Samstag, 6. Januar 2018

Neues Jahr, neue Vorsätze

Ein neues Jahr hat begonnen und damit für viele der beliebte Zeitpunkt, um Veränderungen durchzusetzen und Ziele in Angriff zu nehmen. Auch wenn ich es an sich schwachsinnig finde, da man sich jederzeit etwas vornehmen und erfolgreich umsetzen kann, habe ich mir für diesen Jahresbeginn auch ein paar Dinge vorgenommen. Es gibt einem doch einen Motivationsschub zu wissen, dass dieses Jahr noch ein unbeschriebenes Blatt ist, dass man nach seinen Vorstellungen zu gestalten versuchen kann.

Und bevor ich zu meiner Liste komme, möchte ich euch allen ein frohes neues Jahr wünschen. Danke, dass ihr hier seid. Es bedeutet mir wirklich viel, eure Kommentare hier zu lesen und ich hoffe, dass euch meine Posts auch ein wenig zum Nachdenken bringen und inspirieren.

Ungenutzte Kleidung aussortieren
Ich bin nicht der große Fashionblogger und deshalb im Alltag am Ende doch immer in den gleichen zehn Outfits in Rotation unterwegs. Damit nutze ich aber auch nur die Hälfte des Kleiderschrankinhalts und das stört mich.
Im nächsten Jahr möchte ich mich einmal durch den Stapel arbeiten und nach dem Tragen dann entscheiden, ob ich das jeweilige Teil behalte oder aussortiere. Denn warum sollte ich etwas in meinem Schrank lassen, obwohl ich mich darin unwohl fühle?

Wie lange es dauern wird, mich durch Pullover, Hosen und Strickjacken zu tragen, weiß ich noch nicht, aber innerhalb der nächsten zwölf Monate ist das definitiv zu schaffen.

Elektroschrott endlich mal entsorgen
Geht es nur mir so, dass ich aussortierte Geräte wie Zahnbürsten, Epilierer oder auch Wasserkocher schon lange durch einen Nachfolger ersetzt aber deren Vorgänger nie ordentlich entsorgt habe, weil der Elektroschrotthof wirklich knappe Öffnungszeiten und das nur unter der Woche hat? Es ist so ärgerlich, wenn die Wohnung durch Dinge vollgerumpelt wird, von denen man sich schon längst verabschiedet hat.
Man möchte den Kram nicht in den Wald kippen aber die umständliche Entsorgung von Elektroschrott nervt mich ganz schön.

Einen Unterarmstand erlernen
Das war schon für 2017 mein Ziel, aber auch wenn ich schon merke, dass ich die Position inzwischen stabiler und länger halten kann, so brauche ich immer eine Wand, um initial in diese Haltung zu kommen. Ohne eine Wand sorge ich beim nach oben Kicken mit den Beinen durch zu viel Schwung einfach nur dafür, dass ich auf dem Rücken lande.
In diesem Jahr gab es Phasen, in denen ich einfach zu wenig geübt habe und deshalb mit dieser Vorhabe nicht ans Ziel gekommen bin.

Oberflächen leer halten
Mit dem Aufräumen an sich ist es gar nicht soooo problematisch bei mir. Aber eine Sache kotzt mich in der Wohnung regelmäßig an: vollgemüllte Oberflächen! Ob Sofa, Schreibtisch oder nur Fensterbrett - keine leere Fläche ist sicher vor mir, wenn es darum geht, schnell mal seinen Papierkram abzulegen. Wirklich eine miese Angewohnheit.
Heute habe ich einen kleinen Anfall von Aufräumwut bekommen und es hat einfach so gut getan, Zeug zu entsorgen, was man wirklich nie gebraucht hat oder Dingen einen richtigen Platz zu geben. Jetzt am leeren, sauberen Wohnzimmertisch zu sitzen tut einfach so gut. Das möchte ich in diesem Jahr regelmäßig so genießen können.

