Dienstag, 21. Juli 2015

Sommersocken suchen kalte Füße

Dass ich leidenschaftlich gerne stricke sollte für euch keine Überraschung mehr sein. Sogar auf Instagram teile ich ab und an ein Bild von meinen wolligen Werken.
Als ich kürzlich dort ein Bild meiner selbst gestrickten Sommersocken veröffentlichte, zeigten sich gleich viele begeistert. Falls ihr es verpasst habt: hier ist das besagte Instagrambild der Socken.


In den Kommentaren wurde wenig später wurde klar, dass nicht jeder das Glück hat, handgestrickte Socken zu besitzen, obwohl das bei deutschen Temperaturen ein absolut essentielles Kleidungsstück ist. So kann das nicht weiter gehen!
Und deshalb habe ich beschlossen für die Menschen, denen niemand aus deren Umkreis Socken strickt, Socken zu verlosen. Denn meine Familie und Freunde habe ich schon reichlich mit Socken beschenkt und es wird Zeit, auch meinen Lesern eine Freude damit zu machen.

Und damit zu den konkreten Details des wolligen Gewinnspiels:

Es gibt insgesamt zwei Paar Sommersocken des hier abgebildeten Modells zu gewinnen; Sneakersocken mit einem leicht eingerolltem Rand.


Die Farbe der Socken können sich die beiden Gewinner aus den hier abgebildeten Wollknäueln selbst zusammenstellen. Man kann auch mehrere Farben mischen und so Streifen erzeugen wie zum Beispiel bei den beiden grünen Paaren, die ich bereits gestrickt habe. Oder zwei Socken in verschiedenen Farben stricken, wenn man ganz verrückt ist.
Die dafür von mir zur Verfügung gestellte maschinenwaschbare Sockenwolle enthält 75% Schurwolle. Falls ihr also vegan lebt und auch Schafwolle meiden wollt oder darauf allergisch reagiert, ist das leider kein für euch geeigneter Preis. Ansonsten ist jeder mit kalten Füßen und dem Wunsch nach einem Paar handgestrickter Sommersocken herzlich willkommen, sein Glück zu versuchen!



Was ihr für ein Paar Sommersocken tun müsst
1. Teilnahmebedingung ist, dass ihr in den letzten vier Jahren, die es meinen Blog schon gibt bis einschließlich den 20.07.2015 mindestens einen euch eindeutig zuzuordnenden Kommentar hier hinterlassen habt. Schließlich ist das ein Gewinnspiel für meine Leser und Kommentatoren.

2. Wie ihr teilnehmen könnt: Schreibt einen Kommentar, warum ihr unbedingt ein Paar mit Liebe gestrickte Sommersocken braucht!

3.  Die Verlosung endet am 03. 08. 2015 um Mitternacht. 

Anschließend werde ich einen Gewinner auswählen, der meiner Ansicht nach am dringendsten ein Care-Paket mit einem Paar Socken benötigt. Der zweite Gewinner wird unter den übrigen Kommentatoren ausgelost. 

Dann werde ich die Gewinner per Mail nach ihrer Schuhgröße und den Farben, die sich sich für ihre Socken wünschen, fragen. Der anhand seines Kommentars ausgewählte Gewinner hat Vorrang, für den Fall, dass beide scharf auf das gleiche Knäul sind.
Anschließend werden die Socken gestrickt, was abhängig von der Schuhgröße (für Kindersärge Größe 50 Socken zu stricken dauert verdammt lange - ich spreche da aus Erfahrung!) maximal zwei Wochen insgesamt dauern wird. Anschließend machen sich die Socken per Post auf den Weg zu euch, was bedeutet, dass ihr auch eine Adresse innerhalb Deutschlands benötigt, an die ich den Gewinn schicken kann. 

Na dann: auf die Socken, fertig, los! Ich bin gespannt auf eure Kommentare und hoffe, dass euch die kleine Verlosung gefällt. Und noch was: viel Glück!

Apfelkern

Donnerstag, 16. Juli 2015

5 Gründe Great Britain zu lieben

Kaum wurde mir gegenüber erwähnt, dass es eine Sendung namens The Great British Bake Off gibt, schon hatte ich das als Suchanfrage eingegeben und die erste Folge gestartet. In dieser Sendung geht es um einen Backwettbewerb. Briten backen britische Dinge und nebenbei wird noch ein wenig über die Geschichte des Backens und der Briten erzählt.
Mir wurde warm ums Herz. Ein Gefühl, des zu Hause seins. Was Großbritannien angeht: ich bin einfach verliebt in diese Inseln und wusste eigentlich gar nicht genau, woher mein euphorisches Schwärmen eigentlich kommt. Als ich ein wenig drüber nachgedacht hatte, wurde es mir aber klar und deshalb möchte ich euch hier meine fünf Gründe, Großbritannien zu lieben, vorstellen.

