Samstag, 17. September 2016

True colours

Wir müssen reden. Und zwar über das Thema Vertrauen.
An sich bin ich ein Mensch, der relativ schnell Vertrauen fasst. Das hat sich über Jahre bei mir bewährt und ich könnte kein wirkliches Beispiel benennen, wo es mir im Nachhinein tatsächlich mal auf die Füße gefallen ist, jemandem zu vertrauen. Bis jetzt.

Mir ist klar, dass Menschen nicht immer die Wahrheit sagen. Mal aus Bequemlichkeit, mal aus sozialem Druck. Wer will oberflächlichen Bekannten auf die Frage, wie es einem ginge, auch schon all seine Sorgen und Hoffnungen eröffnen? Es ist in dem Moment sehr viel einfacher zu sagen, es ginge einem gut. Das ist eine der gesellschaftlich akzeptiertesten Lügen überhaupt. So sehr, dass ich mich oft frage, warum Menschen diese Frage überhaupt noch stellen, ohne eine wirkliche Antwort zu wollen. Aber darum geht es nicht.

Viel mehr geht es darum, Menschen eine klare Frage mit den Antwortmöglichkeiten ja oder nein zu stellen und auch wenn ja der Realität entspräche, antworten sie mit nein. Daraufhin verhält man sich, als wäre Antwort ja die Realität und am Ende steht man da und wundert sich, wieso die andere Person sich nicht auch langfristig passend dazu verhält, wie sie geantwortet hat.
Tl;dr: ich wurde ganz bewusst angelogen, sodass der andere Vorteile daraus ziehen konnte.

Für mich hat sich daraus kein wirklicher Schaden ergeben bis auf die Verunsicherung, ob ich anderen eigentlich überhaupt noch vertrauen sollte. Offen gesagt habe ich bei privaten Personen, die mir nicht gerade etwas verkaufen wollten, um Geld bettelten oder mir davon erzählten, wie Jehova uns alle vorm Armageddon retten würde, wenn ich sofort beitreten würde, nahezu immer vertraut. Nicht unbedingt so sehr, dass ich sie sofort mit meiner Geldbörse los geschickt hätte, um uns ein Eis zu holen, aber doch so, dass ich annahm, sie würden mir nicht bewusst über relevante Dingen ins Gesicht lügen.

Diese Erfahrung hat eine ganze Kette von Überlegungen angestoßen. Ich bin gedanklich verschiedene Punkte abgegangen, in denen ich Menschen einfach immer geglaubt habe, was sie mir erzählten.
Antworten auf die Frage, wo sie waren. Antworten auf die Frage, ob sie daran gedacht haben, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Antworten auf meine Frage, nach ihrer Meinung zu einem gewissen Thema. Es ließe sich unendlich fortsetzen.

Was mir klar wurde ist, dass Vertrauen die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens ist. All die Angelegenheiten, in denen wir unserem Gegenüber nicht vertrauen, werden vertraglich geregelt, um quasi Vertrauen zu erzwingen, indem man ein juristisch gültiges Abkommen schließt, das mit Konsequenzen droht, wenn das Übereinkommen nicht eingehalten wird. Das ist für finanzielle Dinge vielleicht hilfreich, doch im privaten Bereich möchte ich mir Vertrauen nicht mit solchen Mitteln erkaufen müssen. Es hinterlässt einfach einen bitteren Beigeschmack zu wissen, dass jemand vielleicht auch nur wegen einer bindenden Abmachung sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält.
Weil Vertrauen so basal ist, weiß ich, dass ich in Zukunft nicht darauf verzichten können werde und es auch nicht will. Trotzdem ist es bitter zu realisieren, dass man auf Grundlage einer Lüge, die man nicht hinterfragt hat, für eine gewisse Zeit ein Vertrauen aufgebaut hat.

Man lernt nie aus im Leben. Man muss nur aufpassen, dass man dabei nicht zu verbittert wird.
Ich hoffe, dass ich so etwas nicht so bald wieder erleben muss. Es verunsichert einen nur und und schadet so viel mehr als der Urheber sich im Moment seiner unwahren Äußerung hätte vorstellen können. Also überlegt, was ihr anderen erzählt und wem ihr vertraut.

