Dienstag, 5. Dezember 2017

To fu or not to fu

Ernährung ist manchmal ein ganz heikles Thema. Nur keinem auf die Füße treten. Deshalb bringe ich schon immer vegetarische oder vegane Speisen mit, wenn ich beipielsweise für Gruppen von Menschen koche. Aber nicht allen Omnivoren geht es so wie mir. Da gibt es nämlich noch die Tofuphobiker.

Ihr wisst schon: die "Ich brauche mein Fleisch!"-Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass eine Mahlzeit ohne Fleisch als richtige Mahlzeit zählen könnte.
Mit einer Gruppe von Menschen war ich in einem vegetarischen Restaurant brunchen. Es gab geniale Speisekreationen, die toll gewürzt waren. Aber eben fleischlos.
Linsensalat mit Senfdressing, der einem Eiersalat etwas ähnelte und super würzig war. Büffelmozarella und marinierte Paprikastreifen auf Brot, Nudeln an Kürbis-Walnuss Sauce mit lecker angemachtem Salat. Alles kein richtiges Essen, nichts, wovon man satt werden könnte. Und dann auch noch Räuchertofu, den man sich aufs Brot legen sollte? Barbarisch! Wo ist denn hier die Wurst?!

Ich kann verstehen, dass Tofu pur nicht das aufregendste Geschmackserlebnis ist. Wenn man keine Ahnung hat, wie man den schmackhaft zubereitet, ist der einfach fad. Ist er aber schon mundfertig zubereitet und das in wirklich leckerer Weise und wird aber aus Prinzip verschmäht, weil es eben Tofu ist, regt mich das einfach nur auf. Es ist so ignorant!
So auf einem unbekannte Speisen zu reagieren ist völlig übertrieben. Vielleicht ein Zeichen der Angst vor neuen Dingen? Ist es dann eine Angst, die sich bei diesen Menschen nicht nur auf Essen sondern auch alle anderen Bereiche des Lebens anwenden lässt?

Und was ist das überhaupt für ein Leben, in dem man ja nichts tut, was man nicht kennt und nur nichts in seinen Mund steckt, was die eigenen Großeltern nicht schon gegessen haben? Viel erleben wird man in einem solchen Dasein nicht. Tradition kann etwas unheimlich schönes sein. Sich kategorisch vor allem Unbekannten zu verschließen ist jedoch einfach nur dumm. Und dumme Menschen können furchtbare Zeitgenossen sein, weil sie an allem rum mäkeln, was sie nicht begreifen können oder sogar nicht einmal begreifen wollen.

Es heißt, Liebe ginge durch den Magen und das glaube ich gern. Ich denke, am Essen, das jemand kocht, wird sichtbar, was für ein Mensch derjenige ist. Gewohnheitstier oder kreativer Kopf, traditioneller Geist oder innovativ.
Die super faden Nudelsalate in meinem Leben aus Nudeln, Dosenerbsen, Fleischwurst und einem Glas Mayo als einzigen Zutaten kamen auch nicht unbedingt von den glücklichsten Menschen und das konnte man aus diesen traurigen Salaten auch heraus schmecken. Du bist wie du kochst… und wie du isst.
Deshalb bin ich spontan auch wenig begeistert, wenn erwachsene Menschen bestimmtes Essen ohne es probiert zu haben direkt ablehnen ohne ihm je eine Chance gegeben zu haben, weil es nicht ihren Vorstellungen entspricht. Damit tun sie weder sich noch dem Koch oder den übrigen Anwesenden einen Gefallen. Mit knurrendem aber zum Glück tofufreiem Magen steigt die Laune nicht, der Koch fragt sich, was er falsch gemacht hat und der Rest der Runde, der die von anderen verschmähte Kost zu schätzen weiß, fühlt sich unwohl, beim Essen beobachtet zu werden bis hin zu schuldig, dass einem das jetzt auch noch schmeckt während andere da sitzen und angewidert drein schauen.

Engstirnigkeit beim Essen bedeutet nicht, dass jemand mit Haselnussallergie nun wirklich definitiv keinen Nougat probieren will. Es heißt, dass man sinnlos und aus Prinzip für unbekannte Dinge nur Ablehnung, Vorurteile und Angst übrig hat. Ich glaube, dass diese Menschen technischen Neuerungen, fremden Kulturen und generell Neuerungen gegenüber auch wahrscheinlich weniger aufgeschlossen sind. Denn wenn Tofu einem schon Existenzängste bereitet, was macht man dann erst, wenn man auf Menschen mit anderen Gedanken als den eigenen trifft?!
Manchmal reicht es eben schon, mit Menschen eine Mahlzeit gemeinsam einzunehmen, um einschätzen zu können, was für Menschen sie sind.

Kommentare:

  1. Oh yes! Finde es furchtbar, wenn Leute nur das essen, was sie kennen. So verpasst man einfach zu viel Gutes. Bei mir ist es so, dass ich sehr unkompliziet bin, was Essen angeht. Auch kein "Ich esse ALLES, aaaaaaußer..." Wenn ich was nicht wirklich mag, dann esse ich es eben so oft, bis ich es mag :D

    Mit Tofu und Süßkartoffeln bin ich aufgewachsen. Das gehörte bei uns schon immer dazu. Und Tofu essen wir eben zusammen mit Fleisch - ist also nicht nur ein Vegetarierding.

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