Donnerstag, 21. April 2011

Sorbische Ostereier


Die erste Assoziation, die ich mit Ostern verbinde sind weder die berüchtigten Hohlschokoladenhasen noch niedliche Flauschküken.

Werkzeug


Stattdessen ist es der Duft von warmen Bienenwachs. Denn soweit ich mich zurückerinnern kann, habe ich mit meiner Mutter immer sorbische Ostereier gemacht, obwohl es meines Wissens nach gar keine verwandtschaftliche Verbindung zu den Sorben in unserer Familie gibt. In der Lausitz sind die sorbischen Ostertraditionen noch sehr lebendig und dazu gehört auch die kunstfertige Verzierung der Eier. Meistens wurden die Eier am Karfreitag gestaltet, da an diesem Feiertag nicht gearbeitet werden durfte und das Ostereiermalen nicht als Arbeit galt. Da morgen Karfreitag ist möchte ich euch eine kleine Anregung geben, künstlerisch tätig zu werden.

Zuerst müsst ihr die Eier ausblasen und reinigen. Mit ein wenig Essig kann man auch die lästigen Stempel auf der Schale entfernen, wenn Seife und eine Bürste es allein nicht schaffen.
Nun bereitet ihr euch das Werkzeug vor. Punkte kann man mit einer in einen Schaschlikspieß oder Bleistift gesteckten Stecknadel erzielen, für Dreiecke oder Rauten schneidet ihr euch Gänse- oder Hühnerfedern in Form.
Die Farbbäder

Nun biegt man einen Löffel wie auf dem Bild zurecht und steckt ihn in ein Glas Sand oder eben auch eine halbe Kartoffel. Über eine Kerze gestellt schmilzt man eine Mischung aus einem Teil Bienenwachs und einem Teil normalem Kerzenwachs darin. Nun riecht ihr auch den beruhigenden Duft, der für mich Ostern bedeutet. Mit den Federn oder auch der Stecknadel trägt man Muster auf das Ei auf, indem man sie zuerst in das flüssige Wachs taucht und danach schnell den Abdruck auf das Ei bringt.

Anschließend färbt man das Ei in einem Kaltfärbebad (Wärme würde das Wachs ablösen). Nun kann man weitere Muster hinzufügen oder mit dem bestehenden Design zufrieden sein. Habt ihr euch für weitere Punkte und Dreiecke entschieden, färbt ihr danach noch einmal. Ihr werdet so mehrfarbig gemusterte Eier erhalten. Dann lässt man der Farbe einfach noch etwas Zeit zum Trocknen und schmilzt dann das Wachs auf dem Ei über einer Kerzenflamme und reibt es mit einem Küchentuch ab. So erhält das Ei zusätzlich einen hübschen Glanz und die Farbe wird konserviert.

Eier in verschiedenen Stufen des Entstehungsprozesses
Es gibt noch eine Vielzahl anderer sorbischer Verzierungstechniken. Die hier vorgestellte ist die Wachsreserviertechnik. Eine wunderbare Vorstellung weiterer Techniken und genauer Anleitungen sowie Anregungen zu den traditionellen Mustern findet ihr hier. Um besonders ordentliche Musteranordnungen zu erhalten, kann man sich mit einem Bleistift dünn Linien vorzeichen. Spannt man einen breiten Gummi um das Ei und zieht daran entlang die Linie, wird sie (meistens) sogar gerade.

Ich wünsche euch viel Spaß und Geduld beim Ausprobieren.
Apfelkern

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen