Dienstag, 17. April 2012

They're picking up pieces of me

Ach ja, das waren noch Zeiten, als ich vor der Nachtruhe den Sandmann sah. Pickeldi und Frederik waren neben Pitti Platsch und Moppi meine absoluten Favriten vor dem Schlafen. Inzwischen sieht das ein wenig anders aus und daher werde ich Konnas Frage nach meiner Einschlafmusik nicht mit einer Folge mit Herrn Fuchs und Frau Elster beantworten.

Kurz bevor die Zeit sich Mitternacht nähert und ich müde werde, beginne ich mir langsamere Musikstücke anzuhören. Von Noah And The Whale, Sigur Rós oder The Tallest Man On Earth variiert die Auswahl, doch auch Podcasts höre ich mir am Abend gelegentlich an, wenn dazu die Zeit reicht.
Aber was ist das letzte Lied, das ich mir gern vor dem Löschen des Lichts zu Gemüte führen?

Vor ein paar Jahren hatte ich eine Phase, in der ich immer dieses Hey there Delilah ... hörte, wurde dem aber schnell überdrüssig. Ich mochte die Gitarrenmusik
Inzwischen ist mein absoluter Abendfavorit Kings Of Medicine von Placebo. Es ist langsam, fast bedächtig und endet in einer aufgelösten Zufriedenheit, die von Streichern untermalt wird. Besonders gefällt mir, dass diese Stimmung so konträr zum Text ist. Einsamkeit, Enttäuschung, Orientierungslosigkeit, Verzweiflung werden von siegesverheißenden Bläsern begleitet. Für mich ist es ein Lied, das wohlige Gänsehaut auslöst. Jetzt schon wieder.

Montag, 16. April 2012

Frauentausch war gestern

In einem Zeitalter der Vernetzung ist man völlig aufgeschmissen, wenn man keinen Zugang zu diesem Netzwerk hat.
Zumindest dachte ich bisher, dass kein Internetzugang das absolute Game-Over-Kriterium wäre, doch nun musste ich feststellen, dass das Arbeiten mit einem fremden Computer ähnlich verwirrend ist.

Meine Schwester konnte auf ihrem Laptop ein bestimmtes Video nicht abspielen und bat daher mich, ihr meinen Laptop zu geben. Klar doch. Im Gegenzug erlaubte sie mir, derweil ihren zu nutzen. Zur Sicherheit noch meine Chronik löschen und fein überall ausloggen, damit sie nicht doch noch meinen Blog findet oder Mails liest und dann hieß es bis bald liebstes MacBook.
Das Video lief auf meinem Computer und so wurde es ruhig in ihrem Zimmer. Ich nahm mir ihren Laptop und loggte mich in meinem Mailaccount ein, um eine Nachricht zu beantworten. Sagen wir so: ich wollte es zumindest.

Das kleine Touchpadfeld funktionierte in Kombination mit dem Klicken völlig anders, ständig landete ein Klick dort, wo er nicht hinsollte. Ich litt an akutem Phantomscollen: zwei Finger auf dem Berührfeld wischten in bester Gewohnheit nach unten, doch es bewegte sich nichts. Hä?!
Erst mal Musik anmachen. Ich drückte die Playtaste und nichts geschah. Ach, es war wohl einfach gerade kein Titel ausgewählt. Der Mauszeiger wanderte nach unten auf der Suche nach dem Dock. Nichts geschah. Also noch mal nach unten mit der Maus. Noch immer kein Dock in Sicht. Verflixt,  Ubuntu Betriebssystem und iTunes findet sich dort auch nicht. Na dann höre ich bei last.fm mein personalisiertes Radio an. URL eingegeben, eingeloggt, Radio gefunden - Enttäuschung: der Computer spielt es nicht ab. Frust. Pah, dann werde ich einfach auf YouTube Hintergrundmusik einschalten. Immerhin funktionierte das.

