Dienstag, 4. September 2012

Alles nur blaue Luft

Es klingt für mich völlig absurd, wenn es heißt, Rauchen wäre früher ganz normal gewesen; ja, hätte sogar zum guten Ton gehört. Ein Zigarillo zum Nachmittagskaffe, eine Pfeife am Kamin und beim Herrenabend eine Zigarre zum Whisky. So nett und gemütlich sich das alles anhören mag - für mich ruiniert allein schon die Vorstellung des Geruchs von Zigarettenrauch jegliche Idylle.

In einer Nichtraucherfamilie aufgewachsen empfand ich das Rauchen schon seit jeher als merkwürdig. Nein, ersetzen wir merkwürdig durch ein treffenderes Wort: ekelhaft. Der Geruch war für mich als Kind  immer ein Grund, mir die Nase zu zu halten und das Gesicht zu verziehen. Laut meinen Eltern hat das schon viele irritierte bis verärgerte Blicke der jeweiligen Raucher gebracht.
Heute halte ich mir aus Höflichkeit zwar nicht sofort die Nase zu, doch den Ekel vor Zigaretten empfinde ich noch immer.

Aus dem, was früher einfach nur eine intuitive Ablehnung von Tabakprodukten war, wurde im Laufe der Zeit mit wachsendem Wissen darüber zu einer einzigen Frage: Warum zum Teufel raucht heutzutage eigentlich noch irgendwer?
Es gibt in meinen Augen einfach keinen Grund dazu - im Gegenteil.

Der Tabakverkauf bringt - insofern man seine Kippen nicht in Polen, Tschechien oder in ähnlichen Gebieten besorgt - ordentlich Steuern (im ersten Quartal 2012 über 3,5 Milliarden Euro) ein und ist damit ein Beitrag zum Wohl des Staates, wenn man es denn so sehen will. Aber dem Raucher selbst ist damit wenig geholfen. Obwohl, ist Rauchen denn nicht verbindend und kommunikationsfördernd?
Sicher wird sich eine Art Gruppengefühl ergeben, wenn man gemeinsam den Abend im Restaurant immer wieder unterbrechen und sich in den Sturm vor der Tür stellen muss, um nikotinhaltigen Rauch zu inhalieren. Gemeinsam leiden schweißt zusammen - und trennt einen von den Nichtrauchern, die im Lokal bleiben können.
Ich bin über das seit 01.09. 2007 in ganz Deutschland geltende Rauchverbot in Bundesbehörden (na von mir aus…) und vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln sehr dankbar. Die Vorstellung, im Bus zu stehen und Tabakrauch ins Gesicht geblasen zu bekommen könnte für mich eine Szene aus einem Horrorfilm sein. Umgeben vom Rauch und keine Chance zu entkommen, ohne dabei das ursprüngliche Vorhaben - nämlich die Bewegung mit dem Verkehrsmittel von A nach B- abbrechen zu müssen.
Dass auch in den meisten Lokalen das Rauchen je nach Bundesland leicht variierend nicht mehr erlaubt ist, empfinde ich auch als sehr angenehm. Die Erinnerung an den Griechen im Dorf, über dessen Theke sich stets der beißende blaue Dunst gesammelt hatte, ist noch sehr lebendig. Bin ich froh, dass ich das nicht mehr ertragen muss, um gutes griechisches Essen zu bekommen.
Dass es noch Raucherlokale, Nebenräume und ähnliches gibt, in denen der Tabakkonsum erlaubt ist, sehe ich als ein vertretbarer Kompromiss dafür, dass es rauchfreie Zonen gibt.

