Donnerstag, 4. Dezember 2014

Im Wollwahn

Es ist gefühlt schon Winter, draußen ist es kalt und drinnen macht man es sich gemütlich. Neben Kerzen und Tee in rauen Mengen gibt es noch eine Sache, von der ich gerade nicht meine Finger lassen kann: Wolle. Stricken und Häkeln habe ich schon vor ein paar Jahren gelernt und mache es auch das ganze Jahr über mehr oder weniger regelmäßig aber jetzt ist wieder Saison für den akuten Wollwahn.

Zwei Jahre habe ich nun an meinem Pullover gestrickt oder besser gesagt eben nicht gestrickt und nun ist er endlich fertig, Strickwut auf der Zielgeraden sei Dank. Ich häkle Tannenbäume und Nikolausstrümpfe zum Aufhängen oder mal eben ein Paar Socken für eine Freundin. Auch wenn es nach einem langweiligen Hobby klingt, ist es in meinen Augen sehr erfüllend. Man ist produktiv und entspannt sich dabei auch noch - mehr kann man nicht verlangen, was sinnvolle Freizeitgestaltung angeht! Ich liebe es, mir ein neues Projekt heraus zu suchen, passende Wolle dafür zu suchen und das Projekt zu beginnen. Ich liebe es, all die Variationsmöglichkeiten zu haben und auch wenn man nach einer Vorlage arbeitet am Ende doch etwas ganz eigenes geschaffen zu haben. Zu sehen, wie der Faden unter den eigenen Fingern zu einem Stoff und der Stoff zu einem Kleidungsstück wird, ist unendlich meditativ und beruhigend.

Die Möglichkeiten gehen sogar so weit, die Wolle selbst zu färben. Genau das habe ich mit einer Freundin kürzlich auch getan und bin ganz enthusiastisch, wenn ich nur daran denke. Der Nervenkitzel, ob man ein ansehnliches Ergebnis bekommt, wenn man recht willkürlich Farbe auf die Wolle spritzt, ist genau richtig für mich (solche vergleichsweise öden Dinge wie Achterbahnen sind also für mich ungeeignet). Noch größer ist die Spannung, wie dann die eigenhändig gefärbte Wolle verstrickt aussehen wird.
Ein Höhepunkt ist es auch jedes mal, die letzte Masche zu stricken und dann das fertige Werk in den Händen zu halten. Aber es ist nicht nur das, beim Stricken ist auch der Weg das Ziel. Man muss manchmal kniffelige Probleme (Muster versaut, Maschen verloren, vor zehn Reihen vergessen, beim Handschuh das Loch für den Daumen frei zu lassen…) lösen und sich selbst überwinden, weiter zu machen auch wenn man gerade wieder die Hälfte auftrennen musste.

Die selbstgefärbte Wolle. Mein Schatzzzzz!
Außerdem mag ich das Gefühl, welches das Werkeln mit der Wolle mir gibt. Es ist etwas nostalgisches, man sieht, was man selbst schaffen kann und denkt an Zeiten, in denen die Herstellung der Kleidung nicht optional und ein schönes Hobby sondern eine Notwendigkeit war. Ich denke daran, was wohl mit der Socke passieren wird, die ich verschenke. Mein Opa hat noch handgestrickte Socken von seiner Mutter. Die Fußwärmer sind mindestens 25 Jahre alt und er trägt sie dennoch den ganzen Winter lang und erzählt, wie seine alte Mutter damals die Wolle gesponnen und dann verstrickt hat. Er erzählt, wie sie ihm einen blauen Pullover aus selbst gefärbter Wolle gestrickt hat. Als er damit in den Regen kam und das Blau anschließend sein ganze Haut verfärbte, fiel ihr ein, dass sie vergessen hatte, die Farbe mit Essig zu fixieren. Opa erzählt die Geschichte, wie er anschließend erfolglos geschrubbt worden ist noch immer gerne. Und an genau diese Geschichte musste ich schmunzelnd denken, als ich die Wolle für meine Socken gefärbt habe. Das Fixieren haben wir nicht vergessen.

