Freitag, 6. Januar 2012

Schon geoutet?

Manchmal sieht man auf Blogs Bilder des Blogautors mit dessen Freunden oder Familie. Manchmal liest man davon, wie die Eltern bei der Aufnahme von Bildern behilflich waren.
Das beeindruckt mich, denn das bedeutet immer, dass der entsprechende Blogger seinem Umfeld von seinem Geschreibsel im Netz erzählt hat.

Und wahrscheinlich noch mehr: das Umfeld hat vielleicht sogar die URL des Blogs und kann so mitverfolgen, was im Kopf ihres Mitmenschen vorgeht. Ohne dass man ihnen von den eigenen Sorgen erzählt hat, wissen sie plötzlich schon, was einen beschäftigt. Mir gefällt diese Vorstellung nicht.

Das ist einer der Gründe, weshalb meine Familie und Freunde nichts von meinem Blog wissen. Ein Blog ist für sie (in meiner naiven Vorstellung zumindest) etwas, das irgendwelche einsame Computerfreaks oder Prominente in ihrer Freizeit betreiben, doch nichts für Otto Normalverbraucher. Es ist wirklich merkwürdig, seine tiefgehenden Gedanken Fremden mitzuteilen und gegenüber dem Umfeld im Leben 1.0 nicht zu erwähnen.

Vielleicht würden sie davon nicht komplett schockiert sein, dass ich blogge, sondern sich darüber aufregen, was ich blogge. Wer weiß - ich habe es ihnen nie erzählt.

Und dabei möchte ich es eigentlich auch belassen. Ich würde mich beobachtet fühlen; unter Druck gesetzt. Als Konsequenz würde ich ganz verbissen darauf achten, worüber ich schreibe und wohl auch im Laufe der Zeit die Freude am Bloggen verlieren. Da kann ich gleich mein Tagebuch zur allgemeinen Lektüre auf den Küchentisch legen.

Geheimnisse erfreuen einen mehr, wenn möglichst wenige davon wissen. Und da ich Pseudonym und fehlender Portraits sei Dank anonym bleibe, könnten die wenigsten, die mich vielleicht sogar in der Realität kennen,  meinen Gehirnquark mit meiner Person verbinden.

Und warum teile ich dann überhaupt meine Gedanken mit der Welt?
Man möchte manchmal einfach wissen, was andere über die eigenen vielleicht verschrobenen Vorstellungen denken und in den Genuss eines Gedankenaustausches kommen. Genau dieser Gedankenaustausch ohne die Grenzen, die sich innerhalb von Bekanntschaften immer finden, ist es, den ich am Bloggen so schätze und inspirierend finde. Man bekommt die Sichtweise von Menschen, die man auf der Straße nie ansprechen würde weil sie regelmäßig kaputte Schirme fotografierend am Straßenrand stehen. Es ist eine Horizonterweiterung von höchster Qualität und obendrein lernt man auch noch einige andere Blogger kennen und schätzen.

Es kann sein, dass ich mich mit meinem für den Großteil der Familie und Freude geheimen Blog nicht unwohl fühle, da es eine befreundete Bloggerin in Reichweite gibt, mit der ich mich über dieses Thema austauschen kann. Ohne diese würde ich aber gar nicht in die Situation kommen, mich wegen des Bloggens merkwürdig zu fühlen, da ich erst durch Karo zum Bloggen gekommen bin.

In einigen Momenten dachte ich wirklich ernsthaft daran, zumindest meiner Mutter von meinem Blog zu erzählen, doch ich kam von der Idee ab. Denn sie findet diese Art von Gedankenstriptease seltsam. Ihr Unterton sprach ganz deutlich: Blogger? Haben die denn keine richtigen Freunde?
Und so bleibt es mein kleines schmutziges Geheimnis.

Vielleicht bloggt mein komplettes Umfeld auch und schweigt genauso wie ich darüber.

Apfelkern

Kommentare:

  1. Ich oute mich auch nicht...Es reichen schon einige Mitwisser im Freundeskreis aus, die jedoch auch bloggen...DANN ist das nämlich auch ein bisschen etwas anderes...

