Mittwoch, 31. August 2016

Warum die Anzahl meiner Blogleser mir egal ist

Letztens bis ich auf einen Artikel gestoßen, der Bloggern helfen soll, mehr Leser zu gewinnen. Ganz interessiert fing ich an, ihn zu lesen und am Ende saß ich nur da und war beeindruckt, was man alles so tun könnte und angeblich dringend sollte, um seine Reichweite zu erweitern. Bleibt nur eine Frage: warum eigentlich?

In über fünf Jahren des Bloggens habe ich noch keine 200 Leser zusammen. Ehrlich gesagt habe ich nicht mal ganz auf dem Schirm, wie viele Leser ich überhaupt habe und wie viele davon Karteileichen sind. All das ist Ausdruck davon, dass es mir offensichtlich nicht wichtig ist, wie viele Abonnenten mein Blog nun hat. Wäre es für mich persönlich bedeutsam, hätte ich wahrscheinlich auch schon frustriert den Blog gelöscht.

Tja, da hätte ich mich wohl mal früher an die Tipps halten sollen.
Täglich posten und mir damit ordentlich Stress mit meinem Hobby machen. Regelmäßig Gewinnspiele dediziert nur für Leser veranstalten, um die gierige Meute zu zwingen, mich zu abonnieren, wenn sie etwas gewinnen wollen. Auch auf den anderen Social Media Kanälen hätte ich aktiver sein müssen und nicht nur meine blöden Gedanken teilen sollen, sondern vor allem Links zu meinen Blogposts. Das habe ich aber tatsächlich fast nie getan, weil ich einfach keinen bei Twitter oder Instagram zu spammen wollte. Immerhin steht der Link zu meinem Blog dort im Profil und wer interessiert ist, hätte ja selbst klicken können. Ohne, dass ich ihn davor endlos mit meiner Eigenwerbung nerve.

Was ich natürlich auch verpasst habe und so noch nicht mal tausend Leser habe, ist es, andere Blogs hier vorzustellen und deren Autoren dadurch im Austausch auf ihrer Plattform die Werbetrommel für meinen Blog rühren zu lassen.
Nicht mal eine Facebookfanseite, eine Visitenkarte oder gar Apfelkerne-Merchandise gibt es. Also ehrlich - ich könnte nie ein erfolgreicher Blogger werden.

Und das stört mich nicht im geringsten.
Denn was die Autoren der ganzen Tipps für mehr Bekanntheit im Internet nicht bedacht haben, ist, dass es vielleicht gar nicht das große Ziel eines jeden Bloggers ist, möglichst groß raus zu kommen. Auch wenn tendenziell mehr Leute ihren Blog zu einer lukrativen Einnahmequelle machen können, heißt es nicht, dass jeder das will. Verrückt, oder?

Tatsächlich sehe ich diese Seite einfach nur als Hobby an, als Möglichkeit, Gedanken und Ideen zu teilen sowie im besten Fall eine Rückmeldung von jemand anderem dazu zu bekommen. Ob derjenige nun offiziell mein Leser ist oder nicht, ist mir dabei völlig gleich. Kommentare sind mir nämlich sehr viel mehr wert als Leserzahlen. Immerhin kann man "Leser" und Facebookfans auch einfach kaufen aber konstruktive, interessante Kommentare nicht.

Trotzdem sind Leserzahlen indirekt eine Möglichkeit, die Anzahl der Kommentare abzuschätzen - wird der Artikel häufiger gelesen, steigt immerhin die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende jemand kommentiert. Beim nächsten Post dazu, wie man seine Leser dazu bringt, mehr zu kommentieren, werde ich dann aufmerksam lesen. Denn ich strebe nicht nach der größten möglichen Anzahl an Lesern, sondern nach einem regen Austausch.

Freitag, 26. August 2016

Drei Ersatzhosen weniger: woran minimalistisches Packen bei mir scheiterete

Eigentlich sollte ich jetzt für meinen Besuch der Minimal-Kon am Wochenende in Essen packen, doch ich kann einfach nicht aufhören, über das Packen nachzudenken. Da ich in diesem Monat bereits zwei mal außerhalb des Landes gereist bin, hatte ich auch schon ausreichend Gelegenheit, Taschen zu packen. Dabei ist mir rückblickend gerade etwas aufgefallen: die Anzahl der Übernachtungen beziehungsweise die Dauer der Reise scheint keinen Zusammenhang mit dem Gewicht des Gepäcks zu haben.

