Sonntag, 9. März 2014

Prag - Empfehlung für eine Städtereise

Jetzt bin ich schon seit über eine Woche zurück aus Prag und habe noch immer nicht darüber geschrieben. Einerseits möchte ich unglaublich gern meine Erfahrungen und Erinnerungen mit euch teilen und andererseits ist es auch nicht wirklich einfach, das umzusetzen. Passende Bilder finden, Gedanken ordnen und bloß nicht zu viel unverständlich-schwärmerisches Zeug brabbeln.


Um es kurz zu machen: Die vier Tage in Prag waren großartig! Die Stadt ist absolut sehenswert und hat eine eigene tolle Atmosphäre und obendrein war der ganze Spaß nicht übermäßig teuer.

Meine fünf liebsten Erlebnisse des Urlaubs fasse ich zu meiner Prag Top 5 zusammen. Entweder nutzt ihr das als Tipp, was ihr besuchen könnt, wenn ihr mal in Prag seid oder als Information um zu wissen, weshalb ihr euch besonders ärgern müsst, noch nicht in Prag gewesen zu sein.

Tipp vorneweg: man erreicht in der Stadt alles gut zu Fuß und mit einer Karte kommt man selbst mit mäßig gutem Orientierungssinn überall hin. Wir hatten ein drei Tage gültiges Ticket für 310 Kronen, sodass wir sowohl die drei U-Bahn Linien als auch die Straßenbahnen nutzen konnten ohne jedes Mal ein Ticket lösen zu müssen. Das ist besonders praktisch, da man zum Beispiel in den Straßenbahnen gar nicht die Möglichkeit hat, dort ein Ticket zu kaufen.

Die Rolltreppen zu den U-Bahnen sind im Vergleich zu unseren luschigen deutschen Rolltreppen unglaublich steil. Nervenkitzel auf den Rolltreppen des Todes garantiert.


1 Karlsbrücke
Wahrscheinlich ist die Karlsbrücke DER Touristenhotspot überhaupt in Prag. Auch wenn Orte, die so berühmt sind wie diese 520m lange Brücke, letztendlich in der Realität oft enttäuschend sind, ist es in diesem Fall nicht so.
Die Karlsbrücke ist voller Leben: ein bunter Trubel aus Touristen und Straßenhändlern. Nicht umsonst gibt es die Redensart, dass es so turbulent zugehe wie auf der Prager Brücke. Wenn ihr mal schnell auf die andere Seite der Moldau wollt, ist sie absolut die falsche Wahl aber der Ausblick von der Karlsbrücke über die Moldau auf die anderen Brücken und die Burg ist einfach grandios. Bei Nacht solltet ihr euch noch einmal auf die Brücke wagen, da sie durch die Beleuchtung noch einmal an Schönheit gewinnt.
Auch architektonisch ist es ein beeindruckendes Bauwerk. Die heutige Karlsbrücke ist der Nachfolger einer Holzbrücke, die etwa 200 Jahre an dieser Stelle gestanden hatte, bis sie zusammen brach. Karl IV. ließ anschließend eine besonders stabile Brücke errichten, an der über 100 Jahre gebaut wurde. Bis zum ersten Weltkrieg fuhr sogar eine Straßenbahnlinie über die Karlsbrücke und den Menschenmassen hält sie noch heute statt.

Gut zu erreichen ist sie von der U-Bahn Station Staroměstská aus




2 Jüdisches Viertel
Ein Tipp, den ich gern bekommen hätte, bevor ich an einem Samstag versucht habe, das jüdische Viertel zu besichtigen, wäre, dass jeden Samstag der heilige Ruhetag der Juden namens Sabbat ist. So standen wir vor dem verschlossenen Jüdischen Friedhof, vor geschlossenen Museen und vollen Synagogen, in die man aber als Tourist nicht herein kam.
Also wurde am Sonntag ein weiterer Anlauf unternommen, das Jüdische Viertel zu besuchen und dieser war auch erfolgreich. Es gibt Kombitickets für diverse Synagogen, eine Zeremonienhalle, den Jüdischen Friedhof und andere Sehenswürdigkeiten. Wenn man dieses Ticket nicht gerade am berühmten Jüdischen Friedhof kauft, muss man dafür auch nicht lange Schlange stehen. Für unser Kombiticket, das uns zum kleinen Rundgang berechtigt, der die Maiselsynagoge, die Pinkassynagoge, den Jüdischen Friedhof, die Zeremoniehalle, die Spanische Synagoge und die Kalusensynagoge beinhaltet, zahlten wir als Studenten je 200 Kronen also etwa 7,30€.
Mir hat gefallen, dass man viel über den Alltag und die Kultur der Juden Prags gelernt hat. Der Friedhof war einfach beeindruckend mit den verwitterten, windschiefen Grabsteinen, die sich dicht an dicht drängten.
Nahe des Jüdischen Friedhofs gibt es kleine Stände, an denen Schmuck, Karten oder auch böhmisches Bleikristallglas verkauft werden. Die Verkäufer ließen auch mit sich verhandeln und so lässt sich dort ein günstiges Andenken erstehen.

