Montag, 3. Dezember 2012

Aus dem Leben eines Erstis


Was für eine Stille hier auf dem Blog. Das steht im kompletten Gegensatz zu meinem restlichen Leben.
So ein Studium kann schon verdammt zeitaufwändig und beanspruchend sein und dabei ist das garantiert noch die Anfangsphase, die als Schonfrist gilt. Immerhin irre ich nicht mehr so desorientiert wie ein frisch aus dem Grab gekrochener Zombie über den Campus, aber wirklch vertraut bin ich mit den Strukturen auch noch nicht. Das Leben als Ersti ist hart, denn es fehlt noch an nötger Erfahrung im täglichen Kampf in der Mensa, dem Wetthorten beliebter Bücher und ähnlichem. Erfahrung sammeln dauert seine Zeit.

Zeit ist gleich das nächste gute Stichwort.
 Mir wird jetzt bewusst, wie viel Freizeit ich damals in den guten alten Zeiten als Schüler hatte. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal in einem Buch gelesen, das nicht auf einer der Lektürelisten der Uni stand?
Ich träume schon von der Weihnachtszeit und den freien Tagen, in denen ich vielleicht doch wieder zu einem Werk meiner Wahl greifen kann. Oder ich lerne brav für die Prüfungen, um dann im Februar nicht im Lernstress zu versinken.

Die Vorlesungszeiten, Praktikumstermine und was sonst noch so anfällt sind nicht wirklich tragisch oder zu unmenschlichen Zeiten gelegt (obwohl…gilt es als unmenschlich, wenn ich für Vorlesungen um 08:15 Uhr um 06:00 aufstehen muss?) - manche verglichen meinen Kalender sogar mit dem, was sie sich unter Urlaub vorstellen. Für mich gibt es da nur den kleinen Unterschied, dass ich mich während des Urlaubs nicht hinsetze, um Veranstaltungen vorzubereiten, nachzubereiten oder wie aktuell wilde biochemische Grundlagen zu lernen.
Auch die Wochenenden sind ständig verplant, allerdings offen gesagt nahezu immer mit Freizeitterminen, die gelegentlich von einer Lerneinheit unterbrochen werden. Nicht, dass man noch zu viel Freizeit hat. Kommentar meiner Eltern ist allein, dass ich mich so schon mal an das Berufsleben gewöhnen kann.
Na prima. Soll das heißen, es wäre normal, permanent einen vollen Terminkalender zu haben und selbst Treffen mit Freunden ewig im voraus vereinbaren zu müssen, damit etwas daraus wird und Spontanität in Sachen Planung spontan einfach streichen muss?

Mir wird im Moment deutlich bewusst, dass 24 Stunden extrem kurz sein können und wie kostbar Zeit eigentlich ist. Bin ich jetzt auch schon an dem Punkt wie meine Eltern allen Schülern zu raten, ja noch ihre Schulzeit zu genießen, da sie abgesehen vom Rentnerdasein nie wieder so viel Zeit haben werden?

Obwohl es anstrengend und der Schlafmangel an mindestens fünf Tagen der Woche chronisch ist (ich habe gerade schon wieder gegähnt…), habe ich das Gefühl, mit dem Studium die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Eine gewisse Zeit lang kann es durchaus gut verträglich sein, so unter Strom zu stehen und aktiv zu sein doch auf Dauer, ist das eine Belastung, die man nicht aushält. Der Mensch braucht gewisse Ruhephasen und ich brauchte ein wenig, das zu realisieren. Fazit ist, dass man sich die Zeit für sich selbst zumindest in einem gewissen Umfang einfach nehmen muss und auch zwischenmenschliche Beziehungen wollen gepflegt werden. Alles gar nicht so einfach aber solange man einen Sinn in dem sieht, was man tut, etwas hat, wofür sich das ganze lohnt und ein Ziel, auf das man hin arbeitet, wird man es schaffen. Und wahrscheinlich gewöhnt man sich auch schneller an dieses Dasein als Student als man denkt.

Apfelkern

Kommentare:

  1. Während ich das grlesen habe liegt ein 40 Seiten Text auf meinem Tisch den ich gerade bearbeite. Ich kann das alles was du sagst nur mehr als gut nachvollziehen .. Auf Dauer ist es wirklich viel .. Und kaum zu bewältigen die Hausaufgaben für mein Zweitfach schludern und auch Latein läuft mehr schlecht als Recht weil Geschichte so viel Zeut frisst und der Tag leider nur 24 Stunden hat, aber ich sehe einen kleinen Lichtblick .. Ich hab mir sageb lassen das wir im ersten Semester an die Grenzen getrieben werden um zu sehen ob wir das wirklich wollen und dann ja dann wird es in den weiteren Semestern wenigstens etwas entspannter .. Aber so Recht glauben kann ich dem wirklich nicht.

