Montag, 30. September 2013

Freunde bleiben

Es gibt Punkte im Leben, an denen die Wege von Menschen, die bisher ihren Lebensweg zu großen Strecken zusammen gegangen sind, sich trennen. Und fast immer gibt es an dieser Stelle das Versprechen Freunde zu bleiben. Doch wie soll das funktionieren, wenn man sich von einander entfernt?

Nach dem Abitur fing ich an zu studieren. Meine engsten Freunde begannen ein Studium, ein freiwilliges soziales Jahr, Praktika. Wirklich weit weg zog vorerst niemand. Der Abiball war kein wirklicher Abschied, denn wir waren der Annahme, dass man sich weiterhin häufig sehen würden. Tja, aber da war kein Schultag, bei dem es spätestens in den Pausen die Gelegenheit gab, sich zusammen zu setzten und zu reden. Man sah sich selten. Das Studium forderte mich zeitlich und geistig sehr, dazu kam noch eine Fernbeziehung.
Da die Aussage, man hätte keine Zeit nie stimmt, sondern einfach nur bedeutet, dass man sich keine Zeit nehmen möchte, muss ich zugeben, dass ich genau das tat. Viel zu selten traf ich meine Freunde aus Schulzeiten. Man entfremdete sich. Die Treffen waren selten und nicht wirklich wie die in den vergangenen Zeiten.

Es ging so weit, dass eine mir sonst sehr nahe Freundin als wir auf einer Geburtstagsfeier doch wieder einmal aufeinander trafen, die sonst übliche freundschaftliche Umarmung ablehnte. Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen und war gleichzeitig erschrocken über mich selbst. Wie hatte ich die Freundschaften vor lauter Beschäftigung mit meinem eigenen Leben, dem Studium, der Beziehung so schleifen lassen können?

Von da an bemühte ich mich mehr, Treffen stattfinden zu lassen und sagte vor allem nicht direkt ab, nur weil ich mich drei Wochen vor den Prüfungen unbedingt vorbereiten wollte. Die paar Stunden hat man dann doch. Und vor allem sind sie es wert: ich hatte erkannt, dass Freundschaften nicht automatisch weiter leben, sondern man etwas dafür tun muss. Denn Freundschaften können vielleicht kompliziert sein, doch echte Freundschaften sind einfach unglaublich wertvoll.

Wirklich revolutionär ist die Erkenntnis nicht und nach zwanzig Lebensjahren hätte man das schon früher bemerken können.
In meiner Vergangenheit hatte ich ganz automatisch allein durch die räumliche Nähe der Wohnorte und der Schule ganz natürlich sehr regelmäßigen Kontakt mit nahezu allen meinen Freunden. Man musste sich nicht wirklich darum kümmern, Freundschaften zu erhalten. Es ergab sich von allein.

Jetzt kann ich auf die letzten Monate zurück blicken und sagen, dass es sich gelohnt hat. Mit der Freundin, welche die Umarmung ablehnte, war ich sogar in diesem Monat zusammen für ein paar Tage an die Ostsee gefahren. Spontane Filmabende, im dunkeln Geocachen, Mädelsabende - es ist fast wie früher, nur dass ich das alles jetzt sehr viel besser zu schätzen weiß und es mich deutlich glücklicher macht, solche Freunde zu haben.
Nun wird eine enge Freundin für das Studium umziehen. Nicht unglaublich weit weg aber zu weit weg für spontane Treffen. Ich möchte den Kontakt unbedingt halten, übers Wochenende zu ihr fahren. Die Idee, gemeinsam an ihrem neuen Wohnort ein Konzert zu besuchen, steht schon.
Das Versprechen, Freunde zu bleiben gebe ich dennoch lieber nicht. Einfach weil es so oft dahin gesagt wird, ohne gemeint zu sein.

