Sonntag, 24. Januar 2016

Was bedeutet Minimalismus eigentlich (für mich)?

In meinem Post zu meinen Vorsätzen für dieses Jahr habe ich geschrieben, dass ich minimalistischer leben möchte - doch was heißt das nun eigentlich konkret? Was ist denn dieser Minimalismus? Diese Frage beschäftigt mich auch und die Gedanken dazu möchte ich mit euch teilen.

Wenn man versucht, etwas zu definieren, kann es helfen, Wikipedia zu fragen. Die wissen doch schließlich eine Menge.
Minimalismus bezieht sich dort nicht immer auf das gleiche Subjekt. Es gibt ihn in der Architektur, der Musik, der Kunst, der Linguistik - aber mich interessiert vor allem der Minimalismus im Sinn eines einfachen Lebens, wie es so schön in der freien Enzeklopädie heißt.

Das bedeutet für einige, nur eine bestimme Anzahl von Gegenständen zu besitzen und für andere, nur das zu haben, was man wirklich braucht ohne sich dabei auf Zahlen festzulegen. Überhaupt gibt es nicht den Minimalismus sondern es ist eine flexible Bezeichnung für eine Lebensweise, die versucht sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das Wesentliche ist für jeden etwas anderes.

Kein überflüssiger Konsum, dadurch weniger Ausgaben für Dinge, die man eigentlich nicht wirklich braucht und die einem langfristig nur die Wohnung füllen statt glücklich zu machen. Das klingt jetzt so als würde es dem gesunden Menschenverstand entsprechen, sich so zu verhalten aber wenn ich ehrlich bin, habe ich es trotzdem nicht immer so umgesetzt.
Man kauft doch Dinge, weil sie im Angebot sind oder durchstöbert ohne die tatsächliche Absicht, etwas zu kaufen live aber vor allem auch online Geschäfte. Diese Zeit kann man sich wirklich sparen.

Zeit ist auch ein wichtiger Punkt im minimalistischen Leben. Es geht darum, seine Zeit bewusst wahrzunehmen und auch zu genießen. Wenn man weniger besitzt, muss man weniger Zeit für dessen Organisation und Erhalt aufwenden. Besitz verpflichtet halt doch. Da fällt es schwer, einfach mal nichts zu tun und sich zu entspannen oder den Hobbys nachzugehen, wenn man das Chaos in seinen Schränken zähmen muss.
Ohne die einen umgebende Unordnung fühlt man sich auch innerlich ruhiger, entspannter weil man nicht von sich stapelnden Dingen auf dem Schreibtisch bedrängt wird.

Klingt alles theoretisch prima soweit. Wie läuft es mit meiner Umsetzung?
Ich habe angefangen, Dinge auszusortieren, die ich lange nicht benutzt habe. Schmuck aussortiert und verschenkt und Kleidung zur Kleiderspende gebracht.
Einige Male habe ich bewusst Dinge nicht gekauft, da ich bemerkt habe, dass sie mich nur angesprochen haben, da sie reduziert waren. Aber macht mich ein The Body Shop Duschgel nun ernsthaft zu einem glücklicheren Menschen besonders, wenn es nun zwei Euro weniger kostet? Mein Fazit war, dass fünf Euro für ein Duschbad noch immer völlig übertrieben und an anderer Stelle sehr viel besser investiert sind.
Ähnlicher Fall: braucht man eine zweite Schutzhülle für sein Handy nur weil sie ein unglaublich schönes Mandala Design hat? Ich habe sie bestellt - und wieder zurück geschickt. Sie hat absolut nicht an das Telefon gepasst obwohl ich definitiv für exakt mein Modell bestellt habe. Es sollte nicht sein. Und ehrlich gesagt kann man immer nur eine Hülle auf einmal benutzen.
Das Geld, das man dadurch spart kann man langfristig auch für Dinge einsetzen, die das eigene Leben wirklich bereichern. Urlaube, Konzerte, qualitativ hochwertigere Produkte.

