Sonntag, 4. September 2011

Wir sitzen alle zitternd im gleichen Schneckenhaus

Wir haben Angst und das vor so vielem: Angst vor der Zukunft, Angst vor den Reaktionen anderer, Angst um das eigene Wohlergehen und das der Freunde, Angst vor der Angst.

Oft gelesen habt ihr das zentrale Wort des Posts ja bereits. Doch welche Bedeutung steht dahinter? Ich bitte Wikipedia ans Rednerpult:

"Angst ist ein Grundgefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein. Begrifflich wird dabei die objektunbestimmte Angst (lateinisch angor) von der objektbezogenen Furcht (lateinisch timor) unterschieden."

aus:http://de.wikipedia.org/wiki/Angst

Im nächsten Jahr werde ich mein Abitur haben und mich entscheiden müssen, was ich danach mache.
Angst.
Man wagt es nicht, sich anderen Menschen völlig zu offenbaren. Warum?
Angst.
Man setzt sich selbst unter Druck, um die Ansprüche anderer zu erfüllen. Warum?
Angst

Und das sind nur einige Beispiele aus dem Alltag. Ständig sind wir erfüllt von solchen negativen Gefühlen, die uns so einen Teil der Freude am Leben nehmen.
Natürlich hat Angst eine natürliche Funktion als Warnmechanismus in Gefahrensituationen. Kämpfen, wegrennen oder erstarren - das ist es, was sie eigentlich bei Tieren auslöst. Aber das Warnsystem ist übersensibel und fehlerbeladen. So vergießt man viel Angstschweiß unnötig.

Wir machen uns zu viele Gedanken, was unsere Mitmenschen über uns denken könnten, wir sorgen uns zu viel, ob unser Verhalten nun in Ordnung war, wir auch niemanden  belästigt oder befremdet haben.Wir sprechen mit niemandem oder nur mit den wenigsten über unsere Gefühle und das nur, weil wir die Reaktion fürchten. Wer möchte schon verlacht werden?

Aber eigentlich ist diese Vorsicht unnütz und sogar lächerlich. Denn wir alle haben die gleichen Bedürfnisse und Gefühle. Auch wenn es schwer fällt, das zu glauben. Warum also sollte man sich für die eigenen schämen und sie verheimlichen? Gar nicht, denn es macht das Leben nur schwerer.

Und genauso bin ich überzeugt, dass wir nicht ständig Zukunft, Veränderung und Vergänglichkeit als Schatten am Horizont sehen sollten. Es wird weitergehen, das ist sicher. Und weil man ständig vorwärts  läuft, entscheidet man sich für einen Weg - egal ob bewusst oder nicht. Ich möchte den Moment genießen können. Selbst wenn dieses Gefühl des Moments nie mehr zu mir zurückkehrt habe ich es doch erlebt und behalte die Erinnerung. Und die kann ich so oft wiederdurchleben wie ich will.

Außerdem glaube ich, dass wir wirklich unserem viel gepriesenen Bauchgefühl folgen sollten. Denn wenn man andere über sein Leben entscheiden lässt, wird man nur selten glücklich und macht dem anderen Vorwürfe.
Trotzdem kann man die Meinung anderer anhören. Außerdem ist es eine Wohltat für die Seele, seine Sorgen zu teilen. Ich wünsche jedem einen Seelenverwandten, der seine Probleme teilt und den fremden lauscht. Eine Angst zu teilen erleichtert das Verständnis, dass man nicht allein ist und schenkt Hoffnung und daraus resultierend Mut.

Und der Sinn des Lebens ist bestimmt nicht, angsterfüllt zu sein, sich von Mission Horror überstehen zu Mission Horror überstehen Level II zu hangeln. So simpel es klingt - ich denke, es gibt keinen generellen Sinn des Lebens. Wichtig ist, dass man glücklich ist.

Wir sollten auch niemanden ausschließen, nur weil er anders ist. Er hatte einfach nur das Pech gehabt, bei der Zusammenstellung dieser Gruppe keinen Partner gezogen zu haben. Auch wenn es schwer fällt - ein wenig Freundlichkeit und Akzeptanz sollten wir aufbringen, denn vielleicht sind wir bei der nächsten Gruppenbildung der Einzelne. Zumindest, wenn wir uns dagegen entscheiden, uns ohne Rücksicht auf die eigene Persönlichkeit zu verstellen.