Und selbst wenn es aufrichtig gesagt wird - es hat einen bitteren Beigeschmack.
Das wurde mir erst einige Tage nachdem ich genau diese Formulierung nach einer Trennung an den ehemaligen Partner gerichtet habe, wirklich bewusst.
Man weiß nicht, wie es nach so einer Trennung, die dann doch ganz anders ist als das nicht mehr täglich in der Schule treffen mit den Freunden ist. Immerhin war das Verhältnis zueinander ein ganz anderes.
Es war kein offener Streit, in dem wir uns trennten. Kommunikationsprobleme gab es vorher schon zu Genüge.
Ich war mir nicht sicher, ob dieses Freunde bleiben funktionieren würde. In den ersten Wochen nach der Trennung sah es aus, als wäre es unmöglich und es würde auf Dauer eisiges Schweigen herrschen. Wir haben viel zu verkrampft versucht, dieses Versprechen der Freundschaft einzuhalten. Ständig Chats, die aber nahezu immer in Streits umschlugen und teilweise von bitteren Tränen begleitet wurden. Danach kam wirklich Schweigen. Schweigen und Verdrängung.
Es sieht besser aus jetzt. Trotzdem lässt sich nicht sagen, wie es sich entwickelt.

Ich habe aus den beiden Varianten des Freunde bleiben wollens aber etwas gelernt: man darf den Kontakt weder vernachlässigen noch zu verkrampft halten. Freunde brauchen Zeit zusammen aber genauso auch Zeit für sich selbst. Doch egal wie sehr man sich an irgendwelche Verhaltens- und Kommunikationsregeln hält - erzwingen kann man nichts. Auch das Glücklichsein nicht.

Für mich war die Entscheidung, mehr Zeit in meine Freunde zu investieren, absolut richtig. Für mich war auch die Entscheidung zur Trennung die richtige. Ich bin an beiden Erfahrungen gewachsen und jetzt glücklicher.

Apfelkern

Sonntag, 15. September 2013

Ambitionen, adipös zu werden?

Na dann habe ich doch das passende Rezept dazu: unverschämt saftig-schokoladige Brownies mit knackigen Nüssen und einem geschätzten Nährwert, der sie dafür qualifiziert, in Überlebenspakete für Schiffbrüchige gepackt zu werden. Aber ab und an kann man sich so etwas ja gönnen… und um nur halb so fett zu werden auch gern mit seinen Mitmenschen teilen. Für mich war die Wohnungs-Einweihungsfeier einer Freundin die optimale Gelegenheit, mein liebstes Brownie Rezept noch einmal hervor zu holen.

Zuerst einmal hackt ihr 225g dunkle Kouvertüre kurz und klein und schmelzt sie zusammen mit 200g Butter im Wasserbad.
Während alles fröhlich vor sich hin schmilzt, könnt ihr schon einmal 5 Eier mit 300g Zucker, einem Päckchen Vanillezucker und etwas Salz mit Hilfe des Handrührgerätes richtig schön weiß-schaumig aufschlagen. Das Schokoladen-Butter Gemisch wird jetzt langsam in die Eiermasse gegossen wobei ihr permanent weiter rühren solltet, um zu verhindern, dass ihr plötzlich Schoko-Rührei in der Schüssel habt.

In diese (abstoßend leckere) Mischung werden jetzt 160g Mehl und 30g Kakao sowie 1 Esslöffel Backpulver gesiebt. Sobald alles gleichmäßig verrührt ist, hebt ihr noch ca. 150g gehackte Nüsse eurer Wahl unter. Walnüsse sind der Klassiker für Brownies, doch da davon nicht genug im Haus waren, ergänzte ich das Rezept mit gehackten Mandeln, was auch absolut lecker war.

Dann muss der Teig einfach nur noch auf ein kleineres Backblech (damit sie nicht ganz so flach werden) gegeben werden und bei 180°C ungefähr 30 Minuten gebacken werden, bis sie oben knusprig aber innen noch schön saftig sind. Abkühlen lassen, in Stücke schneiden und versuchen, nicht alle auf einmal zu vernaschen.

Und ehrlich: auch wenn ich keine routinierter Fressalien-Blogger bin, sollten diese Bilder doch reichen, um genügend Speichelfluss auszulösen, dass ihr euch in die Küche begebt und das Rezept nachbackt. Ein so simples und gleichzeitig abartig leckeres Rezept fällt einem schließlich nicht täglich vor die Füße…
Aha, das ist also die Maximalgröße für eingebettete Bilder…
Viel Erfolg und ein schokoladiges Vergnügen beim Nachbacken!