Auf Youtube und Blogs begegnete ich immer öfter dem Modell der Capsule Wardrobe. Es ist ein Ansatz mit einer limitierten Anzahl (je nach Autor meist 33-37 Teile) von Kleidungsstücken (Unterwäsche, Sportbekleidung, Nachtwäsche und noch ein paar ähnliche Dinge ausgeschlossen), sich drei Monate und damit etwa eine Saison lang zu kleiden. So weiß man definitiv, was man hat und wie man es kombiniert um sich darin wohl zu fühlen. Nach den drei Monaten wird neu gemischt mit den restlichen saisonalen Kleidungsstücken, die man hat, um so die Anpassung an Wetterwechsel zu gewähren.
Moment - das sagt ja noch nichts über die Anzahl der Kleidung! Man kann ja trotzdem 200 Kleidungsstücke haben und sie nur durchwechseln. Mein Plan ist erst mal ganz unabhängig von einer Anzahl zu sortieren, was ich wirklich gerne und oft trage und denn Rest gehen zu lassen.

Denn momentan muss ich oft feststellen, dass ich so viel Kleidung habe, dass ich ganz klischeehaft einen Schrank voller nichts zum Anziehen habe. Ich plane nach den Prüfungen meinen kompletten Kleiderschrank auf den Kopf zu stellen und radikal zu entrümpeln. Wenn einem jahrelang die gleichen Größen passen, sammelt sich viel mehr an als man wirklich braucht und momentan macht mich das beim Blick in den Schrank unglücklich.
Trotzdem habe ich es bisher noch einfach nicht geschafft, Dinge, die ich sei es aus nostalgischen Gründen oder allein dem Grundsatz "man weiß ja nie, wofür man das noch braucht" behalten habe, auszusortieren.

Das klingt alles sehr positiv aber auch ein bisschen so als wäre Minimalismus nur ein trendigerer Ausdruck für "mal entrümpeln". So ein bisschen stimmt das im Moment für mich auch, da das Ziel einer minimalistischeren Lebensweise mich zum Entrümpeln motiviert. Aber es hört eben nicht damit auf. Es geht auch um eine nachhaltige, bewusstere Lebensweise darüber hinaus. Was exakt das für mich heißt, wird sich noch herausstellen. Denn eins weiß ich schon: Minimalismus ist eine Reise. Man ist nicht von jetzt auf gleich Minimalist sondern muss sich Schritt für Schritt dazu entwickeln und herausfinden, was das für einen persönlich bedeutet.

Ich bin also noch dran an meinen Vorsätzen. Auf das Aussortieren nach den Prüfungen freue ich mich regelrecht, denn ich kann es kaum erwarten, das loszuwerden, was mich nicht mehr glücklich macht und mir keinen Nutzen mehr bringt.

Apfelkern

Kommentare:

  1. Ich hab den Minimalismus auch gut verinnerlicht und meinen Besitz auf die Hälfte (oder noch mehr) reduziert.Klingt nach viel, ist es auch, aber nur, weil ich uralte Sachen aus meiner Kindheit noch hatte (inkl. Zeitschriften und Krimskrams). Jetzt sind meine Regale so weit so gut leer und es fühlt sich gut an. Trotzdem hatte ich mir eine neue Handyhülle mit Mandala-Design bestellt. :D :D

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    1. Das ist sehr motivierend, dass du es auch geschafft hast, den Krimskrams zu reduzieren. Da bist du mir voraus. Irgendwann erschlägt einen das ganze Zeug doch.
      Das Mandala Design war wirklich großartig aber ich schaffe es schon noch, das irgendwo in meinem Alltag zu integrieren ohne dafür extra irgendwas kaufen zu müssen.
      Berichte doch mal was über deinen Minimalismus und was er für dich ausmacht auf dem Blog! Ich bin immer sehr fasziniert, wie unterschiedlich Menschen diesen Begriff definieren.

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  2. "man weiß ja nie, wofür man das noch braucht" - Das ist so ungefähr der Hauptgrund für 90% meiner unnützen Besitztümer, da hat meine Erziehung wirklich voll zu buche geschlagen. Meine Eltern haben einen ganzen Keller voll mit "man weiß ja nie, wofür man das noch braucht" :D

    Hatte unter anderem um die 10 (große) Pappkartons, weil "man weiß ja nie, wofür man das noch braucht". Hat sich super angefühlt die in den Müll zu bringen, nachdem mir aufgefallen ist, dass sie für Umzugskartons zu klein sind und für Pakete viel zu groß. Super unnütz.

    Mit "man weiß ja nie, wofür man das noch braucht" hab ich fast so viel zu kämpfen wie mit den wöchentlichen Angeboten im Supermarkt: "Oh, die Bohnen sind ungefähr 5 Cent günstiger, ICH MUSS DREI PAKETE MITNEHMEN!"

    Liebe Grüße!

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