    Liebe Grüße ein weiterer überforderter Ersti ..

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    1. 40 Seiten neben dir…gibt gleich Sympathiepunkte und mein Mitgefühl für dich ;) Ich würde permanent darüber nachdenken, wie man dem Tag mehr Stunden verpassen könnte, wenn das nicht so viel Zeit beanspruchen würde.
      Die Hoffnung, dass es mit steigender Semesterzahl entspannter wird habe ich auch, doch ich zweifle daran ebenso wie du. Warum sollte das Studium mit steigenden Anforderungen leichter werden?

      Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen und Erfolg im Studium,

      Apfelkern

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  2. Also rückblickend muss ich gestehen, dass die Erstis nicht geschont werden... ich nehme an um "die Spreu vom Weizen" zu trennen. Etwas entspannter wirds dann im 3., also da bekommst du dann deine Schonphase. ;)
    Aber Recht hast du, wenn du sagst man kommt zu nichts mehr. Ich hab das auch an den Büchern gemerkt: während ich zu Schulzeiten regelrecht durch die Bücher geschwartet habe, gab es auch Semester in denen ich absolut nichts gelesen habe, das nichts mit dem Studium zu tun hatte. Wirklich deprimierend, denn anfangs merkt man gar nicht, was in einem im Leben fehlt.
    Aber es wird besser!! Natürlich muss man sich da etwas bemühen, aber es geht. :)

    Darf ich fragen was genau du studierst? Klingt nach Gesundheits- und Pflegemanagement. Oder doch Medizin?

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    1. Es wird besser…der Satz ist ein Satz, der immer gut ist. Da du schon die zweite bist, die andeutet, dass es besser wird, vertraue ich einfach mal darauf und muss nur noch zusehen, die ersten Semester zu überleben.

      Ein täglicher Lichtblick ist definitiv dein Kalender. Ich mag Oblaten! Und ich mag Nussfüllungen! Blöd, dass es nicht mehr Tage bis Weihnachten sind ;)

      Deine Einschätzungen des Studiums sind sogar sehr treffend. Hat mich das Pflegepraktikum verraten?
      Ich studiere Medizin. Und nein, ich kann dir noch nicht erzählen, warum du schon wieder Kopfschmerzen oder sonstwas hast.Die Verwandtschaft meint, nur, weil ich Medizin studiere, könnte ich sie sofort behandeln. Na klar. Aber erst in so ca. 6 Jahren

      Viele liebe Grüße,

      Apfelkern

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    2. vielleicht solltest du am 21.12 schon die restlichen 3 Türen essen. Man kann ja nie wissen, ob die Mayas doch recht haben?

      Medizin!? Ich sehe es vor mir! DU wirst ein 2ter Doktor House! Oder doch Gynäkologin? Ich hoffe nicht Hautärztin (meiner Meinung nach sind das die Hardcore-Ärzte)... Man hört ja allerlei (Grusel) Geschichten aus dem Medizin Studium. Ich hoffe da werden noch Ausführungen auf dem Blog folgen? :D
      Ich habe nämlich nur diese Geschichten aus dritter Hand, die mich manchmal glauben lassen, dass hier jemand nur "Anatomie" gesehen hat und es für eine Doku hielt.

      Grüße aus dem Schneechaos.
      Connü

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    3. Das ist der Vorteil beim Geologie-Studium. Da kann sich in 95% der Fälle keiner was drunter vorstellen.
      Bei Ökotrophologie soll es ja genau dasselbe Dilemma sein wie bei Medizin. Man verbringt dann jede WG-Party erstmal damit, sich anzuhören, welche eingebildeten Unverträglichkeiten das Gegenüber hat und wie sich das auf die Konsistenz des Stuhlgangs auswirkt...