Studium beenden und bewerben
In diesem Jahr wird es soweit sein: mit dem letzten Staatsexamen Ende des Jahres werde ich mein Studium abschließen. Ich gehe da mal ganz optimistisch ran und setze drauf, dass ich jetzt nicht in der letzten Prüfung der sechs Jahre Medizinstudium durchfallen werde. Danach heißt es tief durchatmen, feiern bis der Arzt kommt (diesen Witz auszureizen habe ich mir natürlich auch vorgenommen) und mich dann mit dem Thema Bewerbungen auseinanderzusetzen.
Der Gedanke, das Studium endlich geschafft zu haben und einen Arbeitsalltag zu haben, gefällt mir sehr. Gleichzeitig habe ich aber auch Sorge, dass es unfassbar fordernd wird. Vor allem die riesige Verantwortung für andere muss man erst mal zu tragen lernen. Als Student untersucht man zwar auch Patienten, füllt deren Medikamentenpläne aus und schlägt Therapien vor aber am Ende schaut immer noch mal jemand drüber und steht dann auch mit seinem Namen drunter. Aber auch daran wird man sich gewöhnen.

Es wird ein spannendes Jahr. Anstrengend auf jeden Fall, doch alles andere wäre auch langweilig.
Habt ihr Pläne für 2018?

Sonntag, 31. Dezember 2017

Mein kleiner Rückblick auf 2017

Schon seit 2011 gibt es hier Ende Dezember immer einen Jahresrückblick und ich habe vor, die Tradition weiter zu führen. Allerdings nicht mehr stumpf nach dem Fragebogenformat des Tags, den ich ursprünglich immer genutzt habe, sondern in freierer Form. Denn ganz ehrlich: warum soll ich jedes Jahr aufs neue bei der Frage nach Alkoholexzessen und neuen Haarschnitten eintragen, dass ich mich nie betrinke und beim Friseur immer den gleichen Schnitt machen lasse?

Dieses Jahr begann mit einer fetten praktischen Prüfung im Studium, vor der mir einfach nur kotzübel war. Danach ging es mir aber super und ich war erleichtert, es geschafft zu haben. Ich bin wirklich kein Mensch für praktische Prüfungen.
Im Anschluss ging es in den Semesterferien für ein paar Tage nach Paris, für ein paar Tage nach Athen. Wenn man nur mit Handgepäck reist und sich nicht die teuerste Unterkunft gönnt, kann man sich selbst als Student ganz schön viele tolle Erfahrungen leisten.

Wenig später habe ich den Entschluss gefasst, mit meinem Freund zusammen zu ziehen. Man kann sich das hin und her Pendeln auch einfach sparen, wenn man sich sowieso jeden Tag sieht. Dieser spontane Entschluss versüßt mir seitdem den Alltag. Es ist einfach zu genial, jeden Tag neben seinem besten Freund aufzuwachen.
Ich bin den Berliner Halbmarathon geskatet; auf dem BER geskatet. Da ja momentan eher weniger Flugverkehr dort stattfindet, wird die Rollbahn für Laufveranstaltungen genutzt und so konnte ich zwischen den zwischen dem Asphalt heraus wachsenden Grashalmen lang rollen.

Im Sommer habe ich vor allem eins getan: gelernt! Im Oktober stand das schriftliche Staatsexamen an oder wie man es auch liebevoll nennt - das Hammerexamen. Drei Tage lang sollte man das gesammelte Wissen aus fünf Jahren Studium zu Papier bringen und diese Vorstellung kann einem ganz schön Angst machen. Ich habe monatelang gelernt, mich damit gequält, Fakten ins Denkorgan zu übernehmen. Dann kam der große Tag und ich fühlte mich taub am ganzen Körper mit einem guten Schuss ich kotz gleich!. Trotzdem habe ich es irgendwie geschafft und bin nun verdammt froh, das geschafft zu haben. Und dann auch nicht mal schlecht. Das ganze Lernen muss sich ja gelohnt haben.