Dienstag, 6. September 2016

Zu viel des Guten: Gedanken zur Selbstkritik

Baden gewesen, Bikini getragen, Bilder davon gemacht. Heute bin ich dazu gekommen, mir diese Bilder anzusehen und es war grässlich. Nicht mal, weil ich so furchtbar aussehe, sondern weil mir klar wurde, wie schrecklich kritisch und gemein ich mir selbst gegenüber bin.

Andere sehen auf den Fotos am See einen glücklichen Moment des Sommers. Ich sehe platt herabhängendes, zotteliges Haar, eine schief auf der Nase hängende Brille, mein breitestes Zahnfleischlächeln (kann ich denn nicht einmal normal lächeln wie jeder andere auch?!), Hautunreinheiten und eine schreckliche Speckfalte, weil ich mich auf dem Bild natürlich maximal nach vorn beugen muss. Boah und dann auch noch auf allen Fotos diese zusammengekniffenen Augen! Das kommt davon, wenn man sich gegen das Sonnenlicht fotografieren lässt.
Noch dazu betont das Licht so schön meine Ganzkörper-Tiefenweiße, die wahrscheinlich noch die Passagiere der Flugzeuge über mir blendet. Wobei die Blässe der Teil des Gesamtbildes ist, mit dem ich mich dann noch am meisten anfreunden kann.

Es ist schrecklich, meinen Gedanken zuzuhören, die Bilder von mir auseinandernehmen und darüber her ziehen. Jede Schwachstelle, jeder Fehler wird diskutiert. Aber warum nur? Freude macht es mir nicht, doch ich kann diese Gedankengänge auch nur schwer unterdrücken, wenn ich Bilder, Texte oder Audioaufnahmen von mir in die Finger bekomme.

Manchmal denke ich mir, dass wir uns selbst so streng betrachten, damit es kein anderer tut. Wenn wir selbst jeden unserer Fehler gnadenlos beleuchten und analysieren, können wir ihn beheben und so eventuell vor anderen verbergen, bevor es ihnen auch nur auffällt. Schließlich kritisieren wir uns still und heimlich in Gedanken und nicht öffentlich für andere hörbar.
Auch wenn diese Methode der Selbstanalyse mit nachfolgender "Problem"-optimierung funktionieren kann,  hinterlässt sie ein schlechtes Gefühl. Es macht das Verhältnis zur eigenen Person einfach nicht besser, wenn man sich Gedanken darüber macht, wie wohl jede Pore des eigenen Körpers auf andere wirkt. Sich mental selbst zu mobben ist wohl nie hilfreich - vor allem nicht fürs Selbstbewusstsein.

Schließlich bewerte ich Bilder anderer auch nicht so kritisch und fies wie meine eigenen. Bei anderen fixiere ich mich mehr auf das Gesamtbild, das dargestellte Ereignis und die Stimmung und nicht etwa darauf, ob ihre Brille dreckig und die Mascara verschmiert aussehen.
Dass man seine Wirkung auf die Umwelt so detailliert zu analysieren versucht, ist für mich auch ein Ausdruck davon, dass man sich selbst viel zu wichtig nimmt. Man ist aber nur das Zentrum seiner eigenen Handlungen und Entscheidungen, jedoch nicht das des Universums. Vergisst man manchmal auch zu schnell.