Selbst wenn der Ekel mich nicht sofort beim Wahrnehmen des Zigarettengeruchs überfallen würde, ergäbe es einfach keinen Sinn, Raucher zu werden.
Es wirkt abstoßend auf Nichtraucher, sie fühlen sich dadurch gestört. Bei der Partnerwahl wäre es für mich auch ein Ausschlusskriterium, wenn der andere raucht. Man soll zwar niemals nie sagen, doch würde ich jemanden küssen wollen, der nach Aschenbecher schmeckt und an dem der Tabakgeruch klebt an einem wie Kaugummi auf den Gehweg und überall ein dezentes Kneipenaroma verbreitet? Eher nicht.
Es fängt schon bei den Kosten an. Wie viele Zigaretten sind in so einer kleinen Packung, für die man gern mal fünf Euro auf den Tisch packen muss? Zwanzig? Verbraucht man davon auch nur eine Packung täglich, sind das auf 365 Tage gerechnet schon 1825 Euro. Autsch - das macht für die Haushaltskasse der meisten Menschen ganz klar einen Unterschied, ob man das Geld in die Luft bläst oder zur Verfügung hat. Die Sucht findet Wege, die Kosten zu reduzieren und so werden die Glimmstängel eben im Ausland oder beim Vietnamesen um die Ecke besorgt.

Ja ja, so eine Nikotinabhängigkeit ist schon anstrengend. Und wenn man sie nicht befriedigt drohen eben Entzugserscheinungen. Süchte gehören auch nicht zu den Dingen, die ich in meinem Leben ausprobieren muss,

Es kostet unglaublich viel Zeit, regelmäßig seine Gier nach Nikotin zu befriedigen. Man unterbricht je nach Stärke der Sucht in regelmäßigen Abständen die Arbeit, katapultiert sich damit aus dem Arbeitsfluss heraus und nimmt sich vor allem mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Pausen als nicht rauchende Kollegen. Um das auszugleichen gibt es zwar bei einigen Arbeitgebern "Nichtrauchertage", das heißt freie Tage für Nichtraucher, als Sammlung der Zeit in welcher sie während der Pausen der Raucher weiter gearbeitet haben, doch die gibt es auch nicht für jeden Nichtraucher und vor allem auch nicht in dem Umfang, dass die Rauchpausenzeit wirklich ausgeglichen wird.

Also Raucher werden, um mehr freie Zeit zu gewinnen? Definitiv nicht, würde ich sagen, denn man mag sich zusätzliche kurze Pausen dadurch einrichten können, doch dafür verliert man an Lebenszeit. Damit will ich nicht unbedingt sagen, dass die mit Rauchen verbrachte Zeit verschwendete Zeit ist (obwohl…), sondern viel mehr, dass man dadurch langfristig seine Gesundheit so sehr schädigt, dass die Lebenserwartung sinkt. Natürlich gibt es Ausnahmen, die mit 13 ihre erste Zigarette pafften und mit 89 selig und bis auf übliche Altersgebrechen gesund einschlummerten und nicht mehr aufwachten ohne ihren Spaß mit Raucherbein, Asthma, Impotenz, Zungenrandkarzinom, Kehlkopf-oder  Speiseröhrenkrebs, Tumoren in den Bronchien, Zahnfleischentzündungen, schlechterer Wundheilung oder einer all der anderen Krankheiten, an denen zu erkranken das Risiko durch das Rauchen deutlich steigt, gehabt zu haben. Vielleicht hatte man ja nur gelbe Nikotinfinger und zeigte vorzeitige Hautalterung. Ich hätte trotzdem keine Lust, mir auch nur das anzutun.

Nun habe ich wenig freundliche Dinge über das Rauchen behauptet - war ja klar, dass ich das als Nichtraucher genau so machen würde. Die armen Raucher: leiden an einer Sucht und dann wird auch noch über sie schlecht geredet.
Ja, es ist eindeutig eine Sucht und es gibt definitiv eine Gruppe der Raucher, die diese gern wieder loswerden würden, doch wirkliches Mitgefühl bringe ich ihnen dennoch nicht entgegen. Schließlich haben sie freiwillig damit begonnen und wurden nicht dazu gezwungen.

Was wurde eigentlich aus den gelben Quadrate auf den Bahnhöfen, in denen sich die Raucher sammeln mussten, wenn sie auf dem Bahnsteig ihre Sucht befriedigen wollten? Sie wurden nach ihrer Einführung anfangs beachtet, bald ignoriert und sind inzwischen nicht selten fast vollständig verblasst.
Welch eine konsequente Umsetzung.

