nicht erreichen konnten. Mit dem Bild vor Augen, wie sie bewusstlos auf dem Boden liegt, waren wir kurz davor, ins Auto zu steigen und zu ihr zu fahren, als sie zurück rief und sagte, dass sie einen Busausflug mit Weihnachtsmenü am Ende des Tages mit einer Rentnergruppe gemacht hätte und uns nur nichts davon erzählt hat, weil wir doch eh nicht anrufen würden. Autsch.

Nur angesichts dieses Wissens, dass jedes Leben jeden Moment enden könnte, kann man natürlich nicht jede Minute zwanghaft mit anderen Menschen verbringen, um ja nichts zu verpassen. Aber wir könnten uns aktiv bemühen, unsere Familie kennen zu lernen und auch von ihr zu lernen so lange es noch geht.

Wie macht ihr das so mit der Familie?

Montag, 23. November 2015

Schnee

Sobald gegen Ende des Jahres draußen die ersten weißen Flocken fallen, kann ich gar nicht aufhören, aus dem Fenster zu starren. Die Aufregung, dass die Weihnachtszeit naht, die so viel Geborgenheit und Gemütlichkeit verspricht, wächst. Lichter, die typischen Gerüche und Lebensmittel, diese Vorfreude auf eine Zeit mit der Familie und Freunden. In mir kommt jedes Jahr aufs neue eine rational nicht erklärbare Begeisterung auf, die allem Stress zu trotz mich in Hochstimmung bringt. Ich habe das Gefühl, dass der erste Schnee mich immer wieder ein bisschen in meine Kindheit zurück versetzt.

Es kommt mir schon ein bisschen albern vor, dass ich nur weil nun Schnee liegt, am liebsten sofort Weihnachten feiern oder zumindest schon den ersten Advent erreicht haben würde. Es ist auch nur eine Wettererscheinung und dieses christliche Fest ist assoziiert mit einem Glauben, nach dem ich nicht lebe. Weihnachten ist für mich ein Phänomen, das ich als Zeit der Familie betrachte. Man hat eine Auszeit am Ende des Jahres, in der man ein paar Tage durchlebt, die sich wie ein kleines Zeitloch anfühlen. Nach dem 24. Dezember herrscht plötzlich Ruhe. Keine Suche nach Geschenken mehr, aufgeräumt und dekoriert hat man längst und nun bleibt für ein paar Tage gefühlt die Zeit stehen und man kann all das tun, wofür man sonst keine Ruhe findet.

Wahrscheinlich verbinde ich diese Momente so sehr mit Weihnachten und Schnee, dass mich die ersten Flocken so heftig in Aufregung versetzen und mich debil grinsen lassen. Ich freue mich auf ruhige Tage voller Glück und der Schnee kündigt genau das an.
Ich weiß auch, dass nicht für jeden Weihnachten so eine glückliche und unbeschwerte Zeit ist. Damit meine ich nicht einmal, dass die Bahn jedes Jahr aus Neue davon überrascht wird, dass es einen Winter gibt und dementsprechend erst einmal nichts mehr nach Plan fährt. Mehr denke ich daran, dass nicht alle das Glück haben, sich innerhalb ihrer Familie nahe zu stehen und harmonisch miteinander feiern aber andere haben noch viel größere als diese "Luxusprobleme". Auch daran denken wir während wir unser eigenes Glück genießen schuldbewusst. Zumindest erkläre ich mir so die zur Weihnachtszeit steigende Spendenbereitschaft gegenüber Obdachlosen, Katastrophenopfern oder Entwicklungshilfen.

Dennoch kann ich nicht anders, als einfach aus dem Fenster zu sehen, fasziniert den Schnee anzusehen und mich auf diese Zeit zu freuen ganz egal was für ein Stress mich im Alltag gerade belastet und wie schrecklich die Welt doch sein kann. Der Schnee legt sich über all den Dreck und die hässlichen Ecken werden durch die weiße Decke geebnet und erscheinen zauberhaft schön. Zumindest für einen Moment.

Dienstag, 17. November 2015

Much too much

Jeder Mensch hat seine eigene Strategie, was das Aufräumen und das Bewahren einer Ordnung angeht. Bei mir funktioniert es so, dass ich gut sortierte Fächer für Dinge, die ich täglich brauche, habe und der Rest gemeinsam durcheinander in Schubläden schlummert. Kleidung, Unterlagen für die Uni oder auch mein Strickzeug werden ständig benutzt, ich weiß genau, wo welches Objekt liegt und ich bin recht zufrieden damit. Und dann gibt es noch diese Fächer und Schubladen, wo sich alle Gegenstände einer Kategorie einfach sammeln.

Ab und an ereilt mich eine Sortierwut und genau das war jetzt der Fall. Ich habe einfach mal den großen Schub unterm Bett hervor gezogen und war ein wenig schockiert angesichts der Unmengen von Bastelzubehör, das ich seit Jahren nicht mehr angefasst habe.
Scoubidou Knüpfschnüre aus Grundschulzeiten. Buntpapiersets, die ich vor Jahren mal im Kunstunterricht brauchte. Materialien zum Herstellen von Perlentieren.
In der Kommode sind ordentlich gestapelt Hefter aus Schulzeiten. Die für mich ganz abwegigen und wenig gemochten Fächer sind schon lange in den Papiermüll gewandert, aber der Biologieordner wartet noch immer darauf, dass ich ihn wie gedacht im Studium noch mal brauche. Ich fürchte, dass er da endlos warten wird.
In einem separaten Fach sind all die kleinen gebastelten Geschenke, die ich von meiner Schwester bekommen habe. Da liegt ein pailettenbedecktes Styroporei in grässlichen Farben, dass ich nutzlos und hässlich finde und doch noch nicht weg geworfen habe, weil es für mich gemacht wurde.

Warum hebe ich all das eigentlich noch auf, wenn ich es gar nicht benutze und es nur Platz einnimmt?
Es hängen Erinnerungen daran. Man sagt sich, dass man die guten alten Zeiten bestimmt noch einmal aufleben lassen wird und die Plastikschnüre unter dem Bett hervor holt, um daraus Anhänger zu machen. Man redet sich ein, dass man dafür Geld ausgegeben hat und deshalb jetzt quasi verpflichtet ist, es auch zu nutzen, um das Geld nicht am Ende verschwendet zu haben.
Trotzdem weiß ich in meinem Unterbewusstsein, dass ich die Schnüre nicht mehr mag. Sie riechen nach Weichmachern, böse Zungen würden sagen, sie riechen nach China. Wolle ist ein viel schöneres Material, das ich nicht gegen Plastikschnüre tauschen möchte. Also will ich das Plastikzeug loswerden. Aber einfach wegschmeißen käme mir wie Verschwendung vor. Nur an wen soll man Scoubidou Schnüre verschenken? Die waren 2005 mal modern und es fragte seitdem niemand mehr danach.

Wenn man so seine Sachen durchgeht, stellt man fest, wie viele Dinge man eigentlich hat. Diese ganzen Aktionen auf Blogs über Minimalismus, jeden Tag einen Gegenstand auszusortieren, habe ich bisher immer belächelt. Es kam mit vor wie ein zwanghaftes Aussortieren von Dingen, die man eigentlich noch benutzen würde aber wegen der Aktion weg werfen oder verschenken muss.
Nun ist mir klar geworden, wie viele Dinge ich habe, die lange schon kein Teil meines Lebens mehr sind und mich dennoch weiterhin umgeben. Ein bisschen davon bedrückt fühle ich mich auch. Es ist wie eine Art schlechtes Gewissen, Dinge zu haben, die man nicht braucht.

Würde man all die Besitztümer weggeben, die man gar nicht mehr liebt und benutzt, wäre das bestimmt ein gutes Gefühl. Ich erinnere mich noch, dass meine Mutti früher aus dem Kinderzimmer von meiner Schwester und mir immer heimlich einige Sachen für ein paar Monate in eine Mülltüte gepackt und versteckt haben. Alles, wonach wir in der Zeit fragten, gab sie heraus, der Rest des Sackes wanderte geschlossen in den Müll.
Diese Methode ist drastisch aber effektiv. Ob ich genau auf diese Weise aussortieren möchte, weiß ich noch nicht. Und wohin mit den Dingen, die für die Tonne zu gut sind und für die sich im Umkreis kein Abnehmer findet? Entweder verkaufen oder ab damit zum Schenkflohmarkt. Da ich nicht viel Erfahrung mit dem Verkaufen gebrauchter Gegenstände habe, ist die Hemmschwelle, einfach alles gratis beim Schenkflohmarkt weg zu geben, viel geringer.

Ich nehme aber noch ein anderes Fazit aus dem Öffnen der Schublade unter dem Bett mit: so verlockend beim Einkaufen das schöne Kerzenglas und das niedliche Lesezeichen wirken - man braucht diese Dinge einfach nicht. Geld auszugeben und sich den Lebensraum mit Gegenständen voll zu stellen, die man eigentlich nicht benötigt wäre Schwachsinn.
Nur noch Dinge zu kaufen, die man wirklich braucht und benutzt wäre die logische Konsequenz aber so einfach ist das eben doch nicht, wie es sich anhört. Der Mensch ist eben doch ein Sammler und hortet für schlechte Zeiten. Nur dann hilft der von Opa gebaute Miniaturwebrahmen und die Kollektion von Buntstiften auch nicht.

Donnerstag, 5. November 2015

Und was ist mit Teeeee? Oder auch: Kein Herz für Kaffee

Vor einigen Wochen saß ich morgens noch mit leichtem Jet-Lag durch die Zeitumstellung in der Bahn und war auf dem Weg zu einer viel zu frühen Vorlesung. Draußen war es dunkel und mein Instinkt sagte, es wäre der perfekte Moment, noch ein wenig zu dösen. Friedlich nickte ich immer wieder ein wenig weg, sah ab und an auf, um festzustellen, wo die Bahn sich inzwischen befand.
Ein stechender, muffiger Geruch unterbrach diese Verlängerungsrunde meiner Nachtruhe - Kaffee.
Neben mir saß ein junger Mann mit Kaffeebecher, aus dem es heiß dampfte und aufdringlich roch.

Gefühlt bin ich der einzige Mensch, der morgens beim Geruch von Kaffee nicht fröhlich aus dem Bett springt, sondern sich überlegt, ob er unter der Bettdecke warten soll, bis der Mief sich verzogen hat oder mit angehaltenem Atem aus dem Bett hastet um möglichst schnell die Quelle des Geruchs zu eliminieren.

Ich bin in einer Familie von Teetrinkern aufgewachsen. Morgens gab es am Wochenende immer eine 2,5 Liter Kanne schwarzen Tee für vier Personen, die wir problemlos geleert haben. Obwohl in der Küche auch eine Kaffeemaschine steht, wird sie so selten angeworfen, dass man das aufs Jahr gerechnet an einer Hand abzählen kann. Regelmäßig passiert es, dass der Kaffee, der bei meinen Eltern für unerwarteten Besuch im Schrank gelagert wird, sein Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet.
Als Kind bekam man wie selbstverständlich immer sein Tässchen Milch zum Geburtstagskaffeetrinken mit den Verwandten. Proportional zum steigendem Alter kam die Frage, ob man denn auch Kaffee wolle, immer häufiger. Danke nein, ich trinke keinen Kaffee.
Die typische Antwort: Warte nur ab, bis du älter bist - dann wirst du Kaffee lieben! Oder auch die beliebte Variante davon: Wenn du erst einmal studierst, wirst du dir ein Leben ohne Kaffee gar nicht mehr vorstellen können!

Nun, ich bin älter und habe sechs Semester erfolgreich hinter mich gebracht und muss die Verwandtschaft leider enttäuschen: ich finde Kaffee weiterhin widerlich.
Als ich früher weder Oliven noch Pilze oder Naturjoghurt mochte, sagten die weisen Erwachsenen im Überzeugungston der Erfahrung, dass sich mein Geschmack verändern und ich all diese in dem Moment abstoßend erscheinenden Lebensmittel lieben würde. Und sie behielten tatsächlich Recht, was Oliven, Pilze und Naturjoghurt angeht. Doch um Kaffee schlage ich weiterhin einen großen Bogen.

Ob man nun Oliven mag oder nicht interessiert eigentlich niemanden. Aber wenn man keinen Kaffee trinkt, fällt man in der Gesellschaft schon negativ auf. Am Frühstückstisch, wenn das einzige angebotene Getränk Kaffee ist und man notgedrungen zu Leitungswasser greift oder auch wenn einem einfach ein Kaffee mitgebracht oder eingegossen wurde und man dann beichten muss, dass man eigentlich gar keinen Kaffee trinkt. Das mit dem lächelnd versuchen, das Zeug runter zu würgen oder mit ganz viel Milch zu verdünnen habe ich schon versucht. Und bin gescheitert. Ich würde gern auch den hippen Pumpkin Spice Latte mal probieren, aber da er Kaffee enthält, weiß ich, dass ich nach einmal daran nippen eh die Nase voll haben werde.
Es reicht ja schon ein Biss in eine Praline mit Kaffeegeschmack, um das typische muffig-beißende Aroma zu bemerken, den Rest der Süßigkeit liegen zu lassen und sich schnell was zum Nachspülen zu suchen.

Ich kann mich aufgrund des Geschmacks einfach nicht überwinden, Kaffee zu trinken und ich denke, dass es auch nicht nötig ist. Heißgetränke am Morgen sind etwas wundervolles und ich bin sehr dankbar, dass es dafür Tee gibt. Warum also mich mit Kaffee quälen, wenn ich ihn eigentlich nicht mag?
Manchmal wünsche ich mir einfach nur, dass nicht alle es als selbstverständlich ansehen würden, dass man ab einem gewissen Alter Kaffee mag. Wahrscheinlich ist das auch eine Einschränkung für sämtliche soziale Kontakte, wenn man den anderen keinen Kaffee kochen kann. Aber wie soll ich kontrollieren, wie das Produkt am Ende schmeckt, wenn ich es immer ekelhaft finde egal wie das Verhältnis von Wasser zu Kaffee nun ist? Man erwartet von Veganern schließlich auch nicht, dass sie Hackbraten zubereiten - weshalb also sollte ich Kaffee kochen?

Dass andere Kaffee trinken ist für mich völlig in Ordnung. Der Geruch ist nun nicht mein liebster, aber im Gegensatz zu Zigarettenrauch stört er nur olfaktorisch und schädigt mich nicht gesundheitlich.
Trotzdem bin ich noch immer fasziniert, wie gut sich Kaffee verkauft. Fast als wäre er lebensnotwendig. Morgens steht jeder Dritte mit seinem Coffee-to-go Becher am Bahnhof und in der Uni kommt auch die Hälfte des Kurses mit Kaffeebecher in der Hand in die Vorlesung. Ehrlich: spielt das Zeug eine so wichtige Rolle im leben, wenn es einem schmeckt?
Aber Faszination hin oder her: ich bin glücklich als passionierter Teetrinker. Man spart jede Menge Geld, wenn man nicht den Drang hat, sich täglich unterwegs Kaffee kaufen zu müssen. Dennoch bin ich interessiert: Könnt ihr euch ein Leben ohne Kaffee vorstellen?

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Warum Shopping Horror ist

Es ist Glamour Shopping Week und die lockenden Rabatte reichen als Anstoß, sich mal wieder aufzuraffen, um shoppen zu gehen. Dass das Lieblingsshirt ausgeleiert aussieht und meine schwarze Hose nach Jahren des Tragens eher ausgewaschen-grünlich als schwarz wirkt, weiß ich schon lange, doch freiwillig gehe ich doch nicht shoppen. Denn ich hasse Shoppen - und zwar abgrundtief!

Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich es nicht mag, schöne neue Dinge zu haben und dieses Gefühl zu genießen, sich mit dem neuen Stück einmal im Jahr stylisch gekleidet zu fühlen. Da geht es mir wie wahrscheinlich fast jedem anderen, dass ich dieses Gefühl mag. Doch um an diesen Punkt zu kommen, muss man erst mal den grausamen Prozess des Einkaufens erfolgreich hinter sich bringen.

Jedes mal fühle ich mich neben top durchgestylten, modisch frisierten und gelegentlich überschminkten Verkäuferinnen wie der letzte Dorftrottel. Ich in meinem bequemen Shirt, das ich vor Jahren gekauft habe und so ganz ohne Accessories. Im Alltag stört mich das nicht im geringsten, doch im direkten Vergleich mit den modischen Verkäufern und vielen anderen Kunden fühle ich mich unwohl. Als würde ich so gar nicht an den Ort namens Shoppingcenter gehören. Resultat: ich möchte möglichst schnell wieder raus dort.
Mir ist es regelrecht peinlich, zwischen den Auslagen umher zu laufen ohne mich vorher ein bisschen hübsch gemacht zu haben. Das ist eigentlich unglaublich oberflächlich und albern - das ist mir sehr bewusst - doch dieses Unwohlsein wegen meines Aussehens lässt sich während des Einkaufs schwer verdrängen.
Als ob sich irgendwer darum kümmern würde, wie die Kunden aussehen. Wahrscheinlich ist ihnen das total egal, solange man bloß was kauft und freundlich ist, aber es wäre zu vernünftig, diese Einsicht in seinem Verhalten umzusetzen und sich zu entspannen.

Zu dem Fremdkörpergefühl in der Welt des Shoppings kommt so eine überwältigende Überforderung. Mode-Center, eine Etage voller Kleidung, Schuhe, Unterwäsche und weiß der Geier was. Und ich dachte vorher noch, so viel Auswahl zu haben, wäre gut.
Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll mit dem Suchen. Was suche ich überhaupt? Eine schwarze Hose - warum gibt es nur zerrissene, bestickte und mit Nieten zugepflasterte schwarze Hosen? Das kann doch nicht so schwer sein. Oh - welche Größe brauche ich hier eigentlich, wenn ich nicht einfach eine 42 und die Langgröße kaufen kann?
Die unglaublich freundliche Verkäuferin hilft, sucht neutral gestaltete schwarze Hosen. Keine passt. Alle zu kurz, einige zu eng, Stoff zu dünn und legginsartig. Ich weiß schon, warum ich sonst immer die gleichen Hosenmodelle in verschiedenen Farben kaufe.

Am Ende gehe ich wie immer mit der gleichen Art Einkauf nach Hause insofern ich etwas finde. Bequeme, unauffällige und bezahlbare Mode ist es, was ich kaufe. Und dann bin ich ein wenig frustriert, weil ich nicht einmal etwas ausgefalleneres für besondere Anlässe mitgenommen habe.
Ich mag es, Socken und Unterhosen zu kaufen. Die passen wenigstens immer und sind modisch eher unwichtig, was heißt, dass man wenig falsch machen kann. Sie müssen nur bequem sein.

Beim Shoppen muss ich daran denken, wie sehr ich Krankenhauskleidung liebe. Man muss sich absolut keine Gedanken machen, was man am nächsten Tag auf Arbeit trägt, denn das ist vorgeschrieben. Noch dazu sind Hose, Kasack und Kittel super weich und bequem mit vielen praktischen Taschen. Als würde man heimlich seine Wochenend-Wohlfühlkleidung auf Arbeit tragen, nur mit dem Unterschied, dass es tatsächlich offiziell vorgeschrieben ist. Traumhafte Zustände.
Manchmal wünsche ich mir auch, dass es so ein Outfit für den Alltag gäbe, so ein festgelegtes. Vielleicht nicht unbedingt in fleckenanfälligem Weiß. Man muss ja die Bevölkerung nicht dazu verpflichten, es zu tragen, doch es würde einige Dinge einfacher machen. Zum Beispiel den Fakt, dass ich von Mode keine Ahnung habe.

Eigentlich soll so ein Einkauf einem ein gutes Gefühl vermitteln, damit man brav mehr kauft, doch bei mir löst es nur ein Gefühl der Hilflosigkeit aus. Zu viel Angebot, keine Ahnung, was ich nun kaufen soll. Noch dazu dieser Eindruck, dass man auffällt, weil man sich so wenig gekonnt kleidet und deshalb vielleicht sogar nicht ernst genommen wird. Kleidungskauf ist bei mir mit negativen Empfindungen assoziiert, es zeigt mir die ganze Zeit, was ich nicht gut kann.
Wäre ich Protagonist eines Horrorfilms, würde man mich in ein gigantisches Einkaufscentrum locken, aus dem nicht heraus komme, in einer Endlosschleife Kleidung anprobieren müsste und von anderen verspottet werde.
Online Shopping hilft da ein wenig, doch am Ende bin ich auch von der Auswahl überwältigt und ahnungslos, welche Größe ich bestellen sollte, wenn ich das Stück denn nicht direkt anprobieren kann.

Am Ende des Einkaufs stand ich mit einer schwarzen Hose in dem Geschäft, wo ich immer meine Hosen kaufe, an der Kasse und mental kurz vorm Nervenzusammenbruch. Na ja, fast.
Und ich weiß auch, dass ich bald wieder vorm Kleiderschrank stehen werde und denke, dass ich nichts zum Anziehen habe. Doch immerhin bin ich raus aus dem Einkaufscenter und werde auch nicht so bald wieder freiwillig da rein gehen.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Herbstzeit, Kuchenzeit: Kirsch Brownies mit Käsekuchenwirbeln

Es wird Herbst und damit draußen kälter. Weg mit den bauchfreien Tops und Bikinis, denn dicke Pullover und Schals regieren ab sofort die Garderobe. Das bedeutet auch, dass man auch mal einen unglaublich saftigen und schokoladigen Brownie essen kann, ohne akute Angst leiden zu müssen, dass man in den Shorts gleich die Folgen davon sieht. Oder man hat einfach jahreszeitenunabhängig keine Angst vor Kalorien und darf sich deshalb noch mehr über ein potentielles neues Lieblingsrezept freuen: Kirsch-Käsekuchenwirbel-Brownies.

Für ihre Geburtstagsfeier wünschte sich meine Schwester einen Kuchen von mir. Bloß nicht langweilig, bloß nicht trocken. Meine erste Idee waren Brownies. Da es einen Nussallergiker unter den Gästen gab, fielen die üblichen Walnüsse weg. Und Brownies nur mit Schokolade? Zu langweilig. Also suchte ich nach einem Rezept für Brownies mit Früchten und Käsekuchen. Da es online aber nur Varianten gab, die Kuchenmischungen, fertige Cherry Pie Füllungen aus der Dose oder anderen Mist erforderten, machte ich mich selbst daran, kreativ meine liebsten Komponenten aus anderen Rezepten zusammen zu werfen.
So kombinierte ich Kirschen als fruchtige Komponente und Käsekuchenwirbel für eine spannende Textur dazu. Das Ergebnis hat mich so sehr begeistert, dass ich das Rezept unbedingt mit euch teilen muss.

Das Rezept ist für eine Springform mit 28cm Durchmesser gedacht, doch ich habe hier einfach die doppelte Menge für eine größere Form gemacht. Also nicht von der Größe des Bleches verwirren lassen.

200g Butter in einem Topf schmelzen. 225g gehackte Zartbitter Kouvertüre in der warmen Butter schmelzen lassen. Dabei gut durchrühren, damit eine homogene Masse entsteht.



Während sich das alles schön verflüssigt, könnt ihr in einer Schüssel schon einmal 250g Zucker und 5 Eier mit einer Prise Salz aufschlagenDas Fett-Zucker…ähm Butter-Schokoladengemisch nun langsam unter Rühren in die Eimasse geben.



Nun kommen 160g Mehl, 30g Kakao und 1 Teelöffel Backpulver in die Mischung hinein. Alles gut durchmischen und schon kann es in eine mit Backpapier ausgelegte Form mit 28cm Durchmesser.

Nun nehmt ihr den Inhalt von einem halben Glas Sauerkirschen und verstreut die Früchtchen gleichmäßig auf dem Teig.
Dann geht es weiter mit dem Käsekuchenpart. Dafür werden 200g Doppelrahmfrischkäse1 Päckchen Vanilliezucker und ein Ei  gut durchgerührt. Die Mischung kommt in Klecksen über den Kuchen. Weiter geht es mit dem optisch ansprechendsten Teil des Backvorganges: die weißen Kleckse werden mit einer Gabel unter den dunklen Teig gerührt. Das Prinzip ist das gleiche wie beim Marmorkuchen.




Bei 180°C wird die Leckerei nun für 30 Minuten gebacken.
Und dann darf das schokoladige Werk - nach ein wenig Zeit zum Auskühlen - endlich angeschnitten werden. Aaaaahhh…



Aber Achtung: der Kuchen ist selbstvernichtend - anders kann ich mir es jedenfalls nicht erklären, wie er so schnell komplett verschwinden konnte.

Viel Spaß und Erfolg beim Nachbacken!