Apfelkern

Sonntag, 8. September 2013

Sparsamkeit bereichert mehr als nur finanziell

Wie hieß es in der Werbung immer so schön? Geiz ist geil.
Zwar ging mir die Werbung bald gehörig auf den Senkel, doch an ihrer Aussage ist in meinen Augen schon etwas dran.
Ich liebe es, die Prospekte von ALDI zu lesen, Angebote zu suchen und dann den tollen nachfüllbaren Klostein mit dem Gel, Vollkornmehlmischungen oder wie kürzlich wieder im Angebot, rote Linsen einzubunkern. Die Preise der Angebotsprodukte mit denen anderer Läden zu vergleichen und dann genau beziffern zu können, wie viel man spart, finde ich großartig. Als hätte man der Konsumgesellschaft ein Schnippchen geschlagen. Es ist jedes Mal ein kleiner Triumph

Günstig Vorräte kaufen, soweit man kann, Dinge selbst herstellen und Saisonware einkochen, einfrieren oder anderweitig konservieren, gehört definitiv auf gewisse Weise zu meinen Hobbys. Nicht umsonst habe ich eine inzwischen nicht kleine Marmeladen "Sammlung" zusammen getragen. Im Vergleich zu einem älteren Bild hat sie sich bestimmt verdoppelt obwohl wir regelmäßig Gläser davon verbrauchen. *hust*

So sehr, wie ich es liebe, besondere Schnäppchen zu finden, so wenig mag ich es, mehr Geld für Dinge auszugeben, als sie meiner Meinung nach Wert sind. Das klassische Beispiel dafür ist Mineralwasser.
Eigentlich ist es das preisgünstigste Getränk, dass man erwerben kann, doch sobald man in Restaurants oder hippen Cafés sitzt, kann man sich für Wasser dumm und dusselig zahlen. Einen halben Liter für vier Euro ist keine Seltenheit. Und immer wieder ärgere ich mich über diese Preise und nehme dann mit zusammengebissenen Zähnen zumindest nur ein kleines Wasser. Solche dreisten Preise möchte ich nämlich nicht unterstützen.

Ist das reiner Geiz? Ist das Sparwahn? Meistens komme ich mir mit meiner knauserigen Einstellung oft allein vor, denn andere schlagen bei den teuren Getränken in Restaurants auch mehrfach zu. Wenn ich weiß, dass ich die gleichen Produkte beziehungsweise die gleiche und vor allem gleichwertige Leistung in meiner Umgebung zu einem besseren Preis bekomme, dann möchte ich doch natürlich immer dieses kaufen statt der teuereren Variante. Es ist wie ein kleiner Wettbewerb, in dem ich der einzige Teilnehmer bin: so günstig wie möglich über die Runden zu kommen ohne dabei an Lebensqualität zu verlieren. Es ist nicht unbedingt der finanzielle Rahmen, der mich dazu drängt, sondern ich habe einfach Spaß daran.

Ab und zu kommt die Gelegenheit, sich im Leben etwas schönes zu gönnen. Ein Buch, ein hübsches Paar Ohrringe, eine Konzertkarte - egal, was das Objekt der Begierde ist, die Prozedur vor dem Kauf ist immer die gleiche.
Ich frage mich, ob ich das Buch, die Ohrringe, die Konzertkarte oder was auch immer wirklich brauche. Bin ich glücklicher, wenn ich Objekt X kaufe? Ist das Glück von kurzer Dauer oder werde ich mich tatsächlich lange daran erfreuen? Muss ich jetzt wirklich die soundsovielste Sporthose haben oder liegt die nur im Schrank rum, da ich eh schon genug habe?

Oft genug stellt sich heraus, dass ich mich nur kurzfristig belohnen oder motivieren möchte, den Kauf aber nicht wirklich tätigen wollte. Im Nachhinein erfüllt mich dann sogar eine gewisse Zufriedenheit, wenn ich bemerke, dass ich nur aus einer Laune heraus etwas gekauft hätte, das ich eigentlich gar nicht brauche. Wenn ich das aber dann doch noch verhindern konnte, habe ich Geld gespart und mülle mich nicht sinnlos mit irgendwelchen Besitztümern ein. Allein schon aus dem letzten Grund, kaufe ich oft lieber Erinnerungen in Form von Konzertkarten, Kinokarten, Museumsbesuchen und ähnlichen als Sachwerte zu bunkern. Reicht ja, dass der Keller voller Marmelade steht, den restlichen Stauraum muss ich ja nicht dringend füllen.