Ich habe schon gehört, dass sich Raucher von der Ablehnung ihrer Sucht durch Nichtraucher diskriminiert fühlen.
Ganz ehrlich: das Passivnichtrauchen ist absolut ungefährlich - Passivrauchen dagegen ist es definitiv nicht. Daher gibt es auch keine Kampagnen gegen Raucherdiskriminierung sondern Projekte zum Schutz der Nichtraucher.
Natürlich ist der Gedanke nicht unbeeinflusst davon, dass ich Nichtraucher bin. Natürlich bin ich eben dadurch, dass ich mich von in mein Gesicht wehenden Tabakrauch belästigt fühle was die Diskussion ums Rauchen angeht vorbelastet und kann nicht behaupten, eine neutrale Position einzunehmen, doch das ist in dieser Diskussion eh nicht möglich: entweder man ist Raucher oder nicht. Gelegenheitsraucher gibt es meiner Meinung nach nicht. Für mich zählen sie ebenso zu den Rauchern. Und je nach eigener Gruppenzugehörigkeit hat man auch eine feste Meinung zum Thema außer man würde gern aus der eigenen Gruppe in eine andere zu wechseln. Und so kann man auch clever argumentieren und logische; belegte Aussagen zweifelhaft erscheinen lassen oder zumindest schwächen wie es in einem Interview im Spiegel aus dem Jahr 1964 ein Leiter der wissenschaftlichen Forschung im Auftrag der Zigarettenindustrie tat.

Raucher sind auch nur Menschen - ich verachte sie für ihre Sucht nicht. Ich kann einfach nur nicht verstehen, warum man überhaupt rauchen wollen sollte.

Apfelkern



Kommentare:

  1. Als ich aufwuchs fand ich Rauchen nie ekelig. Meine Oma war starke Raucherin und immer, wenn ich bei ihr zu Besuch war, hingen schwere Rauchschwaden in der Luft und das hat mich nicht gestört. Im Gegenteil. Es war irgendwie schön. In Omas Nähe roch es immer nach Rauch. Und ich mochte meine Oma. Oma ist an Krebs gestorben.
    Ich mag es natürlich nicht, wenn man mir Rauch ins Gesicht bläst, aber die Anwesenheit von Rauchern und ihrem Rauch kann ich gut tolerieren. Was mich wirklich fertig macht ist zu wissen, dass das Rauchen Freunde und Familienmitglieder, die Raucher sind, krank macht. Manche vielleicht etwas später, manche vielleicht mit viel Glück auch gar nicht, aber mit höchster Wahrscheinlichkeit schaden sie ihrer Gesundheit dauerhaft und sterben womöglich daran. Lange vor Ablauf ihrer natürlichen Lebenszeit. Daher kann ich es schwer ertragen, wenn eine Freundin sich neben mir eine Zigarette anzündet. Und ich fühle mich daneben auch hilflos. Natürlich sage ich so oft es geht, dass sie mit dem Rauchen aufhören müssen, auch wenn ich ihnen auf die Nerven gehe, aber ich weiß nicht, wie ich ihnen dabei helfen kann. Ich weiß nicht, wie es ist, abhängig zu sein und was man tun kann, um davon weg zu kommen.
    Ich frage mich oft, ob man Zigaretten nicht gänzlich verbieten sollte. Sie würden unserer Gesellschaft nicht fehlen.

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    1. Deine Sicht auf das Rauchen ist sehr von persönlichen Erfahrungen geprägt. Du hast dadurch schon einen geliebten Menschen verloren und siehst dadurch anscheinend in Zigaretten eine Gefahr für eben diese Menschen. In meiner Familie sind bis auf eine mir mäßig nahe stehende Tante alle Nichtraucher, sodass ich darin diesen Aspekt noch nicht sah.
      Würden meine Freunde rauchen, empfände ich ebenso diese Hilflosigkeit, sie nicht davor schützen zu können, solange sie es nicht selbst wollen. Sie damit zu belehren, wie schlecht das Rauchen ist, bringt wahrscheinlich wenig. Den meisten Rauchern ist das eh schon bewusst; sie ignorieren es nur oder sind nicht in der Lage, von der Sucht weg zu kommen.

