Sonntag, 10. August 2014

Plötzlich Semesterferien

Die Prüfungen sind vorbei, ich habe Sommerferien! Ein bisschen unwirklich ist der Gedanke schon, jetzt einfach bis Anfang Oktober abgesehen von vier Wochen Famulatur ausschlafen und den Tag nach eigenem Belieben gestalten zu können nachdem ich die letzten Wochen nur noch gelernt, geschlafen und ab und zu zur Entspannung ein bisschen Sport gemacht habe. Alle sonstigen Freizeitaktivitäten haben mir bloß schlechtes Gewissen bereitet, dass ich Zeit verschwende, die ich zum Lernen nutzen könnte.

Ich bin absolut kein Prüfungsmensch. In meinen Lehrbüchern zu lesen, Fakten zu erfahren und mich auf Veranstaltungen vorzubereiten und einfach Dinge zu wissen macht mir unheimlich viel Spaß. Tief in meinem Herzen bin ich ein kleiner Streber. Aber ich hasse Prüfungen.
Das Wissen, dass man bestehen muss um im Studium weiter zu kommen, baut Druck auf und nimmt mir in gewisser Weise die Freude am Lernen. Dass es ohne eine Form von Lernkontrolle nicht geht ist mir bewusst doch mögen muss ich sie ja deswegen auch nicht.

Meine ganz besondere Abneigung gilt ja den praktischen Prüfungen. Etwas in den schriftlichen Prüfungen nicht zu wissen ist blöd, aber nie peinlich. Dann muss man eben nachdenken, grübeln und sich in den ollen Multiple Choice Bögen für die wahrscheinlichste Antwort entscheiden. Wobei in vielen Fällen Nachdenken auch nicht hilft, wenn es um starres Faktenwissen geht und man muss eben den Fehler kassieren. Das ist aber nicht ansatzweise peinlich und niemand wird darüber lachen machen außer die Maschine, die unsere Prüfungsbögen auswertet, hat einen schadenfreudigen Humor.

Ganz anders bei den praktischen Prüfungen.
Während einer praktischen Prüfung nicht weiter zu wissen gehört zu einer der am tiefsten in mir verwurzelten Ängsten. Man blamiert sich vor den Prüfern. Man blamiert sich vor den Patienten beziehungsweise Simulationspatienten. Und obendrein blamiert man sich auch noch vor den Kommilitonen, die mit einem in der Prüfung sitzen. In diesem Jahr habe ich vor der praktischen Prüfung drei mal geträumt, dass mir während der praktischen Prüfung weil ich mich so unendlich blöd angestellt habe mein Abitur aberkannt wird. Mir selbst Psychoterror selbst machen kann ich prima.

Auf eine praktische Prüfung bereite ich mich doch immer noch eine Spur penibler vor als auf schriftliche, denn man weiß ja nie, ob nach den kleinsten Details doch noch gefragt wird. Für mich hat es sich bewährt, den Prüfer einmal zu googlen und zu sehen, in welchem Bereich er arbeitet, denn der Notarzt wird ganz andere Fragen stellen als der Dermatologe und der Anatom wird nicht unbedingt nach biochemischen Details fragen sondern eher nach dem Thema, über das er selbst schon in zig wissenschaftlichen Veröffentlichungen geschrieben hat.

Bisher habe ich alle Prüfungen bestanden und auch in diesem Semester hoffe ich, dass es wieder so gut läuft. Dann habe ich schon vier Semester geschafft. Vier Semester - zwei Jahre. Das ist schon eine ziemlich lange Zeit. Mit meinem Medizinstudium bin ich noch immer sehr zufrieden und genieße das vielfältige und unheimlich spannende Studium abgesehen von der Prüfungszeit sehr. Und in besagter Prüfungszeit frage ich mich immer, wie zur Hölle ich auf den bekloppten Gedanken gekommen bin, ein Medizinstudium zu beginnen, wo ich mir doch denken konnte, dass die Prüfungen nicht entspannt und einfach werden.

Mein Abitur liegt jetzt zwei Jahre zurück und ich kann es kaum fassen, dass die Zeit so verdammt schnell vergangen ist. Als Schüler habe ich immer beobachtet wie der aktuelle Abiturjahrgang immer nach den Sommerferien verschwunden war als wäre plötzlich er nicht mehr Teil dieser Welt. Hinten von der Erdscheibe runter gefallen und nie wieder von mir gesehen. Ich habe mich immer gefragt, wo all die Menschen nach dem Abitur hin gehen und was ich dann wohl machen werde. Jetzt weiß ich es. Zumindest für diesen Moment.