Was man nicht vergessen sollte: irgendwann werden diese Bilder Erinnerungen und wenn es gut läuft, werden es gute. Ein Sommertag am See, noch kein graues Haar in Sicht (egal ob nun zottelig oder perfekt geföhnt), kein Stress und so betrachtet sah man dann doch vielleicht nicht so furchtbar aus, wie man in dem Moment dachte und hätte gar keinen Grund gehabt, sich so viele Gedanken darüber zu machen.
So oft habe ich es schon von meinen Eltern, Großeltern, "älteren" Bekannten und ähnlichen gehört, dass sie sich ärgern, in ihren Teenagerzeiten und Zwanzigern so selbstunsicher gewesen zu sein, wozu sie rückblickend gar keinen Grund gehabt hätten. Sommersprossen, Pickel, Brillen, dicke Beine, die gar nicht wirklich dick sind und merkwürdige Mode, die irgendwann nur noch eine witzige Erinnerung werden, sind nichts, weshalb man sich selbst beschimpfen oder vor anderen verstecken muss. Sie alle meinten nur, sie wünschten sich, das früher erkannt zu haben und so nicht immer die blassen nicht ganz spindeldürren Beine auch im Hochsommer ständig unter langen Hosen versteckt, die Brillen für Bilder abgenommen (und dann mit zusammengekniffenen Augen weg von der Kamera geschaut) oder die Sommersprossen mit Schneckenschleim zu bleichen versucht zu haben.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf versuche ich auch, mir gegenüber nicht zu kritisch zu sein. Meistens klappt es ganz gut und ich traue mich trotz imperfekter Haut mit Unreinheiten auf dem Rücken im Sommer im Top raus, das die "Problematik" nicht komplett verbirgt oder trage kurze Hosen, die über den Knien enden obwohl meine Oberschenkel definitiv breiter sind als meine Waden. Einfach, weil es normal ist. Trotzdem kommentiere ich mental mein von mir als unpassend oder peinlich wahrgenommenes Verhalten und Aussehen dabei weiter. Es ist nicht so leicht, mit sich selbst im Gleichgewicht und voller Selbstbewusstsein zu sein. Selbstbewusstsein im Sinne von Selbstsicherheit und nicht Bewusstsein gegenüber der eigenen Fehler. Sich nicht in den Handlungen von der Selbstunsicherheit einschränken zu lassen ist zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Denn jeder Mensch hat Aspekte, die dem gesellschaftlichen Ideal nicht entsprechen und die ihn verunsichern. Nur fallen die einem bei anderen meist nicht auf, weil es eben nicht die eigenen sind und man einfach darüber hinweg sieht.

Mittwoch, 31. August 2016

Warum die Anzahl meiner Blogleser mir egal ist

Letztens bis ich auf einen Artikel gestoßen, der Bloggern helfen soll, mehr Leser zu gewinnen. Ganz interessiert fing ich an, ihn zu lesen und am Ende saß ich nur da und war beeindruckt, was man alles so tun könnte und angeblich dringend sollte, um seine Reichweite zu erweitern. Bleibt nur eine Frage: warum eigentlich?

In über fünf Jahren des Bloggens habe ich noch keine 200 Leser zusammen. Ehrlich gesagt habe ich nicht mal ganz auf dem Schirm, wie viele Leser ich überhaupt habe und wie viele davon Karteileichen sind. All das ist Ausdruck davon, dass es mir offensichtlich nicht wichtig ist, wie viele Abonnenten mein Blog nun hat. Wäre es für mich persönlich bedeutsam, hätte ich wahrscheinlich auch schon frustriert den Blog gelöscht.

Tja, da hätte ich mich wohl mal früher an die Tipps halten sollen.
Täglich posten und mir damit ordentlich Stress mit meinem Hobby machen. Regelmäßig Gewinnspiele dediziert nur für Leser veranstalten, um die gierige Meute zu zwingen, mich zu abonnieren, wenn sie etwas gewinnen wollen. Auch auf den anderen Social Media Kanälen hätte ich aktiver sein müssen und nicht nur meine blöden Gedanken teilen sollen, sondern vor allem Links zu meinen Blogposts. Das habe ich aber tatsächlich fast nie getan, weil ich einfach keinen bei Twitter oder Instagram zu spammen wollte. Immerhin steht der Link zu meinem Blog dort im Profil und wer interessiert ist, hätte ja selbst klicken können. Ohne, dass ich ihn davor endlos mit meiner Eigenwerbung nerve.

Was ich natürlich auch verpasst habe und so noch nicht mal tausend Leser habe, ist es, andere Blogs hier vorzustellen und deren Autoren dadurch im Austausch auf ihrer Plattform die Werbetrommel für meinen Blog rühren zu lassen.
Nicht mal eine Facebookfanseite, eine Visitenkarte oder gar Apfelkerne-Merchandise gibt es. Also ehrlich - ich könnte nie ein erfolgreicher Blogger werden.

