Dienstag, 13. Januar 2015

Dosenlachen

Es ist jedes mal aufregend schön und traurig zugleich, wenn man eine Serie beendet. Da hat man die Charaktere so lange verfolgt und lieb gewonnen und nun wird man nie wieder eine neue Folge mit ihnen ansehen können und sich darauf freuen können.
Wie gut, dass es mehr als nur eine geniale Serie gibt und man mit der Auswahl bei Netflix und Co. schon eher überfordert ist, weil sie so groß ist. Trotzdem steigt damit definitiv die Chance, dass etwas schönes für einen dabei ist.

Wenn ich eine Serie auswähle, dann gibt es ganz egal wie es inhaltlich oder auf Seiten der Darsteller aussieht eine Sache, bei der ich mich weigere, die entsprechende Serie anzusehen: eingespieltes Lachen. Einen richtigen deutschen Begriff dafür kenne ich ehrlich gesagt gar nicht, im Englischen heißt es sehr passend canned laughter also Lachen aus der Dose im Sinne eines konservierten Lachens, das man ganz willkürlich einspielen kann.

Es ist gut, wenn es lustige Stellen gibt, die mich zum Lachen bringen. Aber ich möchte wirklich nicht vorgeschrieben bekommen, an welchen Stellen ich zu lachen habe - ganz egal ob ich sie nun tatsächlich witzig finde oder nur der Drehbuchautor.
Szenenbeginn, irgendwas "merkwürdiges" passiert, eingespieltes Lachen, kurzes Pausieren in der Einstellung, weiter geht es. Mich frustriert es, wenn es dauernd diese kleinen Pausen gibt, nur damit das Lachen eingespielt werden kann. Denn wenn das Publikum aus der Dose lacht, können die Charaktere natürlich nicht weiter sprechen. Anstrengend!
Es wirkt auf mich so, als müsste man uns dumme Zuschauer noch mal nachdrücklich darauf hinweisen, dass gerade eine Pointe präsentiert wurde. Jetzt lachen bitte, SOFORT!
Da vergeht mir immer spontan der Spaß an der Pointe.

Eine weitere auf Dauer sehr nervenzehrende Eigenschaft dieses Hintergrundlachens ist, dass es eigentlich immer gleich ist oder die Variationen so minimal, dass sie nicht auffallen. Welches Publikum lacht denn immer gleich? Da fällt doch jedem auf, dass es nicht echt ist und auch als Schauspieler würde ich nicht jedes Mal mit dem selben aufgenommenem Gelächter meinen Gag quittiert haben wollen.

Was wollen uns die Macher der Serien mit dem Gelächter eigentlich vermitteln? Vielleicht soll es vortäuschen, dass die Darsteller gerade live spielen und das eigentlich nicht vorhandene Publikum in den Rängen sich amüsiert? Dagegen spricht aber, dass auch bei Szenen im Park das Lachen noch immer da ist.
Am wahrscheinlichsten ist, dass sie den Zuschauer vorm Bildschirm dazu animieren wollen, selbst zu lachen und zu klatschen. Funktioniert bei mir nun aber leider gar nicht. Der erste Reflex ist es, den Sender oder die Serie zu wechseln.

Je öfter ich das Lachen höre, umso künstlicher und gespielter kommt es mir vor, es ist einfach unangenehm. Im normalen Leben lacht keiner so übertrieben und vor allem nicht ständig.
Bei solchen Serien konzentriere ich mich irgendwann auch nur noch auf dieses schreckliche eingespielte Gelächter, sodass die Handlung auch nicht immer ganz zu mir durch dringt, weil ich dabei bin, mich darüber zu ärgern, wieso man mit diesen Einspielern eine Serie ruinieren muss.

Es gibt für mich eine Ausnahme in Sachen Hintergrundgelächter, wo selbiges mich nicht in den Wahnsinn treibt und zwar ist es Dinner for One, der Klassiker zu Silvester. Denn dort ist das Lachen immer wieder anders, man hört, dass es dort wirklich Publikum gibt, das Spaß hat. Man sieht auch, dass die Szenerie zu einer Theaterbühne gehört. Es ist einfach realistisch, während das Publikum lacht, warten die Schauspieler nicht darauf, dass sie damit aufhören, bevor sie weiter machen.
Es kann natürlich auch sein, dass ich mich in diesem Fall einfach daran gewöhnt habe.