Wenige Wochen vor der Prüfung war ich zum ersten mal in meinem Leben bei einem Festival. Zwar habe ich wie so ein Langweiler zu Hause übernachtet statt im Bierzelt, aber die Bands habe ich trotzdem gesehen.
Live gesehen in einzelnen Konzerten habe ich noch Paramore und The Drums sowie System of a Down. Hach ja, System wollte ich schon seit Jahren mal live erleben und es war ein wildes herum Hüpfen, nach dem ich bloß noch glückselig und völlig erschöpft war.

Nach der Prüfung ging es nach Portugal, zwei Wochen Rundreise um auf andere Gedanken zu kommen. Es war eine wundervolle Zeit. Ich habe Sahnetörtchen verspeist (die zwar natas heißen aber eigentlich aus Eigelb mit Zucker statt Sahne bestehen), unverschämt frischen Fisch geschmaust und  eine richtig lehrreiche und gleichzeitig entspannte Zeit gehabt.
An der Algarve habe ich dann zum ersten mal seit Jahren wieder im Meer gebadet. Es hat so viel Spaß gemacht, in die hohen Wellen zu hüpfen!

Danach ging es schnell zurück in einen Alltag und zwar den des Praktischen Jahres. 40 Stunden die Woche unbezahlt im Krankenhaus arbeiten, weil es ein Teil des Studiums und damit Pflichtpraktikum ist. Ich habe in einer Hautklinik angefangen und liebe die Mischung aus konservativen und operativen Therapien total. Auch wenn ich den ganzen Tag nur am herum laufen bin und kaum Zeit für Pinkel- oder Essenspausen finde, macht es mir Spaß. Nebenbei habe ich dann auch gleich mal  ein paar Kilo abgenommen. Kein Wunder, dass es nahezu keine fetten Ärzte gibt.

Ich habe seit Februar Akupunkturkurse gemacht und viele neue Dinge gelernt. Jetzt stecke ich Nadeln in die Verwandtschaft und dann wird mir von gebesserten Knieschmerzen, besserer Schulterbeweglichkeit und verschwundenen Schmerzen in der Achillessehne berichtet. Schon verrückt, dieser Kram. Ich weiß selbst nicht, ob ich daran glauben soll aber ganz offensichtlich funktioniert es ja. Ziemlich cool, noch so einen zusätzlichen Joker als Therapieansatz in der Tasche zu haben.

Dann kam die Weihnachtszeit und damit ein Moment zu reflektieren, wie das eigene Leben so läuft. Was soll ich sagen? Ich habe einen vollen Terminkalender, ein chronisches Schlafdefizit von knapp einer Stunde pro Tag, kann manchmal vor Muskelkater meine Körperteile nicht ordentlich bewegen, aber am Ende des Tages schlafe ich immer in den Armen des Menschen ein, den ich liebe und mir ein Leben ohne nicht vorstellen möchte. Am Ende des Jahres ist mein Kopf voll von neuen Erinnerungen aus diesem vergangenen Jahr, voll von neu gelernten Dingen.
Mir geht es gut, ich weiß mehr denn je zu schätzen, was ich für eine wundervolle Familie ich habe (und dass meine peinliche Verwandtschaft nichts ist gegen die anderer…) und sage es diesen Menschen auch. In meiner Beziehung habe ich das Gefühl, vollkommen angekommen zu sein. Ich hätte nicht gedacht, das mal so stark zu spüren, doch nun ist es so und wird mit der Zeit einfach nur besser. Jeden Tag bin ich dafür dankbar und möchte das nie missen müssen.