Die Häuser selbst unterschieden sich in dem Viertel kaum vom restlichen Prag, was aber auch daran liegen kann, dass Ende des 19. Jahrhunderts ein Großteil der ursprünglichen Ghettoarchitektur durch Mietshäuser ersetzt wurde.
Genau  wie die Karlsbrücke, kann man das Jüdische Viertel von der U-Bahn Station Staroměstská aus in wenigen Minuten zu Fuß erreichen.



3 Altstädter Ring
An diesem belebten Platz gibt es nicht nur Stände mit dem süßen Hefegebäck namens Trdelník (ruhig probieren - es schmeckt wirklich gut obwohl es laut Reiseführer nicht wirklich ein traditionelles tschechisches Gebäck ist), das in Prag gefühlt an jeder Ecke verkauft wird, sondern eine Vielzahl alter und sehenswerter Gebäude. Da wäre zum Beispiel das Altstädter Rathaus mit der Astronomischen Uhr. Zu jeder vollen Stunden öffnen sich kleine Türchen, durch die man Apostelfiguren heraus schauen sehen kann. Nicht erst kurz vor der vollen Stunde zu kommen sichert Plätze, von denen aus man auch wirklich einen guten Blick auf die Uhr hat.

Der ganze Altstädter Ring ist bunt und reich an schönen Fassaden. In der Mitte des Platzes steht unübersehbar ein Denkmal zu Ehren des 1422 hier hingerichteten Anführers der Hussiten Jan Hus.
Ein Platz, der zum Verweilen, Beobachten und zum Genießen der Atmosphäre einlädt.
Das Altstädter Rathaus wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und zur Erinnerung wurde eine Seite nicht komplett restauriert. Sieht ein wenig merkwürdig aus, wie die verschiedenen zwei Hälften des Gebäudes zusammengefügt sind.


Man erreicht ihn sowohl von der U-Bahn Station Staroměstská als auch der Station Náměstí republiky aus zu Fuß in wenigen Minuten.



Das Altstädter Rathaus


Die Astronomische Uhr
4 Prager Burg
Die Burg thront majestätisch über der Stadt und dieser Anblick ist besonders von der Karlsbrücke aus beeindruckend anzusehen. Sie liegt anders als der Großteil der Stadt auf der östlichen Seite der Moldau und bildet einen Teil der sogenannten Kleinseite Prags.
Zu jeder vollen Stunde gibt es Wachwechsel an den Toren zur Burg, die durchaus sehenswert sind.
Die Prager Burg ist übrigens nicht eine Burg im klassischen Sinne, sondern eher eine Ansammlung von verschiedenen Gebäuden. So gehören die hohen Türme beispielsweise zum St. Veits Dom, dessen Besichtigung auch möglich ist aber als noch viel schöner empfand ich die von außen sichtbare Architektur.

Hier gibt es wieder ein Kombiticket. Für ein Ticket der kleinen Runde, haben wir je 125 Kronen also etwa 4,57 Euro bezahlt.
Auch wenn der Veits Dom und die St. Georgs Basilika durchaus ihren Reiz haben, ist das Innere der "Burg" selbst ein wenig enttäuschend gewesen. Allerdings liegt auch das Goldene Gässchen auf dem Gelände der Burg, welches absolut sehenswert ist. Ein Klassiker unter den Sehenswürdigkeiten.
Das Goldene Gässchen besteht aus im 16. Jahrhundert an die Burgmauer gebauten Häuschen, in denen die Handwerker und Wachen der Burg Unterkunft fanden.

Einige der Häuser sind so eingerichtet, wie sie es entsprechend dem dort wohnhaften Handwerker wohl damals waren, andere hingegen sind Souvenirläden.
Ganz besonders enttäuscht war ich, dass im Haus Nummer 22, in dem Franz Kafka ein Jahr lang gelebt und geschrieben war, einfach bloß ein langweiliger, durchschnittlicher Touristen Shop war. Da hätte man wirklich mehr aus dem Haus und seiner Historie machen können!