Wie steht ihr zum eingespielten Lachen in Serien?

Apfelkern

Kommentare:

  1. Schon nach dem ersten Absatz hatte ich mir vorgenommen dich auf Dinner vor One in dem Bezug anzusprechen und dann hast du es mir vorweg genommen. ;)
    Ich glaube das mit dem "Lachen aus der Konserve" (das häufig gar keins ist) ist sicher auch eine kulturelle Geschichte - die Amis machen das halt schon immer so - für sie gehört es dazu, während wir da ein wenig irritiert sind. Wobei ja Shows wie TV total auch mit Applausleuchte beim Publikum arbeiten (für den gemeinen tv-Schauer ist das ja dann auch Dosenlachen) und insofern auch jemandem gezeigt wird, wann und wie lange er zu lachen hat, bis der Moderator seine Gags beendet hat.

    Ich finde es ja ehrlich gesagt ziemlich interessant so eine Comedy-Sendung mit Live Publikum. Nach einem Hinter-den-Kulissen Bericht von Big Bang Theory (ich dachte nämlich auch es handle sich da immer um eingespieltes Lachen) war ich wirklich erstaunt, dass da Leute sitzen und sich die Szenen live ansehen und diese auch belachen (und teilweise auch die Schaupieler aus dem Konzept bringen). Das scheint auch keine Seltenheit im amerikanischen tv zu sein. Ich für meinen Teil würde das gerne mal selbst erleben und zum Lachen aus der Dose werden. :)

    Mitunter sind sich einige Serienmacher auch dessen bewusst und verulken das auch:
    https://www.youtube.com/watch?v=tDpjgXBanNg

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    1. Hihi, zwei Dumme ein Gedanke. Ich war als es mir aufgefallen ist, dass bei Dinner for One Gelächter aus dem Publikum erklingt, sehr irritiert, dass es mich all die Jahre nicht gestört hat. Irgendwie ist es da subtiler als bei How I Met Your Mother und Co.

      Applausleuchten und Kommandos, wann man lachen soll, sind zwar hilfreich für eine reibungslos ablaufende Show aber in mir würde es einfach den Drang wecken, genau das nicht zu tun. Wenn es mir nicht gefällt, klatsche ich doch nicht, selbst wenn es auf der Leuchte steht!

      Dass die Szenen live gespielt werden, ist beeindruckend, was das schauspielerische angeht und dass die Darsteller sich davon nicht völlig durcheinander bringen lassen, ist bewundernswert. Wenn da mal was schief läuft und alle drüber lachen kommt bestimmt nicht leicht wieder dazu zurück, alles ordentlich zu machen.

      Also falls du mal mit deinem Gelächter im Fernsehen sein solltest, lass es mich wissen und ich höre es mir kurz an. Kurz ;)

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    2. Ich glaube mir ginge es bei einer Studioaufzeichnung genauso... so auf Kommando Emotion ist bei mir gar nichts los. Schon aus Prinzip nicht.

      Da du das schon ansprichst, von wegen Schauspieler, die sich vom Publikum (nicht) ablenken lassen:
      https://www.youtube.com/watch?v=TmvWgcXVLcQ
      BBT scheinst du ja auch zu schauen... da wird dir dieses Video sicher gefallen. Ich finde es umso beeindruckender, je mehr ich von dem kleinen Studio sehe, was die Leute aus der Show machen. Die Logistik dahinter ist einfach der Hammer.

      ..und ich geb dann Bescheid wenn es soweit ist ;)

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  2. Es gibt Serien, in denen das Lachen richtig stört. Two and a half men ist aufgrund des Lachens teilweise kaum zu ertragen. Bei anderen Serien fällt es mir persönlich teilweise gar nicht auf. Das es dieses Dosenlachen auch in The big bang theory gibt, musste mir erst jemand sagen. Und das obwohl ich die Serie ständig schaue. Ich glaube, wenn der Plot passt und das Lachen nicht zu laut und vordergründig ist, kann man es getrost ignorieren.
    Die Herangehensweise, Serien von vorn herein wegen der Lacher nicht zu schauen, könnte ich nicht durchhalten. Ich glaube, da verpasst man auch einige gute Serien. Und das ist doch dann auch irgendwie Schade.