Die Mail wurde im Kampf mit der Klickfunktion und akutem Phantomscrollen sowie einem Problem beim Einfügen des @ (ALT+L - was bitte ist dein Problem, Laptop?!) geschrieben, dann entschied ich, meine Bilddateien ein wenig zu sortieren. So viel dazu - die lagern ja auf meinem Laptop.

Und so endete ich schließlich damit, einen frustrierten Post über die Verwirrung mit fremden Laptops zu schreiben. Davon abgesehen, dass man seine Daten ja übertragen kann und sich garantiert bald an ein anderes Betriebssystem gewöhnt hätte und damit das Problem überwunden hätte, hat es mich doch tief beeindruckt, wie sehr ich auf meinen Laptop eingestellt bin. Konkret darüber nachdenkend wundert es mich nicht: ich benutze ja auch keinen anderen Computer so regelmäßig wie diesen. Wahrscheinlich könnte ich ihn blind bedienen.

Es brachte mich auf die wahnwitzige Idee, für einen Tag einen Computertausch zu veranstalten, um einfach mal den festgefahrenen Alltag am Computer zu durchbrechen. Ganz nach dem bewährten Prinzip von RTL müsste man natürlich zwei ganz und gar nicht kompatible Modelle den Platz tauschen lassen, um möglichst viel Chaos zu stiften.

Nein, lieber nicht. Mir haben die Fehlklicke und das verzweifelte Phantomscrollen schon völlig gereicht. Der PC ist schließlich ein Gebrauchsgegenstand und hat zu funktionieren. Erschreckend, wie sehr man an den eigenen Computer gewöhnt ist. Früher wusste auch allein ich, wo man meinen alten Windows 2000 treten musste, damit dessen laut anschwellendes Surren aufhörte.

So sehr wie heute ist mir das noch nie aufgefallen, doch da nutzte ich auch stets statt eines fremden Laptops feste PCs, die sich anscheinend in der grundlegenden Bedienung nicht zu sehr unterscheiden. Durch die Maus fallen zumindest schon einmal die Schwierigkeiten beim Klicken und Scrollen weg.
Wie auch immer, ab sofort halte ich meinen Laptop an der kurzen Leine. Na gut, während der Schlafenszeit könnte ich ihn ja eventuell verborgen...

Doch da kommt auch schon das nächste Problem: will man das Gerät, das so viele Informationen über einen selbst von Aufsätzen über Rezepten, Reisebildern, Mails, Sprengsatzbauanleitungen und Musik enthält, wirklich verleihen? Dazu gehört entweder ein sehr großes Vertrauen, verschlüsselte Ordner oder eine sorgfältig gereinigte Festplatte. Obwohl - habe ich denn so brisante Daten auf meinem Laptop? Allein die mit dem Blog in Verbindung stehenden Daten würde ich ungern in meinem Umkreis verbreiten, denn sonst wäre ja die Anonymität dahin und Muttis mir als neuer Leser sicher.


Der Post endet hiermit abrupt, denn ich sehe gerade meinen Laptop zurückkehren. Komm zu Mami!
Zwischenspeichern, ausloggen, später veröffentlichen.

Mal so ganz plump:
Wie sieht es mit eurer Beziehung zu eurem Laptop aus?

Apfelkern

Sonntag, 15. April 2012

Keksö!

Seitdem ich bei einer Freundin in der siebenten Klasse zum ersten Mal amerikanische Cookies gekostet habe, war es um mich geschehen: diese zart zerbröselnde, mürbe Textur, dieses Goldbraun, die Schokoladenstücke - ein durchweg gelungener Beitrag zur ausgewogenen Ernährung!

Da sich meine Mutter aber weigerte, dieses teuflische Backwerk (gehärtetes Fett! Palmöl! reiner Zucker!) zu kaufen, fiel ich vor Freude stets fast in Ohnmacht, wenn diese Kekse irgendwo angeboten wurden. Andächtig knabberte ich bei Geburtstagen Cookies und bekam dadurch deutlich weniger von der eigentlichen Feier mit, weil ich wie hypnotisiert diese Kekse anstarrte. Nicht anders verhielt ich mich, sobald ich sie in der Werbung, Filmen oder fremden Mündern erblickte.