Apfelkern

Freitag, 8. August 2014

Aktion Blogliebe - Blogs, die einem den Tag versüßen


Wahrscheinlich ist euer Feedreader schon voll von Posts zur Aktion Blogliebe, zu der die Chaosmacherin aufgerufen hat, aber ich möchte es nicht versäumen, ein paar meiner neu entdeckten Bloglieblinge vorzustellen.

Ich finde es immer ziemlich schwer, eine Auswahl zu treffen, die mich selbst überzeugt aber für euch nicht todlangweilig ist, weil der entsprechende Blog schon zwölftausend mal empfohlen wurde. Deshalb empfehle ich euch jetzt auch nicht Asus hörnchentastischen Blog voller farbenfrohem Kram und Persönlichkeit, den ihr wahrscheinlich eh schon kennt, sondern ein paar andere.

Zuerst einmal: Flussperle
Rebecca schreibt anders. Kurz, treffend, mit eigenem Stil und irgendwie eindringlich. Sie sieht viele Dinge aus einem anderen Blickwinkel als ich und das macht es sehr interessant. Neue Posts kommen nicht so häufig wie auf anderen Blogs aber wenn es einen neuen gibt, freue ich mich jedes mal unheimlich darauf, ihn zu lesen. Daher eine absolute Empfehlung, euch den Blog anzusehen.

Nächste Empfehlung: 2deutig
Chaotisch und ehrlich - das sind die beiden Wörter, die mir zuerst zu dem Blog einfallen und das sind zwei sehr treffende Adjektive. Melanie schreibt über ihr Leben, über das was sie erlebt und gerne erleben würde. Dabei ist sie einfach so erfrischend ehrlich und sympathisch, dass es einfach verdammt viel Spaß macht, die kleinen Geschichten zu lesen.
Außerdem fotografiert sie auch wild umher, sodass auch für diejenige, die nicht nur Text sehen wollen, etwas dabei ist.

Von 2eutig ist es nicht weit zum Blog Rundengeherin, denn die beiden Autorinnen sehen sich gerne die gleichen Filme an um dann beide darüber zu schreiben. Auch wenn ich nicht dafür bekannt bin, leidenschaftlich Filme anzusehen, denke ich mir immer wieder, dass man sich doch mal einen der vorgestellten Werke ansehen könnte.
Neben den Filmvorstellungen gibt es noch Alltagsausschnitte, Gedankenfetzen und ein bisschen persönliches von der Autorin.
Besonders gern mag ich auch hier wieder den Schreibstil.

Auf dem Blog Rosa Luftballon von Sindy fühle ich mich total wohl. Sie ist - und das ist nicht im geringsten negativ gemeint - einfach total normal. Es macht Spaß über die alltäglichen Probleme zu lesen, dass sie kleine Erkenntnisse mit den Lesern teilt und vor allem auch ihre Bilder, die im Gegensatz zu so vielen anderen auf Blogs nicht immer gestellt und perfekt sind, mag ich sehr.
Was auch immer wieder auftaucht und es aktuell spannend macht: sie heiratet bald.

Zuletzt möchte ich euch einen Kochblog vorstellen, denn das darf hier auch nicht fehlen, wo ich doch selbst so ein verkappter Kochblogger bin. Einer meiner Dauerfavoriten in Sachen Kochblogs ist Frau Bunt kocht.
Sie beginnt jedes Rezept mit einem Zitat und beendet es damit, dass sie meine Speicheldrüsen aktiviert hat. Es sind keine Trendrezepte (ich sag nur Macaroons, Cupcakes, Low Carb, vegan und was sonst gerade gehypt wird) sondern eine bunte Mischung aus dem, was sie mag. Und das sind abwechslungsreiche, frische, gesunde aber vor allem leckere Gerichte. Ihre Rezepte inspirieren mich jedes Mal, weil es einfach immer so ganz anders ist als das, was ich selbst normalerweise koche.


So, das waren meine aktuellen Bloglieblinge. Vielleicht ist für euch ja was dabei.

Und ich mache mich jetzt auf, unter den anderen Beiträgen zur Aktion Blogliebe nach neuen Schätzen zu suchen.