    Liebe Grüe und ein schönes Wochenende :)

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  2. Ich sehe das so ähnlich aber eine Frage habe ich doch an dich. Bitte fühl dich nicht angegriffen oder verletzt, ich möchte nur meine Neugier stillen. ^^
    Lässt du dich durch Mitmenschen oder Familie/Freunde lediglich durch Aussagen so "beeinflussen"?

    Ich versuche immer bewusst solche Dinge zu ignorieren und "mein Ding" zu machen.

    Wenn man den Menschen, die so eine kritische Meinung über Blogs habe, erklären würde was man da macht und worum es einem geht. Und vor allem, dass es einem sogar wichtig ist es fortzuführen, würden sie immernoch die gleche Meinung haben? Das habe ich mich schon oft gefragt.
    Aber ich darf hier nicht so große Töne spucken... XD

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  3. Also mein Umfeld weiß, dass ich blogge. Ich habe die Adresse, auch gerade als ich damit angefangen habe, gerne im Freundeskreis verbreitet, was auch absolut nötig war, da über viele Jahre meine Leserschaft nur aus vielleicht einem Dutzend Leuten bestand, die ich persönlich kannte. Ich schätze, das fällt mir deshalb so leicht, weil ich ja kaum persönliche Dinge preisgebe, sondern hauptsächlig absoluten Unsinn verbreite, den ich auch ohne Blog mit meinen Mitmenschen teilen würde.
    Ich kann aber sehr gut verstehen, dass man lieber anonym bleiben möchte, gerade, wenn man über mehr als Weltraumsalamander und herumliegende Teelöffel schreibt.

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  4. Bei mir wissen es schon meine Eltern und ein paar Freunde. Bei einer Freundin B., du weißt vielleicht, wen ich meine (Patschehändchen, muss ich noch deutlicher werden) bereue ich es irgendwie wegen des unschönen Vorfalls. Du weißt schon.

    Ach, dieser Kommentar ist einfach so bereichernd. Nee, da machen wir aber noch etwas draus. Ich laufe auch überhaupt nicht herum und erzähle Leuten von meinem Blog. Mein Opa und meine Geschwister haben keine Ahnung und meine Eltern lesen ihn nicht (haben auch nicht die URL). Ich will auch gar nicht, dass alle von meinem Blog wissen. Manchmal weil mir die Erklärung, die darauf folgen müsste, zu umständlich ist oder einfach weil es sie nichts angeht. Ich meine, fremde Leute tauschen sich mit mir darüber aus und das ist so toll, aber privat hätte ich wahrscheinlich das Gefühl, dass ich den anderen eine zu große Angriffsfläche biete.
    Ach, ich kann's nur so schlecht beschreiben...

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  5. Außer meinem Freund habe ich niemandem erzählt, dass ich einen Blog habe. Und ihm habe ich es nur erzählt weil ich das Gefühl hatte, wenn ich es nicht mache, habe ich dann vielleicht etwas zu verschweigen?!? Geheimnisse, verwerfliche vielleicht?
    Genaugenommen hält es mich aber schon davon ab, gewisse Dinge zu posten (zum Beispiel die Frage ob es noch jemanden auf der Welt gibt der es sexy finden kann, wie ein recht unspektakulärer Typ mit seinem sehr schönen Knickedaumen seiner sehr schönen Hand den Stopp-Knopf im Bus drückt. Genau, diese Gedanken würden den Liebsten vielleicht etwas verwirren. So wie mich selbst ja auch).
    Könnte ich nochmal entscheiden, würde ich nicht auf die komische Stimme in meinem Kopf hören und es für mich behalten.
    Und jetzt gerade eben frage ich mich ob er (also mein Freund, nicht der Knickedaumen-Typ) diesen Kommentar eventuell liest. Naja, dann ist es eben raus...

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  6. Also ich schreibe ja kaum etwas Persönliches, doch dennoch "schäme" ich mich fast dafür, eben weil das Bloggen teilweise so belächelt wird - und das ist leider oftmals noch milde ausgedrückt.
    Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich gesagt habe, dass ich blogge bzw. es durch ein paar Ecken "herausgekommen" ist. Die Blicke meiner _Freunde_! öÖ Ich war ehrlich beschämt und in meiner "Ehre" verletzt, so sehr, dass ich in dem Moment gar nichts mehr sagen konnte und dann erst am nächsten Tag ein langes Posting in unserem internen Forum geschrieben habe. Ich war "entsetzt" darüber, wie man mich angesehen hat! >:( Dabei haben die alle komische Hobbys, über die sonst niemand von uns lacht! (nerds und Freaks eben). Gut, nur zwei oder drei waren es, bei denen mir die Reaktion sauer aufgestoßen ist, aber das langte! *grummel* Ähm ja. Usw.

