Mittwoch, 27. Dezember 2017

Von Festtagsmitgefühl und schlechtem Gewissen

Weihnachten ist eine wundervolle Zeit.
Eine Zeit, in der man Traditionen zelebriert und sich gegenseitig beschenkt - sowohl materiell als auch einfach dadurch, dass man dem anderen Zeit widmet. Es sind Tage, die sich weit entfernt vom Alltag anfühlen. Wie eine eigene kleine Welt.

Trotzdem gibt es Momente, in denen ich an den Weihnachtsfeiertagen aus der Blase der weihnachtlichen Glückseligkeit falle.
Am 24. Dezember auf dem Weg zu meiner Familie, habe ich das Haus verlassen und bin an den Pennern, die gefühlt 24/7 am Spätkauf vor der Haustür herum sitzen und Bier trinken, vorbei geradelt. Der Gepäckkorb meines Fahrrads voller liebevoll eingepackter Geschenke für die ganze Familie. Aus meinem großen Transportbeutel blitzten die Geschenkverpackungen teilweise hervor.
In diesem Moment hatte ich ein unfassbar mieses Bauchgefühl, weil ich hier mit einem Haufen Geschenke durch die Gegend ziehe, während den Pennern scheinbar nicht mehr als das Bier und die Zigarette in der Hand vergönnt war.

Ein Gedankenkarussell begann sich in mir zu drehen.
Sollte ich vielleicht nicht meine geliebte Familie und den Partner beschenken, sondern Menschen, die ich zwar nicht kenne, denen aber sonst gar nichts geschenkt wird? Muss ich mich jetzt dafür schämen, dass es mir so gut geht? Aber es ist ja auch nicht so, dass ich nichts dafür getan hätte, dass ich jetzt nicht auf der Straße hocke. Wobei - wer hat entschieden, dass ich in eine Familie hinein geboren werde, die mich fördert und mir ein Studium mitfinanzieren kann? Das ist nun nicht unbedingt mein Verdienst.
Darf ich unbeschwert feiern, wenn ich weiß, dass vor meiner Wohnung Menschen sitzen, denen es sehr wahrscheinlich nicht gut geht? Müsste ich jetzt nicht mindestens an irgendeinen Hilfsverein Geld spenden, um mein Gewissen wieder einigermaßen zu beruhigen?
Allerdings sehe ich selbige Menschen auch im restlichen Jahr regelmäßig mit Zigarette und dem Bier um sieben morgens und schüttle den Kopf über diesen Lebensstil. Ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn immerhin entscheidet jeder selbst, was er mit seinem Leben anstellt. Nur die Startbedingungen werden eben ganz unfair zufällig zugelost.

Und was nehme ich jetzt aus der Erfahrung mit? Also, außer dem schlechten Gewissen, dass es mir gut geht.
So ein bisschen denke ich mir, dass man sowieso nicht alle retten kann. Ich habe schon oft erlebt, dass Obdachlose bei Entlassung aus dem Krankenhaus nicht alle Sozialhelfer und deren Sprechstunden besuchen wollen, die man ihnen anbietet, sondern lieber draußen sind als sich in unser soziales System einzufügen. Vielleicht sind das Einzelfälle, die ich miterlebt habe. Vielleicht aber lachen die dreckigen Gestalten vorm Spätkauf auch darüber, wie wir Hausbewohner früh in die Kälte marschieren und abends nach einem Arbeitstag zurück kommen, während sie immer noch genüsslich ihr achtes Bier schlürfen und mit ihren Kumpels reden.