Es versteht sich von selbst, dass ich seit Ewigkeiten dem perfekten Cookie Rezept hinterherjage. Durch Dutzende, ach es müssen deutlich mehr sein, Rezepte habe ich mich gebacken und war von den Ergebnissen oft ganz erfreut und nur selten enttäuscht. Die originale Mürbe, den Biss und diese zarte Würze (was die Amis wohl für Aromastoffe haben...), die knackigen Stücken billiger schlecht konchierter Kouvertüre - das alles erreichte ich nie vollkommen.

Nicht einmal die Optik der leicht eingerissenen Oberfläche auf dem kompakt dicken Keks erreichte ich oft. Doch nun habe ich Hoffnung. Seht selbst:


Ganz nett, nicht übel, aber jetzt kommt es:


Oh ja. Zeig deine Schokoladenseite, Keks!

Gestern probierte ich zwei Rezepte aus, wovon eins durchschnittlich gut (also ja, die Kekse sind schon sehr lecker, doch nicht wie die gekauften...) und das andere durchschlagend war. Die Optik, die Textur, der Geschmack - all das ließ mich aufgeregt und fassungslos durch die Küche hüpfen. Sollte die Suche ein Ende haben?!
Na ja, sagen wir es so: die Suche kann schon allein deshalb nicht beendet sein, da die besonders gelungenen Kekse nicht klassische Chocolate Chips Cookies sind, sondern Cookies mit Erndüssen und Schokolade. Aber wenn ich einmal das Mysterium der Textur geknackt habe, sollte es mir auch mit anderen Zutaten möglich sein ...

Das Rezept:

1¼ cups all-purpose flour
½ cup unsweetened cocoa powder
1 teaspoon baking powder
½ teaspoon baking soda
½ teaspoon salt
½ cup (4 ounces) unsalted butter, at room temperature
¾ cup creamy peanut butter
2/3 cup light brown sugar
1/3 cup granulated sugar
2 eggs
2 teaspoons vanilla extract
1 cup semisweet chocolate chips
½ cup peanuts


Uuuh ja, abartige amerikanische Rezepte mit Zutaten, die eine anscheinend Mindestenergiedichte haben müssen.  Anders kann ich mir die fetten Kombinationen jedenfalls nicht erklären.

Mein Standardärgernis bei den amerikanischen Rezepten ist die Maßeinheit der Tassen. Unzen, Pfund, Gallonen und sonstigen in Zahlen beschreibbaren Krempel rechne ich gern um, doch was bitte ist eine "Tasse"? Ich weiß, dass es in Amerika genormte Tassen extra fürs Backen gibt, doch da ich diese nicht besitze, bin ich gezwungen, mit einer ganz normalen Tasse zu schätzen, was man über dem Teich wohl für eine Standartasse hält. Und nein, ich werde mir doch keine amerikanische Messtasse kaufen. Dieses Maßeinheitensystem unterstütze ich nicht.

Zuerst habe ich die Trockenzutaten (1.25 Tassen Mehl, eine halbe Tasse Kakao, 1Teelöffel Backpulver, einen halben Teelöffel Natron und einen halben Teelöffel Salz) zusammengestaubt und mich dabei wie Doktor Oetker beim Panschen von Fertigmischungen gefühlt.

Dann werden die 4 Unze Butter (etwa 60g) mit einer zu drei Vierteln mit Erdnussbutter gefüllten  Tasse, 2 Eiern und laut Rezept eineinviertel Tassen Zucker aufgeschlagen, doch ich habe "nur" eine halbe Tasse Zucker genommen. Im Nachhinein hat sich das als sehr richtig herausgestellt, denn so zuckeraffin wie der amerikanische ist mein Geschmack wohl doch nicht. Glück gehabt.
In die erschreckend leckere Masse mit den rohen Eiern werden 2 Teelöffel Vanilleextrakt gegeben. Nun mischt man die trockenen und die feuchten Zutaten zusammen.
Das Rezept fordert zusätzlich noch eine Tasse Schokotröpfchen, doch das war mir auch zu viel des Guten und so rührte ich nur die halbe Tasse gehackte Ernüsse unter. Der Teig ist recht fest, ich würde ihn als Knetteig bezeichnen wollen, was die Konsistenz angeht.
Was man nicht alles auf sich nimmt, um die typische amerikanische Cookie-Konsistenz zu imitieren.