    Jedenfalls halte ich damit nicht hinter'm Berg, steht in meinen Internetprofilen. Meine Mutter liest meinen Blog regelmäßig, mein Freund auch, dann noch ein paar RL-Freunde mittlerweile, aber nur wenige. Die meisten wissen auch noch gar nichts davon, da ich es niemandem auf die Nase binde.

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  7. Interessante Überlegung. Ich will eigentlich auch nicht, dass meine Leuts den Blog lesen. Aber es steht nichts verfängliches drin und vielleicht sollte man doch einen Blog, der evtuell doch demnächst bebildert wird, so dchreiben, dass man sich vor seinen freunden deswegen nicht genieren muss?

    grüße,
    anni

    ps. ich hab dracula schon vor einigen jahren gelesen und fands toll! würd mich freuen, eine kritik von dir zu lesen
    pps. ich find das hobby mit den schirmen irgendwie toll. wenn ich einen finde, dann bekommst du das bild!

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  8. Also meine Familie und auch einige Freunde wissen schon seit längerer Zeit von meiner Bloggerei. Während sich bei den Freunden das in netzaffine und weniger netzaffine Leute aufteilt und demnach auch das Interesse herrscht, steht meine Familie dem ganz wohlwollend gegenüber, sie finden das toll, was ich damit so alles schon erreicht habe. Ich möchte trotzdem nicht unbedingt, dass sie das lesen, allerdings sind sie alle schon unabhängig zufällig auf mein Blog gekommen. Schon blöd, wenn Google einen in manchen Dingen recht hoch rankt. :D

    Ist aber auch kein Drama, ich schreibe ja kaum etwas, das irgendwie verfänglich ist und erst recht nichts, wozu ich nicht stehe.

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  9. @Annika: Das mit den Schirmen ist gar nicht Apfelkern, das bin ich, wobei ich fast behaupten würde, dass man han_man wesentlich häufiger Schirme fotografierend am Straßenrand antrifft, wovon ich natürlich profitiere :)
    @Apfelkern & The eigentliche Sinn of the Post:
    Na dann bin ich wohl dran :) Ich hab schon vor ungefähr zehn Jahren angefangen, "zu bloggen", genaugenommen hab ich mir damals noch mühsam die Finger wundgetippt mit eigener HTML. Erst als ich vor zwei Jahren auf Blogger umgestiegen bin, hab ich mal darüber nachgedacht, mich etwas zu anonymisieren, was natürlich bei dem Elefantengedächtnis des Internets nur semi-gut funktioniert... In meinem Umfeld wissen eigentlich alle, dass ich blogge; von guten und nicht ganz so guten Freunden bekomme ich häufig mit, dass sie sogar regelmäßig nachschauen, was ich so mache. Aber so richtig wichtige Angelegenheiten, die haben auf meinem Blog nichts verloren. Manchmal ist das schade - manchmal habe ich Gedanken, die ich gerne in Schriftform mit dem "unbekannten" Blogbekanntschaften teilen würde; die aber meinen realen Bekannten einfach zu viel über mich verraten würden. Beispielsweise was aus dem Jemand wurde, "den ich da kennengelernt habe" ;) Langer Rede kurzer Sinn, ich versuche meine Posts immer so zu halten, dass ich damit niemanden irgendwie diffamiere, der es dann durch Zufall irgendwann herausfindet - so, dass ich mich nicht schämen muss, wenn jemand eines Tages zufällig auf meiner Seite landet. Klappt vielleicht nicht immer;)

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  10. ja das is so ein thema...bei mir ist es so dass nur mein freund die url hat. und das ist auch gut so - gesichter von freunden und familie werden mit sternchen anonymisiert und gut is.
    obwohl mein blog "für die welt offen ist" gibt er mir einen privaten rahmen...nich so banal wie facebook sondern persönlich.