Zur Übersicht:
11 Tage Großbritannien - 6kg Handgepäck
14 Tage Island - 14kg Koffer
4 Tage Bulgarien - 7kg Koffer

Anscheinend habe ich das minimalistische Packen verlernt. Viel kälter als in Großbritannien war es in Island auch nicht, sodass besonders schwere wärmende Kleidung keinesfalls als Ausrede durchgehen kann. Und warum braucht man bitte so viel Kram für vier Tage in Bulgarien?!

Die Erklärung ist ganz simpel: minimalistisches Packen erfordert Sicherheit. Wenn man nur das einpacken möchte, was man wirklich braucht, muss man sich gewiss sein, damit auch alle Anforderungen an die Kleidung und die generelle Ausrüstung während der Reise abzudecken. Nicht noch mal zur Sicherheit eine eigentlich überflüssige Ersatzhose, ein Regencape, eine wasserfeste Hose und ein alternatives Outfit für warmes Wetter einzupacken, erfordert in gewisser Weise Mut. Denn man verzichtet damit quasi ganz bewusst auf die Reißleine.

Während der Reise in Großbritannien habe ich wirklich 100% des Tascheninhalts (nun ja, bis auf die Menstruationstasse und das Pflasterset, aber das geht absolut klar) gebraucht und war damit sehr zufrieden. In Island dagegen hatte ich mit der wasserfesten Hose, dem Regencape und Kleidung für den Fall, dass es mal wärmer würde, einfach zu viel unnötiges Zeug mit. Dabei wusste ich, dass mich keine Reittouren durch den Schlamm erwarteten, ich schon eh eine wasserfeste Jacke dabei hatte und es sowieso nicht über 18° werden würden. Aber man weiß ja nie - und mit diesem Spruch in Gedanken landete viel unnötiger Ballast im Koffer.

Für die Hochzeit, zu der ich in Bulgarien eingeladen war, hätte es absolut auch Handgepäck getan. Da ich aber auf Nagelschere, Taschenmesser (man weiß ja nie!!!), Deodorant zum Sprühen und Haarspray nicht verzichten wollte, entschied ich mich, das eh im Kombiticket enthaltene Gepäckstück zur Aufgabe zu nutzen, obwohl vom Gewicht und Format her auch ein Handgepäckstück ausgereicht hätte.
Die Beschränkungen zum Transport von Flüssigkeiten und spitzen Gegenständen schränken das Reisen allein mit Handgepäck schon ein. Ich würde nur ungern zwei Wochen ohne Nagelschere unterwegs sein. Und wer reist schon ohne Taschenmesser - vom Zubereiten von Mahlzeiten in Hostels ohne ordentliches Küchenequipment über das Sammeln von Pilzen bis hin zum Öffnen von Verpackungen braucht man einfach immer eins. Leider darf man es nur im Koffer transportieren. Ich würde offen gesagt aber auch nicht wollen, dass meine Mitreisenden im Flugzeug alle ein Taschenmesser hätten.

Zurück zum minimalistischen Packen. Es ist damit wie auch im minimalistischen Alltag: entscheidet man sich dagegen, für jedes Teil drei Ersatzstücke zu besitzen, hat man im Notfall weniger in Reserve, doch in der Realität des Alltags hat man einfach viel weniger Ballast, um den man sich kümmern muss. Und ehrlich gesagt: wie oft kommt es schon zu einem Notfall, in dem sich das jahrelange Lagern der Ersatzgummistiefel auszahlt? Eben.

Beim Packen fällt es auch leichter, auf zusätzliche Kleidungsstücke zu verzichten, wenn man selbstsicher ist. Zumindest war ich es für die Reise nach Bulgarien nicht, da ich einmal ein Outfit mit Hose und eins mit Rock für den Junggesellinnenabschied eingepackt hatte, um mich vor Ort noch an der Kleidungswahl meiner Mitreisenden orientieren zu können. Hätte ich nur mein Lieblingsoutfit eingepackt, hätte ich am Ende aber auch nichts anderes angezogen, als ich nun letztlich getragen habe. Tja. Absprache mit den anderen vorher hätte auch geholfen. Oder auch einfach auf mein Bauchgefühl zu hören und zu wissen, dass ich eh das anziehen möchte, was sich für mich bequemer anfühlt.

