Donnerstag, 11. Februar 2016

Aus dem Leben eines (Ex-) Prüfungspanikers

Das war's - die Prüfungen liegen hinter mir,  Semester sieben ist geschafft.
In den Tagen vor den Klausuren war ich fleißig am Erfüllen des Lernplans, die während des Semesters ausgearbeiteten Notizen waren wie immer hilfreich und doch war es komplett anders als sonst: ich war überhaupt nicht aufgeregt.

Vor allem in den ersten Semestern dachte ich vor jeder schriftlichen und vor allem den praktischen Prüfungen, dass ich jetzt entweder vor Aufregung sterben oder falls nicht wegen Dummheit und schlechter Leistungen exmatrikuliert würde. Spoiler: nichts davon ist geschehen.
Auch nachdem ich mehrfach erlebt hatte, dass man die Prüfungen während des Medizinstudiums über- und bestehen kann, war ich immer extrem aufgeregt davor.

Doch in dieses mal war da einfach nix. Keine Panik, kein Herzrasen, kein trockener Mund und auch keine Schlaflosigkeit. Hallo vegetatives Nervensystem, bist du noch da oder in den Ruhestand gegangen? Warum machst du plötzlich keinen Terror und dauerhaft erhöhte Adrenalinspiegel mehr?
Das einzige, was mich wirklich nervös gemacht hat, war die Tatsache, dass ich gar nicht nervös war.

Ich wusste, dass ich die meisten Veranstaltungen besucht und mich vernünftig vorbereitet hatte. Mit dem Ablauf der schriftlichen Klausuren bin ich vertraut und den Anfängerfehler, keinen Bleistift mitzunehmen, würde ich auch nicht noch mal machen. Es gab realistisch gesehen keinen Grund zur Panik.

Trotzdem fühlte ich mich unwohl, weil ich mich nicht durch das zusätzliche Adrenalin wach gehalten bis spät in die Nacht mit der vierten Wiederholung zu Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis beschäftigte sondern stattdessen schlief. Ich fühlte mich schlecht, weil ich nicht aufgeregt war. Als würde man die Prüfungen nicht ernst nehmen, wenn man in den Tagen davor ruhig schlafen kann.

Nachdem ich mir insgeheim ein paar Tage lang Vorwürfe gemacht habe, dass ich so locker an die Klausuren heran gehe, bin ich zum Schluss gekommen, dass es eine normale Entwicklung ist. Der Mensch gewöhnt sich an alles und dann ist die Semesterabschlussprüfung es eben nicht mehr so aufregend, dass einem vor lauter Nervosität schlecht wird. Es ist zwar schwierig, die Grenze zwischen zu viel Gelassenheit und dadurch fehlender Vorbereitung und zu viel Anspannung zu ziehen aber ich bin froh, in der letzten Woche vor den Prüfungen geschlafen zu haben.

In den Semestern zuvor hat mich diese Prüfungsangst sehr zum Lernen angetrieben, jetzt musste ich das selbst tun. Und zu meiner Überraschung hat das sogar funktioniert. Denn obwohl ich um zehn die Unterlagen zur Seite gelegt habe, hatte ich keinen Zeitdruck, weil ich dank Lernplan einfach früh genug (sprich: Wochen vorher) angefangen habe.
Da die Prüfungen nach subjektivem Empfinden gut gelaufen sind, bin ich gespannt, ob das Ergebnis dann anders ist als sonst aber bis jetzt mache ich mir da noch keine Sorgen.

Als jemand, der sich definitiv nicht als Prüfungsmensch bezeichnen würde, habe ich schon immer die Menschen bewundert, die ganz gelassen an die Klausuren am Ende des Semesters oder auch schon die Abiturprüfungen heran gegangen sind. Es gibt sogar Personen, die sich angeblich regelrecht auf die Prüfungen freuen, weil sie darin endlich zeigen können, was sie gelernt haben. Verrückt, oder? Also ich glaube ihnen ja kein Wort.

Mir ist diese Einstellung leider nicht gegeben. Vor den Prüfungen litt ich mindestens die zwei Tage direkt davor an Herzrasen und Schlaflosigkeit, sobald ich aber mit der Klausur vor mir am Schreibplatz sitze oder vor den Prüfern stehe, bin ich ganz ruhig. Ich bin da eher der Typ Sturm vor der Ruhe. Immerhin.
Dass ich in diesem Semester jetzt aber auch noch an den zwei Tagen davor unbeeinträchtigt war, machte mich sehr glücklich. Es gibt anscheinend doch Hoffnung für uns Klausurangsthasen. Wir brauchen einfach nur eine längere Gewöhnungsphase. Zwar bedeutet das nicht, dass man sich je auf Prüfungen freuen wird, aber es bedeutet, dass man sie schaffen kann. Und zwar ohne vorher oder währenddessen vor Aufregung hyperventilierend zu kollabieren.

Wie schön zu sehen, dass man mit seinen Aufgaben wächst!