Mit Fingerspitzengefühl habe ich aus dem Teig Schokomurmeln gerollt und diese anschließend bei 180°C in den Ofen geschoben.
Da saß ich dann bangend vor dem Ofen, hoffend, dass die Kekse großartig und wie gekauft schmecken würden und befürchtend, dass sie doch wieder mal nicht an die Fabrikkekse herankommen würden.

Warum bin ich eigentlich so scharf darauf, dass die mit Herzblut gebackenen Kekse wie maschinengerührte Fabrikware schmecken? Ist ganz logisch betrachtet unsinnig, doch ganz praktisch betrachtet mag ich anscheinend die synthetisierte Geschmackstoffsmischung der gekauften Kekse.

Langsam schmolzen die Teigkugeln und was erblickte mein hoffendes Auge? Die Kekse bekamen die typische rissige Oberfläche - boooyaaah!
So konnte ich es kaum erwarten, sie aus dem Ofen holen zu können. Ich ließ sie während des Auskühlens nicht aus den Augen und wagte schließlich kaum, sie zu kosten, nachdem ich sie so ehrfürchtig angesehen hatte.

Was soll ich sagen? Die Optik hat nicht zu viel versprochen - die Kekse waren knusprig und innen doch nicht staubtrocken, sondern saftig, tiefschokoladig und nussig zugleich. So wie man es sich vorstellt.
Es gibt nur einen Haken: das perfekte Rezept für die klassischen Chocolate Cookies habe ich damit noch immer nicht entschlüsselt, denn das waren ja gerade Chocolate Peanut Cookies Na ja, wenn ich statt des Kakaos die von der Backwirkung identische Stärke nehmen, die Erdnüsse durch Schokotropfen ersetzen würde....
Moment - was wäre dann mit der Erndussbutter?! Es müsste etwas cremiges sein, um den Flüssigkeitgehalt des Teiges gleich zu halten. Nutella vielleicht? Nee, dann würde es ja ein dunkler Teig.... mmh. Eine hochkomplexe Aufgabe, die mich angemessen fordert.

Da brauche ich wohl nur noch durch dreihundert weitere Versuche, um das Rezept in die Variante Chocolate Chip Cookie  umzuwandeln.

Eine Erkenntnis habe ich bis jetzt immerhin gewonnen:
Erdnüsse sind die Verkörperung des Bösen. Entweder, sie töten uns durch fiese Kreuzallergien oder wir sterben wegen ihnen an Fettsucht.

Darauf nehme ich doch gleich noch einen Keks.

Apfelkern

Donnerstag, 12. April 2012

Selbstangelegte Scheuklappen

Klare Formen, viel Licht und Weiß, Blüten und ein mit Seviettentechnik verziertes Tablett. Darauf Porzellan mit Goldrand vom Flohmarkt, ein Becher Bubble Tea, ein mit Liebe gebackener pompöser Cupcake, dessen gestern vorgestelltes Rezept natürlich verlinkt ist und ein aufgeschlagenes Buch. Irgendein Klassiker mit dekorativem Einband und individuellem Lesezeichen.
Das ist ein klassisches Motiv für die Bilder diverser Lifestyleblogs. Inspiration steht darunter.
Man zeigt Ordnung, Sauberkeit und Harmonie, sodass der Leser fast vergisst, dass die Welt nicht aussieht, als wäre sie dem IKEA Katalog entsprungen. Man fokussiert sich auf sorglose, angenehme Bilder und verschwendet keinen Gedanken daran, welches Chaos allein die Cupcakes in der Küche verursacht haben.

