Donnerstag, 7. April 2016

Warum das Reisen mit Handgepäck ideal ist

Momentan muss ich im Straßenverkehr ganz besonders aufpassen, denn ich bin frisch zurück von meiner Reise nach Großbritannien. Ihr wisst schon, diese europäische Insel, auf der alle auf der falschen Seite fahren.

Während meiner zehntägigen Reise bin ich nur mit Handgepäck unterwegs gewesen. Meine liebste Reisebegleitung Karo fragte mich auch ganz verwundert, wie ich denn da bitte alles nötige für die Reise rein bekäme. Genau ein Jahr zuvor hatten wir schließlich für unseren fünftägigen Urlaub in Budapest zusätzlich zum Handgepäck einen Koffer dazu gebucht, um alles, was wir "brauchen" mitnehmen zu können.

Ich habe dieses Mal einfach sehr viel bewusster gepackt. Nur das wesentliche mitnehmen und den unnötigen Kram zu Hause lassen. Dadurch findet man unterwegs im nicht vollgestopften Rucksack auch alles problemlos und muss weniger umher schleppen.
Dazu kommt, dass der Begriff Handgepäck ein bisschen irreführend ist. Darunter habe ich mir immer vorgestellt, dass man eine kleine Handtasche mit den Ausweisen, Portemonnaie, drei Bonbons und einem Buch mit an Bord nehmen kann. Dann habe ich beim Buchen des Fluges noch einmal genau nachgelesen. Und siehe da: laut Ryanair, mit denen ich geflogen bin, sind pro Passagier

"ein Handgepäckstück mit einem Gewicht von bis zu 10 kg sowie maximalen Abmessungen von 55 x 40 x 20 cm plus eine kleine Tasche mit maximalen Abmessungen von 35 x 20 x 20 cm zulässig". 

Moment mal, das sind ja schon zwei Gepäckstücke! Und dazu kommt, dass diese Maße größer sind, als ich gedacht hätte.



Das waren meine zwei Handgepäckstücke: mein großer 28 l Rucksack plus eine kleine Umhängetasche für Portemonnaie, Ausweise, Handy, Flug- und Bustickets, Kopfhörer, Notizbuch, Stift und Kindle - sprich das, was ich immer direkt griffbereit haben wollte. Am Urlaubsort reicht die Umhängetasche dann auch für die Tagesausflüge und der Rucksack kann in der Unterkunft bleiben.

Und wie packe ich nun, dass dieser Stauraum reicht, um mich für zehn Tage zu versorgen?
Einen kleinen Einblick dazu habt ihr ja schon während meines Packens am Picture My Day Day 
bekommen.
Das große Geheimnis für kälteres Klima ist das Schichten. Drei Tops zum Drunterziehen, vier langärmlige Shirts, ein 3/4 Arm Shirt, eine Fleecejacke und ein Tuch. Schlafanzug, zehn Paar Socken und genauso viele Unterhosen sowie ein Paar wärmere Stricksocken, Handschuhe, Badelatschen und das war es dann auch an Kleidung.
Die Jeans für die Reise sowie die Fleecejacke habe ich bereits zum Flug getragen. Dann fehlt nur noch die Waschtasche, ein großes und ein kleines Handtuch. Plus der für Großbritannien essentielle Regenschirm in der Seitentasche.

Waschtasche. Das vor allem für uns Frauen ist das ein Teil des Gepäcks, der leicht in seinem Umgang ausarten kann.
Ich habe mich auf eine kleine Abfüllung meiner Gesichtscreme, ein flüssiges Rouge, ein Concealer, eine kleine Mascara, ein Kajalstift, ein Lippenstift, Puder und Wimpernzange (braune Waschtasche) beschränkt. Dazu kamen dann Deo, Lippenpflegestift, Hand- und während des Urlaubs auch Körpercreme und Zahnbürste außerhalb der Tasche.
In die helle Tasche wanderten ein Puderpinsel, Menstruationstasse, Handwaschpaste für die Kleidung, ein Vorhängeschloss, Taschenspiegel, Haargummi, kleine Haarbürste. Zahnpasta, Duschgel und Shampoo teilten wir uns während der Reise.
Das ist generell empfehlenswert für den Fall, dass ihr nicht allein reist: soweit es geht, Gegenstände gemeinsam nutzen. Denn warum sollte man zwei Tuben Zahnpasta tragen, wenn eine völlig ausreicht?
Für ein wärmeres Ziel würde ich die Tasche noch um Sonnencreme und eventuell Insektenspray ergänzen. Mir ist klar, dass die dekorative Kosmetik nicht notwendig ist und auch zu Hause bleiben könnte, doch das ist ein kleiner Luxus, den ich mir auch im Urlaub gönne.


