Sonntag, 24. Juli 2011

Back to black

Da ist man mal ein paar Tage nicht da und ergo was die Nachrichten betrifft völlig uninformiert und schon heißt es, Amy Winehouse sei tot.
Es klang für mich wie ein schlechter Scherz. Irgendwie musste die Presse ihre ganzen Kneipentouren und die entsprechenden erschreckenden Bilder dazu ja überbieten. Als dann aber diese Information über diverse Medien an mich herangetragen wurde, nahm ich sie schließlich doch ernst.

Mein erster Gedanke: es musste ja so kommen. Das klingt wirklich mies und ist es auch, doch das, was man von ihrem Lebenswandel allein mitbekommen hat ohne täglich die BLÖD Zeitung zu lesen legt diesen Gedanken nah.Was sie in ihrem kurzen Leben an Drogen konsumiert hat, schafft Otto Normalverbraucher nicht einmal in siebzig Jahren. Die Standartphrase dazu lautet sowieso, dass sie ihren Erfolg nicht verarbeiten konnte und an dessen Folgen zugrunde ging.
Und die Medien erfreuten sich an diesem tiefen Fall und dokumentierten ausführlich. Das geht so weit, dass es sogar Internetseiten gibt, die Wetten darauf abschlossen, wann sie sterben würde.

Ich mag ihre Musik. Im Radio wurden viele ihrer Titel ausdauernd gespielt und fraßen sich auch in mein Ohr. Ihre zwei Alben besitze ich nicht, doch ich werde sie bei meinem nächsten Bibliotheksbesuch ausleihen und anhören. Wenn sie nicht schon längst mitgenommen worden sind. Denn wie so oft schon in anderen Fällen erlebt wird sie wahrscheinlich nach ihrem Tod egal wie kritisiert sie zuvor war für eine Weile omnipräsent in den Medien sein. Und das nur, um wenigstens noch ein bisschen Geld aus ihr und ihrer Musik herausschlagen zu können.

Zuletzt sei noch erwähnt, dass nun wahrscheinlich auch der sagenumwobene "Club 27" offiziell ein neues Mitglied hat. Alle Mitglieder sind erfolgreiche Künstler, die im Alter von 27 verstarben. Zu nennen wären da Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jim Morrison, Brian Jones, Kurt Cobain und nun eben auch Amy Winehouse.
Allerdings halte ich das eher für einen tragischen Zufall. Geniale Künstler können auch mit 45 sterben.


They tried to make me go to rehab 
But I said ey no, no, no 

Es ist mehr als nur ein wenig tragischkomisch, wie wahr diese Zeile aus Rehab in ihrem Leben geworden ist.

Apfelkern

Nachsatz: Es ist merkwürdig, wie sehr man auf das Ableben eines einzelnen Menschen fokussiert sein kann, wenn gleichzeitig in Norwegen über achtzig Personen ermordet worden sind und daher viel mehr Aufmerksamkeit bekommen sollten. Ganz zu schweigen von den Hungernden in Afrika und dem ganz normalen Sterben weltweit. Das ist selektive Wahrnehmung.

Kommentare:

  1. Ohne diese selektive Wahrnehmung würden wir durchdrehen wie Autoreifen im Wüstensand, von daher bin ich wirklich dankbar, dass es jene gibt...

    Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag trotz aller Widrigkeiten in dieser Welt...

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  2. Die Nachricht erreichte mich heute morgen auch als ich meinen E-Mail Postfach geleert habe. Sie war für mich eigentlich eher eine banale Künstlerin (zumals weil ich ihre zu "nasale" Stimme schrecklich fand), ich mochte nur ihren "back to black"-Song, das war's jedoch auch.
    Guter Post, vor allem der Nachsatz!

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  3. Selektive Wahrnehmung? Joa, weil wir einen Bezug zu Amy Winehouse haben. Ich kannte keine Opfer in Norwegen, kann deshalb nicht wirklich betroffen sein (wortwörtlich). Klingt fies, aber ist die Wahrheit.

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  4. Als ich das im Internet gelesen habe, dachte ich auch erstmal wieder an einen geschmacklosen Scherz, weil es einfach so gut passt bei ihrem Lebenstil und den letzteren Eskapaden. Ich bin jetzt nicht wirklich ein Fan von ihr, aber ein stimmliches Talent war sie ohne Frage.
    Ich finde es nur immer traurig, dass jetzt die ganzen nörgelnden Ignoranten aus ihren Löchern kommen mit "Die is doch selba schuld maaaan!" Als könnte sich jeder normale Mensch in ihre Lage versetzen. Das Business, der Vater...da rutscht man schnell in den Drogensumpf und kommt ohne Hilfe nicht mehr heraus.

    Das mit Oslo stimmt natürlich, aber sowas kann man nicht vergleichen und man kann ja nicht einfach so tun, als wäre eine bekannte Künstlerin nicht tot, weil auf der Welt weiterhin überall schlimme Dinge passieren. Obwohl mich gerade die Sache auf der Insel in Norwegen echt schwer getroffen hat. Bah!

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