Und das stört mich nicht im geringsten.
Denn was die Autoren der ganzen Tipps für mehr Bekanntheit im Internet nicht bedacht haben, ist, dass es vielleicht gar nicht das große Ziel eines jeden Bloggers ist, möglichst groß raus zu kommen. Auch wenn tendenziell mehr Leute ihren Blog zu einer lukrativen Einnahmequelle machen können, heißt es nicht, dass jeder das will. Verrückt, oder?

Tatsächlich sehe ich diese Seite einfach nur als Hobby an, als Möglichkeit, Gedanken und Ideen zu teilen sowie im besten Fall eine Rückmeldung von jemand anderem dazu zu bekommen. Ob derjenige nun offiziell mein Leser ist oder nicht, ist mir dabei völlig gleich. Kommentare sind mir nämlich sehr viel mehr wert als Leserzahlen. Immerhin kann man "Leser" und Facebookfans auch einfach kaufen aber konstruktive, interessante Kommentare nicht.

Trotzdem sind Leserzahlen indirekt eine Möglichkeit, die Anzahl der Kommentare abzuschätzen - wird der Artikel häufiger gelesen, steigt immerhin die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende jemand kommentiert. Beim nächsten Post dazu, wie man seine Leser dazu bringt, mehr zu kommentieren, werde ich dann aufmerksam lesen. Denn ich strebe nicht nach der größten möglichen Anzahl an Lesern, sondern nach einem regen Austausch.

Freitag, 26. August 2016

Drei Ersatzhosen weniger: woran minimalistisches Packen bei mir scheiterete

Eigentlich sollte ich jetzt für meinen Besuch der Minimal-Kon am Wochenende in Essen packen, doch ich kann einfach nicht aufhören, über das Packen nachzudenken. Da ich in diesem Monat bereits zwei mal außerhalb des Landes gereist bin, hatte ich auch schon ausreichend Gelegenheit, Taschen zu packen. Dabei ist mir rückblickend gerade etwas aufgefallen: die Anzahl der Übernachtungen beziehungsweise die Dauer der Reise scheint keinen Zusammenhang mit dem Gewicht des Gepäcks zu haben.

Zur Übersicht:
11 Tage Großbritannien - 6kg Handgepäck
14 Tage Island - 14kg Koffer
4 Tage Bulgarien - 7kg Koffer

Anscheinend habe ich das minimalistische Packen verlernt. Viel kälter als in Großbritannien war es in Island auch nicht, sodass besonders schwere wärmende Kleidung keinesfalls als Ausrede durchgehen kann. Und warum braucht man bitte so viel Kram für vier Tage in Bulgarien?!

Die Erklärung ist ganz simpel: minimalistisches Packen erfordert Sicherheit. Wenn man nur das einpacken möchte, was man wirklich braucht, muss man sich gewiss sein, damit auch alle Anforderungen an die Kleidung und die generelle Ausrüstung während der Reise abzudecken. Nicht noch mal zur Sicherheit eine eigentlich überflüssige Ersatzhose, ein Regencape, eine wasserfeste Hose und ein alternatives Outfit für warmes Wetter einzupacken, erfordert in gewisser Weise Mut. Denn man verzichtet damit quasi ganz bewusst auf die Reißleine.

Während der Reise in Großbritannien habe ich wirklich 100% des Tascheninhalts (nun ja, bis auf die Menstruationstasse und das Pflasterset, aber das geht absolut klar) gebraucht und war damit sehr zufrieden. In Island dagegen hatte ich mit der wasserfesten Hose, dem Regencape und Kleidung für den Fall, dass es mal wärmer würde, einfach zu viel unnötiges Zeug mit. Dabei wusste ich, dass mich keine Reittouren durch den Schlamm erwarteten, ich schon eh eine wasserfeste Jacke dabei hatte und es sowieso nicht über 18° werden würden. Aber man weiß ja nie - und mit diesem Spruch in Gedanken landete viel unnötiger Ballast im Koffer.