Falls ihr euch jetzt wundert, was der Fuchs auf dem Bild macht: das ist ein ungeheuer praktischer Zahnbürstenschutz. Großartig für die Reise und perfekt, um die Mitreisenden in Aufregung zu versetzten, weil ein Fuchs aus dem Rucksack schaut. Danke dafür, Connü!

In der Zeit der Reise habe ich es extrem genossen, nur mit Handgepäck unterwegs zu sein.
Damit habe ich nicht nur beim Flug Geld gespart, da ich kein großes Gepäckstück dazu buchen musste, sondern auch ohne Kofferabgabe schneller einchecken können. Genauso gut geht es nach der Landung weiter: kein Warten auf den Beginn der Gepäckausgabe, kein Bangen, dass das Gepäck verloren gegangen sein könnte oder beschädigt wird. Man hat immer alles in Reichweite dabei.

Wartest du noch auf dein Gepäck oder reist du schon?
Es war ein gutes Gefühl, so gepackt zu haben, dass man wirklich alles unterwegs tatsächlich brauchte, was man gepackt hat. Nun ja, ehrlich gesagt habe ich die Menstruationstasse und die eingepackte Gesichtsmaske für einen lustigen Mädelsabend unterwegs nicht verwendet. Davon abgesehen kam aber alles während der zehn Tage zum Einsatz und mit dieser Quote bin ich mehr als zufrieden.

Ein Vorteil des kleinen Gepäcks ist auch, dass man weniger versucht ist, große Souvenirs zu kaufen, die eventuell Sachen sein könnten, die man eigentlich nicht braucht. Allein schon, weil man sie eh nicht transportieren könnte. Hier eine Übersicht meiner Mitbringsel.


Eine Dosis meines geliebten  Lady Grey Tees für mich, der im Angebot war und bei uns nicht leicht erhältlich ist und wenn dann nur sehr teuer. Eine Packung Dairy Milk Buttons für meine Schwester, die inspiriert von Youtubern schon lange diese Schokolade probieren möchte. Was natürlich nie fehlen darf: Wolle! 
Diese ist wahrhaftig das perfekte Souvenir, da sie leicht und komprimierbar ist. Aus meinem Knäul plane ich mir ein paar warme Socken zu stricken, die mich immer an diesen tollen Urlaub erinnern werden. Das zweite Knäul gehört Karo und wurde nur von mir transportiert.
Auf dem Bild fehlt noch ein Bild von Minzschokoladentalern, die ich bereits meiner Mutti geschenkt habe. 
Insgesamt bin ich unglaublich zufrieden mit meinen Souvenirs: es ist nichts dabei, was mir sinnlos die Wohnung vollmüllt und ich freue mich schon sehr darauf, meine britischen Socken zu stricken.

Und nun noch einmal ganz kurz zu meinen Must-Haves (was für ein bescheuertes Wort!) für den Rucksacktouristen:

1. Ein gutes Schloss. Sichert in Hostels im Mehrbettzimmer die wertvollen Dinge vor eventuellen Langfingern.

2.  E-Reader. Ein kleines leichtes Gerät eingepackt hat man dutzende Bücher dabei. Und weil Moby Dick schrecklich langatmig war, konnte ich Dank Kindle einfach so zu Sherlock Holmes und Frankenstein wechseln ohne mehrere Bücher mitschleppen zu müssen.

3. Handwaschmittel. Weniger packen, mehr waschen. Meine schlammigen Hosenbeine wurden gewaschen und geföhnt, wodurch keine zusätzliche Jeans nötig war. Für noch längere Reisen mit Handgepäck kann ich mir gut vorstellen, nicht mehr Unterwäsche und Socken mitzunehmen, sondern einfach zu waschen.

4. Menstruationstasse. Das Teil ist schlicht und einfach genial. Ein Gegenstand statt ganze Bündel von Binden und Tampons. Was für eine großartige Erfindung!

5. Akku Pack. Man weiß ja nie, wann der Strom des Smartphones ausgeht und wo der Nachschub her kommt. Damit kann man Offline Karten immer benutzen oder online die lokalen Museen recherchieren.

6. Wasserflasche. Eine leere Wasserflasche kommt problemlos durch die Sicherheitskontrollen und kann dann unterwegs immer mit Leitungswasser aufgefüllt werden. Spart unglaublich viel Geld und vermeidet akute Durstanfälle. Nicht mit auf dem Bild wegen spontaner Demenz.