      Gänzlich verbieten dürfte man Zigaretten wahrscheinlich schon einfach gar nicht, weil es eine Bevormundung des Einzelnen; eine Einschränkung der persönliches Entscheidungsfreiheit wäre. Aber ja - ich teile die Meinung, dass Zigaretten der Gesellschaft nicht fehlen würden.

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  2. Ich liebe den Geschmack von Geräuchertem:
    von Chips mit Raucharoma, von Räucherschinken, Räucherfisch, Grillfleisch etc. Und mir schmecken Zigaretten.
    Ich rauche nicht auf Lunge, da hat man schließlich keine Geschmacksknospen. Ich rauche ca. 2 am Tag und die immer außerhalb der Wohnung.

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    1. Klingt so als würdest du dich zu den Genussrauchern zählen. Aber wie lange kann man den Rauchgeschmack genießen, ohne eine Nikotinsucht zu entwickeln?
      Mit zwei Zigaretten am Tag liegst du bei einer sehr niedrigen Anzahl, die wohl deutlich weniger schadet und auch kostet als mehr davon, die auch noch auf Lunge geraucht würden. Und gesund ist es noch immer nicht. Gesund ist unser Lebensstil im Allgemeinen selten…
      Letztendlich ist es immer eine eigene Entscheidung. Du scheinst es zumindest mit Genuss an zu gehen und Rücksicht auf andere zu nehmen und draußen zu rauchen.

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  3. Ich finde die meisten Argumente (oder eigentlich alle), die für das Rauchen sprechen, nicht nachvollziehbar. Es fängt in frühen Jahren an, dann war es der unvermeidliche Gruppenzwang. So, als ob man keine Wahl hätte, als ob man aus einer Gruppe verstoßen wird, hätte man sich gesträubt.
    Für mich zeigt das nur wieder Charakterschwäche.
    In der Öffentlichkeit zu Rauchen beudetet für mich auch Rücksichtslosigkeit. Trotzdem würde ich mir nicht das Recht nehmen, jemanden dies zu verbieten.

    Das mit der Partnerwahl ist auch so ein unbeschriebenes Gesetz. Raucher? Niemals. Denn irgendwie ist das doch auch ein kleiner Teil, der zum Charakter beiträgt?

    Raucherpausen sind furchtbar nervig für die Nichtraucher, aber ich würde auch schon sagen, dass es gesellig ist, zumindest für die Raucher.

    Ich halte generell wenig von Abhängigkeiten und Süchten, besonders, wenn man sie sehr gut vermeiden kann! Ich werde es nie verstehen, wieso man sich dazu hinreißen lässt, es zu probieren. Das wär für mich von gleicher Logik, wenn ich mir freiwillig das Genick brechen lassen würde, nur um zu erleben, wie es ist querschnittsgelähmt zu sein.
    Aber die Leute leben ja sogern unter dem "YOLO" und "Live fast, die young"-Motto, dass man sie auch nicht davon abbringen könnte.
    Verkürze dein Leben, lebe jeden Tag, als wär's dein letzter.
    Aber naja, ich bin einfach furchtbar konservativ und öde. ;)

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    1. Der Vergleich mit dem Brechen des Genicks, nur um mal zu erleben, wie sich das anfühlt, amüsiert mich sehr. Und ganz abgesehen davon ist es ein sehr treffender Vergleich: warum sollte ich mir eine Sucht angewöhnen, deren Schädlichkeit genau bekannt ist, nur um mal auszuprobieren, wie es "denn so ist"?! Eben.

      Auch wenn man nur einmal lebt, muss man meiner Ansicht nach nicht jeden Scheiß mitmachen und alles ohne vorher auch nur mal ansatzweise darüber nachzudenken ausprobieren. Wahrscheinlich bin ich genauso konservativ und öde wie du - allerdings kann ich damit gut leben.