Mir ist aufgefallen, dass zu Weihnachten die Leute insgesamt freundlicher sind. Es wird mehr gegrüßt, es wird Platz gemacht, wenn man sein Fahrrad noch ins Radabteil der Bahn schieben will statt rum zu murren. Uns wird so viel Freundlichkeit, Liebe und Wärme zuteil, dass wir davon ein wenig abgeben wollen. Deshalb ignorieren wir auch die Bettler und Penner weniger als im restlichen Jahr, weil uns bewusst wird, wie gut es uns geht, selbst wenn wir manchmal denken, dass es besser sein könnte.
Aus diesem Erlebnis nehme ich ein gesteigertes Bewusstsein dafür mit, wie gut es mir geht. Ich bin gesund, habe ein fast abgeschlossenes Studium, eine wundervolle Familie, einen seelenverwandten Partner, eine Wohnung und gute Aussichten, was die Zukunft angeht. Klar ist mein Leben nicht perfekt, anstrengend, frustrierend und all das, was das Leben so sein kann. Aber ich sollte beim Beklagen kleiner alltäglicher Probleme nicht vergessen, dass es mir eigentlich richtig gut geht.

Dienstag, 5. Dezember 2017

To fu or not to fu

Ernährung ist manchmal ein ganz heikles Thema. Nur keinem auf die Füße treten. Deshalb bringe ich schon immer vegetarische oder vegane Speisen mit, wenn ich beipielsweise für Gruppen von Menschen koche. Aber nicht allen Omnivoren geht es so wie mir. Da gibt es nämlich noch die Tofuphobiker.

Ihr wisst schon: die "Ich brauche mein Fleisch!"-Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass eine Mahlzeit ohne Fleisch als richtige Mahlzeit zählen könnte.
Mit einer Gruppe von Menschen war ich in einem vegetarischen Restaurant brunchen. Es gab geniale Speisekreationen, die toll gewürzt waren. Aber eben fleischlos.
Linsensalat mit Senfdressing, der einem Eiersalat etwas ähnelte und super würzig war. Büffelmozarella und marinierte Paprikastreifen auf Brot, Nudeln an Kürbis-Walnuss Sauce mit lecker angemachtem Salat. Alles kein richtiges Essen, nichts, wovon man satt werden könnte. Und dann auch noch Räuchertofu, den man sich aufs Brot legen sollte? Barbarisch! Wo ist denn hier die Wurst?!

Ich kann verstehen, dass Tofu pur nicht das aufregendste Geschmackserlebnis ist. Wenn man keine Ahnung hat, wie man den schmackhaft zubereitet, ist der einfach fad. Ist er aber schon mundfertig zubereitet und das in wirklich leckerer Weise und wird aber aus Prinzip verschmäht, weil es eben Tofu ist, regt mich das einfach nur auf. Es ist so ignorant!
So auf einem unbekannte Speisen zu reagieren ist völlig übertrieben. Vielleicht ein Zeichen der Angst vor neuen Dingen? Ist es dann eine Angst, die sich bei diesen Menschen nicht nur auf Essen sondern auch alle anderen Bereiche des Lebens anwenden lässt?

Und was ist das überhaupt für ein Leben, in dem man ja nichts tut, was man nicht kennt und nur nichts in seinen Mund steckt, was die eigenen Großeltern nicht schon gegessen haben? Viel erleben wird man in einem solchen Dasein nicht. Tradition kann etwas unheimlich schönes sein. Sich kategorisch vor allem Unbekannten zu verschließen ist jedoch einfach nur dumm. Und dumme Menschen können furchtbare Zeitgenossen sein, weil sie an allem rum mäkeln, was sie nicht begreifen können oder sogar nicht einmal begreifen wollen.