Apfelkern

Samstag, 26. Juli 2014

Wenn der Status sturmfreie Bude permanent wäre

Es ist Sommer, es ist verdammt heiß draußen und die Familie ist im Urlaub. Nur ich sitze hier allein zu Hause und versuche mir für die anstehenden Prüfungen möglichst viel Wissen einzuarbeiten.
Abgesehen davon, dass die Zeit vor den Prüfungen eh immer viel angespannter läuft als das restliche Semester, bin ich jetzt in der Situation, komplett sturmfreie Bude zu haben. Keiner da für drei Wochen, ein großes Haus nur für mich. Party! Den ganzen Tag im Wohnzimmer fernsehen! Ich könnte mich drei Wochen lang nur von Pizza ernähren und jeden Tag meine Freunde einladen, ohne dass es jemand mitbekommen würde!

Aber in der Realität sitze ich im um die Hitze draußen zu halten abgedunkelten Raum über meinen Büchern, lerne, koche mir eine Gemüsepfanne und mache in meinen Lernpausen Pilates oder gieße im Garten. Ich bin super langweilig. Trotzdem ist es alleine seltsam.
Es ist großartig, den ganzen Tagesablauf allein bestimmen zu können. Niemand, der will, dass ich Essen mache obwohl ich selbst noch gar nicht hungrig bin. Niemand, der sagt, dass ich um 23:30 nicht mehr Pilates machen darf, weil ich dabei gelegentlich lauter trampele. Niemand, der sagt, dass er jetzt doch lieber Grießbrei statt Kartoffeln mit Quark zum Mittag möchte. Es hat schon unbestreitbare Vorteile.
Ich kann dem Tageslicht folgend sämtliche Schreibtische im Haus zum Lernen nutzen ohne dass sich jemand beschwert, dass ich seinen Schreibtisch blockieren würde. Und so richtig viel Ruhe zum Lernen habe ich auch.

In dieser Situation ist es nicht weit bis zur Überlegung, wie es eigentlich wäre, wenn ich immer allein wohnen würde. Ich hätte meine Ruhe, wäre in einigen Dingen viel selbstbestimmter und doch - aktuell scheint es mir nicht das große Ideal zu sein.
Fleisch und Wurst kaufe ich für eine Person erst gar nicht, die Obst- und Gemüseauswahl bleibt eingeschränkt. Ich kann das ja eh nicht alles essen, bevor es schlecht wird. Der Tiefkühler ist mein bester Kumpel geworden. Gleich nach dem letzten Einkauf habe ich erst einmal die Hälfte der Champignons in Scheiben geschnitten tiefgefroren. Matschige Bananen und Nektarinen? Kleinschneiden, einfrieren und später damit erfrischende kalte Smoothies machen oder Konfitüre daraus kochen. Die hält sich wenigstens, bis der Rest der Familie zurück ist.

Was das Kochen angeht, denke ich mir dauernd, dass es sich für eine Person kaum lohnt. Klar, es ist günstiger und gesünder aber der Aufwand rechnet sich nur, wenn man gleich für mehrere Mahlzeiten im Voraus kocht.
Halloumi oder Würstchen braten und einen sehr schlichten Salat dazu machen, eine kleine Suppe improvisieren oder ein bisschen Gemüse mit Kräutern in die Pfanne zu hauen ist so das Maximum an Aufwand, den ich betreibe, wenn ich nur für mich koche. Da bin ich froh, wenn mein Freund mal da ist oder ich bei ihm, dass ich wieder ein "richtiges" Gericht zubereiten kann. Für zwei lohnt es sich ja immerhin schon. Außerdem koche ich auch vor allem aus dem Grund gerne, weil es mir Freude macht zu sehen, dass jemandem mein Essen schmeckt. Diese positive Rückkopplung fällt weg, wenn ich der einzige Esser bin.

Sämtliche Hausarbeit kann nur von einem erledigt werden, wenn sonst keiner da ist. Garten gießen, Müll raus, waschen, bügeln, putzen, einkaufen... alles eben. Normalerweise läuft das bei uns alles mit Aufgabenteilung und ich muss sagen, dass es wirklich einen Unterschied macht und deutlich entspannter ist für alle Beteiligten. Die Waschmaschine anstellen ist okay, die Wäsche raus hängen oder sie abzunehmen auch - aber alles davon zu machen und nicht nur einen oder zwei Punkte davon zu erledigen macht schon einen Unterschied. Wahrscheinlich bin ich in der Hinsicht ein bisschen verwöhnt.

Und abgesehen von dem Aspekt mit der Hausarbeit und dem Kochen: manchmal hätte man doch gern jemanden zu Hause, dem man von seinem Tag erzählen oder mit dem man lachen und einfach mal entspannen kann. Ist man alleine fehlt das und obendrein hat man nicht mal jemanden, an dem man noch mal versuchen kann, das Trommelfell anzusehen oder Reflexe auslösen üben kann.
Ist der Zulauf der Waschmaschine dicht, muss man erst mal alleine zusehen, wie man klar kommt. Muss die so gar nicht zahme Katze zum Tierarzt, muss man sich auch erst einmal Hilfe rufen, um sie dorthin zu bekommen.