Mein persönlicher Höhepunkt des Besuches der Prager Burg, war die Aussicht, die man von dort aus über die Moldau mit ihren ganzen Brücken und die Dächer der Stadt hatte.

Wenn man wie wir es gemacht haben von der Karlsbrücke aus zur Burg läuft, kann man schon während des Aufstieges die immer besser werdende Aussicht über die Stadt genießen.

Der St. Veits Dom


Das Goldene Gässchen

5 Franz Kafka Museum
Franz Kafka ist einer der berühmtesten Prager Schriftsteller und genau so wird er dort auch vermarktet. Da ist es nur logisch, dass es auch ein entsprechendes Museum gibt. Im Gegensatz zu dem enttäuschenden Kafka Haus im Goldenen Gässchen, wird im Kafka Museum dessen persönlicher und auch literarischer Werdegang gut und vor allem interessant aufgearbeitet dargestellt. Ich persönlich habe nach dem Besuch des kleinen Museums definitiv Lust bekommen, eines seiner Werke zu lesen.

Der Eintritt kostet ermäßigt 120 Kronen. Das Museum findet ihr in der Straße Cihelná 2b, die wie auch die Burg auf der Kleinseite liegt.


Für gute Verpflegung ist immer gesorgt
Eine weitere Empfehlung von mir ist es, einfach einmal gemütlich durch die Stadt zu schlendern, die Fassaden und das Menschengetümmel zu betrachten und dabei vielleicht etwas zu entdecken.
Schön ist ein Spaziergang auf der Insel Kampa, die man von der Brücke "Most Legií"(direkt eine Brücke weiter von der Karlsbrücke) aus erreicht. Das Wetter war überraschend sonnig wenn auch trotzdem kalt. Jedoch schien das die einheimischen Damen nicht davon abzuhalten, in sehr kurzen Röcken und High Heels umher zu laufen während mir schon in Jeans manchmal etwas kühl war. Die Frostbeule in mir war höchst beeindruckt.

Freunde des Bieres kommen hier sicher auch auf ihre Kosten und selbst wenn man kein Bier mag, kann man immer noch tschechisches Gulasch, Kofola - die tschechische Variante von Cola, die im Gegensatz zu dieser mir sogar geschmeckt hat - oder auch Oblaten kosten.
Trdlník!
Beim Thema Oblaten, Waffeln und Co. : Probiert mal die Fidorka Taler, die es zum Beispiel in den Supermärkten gibt. Nachdem Connü mir gezeigt hat, was für furchtbar leckere Dinger das sind, habe ich mir gleich eine Ration davon mitgenommen, die aber inzwischen auch dahin hist. Ich sollte mir definitiv tschechische Freunde suchen, die mich regelmäßig damit beliefern...

FIDORKA! *sabber*
Dieses Posten von so vielen Bildern ist ja mal wirklich anstrengend. Ich glaube, ich eigne mich nicht als ständig Bilder veröffentlichender Blogger.

Dennoch hoffe ich, dass ich euch einen kleinen Eindruck von Prag vermitteln konnte und ein wenig Lust gemacht habe, die Stadt zu besuchen.

Apfelkern

Kommentare:

  1. Wow, was für ein Zufall. Ich war selbst noch vor kurzem dort. Dass wir uns nicht begegnet sind, ärgert mich jetzt ein bisschen. (Gutes Ablenkungsmanöver, ne?)

    Mich hat im Nachhinein wohl auch der Jüdische Friedhof am meisten beeindruckt. Einfach diese unglaublich Masse an Steinen. Und obwohl es schon über 12.000 waren, lagen darunter sogar um die 110.000 Juden. So heftig! Ich will mir auf jeden Fall noch mehr über die jüdische Kultur anlesen, war auch von den Ausstellungen in den Synagogen echt angetan.

    Mit der Prager Burg bewege ich mit meinem gefährlichen Halbwissen jetzt auf Glatteis, aber es ist halt schon eine Burg. Nur dass sie, laut meinem Vater, vom Präsidenten bewohnt wird und man deshalb als Tourist nicht an die Burgsäle oder so herankommt, sondern eben auf diese Kathedralen und Basiliken umgeleitet wird.

    Das Franz Kafka-Museum zählt für mich ebenfalls zu meinen Favoriten. Die haben da einfach so viel Liebe hineingesteckt und alles thematisch wunderbar aufbereitet. Klasse!