Es heißt, Liebe ginge durch den Magen und das glaube ich gern. Ich denke, am Essen, das jemand kocht, wird sichtbar, was für ein Mensch derjenige ist. Gewohnheitstier oder kreativer Kopf, traditioneller Geist oder innovativ.
Die super faden Nudelsalate in meinem Leben aus Nudeln, Dosenerbsen, Fleischwurst und einem Glas Mayo als einzigen Zutaten kamen auch nicht unbedingt von den glücklichsten Menschen und das konnte man aus diesen traurigen Salaten auch heraus schmecken. Du bist wie du kochst… und wie du isst.
Deshalb bin ich spontan auch wenig begeistert, wenn erwachsene Menschen bestimmtes Essen ohne es probiert zu haben direkt ablehnen ohne ihm je eine Chance gegeben zu haben, weil es nicht ihren Vorstellungen entspricht. Damit tun sie weder sich noch dem Koch oder den übrigen Anwesenden einen Gefallen. Mit knurrendem aber zum Glück tofufreiem Magen steigt die Laune nicht, der Koch fragt sich, was er falsch gemacht hat und der Rest der Runde, der die von anderen verschmähte Kost zu schätzen weiß, fühlt sich unwohl, beim Essen beobachtet zu werden bis hin zu schuldig, dass einem das jetzt auch noch schmeckt während andere da sitzen und angewidert drein schauen.

Engstirnigkeit beim Essen bedeutet nicht, dass jemand mit Haselnussallergie nun wirklich definitiv keinen Nougat probieren will. Es heißt, dass man sinnlos und aus Prinzip für unbekannte Dinge nur Ablehnung, Vorurteile und Angst übrig hat. Ich glaube, dass diese Menschen technischen Neuerungen, fremden Kulturen und generell Neuerungen gegenüber auch wahrscheinlich weniger aufgeschlossen sind. Denn wenn Tofu einem schon Existenzängste bereitet, was macht man dann erst, wenn man auf Menschen mit anderen Gedanken als den eigenen trifft?!
Manchmal reicht es eben schon, mit Menschen eine Mahlzeit gemeinsam einzunehmen, um einschätzen zu können, was für Menschen sie sind.

Donnerstag, 9. November 2017

Picture or it didn't happen

Kürzlich war ich im Urlaub. Knapp zwei Wochen Portugal zur Erholung nach dem Staatsexamen. Gereist bin ich wieder einmal nur mit Handgepäck, denn warum sollte ich einen Koffer voller unnötigem Kram durchs ganze Land schleppen, wenn alles, was ich brauche, eh in einen Rucksack passt?

Was ich allerdings eingepackt habe, war eine Kamera. Denn auch wenn man keinen Koffer voller Souvenirs mit nach Hause bringen kann, so kann man noch immer versuchen, alles fotografisch festzuhalten. Und genau darüber möchte ich hier sprechen. Denn mir kommt es teilweise vor, als wären Erlebnisse nur etwas wert, wenn man sie dokumentiert.

Man kann noch so wortgewandt davon schwärmen, wie malerisch die Landschaft, wie fabelhaft das Essen oder wie wolkenlos blau der Himmel waren: in einem Bild kann man all das dem anderen direkt vor Augen führen. So sieht er die Eindrücke fast, als wäre er selbst da gewesen, kann alles auf seine eigene Art wahrnehmen und weiß dann definitiv, dass man mit den Schwärmereien vom Urlaub nicht übertreibt.
Ein Bild sagt schließlich mehr als tausend Worte. Picture or it didn't happen.

Das kann einen ganz schön unter Druck setzen, während des Urlaubs auch im richtigen Moment die Kamera mit der perfekten Einstellung in der idealen Perspektive aufs Motiv zu halten. Kann man sich eigentlich noch richtig entspannen, wenn man seinen Tag immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, man müsse für jeden Punkt auf der Reiseliste, ein vollendetes Bild schießen, verbringt? Sobald die Jagd nach DEM Foto die Reise dominiert, wäre die Entspannung zumindest für mich dahin.