Die Sprache
Es gibt Sprachen, die einfach gut klingen. Wenn man sie dann auch noch versteht, wird es gleich noch besser. Genau das trifft bei mir für das britische Englisch zu. Ich mag die verschiedenen Dialekte von der Insel auch wenn man sie nicht alle auf Anhieb versteht. Sie klingen so schön rau und ursprünglich. Mir gefällt auch, wie die Sprache genutzt werden kann. So viele schöne Sprichwörter und kurze catchy Sätze lassen sich formulieren, die im Deutschen gar nicht möglich sind. Außerdem: es ist genial, aus einfach allem ein Adjektiv machen zu können, indem man nur ein y ans Wortende hängt. Wir haben die Substantivierung und die Briten können aus allem ein Adjektiv machen. I prefer my pirate memory games not too piratey!

Die Natur
Berge im Norden, nach Süden hin flacher werdendes Land und jede Menge Küste - all das und noch mehr bietet das Vereinigte Königreich. Grüne schottische Hügel, bei denen sich auf das Grün ein Schleier in magenta legt, wenn das Heidekraut blüht, steile Küsten, gegen die das Meer rauscht und ein paar Wälder sind einfach zu charmant, um sie nicht zu mögen. Außerdem: wie genial ist es denn eigentlich, vom Meer umgeben zu sein? Egal wo man wohnt - in maximal vier Stunden Autofahrt ist man am Meer!
Auch über das Wetter würde ich mich nicht beschweren. Hitze und zu viel Sonne sind eh nicht mein Ding während schlechtes Wetter der perfekte Grund ist, den Tag gemütlich drinnen zu verbringen. Und durch die Pfützen zu hüpfen und sich anschließend mit einem Tee lesend am Kamin aufzuwärmen, ist auch nicht schlecht. Im Gegenteil: es ist britisch!

Die Kultur
Als kultivierte Touristen sind die Briten zwar nicht wirklich bekannt, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Allein die ganzen Bilderbuchschlösser (Sprich: castles) geben jede Menge zu bewunderndes Material für kulturwütige Menschen ab. Alte Bibliotheken, Hochflorteppiche, Kaminzimmer und sorgfältig gepflegte Schlossgärten sind für mich der Inbegriff britischer Castles.
Literarisch gibt es neben modernen Schätzen wie Harry Potter auch historisch jede Menge wunderbare Werke, die man lesen und sich nach Großbritannien versetzt fühlen kann. Falls euch da spontan nichts einfällt: Dracula und Robin Hood sind populäre Beispiele.
Musikalisch sagt allein die Kategorie Brit Pop schon, dass die Briten nach den Beatles und den Rolling Stones noch immer was zu bieten haben. Mit dem wundervollen britischen Akzent auch noch zu singen ist halt wunderbar. Darüber hinaus gibt es Überreste römischer Kultur, keltische und walisische Kultur, Dudelsäcke und die seltsame Angewohnheit, Linksverkehr zu praktizieren. Alles sehr liebenswert.

Das Essen
Haute Cuisine assoziiert man vielleicht nicht sofort mit der Insel sondern eher die Gewohnheit, einfach alles zu frittieren. Also nicht nur Fisch oder mit Hack umhüllte Eier sondern auch Schokoriegel. Warum denn auch nicht. Und dann würzt man mit Essig und dieser komischen braunen Sauce. Nun ja. English Breaktfast ist eh berühmt berüchtigt, Kartoffelchips sind dort ernsthaft ein Bestandteil einer nicht wirklich gesunden Mahlzeit und Haggis ist auch recht speziell aber von den eben genannten drei Speisen definitiv mein Favorit. Hauptgerichte sind vielleicht nicht das, was wir auf Anhieb mögen aber in Sachen Gebäck kann man den Briten sofort verfallen.
Sie machen unglaublich tolle Kekse: allen voran das Shortbread, McVities Kekse, Gingerbread, Haferkekse…omnomnomn. Es geht weiter mit all den sündhaft leckeren Kuchen und Sponges, Scones und den Törtchen und Tartes sowie Gurkensandwiches, die zur Teatime verspeist werden. 
Auch in Sachen Getränken punktet Großbritannien bei mir: Whisky und Cider, das einzige nicht hochprozentige alkoholische Getränk, das mir wirklich schmeckt, sind großartig. Dann kommt noch das, wofür angeblich alles stehen und liegen gelassen wird und ohne das nichts läuft: TEE! Ich liebe Tee und schwarzen ganz besonders. So eine schöne cup black tea und dazu Shortbread sind das, was ich in meinen Träumen täglich nachmittags zelebriere. 

