Samstag, 7. April 2012

Was ins Nest gehört

Ostern ist eines der Feste, bei dem man sich beschenkt. Was für eine öde Phrase und doch steckt viel mehr dahinter: man macht sich Gedanken, wo man wie mit wem feiert, an wen man beim Kauf kleiner Aufmerksamkeiten denken muss. Das Fest mit den lang ersehnten freien Tagen wird zum Stress.
Daher einigen sich in meiner Familie bereits sämtliche Erwachsene darauf, sich nicht zu beschenken, um sich zumindest diesen Aufwand zu sparen. Was die Erwachsenen nicht an Geschenken erhalten, gleichen die Geschenkeberge der Kinder nicht selten wieder aus.

Ich verstehe nicht, warum manche Eltern glauben, sie müssten ihrem Kind zu Ostern einen Laptop oder ähnlich wertvolle Geschenke machen. So verliert man jegliche Relation zum Wert des erhaltenen Gegenstands. Und wenn man schon zu Ostern nur ein iPhone bekommt, kann man zu Weihnachten ja auch ein Motorrad erwarten, oder?

Mir selbst war diese Problematik lange nicht bewusst, da meine Eltern zu Ostern nur Süßigkeiten und maximal ein Buch an ihre Kinder verschenkten, doch verschiedene Freundes- und Bekanntenkreise betrachtend musste ich feststellen, dass die Gaben nicht überall so bescheiden ausfallen.
Muss ich jetzt neidisch sein? Nö.
Denn wenn Ostern zum reinen Konsumanlass verkommt, verliert es für mich einen Teil seines Charmes. Und wer sagt denn, dass die übermäßig Beschenkten ein glücklicheres Fest verleben?

Ostern ist ein Anlass für die engeren Verwandte, sich in der Uckermark bei Opas altem Haus zu treffen und ein paar gemütliche Tage miteinander zu verbringen. Man redet, kocht, spielt und sitzt am Osterfeuer. Dabei treten die Geschenke klar in den Hintergrund - ohne sie wäre das Wochenende dort nicht weniger schön.

Ich verschenke meist Selbstgemachtes, weil ich das für die herzlichste Art von Geschenk halte. Es zeigt, dass man Zeit und Mühe für jemanden aufgewendet hat, statt einfach ein paar Euro gegen einen Gutschein zu tauschen.
Natürlich kaufe ich auf Wunsch des zu beschenkenden auch etwas, doch ich selbst freue mich auch mehr über handgemachte Aufmerksamkeiten.

Zu Ostern stelle ich jedes Jahr sorbische Ostereier her. Die ruhige, ausdauernde Arbeit an ihnen empfinde ich als sehr entspannend und sie ist für mich der Inbegriff von Ostern. Außerdem mag ich die entstehenden Eier sehr gern. Jedes Jahr gestalte ich vielleicht zehn dieser Eier, wovon ungefähr die Hälfte verschenkt wird. Die restlichen heben wir auf und so ist die Sammlung inzwischen schon recht groß, doch ich liebe es, mir die Eier der vergangenen Jahre anzusehen und die Fortschritte und Fehler zu betrachten. Besonders faszinierend ist es, dass meine Mutter genau so eine Sammlung der Ostereier von Jahrzehnten angelegt hat. Ich könnte Stunden mit deren Betrachtung zubringen.


In diesem Jahr verschenke ich nicht nur die üblichen Eier, denn ich habe inzwischen auch endlich die Socken für meine Mutter fertiggestrickt. Und weil ich sie so niedlich finde, möchte ich ein Bild davon mit euch teilen.


Jetzt noch ein Bild der Socken am Fuß, damit ihr euch vorstellen könnt, wo ungefähr das Blümchen sitzt. Da meine Mutter auch solche Quadratlatschen Größe 42 hat, war das Probetragen kein Problem.



Ihr dachtet doch nicht wirklich, dass ich so kurz vor Ostern noch etwas schwer intellektuelles produziere.