Mein Fazit ist, dass ich restlos begeistert bin vom Reisen über mittlere Zeiträume nur mit Handgepäck. Dank kleiner Packungen unter 100ml kommen auch die flüssigen Kosmetika durch die Sicherheitskontrolle. Ich hätte es nie für möglich gehalten, mit nur knapp sechs Kilo Gepäck im Rucksack problemlos zehn Tage lang unterwegs zu sein, doch es gab wirklich nie einen Moment, in dem ich irgendetwas vermisst habe.

In Zukunft werde ich es mir gut überlegen, ob ich auf Reisen mehr als nur meinen Rucksack brauche. Denn selbst wenn man nicht mit dem Flugzeug unterwegs ist, muss man nicht mehr packen als nötig. Schließlich möchte ich nicht mein schweres Gepäck durch die Welt tragen, sondern etwas erleben.

Kommentare:

  1. Oh, wie genial! Was mir aber bei Deiner Aufzählung irgendwie fehlt: Schuhe! Ich gehöre leider zu den Menschen, die nicht unbedingt jeden Tag dieselben Schuhe anziehen können, außerdem finde ich, dass gerade Schuhe jede Menge Platz brauchen in Koffer oder Tasche. Wie ich auch zähle, ich käme auf mindestens drei bis vier Paar (zwar inklusive der Schuhe, die ich auf der Reise anhätte, aber trotzdem ...).
    Lieben Gruß
    AnnJ

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    1. Mhm, ich habe tatsächlich wenig über Schuhe gesprochen. Ich hatte unterwegs immer meine bequemen Turnschuhe an und in der Unterkunft dann meine Birkenstocks, die ich als "Hausschuhe" und Badelatschen verwendet habe. Viel mehr bräuchte man auch nicht, denke ich. Schuhe zum ausgiebigen Laufen (Turnschuhe), eventuell noch sommerliche Ballerinas bei entsprechender Reise, Badelatschen.

      Mich würde interessieren, welche Art von Schuhen du bei den erwähnten 3-4 Paar Schuhen einpacken würdest.

      Grüßli,

      Apfelkern

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    2. Das Dumme ist: Man weiß halt nie, welches Wetter sein wird ... Ich würde wohl die festen (nicht-stoffigen) Turnschuhe auf der Reise anziehen, weil bequem. Einpacken würde ich die etwas leichteren Turnschuhe - evtl. sogar zwei Paar (weil ich ja nicht jeden Tag dieselben geschlossenen Schuhe anziehen kann), ein Paar schickere Schuhe zum Abends-Ausgehen (Pumps mit kleinem Absatz), evtl. ein Paar offene Schuhe - und die Badeschlappen. Möglicherweise müssten sogar noch die Wanderschuhe mit - käme auf den Urlaub an.
      :-)
      Lieben Gruß
      AnnJ

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    3. Stimmt, man weiß nie welches Wetter sein wird. Trotzdem denke ich, dass man ja nicht bei jedem Wetter draußen laufen muss und statt Gummistiefel einzupacken einfach ins Museum, Schwimmbad etc gehen kann. Feste Turnschuhe, die auch nach zwanzig gelaufenen Kilometern noch bequem sind, habe ich auf Reisen immer dabei. Zwei Paar Turnschuhe würde ich wahrscheinlich nicht mehr einpacken - stattdessen lieber Fußdeo ;). Gibt es in Pulverform. Damit werden die Füße behandelt und bleiben so - vor allem in offenen Schuhen - sehr viel länger nicht schweißig. Schuhwerk, dass ich nicht mindestens die Hälfte des Urlaubs brauche (Absatzschuhe für eventuell ein schickes Event), bleibt zu Hause. Auch versuche ich immer die Kleidung so zu packen, dass alles zu meinen mitgebrachten Schuhen passt.

      Manchmal habe ich mir auch nach einer Woche ein anderes Paar Schuhe gewünscht - ehrlich gesagt hätte ich es aber nicht schleppen wollen.

      Liebe Grüße,

      Apfelkern

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  2. Du hättest natürlich auch einen kleinen Koffer mitnehmen können, da passt dann noch n bisschen mehr rein. Habe drei Wochen Asiaurlaub mit nem Minikoffer überlebt. Waschen konnte man fast überall, also wieso einen 23kg Koffer mit Klamotten vollstopfen? Ich habe den eher für Geschenke benutzt (die Verwandten müssen versorgt werden!).
    Über das Thema wollte ich auch noch was schreiben. Passt ja auch gut zum Thema Minimalismus.