Es ist wahrscheinlich das Beste, von dem krampfhaften Kampf gegen die Vergänglichkeit loszulassen. Es ist schwer. Doch alles hat seine Zeit und daran kann nichts geändert werden.

Oscar Wilde:
"Es ist eine traurige Sache, aber es ist kein Zweifel, dass Genie länger dauert als die Schönheit. Das erklärt die Tatsache, dass wir alle uns so damit quälen, uns mit Bildung vollzustopfen. In dem wilden Kampf ums Dasein wollen wir alle etwas haben, das dauert, und so füllen wir unseren Geist mit Schund und Tatsachen in der törichten Hoffnung, unsern Platz zu behaupten."


Ist ja wundervoll, dass du ein Abitur mit 1.0 schaffst. Und wie war deine Jugend?
Man sollte zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden können und eine gute Balance finden.

Man sollte das Glück des Momentes bewusst wahrnehmen und nicht als gegeben hinnehmen. Die Grundvoraussetzung für Glück ist es auch, mit sich selbst im Reinen zu sein. Seid ehrlich zueinander, die Lüge nützt niemandem. Und erkennt euren eigenen Wert ohne euch daran aber zu sehr zu verlieren und euch selbst arrogant zu überschätzen.
Angst kann ein Antrieb sein. Furcht vor Prüfungen kann ein Antrieb sein, doch nur, wenn man sie nicht in jeder Situation sondern nur in den wichtigen empfindet.


Das Leben ist zu kurz, um unglücklich zu sein.
Zeit mit Menschen zu verschwenden, denen man sowieso nur vortäuscht sie zu mögen, ist falsch. Niemand zieht Nutzen daraus.

Und nun zur anderen Gruppe der Menschen - derer, die einem wichtig ist. Auch wenn es manchmal unmöglich erscheint - ich spreche aus Erfahrung - kommuniziert mit euren Mitmenschen, sagt ihnen, was sie euch bedeuten. Wenn es direkt nicht geht, dann vielleicht schriftlich. Denn oft verlaufen Freundschaften längst nicht so tief wie möglich, nur weil keiner sich zuerst aus dem Schneckenhaus wagen möchte.
Wenn die Schnecke erst einmal draußen ist, kann sie gar nicht mehr verstehen, wovor sie sich gefürchtet hat.

Vielleicht hilft jemandem diese Ansammlung von Imperativen (Analyse: Angst vor den Reaktionen Fazit: die Praxis ist stets schwerer als die Theorie und selbst wenn man letztere beherrscht, kann man sie  nicht immer umsetzen)

Apfelkern

Kommentare:

  1. Wow, der Text hat mich ziemlich beeindruckt.
    Am besten finde ich den Satz "Das Leben ist zu kurz, um unglücklich zu sein.", denn das kann ich so nur bestätigen.
    Deshalb sollte man versuchen, einfach bewusst zu leben. Bewusst lachen, weinen, zusammensein, alleine sein, entdecken, essen, trinken, usw.
    Und den Dingen seinen Lauf lassen, aber natürlich - wie du schon sagst - eine gute Balance dabei finden. Man ist ja größtenteils selbst dafür verantwortlich, sich seine Zukunft aufzubauen.

    Also, immer das Beste aus einer Situation/Lage machen, zu seinen Entscheidungen stehen und sich nicht beschweren, denn man hat sichs ja selbst ausgesucht, und sich trotzdem auch den schönen Dingen des Lebens widmen :)

    Auch mit den wirlich wichtigen Freunden kann ich dir zustimmen, wozu Zeit und Energie in "Freunde" stecken, die dir gegenüber selbst nie das gleiche entgegenbringen würden, bzw dich nicht schätzen? Ich hab immer das Gefühl, wenn man zuviel mit dieser Art Menschen zu tun hat, färbt das ab. Also diese negativen Gefühle, irgendwann sieht man selbst dann alles schwarz und negativ und so weiter.

    Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Glück in deinem letzten Jahr und viel Erfolg im Abi! :) Weißt du denn schon grob, in welcher Richtung du was machen willst?

    Lg

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  2. ein toller text, frau apfelkern.

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