Fazit: man braucht keine dritte Ersatzhose und ein Regencape, wenn man schon eine wasserfeste Hose hat. Und man sollte das einpacken, worin man sich wohl fühlt ganz unabhängig von dem, was die anderen anziehen - immerhin muss man sich selbst wohl fühlen. Ach und man braucht auch nicht immer das größte und schönste Handtuch nur für den Fall, dass man mal baden gehen würde und das Hotel keine Handtücher anbietet.

Generell braucht man nicht so viel Scheiß - sowohl im Alltag als auch auf Reisen. Und damit mache ich mich auf, meinen kleinen Rucksack für das Wochenende zu packen. Auf dass er unter fünf Kilo Gewicht bleibt und ich nicht auf einen Koffer wechseln muss.

Mittwoch, 24. August 2016

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei

Hello again! Ich bin zurück aus dem Sommerloch; Prüfungen und Urlaub liegen hinter mir und ich komme nun endlich wieder dazu, all die Dinge, über die ich bloggen wollte, aufzuschreiben.
Kennt ihr das auch? Sobald man Zeit hat, fällt einem kaum ein großartiges Thema für einen Blogeintrag ein aber sobald das Hirn gestresst ist und man von einem Termin zum anderen rennt, kann man sich vor spontanen Eingebungen gar nicht mehr retten.
Nun aber zu einem Thema, das mich wirklich beschäftigt hat.

Denkt ihr ab und an über den Tod nach?
Im Medizinstudium kommt man nicht drum herum, sich über die verschiedenen Varianten zu sterben, genau zu informieren, doch dabei denke ich fast nie an meinen eigenen Tod. Weil es statistisch einfach noch nicht sehr wahrscheinlich ist, weil ich zu jung bin und nicht risikoreich genug lebe, um mir wirklich Sorgen machen zu müssen. Mit anderen Worten: ich mache mir wegen tausenden Dingen Gedanken aber in nächster Zeit zu sterben gehört definitiv nicht dazu. Und das ist eigentlich ein Fehler.

Nicht, weil ich jetzt entdeckt habe, dass es doch ernsthafte Gründe für mich gäbe, in naher Zukunft sterben zu müssen, sondern weil es jeglicher Statistik zu trotz doch einfach passieren kann.
Vor mehreren Wochen starb ein Kommilitone von mir ganz überraschend bei einem Verkehrsunfall. Einfach so. In einem Moment noch mitten im Alltag und dann - zack - Schädelhirntrauma, Koma, Organspender, Ende Gelände.
Es kam mir alles so unwirklich vor, als ich davon hörte. Dass dieser gesunde junge Mensch ganz plötzlich einfach nicht mehr da sein sollte, wollte mir nicht in den Kopf. Das war kein typisches die Einschläge kommen näher wie bei den Hochzeiten in meinem Umfeld - das ist einfach purer Zufall gewesen. Sowohl der Lottogewinn als auch der Blitz könnten aus heiterem Himmel jeden treffen. Wobei - für den Blitzschlag muss man sich nicht mal ein Los kaufen.

Was mir nachdem das beklemmende Gefühl und der Schock etwas abgeflaut waren klar wurde: man muss ganz klar damit rechnen, jeden Tag unerwartet sterben zu können. Natürlich steigt das Risiko dafür im Laufe der Zeit doch rein theoretisch ist es jederzeit möglich.
Diese Erkenntnis, die nicht neu aber bei den meisten bestens verdrängt ist, muss uns nicht unbedingt deprimieren, sondern kann uns auch motivieren.