Für die Hochzeit, zu der ich in Bulgarien eingeladen war, hätte es absolut auch Handgepäck getan. Da ich aber auf Nagelschere, Taschenmesser (man weiß ja nie!!!), Deodorant zum Sprühen und Haarspray nicht verzichten wollte, entschied ich mich, das eh im Kombiticket enthaltene Gepäckstück zur Aufgabe zu nutzen, obwohl vom Gewicht und Format her auch ein Handgepäckstück ausgereicht hätte.
Die Beschränkungen zum Transport von Flüssigkeiten und spitzen Gegenständen schränken das Reisen allein mit Handgepäck schon ein. Ich würde nur ungern zwei Wochen ohne Nagelschere unterwegs sein. Und wer reist schon ohne Taschenmesser - vom Zubereiten von Mahlzeiten in Hostels ohne ordentliches Küchenequipment über das Sammeln von Pilzen bis hin zum Öffnen von Verpackungen braucht man einfach immer eins. Leider darf man es nur im Koffer transportieren. Ich würde offen gesagt aber auch nicht wollen, dass meine Mitreisenden im Flugzeug alle ein Taschenmesser hätten.

Zurück zum minimalistischen Packen. Es ist damit wie auch im minimalistischen Alltag: entscheidet man sich dagegen, für jedes Teil drei Ersatzstücke zu besitzen, hat man im Notfall weniger in Reserve, doch in der Realität des Alltags hat man einfach viel weniger Ballast, um den man sich kümmern muss. Und ehrlich gesagt: wie oft kommt es schon zu einem Notfall, in dem sich das jahrelange Lagern der Ersatzgummistiefel auszahlt? Eben.

Beim Packen fällt es auch leichter, auf zusätzliche Kleidungsstücke zu verzichten, wenn man selbstsicher ist. Zumindest war ich es für die Reise nach Bulgarien nicht, da ich einmal ein Outfit mit Hose und eins mit Rock für den Junggesellinnenabschied eingepackt hatte, um mich vor Ort noch an der Kleidungswahl meiner Mitreisenden orientieren zu können. Hätte ich nur mein Lieblingsoutfit eingepackt, hätte ich am Ende aber auch nichts anderes angezogen, als ich nun letztlich getragen habe. Tja. Absprache mit den anderen vorher hätte auch geholfen. Oder auch einfach auf mein Bauchgefühl zu hören und zu wissen, dass ich eh das anziehen möchte, was sich für mich bequemer anfühlt.

Fazit: man braucht keine dritte Ersatzhose und ein Regencape, wenn man schon eine wasserfeste Hose hat. Und man sollte das einpacken, worin man sich wohl fühlt ganz unabhängig von dem, was die anderen anziehen - immerhin muss man sich selbst wohl fühlen. Ach und man braucht auch nicht immer das größte und schönste Handtuch nur für den Fall, dass man mal baden gehen würde und das Hotel keine Handtücher anbietet.

Generell braucht man nicht so viel Scheiß - sowohl im Alltag als auch auf Reisen. Und damit mache ich mich auf, meinen kleinen Rucksack für das Wochenende zu packen. Auf dass er unter fünf Kilo Gewicht bleibt und ich nicht auf einen Koffer wechseln muss.

Mittwoch, 24. August 2016

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei

Hello again! Ich bin zurück aus dem Sommerloch; Prüfungen und Urlaub liegen hinter mir und ich komme nun endlich wieder dazu, all die Dinge, über die ich bloggen wollte, aufzuschreiben.
Kennt ihr das auch? Sobald man Zeit hat, fällt einem kaum ein großartiges Thema für einen Blogeintrag ein aber sobald das Hirn gestresst ist und man von einem Termin zum anderen rennt, kann man sich vor spontanen Eingebungen gar nicht mehr retten.
Nun aber zu einem Thema, das mich wirklich beschäftigt hat.