Ich wünsche euch ein ruhiges Osterfest mit Geschenken, die von Herzen kommen aber viel mehr noch mit Menschen, die euch am Herzen liegen.

Gruß,

Apfelkern

Donnerstag, 5. April 2012

Ostergebäck mit Zellen

Es ist wieder soweit - Weihnachten Ostern steht vor der Tür. Neben den obligatorischen Krokanteiern, die meine liebste Zuckerbombe zu Ostern (und Weihnachten) sind, gibt es bei uns in jedem Jahr zu Ostern einen Hefekranz.
Nach einem perfekten Rezept dafür habe ich lange gesucht. Im Laufe der Jahre habe ich sicher schon ein Dutzend verschiedene Hefekranzrezepte probiert und inzwischen eines gefunden, mit dem ich relativ zufrieden bin. Da für mich das Hefegebäck zum Fest dazu gehört und sich ein gutes Rezept schwer findet, habe ich beschlossen, mein Rezept mit euch zu teilen.

Dieses stammt aus einem wunderbar ostigen Backbuch meiner Mutter. Es ist simpel aber unglaublich gut.

Warum haben wir eigentlich so viele Backbücher? DAS Backbuch haben wir doch bereits.


Um mir ein wenig Arbeit zu sparen, habe ich das Rezept einfach abfotografiert. Statt Margarine verwende ich immer Butter, weil ich generell Butter für wohlschmeckender halte und Margarine als wilde Mischung irgendwelcher Pflanzenöle misstrauisch beäuge. Auch die Mandeln lasse ich meist weg, weil sie für mich einfach nicht in den Osterkranz gehören.


Und für alle, die nicht wissen, wie man "in üblicher Weise" einen Hefeteig bereitet, fasse ich das kurz zusammen.

Die Milch wird erwärmt, darf aber nicht kochen. Darin löst man den Zucker und die Hefe auf und gibt sie auf das  mit der Zitronenschale und dem Salz vermischten Mehl. Nun hat man einen Mehltrichter, der mit der Hefemixtur gefüllt ist. Das Ganze stellt man an einen warmen Ort ohne Zugluft (ich bevorzuge im Winter den platz an/auf der Heizung und sonst den auf 40°C eingestellten Ofen), wo die Hefe aufgehen kann. Das sieht dann ungefähr so aus:


Anschließend habe ich die weiche Butter und die Eier hinzugegeben und untergeknetet. In Handarbeit natürlich.

Alles im Griff
Irgendwann hat man einen homogenen Teig.


Und nachdem ich ihm Zeit zum Wachsen und Gedeihen gab, sah der Teigklumpen so aus:


Als der Teig so aussah, beschloss ich, in Rum eigeweichte Rosinen unterzukneten. Horror! Zumindest für einige scheinen Rosinen das zu sein, doch da meine komplette Familie Rosinen mag, ist die getrocknete Traube Standard im Osterzopf.
Der Teig wird in drei Teile getrennt und diese werden zu Strängen gerollt.


Je nach Laune entscheide ich an diesem Punkt, ob ich einen Hefezopf oder einen Kranz flechte. Heute wurde es ein Kranz.


An diesem Punkt der Verarbeitung muss dem Hefeteig wieder ein wenig Zeit gewährt werden, um den Zucker mit ein wenig Sauerstoff (aber der ist fakultativ) zu Wasser und vor allem Kohlenstoffdioxid zu veratmen, damit der Teig viele gasgefüllte Hohlräume entwickelt und locker wird. Toll, was eine so simple Hefezelle in der Gruppe so bewirken kann.