Der Humor
Britain, Britain, Britain!
Derber Humor, flache Witze, die schon mal auf die eigenen Kosten gehen und eine gewisse Schmerzlosigkeit bei den Themen, über die gescherzt wird- das ist für mich britischer Humor. Die Serie Little Britain ist definitiv ein Paradebeispiel dafür aber auch Monty Python oder Mr. Bean stehen für den britischen Humor, den ich unglaublich gerne mag.

Wenn man nicht nur tolle Natur erleben und gutes Essen genießen, sondern auch gemeinsam mit den Menschen dort lachen kann, ist das ganze doch das perfekte Reiseziel. Und das ist Großbritannien für mich wirklich: nach einer Rundreise durch Schottland und einer durch England kann ich sagen, dass ich definitiv nicht genug von der Insel habe und immer wieder dort hin möchte. Es ist einfach immer eine gewisse Sehnsucht nach ein wenig Britain da. Denn ich liebe Großbritannien.

Schwärmt ihr auch von einem bestimmten Land?

Donnerstag, 25. Juni 2015

Maulwurfsleben

Wir sind eine große Menge an Menschen mit einer Gemeinsamkeit. Eigentlich erkennt man uns auf den ersten Blick aber viele von uns tarnen das entscheidende Erkennungsmerkmal geschickt. Das klingt jetzt fast schon ein bisschen nach einer Sekte, ist es aber ganz und gar nicht. Denn hier hat sich niemand freiwillig dafür entschieden, dem Club beizutreten. Ich spreche von Fehlsichtigkeit.

Im Alltag bemerkt man sofort, wenn sein Gegenüber Brillenträger ist, doch unter Bloggern fällt das nicht unbedingt auf, wenn man nur die Texte liest ohne Bilder zu sehen. Und deshalb wollte ich mich hier einerseits als bekennender Brillenträger outen und andererseits über das Leben mit Brille schreiben.

Meine Eltern sind beide extrem kurzsichtig und auch ich bin davon nicht verschon geblieben. Inzwischen bin ich beidseitig schon über 5 negative Dioptrien hinaus und habe einseitig schon  -6,25 Dioptrien und tendenziell werden das nicht weniger.
Aufgefallen ist es schon in der Grundschule, als ich beim Mathetest die Aufgaben zwar richtig löste aber ganz andere Aufgaben hatte als der Rest der Klasse. Ich konnte als hochgewachsenes Kind, das deshalb hinten im Klassenraum sitzen musste, die Zahlen an der Tafel nicht mehr lesen und habe offenbar kreativ ergänzt, damit wieder eine Aufgabe draus wurde.
Also ging es zum Augenarzt und ich bekam eine Brille, die ich an mir sehr merkwürdig fand und deshalb auch nur im "Notfall" aufsetzte. Soll heißen, wenn ich nicht gerade etwas an der Tafel lesen musste, sah man mich nie mit Brille. Es trug auch definitiv seinen Teil dazu bei, dass die anderen Kinder mir erzählten, es sähe aus, als hätte ich die Brille meines Vaters auf der Nase. Und das obwohl sie meinen Vater nicht kannten. Ich schämte mich ungeachtet der fehlenden Logik hinter dieser Beleidigung sehr für mein Nasenfahrrad.
Schließlich wurde die Kurzsichtigkeit immer stärker, sodass ich dann doch Vollzeit Brillenträger wurde - aber erst, nachdem ich von der Grundschule aufs Gymnasium gewechselt war - schließlich war das ein Neuanfang und damit meine Chance so zu tun, als wäre die Brille in meinem Gesicht etwas ganz normales. In den ersten Wochen als Vollzeitbrillenträger war ich extrem fasziniert davon, wie detailreich die Welt eigentlich ist. Bäume sind nicht nur von einem undefinierten grünen Schein umgeben - nein, es sind ja einzelne Blätter! Ob Galileo Mystery schon davon weiß?!
Ohne Brille war alles zu einem ineinander verschwimmenden Farbmeer geworden und ich hatte mich einfach daran gewöhnt. Mit Brille konnte ich nun auch endlich wieder in der Bahn fremde Bücher mitlesen.

Inzwischen mag ich mich mit Brille sogar lieber als ohne. Ungeschminkt, Augenringe? Brille auf und gut - die Brille überdeckt perfekt die Ränder der Augenringe und versteckt sie so und gibt dem Gesicht gleichzeitig irgendwie einen Rahmen, eine Dekoration, die einen hergerichtet aussehen lässt. Und das ist ein Effekt, den man innerhalb von zwei Sekunden durchs Aufsetzen der Brille erreicht. Besser sehen kann ich damit natürlich auch.