Denkt ihr ab und an über den Tod nach?
Im Medizinstudium kommt man nicht drum herum, sich über die verschiedenen Varianten zu sterben, genau zu informieren, doch dabei denke ich fast nie an meinen eigenen Tod. Weil es statistisch einfach noch nicht sehr wahrscheinlich ist, weil ich zu jung bin und nicht risikoreich genug lebe, um mir wirklich Sorgen machen zu müssen. Mit anderen Worten: ich mache mir wegen tausenden Dingen Gedanken aber in nächster Zeit zu sterben gehört definitiv nicht dazu. Und das ist eigentlich ein Fehler.

Nicht, weil ich jetzt entdeckt habe, dass es doch ernsthafte Gründe für mich gäbe, in naher Zukunft sterben zu müssen, sondern weil es jeglicher Statistik zu trotz doch einfach passieren kann.
Vor mehreren Wochen starb ein Kommilitone von mir ganz überraschend bei einem Verkehrsunfall. Einfach so. In einem Moment noch mitten im Alltag und dann - zack - Schädelhirntrauma, Koma, Organspender, Ende Gelände.
Es kam mir alles so unwirklich vor, als ich davon hörte. Dass dieser gesunde junge Mensch ganz plötzlich einfach nicht mehr da sein sollte, wollte mir nicht in den Kopf. Das war kein typisches die Einschläge kommen näher wie bei den Hochzeiten in meinem Umfeld - das ist einfach purer Zufall gewesen. Sowohl der Lottogewinn als auch der Blitz könnten aus heiterem Himmel jeden treffen. Wobei - für den Blitzschlag muss man sich nicht mal ein Los kaufen.

Was mir nachdem das beklemmende Gefühl und der Schock etwas abgeflaut waren klar wurde: man muss ganz klar damit rechnen, jeden Tag unerwartet sterben zu können. Natürlich steigt das Risiko dafür im Laufe der Zeit doch rein theoretisch ist es jederzeit möglich.
Diese Erkenntnis, die nicht neu aber bei den meisten bestens verdrängt ist, muss uns nicht unbedingt deprimieren, sondern kann uns auch motivieren.

Zum Beispiel dazu, Dinge nicht ewig heraus zu zögern und Gelegenheiten zu nutzen. Neue Dinge auszuprobieren, sich etwas trauen und allein reisen, einfach mal die Schüchternheit überwinden und seine Mitmenschen ansprechen und Prioritäten setzen.
Prioritäten sind für mich in dem Kontext Dinge, von denen ich und oder andere langfristig profitieren. Das ist dann eventuell nicht die Designertasche aus der neuesten Kollektion, die ich mir vom Ersparten in den Schrank stelle, sondern Erfahrungen wie spontane Treffen mit Freunden, Konzertbesuche oder Reisen sowie selbst geschaffene Dinge und Inhalte. Ich bin davon überzeugt, dass es den Wert von Wissen und Erfahrungen steigert, wenn man sie teilt. So haben alle mehr davon, wenn man nicht nur für sich selbst die schönsten Urlaubsbilder macht oder weiß, wie man pochierte Eier macht, die Scheinwerfer des Autos wechselt oder welche Sehenswürdigkeiten man bei einem Besuch in Prag auf keinen Fall verpassen sollte, sondern dieses Wissen teilt. Ob man das über Filme, Bücher, Blogs, Twitter, Instagram, Youtube oder anderweitig schafft, ist dabei völlig gleich.
Das Leben gewinnt an Bedeutung, wenn man es einerseits selbst mit Freude erlebt und andererseits dazu beitragen kann, dass andere durch das eigene Wirken wenn auch nur für einen kurzen Moment ein besseres Leben haben.

Dabei hilft es einfach zu wissen, dass man nicht endlos Zeit hat, all das, was man schaffen möchte, auf die Reihe zu bekommen. Nicht umsonst waren Vanitasstillleben vor gut 350 Jahren schwer angesagt und erinnerten daran, dass aller weltlicher Reichtum vergänglich ist. Auch der Spruch Memento mori (denke daran, dass du sterben wirst) schlägt genau in die gleiche Kerbe. Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei ist noch einmal inhaltlich identisch nur nicht halb so schön formuliert. Wie gesagt - diese Erkenntnis ist nicht neu, sondern nur für mich gerade noch einmal sehr deutlich geworden.
Also: Hintern hoch, den freien Tag nicht unbedingt mit Netflix vergammeln (denn ehrlich: was habe ich schon davon, wenn ich das komplette Angebot an Serien gesehen habe?) sondern etwas neues ausprobieren, Freunde treffen, Objekte oder Inhalte erschaffen, sich bewegen und etwas aus seiner Zeit machen. Natürlich kann nicht jeder Tag extrem produktiv sein aber man kann es zumindest versuchen.