Anschließend backe ich den Hefekranz bei 180°C für 50 Minuten. Bei einer Stunde Backzeit, die auch im Buch angegeben wird, musste ich jedes Mal ein sehr dunkelbraunes Backwerk aus dem Ofen holen. Meine Mutter meint, dass die Öfen früher weniger gut buken und so der Teig länger brauchte, um gar zu werden. Möglicherweise.
Kurz vor Ende der Backzeit bestreiche ich den Teig noch mit einer Mischung des aufgehobenen halben Eis (siehe Rezept!), Sahne und Honig, wodurch der karamellisierende Honig dem Hefeteig eine schöne goldbraune Farbe gibt und die Sahne mit dem Ei einen appetitlichen Glanz verleiht. Wie Haarkur nur für Kuchen.


Ein Bild des angeschnittenen Kranzes kann ich euch leider nicht bieten, denn erst am Sonntag wird der Kranz auf das Messer treffen. Doch ich freue mich schon sehr auf ein Stück Hefekranz mit Butter und Quittengelee.

Serviert wird der Kranz dann übrigens mit einer "Füllung" aus bunten Ostereiern, so wie es auch im ostigen Kochbuch gezeigt wird.


Also ich meine wirklich bunte Eier und nicht schwarz-weiße.

Vielleicht konnte ich ja jemanden von euch dazu inspirieren, einen den Frühstückstisch zierenden und den Gaumen verwöhnenden Hefekranz zu Ostern zu backen. Bis zum Ostersonntag ist ja noch ein wenig Zeit.

Apfelkern

Lass dich einfach von ihr tragen

Einen kleinen Anlass zu wehmütigen Seufzern bietet das aktuelle Thema des Projekt 52, bei dem es sich nämlich um das Thema Schulzeit handelt. Hach ja, das waren noch Zeiten...

Begonnen hat meine Schulzeit mit einem Lied über das Verhalten im Straßenverkehr, geendet hat sie mit Thriller von Michael Jackson. Da beide nicht unbedingt meinen musikalischen Vorlieben entsprechen, war mir gleich klar, dass keines davon hierfür ausgewählt wird, doch die Alternative fand sich schnell.

Ein Lied lässt mich immer an eine Physikstunde in der fünften oder sechsten Klasse denken. Ich saß in der Wandreihe des lichtdurchfluteten Klassenraums und versuchte, irgendwelchen Zeichnungen zur Lichtbrechung einen Sinn abzugewinnen. Mein Banknachbar muss ähnlich viel Interesse an der Optik wie ich gehabt haben, denn er reichte mir wortlos einen Hörer seines Discman, um den ihn in der Klasse so viele beneideten. Die Musik passte perfekt in diesen Moment, ich saß im Physikunterricht und lauschte lächelnd dem Lied.

Sobald ich dieses Lied wieder höre, fühle ich mich wieder in den Physikunterricht der Grundschule zurückversetzt. Sommerstimmung, die Aussicht auf ein Fußballspiel in der Pause, wobei ich immer mehr oder weniger erfolgreich  in der Abwehr spielte, da ich das Tor nicht traf (Bilanz der Grundschulzeit: vier Zufallstreffer) und meine Fähigkeiten im Zustellen beschränkt waren, das Wissen um die bevorstehenden Sommerferien, Leichtigkeit - das Lied ist Sonnenschein für meine Seele.


Die perfekte Welle von Juli.
Das Video mit dem Lied findet ihr hier.

Wahrscheinlich werde ich es entrückt lächelnd noch den ganzen Tag lang summen.

Apfelkern

Dienstag, 3. April 2012

Was ist Kunst?

Als ich kürzlich Ostereier mit der sorbischen Wachstechnik verzierte, kommentierte meine Oma, dass dies Kunst sei. Ich freute mich über dieses Kompliment, Kunst ist schließlich etwas positives. Kurz darauf wunderte ich mich, warum eigentlich noch nie jemand mein Back- und Kochwerk oder ein Paar handgestrickte Socken als Kunst gelobt hat. Ist das denn keine Kunst?