Zum Beispiel dazu, Dinge nicht ewig heraus zu zögern und Gelegenheiten zu nutzen. Neue Dinge auszuprobieren, sich etwas trauen und allein reisen, einfach mal die Schüchternheit überwinden und seine Mitmenschen ansprechen und Prioritäten setzen.
Prioritäten sind für mich in dem Kontext Dinge, von denen ich und oder andere langfristig profitieren. Das ist dann eventuell nicht die Designertasche aus der neuesten Kollektion, die ich mir vom Ersparten in den Schrank stelle, sondern Erfahrungen wie spontane Treffen mit Freunden, Konzertbesuche oder Reisen sowie selbst geschaffene Dinge und Inhalte. Ich bin davon überzeugt, dass es den Wert von Wissen und Erfahrungen steigert, wenn man sie teilt. So haben alle mehr davon, wenn man nicht nur für sich selbst die schönsten Urlaubsbilder macht oder weiß, wie man pochierte Eier macht, die Scheinwerfer des Autos wechselt oder welche Sehenswürdigkeiten man bei einem Besuch in Prag auf keinen Fall verpassen sollte, sondern dieses Wissen teilt. Ob man das über Filme, Bücher, Blogs, Twitter, Instagram, Youtube oder anderweitig schafft, ist dabei völlig gleich.
Das Leben gewinnt an Bedeutung, wenn man es einerseits selbst mit Freude erlebt und andererseits dazu beitragen kann, dass andere durch das eigene Wirken wenn auch nur für einen kurzen Moment ein besseres Leben haben.

Dabei hilft es einfach zu wissen, dass man nicht endlos Zeit hat, all das, was man schaffen möchte, auf die Reihe zu bekommen. Nicht umsonst waren Vanitasstillleben vor gut 350 Jahren schwer angesagt und erinnerten daran, dass aller weltlicher Reichtum vergänglich ist. Auch der Spruch Memento mori (denke daran, dass du sterben wirst) schlägt genau in die gleiche Kerbe. Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei ist noch einmal inhaltlich identisch nur nicht halb so schön formuliert. Wie gesagt - diese Erkenntnis ist nicht neu, sondern nur für mich gerade noch einmal sehr deutlich geworden.
Also: Hintern hoch, den freien Tag nicht unbedingt mit Netflix vergammeln (denn ehrlich: was habe ich schon davon, wenn ich das komplette Angebot an Serien gesehen habe?) sondern etwas neues ausprobieren, Freunde treffen, Objekte oder Inhalte erschaffen, sich bewegen und etwas aus seiner Zeit machen. Natürlich kann nicht jeder Tag extrem produktiv sein aber man kann es zumindest versuchen.

Wenn das Leben endlos wäre, würde man wahrscheinlich auch probieren, produktiv zu sein und das beste für sich und andere daraus zu machen - allein schon, um sich eine Aufgaben und dem Leben einen Sinn zu geben. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass viele Menschen ein zielloses umher Driften in der Zeit genießen würden. Die Endlichkeit des Seins hilft uns auch daran zu erinnern, dass wir an einen Zeitverlauf gebunden sind und innerhalb dieses umsetzen müssen, was wir realisieren wollen oder es nie geschehen wird.

Wann habt ihr das letzte mal an die eigene Vergänglichkeit gedacht und wie geht ihr mit diesem Wissen um?



Sonntag, 31. Juli 2016

Bist du schon vegan oder ignorierst du noch?

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass ich ein kleines Selbstexperiment gemacht und mich eine Woche vegan ernährt habe. Etwa sieben Monate ist es her, dass ich von meinem Vorsatz fürs neue Jahr, weniger Tierprodukte zu konsumieren, geschrieben habe. Ja da stellt sich doch eine Frage: was ist denn daraus geworden?

Spoiler: aus mir ist bisher kein Veganer geworden. Ehrlich gesagt habe ich damit aber auch nicht gerechnet. Aber so ein paar Sachen haben sich getan.
Ich denke weiterhin, dass es ganz objektiv gesehen die gesündeste und ökonomisch effizienteste Ernährungsweise ist, auf tierische Produkte zu verzichten. Obst, Gemüse, Getreide - viel mehr braucht man nicht. Also ja, Wasser, Spurenelemente, Mineralien… aber ihr wisst schon, was ich meine. Nichts tierisches zumindest.

Wenn man es ganz sachlich betrachtet, ist es auch definitiv nicht angenehm, sich klar zu machen, dass Fleischkonsum letztlich Leichenkonsum ist. Und gruseliger Weise sehen tote Tiere anders als tote Pflanzen auch noch sehr ähnlich aus wie menschliche Leichen. Es ist schon seltsam, beim Zerlegen des Spanferkels die gleichen anatomischen Strukturen wie beim menschlichen Körper aus dem Präparierkurs zu finden. Und dann hat man plötzlich das Nervengeflecht des Plexus brachialis aus dem Spanferkel freigelegt, das exakt so aufgebaut ist wie der humane. Muss man das essen? Wie unangenehm. Das reicht schon, um mir ein ungutes Gefühl zu geben, wenn ich Fleisch esse.