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  3. ich darf dich beruhigen: es wird mit der Zeit besser ;)

    Am Anfang kommt es einem soviel vor. Man muss sich an einen neuen Zeitablauf gewöhnen und es werden viele Grundlagen vermittelt. Ich hatte in den ersten Semestern zeitweise 12-14 Veranstaltungen in der Woche und dann noch gerne mal am Wochenende endlose Blockveranstaltungen. Aber hat man die erste Zeit durchgestanden, wird es einfacher. Man bekommt auch ein Gefühl dafür, was man nun tatsächlich lernen sollte und was nicht. Als Ersti neigt man auch gerne dazu, panisch einfach alles aufsaugen zu müssen, weil es könnte ja doch evtl irgendwann von Bedeutung sein.

    Und ich gebe Connü recht. Es soll zuerst tatsächlich aussortiert werden. Von unseren anfangs fast 60 Leuten (in meinem auslaufenden Studiengang) haben es gerade mal 30 bis ins Hauptstudium (sprich heutigem Master) geschafft.

    Also heißt es: durchhalten! Es wird tatsächlich alles besser ;) (nur der Kampf um Bücher bleibt :D)

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    1. Hast du Wochenendveranstaltung gesagt? o.O
      Das bleibt mir zum Glück (noch?!) erspart.

      Dieses panische Lernen, um ja nichts zu verpassen, kann ich nachvollziehen, tendiere ich doch selbst dazu. In der Schule war es ähnlich und mit der Zeit kam Erfahrung und damit die Gelassenheit.

      Na dann stelle ich mich morgen einfach mal wieder dem Überlebenskampf als Ersti.

      Liebe Grüße,

      Apfelkern

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  4. Jaja, die Zeit zum Lesen von Büchern, die man sich selbst ausgesucht hat, das wünsch ich mir wieder häufiger.
    Aber da du scheinbar Pendlerin bist, kannst du ja die Fahrtzeiten gut überbrücken.

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    1. Ich bin tatsächlich Pendlerin und die Fahrzeit überbrücke ich tatsächlich mit Lektüre. Mit der Lektüre von aktuell Biochemiebüchern. :/

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  5. Es macht mir nicht gerade Mut zu hören, dass die Studienzeit so vollgepackt ist, da ich jetzt schon kaum mit meiner Zeit auskomme. Aber andrerseits dürften ja eigentlich (fast) alle normalen Freizeitaktivitäten aufhören, sodass man Zeit zum studieren hat. Trotzdem bin ich mir sicher, dass du die Selektionsphase überstehen wirst und dann ein wenig mehr von deinem Leben hast. Ich habe schon von vielen Personen gehört, dass das erste oder die ersten beiden Semester ziemlich hart waren, danach aber ein eher lockeres Studentenleben geführt werden konnte; einer von den hat sogar Medizin studiert ;-).


    Ich wünsche dir viel Zeit und Wissen,
    Pearl.

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    1. Hast du gerade in einem positiven Kontext erwähnt, dass die Freizeitaktivitäten aufhören? Natürlich wird man an schulischen AGs nicht mehr mitmachen können, doch es gibt ja noch weitere Varianten von Hobbys und die komplett aufzugeben kommt nicht infrage, da ich der Meinung bin, mich selbst und meine Interessen zu vernachlässigen wäre eine deutliche Rückentwicklung.
      Klar ist die Zeit knapp, aber meine halbe Stunde Pilates zur Entspannung oder Frustbacken (Tonnen von Keksen!) nehme ich mir.

      Lockeres Studentenleben als Medizinstudent? Ich bin gespannt und werde berichten. Klingt schon mal nicht übel ;)

      Viele Grüße,

      Apfelkern

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  6. Noch mal mein Kater hat beim Laufen über die Tastatur gerade meinen Text gelöscht -.- Aber er ist so süß^^):
    Ich studiere nen Bachelor momentan im 5. Semester und kann dir durchaus bestätigen, dass das Studium einem die Freizeit raubt, vor allem, wenn du dann noch nebenbei arbeiten musst, um dir dein Studium überhaupt zu finanzieren. =/
    Ich habe aber auch schon eine abgeschlossene Berufsausbildung und habe danach auch 1,5 Jahre gearbeiten und kann nicht verstehen, das deine Eltern meinten, dass das Berufsleben immer so ist. Eigentlich ist es viel chilliger, weil du nach Feierabend Freizeit hast. Klar wirst du als Ärztin dich immer wieder auf den neuesten Stand halten müssen, Studien lesen, Notfälle haben und Überstunden leisten(je nach dem, ob du ne eigene Praxis oder im Krankenhaus arbeiten wirst), doch ähnlich ist es in jedem Beruf, aber nicht so dramatisch wie in während des Studiums! =)
    Dir weiterhin viel Erfolg! =)

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