Gebloggt habe ich weniger als je zuvor aber dann immer das geschrieben, was mich wirklich beschäftigt hat und es hat sich gut angefühlt. Früher konnte ich diese Gedanken weniger mit Freunden aus meinem Umfeld teilen, sodass sie hier aufgeschrieben wurden. Inzwischen verarbeite ich ganz viele Dinge schon in Gesprächen, sodass der Blog leer bleibt.
Habe ich Pläne für das Bloggen im nächsten Jahr? So ein bisschen. Ein neues Jahr ist immer ein guter Zeitpunkt für Vorsätze und das wird auf jeden Fall hier notiert und verfolgt. Ansonsten bleibt das Programm wie immer spontan.

2018 geht es weiter mit dem Praktischen Jahr für mich. Vor Chirurgie hab ich ein bisschen Muffensausen, weil es mir noch an praktischer Erfahrung mangelt, gleichzeitig habe ich aber auch wirklich Lust, viel neues zu lernen und praktische Fähigkeiten zu sammeln. Am Ende des nächsten Jahres wartet wieder ein Staatsexamen auf mich, dieses mal ein mündliches. Ich kann schon beim Gedanken daran die Übelkeit in mir aufsteigen fühlen. Good times to come!

Aber bis dahin werde ich noch viel erleben, lernen, tolle Momente genießen und den ganzen Prüfungsmist auch irgendwie überstehen. So läuft es ja am Ende doch immer. Und dann muss ich sehen, wie es mit meinem Leben weiter geht. Aber das erfahren wir erst im nächsten Jahr.

Wie war 2017 bei euch so?

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Von Festtagsmitgefühl und schlechtem Gewissen

Weihnachten ist eine wundervolle Zeit.
Eine Zeit, in der man Traditionen zelebriert und sich gegenseitig beschenkt - sowohl materiell als auch einfach dadurch, dass man dem anderen Zeit widmet. Es sind Tage, die sich weit entfernt vom Alltag anfühlen. Wie eine eigene kleine Welt.

Trotzdem gibt es Momente, in denen ich an den Weihnachtsfeiertagen aus der Blase der weihnachtlichen Glückseligkeit falle.
Am 24. Dezember auf dem Weg zu meiner Familie, habe ich das Haus verlassen und bin an den Pennern, die gefühlt 24/7 am Spätkauf vor der Haustür herum sitzen und Bier trinken, vorbei geradelt. Der Gepäckkorb meines Fahrrads voller liebevoll eingepackter Geschenke für die ganze Familie. Aus meinem großen Transportbeutel blitzten die Geschenkverpackungen teilweise hervor.
In diesem Moment hatte ich ein unfassbar mieses Bauchgefühl, weil ich hier mit einem Haufen Geschenke durch die Gegend ziehe, während den Pennern scheinbar nicht mehr als das Bier und die Zigarette in der Hand vergönnt war.

Ein Gedankenkarussell begann sich in mir zu drehen.
Sollte ich vielleicht nicht meine geliebte Familie und den Partner beschenken, sondern Menschen, die ich zwar nicht kenne, denen aber sonst gar nichts geschenkt wird? Muss ich mich jetzt dafür schämen, dass es mir so gut geht? Aber es ist ja auch nicht so, dass ich nichts dafür getan hätte, dass ich jetzt nicht auf der Straße hocke. Wobei - wer hat entschieden, dass ich in eine Familie hinein geboren werde, die mich fördert und mir ein Studium mitfinanzieren kann? Das ist nun nicht unbedingt mein Verdienst.
Darf ich unbeschwert feiern, wenn ich weiß, dass vor meiner Wohnung Menschen sitzen, denen es sehr wahrscheinlich nicht gut geht? Müsste ich jetzt nicht mindestens an irgendeinen Hilfsverein Geld spenden, um mein Gewissen wieder einigermaßen zu beruhigen?
Allerdings sehe ich selbige Menschen auch im restlichen Jahr regelmäßig mit Zigarette und dem Bier um sieben morgens und schüttle den Kopf über diesen Lebensstil. Ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn immerhin entscheidet jeder selbst, was er mit seinem Leben anstellt. Nur die Startbedingungen werden eben ganz unfair zufällig zugelost.