    Schon beeindruckend mit den ganzen Bildern. Ich könnte ja nie Blogger werden. So, und jetzt halte ich wieder die Fresse, das liest sich doch sowieso keiner durch. Cheerio!

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  2. Ich hatte leider nicht so viel Zeit, um diese schöne Stadt zu entdecken. Auf jeden Fall wäre ich noch ins Mucha-Museum gegangen. Kafka-Museum wäre natürlich auch ein Muss. Du hast noch keins seiner Werke gelesen? Und trotzdem hat dich das interessiert? Umso dringlicher musst du ja dann was von ihm lesen!

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    1. Das Mucha Museum habe ich gesehen und den ganzen Urlaub lang nach eine Postkarte mit Muchas Primrose gesucht, weil es das Bild auf einer Wand in riesiger Ausgabe im Wedding gemalt gibt und ich dazu eine kleine lustige persönliche Geschichte habe. Aber das Museum kann man ja vielleicht noch mal besichtigen, wenn man zum Waffel-Shopping nach Prag fährt.

      Ja, ich habe mich für Kafka interessiert, ohne je was von ihm gelesen zu haben. Mein Deutschkurs hat ihn so gar nicht behandelt und privat hatte ich auch keinen Kontakt zu seiner Literatur gehabt. Umso mehr war es jetzt an der Zeit, mehr über ihn zu erfahren.

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  3. Dem kann ich eigentlich nichts hinzufügen. Prag ist wirklich wunderschön und es gibt eigentlich an jeder Ecke was zu sehen, oder zu verkosten, wie du ja auch geschrieben hast. Ein wenig tragisch ist aber schon, dass ich da schon ewig nicht war obwohl es nicht allzu weit weg ist. :/

    Für deinen nächsten Ausflug zu unseren Tschechischen Nachbarn empfehle ich dir dann noch schnell Karlsbad (Karlovy Vary), bevor ich diesen Kommentar mit lieben Grüßen schließe! :)

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    1. Karlsbad - Moment, da gibt es doch auch Oblaten? Auf die Dinger stehe ich nämlich ziemlich. Mal schauen, wann ich es wieder nach Tschechien schaffe. Ich fürchte ja, dass bis dahin noch einiges an Zeit vergehen wird.

      Liebe Grüße!

      Apfelkern

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    2. Exakt! Dein kulinarisches Gedächtnis trügt dich nicht! ;D Besonders an dem Ort ist aber vor allem sein angeblich gesundheitsförderndes Wasser. Da kann man sich auch kostenfrei sein eigenes Glas Karlsbader Wasser abfüllen. :)

      liebe Grüße~

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  4. Wie kann man denn als Abiturientin nicht wissen, was der Sabbat ist??? Aber Medizin studieren. Aua.

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    1. Wie man Dinge nicht wissen kann? Das ist offen gesagt ziemlich einfach.
      Jeder hat eine individuelle Grundbildung und auch wenn es für dich selbstverständlich dazu gehört, den Sabbat zu kennen, war es für mich nicht selbstverständlich inkludiert.

      Weder im Ethikunterricht meiner Schule noch im Privaten bin ich auf den Sabbat gestoßen. Das mag daran liegen, dass ich atheistisch aufgewachsen bin oder auch daran, dass anders als die christliche Religion und Kultur, der jüdische Glauben in unserer Gesellschaft nicht so präsent ist.

      Meiner Meinung nach, ist es kein Grund, nicht für ein Medizinstudium zugelassen zu werden, wenn man nicht die 5 wichtigsten christlichen, jüdischen, muslimischen, buddhistischen, mormonischen, brasilianischen und so weiter Feiertage kennt.
      Ich kenne es, wenn ich bestimmtes Wissen für selbstverständlich halte und dann jemand fragt, was denn eigentlich Torf ist oder noch nie was von Darwin oder Ovid gehört hat. Dennoch sind das nicht automatisch dumme Menschen. Es gibt ziemlich viele Abiturienten, deren Bildung nicht allumfassend ist. Genau genommen verfügen meiner Meinung nach die wenigsten über ein allumfassendes Wissen.

      Also: bisher wusste ich einfach noch nicht, was der Sabbat ist, da ich nie damit in Berührung gekommen bin. Inzwischen weiß ich es. Das spricht doch dafür, dass ich mich weiter entwickle und bilde, was ich für gut halte. Dann muss ich mich ja doch nicht exmatrikulieren lassen, weil ich zum Glück jetzt weiß, was der Sabbat ist.

      Grüße,

      Apfelkern

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