Wenn das Leben endlos wäre, würde man wahrscheinlich auch probieren, produktiv zu sein und das beste für sich und andere daraus zu machen - allein schon, um sich eine Aufgaben und dem Leben einen Sinn zu geben. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass viele Menschen ein zielloses umher Driften in der Zeit genießen würden. Die Endlichkeit des Seins hilft uns auch daran zu erinnern, dass wir an einen Zeitverlauf gebunden sind und innerhalb dieses umsetzen müssen, was wir realisieren wollen oder es nie geschehen wird.

Wann habt ihr das letzte mal an die eigene Vergänglichkeit gedacht und wie geht ihr mit diesem Wissen um?



Sonntag, 31. Juli 2016

Bist du schon vegan oder ignorierst du noch?

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass ich ein kleines Selbstexperiment gemacht und mich eine Woche vegan ernährt habe. Etwa sieben Monate ist es her, dass ich von meinem Vorsatz fürs neue Jahr, weniger Tierprodukte zu konsumieren, geschrieben habe. Ja da stellt sich doch eine Frage: was ist denn daraus geworden?

Spoiler: aus mir ist bisher kein Veganer geworden. Ehrlich gesagt habe ich damit aber auch nicht gerechnet. Aber so ein paar Sachen haben sich getan.
Ich denke weiterhin, dass es ganz objektiv gesehen die gesündeste und ökonomisch effizienteste Ernährungsweise ist, auf tierische Produkte zu verzichten. Obst, Gemüse, Getreide - viel mehr braucht man nicht. Also ja, Wasser, Spurenelemente, Mineralien… aber ihr wisst schon, was ich meine. Nichts tierisches zumindest.

Wenn man es ganz sachlich betrachtet, ist es auch definitiv nicht angenehm, sich klar zu machen, dass Fleischkonsum letztlich Leichenkonsum ist. Und gruseliger Weise sehen tote Tiere anders als tote Pflanzen auch noch sehr ähnlich aus wie menschliche Leichen. Es ist schon seltsam, beim Zerlegen des Spanferkels die gleichen anatomischen Strukturen wie beim menschlichen Körper aus dem Präparierkurs zu finden. Und dann hat man plötzlich das Nervengeflecht des Plexus brachialis aus dem Spanferkel freigelegt, das exakt so aufgebaut ist wie der humane. Muss man das essen? Wie unangenehm. Das reicht schon, um mir ein ungutes Gefühl zu geben, wenn ich Fleisch esse.

So so, ich finde es also nicht nett, Leichenteile zu essen. Ja aber warum mache ich es denn trotzdem?!
Es gibt dafür zwei Gründe für mich und die sind alle beide durchweg egoistisch.

Nummer eins: leider schmeckt es mir einfach, ganz offen zugegeben.

Ich kann viele Dinge fleischlos ähnlich lecker kochen aber solche Dinge wie den puren Fleischgeschmack eines Rindersteaks oder gebratenen Lamms kann man einfach nicht imitieren. Sagen Kannibalen sowas sich verteidigend auch über Menschenfleisch und klingt das dann genauso grotesk?
Einerseits denke ich gerade an den vollen Geschmack eines medium gebratenen Rindersteaks und gleichzeitig frage ich mich, wie man nur so grausam sein kann, gern Teile von kleinen wolligen Lämmer zu essen. Ich bin ein großer Haufen Widersprüche und Zwiespalt, was Fleischessen angeht.

Nummer zwei: es schränkt mich ein, vegan zu leben. 