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    1. Das stimmt: in den kleinen Koffer passt noch einen Tick mehr rein, weil er die Handgepäcksmaße exakt ausnutzt. Nachteil: ich hätte ihn während der Rundreise nicht einfach bequem auf dem Rücken tragen können.
      Ich denke für Reisen, während den man weniger mobil ist, lohnt sich so ein Koffer aber. Beim Städteurlaub mit nur einer Station ist mir egal, ob ich den Koffer täglich gut mitnehmen kann. Also wird eventuell in Zukunft auch bei mir so ein Köfferchen einziehen.

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  3. Hut ab. Ich weiß nicht ob ich mir zutrauen würde, 10 Tage nur mit Handgepäck zu reisen, aber dein Bericht hier macht Lust darauf, es vielleicht einmal auszuprobieren :)

    Hast du dir denn die Kosmetika in kleiner Form gekauft oder umgefüllt? (Also so zum Thema Flüssigkeiten)

    Dein Beitrag liest sich auf jeden Fall so, als hättest du an alles gedacht und das werde ich mir auf jeden Fall mal merken und ggf. für die nächste mögliche Handgepäck-Reise zu Rate ziehen.

    Vielen Dank für den spannenden Einblick :)

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    1. Probier es einfach auf einem kleineren, zum Beispiel einwöchigen Trip aus und du wirst sehen, dass es nicht weiter schlimm ist. So viel braucht man eben einfach doch nicht.
      Kosmetika hatte ich entweder selbst in kleinen Abfüllungen oder Probepackungen dabei und alles, was sich dafür eignete (Duschbad, Shampoo, Zahnpasta) gemeinsam mit meiner mitreisenden Freundin ein Produkt geteilt. Toll sind auch immer Kombiprodukte! So kleine Tricks, wie Flüssigrouge einzupacken (wenn man davon ausgeht, dass das für einen notwendig wäre), spart z.B. auch den Pinsel für den Auftrag. Man kann im Reisegepäck viel optimieren.

      Ich freue mich sehr, dass dich der Beitrag inspirieren konnte!

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  4. Ich bin da ganz bei dir! Während ich haufenweise Leute kenne, die schon für ein Wochenende bei den Eltern einen Koffer brauchen, komme ich auch überraschend lange mit meinem Rucksack aus.

    Und das, obwohl ich gerne für vieles gerüstet bin und z.B. auch nie ohne mein "Notfall-Täschchen" auf Tour (oder auch nur in die Uni) gehen würde, das immer das nötigste zur Wundversorgung, eine Nagelfeile, ein Reserve-Haargummi, zwei bis drei Notfall-Tampons, einen Blister Ibuprofen und Handdesinfektionsmittel enthält... :D
    Halt alles, was man für die meisten Alltagsnotälle so brauchen kann!

    Da ich seit Jahren nicht geflogen bin, musste ich mir zwar nie zwangsweise Sorgen um Handgepäcksbestimmungen zu machen, aber als Mensch ohne Auto versuche ich auch immer möglichst wenig Kram durch die Gegend schleppen zu müssen. Mehr als meinen ganz normalen Unirucksack und einen Jutebeutel oder im Extremfall mal eine kleinere Reisetasche hab ich im gesamten letzten Jahr nicht gebraucht, konnte aber auch bei allen Aufenthalten über einer Woche waschen.

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    1. Ich finde es auch verrückt, was andere Mitmenschen oder auch Blogger so als "Tasche" (aka Koffer) für Wochenendausflüge packen. Planen die etwa eine Bühnenshow mit drei Outfitwechseln?!

      So ein kleines Notfalltäschchen (Menstruationstasse, Nähset, Waschpaste, Handcreme, Ibuprofen, Haargummi, Lippenbalsam) ist bei mir auch immer dabei. Das kleine Fläschchen Sterilium darf nicht mehr mit in den Urlaub, seitdem es mir in Prag ausgelaufen und die Farbbeschichtung des Regenschirms in meiner ganzen Tasche verschmiert hat. Ehrlich gesagt habe ich es aber doch unterwegs mehrfach vermisst.

      Ich finde, dass ganz unabhängig vom Transportmittel, man allein dem Rücken zuliebe nie mehr mitschleppen sollte als nötig. Alles andere wäre ja auch Ressourcenverschwendung.

      Liebe Grüße an dich!

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