Meine Oma hat mir damals, als ich es noch nicht konnte, ein Paar Socken gestrickt. Immer, wenn ich sie trug, dachte ich an meine Oma. Die Vorstellung, dass man mit etwas selbst gestricktem oder gehäkeltem ein sehr persönliches Geschenk macht, das den Beschenkten an den Schenker erinnert, mag ich sehr. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, weshalb ich so gerne für andere stricke.

Ich bin sehr glücklich, dass viele meiner Freunde, okay Freundinnen auch stricken und man sich so zwischen Wolle und Tee sehr gut unterhalten oder einen Film sehen kann. Es ist schön, ein Hobby zu teilen.
Inzwischen habe ich meinen fertig gestellten Pullover sogar schon zwei mal in der Uni getragen und es hat mich niemand darauf angesprochen, wie vermurkst er aussieht, was ich als massiven Erfolg werte. An meinem rechten Ringfinger habe ich inzwischen sogar eine Hornhautstelle von der daran beim Stricken reibenden Nadel bekommen. Ich glaube, das reicht als Beleg, wie sehr ich das Stricken liebe.

Habt ihr ein Hobby, nach dem ihr ähnlich verrückt seid?

Apfelkern

Kommentare:

  1. Ich bin total beeindruckt! Ich stricke im Winter auch ganz gerne, kann es aber erst seit letztem Jahr. Dementsprechend stolz bin ich, wenn ich einen Schal oder eine Mütze geschafft habe. Aber ein Pulli und Socken? Da liegt noch viel Arbeit vor mir.
    Dir ist der Pulli auf jeden Fall sehr gelungen, er ist hübsch und sieht so schön kuschelig warm aus :)

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    1. Im ersten Jahr in dem ich stricken konnte habe ich auch nur schiefe Socken produziert und das auch nicht mit speziellen Mustern sondern nur ganz simpel. Wenn du noch ein bisschen übst, schaffst du sicher auch mit Geduld einen Pullover! Glückwunsch zu den Sachen, die du schon geschafft hast und Danke für die lieben Worte zu meinem Pullover.

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  2. Ooooh... das macht mich ganz traurig :( so wie du von wolle und vom stricken schwärmst muss ich an meine mama und ihre gleichwertige hingabe denken, die seit einiger zeit leider nicht mehr lebt. Mein heiliges stück ist ein selbst gesponnener und gestrickter ponchopulli in ungefärbtem naturweiß... wir hatten im garten sogar einen großen uralten... "topf" mit stein"übertopf" der zum färben und filzen verwendet wurde. Hach. Und immer wenn ich mitkam zum wollekaufen durfte ich mir ein knäuel aussuchen, aus dem dann mein nächstes paar socken gestrickt wurde. Und alle meine stricksocken trage ich nicht mehr, weil ich angst habe dass sie eines tages zu kaputt zum tragen sein könnten und ich irgendwann keine perfekten mamasocken mehr haben werde. Da macht mir die story von deinem opa aber hoffnung =)

    Deine Stickereien sehen aber wirklich toll aus! Und ich bin begeistert dass es jüngere Menschen gibt die so eine handarbeits begeisterung haben! Leider habe ich das stricken nie gelernt - bin aber für sowas absolut unfähig. Aber was selbstgemachtes in den händen zu halten ist großartig, deine Begeisterung kann ich absolut verstehen.
    Liebe apfelkern, zeig doch mal öfter, was du tolles gestrickt hast =) deinen pulli finde ich unglaublich toll geworden! Toll dass du es geschafft hast ihn zu vollenden - auch wenn es lange gebraucht hat. Lieben Gruß von der Muh

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    1. Es tut mir leid, dass ich dich mit dem Post an den Verlust deiner Mutter erinnert habe.
      Dein heiliges Stück, der Ponchopulli klingt toll. Es ist einfach ein Stück Erinnerung, das bleibt. Der Gedanke, dass sie jede Masche gestrickt und durch ihre Hände gleiten lassen hat, gibt einfach so ein warmes Gefühl ums Herz. Genau deshalb ist verschenktes Selbstgestricktes ja so toll.
      Und trag deine Socken ruhig: bei Opa halten sie schon Jahrzehnte und sie wurden ja nicht gestrickt, um in der Schublade zu liegen. Du kannst ja ein Paar als Ausstellungsstück zurücklegen und nicht tragen.