Diese Frage habe ich mir schon häufig gestellt, kam aber nie zu einer Antwort, die ich als ausreichend empfand. Denn Kunst ist vielfältig und facettenreich. Kunst ist undefinierbar und doch sagen wir explizit, etwas wäre Kunst und anderes nicht. Was denn nun? Heißt es nicht, alles wäre Kunst? 

Ich habe aber noch nie gehört, dass jemand gesagt hätte, es wäre Kunst, wie die Rohre im Bad verlegt sind. Rohre und Leitungen zu verlegen, Auffahrten zu pflastern und Personen von A nach B zu befördern ist nützlich.
Ist Kunst also alles, was keinen Nutzen hat?

Das würde natürlich erklären, dass Stricksocken und Kuchen keine Kunst sind, Ostereier dagegen schon. Das Bild an der Wand ist hübsch, nicht nützlich. Die Statue ist ein hübscher Staubfänger, doch ein Hundertwasserhaus mit seiner außergewöhnlichen Architektur erfüllt einen Nutzen und ist Kunst. Es fällt auf: alle hier als Kunst bezeichneten Dinge sind individuell. Für den Kuchen und die Socken dagegen gibt es explizite Anleitungen mit denen theoretisch jeder das gleiche Werk schaffen könnte.
Ist Kunst ist also alles individuelle, was unnachahmbar ist?

Ein Gedanke an Plagiate lässt diesen Definitionsversuch als falsch dastehen. Selbst die Fälschungen der Mona Lisa sind in meinen Augen noch Kunst, die man nur nicht unter dem Originaltitel zu verkaufen versuchen sollte. Trotzdem redet man über die Fälschungen negativ statt sie objektiv als Kunstwerk zu bewundern.
Ist Kunst alles, was so zuvor noch niemand geschaffen hat?


Innovationen werden oft als Kunst betrachtet, denn natürlich ist es schwerer, sich etwas neues einfallen zu lassen, statt nur nach bisher existierenden Techniken zu arbeiten. Das Rad wird aber auch nicht täglich neu erfunden und Objekte, die mit traditionell überlieferten Techniken gefertigt werden, sind schließlich auch Kunst.
Ist also Kunst die Fähigkeit, etwas herstellen zu können, das nicht jeder könnten?

Klöppeln ist Kunst, da diese Fähigkeit kaum verbreitet ist, Stricken dagegen ist Mainstream und dementsprechend keine Kunst. Na ja.
Wenige könnten heute ein Fass bauen oder ein Schwert schmieden, als Kunst würde man dieses Handwerk aber auch nur bedingt bezeichnen. Aber Klöppelspitze ist ja auch deutlich hübscher anzusehen als ein Fass.
Daher: Kunst ist alles, was schön ist.

Aber mal ehrlich: würden wir all die Kunstwerke, die wir in unserem Leben in Museen und Galerien gesehen haben als "schön" bezeichnen? Nein. Die Einteilung in schön und unschön erfolgt subjektiv, doch  ist denn der konservierte, langsam ausbleichende und zerfransende Hai im Becken mit dem Titel The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living von Damien Hirst ein schönes Objekt? Oder jene Werke von Otto Dix, die das Grauen des Krieges darstellen?  Ich wage es, das zu verneinen. Das Objekt regt vielleicht zum Nachdenken an, ins Wohnzimmer würde ich es mir nicht stellen wollen.
Ist dann alles Kunst, was der Mensch schafft?

Nein. Diese Dinge sind  zwar alle künstlich in dem Sinne, dass sie nicht natürlich vorkommen, doch würde ich sie nicht als Kunst ansehen. Außerdem erscheint die Natur manchmal auch zu schön, um zufällig so auszusehen. Die ineinander verschlungenen Bäumen auf einer Klippe betrachtend kann man nicht glauben, dass niemand den Bäumen absichtlich diese Form gegeben hat.
Hat jemand bemerkt, dass ich gerade Kunst danach definiert habe, dass alles schöne dazu gehört? Und so lande ich in Gedankenschleifen, die um eine klare Abgrenzung des Begriffes ringen und doch daran scheitern.

Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, was er als Kunst ansieht. Für mich sind die Werke Kunst, die etwas besonderes sind. Dinge, die nicht jeder produzieren kann. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass nicht jeder ein Künstler sein kann, doch es heißt, dass nicht jeder jede Art von Kunst schaffen kann. Er kann die Dinge schaffen, doch vielleicht nicht so, dass sie die entsprechende Qualität erreichen, um Kunst zu sein.
Kunst ist für mich komplex. Drei bunte Farbspritzer auf einer Leinwand mögen nett anzusehen sein, doch ich betrachte das nicht als Kunst. Ähnlich ergeht es mir mit zu linearen, geometrischen Werken, die den Betrachter denken lassen, dass man das mit einem Lineal und ein wenig Farbe exakt so nachmachen könnte, ohne dafür üben zu müssen.
Kunst darf alles und doch ist ein leeres Blatt keine Kunst.
Kunst muss nicht schön sein; spricht sie nicht das Ästhetikempfinden  an, sollte sie zumindest zum Nachdenken anregen. Experimentales sehe ich nur bedingt als Kunst. Jeder kann Bücher aufstapeln, sie dann umstoßen und das Resultat Kunstwerk  nennen. Durch die Willkürlichkeit und die fehlende Kunstfertigkeit ist es meiner Meinung nach keine Kunst, sondern einfach eine zufällige Anordnung wie herabgefallenes Laub es ist. Ein Bild der zufälligen Anordnung zu machen wäre dagegen wieder Kunst, da man sich dabei um einen speziellen Blickwinkel oder eine anschließende Bearbeitung bemühen würde.
Kunst ist nach meinem Definitionsversuch etwas, das mit Leidenschaft geschaffen wurde. Ein lieblos zusammengeknülltes Papier, das man auf eine blaue Pappe klebt ist für mich keine Kunst. In der Kunst sollte etwas von der Persönlichkeit des Künstlers zu erkennen sein.
Abläufe, die in Rezepten und Anleitungen festgehalten werden können, sind insofern Kunst für mich, wenn sie nicht alltäglich werden. Mein geliebtes Shortbreadrezept ist keine Anleitung zur Kunst auch wenn die Kekse jedes Mal grandios werden, denn sie sind Teil des Alltags.

Nicht nur Malerei, Grafik, Architektur, Plastik und Musik können Kunst sein - auch Texte, Lebensweisen oder Tanz und Bewegung zählen für mich dazu, denn letztlich ist für mich
Kunst die Fähigkeit, das Besondere im Alltäglichen zu sehen und es für andere sichtbar zu machen - egal auf welche Weise.

Apfelkern

Sonntag, 1. April 2012

Läuft doch

Der Beginn des Aprils lässt sich an vielen Dingen erkennen: die Temperaturen steigen weiter, alles grünt, es wird früher hell, es wird plötzlich wieder kalt, es schneit auch mal spontan (siehe gestern), manche Menschen glauben anlässlich des Tages verkrampft Scherze machen zu müssen und es ist vor allem wieder Zeit für den Halbmarathon.

Daher stand ich früh auf, zog die Sportsachen an, aß mit mit halbgerümpfter Nase den Haferbrei mit Äpfeln, der dem Sportler angeblich lange Kraft gibt und das bei mir bisher auch immer getan hat (Placeboeffekt?!), packte die Inline Skater ein und machte mich auf den Weg zur Bahn, die mich immerhin auf dem Weg zum Startpunkt anders als gestern nicht mit Schienenersatzverkehr ärgerte.
In der Bahn gesellte ich mich zu den Skaterinnen meiner Möchtergern-Profitruppe und musste feststellen, dass wir durch die stressige Zeit vor dem Abitur beeindruckend schlecht trainiert und dazu die Hälfte von uns erkältet war. Beste Voraussetzungen für die Strecke von 21.0975 Kilometern durch Berlin.

via

Als wir am Alexanderplatz ankamen, wo sich der Startpunkt befand, wurde auch schnell klar, dass der Himmel zwar zauberhaft blau, der Wind aber eiskalt war. Angesichts der allgemein schlechten Rennvoraussetzungen beschlossen wir, ganz entspannt zu fahren.