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  4. Ich bin in einem Semi-Raucher-Haushalt aufgewachsen, mein Vater war (und ist es vermutlich immer noch) Pfeifenraucher. Viele finden, Pfeifentabak- und Rauch würde gut riechen, Gemütlichkeit verbreiten. Das konnte ich nie finden. Zudem haben meine Mutter und ich mit juckender Haut und Ausschlägen auf diesen Qual reagiert, was allerdings nicht dazu geführt hat, dass mein Vater das Rauchen unterlassen hätte. Und es hat auch nicht dazu geführt, dass ich es nicht angefangen hätte, das Rauchen, und das tatsächlich in dem von Dir gennannten zarten Alter von 13.
    Gründe dafür? Ich wollte dazu gehören, zu der Clique von coolen Jungs und Mädchen, die es mir so angetan hatten. Vor allem der Eine. Sie waren älter als ich und haben alle geraucht und ich wollte auch so cool und "erwachsen" sein.
    Das es viel cooler ist, nicht zu rauchen, nicht mit dem Strom zu schwimmen, habe ich erst viel später erkannt. Und dass cool sein an sich schon nicht so besonders erstrebenswert ist dann nochmal viel später.
    Allerdings kann ich nicht sagen, dass es einen Gruppendruck- oder Zwang gegeben hätte. Keiner hat versucht mich zu überreden oder gar dazu gedrängt. Ich war einfach der Meinung, so Anerkennung, Zugehörigkeit zu bekommen.
    Die Gründe, mit dem Rauchen zu beginnen, werden heute vermutlich noch ganz ähnlich sein. Wunsch nach Erwachsensein, cool sein, dazu gehören, vielleicht auch etwas Rebellion. Weiter zu Rauchen, dabei zu bleiben, ist dann eine Frage der Gewohnheit und der (tatsächlich entstandenen, körperlichen) Abhängigkeit, Sucht. Schlimm an der Sache ist, dass der Verstand sehr wohl weiß, was man sich und anderen damit antut - und trotzdem macht man es. So war es zumindest bei mir.
    Auslöser für mein Aufhören war dann mein Hund. Bevor ich bekam habe ich mir alles mögliche angelesen, damit es ihm ja gut bei mir geht. Unter anderem habe ich gelesen, dass Hunde mit spitzer Schnauze sehr anfällig seien für Nasenkrebs, ausgelöst durch Zigarettenqualm. Meiner sollte eine spitze Schnauze haben. Der Tag, an dem er bei mir einzig war mein erster Tag als Nichtraucher. Von heute auf morgen - und bis heute. Eigenartig, dass die Gesundheit eines Hundes mir offensichtlich mehr am Herzen lag als die eigene. Aber egal, das Ergebnis ist wichtig gewesen.
    Ich verachte Raucher nicht, weil ich selber mal in dieser Situation war, weil ich weiß, wie es sich anfühlt. Was ich aber nicht tolererieren kann ist diese unglaubliche Arroganz vieler, die sich durch Nichtraucher eingeschränkt fühlen in ihrer Freiheit. Allerdings geht es mir mit allen so, die ihre eigenen Ansichten und Lebensweisen für die einzig richtige halten, egal ob sie anderen damit schaden.

    Sich einen Partner zu wünschen, der nicht raucht, kann ich nachvollziehen. Was die Chemie, die die berühmten Schmetterlinge freisetzt, aus diesem sachlichen, logischen Wunsch machen kann steht vermutlich nochmal auf einem anderen Blatt.

    Das Rauchen generell zu verbieten klingt nach verständlich und vernünftig für mich. Leider geht es denen, die das in der Hand hätten, aber nunmal primär nicht um die Gesundheit der Menschen sondern eben, wie vermutlich immer, um Geld. Eine Regierung, die nicht mal dafür sorgt, dass lebensnotwendige Dinge wie Lebensmittel keine gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe beinhalten dürfen, ja die sogar einer Lebensmittelampel nicht zustimmen will, wird sicherlich nicht die Geldeinbußen hinnehmen, die durch ein generelles Rauchverbot entstehen würden. Traurig aber wahr...