So so, ich finde es also nicht nett, Leichenteile zu essen. Ja aber warum mache ich es denn trotzdem?!
Es gibt dafür zwei Gründe für mich und die sind alle beide durchweg egoistisch.

Nummer eins: leider schmeckt es mir einfach, ganz offen zugegeben.

Ich kann viele Dinge fleischlos ähnlich lecker kochen aber solche Dinge wie den puren Fleischgeschmack eines Rindersteaks oder gebratenen Lamms kann man einfach nicht imitieren. Sagen Kannibalen sowas sich verteidigend auch über Menschenfleisch und klingt das dann genauso grotesk?
Einerseits denke ich gerade an den vollen Geschmack eines medium gebratenen Rindersteaks und gleichzeitig frage ich mich, wie man nur so grausam sein kann, gern Teile von kleinen wolligen Lämmer zu essen. Ich bin ein großer Haufen Widersprüche und Zwiespalt, was Fleischessen angeht.

Nummer zwei: es schränkt mich ein, vegan zu leben. 

Es bedeutet nicht, dass man keine vielfältige Ernährung haben kann, die einem Genuss bereitet (das kann man nämlich definitiv), doch es fällt viel Spontanität weg. Nicht einfach mal am Buffet kosten, was gut aussieht, sondern immer vorher die Inhaltsstoffe erfragen. Man kann nicht einfach auf gut Glück in irgendein Restaurant gehen und etwas essen, weil der Salat vielleicht das einzige rein pflanzliche Gericht auf der Karte ist.
Noch blöder ist aber, dass ich damit meine eigenen Erlebnisse einschränke. Im Urlaub kann ich so nicht das landestypische nonvegane Gericht probieren, sondern muss immer Alternativen suchen. Die Alternativen müssen ja nicht schlecht sein, doch eigentlich würde ich noch viel lieber den frischen isländischen Fisch essen oder Haggis probieren. Es würde für mich einen persönlichen Verzicht bedeuten, mich in diesem Moment vegan zu ernähren und dafür ist der innere egoistische Schweinehund offen gestanden zu groß.

Generell ist es ein absolut rein egoistisches, rücksichtsloses Verhalten, Fleisch und andere tierische Produkte zu verzehren. Da muss man sich gar nichts anderes einreden. Man stellt sich damit ganz klar über die anderen Lebewesen und das nicht nur in irgendwelchen metaphorischen Weisen sondern ganz realistisch, da man durch die Entscheidung, was es zum Mittag gibt, deren Leben nachhaltig schädigt. Oder beendet. Nicht so nett.

Ihr seht: ich bin sehr gespalten, was den Konsum tierischer Produkte angeht. Insgeheim bin ich im Herzen ein kleiner Möchtegern-Veganer aber am Ende nur inkonsequent und egoistisch. Muss ich leider zugeben, denn das ist einfach die Wahrheit.

Solange es mich nicht einschränkt, treffe ich immer die Entscheidung für vegetarische oder vegane Lebensmittel. So gibt es bei uns in der WG ausschließlich Sojamilch statt Kuhmilch im Kühlschrank, Fleisch wird eh erst gar nicht gekauft und wenn ich für mich allein koche, dann in 98% der Fälle vegetarisch und oft auch vegan. Wenn da nicht Butter und Käse wären.
Zusätzlich zu Milchprodukten und Eiern kommt dann ungefähr jedes Wochenende ein soziales Essen, ein gemeinsames Essen mit Freunden und Familie. Und damit auch Situationen, in denen Fleisch serviert wird.