Soweit so gut. Die optischen Aspekte können Menschen ohne Brille definitiv nachvollziehen. Dann wird es Zeit, mal aus dem Nähkästchen zu plaudern.
Wisst ihr eigentlich, wie anstrengend Regen ist? Man wird nass und gleichzeitig halb blind vor lauter Tropfen auf der Brille. Macht sich am besten, wenn man draußen mit dem Rad unterwegs ist und den Weg gerade eh nicht findet. Am liebsten hätte ich Scheibenwischer für solche Tage. Oder auch diesen Zauberspruch, den Hermine bei einem Quidditch Spiel auf Harrys Brille legt und so den darauf zuströmenden Regen umleitet.
Wo wir schon bei nassen Dingen sind: im Schwimmbad ist eine Brille auch nicht unbedingt praktisch. Mit ist alles gut aber sobald man selbst schwimmen und tauchen will, wird die Brille abgesetzt und man ist hilflos. Wer von den ganzen Menschen ist jetzt nochmal die Freundin, mit der ich hier bin? Größe, Haarfarbe und Farbe der Badekleidung sind die einzigen Hinweise darauf, ob es denn nun die gesuchte Person ist oder nicht - denn sobald der andere einen Meter von mir entfernt ist, verschwimmt das Gesicht nur noch zu einem hautfarbenen Klecks. Das ist dann der Moment, in dem man sich selbst dafür verflucht, dem Freund eine dunkelblaue Badehose geschenkt zu haben. Mit einer neongrünen hätte man ihn immerhin sofort wiederfinden können.
Nett ist es übrigens auch der Moment, wenn man in der Dusche steht, sich unbewusst wundert, weshalb alles so wenig verschwommen aussieht und dann sobald das Wasser läuft feststellt, dass man vergessen hat, die Brille vorm Duschen abzusetzen.

Beim Sport ist so eine Brille auch nicht ideal, denn jede Form der körperlichen Ertüchtigung wird von der Angst begleitet, dabei die Brille zu zerstören. Entweder, jemand wirft mir etwas dagegen oder sie fällt aus der Bewegung heraus von allein runter (was bei Burpees zum Beispiel nach spätestens zehn Stück davon immer passiert), zerbricht dabei oder wird von einem Fuß zermalmt. Und anschließend ist man orientierungslos und völlig verloren in dieser Welt, in der man ohne auf 15cm Nähe heran zu kriechen, nichts mehr erkennen oder lesen kann.
Sowieso ist die Angst, plötzlich ohne Brille da zu stehen unterschwellig immer an Bord, wenn man so sehr fehlsichtig ist.  Ich erinnere mich noch gut an den Sehtest, bei dem ich sagen sollte, an welcher Seite die Öffnung des Rings ist und sie erst einmal mit dem größten Ring des Sets begonnen hatten. Öffnung von welchem Ring? Ich sah nur so einen grauen matschigen Fleck auf dem hellen Untergrund. Da überrascht es nicht, dass man immer, wenn man von einer Brücke oder einer höheren Etage nach unten sieht, die Brille unterbewusst festhält.

Man lernt, mit einer Brille zu leben. Auch wenn sie beim Küssen im Weg ist oder Mascara auftragen mit Brille nicht geht und man ohne nicht immer so zielsicher das Zeug nur da verteilt, wo es eigentlich hin sollte. Aber alles ist besser, als ohne eine Sehhilfe umher irren zu müssen. Und gut ausgesucht können Brillen eben auch richtig gut aussehen, einem ins Gesicht fliegende Insekten und den Speichel der Personen mit feuchter Aussprache aus den Augen halten. Ich spreche da aus Erfahrung.
Kontaktlinsen sind natürlich eine Option, doch ich stelle mich nach Jahren des vereinzelten Gebrauchs zu Konzerten oder Sportveranstaltungen noch immer dämlich an, was das Einsetzen angeht. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass sie meinen Augen nicht gut tun, denn mit Brille sind sie am Ende des Tages nicht ansatzweise so ermüdet und gereizt wie mit Kontaktlinsen. Lasern wäre eine Möglichkeit aber offen gesagt stelle ich mir die Prozedur sehr unangenehm und eklig vor. Ich meine - iiiih, Werzeuge und Hände an und in meinen Augen!
Abgesehen davon, finde ich meinen eigenen Anblick ohne Brille extrem seltsam. Natürlich wäre es großartig, nicht fehlsichtig zu sein, doch ich denke, dass es noch viel einschneidendere Einschränkungen gibt.

Seid ihr auch Brillenträger oder tarnt ihr eure Fehlsichtigkeit mit Kontaktlinsen und lasst die Brillenträger denken, sie wären die einzigen Maulwürfe? Und wenn ihr ohne Sehhilfe alles klar wahr nehmt, seid rücksichtsvoll und deprimiert die anderen in den Kommentaren nicht zu sehr.