Dass ich drei Wochen sturmfreie Bude habe, genieße ich in gewisser Weise schon (soweit das mit der Nase im Neuroanatomie Buch geht), doch ich könnte mir momentan nicht vorstellen auf Dauer allein zu leben. Ich fühle mich so ein bisschen isoliert. Dazu trägt wahrscheinlich auch bei, dass ich mich aktuell wenn ich nicht gerade noch in der Uni bin oder Hausarbeit mache in meinen Unterlagen vergrabe um für die bevorstehenden Prüfungen zu lernen. In den zwei verbleibenden Wochen bis zum Ende der Prüfungen sind Besuche bei Freunden erst mal kein Thema, denn das ganze Wissen will gelernt und wiederholt werden.
Wenn man regelmäßig dazu kommt, Freunde zu besuchen oder diese vorbei kommen, kann ich mir vorstellen, vielleicht auch allein lebend glücklich sein zu können aber so isoliert wie es in der Vorprüfungszeit ist, gefällt es mir nicht wirklich.

Ein bisschen muss ich dabei an meinen Opa denken, der seit dem Tod seiner Frau vor ein paar Jahren auch allein lebt. Er kocht und friert alles ein, weil er allein gar nicht so viel essen kann, wie er in seinem Garten erntet und wenn wir undankbaren viel beschäftigten Enkel nicht mal vorbei kommen, ist er auch ziemlich allein und hat abgesehen von ein paar ihn anrufenden Freunden auch niemanden zum Reden.

Mit der Ruhe und dem Alleinsein ist es wie mit allen anderen Dingen auch: es ist eine Frage des Geschmacks, der Gewohnheit und vor allem ist es auch eine Frage der Dosis. Ein bisschen Alleinsein und Ruhe ist prima aber ausschließlich das würde mich alles andere als glücklich machen. Der Mensch ist halt doch gesellig.

Mein Alleinsein reicht bis zum Ende des Urlaubes der Familie und auch wenn dann mitten in der Klausurwoche wieder Trubel im Haus ist, freue ich mich darauf. Kontakt zu einem nahestehenden Menschen tut einem einfach gut; man hilft und unterstützt sich gegenseitig, muntert sich auf und macht sich kleine Freuden - allein fehlt das alles. Der Mensch, der mit einem zusammen wohnt, ist meist sehr viel mehr als nur derjenige, der einen Teil der Hausarbeit erledigt.
Natürlich wird auch der Punkt wieder kommen an dem sie mir auf die Nerven gehen - aber so ist das halt. Und lieber einmal von den anderen genervt als immer allein zu Hause. Dann kann man auch endlich wieder etwas aufwendigeres kochen und mich ärgern, dass ich gerade in der Zeit zu viel zu lernen hatte um eine Party mit Freunden im leeren Haus zu schmeißen.

Und ihr so? Lieber alleine wohnen und selbstbestimmt die Ruhe oder doch eher die Gesellschaft von Familie, Partner oder Mitbewohner genießen?

Apfelkern

Samstag, 14. Juni 2014

Umweltbewusst und perfekt für die Zombieapokalypse

Schon eine Weile überlege ich, ob ich über dieses Thema schreiben soll. Vielleicht wirkt es ja einfach nur komisch, die paar Männer unter meinen Lesern können damit auch eher nicht so viel anfangen. Trotzdem möchte ich darüber schreiben, denn dass andere Bloggerinnen sich getraut haben, das Thema anzusprechen, hat für mich einiges verändert. Genau genommen war es eine Art kleine Revolution für mich. Es geht um Menstruationstassen.

Menstruationstassen?! Als ich zum ersten Mal davon gelesen habe, wusste ich auch nicht so richtig, was ich mir eigentlich darunter vorstellen soll und wozu das gut sein soll - immerhin gab es doch schon die für mich bis dato ultimative Lösung zum Thema Monatshygiene in Form von Tampons. 
Kurze Erklärung: Menstruationstassen sind kleine Becher aus Silikon oder Thermoplastischem Elastomer (TPE), die ähnlich wie Tampons eingeführt werden und das abfließende Blut auffangen. Klingt schon ein wenig merkwürdig.

Nach der Lektüre von Erbses wirklich wunderbar geschriebenem Artikel, der bei mir sehr viele Unklarheiten beseitigt hat, war ich interessiert, so ein zugegeben schon ein wenig komisches Te
il auszuprobieren. Denn die Vorteile gegenüber Tampons sind wirklich riesig.