Sobald die Freunde nun zum Grillen einladen und mir den gegarten marinierten Brustkorb eines Schweins vorsetzen, ist es schnell vorbei mit all den rationalen Einsichten. Ich sage nicht nein zum Fleisch aber während ich esse und schuldbewusst feststelle, dass es mir schmeckt, notiere ich still, dass Schweine die exakt gleiche Anordnung der Zwischenrippenmuskulatur haben wie Menschen. Wie unangenehm.
So rein von der Vorstellung her, wäre ich im Präparierkurs des Studiums niemals auf die Idee gekommen, menschliche Leichen zu essen oder nur ansatzweise als potentielles Nahrungsmittel zu betrachten. Wie sind wir dann nur auf die absurde Idee gekommen, dass Tiere ein Nahrungsmittel wären? Ach ja, dieser Kampf ums Überleben und der Evolutionsdruck. Damals.

Nun sitze ich da und fühle mich schlecht dabei, Fleisch zu essen und gleichzeitig wäre es mir vor meinen omnivoren Freunden und Familienmitgliedern peinlich bis hin zu einem Grund für Spott, sich als Veganer oder auch nur Vegetarier zu outen. Das würde ja auch gleichzeitig bedeuten, dass ich mich selbst dauerhaft disziplinieren in meiner Ernährung einschränken müsste. In manchen Momenten würde sich es anfühlen wie Selbstbestrafung.

Ich wünschte, ich könnte mich durch Photosynthese ernähren. Auch wenn ich gern esse und das sehr genieße: es ist anstrengend, wenn Essen plötzlich zur moralischen Frage wird, die jedes mal aufs neue Entscheidungen und Schuldgefühle provoziert. Das Problem ist nur, dass ich nicht mehr ignorant genug bin, um guten Gewissens Fleisch essen zu können.

Dienstag, 26. Juli 2016

Forever alone: Die Sache mit dem Dating

Seid ihr gerade dabei zu heiraten oder ein Kind zu bekommen? Wenn ja, dann würde das perfekt zu meiner Wahrnehmung der Umwelt passen. Denn gefühlt heiratet momentan mein ganzer Freundes- und Bekanntenkreis sowohl im realen Leben als auch online und fängt danach mit der Reproduktion da. Und ich sitze da und weiß nicht, ob ich es absolut surreal und gruselig finden oder Torschlusspanik bekommen soll.

Als ich von den ersten Kommilitonen in meinem Alter hörte, dass sie heiraten würden, fragte ich mich überhaupt, ob sie das denn schon dürften. Sie waren ja noch nicht mal 25!
Anscheinend durften sie es, denn sie haben die Sache durchgezogen.
Nun hat vor einigen Tagen eine Bekannte ihr erstes Kind bekommen. Das ist meiner Meinung nach noch eine viel verrücktere Sache als das Heiraten - schließlich unterschreibt man nicht nur einen Vertrag und ändert den sozialen Status sondern hat plötzlich ein Projekt für den Rest seines Lebens oder mindestens die nächsten zwanzig Jahre an der Backe. Sicher kann das auch etwas schönes sein, doch sind wir nicht noch ein bisschen jung dafür?

Ich meine: macht man sowas nicht erst ab fünfundzwanzig? Frühestens! Also nicht, dass ich das jetzt für dieses Alter planen würde. Scheinbar bin ich mit der Meinung nicht allein aber tendenziell nicht Teil einer Mehrheit. Denn nun hat sich doch gleich die nächste Schwangere im Umkreis geoutet. Als wäre es ansteckend. *Sicherheitsabstand*
Als hätte er es geahnt schmerzte mein Uterus am Tag der Geburt des Kindes der Bekannten noch bevor ich davon wusste, dass sie an dem Tag Mutter wurde, ganz fürchterlich und ich war schon sehr beeindruckt, was der Körper alles mitbekommt ohne dass man aktiv davon weiß.
Aber nein, es war nur die Vorbereitung meines Körpers dafür, mir dann zwei Tage später bei einem Gespräch mit einer Professorin in einer weißen Sommerhose mir zu präsentieren, dass ich nun meine Periode hätte. Good times! Na ja, immerhin war es keine Geburt.

Und was macht man jetzt so mit 23, wenn man eben nicht dabei ist, seine Hochzeit zu planen oder ein Kind auszubrüten? Ganz einfach: man denkt darüber nach, wie alle um einen herum scheinbar jemanden gefunden haben, mit dem sie für immer glücklich sein werden oder das zumindest bei jeder Gelegenheit jedem ungefragt mitteilen während man selbst Single ist. Jawoll, daher der Frust.