ApfelBrillenkern

Sonntag, 7. Juni 2015

Ein Kurzurlaub mitten im Alltag

Das Leben bietet einem immer viel Arbeit, man könnte eigentlich immer etwas tun und sich selbst unter Druck setzen. Genau das tue ich normalerweise auch: ich bemühe mich, effizient zu sein und keine Zeit zu vergeuden. Denn langsam laufen wäre ja Zeitverschwendung.
In der Mensa wird das vegane Gericht gewählt, das meist aus einem Getreide gut vermischt mit gebratenem Gemüse, Sesampaste und Lauch besteht, weil man es sich zwischen Vorlesung und Seminar schneller einverleiben kann als etwas, das man noch groß zerkleinern und kauen muss. Das ist Nährstoffaufnahme und kein Essen.

Warum beeile ich mich eigentlich immer so? In den seltensten Fällen sitzt mir ein konkreter Zeitdruck im Nacken und zwingt mich zur Eile. Ich mache mir selbst das Leben stressig.

Vor ein paar Tagen habe ich mir nach einem kurzen Tag in der Uni und der Erledigung der wichtigsten Aufgaben einfach einen Abend Zeit genommen. Ein Spaziergang durch die Stadt mit meinem Freund ohne Eile. Endlich mal in Ruhe die Schaufenster ansehen, die man im Vorbeihetzen schon immer interessant fand. Spontan Umwege nehmen und neues entdecken, an dem man eigentlich schon unendlich oft im Alltag vobei gerannt ist. Einfach mal andere Wege nehmen, die man sonst nur als ineffizient bewertet hätte.

Später waren wir in einem kleinen asiatischen Restaurant essen. Ganz gemütlich seine Auswahl treffen, ohne auf die Uhr zu sehen darauf warten, dass das Essen kommt und dann einfach das Gericht zu genießen war großartig. Es war so toll, dass ich sogar direkt vergessen habe, ein Bild davon zu machen. Das muss aber auch nicht sein - ich werde mich an diesen Restaurantbesuch in aller Ruhe mit unglaublich leckerem Essen wesentlich besser erinnern können als an diverse Mahlzeiten, von denen ich mal ein Bild gemacht habe.
Essen ist so viel mehr als Nährstoffaufnahme aber dieser Genuss kostet auch Zeit. Es ist eigentlich wie mit allen Dingen im Leben.

Sich einfach Zeit zu lassen, fühlt sich direkt wie Urlaub an auch wenn man in gewohnter Umgebung ist. Man kann alles intensiver wahrnehmen und genießen. Am Ende des Nachmittags war ich entspannt wie nach einem Kurzurlaub. Die meisten Wochenenden sind für mich nicht einmal so erholsam wie dieser Nachmittag, war meine erschreckte Feststellung.
Schlussfolgerung des ganzen ist definitiv, dass man dem Leben nicht so viel Arbeitszeit und Effizienz abringen muss wie möglich, sondern dass es einen riesigen positiven Effekt hat, wenn man sich einfach mal Zeit lässt. Wahrscheinlich bin ich auch der letzte Mensch, dem das so klar wird, aber auch im Leben geht es um Qualität statt um Quantität der erledigten Dinge. Das Problem in dieser Gesellschaft ist bloß, dass man mehr anhand der Anzahl der erreichten Dinge bewertet wird als wie man das mit seiner eigenen Lebensqualität vereinbart. Kein Wunder, dass man zu dieser Erkenntnis manchmal erst auf Umwegen kommt.

Den Luxus, mir in Zukunft für alle Dinge so viel Zeit zu nehmen, kann ich vielleicht nicht haben aber was ich tun kann ist, mir einfach jeden Tag ein paar Minuten oder Stunden einfach Zeit für mich zu nehmen und sie zu genießen. Ich weiß ja jetzt, dass es sich lohnt.

Apfelkern

Montag, 25. Mai 2015

I wanna be much more like you - Wie man ein Apfelkern wird

Inzwischen ist dank der Zeitzeugin eine Initiative gestartet worden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Lesern von Blogs mit der Studienwahl weiter zu helfen. Sowohl Guddy als auch Karo haben schon erläutert, wie man lernen kann, so wie sie zu werden und nun möchte auch ich näher beschreiben, wie man zum Apfelkern ausgebildet wird.

Grundsätzlich ist es ein Studium, das einem viele spannende aber an sich nutzlose Fakten beibringt, einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt hat, Ausflüge in Kultur und Sprache macht und euch am Ende dazu befähigt, anderen die Geschichte des Strickens zu erzählen. Klingt doch großartig, oder?