Zuerst einmal der Kostenfaktor: Tampons sind verdammt teuer (wenn man die guten von o.b. kauft, sind das pro Packung mit 56 Stück locker vier Euro) und angesichts des monatlichen Verbrauchs ist das wirklich kein Vergnügen insofern es überhaupt eines ist. Eine Menstruationstasse hingegen kann man mehrere Jahre lang verwenden und nach jedem Zyklus einmal in Wasser zur Reinigung auskochen.

Die Verpackung 
Dass man sie wiederverwenden kann sorgt auch dafür, dass man einerseits der Umwelt etwas Gutes tut indem man deutlich weniger Müll produziert aber andererseits muss man nicht immer wenn man unterwegs ist oder bei Freunden übernachtet, einen Mülleimer suchen, in dem man möglichst unauffällig seine benutzen Hygieneartikel entsorgen kann. Und auch das stille Hoffen, der Mülleimer würde rechtzeitig entsorgt, um ein baldiges Stinken zu vermeiden, kann man sich mit einer Menstruationstasse sparen.

Überhaupt: es ist wunderbar, nicht immer Unmengen von Tampons mit sich herum zu tragen, weil man sicher gehen will, unterwegs nicht plötzlich ohne da zu stehen. Seitdem ich die Menstruationstasse nutze, fällt mir während meiner Regel auch nicht mindestens einmal am Tag zufällig mein Reservetampon aus der Hosentasche und sorgt für peinliche Situationen.
Ich denke, dass auch für Reisen Menstruationstassen unglaublich praktisch sind: einerseits muss man nicht sicherheitshalber große Vorräte davon einpacken und andererseits fällt kein Müll an, den man nicht immer problemlos (z.B. auf Wanderungen, Toiletten ohne Mülleimer) entsorgen kann.

Da eine Menstruationstasse viel mehr Blut (mein kleines Modell schafft z.B. 25ml) auffangen kann als ein Tampon oder eine Binde, hat man sie bei normaler Blutung auch lange Zeit (10 Stunden sind bei mir problemlos drin) einfach seine Ruhe und muss nicht alle drei Stunden für einen Boxenstopp mit Reifenwechsel aufs Klo huschen. Wenn ihr wisst, was ich meine.

Richtig eingesetzt spürt man die Menstruationstasse genauso wenig wie einen Tampon und so schränkt sie einen in keiner Weise in den Alltagsaktivitäten ein. Sport ist kein Problem und selbst beim Schwimmen sind sie im Vergleich zu Tampons die deutlich bessere Lösung: es hängt keine Schnur raus, die sich schön mit Wasser vollsaugen kann.

Apropos vollsaugen: so ein Tampon absorbiert sämtliche vaginale Flüssigkeit. Also nicht nur das Blut sondern auch die Flüssigkeit, die unter anderem unsere Schleimhäute feucht hält und dafür sorgt, dass die vor Infektion schützende Standortflora und der leicht saure pH Wert erhalten bleibt. Und diese wahllose Absorption jeglicher Flüssigkeit durch einen Tampons kann wirklich unangenehm sein.
Eine Menstruationstasse dagegen fängt einfach nur direkt unter dem Muttermund das aus der Gebärmutter kommende Blut auf ohne auch nur - wie auch angesichts des Materials - im Geringsten das Wohlergehen der Schleimhäute zu stören.
Durch diese Alternative zu Tampons kann ich nun auch endlich die in den regulären Tampons enthaltenen Schadstoffe (Formaldehyd, Rückstände des Chlors vom Bleichen der Tampons… ) umgehen und gibt gleichzeitig Bakterien und Pilzen keinen schön warmen blutgetränkten Nährboden, sich zu vermehren.

Ein Größenvergleich
Aber jetzt weg von den ganzen Vorteilen und hin zu den genauen Daten. Ich habe eine Menstruationstasse der Firma Lunette und bin damit sehr zufrieden. Es gibt noch viele weitere Hersteller mit leicht unterschiedlichen Formen, Materialien, Größen und Farbvarianten - je nach Bedürfnissen, Anatomie und auch Anzahl der vaginalen Geburten. Da kann ich euch nur wiederholt ans Herz legen, Erbses Artikel zu dem Thema zu lesen, denn darin stellt sie auch sehr viele verschiedene Modelle vor.
Prinzipiell bestehen die Tassen immer aus einer Art Kelch mit Stiel oder kleinem "Griff" zum leichteren Entfernen. Meine Lunette ist 47mm hoch und hat einen Durchmesser von 41mm. Das ist natürlich größer als ein kleiner Tampon aber da sowohl die Tasse als auch das eigene Gewebe flexibel sind fügt sich das alles problemlos ein.
Natürlich kostet so eine Menstruationstasse am Anfang mehr als eine Packung Tampons, doch innerhalb weniger Monate haben sich die Kosten wieder amortisiert. Je nach Modell bekommt man für 15 bis 30 Euro eine solche Tasse. Wie gesagt: im ersten Moment klingt es viel aber die Kosten gleichen sich schnell wieder aus und ganz abgesehen davon ist es einfach eine viel angenehmere Form der Monatshygiene, die unglaublich viele Vorteile mit sich bringt.