    vor ein paar monaten hatte mal der bruder meines liebsten den blog gefunden und ich war auf einmal echt gehemmt normal zu schreiben. zum glück hab ich das überwunden ^^

    gutes thema :)
    LG

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  11. also ich kann owyanna nur beipflichten. zwar blogge ich noch keine zehn jahre (haha) aber von meinem blog wissen auch viele meiner leute. am anfang war's mir ziemlich egal -es war allgemeiner kram, den ich auch so sagen würde. meine meinung eben. inzwischen denke ich oft, dass es schöner wäre, wenn ich die adresse niemandem 'echtes' gegeben hätte, da man nie weiß, wer sie jetzt alles hat, und wer regelmäßig nachschaut, was ich so mitteile. ja, mittlerweile schränkt die tatsache, dass 'echte' leute meine posts lesen, meine bloggerfreiheit ein, aber was soll man machen?

    ich versuche auch weiterhin nur das zu bloggen, was die 'echten' menschen auch wissen können, was meiner meinung entspricht. ob es so oder anders richtig ist oder wäre, weiß man ja am ende sowieso nicht. :)

    liebste lesergrüße von josi :>

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  12. Also ich geh mit der Bloggerei eigentlich recht offen um. in meinem Freundeskreis wissen es so ziemlich alle, weil ich die Beiträge auch bei Facebook veröffentliche! Ob sie es auch lesen, weiß ich nicht! Mein Freund liest teils mit...manchmal sag ich ihm auch, dass er das lesen soll bzw. manchmal frage ich hn auch, ob ich das so veröffentlichen darf, sofern es ihn irgendwie betrifft! Meinen Eltern habe ich letztens auch zwei Beiträge vorgelesen, es waren Berichte über gemeinsame Unternehmungen mit meinem Paps! Viele Freunde und Familienmitglieder verstehen die Blogosphäre nicht bzw. wollen es auch gar nicht! Sind ja alle nur so ne Freaks!^^

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  13. Eine kleine Frage hätte ich noch: du hast doch vor Kurzem ein Keks-Gewinnspiel veranstaltet, wo Leute aus deiner Familie Testesser waren? Wie hast du das denen erklärt? Sorry, nur ein kleines Detail, aber interessiert mich gerade...
    Ansonsten kann ich deine Meinung völlig nachvollziehen. Mir persönlich ist allein schon die Vorstellung etwas unangenehm, dass jemand aus meinem Bekanntenkreis mitliest was ich im WorldWideWeb so von mir gebe. Nicht dass ich mich dafür schämen würde, aber...fremde Leute sind nicht voreingenommen. Leute, die einen kennen, haben bereits ein bestimmtes Bild von einem, mit jeder Aussage wird das irgendwie erweitert und - zack - wird man in eine Schublade gesteckt. ... Ahh, ich kann mich so schlecht ausdrücken... Ich hoffe du verstehst ungefähr was ich sagen wollte...

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  14. @Jules
    Ich lasse mich nicht durch Aussagen meiner Familie und Freunde zum Bloggen beeinflussen, da sie ja nichts vom Blog ahnend auch nicht über das Thema sprechen. Da aber durch z.B. Zeitungsartikel über die Wirksamkeit von Initiativen irgendwelcher Blogger das Thema doch zur Sprache kam und meine Familie Blogger für sonderbar erklärte, verunsicherte und auf eine Weise beleidigt mich das schon. Das ist jedoch kein Grund für mich, dieses Hobby aufzugeben.
    Ich denke eher selbst darüber nach, was die Meinung meines Umfeldes über diese Onlineaktivität wäre, wenn sie davon wüssten und nehme an, dass es keine Positivreaktion wäre, weshalb ich dadurch verunsichert diese verschweige.

    @owyanna
    Ja, die zerfledderten Schirme sind dein.

    @Anonym
    Gute Frage!
    Ich backe/koche häufig mehrere Sachen und möchte dann wissen, welche ihrer Meinung nach besser schmeckt, sodass es ihnen nicht seltsam vorkam. Und die Strichliste habe ich dann einfach in einem unbeobachteten Moment geführt.

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  15. ich erzähle meiner familie und meinen freunden gerne von meinem blog. manche interessiert, manche halt nicht.
    ich finde es schön, wenn auch leute mitlesen, die mich persönlich kennen.

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