Vorraussetzungen
Zuerst einmal seit ihr für fast alles zu begeistern aber das hilft nicht immer, da euch natürliche Grenzen gesetzt sind. Ihr solltet eine sehr eigenwillige, unordentliche Handschrift haben, gerne wild aber nicht unbedingt rhythmisch tanzen können, Literatur und Naturwissenschaften mögen sowie Handarbeiten total faszinierend finden. Sportlichkeit ist keine zu priorisierende Voraussetzung für dieses Studium, da ihr nur ein oder zwei Sportarten wirklich gut und begeistert beherrschen und in den restlichen euch bloß dilettantisch anstellen solltet. Wichtig für die Aufnahmeprüfung ist aber, dass ihr in begrenzter Zeit ein Paar Socken stricken könnt und die Küche mit wenigen Handgriffen gekonnt zu verwüsten wisst.

Kleidung
Nummer eins auf der Liste ist die Kleidung - das ist auch der am einfachsten zu erreichende Punkt, weshalb wir damit anfangen.
Jeans und ein Oberteil passend zur Jahreszeit sind eigentlich alles, was ihr braucht. Bloß nichts zu ausgefallenes. Und wenn es alle mal nicht super zusammen passt, dann habt ihr damit alles richtig gemacht, da man als Apfelkern modisch naiv sein muss. Das wichtigste ist, dass es alles bequem und praktisch ist. Schuhe mit Absatz sind deshalb auch zu meiden.
Die Funktionalität der Kleidung ist so wichtig, dass es Kurse in der Ausbildung gibt, in der man in Funktionskleidungsläden sprich Outdoor Ausrüstern lernt, qualitativ hochwertige Funktionskleidung zu finden. Die gute Allwetterjacke mit herausnehmbarem Innenfutter, das separat als Fleece Jacke getragen werden kann, hält zum Glück auch viele Jahre durch - das trifft sich, denn als Apfelkern ist einem Shopping ein Graus. Farblich sind gedeckte Töne zu bevorzugen. Alles was glitzert oder neonfarben leuchtet kommt einem Apfelkern nicht in den Kleiderschrank und auch pinke Kleidung wird gemieden obwohl sie einem erschreckend gut stehen.

Kommen wir nun zur Frisur. Auch in diesem Punkt ist es wichtig, alles schlicht zu halten. Nicht, dass irgendwelche Fähigkeiten hinsichtlich Flechtfrisuren oder der Bedienung von Lockenstäben vorhanden wären. Die Haarroutine besteht aus Waschen und Kämmen, bei Bedarf wird alles irgendwie hoch geknäult und in eine Spange gesteckt. Wenn man alle vier Wochen mal was verrücktes tun will, steckt man die vorderen Strähnen mit einer Haarspange zurück.

Lehrinhalte
Auch wenn ihr geometrisches Zeichnen oder schöne Handschriften ansprechend finden könntet, darf man das als Apfelkern nie sauber und ordentlich umsetzen. Wichtig ist es, schnell und schwungvoll zu schreiben - die Lesbarkeit ist sekundär. Da einem mit dieser Handschrift beruflich wenig Optionen übrig bleiben, ist es für euch nach einem eventuellen Scheitern in eurer Ausbildung zum Apfelkern noch definitiv eine Möglichkeit, Medizin zu studieren. Damit euer Studium in Apfelkernistik gelingt, gibt es vor allem am Anfang viele Kurse zur Optimierung des Schriftbildes.
Neben der unsauberen Handschrift ist es wichtig, beim Singen nie zu wissen, ob man denn den entsprechenden Ton eigentlich trifft und immer schön schief zu singen - aber das mit Begeisterung! Gesangskurse sind ein Muss in dieser Ausbildung. Aber Achtung: wer zeigt, dass er Noten lesen kann, steht kurz vor der Exmatrikulation!

Ein wichtiger Punkt in der Ausbildung ist es, unterscheiden zu können, in welchen Situationen man ordentlich zu spät kommen muss und in welchen nicht. Man kann über ausgelernte Apfelkerne nämlich nicht sagen, dass sie immer zu spät kommen - zu offiziellen Terminen sind sie überpünktlich, öffentliche Verkehrsmittel erreichen sie auf den Punkt genau und nur zu privaten Terminen sind sie konstant spät dran. Diese Fähigkeit zu erlernen ist zeitaufwändig, weshalb es Kurse in Planung und Organisation geben wird, zu denen der vorbildliche Student der Apfelkernistik niemals zu spät kommen wird.