Und sollte es mal zu einer Zombieapokalypse kommen, kann man seine Menstruationstasse entspannt weiter verwenden ohne Angst zu haben, nächsten Monat plötzlich keine Tampons und Binden mehr in den Supermarktruinen zu finden. Aber auch ohne Apokalypse würde ich keine fusseligen Tampons und erst recht keine Binden mehr verwenden wollen, wo ich doch inzwischen weiß, dass es da eine für mich sehr viel bessere Form der Monatshygiene gibt. Je länger ich die Tasse benutze, umso glücklicher bin ich, dass ich auf diese Form der Monatshygiene umgestiegen bin und deshalb möchte ich auch die Information, dass es so etwas überhaupt gibt durch diesen Artikel weiter tragen.

Apfelkern

Samstag, 31. Mai 2014

Selbstbewusstsein ist, sich trotzdem nicht zu verstecken

Sommer - das ist die Zeit in der allen chronisch zu warm ist und man insofern man sich nicht den ganzen Tag im Schatten aufhalten kann, am liebsten maximal mit Unterwäsche bekleidet umher laufen würde. Aber wie es die Gesellschaft so will, gilt das nicht unbedingt als alltagstauglich. Und so tragen wir das, was unsere Körper noch ausreichend bedeckt und gleichzeitig möglichst viel Haut zur Wärmeabgabe frei lässt. Man sieht misslungene Tattoos, Speckfalten, Narben und all die Dinge des menschlichen Körpers, die nicht perfekt sind. Dafür erntet man auch schnell schiefe Blicke.
"Wie, die dicke Trulla traut sich mit ihrer Cellulite in Shorts raus?", "Also mit dem Bauchumfang würde ich ja dieses enge Kleidchen nicht tragen" "Mit so einer Haut kann man doch kein rückenfreies Top anziehen!"

Stoff zum Lästern gibt es genug und man selbst möchte nicht unbedingt Thema eines solchen Gespräches sein. Was macht man also? Man versteckt all das, was gesellschaftlich nicht akzeptiert sein könnte. Damit die Mitmenschen ja nichts sagen; damit man der Gesellschaft gefällt. Damit man nicht auffällt.

In meiner Pubertät hatte ich sehr mit meiner Haut zu kämpfen. Immer Mitesser, Pusteln, Rötungen im Gesicht, auf den Oberarmen und am oberen Rücken. Ich würde nicht sagen dass es wirklich starke Akne war aber es war mehr als nur mal zwei Mitesser auf der Nase. Mir war das entsetzlich unangenehm; besonders, da ich es bei meinen Mitschülern nie so ausgeprägt sah wie bei mir. Also achtete ich darauf, nie ärmellose Oberteile zu tragen und erst recht nichts rückenfreies. Auch wenn ich im Sommer unter meinen Shirts manchmal fast zerfloss, kam es absolut nicht infrage, etwas weniger bedeckendes zu tragen. Denn das geht ja nicht, wenn man keine perfekte Haut hat. Zumindest kam es mir vor wie ein ungeschriebenes Gesetz.

Irgendwann wurde mir klar, dass die Ursache, dass ich bei meinen Mitschülern nie so eine unperfekte Haut wie meine sah,war, dass diejenigen, die auch davon betroffen waren, genau wie ich es sorgsam versteckten. Nur in der Umkleide beim Sport konnte man einen Blick erhaschen, der die Erkenntnis brachte.

Wenn man erst einmal anfängt, mehr auf solche Dinge zu achten, fällt einem immer mehr auf. Da trägt jemand selbst im Hochsommer nie kürzere als 3/4 Hosen - irgendwann sieht man dann die Dehnungsstreifen an Knie und Oberschenkel. Menschen, die immer offene Haare tragen, weil - wie später heraus kommt - ihnen ihre abstehenden Ohren peinlich sind. Es gibt auch diejenigen, die immer weite, lange Schlabberkleidung tragen, um zu kaschieren, dass sie mehr als das Idealgewicht auf die Waage bringen. Schon damals fragte ich mich irgendwann, warum wir eigentlich unsere Makel versteckten. Denn schließlich haben wir eigentlich alle die ein oder andere Stelle an unserem Körper, die wir nicht unbedingt schön finden sondern sie viel lieber verbergen würden.