Es heißt ja immer, man solle Erinnerungen sammeln statt Dinge anzuhäufen. Indirekt scheint das aber manchmal auch zu bedeuten, dass man Bilder von erinnerungswürdigen Momenten sammeln solle. Gern auch in digitaler Form, damit sich keine tatsächlichen Stapel von Dingen bilden, die man ja eigentlich nicht sammeln wollte. Alternativ kann man seine Erinnerungskollektion auch einfach bei Instagram hochladen. Aus dem alltäglichen Leben poste ich dort nicht wirklich viel, doch sobald ich auf Reisen bin, halte ich das gern fest und poste es dort.
Warum? Einerseits, um anderen zu zeigen, was es für tolle Orte gibt und sie so zu inspirieren, selbst zu reisen, andererseits aber auch, um selbst in einem Jahr durch meine Posts scrollen zu können und in dieser gekürzten Kurzfassung des Urlaubs mich an eben diesen zu erinnern ohne die riesige Datei aller Urlaubsbilder öffnen zu müssen.
Genauso liebe ich es auch, die Reiseeindrücke anderer auf Instagram zu sehen. Teilweise durchsuche ich die Seite auch aktiv einem Hashtag oder einer Lokalisierung folgend nach Tipps, wie ich meine eigene Reiseplanung optimieren kann. Selbst etwas zu posten ist also in gewisser Weise ein Weg, etwas zurück zu geben.
Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass ich sehr viel mehr auf der Jagd nach einem perfekten Bild bin, wenn ich weiß, dass ich am Ende des Tages einen Reiseeindruck posten möchte.
Look at me! Ich bin so verrückt, ich mache einfach Strandyoga
 während des Sonnenuntergangs. Position WC Ente.

Ist es falsch, möglichst schöne Bilder aufnehmen zu wollen?
In der Regel sind wir bemüht, ästhetisch ansprechende Dinge zu erschaffen. Soll heißen, dass man sich bei der Einrichtung seiner Wohnung nicht extra Mühe gibt, alles ungemütlich und chaotisch werden zu lassen, sondern dass das Ziel immer eine schöne, wohnliche Umgebung ist. Es entspricht einfach dem, was uns im Rahmen unserer Sozialisierung beigebracht wurde, darauf zu achten, dass wir positive, schöne Dinge tun. Schon bei der Vorstellung, extra die Wohnung zu verwüsten oder generell etwas zu zerstören, bekomme ich ein schlechtes Bauchgefühl. Und warum dann nicht gleich versuchen, das Optimum an Ästhetik raus zu holen, wenn man eh dabei ist, ein Foto zu machen?

Dann bleibt nur noch die Frage, wie viel Aufwand für ein schönes Bild angemessen ist. Ich würde nicht wollen, dass mein Reisegepäck nur aus Kameraequipment besteht und ich an jedem Meter Strand 20 Minuten verbringen müsste, um die perfekte Aufnahme der Aussicht zu machen. Angemessener Aufwand bedeutet in dem Kontext, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten relativ ansprechende Bilder mache, ohne dafür ewig das eigentliche Erleben unterbrechen zu müssen. Denn wenn wir zu sehr damit beschäftigt sind, den Moment bildlich einfangen zu wollen, ist es zu leicht, ihn dabei einfach zu verpassen.
Wie die coolen Kids, die bei Konzerten in der ersten Reihe stehen und statt zu tanzen Videoaufnahmen machen, die nie von jemandem angesehen werden. Außer vielleicht von ihnen selbst, um dann im Anschluss noch mal zu checken, wie eigentlich das Konzert war.

Wie perfektionistisch seid ihr mit euren Fotos? Könntet ihr euch vorstellen, zu reisen, ohne Bilder davon zu machen?

Donnerstag, 2. November 2017

#PMDD24


Hach ja, ich bin ein mieser Blogger. So viel im Leben erlebt, dass man nicht zum Bloggen kommt. Einen Sommer lang gelernt, Staatsexamen geschrieben, im Urlaub gewesen. Tausend Ideen für den Blog aber immer was anderes zu tun. Ich weiß, alles schlechte Ausreden, die keiner hören will. Also weiter zum eigentlichen Thema dieses Posts: es gab mal wieder einen Picture my day day! 

Der war am 31.10. und hätte entsprechend gruselig ausfallen können, doch meine persönliche Halloweenparty fand schon am Tag zuvor statt. Deshalb begann der Tag mit Ausschlafen. Schummrig - gemütliches Licht durch die Vorhänge lässt auch bei Tageslicht problemlos weiter schlafen, wenn man erst spät den Weg ins Bett gefunden hat.