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  5. Zu dem Aspekt Gruppenzwang: Dass man viel cooler ist, wenn man nicht mit dem Strom schwimmt, erkennt man aus dem einfachen Grunde erst deshalb viel später, weil die Gruppe an sich es erst viel später erkennt. Man muss also quasi mit dreizehn investieren und sich freiwillig zum Außenseiter machen, damit dann mit achtzehn auf der Oberstufenfahrt endlich mal die damals so Coolen ankommen, um dir ihre Bewunderung auszudrücken dafür, dass du ja schon immer dein eigenes Ding gemacht hast.
    Ganz ehrlich.
    Ich kann diesen Spruch nicht mehr hören, diese Anti-Gruppenzwang-Parolen. Die kommen immer nur von Leuten, die schon weit jenseits der Enwticklungsphase sind, in der Kinder und Jugendliche wirklich hemmungslos grausam sind, wenn es darum geht, andere runterzuputzen und auszugrenzen. Damit meine ich übrigens jetzt nicht das Rauchen an sich, sondern generell. Und, was vielleicht auch nicht unerheblich ist: Ich war nach meinem eigenen Empfinden nie ein Außenseiter. Ich habe viel Quatsch mitgemacht, ich habe viel Quatsch gelassen, ich kam immer zurecht - aber dass ich mit dem Rauchen angefangen habe, das war dafür weder nötig noch ausschlaggebend noch zwangsläufig.
    Vor allem aber weiß ich, dass es Zeiten gab in denen ich selber auch systematisch andere fertiggemacht habe, die mir nicht gepasst haben, und darauf bin ich ganz sicher nicht stolz.
    Und genau deshalb, obwohl ich selber ausgeteilt und nicht eingesteckt habe, finde ich es anmaßend und großkotzig, durch die Bank weg jedem, der Dinge tut, weil die Gruppe es diktiert, gleich einen schwachen Charakter zu unterstellen.
    Ich kann mir einfach keinen halbwegs "normalen" Menschen vorstellen, der jemals wirklich von Anfang an glücklich und zufrieden damit war, "eben einfach nicht zu den 'Coolen' zu gehören", und der nie irgendwas gemacht hat, 'weil es alle machen', oder um 'dazuzugehören'.

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    1. Das ist ein guter Punkt. Ich hab in der Schule nie auch nur entfernt zu einer Gruppe gehört, die cool war. Und es hat quälend lange gedauert, bis es mir egal war. Und die Einsicht kam auch nicht durch seelisches Erwachsenwerden, sondern zunächst dadurch, dass die "Coolen" mich so toll behandelten, dass ich mich fragte, wie tief man einen Kugelschreiber wohl in den Hals eines anderen Menschen rammen könnte. Das hält dann irgendwann natürlich auch davon ab, dazugehören zu wollen.
      Gerade als Heranwachsender möchte man eben "dazu gehören". Man macht Dinge, die man nicht machen soll, die verboten sind, um nicht der Außenseiter zu sein. Als Erwachsener zu sagen, dass man da doch drüber stehen kann, ist Unfug.

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  6. Ich glaube es ist völlig normal und menschlich, dazugehören zu wollen. Es mögen sich im Laufe der eigenen Entwicklung die Zielgruppen ändern, aber der Wunsch, Menschen um sich zu haben, die in Dingen, die einem wichtig sind oder auch nur Spaß machen, ähnlich ticken wie man selber, bleibt immer bestehen.

    Das Wort Gruppenzugehörigkeit ist oft so negativ besetzt, weil viele dabei von Gruppen sprechen, die sie nicht verstehen können und aus diesem Grund nicht ernst nehmen oder möglicherweise auch verachten. Weil die Gruppierung in manchen Augen aus schwachen Charakteren besteht.

    Rauchen als Schwäche? Ja, vielleicht. Wenn Schwäche bedeutet, sich nicht so zu verhalten, wie es für sich und andere zu 100% vernünftig, moralisch einwandfrei, verantwortungsbewusst etc. wäre. Das gilt aber für so viele andere Eigenschaften auch. Und wenn ich ehrlich bin - genau das ist es doch, was den einzelnen Menschen ausmacht. Wie langweilig wäre es, wenn wir ohne Schwächen wären?!! Wenn wir uns alles versagen würden, was unvernünftig, ungesund, unangepasst,..., ist? Letztendlich wäre wir eine riesengroße Gruppe von Stereotypen. Und das kann sich doch wirklich keiner wünschen...

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