Und was nehme ich jetzt aus der Erfahrung mit? Also, außer dem schlechten Gewissen, dass es mir gut geht.
So ein bisschen denke ich mir, dass man sowieso nicht alle retten kann. Ich habe schon oft erlebt, dass Obdachlose bei Entlassung aus dem Krankenhaus nicht alle Sozialhelfer und deren Sprechstunden besuchen wollen, die man ihnen anbietet, sondern lieber draußen sind als sich in unser soziales System einzufügen. Vielleicht sind das Einzelfälle, die ich miterlebt habe. Vielleicht aber lachen die dreckigen Gestalten vorm Spätkauf auch darüber, wie wir Hausbewohner früh in die Kälte marschieren und abends nach einem Arbeitstag zurück kommen, während sie immer noch genüsslich ihr achtes Bier schlürfen und mit ihren Kumpels reden.

Mir ist aufgefallen, dass zu Weihnachten die Leute insgesamt freundlicher sind. Es wird mehr gegrüßt, es wird Platz gemacht, wenn man sein Fahrrad noch ins Radabteil der Bahn schieben will statt rum zu murren. Uns wird so viel Freundlichkeit, Liebe und Wärme zuteil, dass wir davon ein wenig abgeben wollen. Deshalb ignorieren wir auch die Bettler und Penner weniger als im restlichen Jahr, weil uns bewusst wird, wie gut es uns geht, selbst wenn wir manchmal denken, dass es besser sein könnte.
Aus diesem Erlebnis nehme ich ein gesteigertes Bewusstsein dafür mit, wie gut es mir geht. Ich bin gesund, habe ein fast abgeschlossenes Studium, eine wundervolle Familie, einen seelenverwandten Partner, eine Wohnung und gute Aussichten, was die Zukunft angeht. Klar ist mein Leben nicht perfekt, anstrengend, frustrierend und all das, was das Leben so sein kann. Aber ich sollte beim Beklagen kleiner alltäglicher Probleme nicht vergessen, dass es mir eigentlich richtig gut geht.

Dienstag, 5. Dezember 2017

To fu or not to fu

Ernährung ist manchmal ein ganz heikles Thema. Nur keinem auf die Füße treten. Deshalb bringe ich schon immer vegetarische oder vegane Speisen mit, wenn ich beipielsweise für Gruppen von Menschen koche. Aber nicht allen Omnivoren geht es so wie mir. Da gibt es nämlich noch die Tofuphobiker.

Ihr wisst schon: die "Ich brauche mein Fleisch!"-Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass eine Mahlzeit ohne Fleisch als richtige Mahlzeit zählen könnte.
Mit einer Gruppe von Menschen war ich in einem vegetarischen Restaurant brunchen. Es gab geniale Speisekreationen, die toll gewürzt waren. Aber eben fleischlos.
Linsensalat mit Senfdressing, der einem Eiersalat etwas ähnelte und super würzig war. Büffelmozarella und marinierte Paprikastreifen auf Brot, Nudeln an Kürbis-Walnuss Sauce mit lecker angemachtem Salat. Alles kein richtiges Essen, nichts, wovon man satt werden könnte. Und dann auch noch Räuchertofu, den man sich aufs Brot legen sollte? Barbarisch! Wo ist denn hier die Wurst?!

Ich kann verstehen, dass Tofu pur nicht das aufregendste Geschmackserlebnis ist. Wenn man keine Ahnung hat, wie man den schmackhaft zubereitet, ist der einfach fad. Ist er aber schon mundfertig zubereitet und das in wirklich leckerer Weise und wird aber aus Prinzip verschmäht, weil es eben Tofu ist, regt mich das einfach nur auf. Es ist so ignorant!
So auf einem unbekannte Speisen zu reagieren ist völlig übertrieben. Vielleicht ein Zeichen der Angst vor neuen Dingen? Ist es dann eine Angst, die sich bei diesen Menschen nicht nur auf Essen sondern auch alle anderen Bereiche des Lebens anwenden lässt?