Frühstück zu zweit mit Resten des Kürbiskäsekuchen-Brownies, den ich zur Party gebacken hatte.


Erst mal Bad putzen. Dann Schlafzimmerschubladen sortieren. Gutes Gefühl, schon etwas geschafft zu haben, stellt sich ein.


Gemüse mit Messer zerhackstücken.


Rote Bete schält man ausschließlich mit Handschuhen insofern man nicht wochenlang rosa Finger- und Nägel haben möchte. Ein Herz für Rote Bete!


Gemüse atomisieren.


Atomisiertes Gemüse kochen. Mit saurer Sahne und Gewürzen wird daraus Borschtsch.


Was ist ein Tag ohne Wolle? Also schön entspannt meine Souvenirwolle aus dem Urlaub anstricken.


Briefe fertig machen. Ich mag, dass man sich bei selbstgedruckten Marken witzige Motive aussuchen kann.


Spaziergang und Brief einwerfen.


Meinen guten Kumpel die Packstation besuchen und ein Paket einsacken.


Zurück zu Hause eine Runde Sport machen. Habe jetzt (zwei Tage später) noch immer Bauchmuskelkater. Ich mag Pilates.


Schon wieder stricken. Weihnachten kommt ja bald und deshalb muss die Geschenkproduktion laufen. Dabei Dokus ansehen.


 Abendessen! Kürbis-Kartoffelbrei mit Spiegelei und Salat. Ich liebe Kartoffeln. Und weiches Eigelb.


Thematisch passend zum Tag haben wir uns Stolz und Vorurteil und Zombies angesehen. Definitiv unterhaltsamer als die klassische Variante ohne Zombies!


Podcasten und - wie sollte es anders sein - dabei stricken.


Irgendwie habe ich es danach voll verpasst, ein Bild davon zu machen, wie ich Zahnpasta auf die Bürste schmiere und mich im Anschluss bettfertig in den Kissen versenke. Aber auch wenn es keine Beweisbilder gibt: ich bin danach einfach nur eingeschlafen.

Für weitere Beiträge zum #PMDD24 könnt ihr dieses Dokument durchforsten. Viel Spaß beim Stalken!

Montag, 28. August 2017

#PMDD23

Egal wie einfallslos man hinsichtlich neuer Blogbeiträge ist oder wie wenig Zeit man hat, seine tausend Ideen schriftlich festzuhalten: Picture my day day geht immer! Und so lasse ich es mir nicht nehmen, beim 23. PMDD dabei zu sein, nachdem ich den davor schon so glorreich verpasst habe. Hups.

Ach ja, hab ich eigentlich erwähnt, dass ich dieses mal auch fast verschlafen habe, meinen Tag in Bildern festzuhalten? Eigentlich stand der Termin im Kalender aber das heißt ja noch nicht, dass man das dann auch sieht. Zum Glück hat mich mein Freund in letzter Minute doch noch daran erinnert. Daher nur Bilder vom Bett und keine vom Frühstück, denn das war schon weg gemampft. Für die Vollständigkeit: es gab Müsli mit Sojamilch. Wie bei den letzten #PMDDs davor.


Spoiler: das Mittagessen hatte dann doch Kalorien.


Raus aus den Federn!


(Frühstücken, Zähne putzen, anziehen) Ab aufs Fahrrad Richtung Bibliothek.


Es geht in den Lesesaal. Gutes WLAN, vier Steckdosen pro Arbeitsplatz und helle Umgebung. Die Bibliothek ist echt ein guter Ort, um produktiv zu sein.


Bitte keine Steinzeittelefone in diesen Räumen!!!


Stunden vergehen, ich arbeite mich durch meine Lernkarten zur Vorbereitung auf das Staatsexamen im Oktober (#mimimi) und das spannendste, was zu fotografieren war, ist der Zwischenstopp auf dem Klo.