Es ist wie mit allem im Leben: wenn wir die Wahl haben, richten wir unseren Blick auf jegliche sich bietende scheinbar perfekte Idylle und ignorieren den dreckigen Rest. Schließlich ist es nur verständlich, wenn man sich angesichts eigener Probleme nicht noch mit denen anderer belasten will.

Nur weil wir für eine bevorstehende Feier bei unserer liebsten Restaurants das Catering bestellen wollten, verschlug es uns in ein kleines Einkaufszenrum, das wir lange nicht mehr besucht hatten. Durch zwei verschiedenen Baustellen war der Weg dorthin über ein Jahr lang fast völlig blockiert gewesen und so hatten wir wie viele andere längst schon Alternativen gefunden.
Der Zustand des Einkaufszentrums erschreckte: viele leerstehende Läden, in den noch existierenden war man mit dem Betreten dieser bester Kunde. Der Gang war verlassen. Es ist ein seltsames Gefühl, fast allein zwischen den löchrigen Ladenzeilen zu sein. So muss es sich wohl in einem Geisterhaus anfühlen.
Als wir an einem Geschäft vorbeiliefen, winkte uns eine einsame Verkäuferin gleich herein und versuchte vergeblich, uns für ihren Schmuck zu begeistern. Von ihr erfuhren wir auch, dass der Schlecker nebenan gerade geschlossen hätte, weil die Verkäuferin allein war und ihre Arbeitszeit für heute vorbei war, aber keine Ablösung kommen würde.

Das Gefühl des Unwohlseins beschlich uns alle, es drängte sich förmlich auf. Die Leere, die dunklen gescheiterten Geschäfte, die beobachtenden Augenpaare der Verkäufer - nichts davon versetzt den Kunden in Kauflaune. Da ist der fortschreitende Verfall nicht verwunderlich.
Die Kundschaft weicht einfach auf die anderen Einkaufszentren und Läden in der Umgebung aus - es gibt ja genug. Und so muss man sich auch nicht mit der Qual des Scheiterns befassen und sich von dem traurigen Anblick den Tag verderben lassen. Husch, husch - schnell zurück in den sauberen, gut ausgeleuchteten Teil der Welt.

Es ist angenehm, sich von dieser Darstellung blenden zu lassen. Auch mich drängt es nicht zurück in die verkommende Einkauspassage, wo es doch andere gibt. Als ob die EDEKA Filiale dort anders wäre - es sind einfach nur auffällig weniger Menschen dort und die Stille fühlt sich fast drückend an. Lieber in der Masse untertauchen, nicht über die Schattenseiten des Lebens nachdenken, nicht nachdenken.

Immer mehr immer prächtigere Dinge locken uns. Sechzig Einkaufszentren gibt es jetzt schon in Berlin. Sechzig.
Denkt man daran, dass es neben den großen Shoppingpalästen noch unzählige kleine und größere Geschäfte gibt, wird klar, dass es einfach zu viel ist. So viel wie dort angeboten wird, braucht niemand. Logisch, dass das Ziel des ewigen Wachstums, des endlosen Aufschwungs eine Lüge ist. Irgendwann hat man genug. Selbst mit einem gewissen Verschleiß und Gebrauchsgegenständen in der Kalkulation, ergibt sich für den Bedarf eine Sättigungskurve.
Aber nein, achtet nicht auf eure tatsächlichen Bedürfnisse - ein Fernseher ist nicht genug, Kleidung, Autos und Schuhe kann man sowieso nicht genug haben. Egal, ob es alles ungenutzt im vollgestopften Schrank verrottet - kauft ruhig. Schließlich ist es erste Bürgerpflicht, seinen Beitrag zum endlosen Wachstum zu leisten.

Es muss Verlierer geben, damit jemand gwinnen kann. An einer Stelle blüht es, weil an der anderen Stelle das Wasser fehlt. Und den vertrockneten Rasen sehen wir uns nicht an, wir wollen es nicht sehen. Die Sache mit der Gerechtigkeit lässt sich einfach schlecht umsetzen.