Aber ehrlich? Nur weil jemand Dehnungsstreifen, Pickel oder Übergewicht hat, muss er sich doch nicht auch den kompletten Sommer lang unter bedeckender Kleidung verstecken.
Wir alle wissen, dass Menschen nun einmal ihre Makel haben und angesichts dieses Wissens ist es ungeheuer lächerlich, so tun zu wollen, als hätte man diese nicht. Doch wer will schon einen von der Akne gezeichneten Rücken zeigen?

Natürlich ist nicht all das, was man täglich an fremden Körpern beobachten kann ästhetisch und wie aus Marmor gemeißelt. Dennoch: ich finde es albern, sich zu schämen für seine kleinen Makel, denn umso mehr man sich darüber nachdenkt und schämt desto schlimmer wird es. Auch wenn mir bewusst ist, dass ich nicht die wunderschönste Haut besitze, habe ich gelernt, mich so zu akzeptieren und zu schätzen, wie ich bin. Das ist auch wesentlich sinnvoller als sich ständig darum zu sorgen und zu schämen. Ich dachte, ich würde beim Abiball nie ein hübsches Kleid tragen können, das auch nur ansatzweise meinen Rücken zeigt. Ich dachte, ich würde nie einen Freund haben, denn sobald der bemerkt, dass ich öfter man Mitesser und Pusteln habe als andere, ergreift er die Flucht - sollte ich mir denn angesichts meiner Haut überhaupt je einen anlachen können. Und was ist wirklich passiert? Beim Abiball hatte ich ein wunderschönes Kleid mit einem moderaten Rückenausschnitt an und einen verdammt tollen Freund habe ich auch.

Inzwischen denke ich, dass vor allem weil ich mir so ungeheuer viele Gedanken über meine Haut und wie ich sie verstecken kann, es so belastend für mich war. Ich denke, dass wir uns nicht mit solchen Dingen übermäßig beschäftigen und beschweren müssen. Lernt euch selbst lieben und versteckt euch nicht. Man braucht nicht den Körper eines Topmodells, um sich im Bikini zeigen zu dürfen. Und wer über jemanden lästert, der sich trotz seiner Unperfektheiten traut, diese zu zeigen, ist wirklich ein Idiot: denn auch diese Person wird äußerliche Dinge haben, die nicht ideal aussehen. Mir ist es auch wirklich lieber, mit nicht makellos schönen Menschen umgeben zu sein, wenn sie durch ihre eigenen Baustellen gelernt haben, was es heißt, sich für etwas zu schämen und andere aufgrund dieser Erfahrung nicht für Äußerlichkeiten verurteilen. Der eigene Charakter wächst und reift mit solchen Gefühlen. Es dauert seine Zeit zu erkennen, dass wir alle in gewisser Weise umperfekt sind und das gut so ist. Wir müssen es nur realisieren, dass es so ist und anfangen, auch unsere äußerlichen Fehler zu akzeptieren und selbstbewusst damit umzugehen.

Apfelkern

Sonntag, 11. Mai 2014

Wenn die Ohren okkupiert werden

Morgens in der Bahn. Die Bahn hat man auf die Minute genau noch geschafft und sich dann leicht angeschwitzt von der wilden Fahrt auf dem Rad zum Bahnhof noch einen Sitzplatz erobert. Tief durchatmen, lächeln, sich freuen, dass man die Bahn nicht verpasst hat. Aus der Tasche werden die Anatomie Lernkarten heraus gekramt, denn man möchte ja die Fahrzeit effektiv nutzen.
Weit kommt man nicht, bis man plötzlich dadurch aufgeschreckt wird, dass jemand den eigenen Namen ruft. Man blickt hoch - Fuck. Schon wieder die Kommilitonin, die an der gleichen Station einsteigt wie man selbst. Es ist immer das gleiche: sie sieht einen, setzt sich zu einem und dann beginnt der erbarmungslose Redeschwall. Süßes oberflächliches aber absolut gesellschaftlich verträgliches Gelaber. Und wie war dein Wochenende? Ja also meine Schwester hat jetzt bald Prüfungen. Oh, das Wetter ist aber gerade wirklich toll. Meine Oma hatte Geburtstag und ich hab ihr was vorgesungen...