      Ich denke, dass auch du stricken lernen kannst. Es gibt dazu sehr sehr viele YouTube Videos, die einem zwar nicht eine live erklärende Person 100% ersetzen aber viel besser als schriftliche Anleitungen sind.
      Meine gestrickten Sachen zeige ich definitiv immer auf Instagram (Link ist auf dem Blog an der Seite rechts) und wenn es Interesse bei den Lesern gibt vielleicht auch mal ab und an auf dem Blog.

      Liebe Grüße zurück,

      Apfelkern

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  3. Wow, du kannst Pullover stricken! Daran wage ich mich einfach nicht. Meine Mutter strickt sich im Moment einen. Die darf mir dann auch mal gerne einen machen. ;)
    Ich müsste mal an meinem Schal und den Stulpen weiter machen... Letztere wären jetzt bei der Kälte wirklich gut!

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    1. Glaub mir: auch wenn es von der Menge her viel zu stricken ist, sind Pullover nicht unendlich kompliziert. Da sind Fingerhandschuhe mit Kappe (um sie über die nur halblangen Finger zu stülpen) viel viel komplizierter und frickeliger.

      Mit deiner Mutter hast du ja sogar jemanden da, der dir immer bei konkreten Fragen weiterhelfen kann. Such dir einfach ein nicht zu kompliziertes Muster. Nur such dir eins - ich habe festgestellt, dass es so ganz ohne Anleitung auch nicht einfacher wird.

      Liebe Grüße und viel Erfolg beim Stricken!

      Apfelkern

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  4. Ich muss ja gestehen: Strickerei wurmt mich etwas, weil das die eine Sache ist, die mir partout nicht gelingen will. Die linken Maschen klappen, aber für die rechten brauche ist immer eine 2te Person um die mir zu machen. ^^ Zum verzweifeln.
    Anonsten kann ich jede einzelne Aussage in dem Post unterschreiben (also bezogen auf Handarbeiten generell).

    Die gefärbte Wolle sieht übrigens genial aus!!! Darf ich mir fürs nächste Weihnachten Socken von dir Wünschen? :D

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    1. Ich bin total fasziniert, wie du Probleme mit rechten Maschen haben und gleichzeitig problemlos linke Maschen stricken kannst. Denn meistens können Anfänger schnell rechte Maschen stricken, bekommen aber nur verdrehte linke Maschen hin. Denn für rechte Maschen musst du ja nur von vorn in die Masche auf der linken Nadel einstechen und dann mit der Nadel den Faden durch die Lücke der Masche, in die du eingestochen hast, holen. Versuch es mal mit einem YouTube Video dazu, das illustriert den Prozess besser als eine Beschreibung von mir. ;)

      Danke für das Kompliment zur selbst gefärbten Wolle! Ich habe das graue Paar Socken so gut wie fertig und bin schon ganz wild darauf, endlich meine grüne Wolle zu verstricken.

      Und zu deinem Sockenwunsch: Mal sehen, was sich da machen lässt. Immerhin hast du mir auch dieses Jahr Socken in den Kalender getan. Angesichts deiner Körpergröße würde ich dich auf Schuhgröße 41/42 schätzen. Verrate mir mal, ob das passt. ;)

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    2. Passt! :) Vor allem Socken können gern größer ausfallen. Im Winter werden es oft mehrere Lagen.

      Kann das mit den Maschen daran liegen, dass ich Linkshänder bin? Meine Mutti hatte immer etwas Probleme mir das zu erklären, weil ich fast alles zwangsläufig irgendwie anders halte.

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