Ich persönlich denke, dass ein wenig Geiz und Überlegen vor dem Fällen einer Kaufentscheidung nicht schaden können. Geiz ist in meinen Augen nicht unbedingt etwas schlechtes, insofern man es nicht übertreibt, denn Geiz bedeutet, genauer über sein Konsumverhalten nachzudenken und nicht einfach stumpfsinnig alles auf Anhieb zu kaufen, das einem gefällt. Ich würde sagen, dass Sparsamkeit und ein wenig Geiz mich glücklicher machen. Ein bisschen Minimalismus kann das Leben doch gewaltig bereichern. Und nicht all das, was Freude macht, kostet Geld. Vieles davon ist kostenlos, man muss nur mal die Augen von den Konsumgütern nehmen und die Gelegenheiten sehen.

Apfelkern


Freitag, 16. August 2013

Das Leben ist nicht unbedingt kurz aber sehr endlich

Man ist so daran gewöhnt, jeden Tag morgens aufzuwachen, dass man kaum einen Gedanken daran verschwendet, wie es wäre, wenn es einmal nicht so wäre.
Vor ein paar Tagen bekam ich die Nachricht, dass ein Freund der Familie tödlich verunglückt ist. Es war kein alter Mensch, im Gegenteil: mittleres Alter, berufstätig, Familie. Und mitten während seines Urlaubs, wenn man die Zeit einfach genießt und maximal die Tage bis zum Ende der Ferienzeit zählt - tot.

Auch wenn ich durch das Studium und die Praktika im medizinischen Bereich häufiger als andere mit dem Thema Tod konfrontiert bin oder auch einmal Leichen sehe, war es ein Schock. Weil auch wenn man sieht, dass Fremde um einen herum krank sind oder sterben, denkt man nicht direkt daran, dass auch die von einem Tag zum nächsten nicht mehr sein können. Aber genau so ist es. Man selbst eingeschlossen.

Für mich war es nicht unbedingt der riesige persönliche Verlust, der mich so tief berührte. Es war die Erkenntnis, dass es jede Sekunde vorbei sein kann. Egal warum - das Licht könnte einfach ausgehen.
Wenn ich um genau diese Vergänglichkeit des Lebens weiß, möchte ich es genießen. Nicht ewig aufregen über immer wieder den gleichen Mist, sondern etwas ändern oder das, was mir so viel Energie und Lebensfreude raubt, loswerden oder falls das nicht möglich ist, dessen Auswirkungen so gut wie möglich eindämmen.
Einfach an den kleinen Dingen erfreuen, anderen ein Lächeln schenken und helfen. Nicht nur träumen sondern versuchen, es umzusetzen, denn ich habe nicht ewig Zeit, einen Traum zur Realität werden zu lassen.

Lieber über kleine Dinge hinweg sehen und sich freundschaftlich gut verstehen statt ewig nachtragend sein. Und auch nicht nur weil man wütend ist, andere anschreien um sich selbst kurz besser zu fühlen und anschließend das, was man durch den Streit angerichtet hat, lange wieder zu kitten versuchen. Die Beziehung zu meiner Schwester hat diese Taktik jedenfalls schon unglaublich verbessert.

Kurzum: es ist eine miese Idee, immer alles auf die Zukunft zu verschieben, den Mut nicht in der Gegenwart aufzubringen, etwas zu versuchen und es einfach auf die Zukunft zu verlegen aka es sowieso nicht zu realisieren. Das Leben ist viel zu endlich, um sich nicht auszuleben und unglücklich zu sein.
Schließlich möchte ich lieber als lebensfroher, glücklicher Mensch denn als phlegmatischer Muffel in Erinnerung bleiben. Außerdem macht es mich einfach glücklicher, das Leben mit all seinen faszinierenden Facetten zu genießen und nicht in ein paar Jahren zu bereuen, was ich alles verpasst habe.

Verdammt ja, es kommt ein wenig etwas ähnliches wie das YOLO Feeling auf. Nur muss ich das ja nicht so nennen und auf Shirts durch die Welt tragen, sondern kann es einfach umsetzen.

Apfelkern

Montag, 12. August 2013

Ich möchte bloggen und nicht meine Seele verkaufen

Warum bloggt ihr eigentlich?
Für Ruhm, Ehre, Leserzahlen und Testprodukte? Ist es vielleicht ein innerer Drag, der euch an die Tastaturen treibt? Oder ist es der maskierte Typ mit der Peitsche hinter euch?