Mir ist ganz klar, dass dieses langsam zugrunde gehende Einkaufzentrum nur ein Beispiel unter vielen ist. Ich weiß, dass es nicht viel besser wird, nur weil wir Essen geordert und ein Paar Schuhe gekauft haben. Doch umso mehr ist mir dann die gestellte Idylle der florierenden Geschäfte zuwider. Das gehypte Produkt von heute wird bald in der Schublade verschwinden, um einem neueren, besseren Objekt der Begierde Platz zu machen.  Ich denke, dass dieses Handlungsmuster schon vielen augefallen und sie erschreckt hat. Trotzdem lockt der Glanz des Neuen. Alle haben es, also will ich auch.
Man spürt den Konsumdruck. Wie, du hast nicht das aktuelle iPhone?!
Und schon richtet man die begierig glänzenden Augen auf neue Dinge und wünscht sich etwas, das man nicht braucht. Man vergisst die eigentlichen Bedürfnisse und den gesunden Menschenverstand am liebsten gleich noch dazu. Alles, das an die Schattenseiten dieses Verhaltens erinnert, wird sorgsam ignoriert.
Clean, kosmopolitisch, modern - gern lassen wir uns von solchen Bildern verführen und begehren die Objekte darauf, in der Hoffnung, mit ihrem Besitz in die darin gezeigte Illusion eintauchen zu können.

Wird nix, nächster Wunsch. War alles so sehr Fassade wie ein guter Lifestyle Blog.


Dienstag, 10. April 2012

'Cause I'm nothing if you're not by my side

Es ging schnell: meine Wahl für das Thema Liebeserklärung des Projeks 52 von Konna in dieser Woche stand sofort fest. Aber ich habe den Themenvorschlag ja auch nicht ohne einen Song im Hinterkopf gemacht...

Wozu dann noch lange umherschwafeln? Außerdem ist die Chance, dass kürzere Posts gelesen werden, auch viel höher.

Das Lied habe ich wegen seines Texts ausgewählt. Die Dankbarkeit des Sängers lyrischen Ichs für die Beziehung ist so deutlich, dass dem Zuhörer der Wert dieser sehr klar wird. Herzerweichender Nu Metal. Man wünscht sich sofort einen Partner,  mit dem man solche Gefühle teilen kann. Verständnis, aufrichtige Liebe, Ergänzung.

Den Song lernte ich unabhängig vom Video kennen und war so ein wenig verwirrt von diesem. Schließlich hatte ich mir eher Action oder leidenschaftliche Szenen  vorgestellt statt traumatischer Krankenhauserlebnisse. Egal, es geht hier um die Musik, nicht das Video. Und der Text ist und bleibt kraftvoll-schmalzig-toll.






















Hach ja.
So ein Lied würde ich mir von jemandem natürlich auch gern widmen lassen.  Allerdings wäre auch ein aufrichtiger Liebesbrief völlig ausreichend.

Apfelkern



Montag, 9. April 2012

Was zu beantworten war

Drei Tage war ich nun vollkommen entnetzt, offline, auf mich allein gestellt. Ihr solltet davon wenig gemerkt haben - gedankt sei der Funktion des automatischen Veröffentlichens - für mich aber war die Entnetzung deutlich. Nun ja, um ehrlich zu sein tat es nicht weh. Ich habe nicht einmal von meinem Laptop geträumt, sondern von einem Besuch eines WMF Geschäfts, in dem ich mich nach einem WMF-Kartoffelpflug erkundigte. Erste Symptome des Internet-Entzugs?
 
Umso mehr freute ich mich, dass mich das Internet mit seiner Community nicht vergessen hat, sondern mich liebevoll taggte. Mein Dank dafür geht an Josi mit den Leopardensocken und dem bezaubernden Blog voller Licht und Gedanken.