Ich mache schon Pläne, wie ich mein Leben als Crazy Cat Lady später am besten organisiere, da ich insgeheim schon ein bisschen mehr als nur ein bisschen verzweifelt bin. Gefühlt sind alle sympathischen und attraktiven Männer in meinem Umfeld bereits vergeben, langweilig, nicht interessiert oder winzig (aka kleiner als 1,80m). Aber hey, da muss man doch nicht jammern - es gibt schließlich doch auch eine Möglichkeit, seine Suchressourcen zu erweitern: Onlinedating!

Davor schrecke ich ehrlich gesagt noch sehr zurück. In meiner Vorstellung ist das der reine Fleischmarkt. Man muss sich auf den Bildern facettenreich und interessant zeigen. Immer schön die Reiselust, die eigene körperliche Fitness, die Intelligenz und seinen großen Freundeskreis präsentieren. Wenn ich da nicht meinen gut trainierten Hintern -  weil ich schließlich keine Torte im Schaufenster bin - sondern mich strickend zeige, wird mich nämlich kein Schwein anschreiben. Allerdings habe ich wenig Lust, mich für sowas zu verstellen, nur damit die Nachrichten irgendwelcher Männer ohne Ende bei mir landen.
Schließlich möchte ich mir keinen dämlichen Lustmolch anlachen sondern einen Partner.


These are the  only juicy dates I have
Für Onlinedating bin ich zum einen noch nicht ganz verzweifelt genug und zum anderen kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass ich damit überhaupt zurecht käme. Es würde schon reichen, dass mich jemand mit "Na Süße" anschreibt, um mich in eine Mischung aus Abscheu und Grübeln zu versetzen. Erst letztens (in einer App für Persönlichkeitstests, die ich nur mit meiner Schwester nutze, die aber anscheinend eigentlich zum Dating da ist) erlebt.
Nachdem ich die Nachricht bekam, war ich völlig geschockt, hab denjenigen erst mal blockiert und kam nicht darüber hinweg, dass fremde Menschen einen einfach so Süße nennen.

Ich meine - wie kann mich denn jemand einfach Süße nennen, der mich nicht kennt?! Wie dreist und erniedrigend ist das denn? Hält der mich für bescheuert? Muss ein ganz schöner Macho sein. Oder ein Troll. Sowas kann schließlich niemand ernst meinen.

Man sieht - ich bin ein Naturtalent im Dating. Nicht. Und wahrscheinlich war das ein ganz normaler Spruch zum Eröffnen eines Gesprächs für denjenigen. Nur mal im Ernst: was soll man denn darauf sinnvoll antworten?

Mir ist schon klar, dass es nicht unbedingt daran liegt, dass ich eine so unsympathische, miespetrige und hässliche Person bin, dass ich Single bin. Viel mehr hängt es damit zusammen, dass ich Treffen mit vielen Fremden wie WG Party meide und wenn ich mal Abends tanzen gehe oder auf einem Konzert bin, viel zu sehr beschäftigt bin, mich selbst zu amüsieren als dass ich die potentiellen Partner um mich herum abchecken würde.
Und das größte Problem bleibt, dass Menschen, die genauso ticken wie ich, auch lieber allein zu hause bleiben als sich auf jeder WG Party der Stadt mit neuen Leuten zu betrinken. Ein ewiges Dilemma.

Natürlich gibt es sehr viele sehr viel größere Probleme auf der Welt aber momentan bewegt mich persönlich das Thema der Partnerschaft sehr. Es wird gesellschaftlich vorausgesetzt, dass man jemanden findet, mit dem man bis ans Ende aller Zeiten zusammen ist und Nachkommen produziert. So ein bisschen habe ich das Gefühl, mit dem Single Status negativ aufzufallen. Oder habt ihr schon mal jemanden prahlen gehört, wie wunderbar allein er ist? Ich auch nicht. Ich muss mir nur ständig anhören, wie großartig der Freund oder die Freundin meiner Mitmenschen wäre. Was ja an sich auch schön ist, dass diejenigen glücklich sind. Zugleich fühlt es sich aber auch immer mies an zu wissen, dass man all das selbst nicht hat.
Auch wenn ich weiß, dass das persönliche Glück nicht allein von einer Beziehung abhängt, bedeutet es trotzdem nicht, dass ich mir keine wünschen würde.