Und was ist das überhaupt für ein Leben, in dem man ja nichts tut, was man nicht kennt und nur nichts in seinen Mund steckt, was die eigenen Großeltern nicht schon gegessen haben? Viel erleben wird man in einem solchen Dasein nicht. Tradition kann etwas unheimlich schönes sein. Sich kategorisch vor allem Unbekannten zu verschließen ist jedoch einfach nur dumm. Und dumme Menschen können furchtbare Zeitgenossen sein, weil sie an allem rum mäkeln, was sie nicht begreifen können oder sogar nicht einmal begreifen wollen.

Es heißt, Liebe ginge durch den Magen und das glaube ich gern. Ich denke, am Essen, das jemand kocht, wird sichtbar, was für ein Mensch derjenige ist. Gewohnheitstier oder kreativer Kopf, traditioneller Geist oder innovativ.
Die super faden Nudelsalate in meinem Leben aus Nudeln, Dosenerbsen, Fleischwurst und einem Glas Mayo als einzigen Zutaten kamen auch nicht unbedingt von den glücklichsten Menschen und das konnte man aus diesen traurigen Salaten auch heraus schmecken. Du bist wie du kochst… und wie du isst.
Deshalb bin ich spontan auch wenig begeistert, wenn erwachsene Menschen bestimmtes Essen ohne es probiert zu haben direkt ablehnen ohne ihm je eine Chance gegeben zu haben, weil es nicht ihren Vorstellungen entspricht. Damit tun sie weder sich noch dem Koch oder den übrigen Anwesenden einen Gefallen. Mit knurrendem aber zum Glück tofufreiem Magen steigt die Laune nicht, der Koch fragt sich, was er falsch gemacht hat und der Rest der Runde, der die von anderen verschmähte Kost zu schätzen weiß, fühlt sich unwohl, beim Essen beobachtet zu werden bis hin zu schuldig, dass einem das jetzt auch noch schmeckt während andere da sitzen und angewidert drein schauen.

Engstirnigkeit beim Essen bedeutet nicht, dass jemand mit Haselnussallergie nun wirklich definitiv keinen Nougat probieren will. Es heißt, dass man sinnlos und aus Prinzip für unbekannte Dinge nur Ablehnung, Vorurteile und Angst übrig hat. Ich glaube, dass diese Menschen technischen Neuerungen, fremden Kulturen und generell Neuerungen gegenüber auch wahrscheinlich weniger aufgeschlossen sind. Denn wenn Tofu einem schon Existenzängste bereitet, was macht man dann erst, wenn man auf Menschen mit anderen Gedanken als den eigenen trifft?!
Manchmal reicht es eben schon, mit Menschen eine Mahlzeit gemeinsam einzunehmen, um einschätzen zu können, was für Menschen sie sind.

Donnerstag, 9. November 2017

Picture or it didn't happen

Kürzlich war ich im Urlaub. Knapp zwei Wochen Portugal zur Erholung nach dem Staatsexamen. Gereist bin ich wieder einmal nur mit Handgepäck, denn warum sollte ich einen Koffer voller unnötigem Kram durchs ganze Land schleppen, wenn alles, was ich brauche, eh in einen Rucksack passt?

Was ich allerdings eingepackt habe, war eine Kamera. Denn auch wenn man keinen Koffer voller Souvenirs mit nach Hause bringen kann, so kann man noch immer versuchen, alles fotografisch festzuhalten. Und genau darüber möchte ich hier sprechen. Denn mir kommt es teilweise vor, als wären Erlebnisse nur etwas wert, wenn man sie dokumentiert.