Geschafft! Und ab nach Hause.
Übrigens finde ich die automatischen Schließfächer echt genial, weil man sich nicht mehr ärgern muss, wenn man keine 1€ Münze dabei hat und niemand wechseln kann.


Zeit für einen dm Haul! Deren Auswahl an Bio Produkten mag ich sehr und mein Freund (vorher nie bei dm gewesen) kennt sich inzwischen schon so gut in deren Läden aus, dass ich ab und zu nur Einkaufslisten schreiben statt selbst hinzufahren muss, um einen Einkauf bei dm zu machen. 


Es ist halb drei und seit dem Frühstück habe ich nichts gegessen. Da ich kein Essen am Vortag vorbereitet habe und so ohne Verpflegung in der Bibliothek war, war ich daran selbst Schuld. Weil ich das Lernen aber nicht unterbrechen wollte, um Essen zu besorgen, habe ich den knurrenden Magen einfach mit Leitungswasser gefüllt, bis ich nach erledigtem Lernplan beim Lieblingsdönerladen um die Ecke Mittag für den Freund und mich einsammeln konnte. Muss schön sein, wenn man im Home Office arbeiten kann und dann noch Essen geliefert bekommt.


Noch ein paar Fragen aus alten Examina kreuzen. Irgendwann gab es dann Kardamom- Malzkaffee (mit ausreichend Sojamilch, damit es nicht mehr ansatzweise nach Kaffee schmeckt) und Kekse zur Motivation.


Nun zu den schönen Stunden des Tages! Wir haben Abendessen zubereitet, es in Dosen gepackt und sind zum nächsten Park geradelt.
Diese kleine Anhöhe habe ich meinen Freund dann übrigens nach dem Essen huckepack hoch getragen. Bestes Beintraining!


Picknick aufbauen…


… Picknick verspeisen! Hummus, Quinoabällchen (nach diesem tollen Rezept) und Salat mit Auberginen, Tomaten und Pilzen haben unter freiem Himmel gleich doppelt so gut geschmeckt.


Eine Runde Frisbee spielen nach dem Essen. Wusstet ihr eigentlich, dass es verdammt schwer ist, ein Bild von einer fliegenden Frisbeescheibe zu machen?


Auf dem Heimweg gibt es einen Platz mit Stangen zum Üben von Klimmzügen, Dips und weiteren Gymnastikübungen. Habe mir da gleich mal Schultermuskelkater für den nächsten Tag organisiert.


Dachtet ihr etwa, es gäbe einen PMDD bei mir ohne Strickcontent? Sicher nicht!
Stricktutorials schauen und dabei am eigenen Projekt weiter arbeiten.


Unscharfe Bilder von Zahnbürsten machen.


Und ab ins Bett!

Wieder ein Tag vorbei. Im Moment sind durch den Lernplan für das Staatsexamen UND das normale Leben meine Tage so gefüllt, dass ich richtig zu spüren bekomme, wie die Tage an mir vorbei rasen und ich immer wieder am Abend völlig erschöpft bin. Es ist schön, so viel an einem Tag zu schaffen aber gleichzeitig freue ich mich auch schon auf ein Leben mit ein wenig Freizeit nach dem Examen im Oktober. Und ich freue mich auf den nächsten #PMDD. Immer wieder spannend, seinen Tag festzuhalten!

Was habt ihr am Freitag so getrieben?

Mittwoch, 16. August 2017

Studentenleben: Das war's schon?!

Fast fünf Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal auf dem Campus der medizinischen Fakultät stand und ganz aufgeregt nach dem richtigen Büro für die Immatrikulation suchte. Nicht viel später war ich wieder total aufgeregt am selben Ort auf der Suche nach dem Hörsaal für meine erste Vorlesung des Studiums. Und dann verging die Zeit wie im Flug.