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    1. Wenn es bei TBBT so gut integriert ist, dass das Lachen nicht auffällt, dann haben das die Produzenten gut hinbekommen. Vielleicht auch, weil es bei der Serie wie von Connü erwähnt wirklich echtes Publikum ist, das lacht.

      Ja, mir entgehen durch meine Abneigung gegen dieses Lachen bestimmt gute Serien. Trotzdem ist das nicht sehr dramatisch, da es noch unendlich viele andere tolle Serien gibt. Ich glaube einfach, dass Sitcoms nicht meins sind. Diesen Humor mag ich nicht wirklich, viel lieber sind mir Intrigen, Schlachten und Drama.

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  3. Ich muss da an eine Supernatural Folge denken, bei der Dean und Sam in Sitcoms landen. Köstlich wie das Lachen aus der Dose da parodiert wird :)
    Ich persönlich mag die meisten Serien vom Humor her schon nicht, wenn die Lacher eingespielt sind. Ich könnte mir the Big Bang Theorie nie von vorn bis hinten ansehen - das läuft halt wenn sonst nichts ist, aber is eben nichts was mich so brennend intressiert.

    Haha jetzt hab ich grad gesehen das Connü was verlinkt hat, genau die Supernatural Folge meine ich auch :D

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    1. Solche Parodien sind eine Ausnahme: da kann man sich für eine Folge der Serie auch mal das eingespielte Gelächter anhören! Es war auffällig, wie sich mit dem zusätzlichen Lachen auch der Inhalt ändert und leichter verdaulich wird.
      Ich kann dir nur zustimmen, dass diese Serien vom Humor her einfach nicht das sind, was ich mir wünsche.

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  4. Ich persönlich habe nichts gegen Lachen in Serien. Wenn ich in der Handlung drinstecke, kriege ich das gar nicht mehr mit. Trotzdem habe ich ein Problem mit dem Begriff "canned laughter", oder "Dosenlachen", wie du es nennst. Oder besser, dass du es verallgemeinerst und tust, als ob das bei jeder Serie vorkommt. Hat mich schon bei Emma Blackery genervt, als sie vor kurzem ein Video zu genau dem gleichen Thema machte.

    Denn: Bei vielen Serien wird die Lache nicht eingespielt. Serien wie "Friends", "Miranda" oder "The Big Bang Theory" werden vor tatsächlichem Publikum aufgezeichnet (wobei das in der Synchronisation wieder untergeht, da man die Tonspur schließlich komplett neu machen muss und dafür schon bereits aufgenommenes Lachen verwendet wird, doch Original ist ja sowieso der Ausgangspunkt). Natürlich gebe ich zu, dass das Gelächter beim zehnten Take nicht mehr so natürlich klingt, doch andererseits frage ich mich, wie unterschiedlich Gelächter auch überhaupt klingen können, wenn es eine ganze Masse an Leuten gleichzeitig tut.

    Erst nervig wird es zum Beispiel bei der deutschen Synchronisation von "Eine schrecklich nette Familie", wo richtig dieses geröchelte Männerlachen immer und immer wieder vorkommt. Aber auch da gibt es ja ein Original.

    Insgesamt finde ich nicht, dass man sich Serien dadurch "vermiesen" lassen sollte. Irgendwann achtet man einfach nicht mehr darauf, wenn man sich nicht jedes Mal künstlich über den Fakt, dass es diese Lache überhaupt gibt, aufregt. So, mein Wort zum Mittwoch.

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    1. Klingt so, als müsste man sich eine der Sitcoms mal in der Originalsprache ansehen, um nicht nur den meist grässlichen Ton zu haben, den an zu hören bekommt, wenn man versehentlich einen Sender mit Sendungen wie How I Met Your Mother erwischt.
      Miranda mochte ich beim Ansehen sehr gern, das Lachen war nicht aufgesetzt sondern passend. In dem Fall ist aber auch der Humor nicht so typisch flach wie bei anderen Sitcoms, bei denen das Lachen schon die Warnung ist, dass ich es mir nicht ansehen will.

      Wahrscheinlich sollte ich als Fazit mitnehmen, ein wenig offener an Serien heran zu gehen.

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  5. Hallo! Viele Sitcoms werden ohne Publikum produziert. Die Lacher werden später in der Post-Produktion auf eine extra Tonspur gelegt. Auch im Original! Es ist eben ein Kennzeichen des Sitcom. Tipp: "Modern Family" - super Sitcom, keine Dosenlacher!

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