Und abgesehen davon: muss ich jetzt wirklich forever alone sein, nur weil ich introvertiert bin? Das kann doch wohl nicht wahr sein...

Wie geht es euch mit dem Thema Partnerschaft? Schweigt ihr es lieber tot oder berichtet ihr allen zum x-ten mal von der Planung eurer Traumhochzeit?

Mittwoch, 13. Juli 2016

#PMDD21

Ein bisschen spät dran lautet ganz offensichtlich das Motto meines aktuellen Picture my Day Days.
Irgendwie habe ich es dieses Mal so gar nicht mitbekommen, wann der #PMDD stattfinden wird und plötzlich stolperte ich auf Twitter über Tweets und Bilder zu diesem Event. So fing ich dann gegen 11:00 Uhr ganz spontan noch an, meinen Tag fotografisch festzuhalten.
Organisiert wurde der #PMDD dieses mal übrigens von Frau Margarete. 

Auf Bilder von dem epischen Frühstück aus Haferflocken, gerösteten Sonnenblumenkernen, Sojamilch und Apfelstücken müsst ihr daher leider verzichten. Es ähnelt aber dem Frühstück des letzten Picture My Day Days - einfach mal auf das Label unter dem Post klicken, um sich das ersatzweise anzusehen.

Und nun auf in den studentischen Sonntag!


Wäsche waschen

Ganz passend war ich zufällig im absoluten Non-Fashion Blogger Style gekleidet: Jogginghose und gestreiftes Shirt. Das Buch gehört übrigens zum Outfit und zum Tagesprogramm. Prüfungen stehen an und ich stecke meine Nase den ganzen Tag lang in meine Unterlagen.

Hunger! Zeit, Mittagessen kochen. Essentielles Grundnahrungsmittel ist dabei übrigens für mich immer Knoblauch. 

Tadaaa - in Gemüsebrühe gekochte rote Linsen, Brokkoli, Paprika und Pak Choi gedünstet in Knoblauchbutter. Macht für euch ein Spritzer Zitronensaft darüber Gemüse auch immer zehn mal fabulöser?

Nach dem Essen ging es zurück ans Lernen. Das ist jedoch kein gutes Bildmotiv, weshalb ich euch die gefaltete Yogamatte zeige. Für eine kleine Lernpause bietet es sich nämlich immer an, Kopfstände zu üben. Bringt den Kreislauf in Schwung, hält wach und hilft vielleicht, irgendwann den Kopfstand sicher zu beherrschen.


Saugstauben! Ein Klassiker am Sonntag, wenn man den laut (seine Computerspiele? an-) schreienden Nachbarn daran erinnern will, dass er nicht allein im Haus ist. 
*insert random foot content here*

17:30 Uhr und es ereilt mich ein spontaner Anfall von Hunger. Lösung: Sojamilch, Grieß, Kakaopulver und Erbeermarmelade zu einem schmackhaften Brei zusammen kochen. 

Sportsachen packen und auf zum Unisport. Body Shape Intensiv… es heißt nicht umsonst intensiv. Ich konnte den Schweiß dabei beobachten, wie er an mir herunter strömt, aber ich hatte Spaß und eine großartige Auszeit vom Lernen. 


Auf dem Heimweg wurde ich im Flur von der kuscheligen Nachbarskatze begrüßt. Als ob sie gewusst hätte, dass das Internet Katzen liebt! #catcontent

Duschen nach dem Sport. Das blaue Duschbad ist mein Lieblingsduschbad für den Sommer, weil es einfach so sommerlich nach Sonnencreme-Kokos-Meer riecht. Wie ein kleiner Kurzurlaub.

Die finale Folge der Serie Forever ansehen und dabei den restlichen Brokkoli mit Tomate und Sriracha Sauce mit einem Knäckebrot mit Avocado essen. Ahh, es ist nach einer Serie, die man mochte, immer so frustrierend, wenn sie abgesetzt wurde! Nun ja, immerhin ist da jetzt keine Versuchung, weiter zu schauen, obwohl man lernen muss.

Licht aus. Gute Nacht!

Das war es auch schon mit meinem Picture My Day Day! Nicht besonders aufregend aber das ist ja auch die Definition von Sonntagen. Nun ja, es könnte mehr Entspannung dabei sein. In knapp einem Monat dann wieder.