Um wegen der ständigen Verspätungen nicht all seine Freunde zu verlieren, gibt es zahlreiche Koch- und Backkurse in diesem Studium. Wenn man nämlich die leckersten vorstellbaren Schokokekse zum Treffen mitbringt und als Grund für die Verspätung angibt, ist der Ärger vor lauter Freude über das Gebäck direkt vergessen.
Nach Farben kochen zu können ist eine essentielle Fähigkeit, die ihr euch aneignen werdet und auch das vielfältige Würzen will gelernt sein, da Apfelkerne gern scharf essen und schlecht gewürztes Essen verachten.

Da ein echter Apfelkern immer gerade an einem Projekt strickt, kann auf Handarbeitskurse in diesem Studium keinesfalls verzichtet werden. Es gibt Wahlmöglichkeiten zwischen Stricken, Häkeln und Nähen. Ohne dabei an einem Handarbeitsprojekt zu werkeln einen Film anzusehen, ist ein absolutes Tabu in dieser Ausbildung. Das liegt nicht nur an dem latenten Drang eines Apfelkerns, immer produktiv zu sein, sondern auch daran, dass man Dank der Kurse, die lehren, in jeder Situation sofort sehr sehr schnell tief einschlafen zu können, beim Ansehen von Filmen und Serien ohne eine Handarbeit rasch einschlafen würde.
Nur beim von euch so geliebten Lesen werdet ihr euch nicht mit Handarbeiten wach halten müssen.
Apropos Lesen: ihr werdet nicht nur Literatur zu schätzen lernen sondern auch eure Begeisterung für Latein entdecken und in Zukunft alle sich davon ableitenden Worte voller Euphorie als solche euren Mitmenschen erklären.

Außerdem werdet ihr lernen, die Natur zu lieben. Ich weiß, dass es am Anfang nicht leicht ist, sich einfach mal auf der Wiese lang zu wälzen, spontan in Gänseblümchen zu beißen oder Regenwürmer zu streicheln aber im Laufe des Studiums werdet ihr lernen, dass all diese Dinge unglaublich viel Freude bringen können. Es wird auch Unterrichtseinheiten zum Bestimmten von Tieren aber vor allem Pflanzen geben, damit ihr in der Wildnis später wisst, welche Pflanzen ihr euch bedenkenlos in den Mund stopfen könnt. Das Kochen mit wilden Pflanzen, das Ansetzen von Likören und Anbau von Nutzpflanzen sind optionale Bereiche des Studiums. Nicht optional ist dagegen das Einkochen von Marmelade, da ihr als fertig ausgebildeter Apfelkern nie weniger als 60 Glas selbstgekochte Marmelade auf Lager haben dürft. Wichtig: Konfitüre kocht man nicht aus eigens zu diesem Zweck gekauften Früchten, dafür müssen selbst angebaute oder gesammelte Früchte genutzt werden.

Berufsaussichten
Nach erfolgreichem Bestehen der Abschlussprüfung werdet ihr zahlreiche nützliche Fähigkeiten auf verschiedensten Gebieten erlangt haben und dementsprechend feststellen, dass ihr zu wenig Zeit habt, all diese Fertigkeiten angemessen auszuüben. Wie praktisch, das man im Studium gelernt hat, mit nur sechs Stunden Schlaf am Tag auszukommen!
Auch wenn dieses Studium Freude an diversen Dingen vermittelt, bin ich noch immer ein bisschen ratlos, was ich mit all diesem Wissen anstellen soll. Die sich ergebenden Möglichkeiten sind einfach zu zahlreich.
Vielleicht wäre ein Kombibachelor mit dem Karo-Kafka Studium oder dem Studium des Guddyismus ja doch sinnvoll gewesen. Also kann ich euch nur empfehlen, euch diese Studiengänge vor der Bewerbungsabgabe noch einmal anzusehen und die für euch beste Kombination zu wählen.
Viel Erfolg dabei!

Und nachdem ihr mir all eure Fragen zum Studiengang der Apfelkernistik in den Kommentaren gestellt habt, würde ich gerne wissen, mit welcher Ausbildung man es schaffen kann, so zu werden wie ihr!

Apfelkern

Freitag, 8. Mai 2015

Ansprüche und Druck

Man muss mit der Zeit gehen heißt es immer so schön aber was die Sache mit dem Bloggen angeht, werde ich das Gefühl nicht los, dass die Zeit ohne mich geht.