Ich habe nach den Informationen nicht gefragt und eigentlich will ich sie auch gar nicht. Viel lieber hätte ich meine Ruhe während der Fahrt und würde ein bisschen anatomisches Wissen in den Kopf schaufeln. Aber man möchte ja auch nicht unhöflich sein also legt man die Lernkarten weg, hört zu und nickt jede Minute mal. Es ist ja nicht so, dass man sie besonders mögen würde oder durch mehr als das gleiche Studienfach verbunden sein würde aber das ungeschriebene Gesetzt der Höflichkeit erfordert, dass man nicht direkt sagt, dass man nicht mit dem neuesten Tratsch berieselt sondern lieber seine Ruhe haben will.
Trotzdem - so richtig höflich und freundlich ist dieser Weg auch nicht. Bestimmt merkt man mir an, dass ich nicht mit aufrichtiger Begeisterung zuhöre und mich auch nicht hochinteressiert einbringe. Wäre es besser gewesen, freundlich zu grüßen und dann darauf zu verweisen, dass ich lieber lernen möchte? Vielleicht geht es ihr ja auch so und sie würde lieber etwas lesen. Obwohl, Quatsch: sie hat dieses Gesprächsding von sich aus angefangen!

Familie ist eine großartige Sache: man wächst mit ihr auf, kann ihr vertrauen und bekommt Halt und Ratschläge. Das ist in gewisser Weise natürlich eine optimistische Ansicht. Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht heißt es so schön und das ist wahr. Nicht alle aus der Familie liegen einem gleich sehr am Herzen. Manche Familienmitglieder sieht man auch nicht regelmäßig und wenn man sie mal sieht, haben sie viel zu erzählen. Über ihr eigenes Leben, das Leben ihrer Kollegen, das Leben ihrer täglichen Sitznachbarn morgens in der Bahn, sogar über mein Leben sind sie anscheinend unglaublich informiert und fühlen absolut mit, denn sie waren ja auch mal jünger. Aus einem höflichen Plausch nebenbei wird ein stundenlanges Gespräch. Nun ja, Gespräch ist relativ - Monolog mit regelmäßigem Nicken von meiner Seite aus trifft es besser. Verdammt, wann war der Moment in dem ich mich aus der Affäre hätte ziehen können? Was soll man tun, das sind die eigenen Verwandten und man tut ihnen doch ab und zu mal etwas Gutes indem man ihnen zuhört.

Kennt ihr solche Situationen? Diese Gespräche, die man von sich aus nie freiwillig begonnen hätte doch jetzt, da man damit angefangen hat, nicht mehr entkommt ohne wirklich unhöflich sein zu müssen?
Ich hasse diese Momente und ich ärgere mich jedes Mal erneut, dass ich mich wieder in so ein Gespräch habe verwickeln lassen. Immer dieser innere Konflikt, ob man jetzt lieber ehrlich ist und sagt, dass man kein Interesse am Gespräch hat und dementsprechend auch nichts dazu beitragen wird außer einem Nicken und ein gelegentliches ja oder ob man lieber höflich schweigt und in der Hoffnung, dass es bald vorbei ist, weiter leidet.
Letztlich ist es ja auch mies für denjenigen, der mir das Gespräch aufdrängt, wenn er seine Zeit mit mir verbringt und alles, was ich möchte, meine Ruhe ist.

So richtig einig bin ich mir mit mir selbst noch nicht, was ich in solchen Momenten machen soll. Meistens suche ich nach dem nächsten noch halbwegs höflichen Fluchtweg. An der nächsten Station einfach aussteigen und dann halt ein wenig laufen müssen. Schnell in die Küche gehen und beim Abwasch mithelfen. Hauptsache Ruhe.
Dann hat man zwar keine Zeit mehr, das zu tun, was man eigentlich wollte, aber zumindest ist dieses störende Hintergrundrauschen aka ungewolltes Gespräch weg.

Es kommt zwar selten vor, dass mir ein Gespräch aufgedrängt wird, aber wenn das der Fall ist, empfinde ich das als extrem unangenehm. Ich hoffe, dass ich selbst es immer rechtzeitig bemerke, sollte ich dabei sein, jemandem die Ohren abzukauen obwohl er absolut kein Interesse an einer Unterhaltung haben, denn schließlich weiß ich, wie schrecklich das ist.

Kennt ihr das? Wie verhaltet ihr euch in diesen Momenten und gibt es ultimative Geheimtipps, wieder aus dieser Situation heraus zu kommen?

Apfelkern