Es bedeutet nicht, dass man keine vielfältige Ernährung haben kann, die einem Genuss bereitet (das kann man nämlich definitiv), doch es fällt viel Spontanität weg. Nicht einfach mal am Buffet kosten, was gut aussieht, sondern immer vorher die Inhaltsstoffe erfragen. Man kann nicht einfach auf gut Glück in irgendein Restaurant gehen und etwas essen, weil der Salat vielleicht das einzige rein pflanzliche Gericht auf der Karte ist.
Noch blöder ist aber, dass ich damit meine eigenen Erlebnisse einschränke. Im Urlaub kann ich so nicht das landestypische nonvegane Gericht probieren, sondern muss immer Alternativen suchen. Die Alternativen müssen ja nicht schlecht sein, doch eigentlich würde ich noch viel lieber den frischen isländischen Fisch essen oder Haggis probieren. Es würde für mich einen persönlichen Verzicht bedeuten, mich in diesem Moment vegan zu ernähren und dafür ist der innere egoistische Schweinehund offen gestanden zu groß.

Generell ist es ein absolut rein egoistisches, rücksichtsloses Verhalten, Fleisch und andere tierische Produkte zu verzehren. Da muss man sich gar nichts anderes einreden. Man stellt sich damit ganz klar über die anderen Lebewesen und das nicht nur in irgendwelchen metaphorischen Weisen sondern ganz realistisch, da man durch die Entscheidung, was es zum Mittag gibt, deren Leben nachhaltig schädigt. Oder beendet. Nicht so nett.

Ihr seht: ich bin sehr gespalten, was den Konsum tierischer Produkte angeht. Insgeheim bin ich im Herzen ein kleiner Möchtegern-Veganer aber am Ende nur inkonsequent und egoistisch. Muss ich leider zugeben, denn das ist einfach die Wahrheit.

Solange es mich nicht einschränkt, treffe ich immer die Entscheidung für vegetarische oder vegane Lebensmittel. So gibt es bei uns in der WG ausschließlich Sojamilch statt Kuhmilch im Kühlschrank, Fleisch wird eh erst gar nicht gekauft und wenn ich für mich allein koche, dann in 98% der Fälle vegetarisch und oft auch vegan. Wenn da nicht Butter und Käse wären.
Zusätzlich zu Milchprodukten und Eiern kommt dann ungefähr jedes Wochenende ein soziales Essen, ein gemeinsames Essen mit Freunden und Familie. Und damit auch Situationen, in denen Fleisch serviert wird.

Sobald die Freunde nun zum Grillen einladen und mir den gegarten marinierten Brustkorb eines Schweins vorsetzen, ist es schnell vorbei mit all den rationalen Einsichten. Ich sage nicht nein zum Fleisch aber während ich esse und schuldbewusst feststelle, dass es mir schmeckt, notiere ich still, dass Schweine die exakt gleiche Anordnung der Zwischenrippenmuskulatur haben wie Menschen. Wie unangenehm.
So rein von der Vorstellung her, wäre ich im Präparierkurs des Studiums niemals auf die Idee gekommen, menschliche Leichen zu essen oder nur ansatzweise als potentielles Nahrungsmittel zu betrachten. Wie sind wir dann nur auf die absurde Idee gekommen, dass Tiere ein Nahrungsmittel wären? Ach ja, dieser Kampf ums Überleben und der Evolutionsdruck. Damals.

Nun sitze ich da und fühle mich schlecht dabei, Fleisch zu essen und gleichzeitig wäre es mir vor meinen omnivoren Freunden und Familienmitgliedern peinlich bis hin zu einem Grund für Spott, sich als Veganer oder auch nur Vegetarier zu outen. Das würde ja auch gleichzeitig bedeuten, dass ich mich selbst dauerhaft disziplinieren in meiner Ernährung einschränken müsste. In manchen Momenten würde sich es anfühlen wie Selbstbestrafung.

Ich wünschte, ich könnte mich durch Photosynthese ernähren. Auch wenn ich gern esse und das sehr genieße: es ist anstrengend, wenn Essen plötzlich zur moralischen Frage wird, die jedes mal aufs neue Entscheidungen und Schuldgefühle provoziert. Das Problem ist nur, dass ich nicht mehr ignorant genug bin, um guten Gewissens Fleisch essen zu können.