Als mein inzwischen schon vorletzter (verdammt bin ich ein fleißiges Blogger Bienchen ... nicht) Post ganz plötzlich über 300 Seitenaufrufe hatte, war ich extrem überrascht. Vor allem, da es nicht nur irgendwelche Bots waren, die mir ihre Links in Kommentaren posten - denn die lassen keine ausführlichen durchdachten Kommentare zum Thema da.
Ich war, nun ja - geflasht. Doofes neumodisches Denglisch, doch das Wort trifft es. Mein kleiner Blog auf dem ich alle hundertdrei Jahre mal den Gedankenmüll aus meinem Hirn kippe hatte plötzlich regen Besuch. Sahnehäubchen: der Artikel wurde sogar auf Twitter empfohlen! Wow. Danke Caro. Und die Kirsche auf dem Sahnehäubchen war es, von Karmesin in ihrem Wochenrückblick erwähnt und verlinkt zu werden.

Hallo - sie hat mehr als tausend Leser!!! Aka: ich glaube, das gibt ordentlich Klicks. Die Leserzahl ist gleich mitgewachsen.
Das zu sehen erfüllt das Bloggerherz definitiv mit Freude und auch Stolz, tatsächlich etwas fabriziert zu haben, das offensichtlich den Nerv der Leserschaft trifft.
Und direkt nach der Freude kommt die Überlegung, wie man dafür sorgen kann, dass es kein einmaliges Hochgefühl war. Einmal von der Salmiak Lakritze gekostet und man will es immer wieder. Ihr wisst schon, was ich meine.

An der Stelle setzt der Druck ein - was, wenn ich es nicht mehr schaffe, ein Thema zu finden, das irgendwen interessiert? Beziehungsweise mehr als nur die üblichen treuen Leserseelen.
Das wäre die Stelle, an der ich mich fragte, wofür ich denn blogge. Für gigantische Leserzahlen, Kommentare ohne Ende und am besten obendrauf Testprodukte? Natürlich dürft ihr mir Lakritze, Tee und Yogamatten zum Testen zuschicken aber wenn der Preis dafür wäre, dass ich über jedes Produkt schreiben muss, tausende möglichst perfekte Bilder machen muss, ist es das nicht wert. Ich möchte bloggen und nicht meine Seele verkaufen.

Mit großer Macht kommt auch große Verantwortung. Habe ich erst mal einen gewissen Status als Blogger und meine 1000 Leser zusammen, muss ich zusehen, dass ich den Status erhalte. Regelmäßige Posts werden erwartet. Dabei sollte es auch ja nicht langweilig werden! Klar, feste Strukturen wie ein einheitliches Layout und jeden Sonntag ein Wochenrückblick sind erwünscht aber bitte bloß nicht dauernd über ähnliches posten sondern überraschen und unterhalten.

Wenn man schon dabei ist, Ansprüche zu stellen: für Massenunterhaltung braucht man Bildmaterial. Ist ja schön, dass du lange Texte schreiben kannst, die mit viel Glück einen Sinn ergeben, doch schon mal von TL;DR gehört? Ergo sind viele Bilder angesagt, um die Leserschaft bei Laune zu halten. Mit einer Digitalkamera oder gar einer Handykamera ist es natürlich nicht getan - Spiegelreflexkamera mit diversen Filtern, Linsen und natürlich Stativ sind das Minimalprogramm. Der Leser von heute hat Ansprüche.

Für die Kontinuität gibt es auch keine Ausnahmen. Prüfungszeit, Urlaub, Krankheit? Pustekuchen, es wird schön brav regelmäßig weiter gebloggt. Da kann man auch locker mal sein Wochenende damit verbringen, Posts für die kommende Woche vorzuschreiben, um unter der Woche nicht jeden Abend den Druck zu haben und mal mehr als fünf Stunden Schlaf zu bekommen.
Wenn der Blog nun täglich mit einem aufwendig geschriebenen, gut bebilderten Post versorgt ist, reicht das aber nicht. Da gibt es mehr Kanäle, auf denen man vertreten sein muss. Twitter, Instagram, YouTube, Facebook, Google Plus wollen auch täglich mit Informationen gefüttert werden, damit man die werten Follower auf allen Wegen ausreichend bespaßt.
Networking ist ebenso unerlässlich. Schön jedem etwas Honig ums Mündchen schmieren. Was denkt ihr denn, warum ich die beiden oben zum Dank für das Verbreiten eines Links zu meinem Post selbst verlinkt habe? Das ist Teil der Expansionspolitik. Das ist ganz klar eine Motivation für sie und andere, mich wieder zu verlinken, damit ich bekannter werde, mehr Menschen beeinflussen und die Weltherrschaft an mich reißen kann. Oder so in etwa.