Es geht bei diesem Fragebogen/Stöckchen/TAG/Messer/res/Wasauchimmer darum, die zehn von ihr gestellten Fragen zu beantworten und anschließend zehn eigene zu formulieren und weiterzugeben.

1. Strebst du es an, ein ehrlicher Mensch zu sein? Hälst du dich selbst für ehrlich?
Lügen bringen nur Ärger. Selbst wenn sie vorerst erfolgreich scheinen, werden sie doch irgendwann erkannt und für deren Verbreiter zur Schmach statt zum Vorteil. Außerdem weiß ich um den Wert der Wahrheit, da es oft Mut erfordert, diese zu äußern, doch nur allein diese uns weiterbringt.
Aus genau diesem Grund meide ich Lügen und spreche klar und ehrlich meine Gedanken aus.

Ich habe sogar schon erlebt, dass man mich als zu ehrlich bezeichnete und sich lieber eine schmeichelndere Halbwahrheit oder gar Lüge wünschte. Dann schweige ich lieber statt meine Ansicht zu verdrehen. Ja, ich halte mich für ehrlich.
 
2. Bist du politisch interessiert?
Die Frage kann sehr verschieden aufgefasst werden. Politisch interessiert bin ich, insofern ein Verfolgen des Geschehens reicht, um diesen Begriff zu erfüllen.
Ich lese den Politikteil unserer Zeitung regelmäßig, jedoch nicht bis zum letzten Kleingedruckten. Von meinem Wahlrecht werde ich Gebrauch machen, sobald es wieder einmal eine Wahl gibt; bei der Wahl des Bürgermeisters meines Heimatortes durfte ich schon meine Stimme abgeben. 
Darüber hinaus bin ich wohl eher passiv: keine Parteimitgliedschaft, keine Bürgerinitiativmitgliedschaft. Maximal Wutbürger.

3. Kennst du den Unterschied zwischen seid/seit? Benenne ihn!
"Seid" ist die zweite Person Plural, Präsens, Indikativ, aktiv des Verbs esse  "sein".
Beispiel: Ihr seid so still. 
Außerdem kann "seid" als Imperativ verwendet werden.
Beispiel: Seid still!
Die Präposition "seit" bezieht sich auf die Zeit und gibt an, ab welchem Zeitpunkt etwas geschah.

4. Wie wichtig ist dir dein Äußeres? Dein Erscheinungsbild, deine Kleidung? 
It doesn't matter how juicy the cake is - people gonna judge it by the icing.
 
Klingt sehr überspitzt und ist es auch, doch einen wahren Kern hat die Aussage. Man sieht zuerst das Äußere und ordnet diesem entsprechend den Menschen in gewisse Kategorien ein. Ja, man kann anhand von Äußerlichkeiten nicht auf die Persönlichkeit schließen, doch bemerke ich selbst immer wieder, dass ich genau das versuche.
Ich achte auf saubere Kleidung, dusche sogar mehrmals in der Woche (hört, hört) und versuche, mit ein wenig Kosmetik meine Vorzüge hervorzuheben. Jedoch war ich nie besonders trendorientiert, sondern in Sachen Styling viel mehr schlicht und praktisch gekleidet (Gummistiefel und Funktionsjacke; na ja, zumindest die letztgenannte). Ich hege die Theorie, dass eine zu übertriebene Aufmachung von der eigentlichen Persönlichkeit ablenkt, eine völlige äußere Vernachlässigung aber abschreckt und bevorzuge so den Mittelweg.

Am Wochenende kann ich problemlos in Cordhose und Strickpullover umherlaufen, doch unter Menschen möchte ich mich angemessen gekleidet wissen. Säße ich mit meiner Kleidung für die Gartenarbeit im Unterricht, wäre es mir doch sehr peinlich.
Ich verlasse das Haus auch ungeschminkt ohne in Hysterie zu verfallen, entscheide mich aber bei entsprechendem Zeitetat für ein wenig Mascara, Puder, Rouge und Freunde.
 
Wie schön, dass man online gesichtslos und anonym bleiben kann, sodass man nur anhand seiner Worte beurteilt werden kann.