Habe ich erwähnt, dass wir aufgrund der guten Vorjahresleistung sogar im Startblock B der fortgeschrittenen Hobbyluschen statt im Startblock C für Möchtergern-Hobbyluschen positioniert waren? In weiser Vorraussicht stellten wir uns dort gleich weiter nach hinten, um niemanden zu behindern, denn im Startblock B sahen die Starter alle beeindruckend professionell aus: Sponsorshirt und schaftlose Inliner mit 100mm Rollen verrieten sie.
Nach dem Start zeigte sich, dass doch noch ein wenig Ehrgeiz in uns steckte und wir nicht mit Minimalgeschwindigkeit fuhren und so spaltete sich die Gruppe dann auch in die zurückbleibende Gruppe der Erkälteten, die sich daher auch nicht zu sehr anstrengen sollten und die gesunden noch immer vergleichsweise mäßig trainierten Läuferinnen.

Da wir nicht so sehr auf die Zeit achteten, konnten wir endlich auch mehr von den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke bewusst wahrnehmen statt zu bemerken, dass man durchs Brandenburger Tor gefahren ist und den Rest dann immer nur nachträglich auf den Bildern zu erkennen. Trotz anfänglicher Kälte und immer wieder aufkommendem starken Gegenwind hatte ich viel Spaß an dem ruhigen Gleiten in der Masse begleitet von der Musik der Bands und Cheerleadern am Straßenrand und den Rufen der Schaulustigen.
Ich sah relativ wenige Stürze, wurde aber fast selbst von einem vor mir fahrenden Mann mitgerissen, der beim Fallen mit seinem Arm gegen meinen Helm prallte. Das ist meiner Meinung nach der größte Nachteil des sonst so effektiven und vor allem energiesparenden Fahrens in einer Reihe.

Die ersten neunzehn Kilometer legte ich relativ mühelos zurück, dann trat plötzlich neben den schlechteren Straßen (körniger Asphalt ... grrrr) und stärker werdendem Wind eine gewisse Erschöpfung ein. Als ich dann aber das blaue Schild sah, dass den zwanzigsten Kilometer ankündigte, kam die Motivation zurück.


Bald darauf konnte ich dann zum Endspurt ansetzen und erreichte nach 58 Minuten und sieben Sekunden das Ziel.  Zum Vergleich: der Sieger schaffte es in 30 Minuten und 41 Sekunden. Immerhin war ich noch schneller als der Sieger der Läufer, der tatsächlich ganze 59:14 Minuten für die Distanz brauchte ... zu Fuß ... verrückt.

Meine persönliche Bestzeit von 52 Minuten und ein paar Sekunden aus dem letzten Jahr erreichte ich damit lange nicht, wirklich darüber geärgert habe ich mich aber auch nicht. Dafür war es einfach viel zu beeindruckend, dass ich mir die Strecke nach diversen Teilnahmen auch wirklich einmal bewusst angesehen habe.


Im Zielbereich durfte man sich dann seine (Teilnahme-)Medaille abholen, aber noch viel wichtiger waren die Stände mit dem Wasser, dem Tee und dem alkoholfreien Bier sowie den Bananen, mit denen man sich hemmungslos vollstopfen durfte. Jetzt wisst ihr, warum ich eigentlich an diesen Läufen teilnehme...