Der Lohn sind Testprodukte ohne Ende, Einladungen zu exquisiten Blogger Veranstaltungen und Dinge, von denen Normalsterbliche wie ich nicht einmal ahnen, dass es sie gibt.

Und spätestens wenn man an diesem Punkt angelangt ist, hat das Bloggen den Status des Hobbys längst verloren und ist zur Vollzeitbeschäftigung geworden. 
Sorry Mutti, ich kann jetzt nicht mit dir reden und essen sowieso nicht. Ich muss den Teller aus fünf Perspektiven mit drei verschiedenen Linsen fotografieren, um ein ultimativ speichelförderndes Essensbild für meinen Wochenrückblick zu haben.

Ich möchte mein Leben nicht nach dem Blog ausrichten. Es ist toll, diese Plattform für Gedanken zu haben, eine Möglichkeit, Ideen und Überlegungen zu teilen wenn man möchte und Zeit dafür hat. Aber wenn man mal keine Lust und Zeit dafür hat, ist es eben auch in Ordnung. Das ist etwas, was ich extrem an einem kleinen Blog schätze: es gibt keine Erwartungshaltung, dass regelmäßig gepostet wird. Ganz frei kann ich schreiben wenn ich möchte und das auch worüber ich möchte und bekomme im Optimalfall noch Feedback dazu.

Dass Bloggen keine Verpflichtung ist, war mir auch nicht von Beginn an klar. Vor dem Urlaub saugte ich mir Themen aus den Fingern und wurstelte mehr schlecht als recht Beiträge zusammen. Sie bekamen kaum Klicks und Kommentare, denn sie waren auch einfach nicht gut. Man merkte ihnen an, dass ich sie schrieb um sie zu schreiben und keine Begeisterung oder der Wunsch, etwas bestimmtes mitzuteilen dahinter steckte.
Daher habe ich für mich beschlossen, nur zu schreiben, wenn mir das Thema regelrecht unter den Nägeln brennt und ich auch wirklich Motivation und Lust dazu habe. Anders kommt nur Murks heraus.
Wobei das jetzt auch keine Garantie ist, dass ich hier etwas anderes als wirren Gedankenquark fabriziere. Also mal ganz ruhig mit den Erwartungen.

Ich werde mit meinem Blog nicht reich und berühmt. Doch dafür kann ich ohne Erwartungsdruck der Leser, der Sponsoren und wem auch immer normal leben ohne Anfälle zu bekommen, weil ich meinen Post für heute nicht geschafft habe, sondern einfach glücklich sein. Und das ist mir sehr viel mehr wert als tausend Leser.

Apfelkern

Sonntag, 28. Juli 2013

Sommer, Sonne, Sonnenschein und ich schwitze wie ein Schwein…

Heute schon mal aus eurem kühlen Versteck im Keller gekommen und euch von der Hitzewelle überrollen lassen? Ich war so leichtsinnig, das Haus kurz zu verlassen und ich kann nur ein Fazit ziehen: ZU WARM!!! *schmelz*

Was soll man bei aktuell 30°C schon groß machen? Ach ja, für die Prüfung lernen. Hervorragendes Wetter, um sich Drüsenendstücke und Embryologie in den Kopf zu stopfen.

Da gibt es allerdings ein paar Strategien, die Abhilfe schaffen.

1. Die gute alte Spreizstellung inspiriert vom Tierreich. Einfach alle Viere von sich strecken, um eine möglichst große Oberfläche zur Abkühlung durch verdunstenden Schweiß freizulegen. Kann zwar in der Öffentlichkeit merkwürdige Reaktionen hervorrufen, ist aber ungeheuer effektiv. Ach ja, und Kleidung stört dabei natürlich nur.

2. Wenn wir schon bei der Oberflächenvergrößerung sind: versucht es mal mit größeren Körperanhängen. Größere Ohren bedeuten mehr Fläche, über die ihr Wärme abgeben könnt, ganz einfach. Allen'sche Regel heißt das Stichwort für Freunde der Ökologie.