5. Was für eine Art Mensch interessiert dich?
Jeder Mensch kann grundsätzlich interessant sein. "Interessant" sind Personen, die nicht nur stumpfsinnig ihre Aufgaben erfüllen und alles akzeptieren und anchsprechen, sondern, denken, zweifeln, kritisieren, schaffen, diskutieren und aufmerksam sind. Einen guten Gesprächspartner und Freund macht es aus, dass er eine eigene Meinung hat, diskussionsfähig ist, ehrlich ist, eine Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft für etwas statt Langeweile hat, offen ist. 
Ein interessanter Mensch ist intellektuell und emotional auf einer Ebene mit seinen Gesprächspartnern, sodass der Austausch fruchtbar und inspirierend für beide Seiten ist.

6. Was macht für dich einen guten Blog aus?
Ein guter Blog ist Spiegel der Persönlichkeit seines Autors, die eine gewisse Begeisterung überträgt und von den Gedanken des Autors zeugt. Ein guter Blog ist ein solcher, über den ich nachdenken muss und dessen Beiträge mein Denken und vielleicht sogar Handeln beeinflussen. 

7. Bist du gerne traurig?
You can get addicted to a certain kind of sadness...
Mainstreamhit beiseite - ich bejahe die Frage. Trauer schmerzt, doch sie kann auch inspirierend sein. In den Zeiten des Liebeskummers habe ich die bewegenden liebeskranken Gedichte massenhaft produziert; jetzt muss ich mich dafür anstrengen.
Trauer weckt die Sehnsucht nach dem Gefühl des Glücks und führt dazu, dass wir verstärkt danach streben. Ich schätze Trauer als sehr intensive Emotion, die uns bewusst macht, dass wir lebendig sind. Aber nur in kleinen Dosen, bitte.

8. Coolster Mensch, den du kennst?
Meine Mudda.

9. Lebst du gerne?
Ja!

10. Magst du Wirsing?
Oh ja! Und zwar gefüllt mit Dinkel und Feta oder Ähnlichem, im Eintopf, im Auflauf, Nudeln mit Wirsingrahm, geschmortes Wirsinggemüse.... 
Wirsing schmeckt nach Winter.

Nun zu meinen Fragen - willkürlich und bunt gemischt.

1. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
2. Nenne die ersten zwei und die letzten zwei Wörter des Buches, das du gerade liest oder zuletzt gelesen hast.
3. Würdest du lieber gemeinsam mit deinem (Ehe-)Partner sterben oder noch zehn Jahre nach dessen Tod leben?
4. Denkst du, dass das Universum unendlich ist?
5. Wärst du gern zu einer anderen Zeit geboren worden?
6. Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick, wahre Liebe, ewige Liebe und welche Synonyme man uns dafür in kitschigen Büchern und Filmen dafür sonst noch anbietet?
7. Was ist dein Ziel im Leben?
8. Was macht dich glücklich?
9. Was hast du zuletzt gegessen?
10. Welche Fähigkeit würdest du gern einmal erlernen?
 
Und nun muss ich grübeln, wen ich damit belästige.
Ich nehme ... *Trommelwirbel*
 
Judith - Ihre Beiträge zum Projekt 52 sind genauso großartig wie ihr Blog. Warum also nicht?
owyanna - Weil ich warum auch immer von Wordpress daran gehindert werde, bei ihr zu kommentieren und hierin eine Chance zur Kontaktaufnahme sehe. Juhu, Owyanna!
Flausch - Weil ihr Blog toll ist und ich die Nase voll davon habe, nur so wenige Posts von ihr serviert zu bekommen. *ANREIZ!*
Viva - Es ist einfach zu still auf ihrem Blog und dadurch wird der Welt ihre Genialität vorenthalten. So nicht.
Jules - Schließlich kann man nicht 24/7 über Nagellack und Schuhe bloggen. Vermute ich zumindest.

Reicht.

Gruß,

Apfelkern