Man kann noch so wortgewandt davon schwärmen, wie malerisch die Landschaft, wie fabelhaft das Essen oder wie wolkenlos blau der Himmel waren: in einem Bild kann man all das dem anderen direkt vor Augen führen. So sieht er die Eindrücke fast, als wäre er selbst da gewesen, kann alles auf seine eigene Art wahrnehmen und weiß dann definitiv, dass man mit den Schwärmereien vom Urlaub nicht übertreibt.
Ein Bild sagt schließlich mehr als tausend Worte. Picture or it didn't happen.

Das kann einen ganz schön unter Druck setzen, während des Urlaubs auch im richtigen Moment die Kamera mit der perfekten Einstellung in der idealen Perspektive aufs Motiv zu halten. Kann man sich eigentlich noch richtig entspannen, wenn man seinen Tag immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, man müsse für jeden Punkt auf der Reiseliste, ein vollendetes Bild schießen, verbringt? Sobald die Jagd nach DEM Foto die Reise dominiert, wäre die Entspannung zumindest für mich dahin.

Es heißt ja immer, man solle Erinnerungen sammeln statt Dinge anzuhäufen. Indirekt scheint das aber manchmal auch zu bedeuten, dass man Bilder von erinnerungswürdigen Momenten sammeln solle. Gern auch in digitaler Form, damit sich keine tatsächlichen Stapel von Dingen bilden, die man ja eigentlich nicht sammeln wollte. Alternativ kann man seine Erinnerungskollektion auch einfach bei Instagram hochladen. Aus dem alltäglichen Leben poste ich dort nicht wirklich viel, doch sobald ich auf Reisen bin, halte ich das gern fest und poste es dort.
Warum? Einerseits, um anderen zu zeigen, was es für tolle Orte gibt und sie so zu inspirieren, selbst zu reisen, andererseits aber auch, um selbst in einem Jahr durch meine Posts scrollen zu können und in dieser gekürzten Kurzfassung des Urlaubs mich an eben diesen zu erinnern ohne die riesige Datei aller Urlaubsbilder öffnen zu müssen.
Genauso liebe ich es auch, die Reiseeindrücke anderer auf Instagram zu sehen. Teilweise durchsuche ich die Seite auch aktiv einem Hashtag oder einer Lokalisierung folgend nach Tipps, wie ich meine eigene Reiseplanung optimieren kann. Selbst etwas zu posten ist also in gewisser Weise ein Weg, etwas zurück zu geben.
Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass ich sehr viel mehr auf der Jagd nach einem perfekten Bild bin, wenn ich weiß, dass ich am Ende des Tages einen Reiseeindruck posten möchte.
Look at me! Ich bin so verrückt, ich mache einfach Strandyoga
 während des Sonnenuntergangs. Position WC Ente.

Ist es falsch, möglichst schöne Bilder aufnehmen zu wollen?
In der Regel sind wir bemüht, ästhetisch ansprechende Dinge zu erschaffen. Soll heißen, dass man sich bei der Einrichtung seiner Wohnung nicht extra Mühe gibt, alles ungemütlich und chaotisch werden zu lassen, sondern dass das Ziel immer eine schöne, wohnliche Umgebung ist. Es entspricht einfach dem, was uns im Rahmen unserer Sozialisierung beigebracht wurde, darauf zu achten, dass wir positive, schöne Dinge tun. Schon bei der Vorstellung, extra die Wohnung zu verwüsten oder generell etwas zu zerstören, bekomme ich ein schlechtes Bauchgefühl. Und warum dann nicht gleich versuchen, das Optimum an Ästhetik raus zu holen, wenn man eh dabei ist, ein Foto zu machen?