3. Und gleich mal weiter in Richtung Ökologie. Oberfläche vergrößern und Volumen reduzieren heißt der ultimative Tipp. Weniger Volumen, das Wärme produziert und mehr Oberfläche, um die Wärme nach Außen abzugeben. Wachstumshormone und Radikaldiät können helfen, sind aber vielleicht nicht die wirklich alltagstaugliche Variante. Na ja, immerhin können sich die mageren Riesen über ihren Vorteil freuen - bis der Winter kommt und wieder alle mit mehr Volumen und kleinerer Oberfläche (weil Annäherung an Kugelform und so) dabei zusehen können, wie die mageren Riesen frieren. Gerecht verteiltes Leiden oder auch Bergmann'sche Regel nennt man den Spaß.

4. Melone aus dem Kühlschrank. Schön wasserhaltig und kühl. Und vor allem eine gut umsetzbare Abkühlungsmethode.

5. Sauft, ihr Narren! Literweise Tee und Wasser in sich hinein kippen, um sicher zu stellen, dass man nicht zur Trockenpflaume wird und die Nieren nicht in die Verlegenheit kommen, eine Siesta einzulegen, ist bei dem Wetter eine hervorragende Idee.

6. Fruchtkaltschale. Habe ich heute gemacht und wurde für lecker erklärt. Daher hier ein kleines Rezept für euch.

Kirschmassaker!
Zuerst benötigt man eine ordentliche Menge Früchte, je nach Personenzahl. Für drei Personen habe ich circa 500g Früchte verwendet. Dabei waren Sauerkirschen und rote Johannisbeeren aus dem Garten (hier der Grund, weshalb ich mich in meinem jugendlichen Leichtsinn in den Garten bewegt habe) sowie ein Glas Heidelbeeren. Alle Beeren in einen Topf werfen und mit etwas Wasser und Saft (ich habe schwarzen Johannisbeersaft verwendet) aufgießen bis die Füllhöhe um circa ein Drittel der vorherigen Füllhöhe gestiegen ist. Falls die Erklärung unverständlich und zu kompliziert war: einfach nach Gefühl reingießen.
Jetzt wird der ganze Fruchtsee aufgekocht. Ich habe noch eine Prise Salz und zwei Esslöffel Zucker hinzu gefügt. Die Zuckermenge könnt ihr natürlich je nach Früchten und Geschmack auch variieren. 25g Stärke (bei größeren Mengen Früchten und Flüssigkeit auch etwas mehr davon) mit etwas kaltem (!!!) Wasser oder Fruchtsaft verrühren und in die kochende Fruchtbrühe geben und weiter rühren, bis die Suppe zähflüssiger wird. Es ist quasi Pudding kochen ohne letztendlich die Viskosität von Pudding zu erreichen. Wollen wir aber auch gar nicht, da es ja Suppe werden soll. Ihr versteht schon, was ich meine.
Grießmasse
Die Suppe kann jetzt zum Abkühlen beiseite gestellt werden.

Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich: Grießnockerln als Suppeneinlage.
Sehen absolut nach Profi aus und sind eigentlich stinkeinfach zu machen.
Ihr kocht 250 ml Milch mit 2 El Butter auf, gebt 1/2 Teelöffel Salz, einen Esslöffel Zucker und etwas Vanillezucker hinzu. In die kochende Flüssigkeit werden dann 125g Weichweizengrieß eingerührt. Schön weiterrühren, bis ein sehr zäher Brei entstanden ist.
Liebling, ich habe Nocken gemacht!
In den dann möglichst schnell (damit sie nicht auf den Gedanken kommen, zu gerinnen und Rührei zu spielen) zwei Eier einrühren. Aus dieser noch immer recht festen Masse werden nun mit zwei kleinen Teelöffeln Nocken abgestochen (hihi, abgestochen!) und in leicht kochendes Wasser gegeben. Dort bleiben sie, bis sie an die Oberfläche aufsteigen, was ein Zeichen dafür ist, dass sie genug gelitten haben gar sind. Einfach heraus fischen und auf einen Teller zum Abkühlen legen.

Das große Finale besteht darin, die Suppe in Teller zu füllen und ein paar Grießnocken darauf anzurichten. Und dann kann losgemampft werden.
Ich hoffe, es schmeckt euch, falls ihr entscheidet, das Rezept zu probieren.

Liebe Grüße und nicht schmelzen,

Apfelkern

Ja, natürlich habe ich das erst nach Mitternacht geschrieben! Als ob ich mich bei den Tagestemperaturen mehr als nötig belasten würde…