Kommentare:

  1. Ich glaube ich hätte gern mit dir getauscht - lieber schlaflose Nächte und einen kühlen Kopf in der Prüfung als anders herum. In meinen Hassfächern wars eher so, dass ich sobald ich das Papier auf dem Tisch hatte, richtig Panik bekommen hab.
    Wobei noch schlimmer war bei mir immer die Angst eine Stunde oder Vorlesung zu verpassen durch zu spät kommen.

    Ich muss glaub ich nicht sagen, dass ich in meiner gesamten Schullaufbahn genau Null Fehltage hatte - egal wie schlecht es mir ging. xD Ich träum auch jetzt manchmal noch zu spät zum Unterricht zu kommen. Ich hoff echt dass das langsam mal nachlässt. Die 30 ist nicht mehr weit. So ewig wollte ich mich nicht von der Schule quälen lassen.

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    1. Oh ja, die Vorstellung, zu spät zur Prüfung zu kommen ist ein großer Teil der Albträume in der Zeit vor den Prüfungen. Während des "normalen" Semesters ist mir Unpünktlichkeit auch sehr sehr peinlich. Andere dagegen laufen entspannt eine halbe Stunde zu spät mit Kaffeebecher in der Hand ins Seminar. Verrückt.

      Wow, durchgehend null Fehltage ist schon beeindruckend. Meistens fehlte mir schon durch die Biologieolympiaden ein Tag pro Schuljahr. Aber wegen Krankheit fehlen - nö. Da muss es schon sehr hart kommen, dass ich mich nicht zum Unterricht schleppe. Außerdem: ich werde bevorzugt in den Ferien krank. Schon immer. Mein Körper ist ein Streber.

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  2. Puh, ich wünschte ich wäre auch schon durch mit allen Prüfungen dieses Semester - ich darf mich noch bis Ostern zusammenreißen und mich durch meine Notizen wälzen! :D

    Übrigens bin ich Eine von denen, die wochenlang super cool sind und dann 3 Stunden vor der Prüfung anfangen durchzudrehen. Gerade bei mündlichen Testaten bin ich immer völlig durch den Wind, was auch schon zu mehr als einer extrem peinlichen Situation geführt hat :D Ich hatte schon die lustigsten Blackouts in Testaten und manchmal hab ich mich wirklich gefragt wieso man mich nicht hat durchfallen lassen...

    MC-Klausuren sehe ich aber immer sehr entspannt, denn die werden schließlich vom Computer ausgewertet und kein Mensch kriegt mit, wenn ich absurde Antworten gebe, das beruhigt mich ungemein. Also, neben den 20% Ratewahrscheinlichkeit :D

    (Ein bisschen bescheuert, dass ich mich blamiere, weil ich Angst davor habe mich zu blamieren!)

    Im Abi war ich auch noch eine von den Leuten, die sich auf die Prüfungen gefreut haben um all ihr Wissen wenigstens mal loswerden zu können, aber mit Studiumsbeginn hat sich das ganz fix gelegt - da war einfach nicht mehr die Zeit dafür einen mich wirklich zufriedenstellenden Lernstand zu erreichen und das macht mich fürchterlich unsicher.
    Das Schlimmste war mit Abstand das erste mündliche Testat, da war ich schon drei Stunden vorher in der Uni weil ich es nicht mehr ausgehalten hab zuhause!

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    1. Ostern ist früh in diesem Jahr - also halte durch, es ist ein Ende in Sicht!
      Oh ja, diese super entspannten Menschen vor der Prüfung kenne ich. Man ist selbst schon seit sechs Wochen am Lernen und hört dann von anderen, dass sie dann nächste Woche wohl mal mit dem Lernen anfangen. Kann ich gar nicht nachvollziehen, ich würde vor Aufregung sterben.

      Sich zu blamieren vor lauter Angst sich zu blamieren kann ich absolut verstehen. Geht mir gefühlt immer so, wenn ich mich in ungewohnten Situationen befinde.

      Das Schlimmste im Vergleich zur Schulzeit ist, dass ich im Studium oft denke, ich sollte noch mal eine Übersicht zu angeborenen Herzfehlern, den Cysteinstoffwechsel oder auch irgendwelche Leitlinien nachlesen aber am Ende selten nur dazu komme, den Plan umzusetzen. Schon mies. Vor allem, da man nach dem Studium nicht unbedingt mehr Zeit dafür hat.

      Viel Glück bei deinen Prüfungen!

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  3. Wow, also ich habe bisher noch keine Prüfungsangst, bin aber auch keine Studentin, sondern nur Azubi. Ich finde es so faszinierend, wie anders und individuell jeder Mensch das verkraftet oder auch nicht... :)

    Liebste Grüße,
    Tanachi

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    1. Was für ein Glück muss es sein, keine Prüfungsangst zu haben. Genieße es!
      Liebe Grüße zurück,

      Apfelkern

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