Schade nur, dass ich nach dem Lauf meistens so gebeutelt bin, dass ich nach einer Minute spontanem Ganzkörpererschöpfungsanfall immer nur gefühlt einen halben Liter Flüssigkeit und maximal drei halbe Bananen herunterbringe und nur erstaunt das Magenvolumen der bananeninhalierenden Profis (ich meine natürlich der fortgeschrittenen fortgeschrittenen Hobbyluschen) bewundern kann.  Wie viele Kubikzentimeter brauchen sechs halbe Bananen und fünf Becher Wasser sowie ein Halbliterbecher alkoholfreies Bier denn etwa?

Auf dem nächsten Bild seht ihr den hinteren Teil des Zielbereiches. Falls jemand das weiße Cape des Skaters aufgefallen ist, kann ich dessen Sinn leicht erklären: es verhindert, dass wir hocherhitzten Läufer nach dem Zieleinlauf nicht völlig vom starken Wind ausgekühlt werden. Und ja, ich weiß, dass man diesem so unschuldig blauen Himmel den beißenden Wind nicht ansieht.


Etwas weiter hinten standen dann die Wagen, welche die abgegebenen Beutel mit dem Kram der Teilnehmer lagerten.


Voldemort findet sein Gepäck nicht

Irgendwann kam der Zeitpunkt, sich die Skater von den Füßen zu ziehen und anschließend sehr seltsam durch die Gegend zu watscheln. Dadurch, dass man beim Skaten die typische Abrollbewegung des Fußes nicht machen muss, behält man das nach entsprechend langem Skaten auch noch ein Weilchen bei, sodass man wie ein Bauer durch die Gegend stapft. Warum auch immer - ich mag das Gefühl.


Nein, meine Inliner sind nicht rosa oder gar pink. Das schimpft sich Bordeaux.
Übrigens stehen sie auf meinem fabulösen weißen Windschutzcape.


Nachdem ich mich des Helms, der Protektoren und der Inliner entledigt hatte, wickelte ich mir mein Cape um die Schultern und beobachtete noch ein wenig die Irren Athleten, welche die 21 Kilometer wirklich zu Fuß zurücklegten.
Dass sie sogar im Zielbereich noch sprinten konnten deprimierte mich schließlich so sehr, dass ich mich entschloss, einfach nach Hause zu fahren und dort das Gefühl der Erschöpfung zu genießen.

Ich könnte jetzt direkt einschlafen, meine Beine fühlen sich schon ganz müde an. Vielleicht sollte ich ihrem Drängen nachgeben.
Oder mir einen Tee kochen und noch ein wenig lesen.

Gruß,

Apfelkern

Streifzug durch die Kanalisation

In dieser Woche bereitet mir das Thema des Projekts 52 große Schwierigkeiten. Ich wage zu behaupten, dass ich die Entscheidung noch nie so lange herausgezögert habe, aber ich finde zu dem aktuellen Thema Toilette keinen Titel, der meiner Meinung nach wirklich gut passt.

Natürlich könnte ich etwas offensichtliches wählen, es erscheint mir aber nicht als beste Lösung. Ja, was erwartet man eigentlich von mir in dieser Runde? Klassische Klaviermusik oder Death Metal?
Wer hört auf er Toilette schon Musik? Mir fallen dazu nur Gerüchte über die Klogewohnheiten der Japaner ein, die angeblich liebliche Melodien so laut im Hintergrund laufen lassen, dass sie keine anderen Geräusche des Lokus mehr zu hören sind. Interessant.

Immer noch unentschlossen war ich dann kurz davor, meinen Joker einzusetzen und mich so um die Entscheidung zu drücken, aber man kann sich im Leben auch nicht immer einer Entscheidung entziehen und daher wird nun eine Wahl getroffen.
Es wird "Der Werwurm" von Knorkator. Der spezielle Stil der Band mag nicht jeden ansprechen, doch ich finde ihn genial.

Hört es euch an und denkt beim nächsten Vollmond im Bad an den Werwurm. Übrigens ist der nächste Vollmond schon in fünf Tagen.





Apfelkern