Fast alle haben plötzlich perfekte idyllische Bilder, die natürlich weder verwackelt noch verpixelt sind und mit der professionellen Spiegelreflexkamera aufgenommen worden sind. Bearbeitet werden die Bilder routiniert mit Photoshop, die Blogeinträge werden im Filofax vorzeigbar und stylisch geplant. Und natürlich nutzen sie schon lange kein Blogger mehr und erst recht nicht ohne eigene Domain - sie sind längst alle zu Wordpress umgezogen und nähern sich der Perfektion mit 2490 individualisierbaren Widgets.
Leserzahlen steigen natürlich konstant und pro Post gibt es mindestens zwanzig Kommentare. Die Oberschicht der Blogger trifft sich auf Blogger Events und wird von allen erdenklichen Firmen gesponsert. Ohne Gewinnspiele läuft logischerweise nichts - man macht das ganze ja immerhin nicht zum Spaß. Die Leser wollen leichtverdaulich unterhalten und mit tausend tollen Preisen überschüttet werden.

So zumindest kommt es mir vor. Ich bin der vorletzte Depp, der noch mit einer schäbigen Blogspot Adresse in dilettantisch gestaltetem Design lange, oft bildlose Texte postet. Und wenn ich mal Bilder einfüge, dann werden sie nicht mit der Spiegelreflexkamera aufgenommen, sondern mit meinem Handy. Gewinnspiele sind nun auch nicht das, was ich hier regelmäßig anbieten kann. Wirklich regelmäßige, wenn nicht sogar tägliche Posts, habe ich sowieso nicht zu bieten. Ich bin froh, wenn ich mal mehr als 6 Stunden Schlaf bekomme.

An diesem Punkt fragte ich mich, was ich überhaupt mit meinem Blog erreichen möchte. Eine besonders große Reichweite mit meinem Blog zu haben war noch nie das Ziel. Ich schreibe einfach gerne, möchte das teilen und wenn man Feedback dazu bekommt, ist es gleich doppelt so schön.
Es macht mir Spaß, in meinen alten Einträgen zu stöbern.  Es macht mir Spaß, andere mit diesem Hobby schon über Jahre zu lesen und über Kommentare immer wieder zu begleiten. Einige Blogs lese ich schon seit über vier Jahren und inzwischen kennt man die Autoren, häufige Kommentatoren und einige der eigenen Leser, diese Menschen gehören einfach dazu!
Nachdem ich letzten Sommer auf dem Bloggertreffen in Köln war, habe ich sogar einige dieser Internetbekanntschaften live getroffen und das war fantastisch. Man lernt neue Dinge, liest fremde Ansichten und Eindrücke und dann findet man auch noch so etwas wie Freunde. Ich liebe das Bloggen dafür, dass es solche Möglichkeiten bietet!

Trotzdem habe ich das unterschwellige Gefühl, mit anderen Blogs nicht mithalten zu können. Sie füttern nicht nur ihre Website regelmäßig mit tollen Inhalten sondern unterhalten die Leserschaft zusätzlich noch auf Twitter, Instagram, Facebook und neuerdings Snapchat. Ich dagegen bin schon froh, wenn ich es zu einem Blogpost in der Woche schaffe. Vielleicht stelle ich mich ja bloß verplant und dämlich an aber neben dem Studium, ein paar Hobbys und sozialen Beziehungen steht der Blog nicht als erste Priorität da. Da freue ich mich eher, wenn ich mal sieben Stunden Schlaf am Tag bekomme.

Was ist jetzt die Konsequenz des ganzen? Ich weiß, dass ich nie eine große Karriere als Blogger hinlegen werde und das ist in Ordnung. Mir ist klar, dass meine Themen, über die ich blogge, keine große Mehrheit ansprechen und auch damit kann ich gut leben. Über etwas anderes zu schreiben, nur um zu gefallen, ist keine Option für mich. Vielleicht sollte ich mir mehr Mühe geben, die Abstände zwischen den einzelnen Posts nicht zu groß werden zu lassen und aktiver bei anderen kommentieren. Und selbst wenn ich nicht so einen durchgestylten perfekten Blog habe wie andere: ich bin niemand, der fürs Bloggen bezahlt wird, ich mache das allein weil es mir Spaß macht. Das bedeutet eben auch, dass ich nicht verpflichtet bin zu Posts in einem bestimmten Abstand oder auf einer Rangliste der Beliebtheit einen bestimmten Platz zu halten.

Das heißt eigentlich, dass ich mit dem Bloggen keinerlei Druck habe. Trotzdem empfinde ich einen Erwartungsdruck und dieser Druck, mithalten zu müssen, gefällt mir einfach nicht. Nach inzwischen gut vier Jahren möchte ich dieses schöne Hobby auch nicht aufgeben, nur weil die Ansprüche der breiten Masse an die Präsentation und Vermarktung eines Blogs gestiegen sind. Schließlich will ich mich nicht unbedingt selbst als perfekt inszenieren sondern einfach über das schreiben, was mich bewegt.

Kennt ihr diesen Druck als Blogger oder macht ihr einfach so weiter wie es euch Spaß macht?