Irgendwann brauchte ich den Lageplan für die Veranstaltungsorte auf den verschiedenen Campi nicht mehr, konnte den pro Schale statt nach Gewicht abgerechneten Salat in der Mensa sehr hoch stapeln und wusste immer, wo das nächstgelegene Klo auf dem Campus war. Angekommen in diesem Studentenleben habe ich mich schnell an den Rhythmus von Semester - Prüfungsstress - Semesterferien/Pflichtpraktika gewöhnt und mein Leben gut damit arrangiert. Und auf einmal fällt dieses über fünf Jahre Medizinstudium wohl gepflegte Schema auseinander - denn ich bin im finalen Universitätssemester angekommen. Die letzte Pflichtveranstaltung liegt schon knapp zwei Monate zurück, die letzte Repetitoriumsveranstaltung nur drei Wochen. Dennoch kann ich es kaum fassen, dass ich den universitären Teil meines Studiums mit den ganzen furchtbar anstrengenden aber lehrreichen und oft faszinierenden Physiologie-, Anatomie- oder Biochemievorlesungen, Seminaren, Gruppenarbeiten und Untersuchungskursen durchlaufen und bestanden habe. Unendlich viel Detailwissen in mein Gehirn gestopft und locker die Hälfte davon wieder vergessen. Mal ehrlich, wozu soll ich später als Arzt mal den exakten Aufbau von Mikrotubuli kennen? Falls ich mal bei Wer wird Millionär teilnehme vielleicht. Und für jeden unwichtigen Fakt, den ich gelernt habe, gibt es vielleicht etwas wichtiges, von dem ich noch keine Ahnung habe.

Klar bin ich jetzt nach den gefühlt unendlichen Kursen und Rollenspielen super spitze in einfühlsamer Patientenkommunikation - aber nichtsdestotrotz habe ich ein wenig Angst, demnächst auf die Menschheit aka Patienten losgelassen zu werden. Theoretisch weiß ich so viel - aber wer garantiert mir, dass ich vor Aufregung nicht die Hälfte vergesse, wenn der Ernstfall kommt? Das Gute ist, dass man als Anfänger erst mal nie allein ist. Und dass nach dem Staatsexamen noch ein ganzes Jahr Pflichtpraktika für das Trainieren aller praktischen Skills und den täglichen Bürokratismus, über den man im Studium weniger viel lernt,  auf mich wartet.

Wie auch immer: unglaublich, dass fünf Jahre theoretisches Medizinstudium hinter mir liegen. Ich habe so viele fachbezogene Dinge gelernt aber auch herausgefunden, was für ein Mensch ich bin und was ich nicht will. Was man will, ist dann doch immer ein wenig schwieriger zu beantworten.
Da macht es mir jetzt nur Sorgen, dass ich noch nie durch eine Prüfung gefallen bin - denn meine Mutter sagt, mindestens einmal im Studium falle jeder durch. Im Staatsexamen würde ich aber ehrlich gesagt trotzdem am liebsten direkt bestehen und nicht ihre Prophezeiung erfüllen. Fände sie sicher auch cooler.

Deshalb hocke ich jetzt jeden Tag sehr asozial am Schreibtisch und arbeite den Lernplan ab. Nach über zwei Monaten habe ich bereits keine Lust mehr, weitere zwei Monate noch einmal nach dem Lernplan zu leben und sieben Tage die Woche nicht so viel anderes zu tun aber ich fürchte, dass es einfach so läuft, wenn man die passend als Hammerexamen betitelte Prüfung schaffen will.

Und selbst das Staatsexamen wird schneller vorbei sein als ich es mir momentan vorstellen kann. Wenn mir schon fünf Jahre Studium so kurz vorkommen, dann dauert das Staatsexamen ja wirklich nur einen Lidschlag lang. Hoffen wir mal, dass das alles klappt. Und jetzt bitte nicht mehr wundern, warum hier nicht so viel passiert: Ich bin sehr beschäftigt, jede Menge Fakten in mein Gedächtnis zu prügeln und im Anschluss hysterisch lachend Panikattacken beim Blick auf den Kalender zu bekommen.