Samstag, 2. Juli 2011

Dupe Alarm

Während meine Beiträge in der vergangenen Woche aus der Konserve kamen vergnügte ich mich in Großbritannien. Und was macht der waschechte Tourist? Nein, er produziert nicht nur mindestens 8 GB an Bildmaterial sondern schleppt auch kiloweise Souvenirs in die Heimat. Am liebsten natürlich etwas "nützliches". Ein beliebtes Beispiel dafür ist Kleidung. Immer wenn man diese trägt, kann man sich an seinen Urlaub zurückerinnern.

Und so lief ich nach nützlichen Souvenirs suchend unter anderem in ein Geschäft namens Primark hinein. Auf diesen Namen bin ich schon mehrmals auf den allgemein als oberflächlich verachteten und doch gelesenen Beautyblogs gestoßen. Jedes mal wunderte ich mich, was für ein Laden das wäre, denn ich war einem solchen auch noch nie über den Weg gelaufen. Das ist kein Wunder, denn in Deutschland hat Primark auch nur drei Filialen (Frankfurt am Main, Bremen, Gelsenkirchen).

Und so marschierte ich völlig unbedarft hinein und wurde geschockt. Denn in dem Geschäft herrschte Krieg. Die 34°C Außentemperatur hatten das gigantische Geschäft in der Londoner Oxfordstreet in eine Sauna verwandelt, pro Quadratmeter drängten sich mindestens drei Menschen um die Kleiderständer. Auf der Suche nach der passenden Größe nutzen die Shoppingwütenden regelmäßig Ellenbögen und Fäuste.

Grund dafür waren die unglaublich niedrigen Preise. Drei Pfund für ein T-Shirt, 10 Pfund für ein Kleid, 2,50 Pfund für ein Paar Ballerinas oder Turnschuhe und 10 oder 15 Pfund für eine Jeans. Allerdings gilt das für den Normalzustand. Jetzt hatte man noch ein Schild mit der Aufschrift "Sale" darübergehängt, was die offizielle Kriegserklärung war. Die Menschen stopften ganze Körbe voll mit irgendwelchen Kleidungsstücken und reihten sich in die etwa 10 Meter lange Schlange zu den Umkleidekabinen ein. Dutzende Angestellte waren allein damit beschäftigt, die Artikel wieder zurück zu sortieren, nur damit sie sofort wieder herausgerissen und zur Umkleide geschleppt wurden.

Bei diesen Preisen musste ich gleich an Kik denken. Dazu passend heißt das Motto von Primark auch "Look Good. Pay Less.". Wirklich schrecklich hässlich war das Angebot nicht, aber völlig auf die aktuellen Trends ausgerichtet. Das heißt alles, was dort hing sah nach Hippie-Flower-Power aus und hatte dementsprechend Blumendrucke in Ockertönen, Häkelapplikationen oder auch Puffärmel und etwas flatterig weite Schnitte.

Wie konnten sie die Sachen nur so billig anbieten? Ich dachte an gequälte, von Farbstoffen kranke, ungebildetet und unterbezahlte Arbeiter und ausgenutzte Verkäufer. Dazu kommt in meiner Vorstellung natürlich noch eine möglichst billige Verarbeitungsweise und schlechte Qualität. Tatsächlich waren die Schnitte der Kleidung simpel gehalten. Statt Brustabnähern und Quernähten setzte man auf dehnbare Stoffe. Egal, in der Konsumgesellschaft soll man sich ja sowieso zu jeder Saison komplett neu einkleiden.

Und so forschte ich auf der Webseite der Firma nach und wurde überrascht, da sie sich dort selbst für ihr soziales Engagement beweihräuchern. Wirklich glauben kann ich das nicht, denn irgendwo muss ein Haken sein. Vielleicht sind die Rohstoffe für die Kleidung von der übelsten Qualität und ergo völlig pestizidgetränkt, schadstoffverseucht und wenig haltbar.

Trotzdem habe ich probeweise ein simples Shirt gekauft. Drei Pfund sollten kein zu großer Verlust sein und außerdem muss ich doch nachweisen, dass ich ein Kik Dupe gefunden habe. Es wird sich daran zeigen, dass das Shirt genauso schnell ausleiert und seine Farbe verliert, wie das, welches ich aus Neugier einst bei Kik erworben habe. Ich sage Bescheid, wenn es auseinandergefallen ist.


Apfelkern.

Kommentare:

  1. Wenn Sachen im Trend liegen, die man mag, hat das was Gutes. Aber genauso gibt es auch die schlimme Seite.
    Denn wenn etwas im Trend ist, dann ist es öfter verfügbar. Und zwar auch für die Massen. Ich find das schrecklich. Ich werd dann total arrogant und denk mir "Hmm, ich fand das schon vor Jahren gut und hab das schon getragen." und du trägst das jetzt auch?
    Wahrscheinlich muss ich da toleranter sein, aber es regt mich jedes Mal auf!(darüber wollt ich auch noch nen Post verfassen..)

    Wenn z.B. irgendwelche Tussen Henkeltaschen tragen, die ja eigentlich Eleganz ausströmen soll(t)en. Puh.

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  2. Ja, nicht wahr? Es stand vor einer Klavierwerkstatt und ist in Realität noch hübscher als auf den Fotos...

    Liebe Grüße...

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