Dann bleibt nur noch die Frage, wie viel Aufwand für ein schönes Bild angemessen ist. Ich würde nicht wollen, dass mein Reisegepäck nur aus Kameraequipment besteht und ich an jedem Meter Strand 20 Minuten verbringen müsste, um die perfekte Aufnahme der Aussicht zu machen. Angemessener Aufwand bedeutet in dem Kontext, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten relativ ansprechende Bilder mache, ohne dafür ewig das eigentliche Erleben unterbrechen zu müssen. Denn wenn wir zu sehr damit beschäftigt sind, den Moment bildlich einfangen zu wollen, ist es zu leicht, ihn dabei einfach zu verpassen.
Wie die coolen Kids, die bei Konzerten in der ersten Reihe stehen und statt zu tanzen Videoaufnahmen machen, die nie von jemandem angesehen werden. Außer vielleicht von ihnen selbst, um dann im Anschluss noch mal zu checken, wie eigentlich das Konzert war.

Wie perfektionistisch seid ihr mit euren Fotos? Könntet ihr euch vorstellen, zu reisen, ohne Bilder davon zu machen?

Donnerstag, 2. November 2017

#PMDD24


Hach ja, ich bin ein mieser Blogger. So viel im Leben erlebt, dass man nicht zum Bloggen kommt. Einen Sommer lang gelernt, Staatsexamen geschrieben, im Urlaub gewesen. Tausend Ideen für den Blog aber immer was anderes zu tun. Ich weiß, alles schlechte Ausreden, die keiner hören will. Also weiter zum eigentlichen Thema dieses Posts: es gab mal wieder einen Picture my day day! 

Der war am 31.10. und hätte entsprechend gruselig ausfallen können, doch meine persönliche Halloweenparty fand schon am Tag zuvor statt. Deshalb begann der Tag mit Ausschlafen. Schummrig - gemütliches Licht durch die Vorhänge lässt auch bei Tageslicht problemlos weiter schlafen, wenn man erst spät den Weg ins Bett gefunden hat.


Frühstück zu zweit mit Resten des Kürbiskäsekuchen-Brownies, den ich zur Party gebacken hatte.


Erst mal Bad putzen. Dann Schlafzimmerschubladen sortieren. Gutes Gefühl, schon etwas geschafft zu haben, stellt sich ein.


Gemüse mit Messer zerhackstücken.


Rote Bete schält man ausschließlich mit Handschuhen insofern man nicht wochenlang rosa Finger- und Nägel haben möchte. Ein Herz für Rote Bete!


Gemüse atomisieren.


Atomisiertes Gemüse kochen. Mit saurer Sahne und Gewürzen wird daraus Borschtsch.


Was ist ein Tag ohne Wolle? Also schön entspannt meine Souvenirwolle aus dem Urlaub anstricken.


Briefe fertig machen. Ich mag, dass man sich bei selbstgedruckten Marken witzige Motive aussuchen kann.


Spaziergang und Brief einwerfen.


Meinen guten Kumpel die Packstation besuchen und ein Paket einsacken.


Zurück zu Hause eine Runde Sport machen. Habe jetzt (zwei Tage später) noch immer Bauchmuskelkater. Ich mag Pilates.


Schon wieder stricken. Weihnachten kommt ja bald und deshalb muss die Geschenkproduktion laufen. Dabei Dokus ansehen.


 Abendessen! Kürbis-Kartoffelbrei mit Spiegelei und Salat. Ich liebe Kartoffeln. Und weiches Eigelb.


Thematisch passend zum Tag haben wir uns Stolz und Vorurteil und Zombies angesehen. Definitiv unterhaltsamer als die klassische Variante ohne Zombies!


Podcasten und - wie sollte es anders sein - dabei stricken.


Irgendwie habe ich es danach voll verpasst, ein Bild davon zu machen, wie ich Zahnpasta auf die Bürste schmiere und mich im Anschluss bettfertig in den Kissen versenke. Aber auch wenn es keine Beweisbilder gibt: ich bin danach einfach nur eingeschlafen.

Für weitere Beiträge zum #PMDD24 könnt ihr dieses Dokument durchforsten. Viel Spaß beim Stalken!